Ein Märchen aus Mönchengladbach

Das Märchen ist schnell erzählt: In Mönchengladbach hat sich die örtliche Wirtschaftsförderung und der Lehrstuhl von Gerrit Heinemann zusammengetan, um den stationären Händler im Angesicht des wachsenden Onlinewettbewerbs zu helfen (gute Sache!). Das Projekt hieß MGRetail 2020. (Laufzeit 2014-2015) Dieses Projekt hat diverse Maßnahmen aufgezeigt, mit denen sich stationäre Händler etwas vom Onlinekuchen abschneiden können. Aus dem Projekt ist dann ein weiteres Experiment mit eBay entstanden, bei dem Händler ihre Produkte bei eBay (temporär kostenfrei) listen durften, um so dem Umsatzrückgang gegenzuwirken. (Laufzeit 2015 bis heute) Im Ergebnis standen dann viele erfolgreiche stationäre Händler, laut einzelner Protagonisten eine redutierter Innenstadtfrequenzrückgang und sage und schreibe 90.000 Zusatzumsatz pro Händler. Soweit zum Märchen aus meiner Sicht. 

Es dürfte in den vergangenen Monaten kaum eine lokale Gesprächsrunde mit stationären Händlern gegeben haben, in der es nicht um “Überlebens-” Strategien für die Geschäftsmodelle in den Innenstädten ging und mittlerweile hat es das Thema sogar  in die regelmäßigen Debattenmagazine der dritten Programme geschafft. Wahrscheinlich wurde schon jede nur mögliche Strategie zur Kundenrückgewinnung von den betroffenen Händlern und Gemeinden ausprobiert und gemessen an den bisher erzielten Ergebnissen kann man durchaus sagen, dass es zunehmend schwerer wird für das klassische Handelsmodell, in dem der Verkauf von Ware im Vordergrund stand. Diese Entwicklung wird sogar von gestandenen Händlern in den diversen Kassenzone-Podcasts bestätigt. Obwohl man nun mit etwas gesunden Menschenverstand darauf kommen muss, dass es mit etwas mehr Parkflächen in den Innenstädten nicht getan sein dürfte, hält das viele Experten in den genannten Debattenmagazinen nicht davon ab, den betroffen Händlern eine bereits 2005 überholte Onlinestrategie zu empfehlen. “Geht online, denn der Kunde ist da.” “Handel ist Wandel, das war schon immer so:” “Großstädte haben das Problem nicht, die Kunden wollen am Wochenende auch mal raus aus der Wohnung.” Wenn diese Aussagen nun von einem lokalen Interessenvertreter kommen, habe ich dafür sogar noch Verständnis. Entweder weiß er es nicht besser oder er stellt sein lokales Interesse in den Vordergrund. Wenn diese Aussagen aber von den Protagonisten des oben genannten Märchens kommen, hat das für mich einen bitteren Beigeschmack, weil betroffene Händler das tatsächlich glauben könnten.

Konkret geht es für diesen Beitrag um die Kommentare von Prof. Gerrit Heinemann im 3Sat Beitrag “Existenzkampf im Handel”, in denen er genau solche, aus meiner Sicht fatalen, Aussagen trifft. Er steht damit nicht alleine da. Regelmäßig werden hanebüchene Best Practice Cases (John Lewis, Macy´s, Nordstrom…) zitiert, um den Charme des klassischen Handelsmodels zu bewerben. Alle Cases entpuppen sich dann bei genauer Draufsicht als Augenwischerei. Es gibt dutzende Möglichkeiten, um sich online zu emanzipieren und nicht Amazon das Feld zu überlassen. Omnichannel-Strategien gehören aber nicht dazu. Es gibt weltweit kein einziges (mir bekanntes) stabiles Beispiel einer solchen Strategie, das dazu geführt hätte, Marktanteile von Amazon & Co. zurückzugewinnen. Im Gegenteil, diese Strategien erweisen sich als Kostengrab. Wenn aber schon Milliardenunternehmen bei diesen Strategien scheitern, dann ist es doch grober Unfug betroffenen lokalen Händlern so etwas zu empfehlen. Gerrit Heinemann verweist in diesem Zusammenhang dann gerne auf das “ebay Mönchengladbach”-Projekt. Wenn man lediglich die Schlagzeilen dazu liest, dann klingt das sehr erfolgreich.

Die ersten Ergebniszahlen übertreffen alle Erwartungen. Es ist uns nicht nur gelungen, den weiteren Frequenzrückgang in der Innenstadt zu stabilisieren, sondern auch überproportionale Umsatzzuwächse bei den beteiligten Händlern zu realisieren. Die Durchschnittszahlen sind erheblich besser als die anderer regionaler Marktplatzmodelle in weiteren Städten.

