Das beste Shopsystem 2016 | endgame fallacy

oryx-sprykerVor vier Jahren habe ich meine erste Einschätzung zum Status Quo der Shopsysteme gegeben und vor zwei Jahren folgte dann ein Update, das Shopware als ganz klaren Gewinner im KMU Segment aufgezeigt hat. Das Update “Das beste Shopsystem 2014 – Anspruch und Wirklichkeit” wurde weit über 100.000x aufgerufen und nach nun zwei weiteren Jahren ist es an der Zeit für ein Update des Updates. “Damals” 2014 war ich selbst noch nicht aktiv im Shopsystem Markt und der Fokus lag bei Systemen für kleinere und mittlere Unternehmen. Mittlerweile habe ich fast zwei Jahre Erfahrungen als Gründer von Spryker gesammelt und kann die Leitfragen auf den Markt für Enterprise Kunden übertragen. Bevor ich aber damit anfange, schauen wir noch mal kurz auf die Erkenntnisse des alten Artikels und überprüfen, ob die Aussagen noch aktuell sind.

Ist Shopware noch das beste Shopsystem in der Profiklasse?

Im Artikel von 2014 habe ich versucht den Markt der Hersteller in vier Kategorien zu unterteilen. In der kleinsten Kategorie tummeln sich eine Menge SaaS Anbieter wie 1&1 Shops, tictail, Shopify & Co. Die zweite Kategorie “Profiklasse” wird dominiert von Magento, Shopware, Presta & Co, während sich im Enterprise Bereich Hybris, ATG & Intershop positioniert haben. In der vierten und anspruchsvollsten Kategorie geht es um Pure-Play Systeme, bis dato fast immer Eigenentwicklungen, die stark vom Standardumfang eines Enterprise Systems abgewichen sind, um sehr individuelle Modell zu bauen wie z.B. Otto.de, Zalando und Co. Diese Aufteilung gilt mE noch immer so, wobei wir uns mit Spryker in der vierten Kategorie als Lösung positioniert haben. Dazu aber später mehr. Alle Kategorien bedienen idR sehr verschiedenen Usecases, wobei die größten Anbieter der Enterprise-klasse ihren Ursprung mit dem ersten E-Commerce Boom (1998-2002) haben und oft auch für Probleme aus dieser Zeit verwendet wurden und werden. Wer eine fast vollständige Übersicht über die Neuentwicklungen in der Shopsysteme Szene sucht, ist mit diesem Beitrag bei Fortrabbit gut bedient.

In der Profikategorie habe ich in dem Artikel von 2014 aufgrund der hohen Installationsbasis angenommen, dass Google Trends ein guter Indikator sein dürfte, um herauszufinden welches System am meisten Momentum hat. Auf dieses Momentum sollte man bei neuen Projekten setzen, weil damit viele positive Effekte einhergehen. “Damals” hatte Shopware schon das größte Momentum und heute ist es in Deutschland kurz davor Magento zu überholen. Extrem beeindruckend, wenn man bedenkt, dass Shopware 2010, gemessen an Magento, noch ein Nischenanbieter war.

shopsystemtrendsVor zwei Jahren musste man noch erwarten, dass das lang ersehnte Magento Update (Magento 2) dazu führt, dass diese Plattform wieder Aufwind erfährt. Das Ergebnis wurde vor einigen Wochen live gestellt und enttäuschend. Es kommt Jahre zu spät, verwendet teilweise alte PHP Frameworks (Zend Framework 1), hat immer noch überholte Konzepte wie EAV und Full-Page-Caching an Bord und sieht an vielen Stellen des Codes noch extrem gewurstelt aus. Ich habe mit sehr vielen Magento Agenturen dazu gesprochen und wirklich begeistert ist niemand. Unfassbar ist mE, dass Magento 2 sogar langsamer ist als Magento 1.

When compared to Magento 1, Magento 2 preformed slower for the same load test scenario and data sets. The results clearly indicates that Magento 2 must run on a more powerful server in order to operate properly or at the same level of Magento 1. Even when a proper server is selected, Magento 2 performance is still lagging behind when compared to Magento 1.

