GAFA Ökonomie

Alexander Graf

Alexander Graf, 35, E-Commerce Unternehmer & Autor, Gelernt und erste M&A-Tätigkeit bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Shop Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

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18 Antworten

  1. Klaus Martin Meyer sagt:

    Statt akadamische Diskussionen darüber zu führen, ob die vier führenden Plattformen eher auf Rendite oder Umsatz zielen, fände ich es besser darüber nach zu denken, warum sie so erfolgreich sind. Aus meiner Sicht ist der entscheidende Faktor die bedingungslose Nutzerzentrierung. Und das zeigt auch gleich den Weg auf, den Unternehmen gehen sollten, die irgendwann mal zu den Top4 gehören wollen.

    • Es ist eben nicht die bedingungslose Nutzerzentrierung. Die Suchergebnisse von Google z.B. werden schon lange nicht mehr im Sinne des Nutzers optimiert, sondern im Sinne des Ertrages. Frag mal Phillip Klöckner (http://pip.net/)! Bei den anderen „Buchstaben“ verhält es sich ähnlich.

    • Eric sagt:

      Im Kern basiert deren Erfolg auf Nutzerzuspruch und der kommt nicht aus dem nichts sondern wurde erworben. Das ging aber nur, weil das noch Pioniere waren.

      Schon im jetzigen Stadium des eCommerce ist es schwierig sich noch in den Markt als neuer Anbieter rein zu pressen, auch wenn man alles an gutem Rat beherzigt und super Service bietet.

      Überleg 5 Jahre weiter. Wenn der Amazon Kunde, der dank dem genialen Prime Konzept seinen Einkauf im Netz ohne nachzudenken mit Amazon verknüpft, auf einem seiner Endgeräte Amazons Alexa aufruft, dann vielleicht schon mit rudimentärer K. I., und mit wenigen Sprachbefehlen aus dem Amazon System sucht was er will, die Bestellung autorisiert und im Hintergrund die hinterlegte Zahlungsart belastet wird, dann ist der für das offene Web verloren.

      Wieso dann nach neuen Shops googlen, Unsicherheit bzgl Kulanz wo Amazon besten Service garantiert inkl A bis Z Garantie bei Marketplace, wieso in die Navigation des neuen Shops einarbeiten, wieso dann der nervige Registrierungsprozess wo am besten noch verlangt wird auf einen Bestätigungslink in einer E-Mail zu klicken und dann Zahlungsdaten hinterlegen und bangen, wie schnell und gut dieser unbekannte Händler wirklich ist…wieso sollte ich das machen, wenn Amazon es mir so verdammt leicht macht und dabei trotzdem attraktive Konditionen bietet?

      Die Leute haben auch zunehmende shopping fatigue, also genau die oben genannten Eingewöhnungs- und Registrierungsprozesse wieder und wieder zu durchlaufen. Darum ist PayPal Express Checkout so beliebt, ein Zwischenschritt in der logischen Entwicklung.
      Die Leute sind der Vielfalt überdrüssig. Nicht der Warenvielfalt sondern der aus ihrer Sicht nutzlosen Vielfalt an Formalien. Ich hab mich selbst schon dabei ertappt bischen mehr bei Amazon auszugeben als mich schon wieder bei einem Shop neu registrieren zu müssen.

      eCommerce wird sukzessive zur Applikation werden (nicht zu bildlich an aktuellen Smartphone Apps festhalten, sondern am Wortsinne der Applikation) und wer die App Ökosysteme beherrscht, der beherrscht den Markt.

      • Kai sagt:

        Ganz genau so ist es ! Firstmover, die einem das Leben so einfach wie möglich machen.
        Ob sie nun die besten Suchergebnisse ausspielen (Google, dessen Suche nichts anderes mehr als eine gekaufte Litfaßsäule ist) oder die günstigsten Preise haben (Amazon, schon lange nicht mehr Preismarktführer), ist absolut sekundär für den Ottonormal-Nutzer!
        Bequemlichkeit und Gewohnheit sind die großen Bonis der Player!

  2. Eric sagt:

    Die GAFAs sind ein Mittel zum Zweck. Wenn man sie entsprechend pragmatisch nutzt sehr erfolgversprechend.

    Ich habe es als altgedienter Computerfreak immer so gesehen, dass das Web nunmal verschiedene Dienste bietet. Viele kennen das IRC nicht mehr, auch FTP, BTX, WAP oder Newsgroups und Mailboxen (ungleich Email) und viele andere Dienste kennt die App und Cloud Generation nicht mehr. Dienste im Web kommen und gehen also.

    Amazon ist untechnisch aber funktionalistisch betrachtet einfach ein weiterer Webdienst, die anderen ebenso.

    Alle mit ihren spezifischen Konzepten und pros und cons. Und die zunehmende All Mobile Ausrichtung verschiebt auch die technische Seite zunehmend weg vom www, hin zu API und App.