Auf dieses Projekt refenziert Gerrit Heinemann. Infos zum initialen Projekt finden sich unter mgretail2020.de, welches von Heinemanns Lehrstuhl aktiv begleitet wurde. Dort wird über das nachfolgende Sonderprojekt mit eBay folgendes vermittelt.:

  • 79 Händler haben mitgemacht
  • 3,2 Mio. € Umsatz wurden innerhalb von 9 Monaten über deren eBay-Accounts erzielt
  • 200.000 Artikel waren online
  • 87.000 Artikel wurden verkauft
  • pro Händler wurden Umsatzzahlen von 90.000 Euro zusätzlich kommuniziert (also on top zum sonstigen Geschäft)

90.000€ Zusatzumsatz pro Händler. Das klingt fantastisch, aber leider kann mir niemand nachvollziehbar erklären wie diese Zahl zustande gekommen ist. Das direkt nach der kostenlosen Pilotphase (der eBay Shop war für die Händler kostenlos) nur noch 30 von den 79 Händler weitergemacht haben, spricht auch nicht für einen durchgreifenden Erfolg, aber wenn es wenigsten den 30 Händler helfen würde, wäre das ja auch schon toll. Meine Vermutung war, dass der Umsatz von wenigen Händlern gemacht wurde, die ggf. schon vorher bei eBay aktiv waren und die PR-Effekte der Aktion zwar mitgenommen haben, es hier  um Zusatzumsatz ging, der den Händler der Innenstadt zugute gekommen ist. Wer hat nun Recht?

Für diesen Zweck haben sich drei Teilnehmer der Kassenzone-Whatsapp-Gruppe bereit erklärt, möglichst viele der Händler anzurufen, um herauszufinden was wirklich passiert ist. Dabei waren u.a. Janina Kummerfeldt, Studentin der Leuphana Universiät und Axel Heinz, Gründer und Geschäftsführer von Makerist.de. Was haben Sie herausgefunden?

Zum Zeitpunkt der Befragung (Februar 2018) waren 47 Händler auf der eBay MG Landingpage verzeichnet. 17 dieser Händler sind bei eBay aber inaktiv. Das Portal selbst scheint damit nicht aktuell zu sein. Von den verbleibenden 30 Händlern, konnten wir 16 erreichen und befragen, ob & wie viel mehr Umsatz sie durch die Aktion verzeichnen konnten:

  • Nur fünf Händler haben sich davon in Summe positiv geäußert. Darunter war ein Wellness Studio, das 5% Umsatzwachstum verzeichnen konnte. Eine Apotheke hat zu Protokoll gegeben, dass die Aktion die bisherigen stationären Umsatzrückgänge sogar ausgleichen konnte. Die anderen Händler haben den Vermarktungseffekt (Mönchengladbach und eBay) gelobt, aber keinen Mehrumsatz messen können.
  • Sechs Händler fanden die Aktion grundsätzlich ok, ohne jedoch einen spürbaren Mehrwert dadurch zu erfahren. Einem Händler war es zu viel Arbeit, andere Händler die vorher schon einen eBay Shop hatten, konnten kein Umsatzwachstum feststellen. In Summe also gar keine messbaren Ergebnisse, aber diese Gruppe hat zumindest das Engagement von eBay und der Stadt gelobt.
  • Die restlichen fünf Händler haben sich eher negativ geäußert und in Summe darauf verwiesen, dass Aufwand und Ertrag in keinem sinnvollen Verhältnis standen. Einige dieser Händler hatten auch technische Probleme, z.B. bei der Anbindung des Kassensystems.

Außer einer handvoll Händler, von denen auch einige schon vorher einen eBay Shop hatten, ist von der ganzen Aktion in unserer Auswertung nichts Nachhaltiges für die Händler hängen geblieben. Es ist vollkommen schleierhaft, wie 90.000 Euro Zusatzumsatz pro Händer errechnet wurden. Keiner der Händler, auch nicht die erfolgreichen aus unserer Umfrage, konnten auch nur annähernd solche Werte ausweisen. Ggf. ist der ebay-Umsatz dem örtlichen Mediamarkt zuzuordnen, der auch der Aktion zugerechnet wurde. Aussagen wie diese hier sind auf Basis der von uns gemachten Erkenntnisse einfach falsch.

Ein Beispiel für eine solche Lösung ist das von Heinemann initiierte Projekt Mönchengladbach bei Ebay. Es bietet Händlern neben einer eigenen Mönchengladbach-Seite auch Zugang zu Millionen Ebay-Kunden weltweit. „Das sorgt zwar nicht für zusätzliche Belebung in der Mönchengladbacher Innenstadt, aber es hilft den beteiligten Mönchengladbacher Händlern zu überleben“, meint Heinemann.

Blinder Aktionismus in Richtung Amazon und/oder eBay hilft gar keinem Händler. Entweder er hat ein kompetitives Angebot (bester Preis und sofortige Verfügbarkeit) welches er dort listen kann oder er lässt es bleiben. Und Händler mit diesen Angeboten findet man in der Regel nicht in der Innenstadt. Wenn es nur um den Preis ginge, könnte das der ein oder andere Händler sogar noch leisten, aber das im E-Commerce erwartete Serviceniveau (Produktbeschreibungen, Antwortzeiten, Retourenprozess…..) ist sogar für Pure-Play-Onlinehändler mit mehr als 100 Millionen Umsatz kaum machbar.  Innenstadthändler in diese Richtung zu drängen ist damit aus meiner Sicht fahrlässig. Was heißt das nun?

Mir ist noch immer nicht klar wie Gerrit Heinemann zu den o.g. Schlussfolgerungen kommt. Wir haben nicht alle Händler der Aktion erreicht, aber unsere Daten wecken gar keine Hoffnung darauf, dass sich die beteiligeten stationären Händler in diesem Projekt einen nennenswerten Zusatzumsatz erarbeiten konnten (online + stationär). Im Gegenteil, die Daten geben Anlass zur Warnung. Sollten wir hier ganz krass daneben gegriffen haben und die nicht erreichten Händler sind tatsächlich für die hohen Zusatzumsätze zuständig, dann ergänze ich das gerne. eBay hat uns dazu bisher leider keinen aufschlußreichen Daten geliefert.

