Über Alexander Graf

Alexander Graf ist Geschäftsführer von Spryker Systems, einem Joint Venture, das er im November 2014 zusammen mit Nils Seebach und Project A Ventures gegründet hat. Er verantwortet das Business Development und die Strategie des Technologie-Anbieters mit Sitz in Hamburg. Er ist zudem Gründer des größten europäischen Netzwerkes für digitale Unternehmer eTribes. Im Juni 2015 erscheint sein neues E-Commerce Buch. Auf über 300 Seiten erklären Alexander Graf und Holger Schneider darin alle wichtigen Zusammenhänge zu Marktanalysen, Geschäftsmodellen und Strategien im E-Commerce. alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

jet.com und die ganz ganz große Vision

Burning dollarEs fühlt sich gerade wieder so an wie 2008/2009, als jede Woche ein neues E-Commerce Konzept das Licht der Welt erblickt hat und man regelmäßig über neue Shoppingclubs und möchtegern Shoppingclubs (fab.com) schreiben konnte. In dieser Woche gesellt sich jet.com in diesen illustren Kreis und beweist eine sensationelle PR Arbeit. Die Medien sehnen den nächsten Amazon Herausforderer geradezu herbei, und nachdem ich mir die letzten Stunden die gängigen Artikel dazu durchgelesen habe, bleiben bei mir ehrlich gesagt mehr Fragezeichen als Euphorie. Vielleicht bin ich schon zu sehr abgestumpft durch die Vielzahl an Konzepten die versuchen über bessere Preise Kunden zu gewinnen und zu binden, oder ich verstehe das Konzept noch nicht richtig. In der Internetworld wird das Modell heute kurz erklärt. Jet.com ist eine Art Marktplatz mit Eintrittsgebühr (50$ im Jahr) der auf jegliche Handelsspanne verzichten will und alle Kickback Einnahmen (Affiliate Guthaben….) direkt den Kunden zuschreibt. Ok, ich schreibe hier mal “laut” mit: Weiterlesen

Wait but Why? Bestes Blog überhaupt!

wbwWer neben den  Content Glanzlichtern im ecommerce von excitingcommerce (Kommentare lesen!) und etailment noch andere Lektüre sucht, dem kann ich das Blog „Wait but Why“ nur ans Herz legen. Vielleicht erinnert ihr euch noch daran wie ich begeistert über das Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahnemann berichtet habe. So ungefähr geht es mir beim Lesen von den Beiträgen auf dem Blog waitbutwhy.com. Der Autor Tim Urban schreibt dort 2-4x pro Monat Beiträge in epischer Länge über Dinge die jeden Sendung mit der Maus Fan schon immer interessiert haben. Es ist als nimmt sich jemand  3-4 Wochen Zeit für die Recherche zu einem ganz bestimmten Thema, um es dann guten Freunden mit allen Facetten zu erklären. Großartig, einfach großartig. Weiterlesen

Die schöne Welt des (Online) Möbelhandels

Insel-MoebelSeit dem Launch von home24, avandeo & Co. bin ich ein großer Fan des Online Möbelhandels und berichte regelmäßig hier bei Kassenzone. Anfang 2013 hat das auch zur meiner ersten Ministudie in diesem Marktsegment geführt, die mittlerweile über 10.000x heruntergeladen wurde. Die Vermutung „damals“ war, dass der Umbruch um Möbelhandel kurz bevorsteht. Der 40 Mrd. Euro Markt (nur Deutschland) war mit wenigen Prozent online vertreten und viele Akteure haben dem Markt eine ähnliche Entwicklung vorausgesagt wie dem Elektronikhandel und dem Fashionhandel. Passiert ist seitdem fast nichts. Home24 und Westwing ziehen einsam ihre Kreise und bereiten sich vermutlich in aller Ruhe auf einen Börsengang vor.  Weiterlesen

Marken schaffen – ein Erfahrungsbericht von Florian Berger (Donkey Products)

Donkey-LogoBereits vor zwei Jahren hat der Donkey Products Gründer Florian Berger im Kassenzone.de Interview sehr offen und inspirierend darüber gesprochen, was alles getan werden muss, um eine Marke wie Donkey Products zu bauen. Damit ein Schnarchstopper oder eine Einkaufswagenmünze mit Fuchsschwanz verkauft werden können, muss mehr gemacht werden als nur die Kreation von coolen Namen und ein paar Bildern. Ich hören „Flobo“ sehr gerne zu, weil man von ihm sehr viel über das Thema Marken und Erlebnisse lernen kann. Er schafft die Marken selber und arbeitet sehr hart für das Markenerlebnis. In Teilen erinnert die Argumentation an Max Berger von Ryzze. Für alle diejenigen, die auf ihrer strategischen Agenda das Thema „Eigenmarken“ haben, hat Florian eine Menge zu erzählen. Weiterlesen

