Was macht eigentlich Spryker | Teil 2

Spryker LogoJochen Krisch hat uns vor zwei Wochen in seinem Blog bereits sehr gelobt für die progressive Ausrichtung von Spryker. („Spryker und der perfekte Pitch für den Handel von morgen„) Das Lob hat uns sehr gefreut, weil es unsere Ausrichtung bestätigt. Wir haben uns von der Shopdenke gelöst, weil es aus unserer Sicht in Zukunft viel weniger (Desktop, Mobile….) Shops geben wird. Ich muss meinem Sohn bereits heute erklären, warum man für die Bestellung von Batterien oder sonstigem Kleinkram noch an den Rechner muss und bei einem Desktopshop etwas aussucht. Er würde das direkt mit dem Amazon Echo machen. Wenn man genau drüber nachdenkt, dann sind viele Onlineshops noch immer eine Krücke, die in einer Desktop First Welt entstanden ist und in vielen Fällen mobil fortgesetzt wurden. Dank Echo, Messenger, IoT & Co., löst sich diese Blockade nun auf und wir diskutieren mit unseren Kunden vollkommen neue Anwendungsfälle. Der Onlineshop, oder in vielen Fällen auch der Marktplatz auf Basis von Spryker sind zwar noch immer gern genutzte Einstiegsszenarien, aber so langsam dämmert es den meisten Projektverantwortlichen, dass man mit einem besonders hübschen Onlineshop in Zukunft auch keine Marktanteile mehr gewinnen kann. Die Gründe dafür liegen in der Plattformökonomie und natürlich an den neuen technischen Möglichkeiten, die von Kunden zunehmend schneller adaptiert werden.

Während ich mit meinem Co-CEO Boris im ersten Teil der Spryker Podcast Reihe noch über die verschiedenen (Shop-) Systemgenerationen gesprochen habe, geht es in der aktuellen Ausgabe um Anwendungsfälle und vor allem sehr viel um Methodik. Was sollen Kunden machen, die sich schon mit einfachen IT Projekten schwer tun? Was muss man umsetzen, wenn man die Kunden nicht mehr über eine Marktforschung sinnvoll nach zu ihren Wünschen befragen kann? Wie geht man mit der Unsicherheit von Voice Commerce und Messenger Anwendungen um? Muss es direkt der Kühlschrank sein, der selbständig Milch bestellt? Ich bin selbst überrascht wie klar das Bild wird, wenn man sich von ein paar liebgewonnenen Denkmustern löst. Mehr dazu im Interview oder live nächste Woche auf der DMEXCO. Hier geht es zum Programm und zur Anmeldung bei uns.

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Spryker Systems mit Boris Lokschin, Alex’ Co-CEO bei Spryker

Boris und Alex haben mehrere Gemeinsamkeiten: Beide bekleiden CEO-Posten beim stark expandierenden Handelstechnologieanbieter Spryker Systems und beide reden gern E-Commerce Klartext. Im Vorfeld der DMEXCO wollen sie die zweite Update auf Kassenzone zum Status des Betriebssystems für Commerce geben und auf Fragen von Hörern in der WhatsApp-Gruppe eingehen. Bei Spryker verantwortet Boris unter anderem die Entwicklung des Partner-Netzwerks sowie des Trainings- und Zertifizierungsbereiches „Academy“.

 „Sie kaufen Spryker auf Basis ihrer Pläne für die Zukunft“        

Der Podcast fängt mit einer Eine-Minute-Zusammenfassung von Spryker an, dem Betriebssystem für Commerce, das es Kunden ermöglicht, verschiedene Nutzerschnittstellen – ob Online-Shop, Mobile-Appikation, oder Chat-Bot – agil und hochwertig als Apps einzurichten. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass das gerätgebundene Zeitalter des Desktops und des Handys zu Ende geht: Die Zukunft von Commerce wird bestimmt von einer wachsenden Zahl von Interfaces, wie die Ausweitung Amazons auf Dash und Alexa belegt. Die Wege der Customer-Journeys und die Auswahl der Touchpoints werden dynamischer, sodass Unternehmen erkennen, wie viel Flexibilität sie benötigen.