Sehr schade, wenn man bedenkt, dass die aktuelle Eigentümerstruktur nicht dazu führen wird, dass die Dinge in Zukunft besser gemacht werden. Die bestehenden Kunden und Partner werden nun nur noch gemolken. Das wiederum ist super für Shopware, das eindeutig als Gewinner dieser Entwicklung in Deutschland hervorgeht. Spannend hierbei für Shopware und alle anderen Anbieter in dem Segment ist zudem die Tatsache, dass der Herstellersupport für Magento 1.x Ende 2018 ausläuft. Viele Kunden und Agenturen die ich in dem Umfeld kenne, werden aufgrund der entäuschenden Magento 2 Architektur nicht mehr auf dieses System upgraden und ein Relaunch auf Basis einer 1.x Installation ist bei größeren Kunden oft nicht durchsetzbar, weil dort längere Supportzeiten gefordert werden.

Was diesen Bereich wohl am spannendsten macht, ist die Tatsache, dass die Probleme und Herausforderungen der Kunden sich verändert haben. Es geht in den Projekten oft nicht mehr “nur” um einen Onlineshop und dank neueren Anbietern wie CommerceTools gibt es Alternativen, die ganz neue technische Ansätze bieten. Der größte Spagat für diese Anbieter und Agenturen sind die extrem verschiedenen Kunden wie z.B. Katrin mit Vintagliebe.de auf der einen Seite, die Shopware als Alternative zu Shopfify im Selfservice nutzen und Enterprise Kunden auf der anderen Seite die Anforderungen für 1.000.000€ haben, aber max. 250.000€ zahlen wollen für ein Projekt.

Was ist im Enterprise Markt anders?

Es ist gar nicht so einfach zu beschreiben was genau diesen Markt so vom vorherigen unterscheidet. Die Lösungen haben meist einen anderen technischen Ursprung und sind oft eingebettet in die Suiten der großen IT Anbieter wie IBM, SAP & Co. Man muss sich anschauen welche Probleme Intershop, IBM und Oracle vor ca. 20 Jahren im E-Commerce gelöst haben, um zu verstehen warum sie anders funktionieren als Magento & Co. Ursprünglich waren diese Lösungen dazu gedacht auf bestehenden ERP Umgebungen zu laufen, sozusagen als der “Katalog im Netz”. Mit der Zeit wurden die Lösungen dann aufgeladen, meist zu einem Zeitpunkt als die E-Commerce Umsätze in den betreffenden Unternehmen immer größer wurden (Neckermann, Quelle, Otto, Würth…) und mit eigenen PIM-, CRM- & OMS-Systemen ausgestattet. Magento hat genau hier angesetzt vor ca. 10 Jahren und eine solche “vollausgestattete” Lösung extrem günstig und auf Basis von PHP bereitgestellt. Diese hat sich sogar auch bei vielen Enterprise Kunden durchgesetzt, auch wenn u.a. Hybris hier sehr erfolgreich war und ist. Hybris war mit seiner Architektur weitaus modularer und moderner als die damals noch oft eingesetzten IBM und Oracle Systeme. IBM, Oracle und auch Microsoft sind mit ihrem Fokus auf die Einführung der kompletten ERP Landschaften (vorher Papier, nachher PC) die Probleme anders angegangen. 1997 konnte sich niemand vorstellen wie E-Commerce 10 oder 20 Jahre später funktioniert. Das gilt mE auch heute noch so. Insbesondere aus den Erfahrungen von IBM kann man noch sehr viel lernen, weil sie versucht haben damals “moderne” E-Commerce Anforderungen vollständig in den bestehenden IT Infrastrukturen abzubilden. Der “Erfinder” der populären IBM Websphere Plattform bringt das gut auf den Punkt:

What’s the biggest technology mistake you ever made – either at work or in your own life? When I was at IBM, I started a product called Websphere [which helps companies to operate and integrate business applications across multiple computing platforms]. Because I had come from working on big mission-critical systems, I thought it needs to be scalable, reliable, have a single point of control … I tried to build something like a mainframe, a system that was capable of doing anything, that would be able to do what might be needed in five years. I call it the endgame fallacy. It was too complex for people to master. I overdesigned it.

