Zalando: Next Big Thing oder Next Karstadt?

Alter SchuhWenn schon die Bild Zeitung eine FAQ Sammlung über die “Z-Aktie” veröffentlicht, dann wird es wirklich spannend. Was ist Zalando wert? Das fragen sich diverse Medien und einige trauen sich sogar Twitter und Facebook als Vergleichswerte heranzuziehen. Die Berichterstattung zum Zalandobörsengang ist sehr positiv und analog zu Rocket Internet finden sich kaum tiefergehende Analysen zu diesem Börsengang. Während man bei Rocket immerhin noch Fantasie bezüglich der zukünftigen Entwicklung haben kann (Black Box usw.), sieht die Lage bei Zalando doch schon viel klarer aus. Auf Basis der historischen Entwicklung und den aktuellen Zahlen dürfte eine faire Bewertung doch möglich sein. Bevor ich mich an das Börsenprospekt mache, schauen wir uns noch mal die bereits bestehenden Marktmeinungen an. Zum Zalandomodell selbst habe ich mich hier schon mehrfach geäußert und ich kann daran nichts Innovatives erkennen. Für mich ist Zalando ein einfaches Onlinewarenhausmodell. Weiterlesen

Rocket Internet: Proven Winners vs. Reality

Frosch auf RaketeRocket Internet geht an die Börse.
Wow, das Jahr 2014 wird uns in Sachen E-Commerce Börsengänge noch lange in Erinnerung bleiben. Am Wochenende hatte ich nun auch endlich mal Zeit, das Börsenprospekt zu lesen und hatte gehofft, dass es bereits ein paar aufschlussreiche Artikel in der Wirtschaftspresse zum Prospekt gibt – immerhin hat schon deutlich weniger zu rührigen Hau-auf-den-Oli-Geschichten in einschlägigen Magazinen gereicht. In diesem Punkt wurde ich leider erheblich enttäuscht. Nirgendwo werden die offensichtlichen Fragen beantwortet. Wie seriös ist das Angebot? Was steckt hinter den einzelnen Unternehmen? Wo liegen die Risiken? Wie stark weichen die Zahlen von den Aussagen in der Vergangenheit ab? Wie erklärt sich die Bewertung?

Weiterlesen

Wie verkauft man neuartige Produkte online? Heute: Bambusfahrräder von my Boo

myboo-radIn meiner direkten Büronachbarschaft werden seit einigen Monaten sehr coole Bambusfahhräder produziert und online vertrieben. Das Projekt “my Boo” entstand in Ghana, wo heute die Bambusrahmen der 2.000 bis 3.000 Euro teuren Fahrräder produziert werden. Mit dem Gründer Maximilian Schay habe ich im Interview darüber gesprochen wie man für so ein Produkt eine sinnvolle Absatzstrategie entwickelt, ob Beiträge im Frühstücksfernsehen beim Verkauf helfen und ob in Zukunft ein Verkauf der Produkte über Amazon ansteht. Weiterlesen

Abgelenkt durch Vertriebsstrategien

AblenkungVor einem Monat haben wir hier unser Whitepaper zum Thema Direktvertrieb veröffentlicht. Es wurde trotz Sommerpause erstaunlich oft bei etailment heruntergeladen & bei Amazon gekauft und es hat zu sehr nachdenkenswerten Anfragen bei mir geführt. Die meist geäußerte Frage war, ob denn der selektive Vertrieb wie im Paper beschrieben überhaupt legal wäre und welche Kanzlei ich für die Anfertigung entsprechender Verträge empfehlen könnte. Im Paper selbst geht es aber vor allem darum sich zu überlegen welche Rolle man als Hersteller & Händler langfristig für den Endkunden übernehmen kann. Die Diskussion um den selektiven Vertrieb ist aus meiner Sicht nur temporär zu verstehen, weil viele betroffene Händler auch ohne Einschränkungen von Herstellerseite nicht mehr in der Lage sind, Kunden mit sinnvollen Marketingkosten zu gewinnen bzw. mit positiver Marge in die Buy Box bei Amazon zu kommen. Anstatt sich darüber Gedanken zu machen, ob Adidas/Deuter seine Händler gängeln darf, müssen sich die betroffenen Händler eher grundlegende Gedanken darüber machen, wie sie in einer Amazon-dominierten Welt überleben können. Weiterlesen