3:30

Alex: Die Touchpoints werden zwar immer diverser und der Anteil Mobile-Traffic steigt, aber Haupt-Shops werden noch benötigt. Kann man sie mit Spryker bauen?

Boris: Absolut! Der Haupt-Shop wäre dann eine der Apps, die man mit dem Betriebssystem Spryker als Basis baut. Es ist absolut möglich, einen klassischen Desktop-Shop mit Spryker zu bauen und wir bringen ein breites Spektrum an Standard-Funktionalitäten – für verschiedene B2C-Cases über alle Verticals verteilt – auch mit. Das Vorgehen ist wie man das bei sich auf dem Desktop kennt: Dort hat man ein Betriebssystem als Basis. Und unser Betriebssystem ermöglicht viele Funktionen wie Produktverwaltung, Warenkorb-Management, Suche usw. und stellt diese als APIs zur Verfügung. Erst einmal wird keine Annahme darüber getroffen, was eigentlich das Front-End ist – oder ob es überhaupt ein Front-End gibt. Denn es gibt Use-Cases, die Front-End-los sind – worauf wir später sicherlich zurückkommen werden.

Insofern: Haupt-Shop mit Spryker bauen? Absolut möglich. Aber erst richtig spannend wird es, wenn man in dieses Multi-App-Universum eintaucht und vieles ausprobiert.

Alex: Wenn ein Desktop-Shop also ein Use-Case ist, was für andere gibt es? Und gibt es das industriespezifische Anwendungsfälle?

Boris: Das ist immer ein Entweder-Oder. Natürlich kann ich sagen: Ich baue erst einmal die Shop-App, irgendeine Form von Mobile-App und dann vielleicht auch noch eine Alexa-Sprach-Skill. Von der Methodik her sehen wir, dass unsere Kunden an immer mehr Use-Cases denken müssen. Dafür haben wir einen Begriff geprägt: NVP – „Nano-viable product“. Also nicht „MVP“ – „minimum viable product“ als schlankes Projektchen. So kann man mit Spryker ebenfalls sagen: Ich sehe, dass beispielsweise Mobile oder ein wichtiger Kanal ist. Aber da muss ich jetzt nicht die eine Lösung dafür bauen, den Mobile-Shop. Sondern ich kann sagen: Ist ein relevanter Touchpoint, über den meine Kunden mit mir kommunizieren möchten. Aber es muss nicht zwangsläufig ein Shop sein. Es muss nicht mal transaktional sein. In der Mode-Branche kann es zum Beispiel sinnvoll sein, eine Style-App oder einen Konfigurator zu bauen. Oder vielleicht biete ich Kundenservice über Bots an. Es muss kein Facebook oder WhatsApp-Shop sein.

So ist es zielführender, in einzelnen Vorhaben anstatt in konkreten Apps zu denken: Ich möchte meinen Customer-Service modernisieren – Wie mache ich das? Ich will Customer-Engagement in Mobile optimieren – Was könnte helfen? Ich würde gern neue Touchpoints ausprobieren – Was setze ich hier um? Dann schneidet man das in Use-Cases herunter. Danach kommt es sehr auf die Branche an, denn die Digitalisierungsgrad ist ja immer sehr unterschiedlich. Es gibt welche, die haben die erste Generation Desktop-Experience gut im Griff und kümmern sich daher um die neueren Touchpoints. Sie werten ihre Analytics-Daten sehr genau aus und wissen immer mehr darüber, wie die Customer-Journey eigentlich aussieht: Das ist heute schon sehr fragmentiert – von E-Mail bis Social-Media und Desktop plus TV, Print, Flyern etc.. Dann überlegen sie sich, auf welchen neuen Produkten und Touchpoints sie in den kommenden Monaten wetten wollen.

