Amazon 2016 [reißerischen Titel nach Wahl einsetzen]

MeerschweinZahlen wie aus einer anderen Welt. Zumindest sieht der Geschäftsbericht von Amazon auf den ersten Blick so aus. 27% Wachstum und 136 Mrd. erreichter Umsatz sind zu außergewöhnlich für alle Unternehmen die sich bisher mit Amazon verglichen haben und der tatsächliche GMV dürfte eher im Bereich 200-250 Mrd. liegen, wie die Detailanalyse später im Text verrät. Das Unternehmen wächst in Bereiche vor die vor ein paar Jahren noch nicht im Fokus standen und es kann bei Bedarf auch Geld verdienen, wie die jüngsten Zahlen beweisen. Das sind keine guten Zeiten für den Handel („Welcher Handel?“) und auch die meisten Markenhersteller sind mittlerweile auf der Suche nach neuen Strategien. Dazu mehr in Abschnitt #3. Dieser Beitrag ist mal wieder etwas länger und zur besseren Lesbarkeit habe ich ihn in vier Abschnitte unterteilt. Zuerst schaue ich auf die aktuelle Berichterstattung und danach geht es in die Details des Geschäftsberichts. Zum Abschluss gibt es eine kleine „Was nun“ Prognose und natürlich Antworten zu den Fragen aus dem Kassenzone Whatsapp Kanal.

#1 Amazon in der Berichterstattung

An diesem Kapitel versuche ich alle Meldungen großer Medien zum aktuellen Geschäftsbericht zusammenzufassen, die über das pauschale „Amazon wächst, aber die Börse erwartet höhere Renditen“ Geschwafel hinausgeht. Hierzu kann ich mich kurzfassen: Es gibt leider sehr wenig Gehaltvolles. Entweder bin ich dabei zu anspruchsvoll, oder die jeweiligen Journalisten haben einfach zu wenig Zeit für so ein komplexes Thema. Highlights sind schon Sachen wie die Erkenntnis bei Geekwire, dass Amazon in Convenience investiert:

The amount of money that Amazon lost on shipping — a.k.a. the net cost of landing all those brown boxes on your doorstep in record time — reached an all-time high of nearly $7.2 billion in 2016, according to GeekWire’s analysis of the e-commerce giant’s financial results. The number reflects the difference between what Amazon charges customers for shipping and what the company spends to get those items to customers. Amazon traditionally takes a net loss on shipping, thanks in part to the flagship Amazon Prime benefit of free two-day shipping.

Fast schon differenziert berichtet das Manager-Magazin, das sehr richtig erkennt: „Wachstum hat Vorrang, Profit ist Nebensache.“ Anleger profitieren ohnehin viel mehr von der steigenden Börsenbewertung als von der Ausschüttung kleiner Dividenden.

Für Anleger ist das jedoch nichts Neues. Ein deutliches Zeichen, dass für Jeff Bezos der Marktanteil von morgen mehr zählt als der Gewinn von heute, hatte Amazon erst Anfang dieser Woche gesetzt. Für geschätzte 1,5 Milliarden Dollar baut der Online-Händler den Flughafen von Cincinnati für eigene Zwecke um: Bald sollen 200 Amazon-Maschinen pro Tag in Cincinnati starten oder landen und die Welt mit Amazon-Paketen versorgen.

Es gibt noch ein paar Meinungen und Kommentare in einschlägigen Foren, aber in Summe bin ich doch überrascht mit welch klassischen Maßstäben die Analysten und die Presse die Zahlen von Amazon bewertet. Kurzfristiger Gewinn ist aber in der Plattformökonomie nicht mehr der zentrale Erfolgsfaktor.

#2 Zahlen, Fakten & Analysen aus dem Geschäftsbericht von Amazon

#2.1 Es geht bereits los auf Seite 4 des Geschäftsberichtes. Darin beschreibt Amazon seine Wettbewerbssituation, wie es in Zukunft jede große Plattform beschreiben könnte. Demnach ist Amazon mit jedem Akteur seiner eigenen Plattform im Wettbewerb. Das beinhaltet auch die Markenhersteller, Logistikpartner wie DHL usw. ALLE!

