Baumärkte Online | Was können Obi, Hornbach & Co. tun?

Baumarkt OnlineIn letzter Zeit sind die Branchenanalysen bei Kassenzone viel zu kurz gekommen und das Thema “Baumärkte online” liegt nun schon seit einigen Monaten in der Schublade. Nachdem ich selber aufs Land gezogen, bin ich umso mehr interessiert an der Frage: Was passiert eigentlich mit unseren Baumärkten? Bisherige Branchenanalysen bei Kassenzone haben sich mit den Branchen Großhandel, Apotheken, Möbel, Versicherungen, Optikern uvm. befasst. Der Ablauf ist meistens sehr ähnlich. Er beginnt mit der Frage welche Teile der Wertschöpfung kurz-, mittel- und langfristig vom Internet übernommen wird und ob die klassischen Unternehmen irgendwie davon profitieren können. Beim Thema Baumarkt bin ich hin- und hergerissen.

Welches Problem haben Baumärkte?

Bei den Branchenalysen hat es sich bewährt den Status Quo der Handelsmodelle als nachrangig zu betrachten. Andernfalls erhält man automatisch einen Scheuklappeneffekt. Man kann sich dann nicht “vorstellen”, dass Produkt xyz (Möbel, hochwertiger Schmuck…) in breiter Masse über des Internet gekauft wird. Fast alle alten Handelsmodelle basieren auf Informations- und Transportkostenrestriktionen. Die Preise von Rolex Uhren mögen überall unterschiedlich sein, aber das wissen die Kunden stationär nicht (Information) und zudem haben sie maximal die Gelegenheit zwei, drei oder vier Händler zu besuchen (Transportkosten). Es ist deutlich einfacher, wenn man sich in die Kunden versetzt und annimmt, dass die Ausstattung mit digitalen Gatekeepern (PCs, Smartphones,…) in Zukunft steigt. Die initiale Produktsuche wird in Zukunft vor allem digital stattfinden. Auf den Händler ist dann niemand mehr angewiesen für die Informationsbeschaffung. Vom möglicherweise tollen Ambiente beim Juwelier vor Ort weiß der durch Google/Facebook/Amazon/Apple geleitete Kunden dann gar nicht mehr.

Gilt das auch für Baumärkte? Gartencenter fallen für mich als Laie in die gleiche Kategorie, auch wenn das nicht alle Leser so teilen würden. Die großen Baumärkte verstehen sich wahrscheinlich auch als Gartencenter. Muss Obi nun die Holzlattenapp eines digitalen Wettbewerbers fürchten? Wird Google Nest in Zukunft mit klugen Sensoren über die Nachbestellung von Wandfarbe entscheiden? Anders als bei den Optikern und beim Thema Versicherung, sehe ich langfristig für stationäre Konzepte im Baumarktbereich mehr Chancen. Warum?

Klar, es gibt kurz- bis mittelfristig ein erhebliches Logistikproblem für große Teile von Baumarkt- und Planzenmarkt Sortimenten. Ich kann mir auch nicht vorstellen ein dutzend Holzlatten bei Amazon zu bestellen, insbesondere deshalb, weil ich vor der Fahrt zum Baumarkt noch gar nicht genau weiß was für Holzlatten ich überhaupt brauche. Auch bei anderen Produkten schlägt die lokale Lagerhaltung die Versandsysteme. Die spontane Entscheidung eine Doppelschaukel für die Kinder in den Garten zu kaufen, hat mich zum nächstgelegenen Hagebau geführt. Dort gab es die Kinderspielanlage “Arno” für 119€ im Angebot. Vergleichbare Amazonprodukte lagen teilweise bei über 200€ + Lieferung. Gut, nur weil ich mir eine Schaukel beim Hagebau gekauft habe und mir (noch) nicht vorstellen kann, dass mir der DHL Fahrer Holzlatten bringt, heißt das ja noch nicht, dass sie diese Branche entspannt zurücklehnen kann. Wie sehen die Branchenzahlen generell aus?

Wie groß ist der Markt?