Allerdings gibt es auch Use-Cases, in denen man in irgendetwas startet, wo man gut und günstig Boden gewinnen kann. Der Klassiker wäre zu sagen: Ich gebe jetzt im Bereich Sprache oder Mobile Gas, weil ich weiß, dass ich in meinem Vertical leicht Quick-Wins erzielen kann, weil meine Wettbewerber ja noch alle sehr in diese Desktop-fokussierten SEO- & Perfomance-Schiene sind. Das kann man übrigens sehr gut an den Mobile-Ads-Umsätzen sehen: Obwohl die meisten schon 50% Mobile-Traffic haben, ist dieser Bereich in der Werbewirtschaft noch unterrepräsentiert.

8:00

Alex: Kann man neue Interfaces mit Spryker neben einem bestehenden Shop aufsetzen, oder muss man erstmal den Haupt-Shop mit einer Spryker-App ablösen, um alle Capabilities einzusetzen? Was ist deine Empfehlung?

Boris: Beides kann man machen. Man verschließt sich nichts. Meine Empfehlung hängt daher vom Use-Case ab. Es gibt Kunden, die den Shop auf der Legacy-Plattform erstmal stehen lassen, weil er noch nicht refinanziert ist – oder weil sie gar keinen Druck verspüren. Denn viele Kunden lesen an den Umsätzen ab, dass das für sie ein sterbender Kanal ist. So wollen sie gar keine Investitionen mehr in dem Channel tätigen, wollen den heute aber noch nicht abschalten. Es gibt als viele Gründe, das Bestehende stehen zu lassen, und dann alle neuen Devices und Touchpoints mit dem Spryker OS umzusetzen: Viele wollen erst einmal nicht versuchen, das Re-Ordering oder eine Informationsabfrage per Sprache auf einer Legacy-Plattform zu bauen. Oder versuchen, eine Chat-Bot oder Dash-Button-Funktionalität zu integrieren. Sie sagen: Ich stelle das daneben und dann wird die Zeit zeigen, ob ich meinen Shop dann darauf umziehe – was als zweiter oder dritter Schritt leicht umzusetzen ist, da das System bereits Produkte und Kundendaten verwaltet und der Shop dann nur ein weiteres Front-End darstellt.

In anderen Use-Cases sagt der Kunde: Ich habe gerade so einen Leidensdruck, ich habe Investitionsstau aufgebaut, ich habe heute schon massive Probleme mit Performance, Conversions, Kosten. Wenn ich im alten Kanal Handlungsdruck habe, ist ein Desktop-Shop im Spryker OS oft der erste Schritt. Dass der Shop als Kanal nicht unbedingt zukunftsträchtig ist, wissen die Kunden: Aber es geht erstmal um Hygiene. Sie entscheiden sich also für Spryker nicht, weil wir den besseren Shop bauen, sondern weil sie nach vorne raus die neuen Use-Cases ermöglicht wissen möchten. Sie kaufen auf Basis der Erwartungen und ihrer Pläne für die Zukunft.

10:30

(Alex will die Fragestellungen am Beispiel einer Branche festmachen. Viele WhatsApp-Gruppenmitglieder haben nach B2B Use-Cases mit Spryker gefragt, da Spryker ja nun Hilti und die Takkt-Gruppe als Kunden hat. In dem Bereich haben sehr viele Kunden gerade veraltete Mechanismen – nicht mal einen wirklichen Online-Shop. Alex fragt: Wie funktioniert Spryker, sowohl inhaltlich-strategisch als auch operativ? Boris verweist auf den neuerlichen B2B-Podcast mit Lennart Paul und geht die strategischen Überlegungen für B2B-Hersteller und -Händler durch. Die alleinige Empfehlung könne es nicht mehr sein, den definitiven Desktop-Shop zu bauen, weil das zwar vor 10 Jahren Begeisterung ausgelöst hätte, heute aber einen reinen Hygienefaktor darstelle. Den Zeitpunkt hätten viele im B2B verpasst. Und jetzt gelte es zügig zu handeln, weil mit der Zeit alles teurer werde. Daher sei es für viele im B2B die beste Wahl, anstatt auf eine große „Wette“ – etwa: Legacy-Online-Shop, die 24 Monate Bauzeit in Anspruch nimmt – auf 10-bis-15 kleinere „Wetten“ zu setzen.