Für eBay ist die Wertung aus meiner Sicht ambivalent. Der Presserummel rund um das Projekt war sicher hilfreich für eBay, aber das Projekt als vollen Erfolg zu bezeichnen, bezieht sich wahrscheinlich nicht auf den nachhaltigen Zusatzumsatz für die Händler aus Mönchengladbach. Was klar ist, und das zeigen auch die Umfragen, dass man eBay als Plattform sehr gut nutzen kann, wenn man das entsprechende Angebot hat. Von vielen Händlern wurde auch kritisiert, dass das Projekt nicht ausreichend beworben wurde und die meisten Kunden nichts davon wussten. In vielen Bereichen funktioniert eBay sogar besser als Amazon, aber das hat mit der Innenstadt alles nichts zu tun.

Die Wirtschaftsförderung der Stadt Mönchengladbach hat uns dankenswerterweise ein paar Daten zu dem Projekt zur Verfügung gestellt und als Forschungsprojekt halte ich die Aktion auch für sehr lobenswert. Die Angebotskonzepte der Händler in MG liegen nicht in der Verantwortung der Wirtschaftsförderung, aber die Aktion hat gezeigt, dass man so eben keine Mehrfrequenzen in der Innenstadt erzeugen kann oder stationäre Geschäftsmodelle wiederbelebt, die nun im Onlinewettbewerb stehen. Hätte ein hohes Werbebudget der Stadt für diese Aktion etwas verändern können? Aus meiner Sicht nein, weil das Innenstadtangebot nicht wettbewerbsfähig ist.

Ja, aber Herr Graf, was sollte denn der stationäre Händler nun tun?” Er könnte sich z.B. anhören was Knud Hansen (Intersport Kiel) oder Marc Rauschen (LT Osnabrück) dazu im Kassenzone Podcast sagen. Sie müssen ja gar nicht meiner eher bedrückenden Sichtweise folgen (Handel 2025: Welcher Handel?), aber anderen Händlern mit echter Praxiserfahrung aus den letzten, sehr intensiven Jahren sollten sie zumindest mal zuhören.

Derzeit ist allen Händlern ersichtlich, und das wurde in der Befragung auch so geäußert, dass sich die schon 2001 von Michael Porter geschilderte Situation bei allem „Wandel im Handel“ bewahrheitet und auf Plattformen wie eBay der Preis das stärkste Argument für den Konsumenten ist. Die Preisspirale kann der „kleine“ Händler nur verlieren. Jeder Händler soll sich auf das konzentrieren, was er richtig gut kann und mit diesem Können die Perspektive des Konsumenten einnehmen: welchen Grund hat der Konsument genau bei mir einzukaufen (on- oder offline)? Wenn er selbst als Händler keinen Grund und keine Perspektive findet bei sich einzukaufen, sollte er schnellstens dieses Geschäft einstellen.

Zur Klarstellung: Ich finde das Projekt in Mönchengladbach und auch die damit verbundenen Initiativen von Heinmanns Lehrstuhl sehr lobenswert. Die Interpretation der Ergebnisse sehe ich allerdings sehr kritisch und in Anbetracht der Lebenswirklichkeit der stationären Händler beinahe zynisch.

Update 1: Erich Althaus von noline.ch hat sich das eBay MG Projekt bereits im Februar genauer angeschaut und ähnlich skeptisch wie ich bei der Interpretation der Ergebnisse. In den Kommentaren dort nimmt Gerrit Heinemann auch Stellung zu seiner Sichtweise.

Wenn man nun die nationalen Händler dazu nimmt dann verhaut es das Bild der Bewertungen komplett. Alleine MM und Saturn haben Bewertungen in der Höhe von 463’000 Bewertungen in den letzten 12 Monaten auf eBay (interessanterweise mit fast keinen Seitenaufrufen ….) . Was für mich darauf schliessen lässt, das diese vermutlich so auch in die kommunizierten Umsatzzahlen eingeflossen sind.

Update 2: In dem Kommentaren bei noline.ch äußert sich Gerrit Heinemann zu den 90.000 Euro. Diese Umsatzzahl hat gemäß dieser Definition nichts mit den tatsächlich erreichten Umsatzzahlen zu tun:

Bei 120 tsd. Marktplatzpartnern, die eBay Deutschland hat, entsprechen die realisierten Durchschnittsumsätze des Pilotprojekts auch den Gesamt-eBay-Durchschnittsumsätzen (bei ca. 11 Mrd. Handelsvolumen). [11 Mrd. / 120.000 Händler = 91.000€ Umsatz]

 

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Alexander Graf, 37, E-Commerce Unternehmer & Analyst, Gelernt bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Commerce Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

30 Antworten

  1. Dirk Schoemakers sagt:

    Hallo Alex,
    hast Du bei den Zahlen zu dem eBay-Projekt noch die Zahlen?
    Da steht noch 000 bei den Artikeln und Verkäufen.

  2. Hi Alex,

    Hinweis: Domain mgretail2020.de nicht erreichbar.

    Stimme dir absolut zu, danke für die klaren Worte!