Zur Vereinfachung nutze ich zur Orientierung die Zahlen des IFH Köln, die den DIY Markt auf ca. 230 Mrd. Euro groß schätzen bei 1-2% Wachstum im pro Jahr über die letzten 10 Jahre.  Bau- und Heimwerkermärkte sind für ca. 9% (ca. 20 Mrd. Euro) des Umsatzes verantwortlich. Der Onlineumsatz der Kernsortimente Heimwerken, Baustoffe und Garten (Marktvolumen 143 Mrd. Euro) lag 2015 bei 2,4 Mrd. Euro, also noch unter 2%. Wenn man nun die anderen Sortimente hinzurechnet, wird es mit der Abgrenzung sehr schwierig.  Das IFH geht davon aus, dass der Umsatzanteil der B2C Umsatzanteil der Kernsortimente (also ohne Handwerk) bei 4-5% liegt, wobei hier das zu berücksichtigende Gesamtvolumen “nur” 56 Mrd. Euro groß ist. Das Onlinewachstum ist allerdings enorm mit 10-20%. Alles in allem ein sehr großer Markt, der verglichen mit anderen Sortimenten noch sehr gering online abgebildet ist, fast so wie der Möbelhandel. Die Komponente Handwerk (B2B) macht die Analyse noch schwieriger, weil Handwerker oft die Installationsleistung an die Ware knüpfen, aber dazu kommen wir später.

DIY-IFH

Wenn man das Geschäft für die Bau- und Heimwärkermärkte stark vereinfacht und alle gängigen Amazonthesen anwendet, komme ich zu einer eher negativen Perspektive. Um vermeintlich margenstarke Geräte (z.B. Elektrowerkzeuge), Geräte für den Garten (z.B. Schubkarre oder Düngerstreuer) zu kaufen, brauche ich keinen Baumarkt mehr. Da bietet Amazon mir einen besseren Service und ein besseres Preisgefühl. Dann bleibt noch die Doppelschaukel und der Kleinkram den ich hin und wieder im Baumarkt kaufe, bei dem ich allerdings auch bei Amazon und Co. die Preise vergleiche und denke mir: Davon allein kann doch lange kein Baumarkt leben, oder? Das gilt sowohl für Endkunden wie mich als auch für Handwerker. In einer spannenden Studie vom Dähne Verlag (Daten von 2012) werden u.a. Handwerker gefragt warum sie nicht online kaufen. Alle aufgeführten Nichtkauf-Gründe (Rückgabe, Beratung, Versandkosten…) werden aus meiner Sicht sehr kurzfristig von großen Onlinenanbietern gelöst. Sogar die sofortige Verfügbarkeit wird in Metropolen zeitnah etabliert sein. Dann wäre es in der Theorie nur noch eine Frage der Konditionierung und etwas Zeit.

Handwerker

Bis hierhin sieht es noch nicht so rosig aus für Baumärkte. Es gibt aber ein paar Elemente, die ein unbegrenzten Onlinewachstum verhindern, bzw. Neue Chancen aufzeigen.

Die IFH Studie führt zwei Gründe an, warum der Onlinevertrieb noch nicht richtig in Gang gekommen ist.

  1. Zum einen würden sich die bekannten Handelsunternehmen nur sehr wenig (oder spät) mit dem Thema beschäftigen.

  2. Viele Warengruppen sind nur bedingt für den Onlinehandel geeignet (Holz, Pflanzen, Farben…)

Ich finde beide Punkte sind nicht strittig, aber (1) dient für mich nicht als Argument, weil in den Amazon dominierten Sortimenten die alten Platzhirsche wie Thalia oder Mediamarkt auch lange Zeit nichts zur Onlineentwicklung beigetragen haben und der Markt trotzdem sehr stark gewachsen ist. Der zweite Punkt (2) ist schon deutlich härter. Man könnte hier aber auch behaupten, dass das nur eine Frage kluger Logistik ist, die sich zeitnah entwickeln wird, weil die Produkte ja auch via LKW zu den Baumärkten kommen. Dann wäre es nur noch eine Frage der Packungsgrößen auf den LKW, um eine B2C/B2B Lieferfähigkeit herzustellen. Wie kann man als Bau- oder Pflanzenfachmarkt an die Analyse herangehen? Was wäre online zu tun?

Wie kommt der große Umbruch?