Daher müsse geprüft werden: Wenn man als B2B-Unternehmen nicht den zigsten Ersatzteile-Online-Shop gegen viele andere bestehende Wettbewerber durchsetzen kann, welches der neueren Themen könnte denn sonst funktionieren? Wie wäre es mit Folgebestellungen per Dash-Button zum Beispiel? Helfen Sprache und Voice, weil meine Kunden in einer Werkstatt arbeiten und die Hände voll haben sitzen? Oder kann man Kunden mit Order-Funktionen in WhatsApp oder auf Facebook leicht begeistern? IoT sei selbstverständlich auch relevant: Warum brauche man eigentlich einen Shop, wenn man direkt an die Maschinen und Geräte herankönne?

Da sei B2C anders, weil kundenfokussierter – und weil durchschnittlich mehr Analytics-Daten zur Verfügung stehen, was die Konzeptionierung und Planung von neuen Funktionen erleichtere. Alex gibt aber zu bedenken, dass selbst hier viele schon an einfachen Projekten wie Desktop-Shops scheitern – in denen es schließlich nur darum gehe, den Stand am Markt nachzubauen.)

17:25

Alex: Eine weitere Frage aus der WhatsApp-Gruppe: Wenn man ein kleineres-bis-mittelgroßes Unternehmen ist, welche Kosten kommen auf einem zu mit so einer Technologie und einer Methodik, wie Spryker sie propagiert? Was kostet denn so eine „Wette“?

Boris: Sehr gute Frage. Lass mich an der Stelle mit paar Mythen aufräumen, wonach sich der Einstieg in Spryker erst ab einem hohen sechsstelligen Betrag möglich ist. Das ist Quatsch. Aber der Crux ist, dass es mit Spryker um eine Technologie-Welt und um einen neuen Ansatz – „NVP“ – geht, nicht primär um Kostenminimierung. Geld sparen wollen ist ohnehin meiner Meinung nach keine gute digitale Strategie. Es ist also kein Kosten-Case, sondern ein ROI-Case. So geht es nicht darum, in 12 oder 24 Monaten weniger Geld ausgeben zu müssen. Vielmehr ist das Versprechen auf eine höhere Wahrscheinlichkeit, mit dem investierten Geld etwas erwirtschaften zu können. Es geht auch um Risikostreuung: Ein Fondsmanager setzt auch nicht sein gesamtes Kapital auf eine einzelne Aktie. Er hat Performer, Safe-Bets und bestimmte Dinge, die er ausprobieren möchte.

So ist die Methodik nicht, sein Budget zu verkleinern – sosehr Spryker-Vorteile wie vereinfachte Upgrades, isolierter Support usw. effizienzsteigernd wirken mögen –, sondern seinen ROI zu optimieren. Um damit dann auf die Eingangsfrage zu antworten: Die einzelnen Use-Cases – die einzelnen „Wetten“ – können sehr schlank sein. Ich kann mit wenigen Manntagen innerhalb von wenigen Wochen für 20-30.000 Euro eine „Wette“ bauen. Damit kann ich dann zum Beispiel herausfinden, ob meine Kunden mit mir über WhatsApp kommunizieren möchten. Das kann ich ja nicht aus irgendeiner PowerPoint-Präsentation von einer Unternehmensberatung ableiten. Ich muss das eben ausprobieren.

