The Amazon Economy – gnadenlos effizient

Alexander Graf

Alexander Graf, 35, E-Commerce Unternehmer & Autor, Gelernt und erste M&A-Tätigkeit bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Shop Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

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15 Antworten

  1. Alex sagt:

    Wunderbare Zusammenfassung und ein guter Überblick als „Einstimmung auf 2014“. Dem habe ich (man glaubt es kaum) heute sogar nichtmal was hinzuzufügen…. ausser ein gesundes neues Jahr 2014 für alle , insbesondere allen aktiven „Kassenzoneler“

  2. Hervorragender Artikel, der zusammenfasst, was zum Thema zu sagen ist.
    Stellt sich mir als Ex-Aachener die Frage, was wohl aus der geplanten Kaiserplatzgalerie werden wird, für die ein ganzes Stadtviertel „platt gemacht“ wurde. Als Folge davon sieht die Aachener Innenstadt an zentraler Lage aus wie ein Kriegsgebiet und das seit Jahren.
    Ich wünsche der Stadt und den Investoren viel Freude mit ihrem Millionen schweren Prestige-Pleite-Projekt.
    Schade um Aachen!

  3. Kai sagt:

    Ich muss dem Artikel in einigen Punkten widersprechen.

    1. „Die stationäre Präsentation von Waren wird für einige Sortimente weiterhin relevant sein.“
    Das ist aus meiner Sicht definitiv falsch. Es wird auch in Zukunft genug Produkte geben, die Leute lieber off- als online kaufen werden. Davon bin ich 100%ig überzeugt. Ob es aus praktischen und/oder sozialen Gründen ist, sei mal dahin gestellt.

    2. Die Verflechtung von Karstadt und Nicolas Berggruen
    Hier liegt imho deinerseits eine falsche Investment-Intention an Nicolas Berggruen zugrunde. Ich glaube nicht, dass er Karstadt wirklich retten wollte und an das Handelsmodell von Karstadt geglaubt hat. Vielmehr bin ich der festen Überzeugung, dass er Karstadt aufspalten und die profitablen Bereiche mit Gewinn abstoßen wollte. Dies ist ihm übrigens letztes Jahr mit einem Gewinn von ca. 300 Mio. Euro auch gelungen.
    Links zum Thema: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/millionen-deal-um-warenhaeuser-berggruen-filetiert-karstadt/8806004.html und http://www.welt.de/wirtschaft/article122437628/Nicolas-Berggruen-Gier-und-Geben-in-einer-Person.html

    Für mich ist der Artkel zu sehr aus der Brille eines E-Commerclers geschrieben und es wird zu wenig auf die Bedürfnisse der Menschen eingegangen. Natürlich ist es günstiger, bequemer, stressfreier und transparenter im Internet zu kaufen. Jedoch fehlt dem Internetkauf komplett die soziale Komponente und die ist zukünftig hoffentlich weiterhin so wichtig wie aktuell.
    Ich selbst lebe vom E-Commerce, kaufe dennoch meine Wurst beim Schlachter, meine Brötchen beim Bäcker und erfreue mich an einen Bummel in der schönen Altstadt von Lüneburg.

    • Ich gebe dir 100%ig Recht. Viele Sortimente bleiben vorerst offline Sortimente, aber ein Großteil des EZH kann und wird bald online abgewickelt. Ich würde auch gerne weiterhin mein Spielzeug beim Händler um die Ecke kaufen, aber er kann mit dem Service & Preisen des Onlinehandels nicht mithalten. Insofern schaue ich mich auch nicht die Kundenperspektive an, sondern betrachte immer zuerst das Geschäftsmodell. Womit verdient xyz Geld?

      Die Investmentinvestition von N.B. war mir schon klar. ggf. habe ich das nicht deutlich genug gemacht. Das habe ich aber auch hier geschrieben: https://www.kassenzone.de/2013/11/14/karstadt-nur-noch-eine-frage-der-zeit/, aber trotzdem hoffen ja viele Stakeholder auf die Rückkehr des Kaufhausmodells. Das wird mE nicht passieren.

      • Kai sagt:

        Hey Alex,

        mit dem Produkt Spielzeug sprichst du eine Produktgruppe an, die online mehr Vor- als Nachteile zum Kauf bietet (Markenprodukte, vergleichbar, preistransparent und von genormter Qualität) und somit auch meiner Meinung nach zukünftig das Gros des Umsatzes Umsatz online erwirtschaften wird.
        Es gibt aber auch Ware, die benötigt man spontan (z.B. Lebensmittel) oder möchte man vorher „erleben“ (z.B.Großmöbel). Bei solchen Warengruppen glaub ich, dass auch zukünftig mehr offline als online gekauft wird.