Our businesses encompass a large variety of product types, service offerings, and delivery channels. The international marketplace in which we compete is evolving rapidly and intensely competitive, and we face a broad array of competitors from many different industry sectors around the world. Our current and potential competitors include: (1) online, offline, and multichannel retailers, publishers, vendors, distributors, manufacturers, and producers of the products we offer and sell to consumers and businesses; (2) publishers, producers, and distributors of physical, digital, and interactive media of all types and all distribution channels; (3) web search engines, comparison shopping websites, social networks, web portals, and other online and app-based means of discovering, using, or acquiring goods and services, either directly or in collaboration with other retailers; (4) companies that provide e-commerce services, including website development, advertising, fulfillment, customer service, and payment processing; (5) companies that provide fulfillment and logistics services for themselves or for third parties, whether online or offline; (6) companies that provide information technology services or products, including onpremises or cloud-based infrastructure and other services; and (7) companies that design, manufacture, market, or sell consumer electronics, telecommunication, and electronic devices. We believe that the principal competitive factors in our retail businesses include selection, price, and convenience, including fast and reliable fulfillment. Additional competitive factors for our seller and enterprise services include the quality, speed, and reliability of our services and tools, as well as customers’ ability and willingness to change business practices. Some of our current and potential competitors have greater resources, longer histories, more customers, greater brand recognition, and greater control over inputs critical to our various businesses. They may secure better terms from suppliers, adopt more aggressive pricing, pursue restrictive distribution agreements that restrict our access to supply, direct consumers to their own offerings instead of ours, lock-in potential customers with restrictive terms, and devote more resources to technology, infrastructure, fulfillment, and marketing. Each of our businesses is also subject to rapid change and the development of new business models and the entry of new and wellfunded competitors. Other companies also may enter into business combinations or alliances that strengthen their competitive positions.

#2.2 Die Umsatzzahlen (S. 17) von Amazon sind wirklich beeindruckend. Von 107 Mrd. Dollar auf 136 Mrd. innerhalb eines Jahres zu kommen, das ist so noch keinem Handelsunternehmen vor Amazon gelungen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Amazon gar kein Handelsunternehmen ist.

Amazon-Umsatz

Die Umsätze sehen noch deutlich beeindruckender aus, wenn man ausrechnet wie groß der Marktplatzanteil bei Amazon ist. Amazon selbst weist nur die Prämien aus, die es von den Marktplatzhändlern kassiert, die je nach Kategorie im Schnitt ca. 15% ausmachen. Dazu, und zur Anteiligkeit der Marktplatzumsätze gehen die Meinungen etwas auseinander. Wenn man ausrechnet wie groß Amazon inkl. dieser Umsätze ist (GMV), dann kommt man heute bereits auf über 200 Mrd. US Dollar. (Annahme: 45% Marktplatzanteil & 15% Durchschnittsprovision) Die Herleitung inkl. Formel habe ich im Artikel („Wie groß ist Amazon.de?“) aufgezeigt.

Amazon-Umsatz-Kassenzone

Ich nutze das Chart auch in meinen Präsentationen, weil man daran deutlich machen kann, dass die E-Commerce Bemühungen der klassischen Handelsunternehmen, wie. Z.B. Wal-Mart und Staples, im Vergleich zu diesen Umsätzen nicht ausreichen.

