Die zweite Hälfte des Schachbretts

Alexander Graf

Alexander Graf, 35, E-Commerce Unternehmer & Autor, Gelernt und erste M&A-Tätigkeit bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Shop Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

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10 Antworten

  1. Christian Martin sagt:

    Mir ist die Weizenkornlegende bekannt, ich kriegs nur nicht übereinander zu sagen, wer (!) befindet sich jetzt auf der 2. Hälfte des Schwachbretts? Sind damit Unternehmen (Konzerne vs. Startups`; befinden sich beide auf ähnlichen Feldern des Schachbretts?) oder Märkte (Retail, E-Commerce) oder irgendwas völlig anderes gemeint?

  2. Mark Steier sagt:

    Hey Alexander,

    in meiner kölschen Einfachheit stelle ich mir bei zunächst komplex anmutenden Sachverhalten die Fragen: Geht’s das auch einfacher und gab’s das schon einmal?

    Historisch betrachtet ist die Disruption immer eine Signifikanz einer voran gegangenen starken Erneuerungsphase. In Deiner Metapher: Viel Disruption = 2. Schachbretthälfte. Und damit ist der „Human Progress/Time“-Sheet lediglich ein kleiner Ausschnitt sich immer wiederholender Evolutionsabschnitte. Die Tabelle ist eine Stufe aus einer Treppe.

    In der Annahme dieses Theorems offenbaren sich dann aber auch die Lösungsansätze, die Risiken und Gefahren. Wer die Frage beantworten kann warum kein Kerzenhersteller den Weg zu einem erfolgreichen Glühbirnenhersteller geschafft hat, hat auch die Antwort auf die Herausforderungen vor denen wir stehen.

    In kölscher Einfachheit: No Risk no Fun und „nit schloofe, arbeide“ (das ist Kölsch)

    Um einmal die Kraft und Wirkung solcher Perioden zu verdeutlichen, schaut einmal auf die Tabula Peutingeriana und ihr könnt erkennen, dass es die meisten Straßen noch nach 1900 Jahren gibt.

    LG mark Steier, wortfilter.de

    • Die Sicht müsste aber sein, dass es das eben nicht schon einmal gab, weil die Veränderungsgeschwindigkeit zu hoch ist. Der Kutschenhersteller konnte noch vom Kerzenhersteller lernen und versuchen das in seine Unternehmensführung zu integrieren. Die heute betroffenen Unternehmen können das aber nicht tun, weil sie dann nur schlaue Ziegen werden würden. https://www.kassenzone.de/2015/09/24/die-kluge-ziege-smartgoat/

    • Eric sagt:

      Ich denke in einem Punkt irren Sie sich gefährlich, nämlich im Grunde anzunehmen, Wandel gab es schon immer, im Kern ist es das selbe wie schon immer.

      Die aktuelle Situation gab es noch nie, noch nie.

      Wir haben eine Kombination von Produkten, die dank internationaler Standards, Rationalisierung und Vereinheitlichung so austauschbar sind wie noch nie.

      Wir haben Konsumenten, die international in ihrem Geschmack, ihrem Freizeitverhalten und sonstigen, deren Nachfrage determinierenden Kriterien, so uniform sind, wie noch nie zuvor.

      Und das alles in einem globalen Marktplatz, wo prinzipiell von jedem Punkt der Erde ein Konkurrent anfangen kann, „Sie“ aus dem Markt zu kegeln. Bei digitalen Produkten ohnehin evident einfach, aber auch längst bei handfesten Waren. Es ist auch nur noch eine Frage der Zeit, bis Logistikprozesse so getrimmt sind, dass mindestens innerhalb der einzelnen Kontinente die Versandlaufzeiten von Land zu Land dem entsprechen, was der Endkunde zufrieden akzeptiert.

      Und dann haben wir zumindest in Europa auch noch einen gemeinsamen Währungsraum, gemeinsame rechtliche Rahmen und Regulierungen, eben den europäischen Binnenmarkt.

      Alles nie dagewesene Faktoren schon für sich genommen, im historischen Vergleich. Und in Kombination ist der daraus resultierende Wettbewerb mörderisch, die ständig ändernden Prozesse der digitalen Vertriebswege an sich habe ich noch gar nicht angeschnitten.

      Wir leben aktuell in der Ruhe vor dem Sturm, denn das Gros der Konsumenten ist immer noch an der alten Konsumwelt orientiert, aber mit der Generation Y, die gefühlte 9,9 von 10 Einkäufen nur noch per Onlinebestellung und Lieferung an die Wohnungstür erledigt, wird der Sturm kommen. Das Wachstum des E-Commerce steht erst noch bevor und wird gleichzeitig mit einer starken Konzentration eingehen – an diesem Punkt kann man dann auch durchaus historische Vorbilder suchen. Man denke an den Advent der großen Warenhäuser im 20. Jh., die sich rasch zu wenigen, riesigen Kaufhauskonzernen konsolidierten, die den Markt komplett unter sich aufteilten. Analog lief es anschließend mit den Lebensmittelsupermärkten (wir leben ja inzwischen unter einem Oligopol weniger, stationärer Lebensmittelmärkte).

      Es wird im E-Commerce definitiv genauso laufen, nur nicht mit nationalen sondern globalen Oligopolen.

      Ja, und wie kann der kleine Kaufmann, der jetzt noch gerne einsteigen möchte, da noch mithalten? Ich weiss es nicht. Gäbe es dazu ein Patentrezept wäre es die berühmte „Million Dollar Idea“. Es wird aufjedenfall ein enormer Kampf werden, die Botschaft sollte also sein, keine Sekunde auf dem Erreichten ausruhen, keine Sekunde. Wer ruht verschwindet vom Markt. Sowas hört man zwar als hohlen Einpeitscherspruch seit Jahrzehnten von BWL Typen, es war aber nie so wahr, wie hier und jetzt für den E-Commerce.