Am einfachsten aus meiner Sicht ist es nun die wesentlichen Produktgruppen auf die gängigen Einkaufssituationen zu verteilen und sich zu überlegen an welcher Stelle man in einer noch digitaleren Welt diese Märkte benötigt. Die gröbste Aufteilung ist sicherlich die folgende:

Heimwerken Baustoffe Pflanzen
B2B z.B. Handwerker kauft Fliesen z.B. Gartenprofi kauft Pflanzen
B2C z.B. Pavillon kaufen z.B. Endkunde kauft Fliesen

Die konkreten Kaufsituationen sind sehr einfach zu beschreiben. Der Pavillon wird m.E. schnell einer Preistransparenz unterliegen und ist zudem leicht lieferbar => Internet gewinnt. Erschwerend für die stationäre Baumarktbranche kommt hinzu, dass viele Produktkategorien (wie Pavillons) keiner Markenpräferenz unterliegen. Das könnte sich langfristig aber auch als Vorteil herausstellen, weil das die Vergleichbarkeit der Produkte verringert => Vorteil stationär. Der Endkunde der Fliesen braucht, macht das wahrscheinlich nicht regelmäßig und braucht das haptische Erlebnis im Baumarkt, allerdings vergleicht er auch online die Preise => unentschieden (vorerst). Der Gartenprofi hat womöglich einen Discount beim Markt seiner Wahl und kauft ohnehin oft dieselben Sachen. Der braucht den Markt gar nicht mehr als Handelsfläche, sondern das ist für ihn die beste Art der Lagerhaltung. Hitmeister.de hat in der besprochenen Branche ein außergewöhnlich großes Sortiment und pflegt seine Daten sicherlich besser als die meisten Baumärkte. Warum sollte da ein Kunde noch zum Markt fahren?

hitmeister

An dieser Stelle dürfen sich die Märkte nichts vormachen. Bei Produkten die sich versenden lassen, müssen die Märkte mindestens das preisliche Niveau des Onlinehandels erreichen, oder die Produkte müssen ausgelistet werden bzw. gegen exklusive Marken getauscht werden. Bei diesen Produkten ist es keine Frage des “ob”, sondern nur vom “wann” der Großteil online gehandelt wird. Bei Markengeräten wie z.B. “Bosch Bohrmaschine” ist der Zug mE schon abgefahren. Hier funktioniert das alte Handelsmodell nicht mehr. Nun kann sich ein Baumarkt entscheiden, ob er die Geräte auslistet, die nicht mehr profitabel zu verkaufen sind, oder ob er Bosch nur noch Regalmeter zu einem Festpreis verkauft, so dass sich Bosch um das Preisthema kümmern muss. Dieses Problem sollte allerdings von der Entwicklung einer Onlinestrategie getrennt werden. Ein Handelsproblem wird durch den Betrieb einer Webseite nur beschleunigt, nicht gelöst. Viel grundsätzlicher ist für mich die Frage, warum die Kunden (B2C & B2B) in Zukunft in den Laden kommen sollten. Dafür könnte man u.a. Versuchen hinter den Auslöser der Einkaufssituationen zu kommen:

Heimwerken Baustoffe Pflanzen
B2B „Ich brauche jede Woche Fliesen.“ “Ich will den Garten neu gestalten lassen.”
B2C “Ich will eine Gartenparty feiern” “Ich will renovieren.”

Ein Baumarkt müsste doch versuchen in all diesen Situationen die erste Anlaufstelle zu sein. Online bedeutet das kurzfristig Content ohne Ende, der aber dazu führen muss die Leute in den Markt zu bringen. Das können Seminare zum Baumhausbau, Fliesenverlegen, Sonnensegelnähen…. Was auch immer sein, aber es könnten auch Aktionen wie z.B. kleine Bootsmessen sein, bei denen die Besitzer kleiner Segelyachten die Basics lernen können + die passenden Produkte kaufen können. Geld kann man entweder verdienen, indem man die Aktionen an Hersteller verkauft oder stark vertikalisiert und so viele Fliesen eines bestimmten Typs absetzen kann, dass kein klassischer Onlinehändler im Angebot mithalten kann. Aus Sicht der Märkte sind diese Optionen sehr unbequem, weil alle Optionen dazu führen, dass die bestehende Wertschöpfungskette umgebaut werden muss. Für Pflanzen- und Gartenmärkte ist der Handlungsbedarf beim Thema “Pflanzen” zwar noch nicht sehr groß, aber alles im Bereich Gartenmöbel und Gartengeräte steht durch die Onlinehändler stark unter Druck.