  3. Alex sagt:

    Sehr gut zusammengefasst, nun liegt es auch an Herrn Heinemann weitere detaillierte Fakten zu nennen bzw eine Datenbasis.

    “ welchen Grund hat der Konsument genau bei mir einzukaufen (on- oder offline)?“ Mit dieser Aussage hast du absolut recht und das ist an sich die Kernfrage die sich jeder Händler selbst fragen muss.

    Bei mir ists das „individuelle Produkt“ dank Dienstleistungsanteil. Fast alles dass ich noch an Waren verkaufe hängt mit einer Dienstleistung zusammen (z.B. Datenrettung und Neuinstallation benötigt ggf einen neuen PC, Festplatte und stundenlange Einrichtungen bei Firmen). Hier bin ich stark, hier baue ich das ganze aus.

    Rückläufig hingegen: Der klassische Einzelverkauf bzw der Kunde der reinkommt um XYZ zu erwerben oder womöglich gar eine Bestellung aufgeben möchte die er weitere Tage später abholen möchte. Ergo ziehe ich (auch nach einem Einbruch vor knapp 2 Jahren) meine Konsequenzen, baue den Warenbestand ab – es bindet nur zuviel Kapital und die Nachfrage bis auf wenige Schnelldreher ist sowieso Rückläufig:

    Ich bin klar der Meinung von Alexander Graf dass der Kunde zumindest bei Elektronik als eine der wichtigsten Faktoren den Preis sieht..hier werde ich nie der günstigste sein – und falls doch wird es sich für mich nur im Umsatz bemerkbar machen, aber nicht am Gewinn.

    Ganz praktikabel:

    Würde der „Einzelhandelsbeauftrage“ der jeweiligen Stadt schonmal dafür sorgen dass jeder der Innenstadthändler einen kostenlosen, top gepflegten Google Business-Eintrag hat (mit ggf zentraler Pflege die ja überschaubar ist) wäre schon sehr viel erreicht – solang dass erschreckenderweise bei vielen nicht wirklich der Fall ist – braucht man über umfassende lokale Marktplätze nicht nachdenken.

  4. Die Anfrage in der WhatsApp Gruppe hat mich damals dazu bewegt hat die Zahlen aus meiner Sicht zu beurteilen. Ich habe auch Antworten von Dr. Heinemann zu meinem Artikel in der Kommentar Spalte erhalten. http://www.noline.ch/mochengladbach-auf-ebay-eine-milchmadchenrechnung/

  5. Stefan Grimm sagt:

    Hi Alex,
    in der Zeit in der ich mich allgemein mit Konzepten und Aktionen zur Belebung der Innenstadt beschäftigt habe, egal ob das Pilotprojekt Wuppertal, andere Städte oder verfügbare Berichte über das Angebot in Mönchengladbach angesehen hatte, ist mir immer wieder eine Sache in den Statements der Teilnehmer aufgefallen. Sehr häufig stand der Aufwand in der Kritik, den Einzelhändler betreiben mussten, um die Datengrundlage der Sortimentsartikel und vor allem die tagesaktuelle Bestandspflege zu schaffen.

    Nur an diesem Aspekt alleine lässt sich die ganze Misere von freien stationären Einzelhändler schon erkennen, selbst die aktuellen aktuellen Bestände des eigenen Sortimentes in Filiale und Lager werden häufig nicht geführt.

    Digitalisierung 0.1 ist hier häufig sowohl der Start-, als auch der Endpunkt.

    Vom MG Projekt hatte ich 2016 exemplarisch einmal vom Händler Kuschelecke Fachmarkt die bewerteten Ebay Transaktionen eines Monats ausgewertet. Hier konnte ich exemplarisch 7857,00 EUR Brutto Umsatz an bewerteten Transaktionen in einem Monat ermitteln.

    Mit Faktor 12 hochgerechnet ergäbe das rund 90.000 EUR Außenumsatz auf Ebay

    Dieser Händler war aber schon seit 2003 aktiver Verkäufer auf Ebay und hat meiner aktuellen Sichtprüfung nach aktuell weiterhin bewertete Monatsumsätze im mittleren 4 stelligen Bereich auf Ebay.

    Beste Grüße
    Stefan

    • Im Beitrag von Noline antwortet Gerrit Heinemann folgendes in Bezug auf die Umsätze:

      „Bei 120 tsd. Marktplatzpartnern, die eBay Deutschland hat, entsprechen die realisierten Durchschnittsumsätze des Pilotprojekts auch den Gesamt-eBay-Durchschnittsumsätzen (bei ca. 11 Mrd. Handelsvolumen).“

      Er leitet also die Zusatzumsätze der MG Händler vom Durschnittsumsatz aller Marktplatzpartner bei eBay im Betrachtungszeitraum ab. Wenn diese Herleitung stimmt, dann müsste ich hier Sachen schreiben, die abmahnfähig sind. Unfassbar.

      • Kurzer Hinweis: Die zitierte Textpassage erlaubt keinen Rückschluss darauf, dass einfach eBays GMV auf die teilnehmenden Händler umgelegt wurden. Es heisst hier doch lediglich, dass die erzielten Zusatzumsätze der MG-Händler dem realisierten ø-Umsatz eines eBay-Händlers entspricht.

        Ich habe keine Ahnung woher die MG-Zahlen kommen, aber in der Textpassage wird lediglich verglichen, nicht abgeleitet.