From Value Chains to Ecosystems

WSKDie Diskussion zum E-Commerce Wachstum wird stark geprägt von zwei Fragestellungen. Die erste betrifft die grundsätzlichen Entwicklungen. Trifft das wirklich alles so zu, fragen sich viele Kritiker und Fachleute? Diese Frage lässt sich mit den bereits heute verfügbaren Daten aus meiner Sicht gut beantworten. Das Wachstum ist explosiv und wahrscheinlich geht alles noch viel schneller, als wir es uns vorstellen können. Die zweite Frage ist da schon etwas komplizierter. Was sollte man tun in einem Markt in dem es nur wenige Gewinner geben wird und der Platz an der Handelssonne fest an Amazon vergeben ist? Die Antwort darauf lässt sich nicht mehr pauschal geben, aber einen spannende Ansatz zur Beantwortung bietet das Framework von Peter Weill und Stephanie Woerner vom MIT. In einem Aufsatz vom April 2013 (kostenloser Abruf nach Anmeldung) beschreiben sie folgende These: Weiterlesen

Ist Tirendo wirklich ein Desaster?

Autoreifen mit AlufelgeDelticom stutzt Tirendo aktuell zurecht. Von den 151 Mitarbeitern sollen in Kürze 113 das Unternehmen verlassen, nachdem die Umsatzziele scheinbar verfehlt worden sind. Bei Excitingcommerce hat sich Jochen die Zahlen mal genauer angeschaut und dargestellt, dass Delticom mit 149 Mitarbeitern 2013 aus 505 Mio. Euro Umsatz 17,7 Mio. Euro EBT gemacht hat. Tirendo hingegen hat mit seinen 151 Mitarbeitern 2013 aus 44 Mio. Euro Umsatz ein EBT Minus von 16,5 Mio. Euro erwirtschaftet. Auf den ersten Blick waren also die 42 Mio. Euro, die Delticom 2013 für Tirendo gezahlt hat, sehr schlecht investiert.

Das ist aus meiner Sicht aber nur die halbe Wahrheit. Der Verkauf von Reifen im E-Commerce ist ein schwieriger Markt. Weiterlesen

Strategy and the Internet: reloaded

Surprised man pointing with finger at someone, somethingIn den Kommentaren zum letzten Artikel hat mich Peter Leerskov von Lace.de auf einen Harvard Business Review Artikel von 2001 hingewiesen. Der Artikel wurde von Michael E. Porter verfasst, einer Hochschullegende für das Thema Management und mit seinem 5-Kräfte Modell fast jedem Wirtschaftsstudenten bekannt. Der Artikel trägt den Titel „Strategy and the Internet“ und steht hier als lesefreundliche Version im Volltext zur Verfügung. Eigentlich sollte der Titel dieses Blogbeitrages „Unfassbar, diese Zeilen verändern alles“ heißen, aber nachdem ich für den letzten Beitrag schon als klickgeil getadelt wurde, habe ich mich hier zurückgehalten. Aber tatsächlich habe ich beim Lesen des Artikels innerlich mehrfach aufgejubelt, weil die 13 Jahre alte Analyse von Porter heute noch so viel angebrachter ist. Für alle Liebhaber von Kassenzone.de Content ein absoluter Leckerbissen. Lesepflicht! Zur Verdeutlichung ein paar Zitate aus dem Text: Weiterlesen

