Über Alexander Graf

Alexander Graf ist Geschäftsführer von Spryker Systems, einem Joint Venture, das er im November 2014 zusammen mit Nils Seebach und Project A Ventures gegründet hat. Er verantwortet das Business Development und die Strategie des Technologie-Anbieters mit Sitz in Hamburg. Er ist zudem Gründer des größten europäischen Netzwerkes für digitale Unternehmer eTribes. Im Juni 2015 erscheint sein neues E-Commerce Buch. Auf über 300 Seiten erklären Alexander Graf und Holger Schneider darin alle wichtigen Zusammenhänge zu Marktanalysen, Geschäftsmodellen und Strategien im E-Commerce. alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

Conway´s Law

KomplexIm Beitrag mit Matthias Schrader hatte ich schon kurz anklingen lassen, dass ich eine spannenden wissenschaftlichen Ansatz gefunden habe, der das Versagen großer (alter) Organisationen bei digitalen Geschäftsmodellen erklären könnte. Einen ähnlichen Erklärungsversuch gab es auch im Artikel “Die ergebnislose Suche nach einem CTO”. Darin habe ich das Portersche Modell der Wertschöpfungsstufen verwendet, um zu zeigen, dass klassische Unternehmen gar nicht für digitale Modelle gemacht sind. Nun habe ich aber mit dem Gesetz von Conway einen viel schöneren Ansatz gefunden, der seinen Ursprung in der Informatik hat. Das Gesetz besagt:

Organizations which design systems […] are constrained to produce designs which are copies of the communication structures of these organizations.”

Das klingt etwas kompliziert, ist aber einfach zu übersetzen: Weiterlesen

Grüne Wiese vs. Transformation // Interview mit Matthias Schrader

Wiese BusWahrscheinlich gibt es zur Zeit keinen einzigen europäischen Konzern der sich nicht mit dem Thema “digitale Transformation” auseinandersetzt – mittlerweile oft auf Vorstandsebene. Je nach Reifegrad dieser Transformationsprojekte könnte man sich dann entweder mit dem Gedanken auseinandersetzen wie man die eigene Organisation digitalisiert (Tablets für den Außendienst usw…) oder man versucht strategische Optionen gegen das GAFA Monopol zu finden, das Matthias Schrader vor kurzem in einer Präsentation dargestellt hat. Gesalbt mit digitaler Weisheit ist Matthias für mich ein hervorragender Gesprächspartner, um über die gängigen Herausforderungen im Markt zu diskutieren. Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass Transformation großer Unternehmen nicht mehr funktionieren kann und man versuchen muss sein Glück auf der “grünen Wiese” zu finden. Matthias sieht das anders und glaubt noch an das Comeback der Konzerne. Weiterlesen

#DCDHH: Welche Fragen stellt sich Tarek Müller?

Tarek MüllerVor zwei Wochen haben wir den Digital Commerce Day in Hamburg veranstaltet. Mit ca. 350 Teilnehmern, zu 90% Hersteller und Händler, war es rappelvoll und sehr unterhaltsam. Alle Vorträge im Hauptsaal wurden aufgezeichnet und wir haben nun die Möglichkeit, soweit die Redner das zulassen, diese Vorträge als Video und Podcast zur Verfügung zu stellen. In diesem Beitrag zeigen wir meine Begrüßungsrede, in der ich die Hydra Analogie noch einmal ausführlich darstelle, und den Vortrag + Diskussion von Tarek Müller der seinen Werdegang darstellt und die aktuellen Entwicklungen bei Collins reflektiert. In der Diskussion mit Tarek wird deutlich, dass Collins nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart von E-Commerce Modellen ist. Während andere noch über SEO Strategien nachdenken (müssen), sollte man sich eher darüber Gedanken machen wir man Ökosysteme aufbaut oder für sich nutzen kann. Weiterlesen