        BTW: Dass stationäre Händler online nicht erfolgreich sein können, ist natürlich falsch. Aber darum ging es in Deinem Artikel richtigerweise ja auch gar nicht. Denn Du hast natürlich recht, dass lokale Marktplätze den stationären Handel nicht befruchten werden können.

  6. Als Innenstadtkümmerer einer kleinen Stadt zwischen Ingolstadt und München http://www.pfaffenhofen.de
    habe ich die Interviews mit Knud Hansen und den Geschäftsführern von L&T sehr aufmerksam verfolgt und möchte mich an der Stelle auch dafür bedanken!
    Die Ergebnisse der MG bei eBay Geschichte sehe ich genauso kritisch, da wird gerne sehr einseitig berichtet. Das Konzept ist auch nicht rund. Aus der Erfahrung mit meinem Projekt http://www.besserdaheim.de
    kann ich die geringen Online-Verkaufszahlen der stationären Händler nur bestätigen. Aber ich finde es wichtig, dass der stationäre Handel sich mit der Onlinewelt auseinander setzt und seine Auffindbarkeit im Netz erhöht. Das geht nicht mit eBay und irgendwelchen Onlinemarktplätzen. Dafür aber mit Social Media und digitalem Stadtmarketing.
    Ich glaube immer noch an ROPO Effekte und eine lebendige Innenstadt. Das gelingt aber nur mit interessanten Sortimenten, guter Gastronomie und viel Aktion auf den öffentlichen Plätzen – das sollte die Aufgabe jeder Kommune sein.

  7. Thomas Mayer sagt:

    Der Diskurs zwischen Heinemann und der K5-Gang ist leider dogmatisch.

    Was MG bei Ebay zeigt, ist, dass jeder _wettbewerbsfähige_ Anbieter auf einem traffic-starken Marktplatz Zusatzumsätze generieren kann, wenn er sich um sein Geschäft auf dem Marktplatz _kümmert_. Das gilt übrigens unabhängig davon, ob man parallel auch noch einen stationären Laden hat oder nicht…

    Insofern ist Marktplatzgeschäft weder die Rettung des stationären Einzelhandels (Heinemann), noch ist eine Erfolgsquote von 10% – nach investivem Journalismus per WhatsApp – als Attest des Scheiterns auszulegen (Graf). Man sollte mal die 10% mit den 90% inhaltlich vergleichen (Sortiment, Preis, Angebotsoptimierung), da wird man sehen, dass von nichts halt nichts kommt – auch nicht auf Ebay.

    Die aggressive Form der Auseinandersetzung muss wohl kulturell bedingt sein, macht es aber unangenehm. Die einen verdienen im Ökosystem Geld mit optimistischer Handelsrettung, die anderen mit PR-gepimpter Alleskönner-Software. Leben und leben lassen sieht anders aus…

    • Jan sagt:

      Jop und ich als armer Händler verliere in dem Szenario, werde mich entweder in die Abhängigkeit von 3t Anbietern stürzen oder setze auf lokale Konzepte (bsp. MG). Da zwischen gibt es mittlerweile auch genug – Agenturen, allinone Lösungen, Zahlungsdienstleister, Marktplätze, irgendwelche App-shop Lösungen, Gütesiegel usw. Klar will jeder ein Stück vom Kuchen bekommen. Ganz zu schweigen von Multiplikatoren die gerne mein Werbebudget wollen, Google, Facebook und co. Nicht nur das. In jedem Segment gibt es ausgewiesene Experten die mir ihre beratende Tätigkeit in Rechnung stellen oder in irgendeiner Form von genannten Zusatzdienstleistungen profitieren (kommuniziert per Blog, whitepaper, nl).

      Das wichtigste, alle „versprechen“ mir dass ich ohne diese Dienstleistung nicht bestehen kann.

      Ende vom Lied, vieles wird ausprobiert – man hat schließlich Angst um die Existenz und Verantwortung gegenüber der Mitarbeiter – Resultat 90% bringt nichts. ABER: sicher ist, probiert man nicht aus, um die 10% wirklich hilfreicher Umsatzbringer zu kommen, ist man sehr sicher früher oder später weg.

      Beruhigend, genau so wie der Handel, werden auch alle Dienstleister ohne USP oder tatsächlichen Mehrwert verschiedenen (gibt ja keinen mehr der die Dienstleistung braucht)

      Drum kann ich weder etwas gegen MG noch gegen besagtes Shopsystem sagen. Meiner Meinung nach ist es wichtig nicht nur auf ein Pferd zu setzen und erstrecht nicht mit vollem Einsatz der Ressourcen.

      Soll nicht so pessimistisch rüber kommen wie es sich liest 🙂

  8. Axel Heinz sagt:

    Die Herleitung der angeblich 90k€ Zusatzumsatz durch Prof. Heinemann u/o ebay ist skandalös. Gerade bei der geringen Zahl der Projektteilnehmer und der glasklaren Datenlage bei ebay hätten die echten Durchschnittszahlen verwendet werden sollen, um zu beurteilen, ob Experimente wie MG bei ebay Nutzen bringen oder nicht. Dass dies nicht gemacht wurde, begründet den Verdacht, dass die echten Zahlen viel niedriger als bei 90k€ liegen.
    Hier musste wohl ein Erfolg produziert werden und wenn die echten Daten nicht gut genug sind, schraube ich so lange an der Methode, bis es endlich toll aussieht. Dadurch entstehen erratische und gefährliche Ratschläge, welche die Notlage des Einzelhandels eher noch verschlimmern.