(Daraufhin listet Boris einfache Chat-Schnipsel auf, die in so einem Test-Bot einen einfachen Service-Use-Case abbilden würden: „Wo ist meine Bestellung“ „Kann ich das Produkt noch einmal bestellen“ u. Ä.. Dank dem Spryker OS, der die Bestellungsverwaltung über alle Interfaces hinweg anbietet, ist der Bot an sich investitionstechnisch relativ schlank. Eine einzelne Wette könne also sehr schlank sein. Die Summe der Wetten sei eine andere Frage.)

21:15

Alex: Wir müssen aber jetzt eine Zahl nennen. Was kostet denn der Mindesteinstieg?

Boris: Es gibt zwei Parameter: Das eine ist ja die klassische Software-Lizenzierung. Das Preismodell ist auf unserer Website zugänglich – keine fünfdimensionalen, 17-seitigen Preislisten. Jeder kann es nachvollziehen: Es geht mit 15.000 Euro pro Jahr pro Developer los. Dabei berühren wir gar keine Business-Vektoren. Es ist also egal, wie viel Umsatz man macht oder in wie vielen Ländern man präsent ist, wie viele Back-End-User man hat – und erst recht, wie viele Server, Cores, CPUs etc. man im Einsatz hat.           

Man kann auch auf Monats- oder Quartalsbasis zahlen. Wenn ich also eine kleine Wette eingehen möchte – sagen wir mal, für den vorhergenannten WhatsApp-Case, also mit zwei Developern. Da habe ich die Kosten für die Arbeitsplätze bzw. Manntage und zwei Monate Lizenzkosten à 1.600 Euro monatlich pro Person. So kann ich mit einem niedrigen fünfstelligen Betrag ein paar Use-Cases an den Start bringen.

Natürlich kann man auch sagen: Ich baue jetzt eine volle Shop-App, eine Mobile-Experience, ein paar Alexa-Voice-Skills für Informationsabfragen und Order, und eine Chat-Bot-App. Dann habe ich mehr Apps, mehr Power und mehr Leute – und dann wird es entsprechend teurer.

22:55

Alex: Fließen eigentlich die Sachen, die bei Kunden oder von Agenturen entwickelt werden, in irgendeiner Form zurück in den Spryker-Core?

Boris: Nein. Das Know-How schon, weil wir in verschiedenen Gremien mit Kunden und Partnern zusammensitzen, um von den Projekten zu lernen und wünsche einzuarbeiten. Aber das was jetzt beim Kunden entwickelt wird, bleibt beim Kunden. Wenn der Kunde, das Projektteam oder die Agentur merkt, dass bestimmte Capabilities, APIs, oder Themen fehlen und uns das mitteilt, dann nehmen wir die Learnings natürlich gern entgegen. Aber wir übernehmen keinen Code. Das passiert nur dann, wenn das Unternehmen das möchte und bei uns Partner wird. Es gibt keinen Automatismus, wobei Investitionen von unseren Kunden ins Produkt zurückfließen.

24:30

Alex: Wir haben über B2B und ein bisschen über Einzelhandel geredet. Aber wir sind ja auch mit vielen Versicherungen, Automotive und Airlines in Kontakt, wo nicht unbedingt direkter Commerce stattfindet. Nehmen wir mal Autohersteller: Wie gehen sie an das Thema Car Commerce ran? Also an die Frage, wie sie mehr Umsatz erzeugen können? Denn in der Spryker-World ist ein Auto ja erstmal nichts mehr – und nichts weniger – als eine Kundenschittstelle. Eine, die zudem sehr nah am Kunden daran ist und sich digitalisieren lässt, weil sie ja elektronische Bauteile hat…

Boris: Spannende Frage. Wir haben derzeit mit vielen Automotive-Herstellern und Zulieferern zu tun. Wie du sehr richtig gesagt hast: In diesen Bereichen ist die Interface ja nicht der Online-Shop, sondern das Device selbst. Durch den Erfolg von Tesla haben die meisten Autohersteller verstanden, dass sie derzeit nur ein Auto alle sieben oder zehn Jahre verkaufen. Das ist zwar ein gutes Geschäft, aber im digitalen Zeitalter nicht ausreichend. Da muss man den Kunden jenseits des Verkaufs des Autos monetarisieren – also auch: jenseits von alle paar Jahre ein neuer Satz Reifen und hin und wieder Einzelteile.