In dieser “endgame fallacy“ befinden sich heute die meisten Konzerne die zwanghaft versuchen ihre Legacy IT Struktur so umzubauen, dass man damit erfolgreich digitale Projekte bauen kann. Das ist aufgrund der Marktgegebenheiten einfach nicht lösbar. Niemand weiß was in 3 Jahren relevant ist und das was heute ein USP ist, ist höchstwahrscheinlich in 12 Monaten Standard. Dazu hatte ich im Artikel “Die zweite Hälfte des Schachbretts” einige Gedanken aufgeschrieben. Ein tödliches Umfeld für die klassischen EDV Abteilungen. Man sollte sich als Kunde gut überlegen in welcher technischen Generation man sein eigenes E-Commerce Geschäft ansiedeln will. Wenn es lediglich ein Feature des Unternehmens ist, was den Regeln des ERPs folgt (1. und 2. Generation), dann hat das erhebliche Auswirkungen auf die Systemauswahl. Wenn es auf dem Level heutiger Pure-Player wie Zalando & Co. spielen soll, wird das ERP stark entmachtet und die Shop Plattform wird zur Basis der IT Infrastruktur. Er bildet eine Art Verbinder im Ökosystem, hin zu OMS, Apps, CMS, PIM, BI, CRM usw. Das führt zu dem Dilemma, dass bestehende Systeme und Geschäftsmodelle keinen Updatepfad in die “neue” E-commerce Welt haben. Das ist doof, aber leider nicht zu ändern. Bestehende Systeme lassen sich möglicherweise noch updaten und etwas modernisieren. Neue Geschäftsmodelle müssen fast immer auch technisch komplett neu aufgebaut werden und sollten die Nähe zu den alten Systemen möglichst vermeiden. Das sind Probleme die sich neuerdings in Enterprise Projekten finden.

ecommerce-generations

Dieses Dilemma müssen zurzeit viele Agenturen und Hersteller ausbaden indem sie bei vielen RFI Prozessen die Welten der 2. und 3. E-Commerce Generation verbinden müssen.

Welche Systeme spielen eine Rolle?

Viele, sehr viele sogar. Bei den Systemen der 2. Generation macht Hybris derzeit einen extrem guten Job und auch Demandware pitcht ganz exzellent und sorgt insbesondere in den USA für Furore. Bei den Systemen der dritten Generation versucht sich Oro Commerce (ehemaliges Magento Team) im B2B Umfeld zu positionieren und wir nehmen gerade mit Spryker an vielen Auswahlprozessen teil, wenn es darum geht neue Geschäftsmodelle aufzubauen, Konzernstrukturen zu “digitalisieren” oder einfach als neue technische Basis für größere Pure Player. Es gibt aber an dieser Stelle kein besser oder schlechter, richtig oder falsch. Wir reden hier über ganz verschiedene Szenarien denen sich die Unternehmen bewusst sein sollten.

  1. E-Commerce Technologien der ersten und zweiten Generation zeichen sich dadurch aus, dass die einsetzende IT (aka ADV)  in der Regel ein Cost Center ist und nicht (An-) Treiber des Geschäftsmodells. Zudem gibt in diesen Modellen nicht den Anspruch die Technologie zu besitzen und komplett für sich zu verändern. Sie wird nur angepasst und darauf gesetzt, dass der Hersteller gefälligst für Abwärtskompatibiliät sorgt, so dass man an neuen Entwicklungen kostengünstig teilnehmen kann. Das klappt zwar nur sehr selten, aber versucht wird es trotzdem immer wieder
  2. E-Commerce Modelle (Zalando, aboutyou, fahrrad.de, Limango…) der heutigen Generation sind in der Regel technologiegetriebene Unternehmen. Sie sehen die Technologie als Kernstück ihrer Wertschöpfung und die IT Abteilung ist nicht als Cost Center organisiert. Dafür muss man sich führende E-Commerce Unternehmen einfach mal anschauen. Diese investieren extrem stark in ihre IT, so dass die Business Seite niemals in die Situation kommt lange auf neue Features oder neue Geschäftsmodellanpassungen warten zu müssen.