Nun gibt es bei den vom Internet betroffenen (Handels-) Geschäftsmodellen zwei oft schmerzarme Handlungsoptionen, die oft auf umfassende Zustimmung in den Unternehmen führen. Service & Content

  • Service: „Wir müssen alles dafür tun, damit sich die Kunden wohl bei uns fühlen.“ Wenn sie zu Hause jemanden brauchen, der den Pool aufbaut, dann müssen wir diesen Service bieten…..“
  • Content: „Wir müssen unsere Kompetenz besser nutzen/zeigen und Guides anbieten. Der Kunde muss uns als Problemlöser ansteuern….“

Bekannte Maßnahmen, es sind aber keine Strategien, um das oben beschriebene Relevanzproblem zu lösen. Das sind nur Hygienemaßnahmen die jeder Markt sofort und auf jeden Fall umsetzen muss. Das hat aber überhaupt nichts mit dem Thema Digitalisierung zu tun, sondern dürfte dem Selbstverständnis guter Kundenorientierung entsprechen. Die Veränderung der Wertschöpfungskette ist hingegen deutlich schwieriger, weil diese Maßnahmen eben nicht auf die ungeteilte Zustimmung im Unternehmen stoßen. Dazu können nach meinem Verständnis die folgenden Dinge gehören:

  • Das eigene Sortiment bei Amazon & TMall anbieten
  • Online vertriebene Herstellermarken auslisten
  • 20% der Marktfläche für Seminare zur Verfügung stellen (z.B. Fliesen legen)
  • Produkte online verkaufen, die es ggf. nur online und nicht mehr stationär gibt
  • In B2B Technologien investieren, um diese als Service an Handwerker zu verkaufen (ggf. sogar mit Verlust)
  • In komplett neue Modelle investieren, die das eigene Geschäft kannibalisieren (Baumhausmarke im Abo J)
  • In Onlinemodelle investieren, um zu Lernen oder als reine Finanzinvestments
  • Usw…

Alles Punkte die nicht selbsterklärend sind, die ggf. untereinander im Widerspruch stehen, aber die auf jeden Fall zu Widerstand im Unternehmen führen. Nur dann sind sie wahrscheinlich etwas wert, wenn sie dazu beitragen sollen am Onlinewachstum zu partizipieren. Man kann es natürlich auch bei Service und Content belassen, aber dann zitiere ich gerne Florian Heinemann aus dem letzten Podcast: „Die Kosten von Nichtstun sind der sichere Exitus.“ Was mir an der Baumarktbranche allerdings extrem gut gefällt, dass sie selbst noch alle Optionen in der Hand hat. Los geht’s!

Blog via E-Mail abonnieren

Aktuelle Beiträge werden sofort nach Erscheinen per E-Mail versendet. Abmeldung jederzeit möglich.

Schließe dich 3.158 anderen Abonnenten an

14 Gedanken zu „Baumärkte Online | Was können Obi, Hornbach & Co. tun?

  1. Dem Kieler Analytiker liegen Segelboote ganz offensichtlich näher als Garten und Pflanzen;-)

    Auf den ersten Blick sind Pflanzen gar nicht online-affin (so auch bei Dir), auf den 2. Blick greifen zwei ganz grundsätzliche Online-Vorteile, wenn Anbieter das Sortiment beherrschen:
    1. Auswahl und Sortiment (noch extremer übrigens als bei Büchern, der Regalplatz im Baumarkt und Gartencenter ist sehr beschränkt… Und bei niedriger Frequenz ab Juni bis Oktober wird das Angebot noch stärker ausgedünnt)
    2. Frische ( wie lange steht die Pflanze, bis sie verkauft wird)

    Warum das noch nicht stärker greift? Weil die initiale Hemmschwelle, Pflanzen online zu kaufen (optisch, haptisch) verhindert, dass genügend Konsumwnten die effektiven Vorteile erfahren.

    Mal schauen, wie lange.

    • Danke dir. Wenn das mit den Segelbooten doch mal so wäre! Aber zum Thema.