        Achtung Gefühlsduselei:
        Ehrlicherweise bin ich bei vielen Punkten ganz bei dir, möchte mir eine solche Zukunft aber nicht vorstellen. Leere und heruntergekommene Innenstädte, sozialinkompetente Bürger und noch mehr Gier nach Profit/Geiz, Schnelllebigkeit und kaltem Miteinander. Das liest sich sicher nach „den Teufel an die Wand malen“, aber dennoch glaube ich, dass unsere Natur eher in Miteinander und Harmonie als in Effizienz und Egoismus liegt.

  4. Christian Martin sagt:

    Hi Alex,
    ja ich gebe dir Recht: „Handel ist Wissen“ (wobei das so pauschal eigentlich auf jede Branche zutrifft). Amazon agiert in diesem Umfeld aktuell als deutlicher Spitzenreiter und ist noch am ehesten dran E-Commerce nicht als zusätzlichen Kanal, sondern als Evolutiuonsstufe im Handel zu sehen (von daher erübrigt sich eigentlich auch die Frage, ob Amazon über Stationärflächen nachdenken sollte).
    Generell agieren Unternehmen ja auf 2 Ebenen und im Vergleich zu den meisten Händlern in DE sehe ich Amazon im Vorteil.
    1) strategische Ebene (Mission, Vision, Ziel)
    2) operative Ebene (meist eine ständige Optimierung des Status Quos)
    Strategie: Während bei vielen Online erst durch den Druck des Wettbewerbs („wir müssen da auch präsent sein“) zustande kommt (also eher passiv), ist es bei Amazon eine aktive Entscheidung mit den entsprechenden proaktiven Maßnahmen (Kindle, Marktplatz etc.). Dieses passive verhindert aber ein Loslassen der „alten“ Evolutionsstufen und führt dann zum Dilemma sich nicht zwischen 2 Stufen weiterentwickeln zu können (in etwa auch das was Brandon Fail beschreibt).
    Operatives: Amazon hat den Riesenvorteil, dass Sie aufgrund des Sortimentes (hoher Anteil Schnelldrehersortimente) und ihres Marktanteils extrem viele Daten über Ihr Geschäft sammeln können. Damit lassen sich nicht nur pauschale Algorithmen erstellen, sondern sehr tief in verschiedene Cluster (oder eben 1:1 personalisiert) steuern, was nochmal deutlichen Gewinn bringt. Zudem sind – soweit mein Stand – die Vielzahl der Amazon-Systeme zur Optimierung des eigenen Geschäfts Eigenentwicklungen (selbst programmiert) und damit 100% customized auf die Anforderungen des Geschäfts. Die anderen Händler in DE haben meist deutlich weniger kritische Masse und setzen in vielen Fällen auf Markt-Standardlösungen, die zwar Nutzen bringen aber vielfach ein Schema F durchboxen und nur bedingt zur besseren Marktabschöpfung des Unternehmens beitragen.
    Hoffen wir also für 2014 dass sich einige darauf besinnen den Handel neu zu definieren bzw. den Mut finden dies zu tun (In einer Zeit in der das Quartalsergebnis und/oder die letzten Monatszahlen immer wichtiger werden, durchaus ein ambitioniertes Unterfangen).
    Dir selbst wünsche ich weiterhin den Mut genau diese Nadelstiche ins Herz des „alten Handels“ zu setzen, damit sich etwas ändert/verbessert und du dir möglichst bald ein neues Thema suchen kannst 🙂

    Viel Erfolg
    Gruss
    Christian

    • Danke für den langen Beitrag. Was mich hoffen lässt ist allerdings die These, dass ja „vor“ Amazon Otto, Karstadt, Metro & Co. die meisten Daten und proprietären Systeme hatten, um eigentlich genau die Dinge voranzutreiben die Amazon heute ausmacht. Mal schauen wie lange es dauert bis Amazon seinen Drive verliert. Dann werden die Karten neu gemischt.

  5. Alex sagt:

    Wie zu erwarten war…hat ja heute mit Weltbild einer der klassischen Läden mit durchaus akzeptablem Onlineauftritt die Segel gestrichen…

    Meiner Meinung nach erst der Anfang einer ganzen Welle in 2014…erstaunlicherweise ist die Stimmung bei vielen kleinsten und spezialisiersten Geschäften, eingenommen ich, wesentlich „besser“..

    Warum ich das sage? Noch um die Jahrtausendwende herum hiess es ja dass normale Einzelhändler die auch mal nen Schwätzchen mit dem Kunden gehalten haben gnadenlos ineffizient sind. Anschliessend rollten die z.B. Buchketten den Markt auf und nur wer 2000qm Handelsfläche hatte und alles nach ISO NORM XYZ zertifizieren hat lassn..war dann nach „BWL Manager Standards“ als effizient zu sehen.

    Selbige Konzepte lösen sich jedoch gerade von selbst auf. Überleben werden die hoch effizienten Onliner, die nicht vergleichbaren Ketten-Einzelhändler (Siehe Beitrag mit dem Spielzeug das zu vergleichbar is…) und kleine Spezialgeschäfte die nicht zu stark an Trends gebunden sind.

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