Die ergebnislose Suche nach einem CTO

EDV ServiceIn den letzten Monaten sind einige deutsche Unternehmen beim Thema Digitalisierung wach geworden und stellen teilweise erhebliche Budgets für den „digitalen Wandel“ bereit. Damit werden Plattformen „erneuert“, Startups gegründet und teilweise wird sogar in neue Unternehmen investiert. Das ist alles sehr löblich, aber dabei wird gerne ignoriert, dass zwar Geld aber keine Strukturen für das interne Investment vorhanden sind. Das ist weniger kritisch, wenn das Geld in neue Projekte außerhalb der Konzern IT investiert wird, aber „Plattformen erneuern“ betrifft meistens den Kern der IT. Ich habe sehr lange nicht verstanden, warum sich große Unternehmen so schwer damit tun ihre IT in den Griff zu bekommen, um mit Amazon & Co. auf Augenhöhe zu agieren. Erst beim Querlesen von Holgers Inhalten in unserem E-Commerce Buch ist mir das Dilemma klar geworden. In Kapitel 2 dreht sich alles um die klassische Wertschöpfungskette im Handel, die jeder BWL Student in dieser Form schon einmal gesehen haben dürfte. Geld verdient wird mit Produktion, Marketing, Kundenservice usw, während die „unterstützenden Aktivitäten“ mit IT und HR dafür da sind diese Hauptwertschöpfung zu… unterstützen. Weiterlesen

#Chancen: Sei keine Hydra lieber Franz!

Spryker AntilopeWo liegen eigentlich die Chancen für den Franz? Diese Frage wird in den Kommentaren zu den eher „düsteren“ Kassenzone Artikeln oft gestellt. Die Artikel sind oft kritisch, weil ich mit den gängigen Strategien und Glaubensansätzen im Markt nicht übereinstimme und dann, gewollt oder nicht, erst einmal lange erkläre warum Multichannelhandel & Co. keine Zukunftsoptionen für Branche XYZ darstellen kann. Ich hoffe natürlich auch auf kritisches Feedback, weil ich etwas ggf. Chancen übersehe. In den letzten Wochen gab es zwei Anlässen, um mir konkret über diese Chancen Gedanken zu machen. Zum einen gibt es im E-Commerce Buch einen langen Absatz über Positionierungsstrategien im E-Commerce, die u.a. auf einem fast sechs Jahre alten Artikel bei Kassenzone beruhen. Dazu komme ich gleich noch ausführlich. Zum anderen war ich in der letzten Woche zu Gast bei einem Immobilienforum, bei dem Prof. Hengstschläger aus Wien einen furiosen Vortrag zum Thema Positionierungsfallen aus Sicht eines Genetikers gehalten hat. Er hat zum Start des Vortrags zuerst mit ein paar Vorurteilen aufgeräumt – insbesondere der unsinnigen Annahme, dass die Großen die Kleinen fressen bzw. die Schnellen über die Langsamen gewinnen. Das ist aus Sicht der Genetik nicht haltbar und aus Sicht der Wirtschaft schon mal gar nicht als generelle Regel interpretierbar. Die einzige für die Wirtschaft ableitbare Regel ist die, dass widerstandsfähige Systeme länger überleben können (Resilienz). Er hat diese Regel mit einigen sehr unterhaltsamen Beispielen belegt und unter anderem das „Dilemma“ der Hydra skizziert. Weiterlesen

Der langsame Tod des (klassischen) Großhandels

PerspektivenManchmal denke ich, dass es doch langsam etwas zu abgegriffen klingt, wenn man heute noch vor den Effekten der Digitalisierung warnt. Im nächsten Moment bin ich zufällig mal wieder auf einem Meeting mit einigen Großhändlern oder Leuten aus dem B2B Sektor und denke mir bei der einen oder anderen Aussage: “Krass, unfassbar, wie kommen die darauf…..” Dann befinde ich mich unvermittelt wieder im pastoralen Kassenzone.de Modus.Ich wünsche wirklich niemanden, dass ihn die “digitale Keule” trifft, aber die meisten Unternehmen werden das nicht vermeiden können. Scheinbar durchläuft jedes Unternehmen in der Digitalisierung eine Phase, in der alle “digitalen” Facetten daraufhin geprüft werden wie man das angestammte Business schützen kann. Das läuft auf verschiedene Maßnahmen hinaus wie z.B.: Weiterlesen

Was hat Franz nur falsch gemacht?