#2.3 Diese Zahlen lassen sich nun auch auf den deutschen Markt runterbrechen und mit den deutschen Gesamtmarktzahlen vergleichen. Glücklicherweise weist Amazon die Umsätze für Deutschland separat aus. Nach der eben genannten Formel lassen sich 14,1 Mrd. Dollar E-Commerce Umsatz in Deutschland auf ca. 21 Mrd. Gesamtumsatz in Deutschland runterbrechen. Je nach Annahme kann man hier aber auch knapp unter 20 Mrd. landen. Um auf den relevanten B2C E-Commerce Umsatz zu kommen habe ich pauschal 20% von diesem Wert abgezogen. Das sind mE die AWS Umsätze und B2B ähnlichen Umsätze. Diesen Wert (16,7 Mrd. Dollar) kann man nun vergleichen mit den vom HDE ausgewiesenen E-Commerce Umsätzen, wobei sich hier durch die Wechselkursbereinigung eine etwas unnatürliche Kurve ergibt, die den Eindruck erweckt der E-Commerce Umsatz von 2014 auf 2015 ist gesunken. Das ist er natürlich nicht. Spannend ist der Blick auf den Zeitraum 2015 bis 2016. Inklusive der Amazon Umsätze ist der E-Commerce Umsatz in Deutschland ca. 10.5% gewachsen, während der Umsatz ohne Amazon nur 4,7% gewachsen ist. Zur Erinnerung: Amazon selbst ist 27% gewachsen. Je nach Auftrag können sich Unternehmen nun die Zahl raussuchen mit der sie sich messen wollen 🙂

Amazon-DEU-Umsatz-Kassenzone

#2.4 Wir bleiben auf der gleichen Seite im Amazon Geschäftsbericht (S. 17) und dort findet sich aus meiner Sicht die spannenste Zahl im Geschäftsbericht, die sogenannten Total Assets bzw. Aktiva des Unternehmens, das sich aus solchen Dingen wie Cash, Lagerbestand usw. zusammensetzt. Grundsätzlich geht man davon aus, dass die Assets in Zukunft dazu beitragen Geld zu verdienen. Amazon erreicht hier einen Wert von 83 Mrd. Dollar mit stark steigender Tendenz, während z.B. Walmart für diesen KPI knapp 200 Mrd. ausweist (Best Buy 13,5 Mrd.), aber im Wesentlichen stagniert. Darin versteckt sind auch spannende Investements in Logistikinfrastruktur, Filmrechte usw. Unternehmen die sowohl Umsatzseitig stark wachsen und dabei trotzdem Geld verdienen und Assets aufbauen sind sehr selten geworden und in diesen Größenordnungen nur unter den Plattformen zu finden. Klassische Retailunternehmen dürften in diesem Bereich in Zukunft die größten Verluste verbuchen, indem z.B. das Mietäquivalent stationärer Filialen im Eigentum stark gekürzt wird. Karstadt investiert in Filialen, Amazon in Code & Daten.

Amazon-Assets

#2.5 Weiter geht es mit ein paar Fakten zum Operating Income (S.24). Womit verdient Amazon eigentlich Geld? Laut Eigendarstellung ist das Handelsgeschäft in den USA bereits hochprofitabel, während noch erheblich in den Auslandsmärkten nachgeschossen werden muss. AWS wir in den Jahren zuvor die wichtigste Einnahmequelle mit tollen Umsatzrenditen. Der Verlust im Handelsgeschäft in den Auslandsmärkten wird von Amazon wie folgt erklärt:

…is primarily due to increased levels of operating expenses to expand our fulfillment capacity and spending on technology infrastructure and marketing efforts …

Amazon-Income

Spannend am Handelsgeschäft bleibt aber die Fähigkeit von Amazon deutlich schneller Geld von den Kunden zu kassieren als es an seine Lieferanten weitergeben muss. (S.22) Bei den gegebenen Wachstumsraten kann Amazon noch sehr lange Verluste im Handelsgeschäft akzeptieren.

On average, our high inventory velocity means we generally collect from consumers before our payments to suppliers come due. We expect variability in inventory turnover over time since it is affected by several factors, including our product mix, the mix of sales by us and by third-party sellers, our continuing focus on in-stock inventory availability and selection of product offerings, our investment in new geographies and product lines, and the extent to which we choose to utilize third-party fulfillment providers.