Wir haben nutzen zur Vereinfachung die folgende Abbildung. In dieser Darstellung ist ein Unternehmen wie z.B. adidas ein Unternehmen, das sein Geld nicht mit der Technologie verdient und es Sinn macht diesen Teil des Business an Demandware auszulagern. Ganz anders sieht es bei Zalando oder AboutYou aus. Diese Unternehmen könnten niemals eine Standard SaaS Lösung nutzen oder eine Standardsoftware (Hybris, Magento…) einsetzen, weil sie die Technologie besitzen müssen, um sich darüber vom Wettbewerb anzuheben. Genau das hat Robert Gentz (Zalando Gründer) am Kassenzone.de Interview gemeint, als er sagte, dass heute das Zalando Retail Geschäft nur ein Nutzer der Zalando Technologieplattform ist.

shopsysteme-matrix

Und genau hier tun sich viele Unternehmen schwer. Sie investieren sehr zögerlich, hoffen auf eine Standardsoftware als Eierlegendewollmilchsau, aber erwarten die Möglichkeiten eines Pure Play Unternehmens. Das funktioniert nicht. Wer auf das Niveau von Pure Play Unternehmen kommen will, muss deren technische Strategien einsetzen und organisatorisch nach diesen Regeln spielen, entsprechende Teams aufbauen, sehr agil steuern und mutig sein.

Interessanterweise finden sich nun Unternehmen ohne große Online Historie in einer Art technischer und organisatorischer “endgame fallacy” wieder. Sie wollen ihre oft stark veralteten technischen Systeme zukunftsfähig machen, im MVP Modus neue Geschäftsmodelle aufbauen, dabei natürlich auch technisch zukunftsfähig sein und möglichst kostengünstig vorgehen. Das Ganze soll dann von einem CIO verantwortet werden oder von einer “Digital Unit” die dann nebenbei noch Konzernstrukturen transformieren soll. Endgame Fallacy at its best. Unternehmen die diese Zielkonflikte für sich lösen können, haben gute Chancen technisch in die richtige Richtung loszulaufen und kommen ins machen – ob mit eigenem Developer Team oder ohne spielt dabei gar keine Rolle. Der Wandel den das “Profisegment”, u.a. getrieben durch Shopware und Magento, erlebt hat, ist nun auch im Enterprise Bereich angekommen. Schön für uns!

Die Einschätzungen spiegeln meine Sicht der Dinge wieder und ich freue mich auf eine rege Diskussion dazu. Das ist diese Woche Dienstag & Mittwoch bei der Internetworld in München auch persönlich möglich (Halle B6, E265) und natürlich bei der Code Talks Commerce in Berlin im April. Da versammeln sich die diversen Shopsystem Gründer (Moritz von Hybris, Dirk von Commercetools, Pawel von Sylius, Yoav von Magento/Oro uvm.). Das werden sehr knackige Diskussionen 🙂

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20 Gedanken zu “Das beste Shopsystem 2016 | endgame fallacy

  1. Pingback: Das beste Shopsystem 2014 – Erwartung vs. Wirklichkeit | Kassenzone

  2. Möchte etwas Zeit investieren und unseren (kritischen) Blickwinkel hinzufügen.

    Ich muss mich leider daran aufhängen; aber wenn vom „besten“ Shopsystem gesprochen wird, und teilweise generalisierend eine Shopsystem-Empfehlung ausgesprochen wird, dann klingeln bei mir immer die Alarmglocken. Das beste Shopsystem, auch wenn man den Markt in drei oder mehr Größenordnungen unterteilt, gibt es einfach nicht. Der Markt und die Anforderungen von Händlern und Herstellern sind schlicht zu unterschiedlich.

    Gerade weil E-Commerce aber anhaltend wächst, gibt es immer neue E-Commerce-Bereiche und Branchen, die in Ihrer jeweils wachsenden Spezialisierung (Nische) auf der E-Commerce Software-Seite von passenden, im besten Falle Standard- oder modularen Lösungen bedient werden wollen. Das ist auch der Grund, warum die Anzahl an E-Commerce Lösungen, die unterschiedliche Kundenansprüche und Spezialanforderungen bedienen, von Jahr zu Jahr wächst – aus dem Bedarf heraus.

    Die Auswahl E-Commerce Lösungsmarkt steigt durch die voranschreitende Globalisierung ebenfalls. Auch formen sich neue Lösungen (Lightspeed – SEOSHOP; Newstore) durch Übernahmen und Aufkäufe, was die stetige Weiterentwicklung auch im Standard-Software, bzw. SaaS Markt zeigt.