E-Commerce: Jeder macht mit, aber kaum einer verdient Geld

sad clownIch habe mir durchaus überlegt, ob diese reißerische Überschrift angemessen ist, wo es doch mit eBay, ASOS, dress-for-less & Co. so viele erfolgreiche Beispiele für profitable und wachstumsstarke E-Commerce Player gibt. Aber aus meiner Sicht sind das in Summe nur ein paar Ausreißer in einem Meer voller halbgarer E-Commerce Modelle  – ein klassischer Fall vom Gesetz der großen Zahlen. Mehr E-Commerce Modelle = mehr Erfolgsfälle. Die Erfolgsfälle sind natürlich interessant und viele von ihnen werden wieder bei der K5 Konferenz und beim etailment Summit in ein paar Wochen Rede und Antwort stehen, aber schon im letzten Jahr hatte ich das Gefühl, dass die Party vorbei ist. Aus dem [wir „wollen“] im E-Commerce durchstarten ist ein [wir „müssen“] im E-Commerce erfolgreich werden. Der Antrieb bei vielen Marktteilnehmern ist dabei nicht mehr die Neugier und Lust auf neue Geschäftsmodelle, sondern die Erkenntnis, dass das eigene/alte Geschäftsmodell in einer E-Commerce Welt nicht mehr tragfähig ist. Eine denkbar schlechte Motivation für den Start in eine Branche, in der kaum etwas prognostizierbar scheint. Weiterlesen

Wie stehen heute die börsengelisteten E-Commerce „Stars“?

Financial DevelopmentsWährend alle auf den Rocket Internet/Zalando IPO warten, lohnt sich ggf. ein Blick zurück auf die bereits erfolgten IPOs und die Entwicklung der entsprechenden Börsenkurse. E-Commerce verspricht aus Börsensicht viel und kann bisher nur in wenigen Fällen zeigen, dass die initialen Bewertungen gerechtfertigt waren. Insbesondere der Absturz von Groupon ist gravierend, aber auch das viel gelobte ASOS tut sich aktuell an der Börse schwer. Das muss aber nicht zwingend etwas mit dem aktuellen Geschäft zu tun haben. Prinzipiell können Unternehmen mit positivem EBIT ziemlich entspannt auf den Börsenkurs schauen, aber für die Unternehmen mit schlechter Cashsituation ist ein schwacher Börsenkurs natürlich eher nachteilig, weil die Fremdkapitalzinsen in diesem Fall eher steigen. Zudem schwächt es die Position der Unternehmen mit einem ähnlichen Geschäftsmodell, die Geld einsammeln „müssen“ bzw. den IPO anstreben. Ich will & kann hier keine Chartanalyse machen, aber die Trends der folgenden Unternehmen sind schon spannend. Gute Zeiten für Zalandos Börsengang? Weiterlesen

Elektronik verkaufen „gestern, heute und morgen“ – Ansichten eines stationären Fachhändlers

SAMSUNG TECHWIN DIGIMAX-410Nach den Interviews mit dem Kieler Schuhhändler Claus Heinrich und dem Intersporthändler Knud Hansen habe ich beschlossen alle spannenden stationären Händler aus meiner Nachbarschaft mit Kassenzone.de Interviewanfragen zu belästigen beglücken. Ein paar der Händler haben bereits positiv geantwortet und in der heutigen Ausgabe erzählt das Fachhandels-Urgestein Dietrich Merschmann aus Kiel was er mit seiner Firma Omnicron in den letzten 20 Jahren erlebt hat und wie er auf die Veränderungen des Marktes reagiert hat. Aus einem florierenden Ladengeschäft mit 200 bis 300 verkauften PCs pro Monat und 3-4 Vollzeitverkäufern in einem beachtlichen Ladengeschäft vor 15 Jahren, ist heute ein Serviceunternehmen geworden, das sich darüber Gedanken machen muss wie man die kleinen Unternehmen aus der Umgebung erreicht, um ihnen sinnvolle IT Dienstleistungen anzubieten. Kennt ihr in eurem Freundeskreis noch jemand, der ein Rechnernetzwerk ordentlich administrieren kann? Herr Merschmann freut sich auf viele Kommentare über Hinweise zur Kundenakquise im Bereich KMU IT Dienstleistung! Weiterlesen