#2.6 Den Teil mit der Logistik meint Amazon sehr ernst und ich frage mich selbst auch wie DHL & Hermes diese Herausforderung in Deutschland beantworten können. Die Zahl hat auch in einigen Beiträgen international die Runde gemacht, weil sie schon sehr beeindruckend ist. Den Einnahmen aus dem Versand in Höhe von knapp 9 Mrd. Dollar standen Ausgaben von 16,1 Mrd. Dollar entgegen. Wow! Ich gehe davon aus, dass sich dieses Investment in 2-3 Jahren als Renditequelle zeigen wird, weil die meisten Anbieter auf die Amazon Infrastruktur wechseln werden, um den Kundenanforderungen gerecht zu werden. Wenn das kein allerletzter Warnschuss für DHL & Co. ist, dann weiß ich auch nicht….

Amazon-Shipping

#2.7 Ich werde oft gefragt was ein „gesundes“ Verhältnis für IT Ausgaben? Das ist pauschal sehr schwer zu beantworten, aber für Unternehmen mit dem Anspruch in der digitalen Welt erfolgreich zu sein, wird man mit 1-2% IT Ausgaben gemessen am Umsatz nicht weit kommen. Amazon weist für den Bereich Technologie und Content ca. 12% Ausgabenanteil (S. 27) an den gesamten operativen Kosten aus und die Anzeichen stehen eher dafür, dass dieser Anteil noch steigt. In 2016 hat Amazon also ca. 16 Mrd. Euro in den Bereich Technologie und Content investiert.

Amazon-Techinvestment

Technology costs consist principally of research and development activities including payroll and related expenses for employees involved in application, production, maintenance, operation, and development of new and existing products and services, as well as AWS and other technology infrastructure costs.

#2.8 Mittlerweile weist Amazon auch die Erlösströme für Handel vs. 3rd Party Sales separat aus. (S. 68) Damit könnte man auch einen Herleitungsversuch des GMV machen und die Zahlen aus #2.2 noch einmal prüfen. AWS macht wie bereits besprochen einen erheblichen Teil der Umsätze aus. Auf dieser Basis kann man auch die o.g. 15% Annahme machen und landet so bei 3rd Party Umsätzen von 153 Mrd. Dollar und einem Gesamtumsatz von ca. 260 Mrd. Dollar. Diese Größenordnung ist möglich, aber da warte ich noch mal gerne auf die Herleitungsversuche von ein paar anderen Quellen. Dass Amazon über 200 Mrd. GMV verzeichnet ist für mich allerdings sehr sicher. Franz Jordan (Marketplace Analytics) kommt in seiner sehr detailierten Herleitung ebenfalls auf 200-230 Mrd. Dollar Umsatz global und sogar auf ca. über 25 Mrd. Dollar Umsatz für Deutschland.

Amazon-netsales

#3 Was bedeutet das?

Für all diejenigen, die sich durch den Fließtext gekämpft haben, versuche ich mal meine Conclusion in ein paar Stichpunkten zusammenzufassen:

  • Alle Zahlen und Fakten weisen darauf hin, dass Amazon in den nächsten Jahren wie bisher weiterwachsen kann – und das trotz aller bestehender strategischer und technischer Limits die bereits sichtbar sind.
  • Größter Wachstumstreiber für Amazon dürfte die fehlende Antwortfähigkeit der betroffenen Wettbewerber sein (siehe #2.1). Aus der Sicht von Amazon liegen alleine in Deutschland noch hunderte Milliarden B2B und B2C Umsatz brach, die nur darauf warten in der Plattformökonomie anzukommen
  • Ob man es nun gerecht findet oder nicht: Die allesentscheidende Wachstumszahl an der man sich in diesen Zeiten messen muss ist das Wachstum von Amazon in Summe. Bisher hat es je nach Geschäftsmodell und Markt ausgereicht mal 1%, mal 4% Wachstum zu reporten, aber diese Zeiten sind vorbei. Wer 10-12% online wächst und dabei mit Amazon, Facebook & Co. konkurriert, der ist vielleicht Wachstumsgewinner in der eigenen Lobbygruppe, aber leider nur letzter Verlierer in der Plattformwelt.
  • Wenn Wal-Mart & Co. mit Milliarden Investments in ihr Legacy System nicht in der Lage sind ausreichend Wachstumsgeschwindigkeit aufzubauen, dann ist es an der Zeit sich noch mal den Unterschied zwischen einer Elektrifizierung und der Digitalisierung verständlich zu machen.
  • Für Handelmodelle ist die Lage nicht eng, es gibt gar keine Lage mehr. Herstellermodelle müssen schleunigst Dinge machen und umsetzen die aus Sicht von gestern hochriskant wirken. Amazon ist kein Handelspartner, Amazon ist „nur“ eine Plattform.
  • Amazon interessiert sich nicht für euer Handelsgeschäft. Es interessiert sich primär für den exklusiven Kundenzugang. Mach was dagegen.