  9. Ist es nicht so, dass die Mönchengladbacher Händler, die auf ebay Zusatzumsatz generieren, diesen anderen stationären Händler irgendwo zwischen Flensburg und Garmisch wegnehmen? Ich freue mich auf den „Krieg der Innenstädte“ auf Amazon und ebay.

    Durch die „Tragik der Allmende“ konterkariert sich das ganze Experiment. Es schließt zudem die Behauptung aus, jeder Wettbewerbsfähige können online Zusatzumsätze generieren. Handel ohne erkennbaren Mehrwert ist leider ohne signifikante Veränderungen des Geschäftsmodells nicht über die Zeit zu retten. Dies gilt sowohl stationär als auch vor allem in einem hochkompetitiven Markt wie dem digitalen Handelsplatz.
    Da helfen auch digitale Augenwischereien mit lokalen Onlinemarktplätzen, ebay-Experimenten oder sonstigen Himmelfahrtskommandos nicht.

  10. Udo Kiesslich sagt:

    Zalando hat doch in Mönchengladbach ein Lager mit 1500-2000 Leuten. Vielleicht hat der Niederlassungsleiter zwecks Goodwill und für die Mitarbeiterakquise jeden Monat 20 Prozentgutscheine für die lokale MG- Plattform verteilt. Dies würde den « Mehrumsatz » ggf erklären… Ab 2018 ist auch amazon mit Lager in Mönchengladbach, da geht die lokale Plattform bestimmt durch die Decke.

  11. Emric sagt:

    Womit man immer richtig liegt ist „Handel ist Wandel“. Und der heutige Angreifer kann schon bald das morgige Opfer sein. Ich weiss genauso wenig, wie irgendjemand hier, wirklich wie die Handelswelt nach 2030 aussehen wird. Denkbar ist vieles. Daher ist es durchaus wichtig das aktuelle Paradigma, mit dem du aktuell (!) vollkommen richtig liegst, trotzdem weiter zu hinterfragen, sonst läufst du in die selbe Falle wie die im Blogeintrag zitierten. Irgendwann garantiert. Denn es wird weiterhin gelten, Handel ist Wandel. Amazon ist kein Endzustand. Und darin liegt für den nächsten Angreifer natürlich auch wieder eine Chance. Nein, dieser Angreifer wird nicht das sein was derzeit als Verzweiflungstat so vom etablierten Handel ausprobiert wird. Aber es wird ihn geben. Und wer zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Riecher hat gewinnt die nächste Runde. Auch Jeff Bezos hat schließlich klein angefangen.

    Das ist für mich die eigentliche „lesson learned“ hier. Nie auf erreichtem Erfolg ausruhen und genauso bereit sein in 10 Jahren möglicherweise alles, was nun über die GAFA Ökonomie gepredigt wird und als gesichert gilt, zu vergessen und ebenso komplett über Bord zu werfen, wie man das aktuell vom etablierten Einzelhandel erwartet oder ihm das Sterben prophezeit. 2030 sprechen wir uns wieder.

  12. René van Loock sagt:

    War der Sinn von Heinemanns Innenstadt Projekt nicht ein anderer?
    Es ging doch garnicht darum online zu verkaufen bzw. nur in geringem Teil!
    Die Kunden sollten doch über die Online Präsenz und die Möglichkeit sich die Auswahl des Ladens im Internet anzuschauen in den Laden gelockt werden. Daher sollte man den Nutzen des Projektes eher an Ladenbesuchen, stationären Umsatz und Traffic auf der Mönchengladbach Seite bemessen. Ich glaube zwar, dass es dann auch nicht viel besser aussieht, nur finde ich es etwas kritisch wie Graf hier Heinemann zerreißt.

    Heinemann selbst schreibt in seinen Büchern, dass es grundlegende IT-Kompetenz im E-Commerce benötigt, daher kann ich mir nicht vorstellen, dass E-Bay Umsatz das Ziel war.

    Das es nur für dieses Ziel ein einfach unverhältnismäßiger Aufwand war bestätigt meinen aktuellen Eindruck. Vielen Dank für diese kritische Analyse!

    • Das Gegenteil ist der Fall. Ziel war es laut MG Wirtschaftsförderung mehr Umsatz online zu erzielen. Die Innenstadtfrequenz war nur ein sekundäres Ziel. Aber egal wie man es dreht. Beides wurde nicht ansatzweise erreicht, zumindest nicht auf Basis der uns ersichtlichen Daten.

