Windeln.de und die Milchpulverexporte nach China

Baby BuchDer Börsengang von windeln.de war bereits eines der Highlights 2015 für die E-Commerce Szene. Die Kursentwicklung seit der Notierung im Mai ist enttäuschend (-40%) und die Diskussion über das Geschäftsmodell wird bisher recht einseitig geführt. Im Aktionär heißt es “Die Windel ist zu voll!” und bei excitingcommerce wird in den Kommentarenspalten klar, dass die Bewertung der Aktie eine Glaubensfrage zu sein scheint. Es gibt für mich zur Zeit zwei wesentliche Faktoren, die für eine Bewertung ausschlaggebend sind. Primär muss man sich die Frage stellen, ob ein klassisches Handelsmodell wie windeln.de mit ca. 100-150m Euro Umsatz in der Lage sein wird in Zalando-ähnliche Umsatzregionen vorzustoßen, oder ob es am Ende doch von Amazon verdrängt wird, weil die Produkte zu trivial sind bzw. die notwendigen Skaleneffekte (Verhandlungsmacht mit Marken, eigene Lager, IT Team…) nicht erreicht werden können. Weiterlesen

Frisches Obst in Jakarta – Happyfresh.com

Happyfresh-TeaserMarkus Bihler war CEO von Tirendo, bevor er sich im Oktober 2014 an die Gründung eines Lebensmittellieferdienstes (Happyfresh.com) in Südostasien gemacht hat. Er hat neben einem sehr ordentlichen Funding im 7-stelligen Bereich ein illustres Team um sich versammelt und mir in einem Interview ein paar Fragen zu dem Geschäftsmodell beantwortet. Lieferdienst in Südostasien – das klingt erst mal nach einer Schnapsidee. Die harten Fakten (Marktpotential, Timing…) sprechen allerdings dafür. Wenn man genau hinschaut, dann ist das Potential vor Ort sogar deutlich vielversprechender als in gesättigten Märkten wie Deutschland. In Jakarta lässt sich noch Geld mit dem Handel von Lebensmitteln verdienen und Kunden zahlen auskömmliche Gebühren für den Extraservice. In Deutschland hingegen fahren Kunden lieber eine Stunde durch die Stadt, um 10 Cent beim Einkauf der Butter zu sparen. Techcrunch kommt zu einem sehr positiven Ausblick zu diesem Geschäftsmodell: Weiterlesen

Rhino Stores – Geld verdienen in der Google Falle

rhinologoIn der letzten Woche hat Kassel sein jährliches E-Commerce Highlight erlebt und im Rahmen des Plentymarket Kongresses 1.500 Onlinehändler bzw. deren Freunde und Dienstleister begrüßt. Der Kongress ist hervorragend geeignet, um hinter die Kulissen kleinerer Onlinhändler zu schauen. Plenty bezeichnet sich selbst als ERP mit Frontendfunktion und verbucht bei einigen tausend Nutzern über 2 Mrd. Euro Außenumsatz pro Jahr. Die Vorträge beim Kongress sind eine Mischung aus Strategie, Trends und allerlei praktischen Hilfestellungen, um die Händler nach vorne zu bringen. Aus Preis-Leistungs Sicht gibt es neben diesem Kongress und den Shopware Community Days nichts Vergleichbares für kleinere Händler in Deutschland. Peter Höschl hat einen ausführlichen Bericht zum Kongress geschrieben. Weiterlesen

Möbel Online: Versand innerhalb 24h geht doch || Ein Gespräch mit mycs.de Gründer Christoph Jung

mycs-schrankIn meinem Artikel zum Möbelmarkt vor vier Wochen habe ich die These aufgestellt, dass das Wachstum des Onlineanteils in der Möbelbranche vor allem deshalb stockt, weil viele Produkte nicht sofort lieferfähig sind. (Online-) Kunden sind es aber mittlerweile gewöhnt jedes Produkt innerhalb von 24-48h nach Hause geliefert zu bekommen. Wenn man drei Tage bzw. drei Wochen warten muss, dann kann man auch zum Möbelhändler in der Nähe fahren. Im Kommentarfeed zum Beitrag ist dazu eine spannende Diskussion entstanden, ob so etwas im Möbelmarkt wirklich möglich ist. Weiterlesen

Wie funktioniert eigentlich lesara.de? Interview mit Roman Kirsch

lesara LogoGestern hatte ich die Möglichkeit den Gründer und Geschäftsführer von lesara.de, Roman Kirsch, auf dem etailment Summit zu interviewen. Der Interviewzeitpunkt fällt nur rein zufällig mit einer großen Finanzierungsrunde zusammen, die Lesara gestern bestätigt hat. Mangrove Capital Partners und einige weitere Investoren geben dem Unternehmen 5 Mio. Euro. Lesara ist laut Eigendarstellung der erste reine Online-Premium-Discounter in Europa und wirft mit dem Geschäftsmodell auf den ersten Blick viele Fragen auf. Insbesondere nach dem Desaster mit dem Shoppingclub Geschäftsmodell in Europa läuten bei mir alle Alarmglocken, wenn ich die Worte „Deal“, „Schnäppchen“ oder „Discount“ bei der Beschreibung eines Onlinemodells höre. Jochen Krisch hat das Modell beim Start mit dem US Unternehmen nomorerack.com verglichen, die es mit einem Umsatz von 350 Mio. $ 2013 in Top 100 Internet Retailer Liste geschafft haben. Nomorerack arbeitet aber mit einigen starken Marken zur Kundenakquise, analog zum Shoppingclubansatz, auf die Roman komplett verzichtet. Im Interview erklärt er auch warum. Ggf. ist ein Vergleich mit wish.com passender, das bei Techcrunch bereist als das nächste 1 Milliarde Dollar Einhorn gehandelt werden. Weiterlesen

Zalando: Next Big Thing oder Next Karstadt?