      Bei Punkt 2 stimme ich zu. Langfristig dürften da die Online Mechanismen im Vorteil sein (aus Kundensicht), um für Vertrauen zu sorgen. Bei Punkt 1 verstehe ich dich noch nicht ganz: Wenn das Thema nur fünf Monate im Jahr funktioniert, dann ist das doch prädestiniert für den stationären Handel, der Flächen dann anders nutzen kann. Onlinehändlern fällt es doch extrem schwer sich über eine Domain in zwei Nischen zu positionieren. Dafür prädestiniert ist das Learning von Internetstores mit Fahrrad.de vs. Fitness.de. Oder meinst du das anders?

      • Dann also nochmals zu meinem ersten Punkt, vielleicht unterteilt in 2 Unterpunkte:
        1a Sortiment und Auswahl: Baumärkte können aus Platzgründen nur ein sehr beschränkltes Sortiment an Pflanzen anbieten (vielleicht einige 100 Sorten); online ist der Regalplatz unbeschränkt, wenn im Hintergrund die Logistik funktioniert (5-10 000+ Pflanzensorten möglich). Online Pflanzenhändler (die vielfach auch Produzenten sind) sind in Pflanzenproduktionsclustern angesiedelt: Niederlande, Niederrhein, Ammerland, Pinneberger Raum) oder müssen über Dropshipping arbeiten.

        1b Saisonalität: Der Pflanzenverkauf online beginnt Mitte Februar, geht sofort aufs Frühlingshoch, und sinkt dann Anfang Juni auf ca 30-40% der Spitzenwerte runter,,die aber bis Oktober/November stabil bleiben. Letzterer Wert ist viel höher als im stationären Handel. Die Saisonalität verliert an Bedeutung, die Menschen wollen Pflanzen kaufen, wenn es in ihr Programm passt. Online machts möglich. – Der stationäre Handel dünnt ab Juni seine Sortimente stark aus, aus Angst vor Abschreibern. Das ist ein sich selbst verstärkender Effekt.

        Perspektive stationärer Handel: Hier muss das Angebot off season grösser und attraktiver gehalten werden. Regalverlängerung online ist wahrschenlich nötig. Kurse sind gut…. aber sie müssen besser sein als die Infoangebote online!

        Perspektive Online-Handel: Das eher langsame Wachstum hält an, bis genügend Konsumenten auch hier die natürliche online-Hürde übersprungen haben. Sie haben dann aber gute Perspektiven. die Player profitieren dann von relativ hohen Eintrittshürden – höher als in anderen Produktkategorien: es braucht eine ‚Gärtnerei‘, Cluster müssen vorhanden sein, Vorteil (mindestens teilweise) vertikale Integration, aufwändige Logistik mit lebenden Pflanzen. Zusatzdienstleistungen für stationären Handel möglich (Regalverlängerung), allerding sehr schwierig zu realisieren, da nicht über die traditionellen Geschäftsprozesse abbildbar (stationärer Handel ist da für Online eher mit einer Plattform, mit einem Marktplatz vergleichbar).

  2. Man merkt ja heute schon, dass Baumärkte das Seminar- und Workshop-Angebot verstärken… Dennoch sehe ich für viele von Dir genannten Bereiche ein hohes Gefährdungspotential für die lokalen Baumärkte.