So geht es sehr stark in Richtung digitale Services. Es gibt ganz naheliegende Cases wie: Zahlen direkt aus dem Auto. Noch ein Schritt davor ist auch interessant, was mit dem Bildschirm im Auto passiert. Viele Hersteller wollen ihn nicht den GAFAs überlassen und einfach „iCar“ von Apple oder das Pendant von Android dort laufen lassen. Sie sagen: Es sollen nicht Google & Co. hier den Customer ownen, sondern ich, der ich den in meinem schönen Auto sitzen habe. Das muss mein Touchpoint sein – und da geht es schon los. Das Front-End ist nicht ein Desktop-Shop oder das CMS oder eine Mobile-App, sondern der Bildschirm.

Schritt Zwei ist es dann zu sagen: Wie kann ich diesen Touchpoint jetzt monetarisieren? Welche Services ergeben einen Sinn? Da gibt es Sachen wie Navigation: Routen zum bestimmten Partner-Hotels beispielsweise, bei denen ich bestimmte Konditionen bekomme; Möglichkeiten, Treuepunkte in Restaurants und Raststätten einzulösen; Bezahlen aus dieser Interface heraus – klassischerweise an der Tankstelle, aber auch Mautgebühren usw.

Das ist für mich ein schöner Case. Obwohl das Front-End sehr anders ist, als ein normaler Shop, ist am Ende das gleiche Spryker Commerce OS im Hintergrund im Einsatz. Werden ja die gleichen Capabilities gebraucht: Ich muss trotzdem eine Art Produktmangement haben, trotzdem irgendeiner Form von transaktionaler Logik, von Bestellungsverwaltung, von Payment, Suche, Car Check-out. Der Touchpoint mag ein anderer sein: Das alles brauche ich.

28:30

(Boris bleibt beim Thema Personenbeförderung mit dem Beispiel Fahrstühlen. Auch hier ergebe sich eine Möglichkeit, aus einem Geschäft mit Abschluss alle 20-30 Jahre ein viel regelmäßigeres Service- und Wartungsmodell zu bauen. Mit Sensorik und Daten über Häufigkeit, Gewicht und Auslastung usw., die in die Cloud flössen, sei viel anzufangen. Über IoT-Lösungen könnte ein Fahrstuhl seine eigene Wartung vorbeugend organisieren. Auch hier könne Spryker – abgesehen von der Sensorik – alles bieten: Termine anfordern und managen mache beispielsweise schon A.T.U. mit dem Spryker OS.)

30:50

Alex: Bei solchen Industrien denkt man automatisch an milliardenschwere Geschäfte. Eine Frage, die wir in der WhatsApp-Gruppe allerdings hatten: Ab welcher Umsatzgröße lohnt sich denn Spryker? Du hast ja vorhin beispielhafte Kosten für ein kleines Projekt genannt. Ist so etwas deines Erachtens auch sinnvoll für Unternehmen, die etwa nur 100.000 Euro Umsatz im Jahr machen? Ab wann kann man Wetten eingehen?

Boris: Das ist schwierig an der Umsatzgröße festzumachen. Das mag ein Stück abstrakt klingen, aber es ist eher eine Frage von Ambitions-Level. Ich könnte zum Beispiel ein kleines Start-up sein, das zwar nicht viel Umsatz macht, aber in einem sehr hart umkämpften Vertical antritt und da einen sehr smarten Weg hat, Kunden anzusprechen. In Fashion könnte das etwa bessere Stilberatung oder Größenermittlung sein. Für so einen kleinen Nischen-Case wäre Spryker eine super Lösung, weil a) er fernab vom Standard ist und herkömmliche Shop-Systeme das nicht hinkriegen und b) ich dann nach vorne raus sehr gut positioniert bin, wenn ich dann andere Ideen habe, wie ich „outside of the box“ in diesem Vertical angreife. Da würde ich vermutlich mehr und mehr davon profitieren, dass ich neue Devices und neue Touchpoints so leicht anschließen kann. Es ist also keine Frage von Umsatzgröße, sondern von Ehrgeiz.