Notiz an mich selbst: Spannender kann es doch gar nicht werden.

#4 Whatsapp Kanal Fragen

Im Kassenzone Whatsapp Kanal sind über 50 Fragen zu Amazon eingetrudelt. Ich versuche ein paar dieser Fragen zu beantworten. Viele Fragen sind leider so speziell, dass man mit dem Datenmaterial von Amazon und den gängigen Amazon Analysetools wenig anfangen kann. Ich habe allerdings auch die Amazon Gurus von Factor-A in die Analyse eingebunden und mir helfen lassen J

In welchen Warengruppen stimmt der Mythos, dass Amazon die Hersteller verdrängt?

Uns sind dutzende Fälle bekannt in denen Amazon auch bei komplexen Produkten selber Interesse an der Produktion hat, solange die Margen spannend sind. Die Amazon Basics Reihe und diverse Eigenmarken sind erst der Anfang. Die Frage lässt sich umdrehen: Welche Warengruppe sind vor diesem Effekt überhaupt geschützt? Der Erfolg der „Private Labels“ lässt sich nur sehr grob an deren Verkaufsrankings ablesen.

Kann man das Wachstum auf Sortimentsbereiche runterbrechen?

Ja, kann man, aber das ist sehr aufwändig und oft sehr ungenau. Je nach Quellenlage ist Amazon z.B. die Deutsche Nr. 1 im Fashionsortiment.  Etailment hat dazu hin und wieder spannende Daten. Auch alle andere Berechnungen, z.B. Amazon Umsatz Frankreich, Vendoren vs. Seller…. sind mit den Amazon Daten nicht möglich.

Wann kommt Amazon Fresh nach Deutschland.

Da „hört“ man oft unterschiedliche Sachen, aber ich denke mal München/Berlin können sich in Q2 2017 auf so ein Angebot freuen.

Welche Schwerpunkte setz Amazon hinsichtlich Geschäftsbereichen/Produkten in den kommenden 12 Monaten?

Neben dem bekannten Schwerpunkt auf Fashion wird in nächster Zeit sicher viel in den Bereichen der FMCG sowie in Pharma – vorerst nicht verschreibungspflichtigen Medikamente – passieren. Der Bereich Katzenfutter hat sich im Year over Year Absatz Vergleich mehr als verdoppelt & im Drogerie Segment ist der Pantry Anteil von 10% in 2016 auf 20% bisher in diesem Jahr gestiegen

Gibt es Zahlen zu Amazon Business und zu Alexa Umsätzen?

Zu Amazon Business steht nichts im Geschäftsbericht und zu Alexa bekommt man nur Daten zu den verfügbaren Skills (10.000 global, 600 Deutschland).

Wie verteilt sich der Traffic/Umsatz über die verschiedenen Kanäle und wo geht da die Reise hin?

Dazu gibt es abgesehen von den öffentlichen Daten (similarweb usw.) nicht viel. Mich würde es überraschen, wenn Amazon weniger als 50% des Umsatzes mobil macht und wo die Reise hingeht habe ich ja vor kurzem mit Antonia besprochen.

Kommt Amazon in die Schweiz?

Gemessen an den Umsätzen sind sie doch schon längst da und seit über einem Jahr kann man viele Produkte bereits gratis liefern lassen. Ob & wann das komplette Sortiment in die Schweiz kommt weiß niemand so genau, aber das hält Amazon nicht vom Umsatzwachstum in der Schweiz ab.