  13. Manfred sagt:

    Es gibt ja auch Zahlen zur Onlinecity Wuppertal, dort machen alle Händler (ca. 60) zusammen pro Monat einen Gesamtumsatz von 1000 bis 1300 € [sic] über die Plattform! Zahlen von Ende 2017, Bericht aus der WZ:

    http://www.wz.de/lokales/wuppertal/konkurrenz-fuer-amazon-und-co-so-will-wuppertals-handel-punkten-1.2548404?page=all

  14. Besten Dank, Herr Graf, für Ihren Versuch, die PR des Projektes „Mönchengladbach bei eBay“ als – gelinde gesagt – unanständig zu entlarven. Ich möchte hier auch kein Feuer mehr ins Öl gießen, da ich mich in den letzten 4 Jahren sehr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und mir damit wenig Freunde gemacht habe – insbesondere mit meinem Blick auf die Rolle des HDE und eBays beim Thema digitale City-Initiativen. Beispielhaft dieser Artikel: https://localcommerce.info/blog/hde-ebay-lokaldigital/

    Mittlerweile ist „eBay City“ oder „lokal & digital“, wie das Programm nun heißt, vertriebstechnisch ja auf die FUNKE Mediengruppe verlagert worden. Das heißt, eBay hat erkannt, wie unglaublich schwer es ist, Digital-Initiativen in Städten zu implementieren, wenn es sich eben nicht nur um Sichtbarkeitsmodelle wie Online-Schaufenster ohne Shopinfrastruktur handelt.

    Ich bin dennoch ein Verfechter des „Dritten Weges“ online und offline auf Basis eines lokalen Online-Markplatzes und zugunsten einer attraktiven Innenstadt zusammenzudenken. Und ich würde jeder Stadt diesen schwierigen Weg hin zu einer starken lokalen Online-Marke auf infrastruktureller Basis eines Multi-Vendor Online-Shops empfehlen, wenn aber eben auch die Rahmenbedingungen stimmen: Digitaler Kümmerer oder Online-Manager, engagierte Händlerschaft, geeigneter IT-Infrastrukturgeber mit White-Label-Fähigkeit, ein durchdachtes Schulungsprogramm und Finanzierungsmodell sowie ein gut moderiertes Veränderungsmanagement des inhabergeführten Einzelhandels etc. etc. Es hat seinen Grund, wieso es deutschlandweit mittlerweile zumindest ansatzweise mehr Modelle nach dem Schema des Pilotprojekts „Online City Wuppertal“ gibt als nach dem Pilotmodell „eBay bei Mönchengladbach“. Die Stadt von @Philipp Schleef ist eines davon.

    Das dieser Weg alles andere als einfach ist, habe ich gerade in meinem neuen Buch („Local Commerce“) auf 300 Seiten zusammengefasst. Und ja @Manfred, auch den Erfolg der „Online City Wuppertal“ kann man nicht am Durchschnittsumsatz reiner Online-Abschlüsse über den lokalen Online-Marktplatz festmachen. Aber fragen Sie mal Händler aus Wuppertal mit mindestens 500 Produkten im Online-Sortiment nach den RoPo-Effekten? Die greifen nämlich extrem gut, wenn auch schwer messbar. Aber auch die reinen Online-Umsätze stellen sich mit entsprechender Bewerbung, SEO und Optimierung des Marktplatzbetreibers und steiler Lernkurve des Marktplatzhändlers ein (der im Übrigen auch gerne auf eBay verkaufen kann, wenn er es sich preis-, personal- und sortimentspolitisch erlauben kann, dafür braucht es meiner Meinung nach aber kein digitales Dachmarketing). Organisches Wachstum ist das Mantra der Betreiber lokaler Online-Marktplätze und Projektträger digitaler City-Initiativen. Jeder, der in städtischen Gefilden arbeitet (Citymanagement, Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing, Vorsitzende von Gewerbevereinen, Kümmerer eben), weiß etwas mit diesem Mantra anzufangen. Für Digitalisierungsprojekte steht in aller Regel wenig Budget zur Verfügung. Es kann nur langsam Schritt für Schritt vorangehen – aber bitte mit einer Vision und einem Konzept und Verantwortungsträgern zur Annäherung an die Vision einer zunehmend digitaler werdenden Stadt (und ich rede hier noch nicht von Smart City!).

    Partnerschaften im Hintergrund etwa von atalanda (ANWR, Libri etc.) machen deutlich: Local-Commerce-Systeme für den digital meist unterentwickelten inhabergeführten Handel müssen extrem niederschwellig und einfach zu handeln sein. DIes betrifft natürlich in erster Linie den Produktdatenstamm samt Bildern. Aber ohne Fleiß eben auch hier kein Preis. Das berühmte Wuppertaler Naschkatzenparadies war für den Betreiber alles andere als paradiesisch, als er 2014 beginnen musste, manuell sein Online-Sortiment (ohne eigene elektronische Warenwirtschaft) auf den Marktplatz zu bringen. Jetzt aber erntet er die Früchte dieser Arbeit: prall gefüllter Bestellordner von Kunden aus ganz Deutschland, Neukunden aus der Stadt auf der Fläche, jährliches Wachstum lt. BWA von um die 10 Prozent: https://atalanda.com/wuppertal/vendors/naschkatzenparadies#highlights

    Digitale City-Initiativen, das will ich mit meinen etwas lang geratenen Ausführungen betonen, müssen die virtuelle Weihnachtsbeleuchtung in Google zum Leuchten bringen – und dabei genauso den Handel, wie das Handwerk, Dienstleister oder andere städtische Akteure zu mehr Sichtbarkeit im Netz verhelfen. Der physische Marktplatz Stadt hat doch längst sein digitales Pendant bekommen. Wir haben nur noch nicht gelernt ihn zu bespielen. Und nein: dieses Pendant heißt nicht nur Amazon oder ebay oder Otto oder Zalando. Lokale Online-Marktplätze werden sich wie die großen Shops & Marktplätze eben auch im Repertoire des Handelsmarketings etablieren und bestimmte Zielgruppen ansprechen können. Sie holen keinen Prime-Junkie hinterm Ofen hervor, sicherlich. Sie sind vor allem ein wichtiger Beitrag für die digitale Infrastruktur der Stadt, auf der sich lokale Gewerbetreibende kooperativ entfalten können sollten.