    Ich denke der Endpunkt wird sein, dass Verbraucher sich einzelne Ökosysteme aussuchen und gar nicht mehr interoperabel wechseln. Der Amazon Kunde, der per Alexa Sprachsteuerung auf seinem Fire TV shoppt ist für alle jenseits von Amazon und Marketplace nicht meht erreichbar. Analog die anderen Player.

    Selbst das hier kürzlich vorgestellte WhatsApp Konzept ist ein Teil dieser Entwicklung. Der User hat nicht mehr http://www.haendler.de sondern WhatsApp auf dem Display. Wer ihm nicht auf WhatsApp Angebote macht der kommt für ihn in der GAFA Ökonomie nicht mehr vor.

    Das mag mancher für radikal halten. Aber wer benutzt noch die einst so dominanten Webportale wie AOL, etc.

    Ich denke, jenseits der ersten paar Suchergebnisse bei Google haben Shops keine Chance mehr Neukunden auf ihr eigenes www Biotop zu lenken. Sie müssen entweder gigantisch groß werden, vgl. Zalando, oder eben bei Amazon, Apple oder Facebook und deren jeweiligen Biotope wirtschaften. Das steht ja noch am Anfang (vgl Facebook und WhatsApp die noch wenig in die Richtung haben) und wird auch den stationären Handel umfassen, vgl zB Apple Pay. Einzelhändler, die keine Zahlung mit Diensten der Techfins annehmen, die werden bei der Generation Bargeldlos echte Probleme bekommen.
    Und wer ist da schon besonders weit und hat noch viel größere Pläne? Die GAFAs.

    Wenn man das politisch bedenklich findet ist das nachvollziehbar aber in die Dichtung geht es, schon jetzt erkennbar. Außer die Politik grätscht massiv regulierend rein.

  3. Gerald sagt:

    Sicher kein Argument gegen das GAFA-Dogma, aber das eine ‚A‘ würde ich mittlerweile streichen.
    Apple ist kein Ökosystem (mehr), sondern eher ein (abgeschlossenes) Biotop, das man aber im Gegensatz zu den anderen drei ganz gut ignorieren kann, ohne sich mit halbgaren Alternativen rumärgern zu müssen.

    Im übrigen ist Apple das einzige der genannten Firmen, das seinen Aktionären eine Dividende auszahlt, also ganz konventionelle BWL-Ziele bedient.

    Ändert aber generell nichts am Dogma: Dann eben GAFX.

  4. Auch wenn ich der Grundargumentation und den strategischen Überlegungen folge, ist „GAFA“-Ökonomie für derartige Überlegungen ein extrem irreführender Begriff, da er suggeriert, dass es 4 allmächtige Dienste/Plattformen gibt. Nicht berücksichtigt ist, dass auch die großen Plattform-Player einem ständigen Wandel unterworfen sind, vor nicht allzu langer Zeit fielen noch Yahoo oder Ebay darunter, in den USA zählt man heute noch Microsoft hinzu, in ein paar Jahren könnten Uber oder hierzulande Zalando dazugehören. Wie bei Amazon sollte man sich vor einer Mythifizierung einzelner Anbieter oder Anbietergruppen hüten. Wir sind in der Entwicklung noch so früh, dass alles andere als klar ist, wer künftig die dominierenden Player sein werden geschweige denn wieviele es letztendlich sein werden. Im Grunde geht es ohnehin nur darum Plattform- bzw. Netzwerklogiken zu verstehen und das in seiner strategischen Ausrichtung entsprechend zu berücksichtigen.

    • Da stimme ich dir 100% zu – ich ergänze deinen Kommentar noch mal oben im Text. „Plattform Ökonomie“ ist ggf. etwas zu akademisch, aber grundsätzlich geht es in diese Richtung.

  5. Die GAFA Player haben es verstanden, durch Innovation beim Benutzer ein Momentum aufzubauen, das Ihnen ein starkes Anfangswachstum beschert. Dann zum richtigen Zeitpunkt mit einer Masse an Kapital das Momentum knallhart und konsequent nutzen, um Schlüsselstellungen im jeweiligen Markt so weit durch kundenorientierte innovationen abzusichern, dass die „normalen“ Marktteilnehmer diesen Vorsprung mittelfristig nicht mehr einholen können.
    Da die „Platzhirsche“ eben die „bewährten“ Denkmuster haben, verstehen diese gar nicht was da vor sich geht. Eine Abwehrstrategie können diese aus zwei Gründen nicht entwickeln:
    1.) Es erscheint zu Risikoreich (bei etablierten Unternehmen darf man alles nur keine Fehler machen)
    2.) Man kann es sich gar nicht vorstellen welche Hebel durch Digitalisierung, Virtualisierung, BigDatausw. angesetzt werden können.

    Bevor die Platzhirsche etwas entscheiden, will man alles verstehen. Das dauert aber zu lang und in dieser Zeit ist der kommende GAFA so weit enteilt, dass er jetzt statt mit einem 7stelligen nur noch mit einem 8stelligen Invest einzuholen wäre. Vom 9stelligen Betrag für das „überholen“ ganz zu schweigen. Wobei selbst der 9stellige Betrag nicht hilft, wenn sich das Management die digitale Vision nicht vorstellen kann.

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