(Selbst, wenn man nur ein weiterer Online-Shop nach Schema X bauen möchte – was Boris nicht empfehlen würde und was auch immer seltener von Kunden vorgenommen wird – wäre man Spryker schneller und günstiger am Ziel. Alex beteuert aber, dass die Kunden mehr von Spryker haben, die agil viele neue Touchpoints ausprobieren wollen. Wer schon einen konfigurierten Shop von Magento habe und damit zufrieden sei, würde Spyker vergleichsweise wenig abgewinnen.)

34:30

Alex: Wir sind ja bald auf der DMEXCO mit einigen Partnern und haben dort am Stand viele coole Sachen vor. Kann ein Interessent jetzt da einfach vorbeikommen und beraten lassen?

Boris: Erst einmal eine ganz herzliche Einladung an alle, die an Spryker Interesse haben. Auf Spryker.com haben extra eine Landing-Page, auf der man sich einen der letzten Termine sichern kann. Zudem haben wir ein super Konzept mit genialen Speakern und Solution-Partner, die über ihre Use-Cases und Hands-on-Erfahrungen mit Spryker berichten werden. Auch haben wir Industrie-Partner, die zeigen werden, wie sie ihren Kunden helfen, Umsatz und Conversions zu steigern.

Alex: Ich freue mich schon auf Alex Ketzler von der Takkt-Gruppe, der Certeo betreut, sowie den E-Commerce-Leiter von Esprit. Florian Heinemann ist natürlich ebenfalls bei uns am Stand und Johan Jenson, der das Spryker-Projekt bei Hilti verantwortet hat; Tom Tailor spricht auch… Es wird ganz spannend!

(Zum Schluss betont Boris, dass ein breites Team vor Ort sein wird, dass auf viele Facetten der Zusammenarbeit eingehen und alles von generellen Anfragen bis hin zu sehr technischen Fragen beantworten kann. Das Vorwissen aufseiten der Interessenten muss nicht groß ausgeprägt sein, damit sich ein Besuch schon lohnt. Wer Spryker einfach live erklärt oder auf seinen Fall gemappt bekommen möchte, sei auch am Stand richtig.)

Alexander Graf, 37, E-Commerce Unternehmer & Analyst, Gelernt bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Commerce Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

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3 Antworten

  1. Marc sagt:

    Auch wenn es nur als „Beitrags-Opener“ dienen soll, finde ich das Beispiel Batterie aber gerade (hoch) interessant, denn hier sieht man auch die Grenzen von Alexa und Co. (bzw. einem Vertriebs-Baustein)

    In manchen Fällen werden high quality-Artikel benötigt und in anderen reicht eine Eigenmarke, die Preise/Bewertungen sind evtl. relevant und/oder der Service-/Versand-Partner.

    Dh. je vielfältiger das Produktsortiment/-Angebot wird, je komplexer wird das System. Dies wiederum zeigt aber auch, dass die Zielgruppe und das Sortiment genau analysiert werden muss und es nicht „die Lösung/Weg“ für alles gibt, sondern die Bausteine individuell zusammenpassen müssen.

    • Ich hatte zuerst auch diese Bedenken, aber mittlerweile glaube ich, dass die Maschinen, sofern man sie vernetzt, zunehmend besser in der Lage sind den „Bestellkontext“ zu erkennen. Für alle Alexa Nutzer ist das einfach zu testen. Auf Deutsch kann das Ding sehr wenig. Es merkt sich keinen Kontext. Wenn man es auf Englisch umstellt (geht via App), dann versteht Alexa auf einmal viel mehr und kommt viel schneller zu richtigen Antwort oder zum richtigen Song auf Spotify.

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