Welches Sortiment wächst wie stark?

Zu dem Thema kamen fast 30 Fragen. Ich versuche dazu mal eine Analyse aufzusetzen zu der man aber etwas mehr Zeit braucht als den Sonntagnachmittag und liefere dann nach. Das packe ich dann in die nächste „Knut und die Amazonen“ Studie.

Zahlt Amazon Steuern?

Amazon versucht global, auch in den USA, sein Steueraufkommen zu minimieren. Das macht Amazon sehr offensiv und es nutzt dabei wie andere globale Konzerne auch alle möglichen Steuerschlupflöcher. Das ist aber kein ausreichender Grund, um daraus eine Art verzerrten Wettbewerb ableiten zu können. Abgesehen davon hat Amazon mit einer kleinen PR Aktion die Gemüter beruhigt.

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Alexander Graf, 37, E-Commerce Unternehmer & Analyst, Gelernt bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Commerce Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

21 Antworten

  1. „wie Amazon & Hermes diese Herausforderung“ soll vermutlich „wie DHL & Hermes diese Herausforderung“ heißen?

    Ansonsten sehr interessante Analyse!

  2. Vielen Dank für deine Zusammenfassung Alex! Ich teile deine Einschätzuhg aber nicht ganz: es wird auch in Zukunft spannend bleiben! 😉

  3. Super spannend. Danke für die Recherchearbeit.
    Amazon ist schon mehr als beeindruckend und gleichzeitig beängstigend.

    Aus dem GAFA Kreis finde ich Amazon am beeindruckendsten und die Mischung aus Durchdringung in der Bevölkerung; Breite der Services und dem Invest in Infrastruktur und Technologie macht es gefühlt unmöglich, das Amazon jemals wieder ernsthaft angegriffen werden könnte. Auf der einen Seite finde ich es spannend zu sehen, wie sich das weiter entwickelt – auf der anderen Seite finde ich es beklemmend zu sehen, wie weite Teile unserer bestehenden Handelsstrukturen in Gefahr geraten.

  4. Die Berechnung des GMV ist m.E. jetzt recht einfach geworden. Da wir von Amazon selbst wissen, dass jeder zweite bestellte Artikel mittlerweile von Marketplace-Händlern kommt, scheint die Rechnung simpel. So kommen wir in unserem aktuellen Artikel „lediglich“ auf etwas über 17 Mrd. GMV für Deutschland. Weltweit wären es dann etwas über 180 Mrd. US-$ gewesen. Interessanterweise ist das ziemlich genau die Summe, die wir auch bei der Fortschreibung unserer alten Herangehensweise ermitteln.

    • Hi Peter, ich kann eure Berechnung nicht nachvollziehen und komme auf über 20 Mrd. Umsatz. Die Herleitung von Franz ist da noch am genausten (http://marketplace-analytics.de/blog-gesamtumsatz-von-amazon-in-2016-bei-ueber-200-mrd-in-deutschland-ca-30-mrd) und der kommt eher auf 25 Mrd.

      Fragen bei eurer Rechnung: Wie kommt ihr von 14,14 Mrd Dollar auf 12,79 Mrd. Euro? Die Umrechungsquote ist 1,06 oder rechnet ihr mit gewichteten Werten? Warum rechnest du die Handelsprovisionen nicht wieder drauf 0,672*12,78*2 rechnest du. Aber da fehlen doch noch die 12,78 * (1-0,672) = 4,2 Mrd die bei meiner Berechnung und der von Franz ja noch mit drin sind.

      Die Herleitung über Umsatzanteiligkeiten (euer Weg) führt demnach zu 17,1 Mrd. Euro Umsatz, während die Herleitung über die Durschnittsprovisionen eher zu 25 Mrd. Euro Umsatz führt. Da muss jeder selber entscheiden welchen Wert er für realistisch hält.

      • Hi Alexander, ich hatte mit 1,10 Wechselkurs gerechnet, ist aber nicht entscheidend.

        Warum macht Ihr Euch das Leben so schwer und arbeitet mit der großen Unsicherheit ø-Marktplatzprovision?