    Fliesen: Die in den Baumärkten vorhandenen Fliesen sind nur ein Bruchteil dessen, was z.B. „fliesenrabatte.de“ mit einem exzellenten Produktdaten-Management zugänglich macht.
    B2B: Die Handwerker kaufen ja nicht jede Woche irgendwelche Fliesen, sondern werden häufig vom Großhandel bemustert oder schicken ihre Kunden ggf. zum Baustoffhandel, der wiederum die Fliesen dann liefert. Auch dort ist die Entscheidung nicht unbedingt die des Handwerkers, sondern die des Kunden – und wenn der sein Einkaufsverhalten verändert, muss der Handwerker folgen.
    Garten: Sicherlich ist hier die Begutachtung durch den Kunden ein Pluspunkt, aber wenn ich mir die hervorragende Arbeit von Baumschule-Horstmann.de in Sachen Content, Service, Logistik ansehe – samt Anwachsgarantie (!) – dann ist auch dort die Sortimentstiefe für die nächste Kundengeneration unschlagbar.
    Im übrigen ist die Baustoffbranche extrem genormt, die benötigten Mengen lassen sich sehr gut in Online-Kalkulatoren abbilden (samt Verschnitten), die Bauanleitungen in Produkt-Kits überführen. Die Hersteller wie Velux oder Knauf stellen ihrerseits schon Konfiguratoren zur Verfügung. Natürlich ist es bei Loser Ware scheinbar schwieriger, aber auch da sind z.B. Körnungen definiert und die tatsächliche Bandbreite sehr begrenzt… Für mich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Branche mit Macht ins Web migriert.
    Und dazu kommen noch die EU-Regularien, die im öffentlichen Bau alles auf sog. Building Information Modelling umstellen (BIM), bei dem komplette Projekte von der Skizze bis zur Stückliste und zu Reparatur/Erhaltung (MRO) in ein transparentes digitales Datenmodell überführt werden.

    Aber fairerweise muss man sagen, dass die Saint-Gobain/Raab-Kracher, Hagebau, Bauhaus & Co. durchaus nicht in der digitalen Steinzeit leben, sondern schon einige sehr gute Ansätze und Konzepte haben.

  3. Hi Alex,

    die eigentliche Branchenanalyse will ich nicht kommentieren; das ist eher dein Metier. Aber was die „Vorstellungskraft“ und die Logistik angeht kann ich aus einem kleinen Erfahrungsschatz berichten.
    Ich habe nämlich für meine Kids schon diverse „klassische Baumarktartikel“ online bei der neuen Konkurrenz erstanden. Und tatsächlich hat der DHL-Fahrer die Holzlatten zum Zusammenbau der Sandkiste bis in den Garten gebracht. Im letzten Jahr stand dann ein Swimming-Pool samt Equipment auf der Online-Shopping-Liste und dieses Jahr haben wir es erstmals mit Pflanzen probiert.
    In allen Fällen war die Zufriedenheit bei 100%.
    Für mich gibt es inzwischen nur noch 2 Gründe in den Baumarkt zu gehen. Um einfach mal unspezifisch zu schauen oder mein Beratungsbedarf ist so hoch, dass Amazon und Co. ihn (noch) nicht decken können.

    VG Oliver
    (PS: Was die Logistik-Schranken angeht bin ich durchaus offen. Bei uns kommt seit einigen Jahren sogar das Hundefutter frisch & tiefgekühlt vom Online-Versender. Nix was DHL und Co. nicht lösen könnten.)

  4. Ich beziehe mich mal auf den Beginn des Posts: Ich gehe jede Wette ein, dass es in absehbarer Zeit keine Rolex-Uhren offiziell im Internet zu kaufen gibt.

    • Von Rolex selbst vielleicht nicht, aber das spielt aus meiner Sicht kein Rolle. Die Kunden suchen online danach und das Angebot wird auch online befriedigt.

      http://www.chrono24.com/en/rolex/index.htm?dosearch=true&query=rolex

      Das hat mE auch nichts mehr mit einem Graumarkt zu tun. Rolex könnte diesen Markt natürlich dicht machen, indem es einen Zwischenhandel a) den Händlern verbietet und b) die Uhren von den Kunden zurückkauft. Aber das ist kaum durchzuhalten, auch nicht für Rolex.

      • Soweit mir bekannt ist, untersagt Rolex seinen Konzessionären eigentlich den Zwischenhandel. Wer erwischt wird, ist seine Konzession los. Schon erstaunlich, dass es trotzdem so viele Angebote gibt.

  5. Dieser Beitrag steht sehr schön für die recht dürftigen Online-Strategien der hiesigen „Baumärkte“.

    Kurz um: Recht einseitig!

    Schauen wir uns doch mal die bekannten Märkte und deren Online-Sortiment an. Das hat nichts mit dem typischen Baumarktsortiment zu tun. Zum Großteil sind das nichts anderes, als lifestyle-Artikel und etwas Elektroartikel.