Alter SchuhWenn schon die Bild Zeitung eine FAQ Sammlung über die “Z-Aktie” veröffentlicht, dann wird es wirklich spannend. Was ist Zalando wert? Das fragen sich diverse Medien und einige trauen sich sogar Twitter und Facebook als Vergleichswerte heranzuziehen. Die Berichterstattung zum Zalandobörsengang ist sehr positiv und analog zu Rocket Internet finden sich kaum tiefergehende Analysen zu diesem Börsengang. Während man bei Rocket immerhin noch Fantasie bezüglich der zukünftigen Entwicklung haben kann (Black Box usw.), sieht die Lage bei Zalando doch schon viel klarer aus. Auf Basis der historischen Entwicklung und den aktuellen Zahlen dürfte eine faire Bewertung doch möglich sein. Bevor ich mich an das Börsenprospekt mache, schauen wir uns noch mal die bereits bestehenden Marktmeinungen an. Zum Zalandomodell selbst habe ich mich hier schon mehrfach geäußert und ich kann daran nichts Innovatives erkennen. Für mich ist Zalando ein einfaches Onlinewarenhausmodell. Weiterlesen

Rocket Internet: Proven Winners vs. Reality

Frosch auf RaketeRocket Internet geht an die Börse.
Wow, das Jahr 2014 wird uns in Sachen E-Commerce Börsengänge noch lange in Erinnerung bleiben. Am Wochenende hatte ich nun auch endlich mal Zeit, das Börsenprospekt zu lesen und hatte gehofft, dass es bereits ein paar aufschlussreiche Artikel in der Wirtschaftspresse zum Prospekt gibt – immerhin hat schon deutlich weniger zu rührigen Hau-auf-den-Oli-Geschichten in einschlägigen Magazinen gereicht. In diesem Punkt wurde ich leider erheblich enttäuscht. Nirgendwo werden die offensichtlichen Fragen beantwortet. Wie seriös ist das Angebot? Was steckt hinter den einzelnen Unternehmen? Wo liegen die Risiken? Wie stark weichen die Zahlen von den Aussagen in der Vergangenheit ab? Wie erklärt sich die Bewertung?

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Wie verkauft man neuartige Produkte online? Heute: Bambusfahrräder von my Boo

myboo-radIn meiner direkten Büronachbarschaft werden seit einigen Monaten sehr coole Bambusfahhräder produziert und online vertrieben. Das Projekt „my Boo“ entstand in Ghana, wo heute die Bambusrahmen der 2.000 bis 3.000 Euro teuren Fahrräder produziert werden. Mit dem Gründer Maximilian Schay habe ich im Interview darüber gesprochen wie man für so ein Produkt eine sinnvolle Absatzstrategie entwickelt, ob Beiträge im Frühstücksfernsehen beim Verkauf helfen und ob in Zukunft ein Verkauf der Produkte über Amazon ansteht. Weiterlesen

Ist Tirendo wirklich ein Desaster?

Autoreifen mit AlufelgeDelticom stutzt Tirendo aktuell zurecht. Von den 151 Mitarbeitern sollen in Kürze 113 das Unternehmen verlassen, nachdem die Umsatzziele scheinbar verfehlt worden sind. Bei Excitingcommerce hat sich Jochen die Zahlen mal genauer angeschaut und dargestellt, dass Delticom mit 149 Mitarbeitern 2013 aus 505 Mio. Euro Umsatz 17,7 Mio. Euro EBT gemacht hat. Tirendo hingegen hat mit seinen 151 Mitarbeitern 2013 aus 44 Mio. Euro Umsatz ein EBT Minus von 16,5 Mio. Euro erwirtschaftet. Auf den ersten Blick waren also die 42 Mio. Euro, die Delticom 2013 für Tirendo gezahlt hat, sehr schlecht investiert.

Das ist aus meiner Sicht aber nur die halbe Wahrheit. Der Verkauf von Reifen im E-Commerce ist ein schwieriger Markt. Weiterlesen

Tambini.de – Mottoboxen für Kindergeburtstage von Gruner + Jahr

Tambini-StartGroße Unternehmen tun sich in der Regel sehr schwer bei der Umsetzung von Digitalstrategien, wenn sie in aller Öffentlichkeit umgesetzt werden müssen und dann auch noch viele Hoffnungen damit verknüpft sind. Im Fall von Gruner + Jahr konnte man vor einem Jahr in aller Öffentlichkeit nachlesen was, wie & warum im Bereich Digital geplant ist, weil man doch unter dem alten Vorstandsvorsitzenden Bernd Buchholz diesen Bereich jahrelang vernachlässigt hatte. Der Gesamtumsatz im Digitalgeschäft soll massiv wachsen & E-Commerce soll zu einer veritablen Säule bei den digitalen Produkten werden, was u.a. zum Investment in einen Shop für Kindermode geführt hat. In einem Markt, in dem Digitalinvestments für strategische Investoren aus meiner Sicht kaum noch möglich sind, weil entweder die verfügbaren Geschäftsmodelle nicht stabil erscheinen und/oder die Bewertungen mehr als irrational sind, hat sich G+J nun für eine spannende Make Option entschieden. Weiterlesen