        Zumal Franz da m.E. sowieso falsch rechnet, da er scheinbar unberücksichtigt lässt dass die Provision auf den Bruttowert anfällt, Amazon aber Nettoumsätze ausweist. Dann müsste seine ø-Provision auch entsprechend höher sein!?

        Die Handelsprovision muss ich bei meinem Weg gar nicht berücksichtigen.

        Bekannt ist, dass Retail weltweit 67,2% des Amazon-Umsatzes ausmachte. Diese 67,2% nehme ich, wie beschrieben, auch für meine 12,78 Mrd. Deutschland-Umsatz. Dann komme ich auf 8,6 Mrd. Euro Eigengeschäft von Amazon in Deutschland.

        Bekannt ist auch (Folien und Aussagen von Amazon), dass 50% aller bestellten Artikel von Marktplatz-Händlern kommen. Wir können getrost davon ausgehen, dass dies eher weniger als 50% des Umsatzes sind. Habe ich aber einfach ignoriert, da wir das überhaupt nicht wissen.

        Und wenn Amazon Eigengeschäft 8,6 Mrd. Euro (50% des Handelsumsatzes) sind, muss ja auch Marketplace-Umsatz 8,6 Mrd. Euro sein, nämlich 50% des Handelsumsatzes.

        Ich sehe momentan nichts, was falsch sein könnte.

  5. Bravo, das ist mein Lieblingssatz auf dem Artikel hier: „Amazon interessiert sich nicht für euer Handelsgeschäft. Es interessiert sich primär für den exklusiven Kundenzugang. Mach was dagegen.“ — Ich frage mich wer oder was und vor allem wann diesem Amazon Koloss noch Paroli bieten will. Es bleibt definitiv spannend.. oder langweilig?

  6. Rolf Lader sagt:

    Hallo Alexander,

    der von der kommentierte Geschäftsbericht von Amazon liefert beeindruckende Zahlen. Aber wie du schon früher immer wieder erklärt hast sind diese Zahlen eigentlich nur wie eine „vergoldete Kirchturmspitze“. Sie strahlt weithin sichtbar und einige blendet sie auch.

    Die eigentliche und wirklich spannende Frage ist jedoch nicht „Was macht Amazon richtig gut?“ sondern „Was macht Amazon nicht gut?“. Auf diese Frage gehst du in deinem detaillierter Artikel leider nicht sonderlich viel ein obwohl es genügend Ansätze dazu gibt.

    Bei den Unternehmenszielen, die Jeff Bezos im Geschäftsbericht darlegt, habe ich zum Beispiel das Gefühl, dass dort jemand „seine Allmachtsphantasien“ zu Papier gebracht hat. Mit solchen Visionen verliert man schnell den Blick und die Konzentration auf die täglichen Herausforderungen. Und die Probleme, die daraus erwachsen und in den letzten Tagen sichtbar wurden, deuten an, dass nicht alles Gold ist, was bei Amazon glänzt. Ich würde mir daher wünschen, dass du auch diesen Aspekten mehr Raum geben würdest.

    Viele Grüße, Rolf

    • Hi Rolf,

      im Artikel „Amazons Limit“ habe ich das bereits beleuchtet (https://www.kassenzone.de/2016/10/18/amazons-limit/), allerdings sind diese Probleme zu vernachlässigen, wenn man die fehlenden strategischen Antworten und operativen Herausforderungen der analogen Unternehmen dagegenstellt. Spannender ist die Frage was machen Facebook und Google besser.

      VG
      Alex

      • Rolf Lader sagt:

        Hi Alex,

        du kannst diese Aspekte doch nicht im Ernst auf ‚Digial vs. Analog‘ reduzieren. Es gibt doch im Ecommerce-Umfeld auch noch andere Digitalplayer, die sich gegenüber Amazon platzieren müssen/wollen. Und am Besten tun diese Unternehmen das so, dass sie die Schwächen von Amazon ausnutzen können. Denn nur in auf diesen Feldern können sie erfolgreich sein.