    • Sorry, muss mich selbst korrigieren. Genanntes Naschkatzenparadies hatte im ersten Jahr der Teilnahme am lokalen Online-Marktplatz 2014/15 um die 10 % Wachstum. Danach immerhin weiteres einstelliges Wachstum in einem weitestgehend stagnierenden stationären Markt. Der angesprochene Einzelhändler ist natürlich ein herausragendes Beispiel der „Online City Wuppertal“. Aber genau jene gilt es hervorzuheben.

  15. Mark sagt:

    Mensch Alexander, da hätte ich dir aber mehr Sachlichkeit, Richtig und Stringenz zugetraut. ich möchte jetzt auch nicht erst einmal den in der Tat langen Artikel zerreden.

    Das was du versuchst ist nur bis zu einem gewissen Punkt generalisierbar zu realisieren. Du versucht eine ‚Gesamtstrategie‘ für die lokalen Herausforderungen der Innenstädte zu finden. Das kommt einer Quadratur des Kreises gleich. Es ist schlicht nicht möglich.

    Zum einen bedingt eine strategische Planung aber einer gewissen Tiefe und eine sehr genaue Detailansicht auf die Herausforderungen zum anderen versuchst du ‚die Händler‘ gleichzuschalten und du gehst damit den gleichen falschen Weg wie er auch in nahezu allen lokal fokussierten Projekten gegangen worden ist.

    In einem sind wir uns einig: Die Projekte sind nicht so erfolgreich wie sie gerne gesehen und kommuniziert werden. Die Frage die du unzureichend und falsch beantwortest (-n) (möchtest) ist die nach den Gründen und Ursachen.

    Hier sehe ich weniger (aber auch) eine konzeptionelle Fehlplanung als vielmehr eine wenig hinreichende Detailumsetzung. Eben halt technische Herausforderungen, Schulung der Protagonisten, Fehler in den Ladengeschäften und und und….

    …ich finde die gesamte Diskussionsentwicklung sehr schade und oftmals sehr wenig hilfreich.

    • Was generalisiere ich denn in dem Artikel? Dort steht doch, dass es sogar erfolgreiche Teilnehmer des Projektes gab. Dazu gehören die, die es auch richtig machen (Sortiment, Schulung, ….). Auf meine Sicht für das Handelsgeschäft muss sich ja niemand einlassen. Gefährlich finde ich es aber aufgrund dieses Projekt zu sagen, dass stationäre Händler auf eBay gehen sollten, um mehr Umsatz zu machen. Das hat, aus meiner Sicht, eben nicht funktioniert. Aber ruf doch einfach mal ein paar der Händler an die noch online sind und frag nach wie sie an das eBay Thema rangehen. Vielleicht finden wir dann noch bessere Antworten. Den Anspruch der Gesamtstrategie für Innenstädte kritisiere ich doch gerade, den erhebe ich doch aber nicht.

  16. Michael sagt:

    Der Rückzug der etablierten Händler bringt übrigens auch neue Spielräume für stationäre Newcomer. Konkretes Beispiel, im Zentrum Augsburgs hat sich Kaufhof zurückgezogen. Dort hat nun „Schuh Schmid“, ein Händler aus dem Augsburger Vorort Neusäß, sämtliche Etagen als Nachfolger bezogen. Das Unternehmen ist schon am Hauptstandort in Neusäß enorm erfolgreich und zieht von dort, aus dem Gewerbegebiet (!) der Vorstadt, nun in eine Innenstadtlage. Ohne es zu wissen vermute ich, dass der Vermieter mit der Miete massiv runter musste, aber sicherlich noch gut davon wirtschaften kann. So kann es auch gehen. Die großen Filialisten, die über Jahrzehnte mit ihren flachen, aber umsatzstarken Konzepten die Mieten in den Innenstädten hochgetrieben und damit die Kleinen vertrieben haben, die verschwinden sukzessive und die Kleinen haben wieder Raum und bringen attraktiveren, vielfältigeren Handel in die Innenstadt. So auch an anderer Stelle in Augsburg. Die Gesamtfrequenz zeichnet diese Entwicklung 1:1 nach, seit 2013 stieg die Passantenfrequenz jährlich an, insgesamt um durchschnittlich 8% in diesen 5 Jahren.

    Dazu kommt natürlich, dass Augsburg ein wachsender Ballungsraum ist, Mönchengladbach hingegen demografisch und ökonomisch eher schrumpft, da hätte es auch ganz ohne Internet so manches leere Schaufenster. Man muss daher aufpassen keinen Tunnelblick für das Thema Internet zu entwickeln, möglicherweise übersieht man damit ganz andere Chancen und Risiken, auf die man auch mehr Einfluss hat.

  1. 11. Mai 2018

    […] Der folgende Beitrag von Alexander Graf auf kassenzone.de gibt ein paar kritische Einblicke auf ein Projekt in Mönchengladbach, mit welchem sich stationäre Händler über eine gemeinsame Präsenz auf ebay etwas vom rasant wachsenden Online-Kuchen abschneiden wollten, um die offline-Verluste aufzufangen. […]

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