cocheroProlog: Franz Cochero hatte vor langer Zeit den Obststand seines Vaters übernommen. Die Lage war perfekt. Am Ausgang des Bahnhofs, am Anfang einer beliebten Einkaufsstraße. Der Stand von ihm und seinem Vater stand für Obst von hoher Qualität, persönliche Beratung und die Fähigkeit neue Geschmackstrends frühzeitig zu erkennen. Sie waren am Ort die ersten mit Kiwis aus Südamerika, und die waren auch noch preisgünstig. An das Pressefeedback kann sich Franz noch sehr gut erinnern. Eigentlich lief es sehr gut, Franz plante sogar einen zweiten Obststand am anderen Ende der Einkaufsstraße, aber recht plötzlich wuchs ein starker Wettbewerb heran. Die Familie Barato eröffnete auf einen Schlag zehn Stände in der Stadt. Kaum Beratung, aber eine ordentliche Produktqualität. Franz merke das sofort an seinem Umsatz, aber er fand Mittel und Wege sich zu behaupten. Weiterlesen

Das Button Ökosystem

KlickenÜber die Osterzeit gab es mal wieder Raum zum Nachdenken und mich hat vor allem eine Präsentation beschäftigt, die Matthias Schrader vor kurzem online gestellt hat. Dort beschreibt er das Gafa Problem – Google, Apple, Amazon und Facebook beherrschen große Teile des (westlichen) Internets, indem sie den Zugang zum Netz kontrollieren. Sie sind extrem geschickt darin diese Position zu verteidigen und auszubauen. Es gibt in der Präsentation ein Chart zu den Vertikalisierungsbemühungen der Anbieter und ich stimme ihm in großen Teilen zu. Wer dagegen auf Wunder hofft, ist mit den Thesen von Scott Galloway gut bedient. Wer den Zugang zum Kunden kontrolliert, kann die ganze Wertschöpfungskette kontrollieren. Diese Beobachtung ist für alle Jubelperser der neuen „Plattformen“ um Uber, Airbnb und Co. zentral, weil sie grundsätzlich die Stabilität von Geschäftsmodellen hinterfragt, die zentral von den Gate Keepern abhängig sind. Weiterlesen

Shopware und dann kommt lange nix?

Kino-Shopware-5Gestern wurde der Shopware Film zur Veröffentichung von Shopware 5 in Hamburg vorgeführt. Seit zwei Wochen tourt ein wesentlicher Teil der Shopware Mitarbeiter durch Deutschland, um die neue Version vorzuführen, deren zentraler Pitch das deutlich verbesserte (Frontend- und Backend-) Design in Anlehnung an erfolgreiche Konzepte aus dem stationären Handel ist. Ich verfolge die Entwicklung von Shopware schon seit einigen Jahren und es ist beachtlich wie das Unternehmen seine beiden Mitstreiter im deutschen Markt mittlerweile hinter sich gelassen hat. Im meistgelesenen Kassenzone.de Artikel “Das beste Shopsystem 2014” kommt Shopware bereits gut weg, und wann man sich die aktuelle Entwicklung bei Google Trends anschaut, dürfte Shopware noch in diesem Jahr Magento in der Popularität in Deutschland überholen. Weiterlesen

Schwerpunkt Handel

schwerpunkt HandelZum dritten Mal bringt die brand eins ein Magazin mit dem Themenschwerpunkt Handel und es ist lesenswerter als je zuvor. Vor zwei Jahren gab es den ersten Handelsschwerpunkt mit einer Analyse von Thomas Ramge, in der er dem stationären Einzelhandel sehr viel Hoffnung gemacht hat (“Wandel lohnt sich”). Wandel lohnt sich eben nicht, wenn man in den Erfolgfaktoren Preis, Angebot und Verfügbarkeit nicht mit den besten Onlinern mithalten kann, und bisher ist das noch nicht einem einzigen stationären Händler gelungen. Die brand eins ist die einzige Zeitschrift, die ich a) abonniert habe und b) regelmäßig als Papierprodukt lese. Ich bin sozusagen ein brand eins Fanboy und dieser Artikel hat damals einen Leserbrief von mir provoziert. Den einzigen den ich in meinem Leben je geschrieben habe. Das hat die Redaktion der brand eins nicht vergessen und mich gestern zur aktuellen Ausgabe zu einer Blattkritik eingeladen – für mich ein Ritterschlag, genauso wie die Nennung im brand eins Newsletter. So stolz war ich schon lange nicht mehr. Weiterlesen