    Wer das unter DIY versteht, der hat entweder noch nie tief mit einem BM zu tun gehabt, oder kennt den BM nur vom Pflanzen etc. kaufen 🙂

    Auch das besagte Kinderspielgerüst ist für mich ein Lifestyle-Produkt, was aber nichts mit Bau oder Heimwerkern zu tun hat 😛

    Auch die fast reine „Orientierung“ auf nur online in diesem Artikel spricht Bände (siehe Latten von DHL liefern lassen, oder Content-Focus, …)

    Leute: der Online-Shop ist nur das Frontend. Viel wichtiger sind Service, Service, Service. Das fängt bei der Beratung an, geht über den Logistikservice, die Materialverfügbarkeit, technische Unterlagen, bis hin zur Artikelrücknahme (z.B. zu viel gekauftes Material).

    Und genau all das im Kontext von Online richtig einzubetten bekommen die BM nicht hin. So, mission failed!

    Bis auf Einen: Hornbach!

    Hier weiß man, wie man den stat. Handel & den Online-Handel im DIY Kontext richtig verknüpft.
    – Ich habe das komplette Sortiment online verfügbar, inklusive der halbwegs richtigen Verfügbarkeit im Markt vor Ort.
    – Ich kann reservieren & komme in den Markt & erhalte von einem freundlichen Mitarbeiter meine fertig kommissionierte Ware.

    So gefällt mir das. 🙂

    Und die anderen?

    Hagebau:
    – Integration mit den Markt vor Ort ist nur Maske
    – Sortiment beschränkt sich auf Lifestyle & ein paar Hausmarken (nur zur Show)
    – sehr schlechte Shop-Ergonomie

    Obi:
    – Sortiment beschränkt sich auf Lifestyle & ein paar Hausmarken (nur zur Show)
    – immerhin scheinbare Verfügbarkeit in den Märkten
    – Reservierungen sind Glückssache. In der Regel sind die 55jährigen Servicemitarbeiterinnen damit heillos überfordert
    – durchwachsene Shop-Ergonomie
    – miese Shop-Performance

    Globus-BM:
    – schon etwas mehr an Sortiment
    – immerhin scheinbare Verfügbarkeit in den Märkten
    – durchwachsene Shop-Ergonomie (besch*** Filter & Sortier, look&feel von vor 10 Jahren)
    – miese Shop-Performance
    – Reservierung theoretisch möglich. Kommt auch an. Kommissionieren darf es der Kunde oftmals selber => epic fail
    – Bestellungen im Shop: Voll gescheitert! Hier scheint noch gewerkelt zu werden wie vor 20 Jahren …. Es wird Verfügbarkeit vorgegauckelt, aber dann … oh Wunder … keine Ware da … muss erst beim Lieferanten geordert werden.

    Kurz um: Für mich haben alle bis auf Hornbach hier total versagt!!!!

    Das ist aber eben auch eine Chance für all die anderen! Natürlich wird keiner 4 * 25 Kg 0815 Flex-Kleber à 10 € online bestellen, wenn ich dann z.B. lt. Obi 60 – 70 € Versandkosten zu tragen hätte. Aber reservieren will ich es, weil ich weiß was ich will & nicht 30min umsonst im BM herumeiern will, sondern meine Ware haben will & fertig!

    Und noch was: Es ist überhaupt kein Problem richtige Bauprodukte bzw. Spezial- und Nischenprodukte online zu vertreiben. Ich habe das schon oft gemacht. Sei es Spezialschrauben, Verbrauchsmaterialen für Tischlerarbeiten, Spezial-Fittinge für meine Wasserleitungen. Spezial-Hähne für meinen Speicher oder Regelsysteme für die Heizung …. oder bestimmte Grundierungen für besondere Untergründe …. geht alles. Und komischerweise landet man nicht selten immer wieder beim großen A!

    Natürlich sind das oft Nischenprodukte von Nischenanbietern. Aber oft gibt es auch vergleichbare Systeme (dann oft mit entsprechender „Baumarktqualität“) im Baumarkt. Warum geht das nicht????? Keine Ahnung.

    Aber auch der Punkto Qualität ist hier wichtig: Habt ihr irgendwo schon mal einen deutschen Handwerksmeister gesehen, der sein Material im Baumarkt einkauft? Ich nicht! Weil er Qualität & Profiware eben über andere Wege bezieht.

Kommentare sind geschlossen.