Windeln.de und die Milchpulverexporte nach China

Baby BuchDer Börsengang von windeln.de war bereits eines der Highlights 2015 für die E-Commerce Szene. Die Kursentwicklung seit der Notierung im Mai ist enttäuschend (-40%) und die Diskussion über das Geschäftsmodell wird bisher recht einseitig geführt. Im Aktionär heißt es “Die Windel ist zu voll!” und bei excitingcommerce wird in den Kommentarenspalten klar, dass die Bewertung der Aktie eine Glaubensfrage zu sein scheint. Es gibt für mich zur Zeit zwei wesentliche Faktoren, die für eine Bewertung ausschlaggebend sind. Primär muss man sich die Frage stellen, ob ein klassisches Handelsmodell wie windeln.de mit ca. 100-150m Euro Umsatz in der Lage sein wird in Zalando-ähnliche Umsatzregionen vorzustoßen, oder ob es am Ende doch von Amazon verdrängt wird, weil die Produkte zu trivial sind bzw. die notwendigen Skaleneffekte (Verhandlungsmacht mit Marken, eigene Lager, IT Team…) nicht erreicht werden können. Weiterlesen

Second Hand Designer-Fashion | DCD Vortrag Karolin Junker

TascheDas Thema Second Hand Designer-Fashion hatte ich schon vor sieben Jahren auf meinem Tisch als Business Developer bei Otto. „Damals“ war der Markt für „Re-Commerce“ aber noch sehr jung und niemand konnte sich so recht vorstellen, wie man mit den diversen Problemen von gebrauchter Mode oder Accessoires sinnvoll umgeht. Lagerbestand = 1, Fotoaufwand für jedes Produkt usw…. Ich habe mich deshalb sehr gefreut, dass Karolin Junker von Vite EnVogue auf dem Digital Commerce Day in Hamburg einen Blick hinter die Kulissen dieses Geschäfts gewährt hat. Weiterlesen

„Das E-Commerce Buch“ bzw. Kassenzone.de in Druckform

Das E-Commerce BuchNach Jahren harter Arbeit, endloser Tage im Lektorat und vieler schlafloser Nächte ist seit dieser Woche endlich „Das E-Commerce Buch“ im Handel verfügbar. Ok, das mit der harten Arbeit, dem Lektorat und dem Schlafmangel stimmt nicht, weil uns die DFV Mediengruppe alle anstengenden Arbeiten abgenommen hat, aber Holger Schneider (E-Commerce Prof. an der FH Wedel) und ich haben und durchaus Gedanken zu dem Buch gemacht.

Wir beide arbeiten nun seit vielen Jahren im E-Commerce und hatten zwischen 2006 und 2011 eine gemeinsame Phase bei der Otto Gruppe. Ich habe in den letzten sieben Jahren sehr viele spannende E-Commerce Inhalte bei Kassenzone.de zusammengetragen und Holger hat einen tausende Charts umfassenden Wissenspool für seinen Studiengang angesammelt. Weiterlesen

Kavaj & Amazon SEO

Kavaj-PortraitKaum ein Thema in diesem Jahr auf Kassenzone hat mehr Aufmerksamkeit gebracht: SEO auf Amazon. Eine Disziplin die bei Google schon dem Aussterben nahe ist, wird nun dank Amazon wieder ganz neu belebt – allerdings mit deutlich besseren Vorsätzen. Auf einem DCDnet Workshop zum Thema Amazon Strategie im letzten Jahr hat Jörg Kundrath von Kavaj einige bemerkenswerte Aussagen gemacht, die mich dazu veranlasst haben die Regeln des schon fast heiligen Kaufprozesscharts in Frage zu stellen. „Hersteller verlieren – Kaufprozess verändert sich zu Gunsten von Amazon„. Auf dem Digital Commerce Day in Hamburg hat Jörg dann noch einmal die Geschichte von Kavaj, Hersteller sehr hochwertiger Lederhüllen für iphones und ipads, zum Besten gegeben. Weiterlesen

Kundenantrag: Realitäten im Großhandel

PerspektivenStefan Grimm (restposten.de) ist spontan beim Digital Commerce Day eingesprungen und hat einen denkwürdigen Vortrag zum Ende des Großhandels gehalten. Er ist wahrscheinlich einer der Know-How Träger schlechthin, wenn es um Großhandel+E-Commerce+KMU geht. In dem Vortrag hat er herrlich aufgezeigt, welche riesigen Lücken noch zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Großhandel klaffen. Von Kundenorientierung, gemessen am B2C Niveau, ist der Markt gemäß Stefan noch Lichtjahre entfernt. Die oft gehörte Argumentation, dass B2B doch schon viel weiter sei (telefonische Betreuung, untertägige Belieferung…) hat er mit einem Hinweis auf das Amazon Business Geschäftsmodell ins Leere laufen lassen. Dort sind transparente Preisinfos, Lieferkostenfreiheit und ad hoc Bestellfähigkeit für jeden Kunden schon eingebaut. Weiterlesen

Conway´s Law

KomplexIm Beitrag mit Matthias Schrader hatte ich schon kurz anklingen lassen, dass ich eine spannenden wissenschaftlichen Ansatz gefunden habe, der das Versagen großer (alter) Organisationen bei digitalen Geschäftsmodellen erklären könnte. Einen ähnlichen Erklärungsversuch gab es auch im Artikel “Die ergebnislose Suche nach einem CTO”. Darin habe ich das Portersche Modell der Wertschöpfungsstufen verwendet, um zu zeigen, dass klassische Unternehmen gar nicht für digitale Modelle gemacht sind. Nun habe ich aber mit dem Gesetz von Conway einen viel schöneren Ansatz gefunden, der seinen Ursprung in der Informatik hat. Das Gesetz besagt:

Organizations which design systems […] are constrained to produce designs which are copies of the communication structures of these organizations.”

Das klingt etwas kompliziert, ist aber einfach zu übersetzen: Weiterlesen