    Was ich damit sagen möchte:
    Ich stimme zu dass die Entwicklung immer schnell von statten geht. Aber nicht alle E-Commerce-Unternehmen wollen oder können Ausgangssituations-bedingt zum technologiegetriebenen Unternehmen werden und möchten eher, so gut es geht, Standard-Komponenten einsetzen und oder kombinieren.

    Standard Software vs. Framework
    Frameworks sind immer dann ein guter Weg, wenn zur eigenen Unternehmensstrategie keine bereits existierende und befriedigende E-Commerce-Software passt, welche die eigenen Unternehmensziele in den nächsten „5+x“ Jahren sehr gut bedienen kann. In den meisten Fällen lassen sich passende Lösungen aber identifizieren, weil es eben nicht wenige Spezialanbieter mit unterschiedlichen, auch technologischen, Fokussierungen am Markt gibt.
    Zur Vollständigkeit: Natürlich existieren andererseits genügend USPs von E-Commerce-Framework-Lösungen, auf die du – Alex – hier natürlich schon öfter eingegangen bist und die den Einsatz eines Frameworks bei gewissen Zielsetzungen quasi alternativlos machen.

    Ich hoffe sehr, dass mein Anliegen der differenzierten Betrachtung verständlich ist. Freu mich auf einen kurzen Austausch auf der Internetworld!

    • Hi Alex, grundsätzlich stimme ich dir zu, aber auch die Unternehmen die nicht Technologieführer werden wollen haben in der Praxis ein sehr ungnädiges Problem. Die Anforderungen an das Relaunchprojekt sind fast nie stabil und bringen somit den Verantwortlichen für die Systemauswahl und die teilnehmenden Pitchpartner so ziemlich an ihre Grenzen. Das kann kein System lösen. Mein Vorschlag ist daher eher die Projekte zu teilen und zu versuchen Updateprozesse von Neubauten zu trennen. Ich glaube auch, dass die neueren SaaS Lösungen für die KMUs immer besser werden. Auch da haben die wirklich spannenden Entwicklungen ja erst wenige Jahre auf dem Buckel.

  3. Hallo Alexander,

    danke für den wieder spannenden Artikel. Gut finde ich auch wieder die entsprechende Aufteilung der E-Commerce Arten.
    Das Zitat von Dr Donald Ferguson hat er zur BBC gesagt, als er eine andere Position bei CA hatte und hier in Konkurrenz zur IBM gearbeitet hat.
    Er war auch nicht der Erfinder von IBM WebSphere, sondern einer der Architekten des IBM WebSphere Application Servers und der SOA Struktur.
    Das hat gar nichts mit IBM WebSphere Commerce zu tun.

    Das Produkt wurde und wird noch in Kanada entwickelt und folgt in seiner Gedanken Welt Deiner Customer Centric Darstellung. IBM WebSphere Commerce wird auch nicht umsonst eine Customer Interaction Platform genannt, denn es ist viel mehr als nur ein WebShop.

    Die Architekturen und Gedanken dazu sind sehr flexibel gehalten und es kann als (fast) Produkt (Magento, Oxid) eingesetzt werden, jedoch bietet es einen sehr leistungsfähigen Kern, welcher auch alleine betrieben werden kann (Commerce Tools / Spryker).

    Gerne würde ich es direkt diskutieren, bin jedoch nicht auf der Messe. Vielleicht passt ja ein Treffen in der nächsten Zeit in Hamburg oder auf den danach folgenden Messen.

    Viele Grüße aus Köln,
    Joubin

  4. Hmm … ergänzt man noch WooCommerce (das seit letzem Jahr mehr aktive Installationen hat als Magentor) und ändert den Fokus auf weltweit, was in der Techbranche eigentlich selbstverständlich sein sollte, bekommt man ein etwas anderes Bild. Nur mal so …

  5. Artikel gibt einen guten Überblick, zumindest aus deutscher Perspektive.

    Was aber soll „das Neue“ am Geschäftsmodell von Zalando sein? Ist es nicht eher so, dass das Geschäftsmodell eher „traditionell“ ist – aber extrem skaliert wird? (was durchaus eine Eigenentwicklung sinnvoll sein lassen kann)

    Meiner Meinung nach ist der Erfolg von eCommerce Projekten eher vom Mindset und (Change-) Management abhängig als von der eingesetzten Software/Technologie.