        Viele Grüße, Rolf

        • Ja das stimmt schon. Die Schwächen sind gut sichtbar und andere „Digitalunternehmen“ können das ausnutzen. Dazu gehören unter anderem Zalando, Notebooksbilliger usw. Gut für die, solange die Schwächen erkennbar sind. Aber für analoge Unternehmen á la Karstadt, Thalia usw., also Unternehmen die einen analogen Kern haben, gilt das mE nicht.

  7. Hallo Alexander,

    eine kleine Anmerkung.

    „Amazon selbst weist nur die Prämien aus, die es von den Marktplatzhändlern kassiert, die je nach Kategorie im Schnitt ca. 15% ausmachen. “

    Die 15% sind meiner Meinung zu hoch angenommen.

    Hier die Übersicht über die Gebühren:
    https://services.amazon.de/programme/online-verkaufen/preisgestaltung.html

    Es gibt nur eine Kategorie „Zubehör für Amazon Geräte“ mit einer Gebühr von 45% (hier dürfte aber nicht der Hauptumsatz des Marktplatzes herkommen). Die zweit höchste Gebühr liegt bei 15% und gilt für 7 von insgesamt 22 Kategorien. Alle Provisionen (ohne Amazonzubehör) addiert und durch 21 geteilt (ich weiß, ist nicht nach tatsächlichem Umsatz gewichtet) ergibt einen durchschnittliche Provision von 11,9%.

    Dies ändert aber natürlich nichts an deiner grundsätzlichen Aussage.

    Danke für diesen und auch alle anderen Beiträge.

    Grüße,

    Fabian

    • Da hast du natürlich Recht, aber:

      – Amazon berechnet den Verkäufern die Provision auf den Brutto Preis
      – Amazon gibt im Geschäftsbericht Nettozahlen aus und meine Hochrechnung versucht auch die Nettozahlen zu simulieren

      1,50€ Amazon Provision liegen bei 15% also 10€ Artikelpreis (brutto) zugrunde, was zu 8,10€ netto führen würde. Mit deiner Rechnung mit 10-12% liegt man wohl näher an der Provisionswahrheit, aber ich glaube man liegt nicht besser in der GMV Berechnung.

      Irgendwo bei 200 Mrd. Dollar wird Amazon sicher rauskommen.

      • Hallo Alexander,

        danke für deine Stellungnahme.
        Wie gesagt an der prinzipiellen Aussage drehen die 12% nichts.

        Eine weitere Anmerkung noch:

        -Uns sind dutzende Fälle bekannt in denen Amazon auch bei komplexen Produkten selber Interesse an der Produktion hat, solange die Margen spannend sind. Die Amazon Basics Reihe und diverse Eigenmarken sind erst der Anfang. Die Frage lässt sich umdrehen: Welche Warengruppe sind vor diesem Effekt überhaupt geschützt? Der Erfolg der „Private Labels“ lässt sich nur sehr grob an deren Verkaufsrankings ablesen.-

        Inwieweit ist deiner Meinung nach die Entwicklung des Eigenmarkendichte im stationären LEH mit der der Eigenmarkenpolitik bei Amazon vergleichbar.

        Hier ist ja auch eine extreme Ausweitung sowohl in Sortimentbreite als auch Sortimentstiefe festzustellen, wodurch sich „jeder“ Einkauf nur durch Eigenmarkenartikel tätigen lässt.

        Hierdurch werden aber nicht zwangsläufig Markenartikel verdrängt.

        Grüße,

        Fabian

  8. Winzer sagt:

    Hallo,
    ich bin Winzer und will meine Weine über Amazon verkaufen. Mir stellt sich die Frage, ob ich in diesem Fall verpflichtet bin, die Intrastat Meldungen selber abzugeben (http://www.intrastat-service.de/ ), oder muss es Amazon machen? Also, es handelt sich um die Lieferungen ins Ausland.
    VG

  9. Hi – dazu müsstest du mal in einem Sellerforum fragen oder bei einem Dienstleister wie http://www.factor-a.com/.

    VG
    Alex

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