  3. Hmmmm, mich hinterlässt dieser Artikel leidlich irritiert (was eine gute Anregung ist.) Also er ist eine gute Zusammenfassung von Forderungen nach Wandel und Innovation.
    Aber inhaltlich wird hier, aus dem Bauch heraus geurteilt, doch um Kaisers Bart gestritten, oder? Es geht um Wachstumsraten, Beschleunigung, Anpassung – da kann man mitmachen, muss man doch aber nicht.
    Sind wir tatsächlich auf der 2. Hälfte des Schachbretts? Und wo soll denn in weitgehend gesättigten Märkten noch „exponentielles Wachstum“ herkommen?
    Sind Thiels Vorgaben, die ich interessant finde, nicht nur auf schnelles Wachstum aus? Was aber liegt jenseits der Metropolen, wo ja mit Menschen auch Kunden leben? Konzentration heißt ja immer auch, etwas liegen lassen, was vielleicht künftig interessant werden könnte.
    „Competition destroys profit“ scheint mir eine wichtige Aussage – aber bedeutet das nicht darüber nachzudenken, wo man Wettbewerb ausschalten oder umgehen kann?
    Vielleicht ist tatsächlich „time“ das richtige Kriterium: Geschäftsmodelle haben so lange Bestand, wie sie frisch und interessant sind. Uber scheitert daran, dass dieses Geschäftsmodell nie ausgereift war.
    Das Kaufhaus ist am Ende, was kommt jetzt? Doch nicht nur Amazon, das wäre ja entsetzlich langweilig!

    • “ Es geht um Wachstumsraten, Beschleunigung, Anpassung – da kann man mitmachen, muss man doch aber nicht.“

      => Nein. Da kann man eben nicht mehr mitmachen, sondern muss neu anfangen.

      „Und wo soll denn in weitgehend gesättigten Märkten noch „exponentielles Wachstum“ herkommen?“

      => Es geht nicht um E-Commerce Wachstum o.ä., sondern um die Veränderungsgeschwindigkeit. E-Commerce Wachstum ist dabei nur ein Abfallprodukt

      „Was aber liegt jenseits der Metropolen, wo ja mit Menschen auch Kunden leben?“

      => Das ist zwar wichtig, aber dem System ist der Zustand vollkommen egal. Die Aufgabe von UBER ist es nicht die Taxiversorgung auf Dörfern sicherzustellen.

      „Das Kaufhaus ist am Ende, was kommt jetzt? Doch nicht nur Amazon, “

      => Das Kaufhaus ist am Ende (meine Sicht) und Amazon ist nur der Anfang.

  4. Mein Executive Summary für diesen Artikel:
    Die Veränderungen der Märkte werden viel schneller, und zwar noch viel schneller als sich das die grauharigen Herren mit dunklen Anzügen vorstellen können. Um da zu überleben, sind die überkommenen Handlungsmuster veraltet – es muß nach radikal anderen Methoden gesucht werden. Das muß jetzt beginnen wenn man überhaupt eine kleine Chance haben will, und ja, eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. Fehlermachen muß erlaubt sein.

  5. dorade sagt:

    Also wer Wandel fordert, dem muss doch auch klar sein, dass der Wandel beinhaltet, dass einige Arten auf diesem Planeten verschwinden? Und durch andere Arten ersetzt werden? Das ist ja gerade das Besondere am Wandel. Und natürlich möchte keiner zu denen gehören, die für immer verschwinden. Wird er jedoch irgendwann. 😉 So ist der Lauf… in der Natur… in der Geschichte… beim Menschen selbst und auch bei Firmen. Wer oder was lebt schon ewig? Amazon gab es vor 25 Jahren nicht und ob es die in 150 Jahren noch gibt, weiß keiner. Dürfte es eingentlich auch nicht, wenn man „Wandel“ fordert. Aus meiner Erfahrung heraus sind die, die den Wandel fordern, sich überhaut nicht bewusst, was das bedeutet und das sie auch selbst dadurch verschwinden (müssen). Das wäre der erste Schritt, um dem Neuen Platz zu machen. Und man würde dadurch zeigen, dass man „Wandel“ verstanden hat. VW ist das beste zeitnahe Beispiel: Holen einen internen Chef von einer Tochter, die genauso die Motoren der Mutter verbaut und Kunden betrogen hat. Und denken, jetzt wird alles anders. Wir haben ja einen neuen Chef. 😉 Im Grunde wollen die Wandler, dass alles so bleibt wie es ist. Nur irgendwie anders. 😉

    PS: Es gibt auch keine Märkte. Es gibt auch keinen Firma, keinen Staat und kein Finanzamt. Es gibt immer nur Menschen. Märkte können sich also gar nicht ändern. Sondern nur die Menschen. Was den Menschen in seinen psychologischen Grundeigenschaften und Grundbedürfnissen von denen von vor 10.000 Jahren, von vor 200 Jahren oder von heute unterscheiden soll, ist sicher nicht nur mir ein Rätsel. Der Mensch ist in seiner Psychologie, seinen über Millionen Jahren geprägten Verhaltenmustern auch in tausenden Jahren noch so wie heute. Märkte ändern sich? Eine schöner Witz. Könnten wir durch einen alten Markt von vor tausend Jahren im Zweistromland schlendern oder heute über einen Wochenmarkt, nichts wäre anders. Die virtuelle Welt transportiert den Markt nur fiktiv in das Internet. Ob die Menschen über den Markt schlendern oder im Internet einkaufen – sie reagieren so, wie sie es in Jahrmillionnen Jahren Evolution gelernt haben.

  1. 31. Dezember 2015

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