    Im Übrigen weist die Entwicklung bei den Shopsystemen erstaunliche Parallelen zur Entwicklung der ERP Systeme (in der Vergangenheit) auf.

    • Die Technologie ist mindestens „Enabler“ für effizientere Geschäftsprozesse und mehr bzw. feinere Daten. Und beides sind heutzutage entscheidend. (Nur so sind Player wir Zalando in der Lage, genaue und robuste CLVs zu berechnen und so die Marketingkanäle optimal auszusteuern.)

      Standart, out-of-the-box Shopsysteme sind ausreichend bis zu einem bestimmten Professionalisierungsgrad. Dann aber werden sie schnell zur „Altlast“ und Entschleuningen die Softwareentwicklung erheblich.

      Im übrigen ist Zalando nicht „traditionell“. Ich kenne keinen weiteren Player, der zB eine derart optimierte Logistik betreibt, inkl. eines eigenen WMS. Oder einen Händler, der so fein sein Online-Marketing aussteuert. Oder seine IT Prozesse so gut im Griff hat. (Die Liste ließe sich noch sehr viel weiter führen.)

      Zum Glück ist die Entwicklungsgeschwindigkeit im Bereich Shop-Systeme sehr viel größer als sie im ERP Umfeld je war. Auch weil die Systeme weniger komplex sind.
      ERP Systeme im Bereich KMU sind aktuell eine Zumutung. Lediglich Microsoft macht mit NAV einen wirklich guten Job. (Hoffentlich werden bald die verschiedenen Länder-DBs kompatibler gemacht und alles weiter in Richtung Azure geschoben.)

      • Für gutes Controlling brauche ich sicherlich keine Zalando-Technik. Auch nicht um Marketingkanäle perfekt auszuspielen. Das geht auch mit weniger teuren Software.

        Aber klar hilft es (Zig-?)Millionenteure-Software zu nutzen. Genauso wie ich mit einem Ferrari schneller von Hamburg nach München komme, als mit einem Golf. Aber das Ziel erreiche ich dann doch mit beiden.

        Also mal ganz ehrlich: Über manche Aussagen hier wundere ich mich dann doch.

        • Kommt auf die Perspektive an. Ich finde Zalando hat sich einen Ferrari, einen Geländewagen, ein Schiff und ein Motorrad gebaut. Aktuell baut es ein Flugzeug, während die Golf-Fahrer sich beim Staat beschweren, dass der doch gefälligst mal die Feldwege betonieren soll und anfängt eine Brücke über den Atlantik zu bauen. Sonst käme man da ja nicht hin.

          • Den Vergleich mit den Feldwegen und Brücken verstehe ich ehrlich gesagt nicht, ist aber egal. Das mit den Autos, Motorrad, Schiff und Flugzeug verstehe ich dafür.

            Und vermutlich wird Zalando das auch tatsächlich alles brauchen. Und die paar die perspektivisch die Zalando-Story wiederholen möchten, brauchen das vielleicht auch alles.

            Anderen genügt auch ein Fallschirm um überall hinzukommen, um bei deinem Beispiel zu bleiben. Ist ja alles eine Kosten-/Nutzen-Frage.

            Aber eigentlich habe ich mich ja nur an dem Kommentar „Ohne Technologie wie Zalando könnt ihr kein richtiges Controlling etc. “ gestört. Das stimmt halt einfach nicht.

          • @Franz: Da gebe ich dir vollkommen Recht. Wer Technologie nicht dafür nutzt sich vom Wettbewerb zu differenzieren, der braucht das alles nicht. Fair enough!

          • Nur weil Du es ständig wiederholst, wird es ja nicht wahrer.

            Den Kommentar etwas weiter unten von Joubin Rahimi finde ich da schon gehaltvoller.

            Ja, es gibt natürlich Unternehmen die Hochtechnologie benötigen. Das sind aber nur ein paar ganz wenige Prozent. Und für diese ergibt sich die Daseinsberechtigung für Lösungen wie die Eure.

            Die anderen 95 – 99 % können sich

            a) auch ohne Hochtechnologie vom Wettbewerb differenzieren oder
            b) da hilft auch keine Hochtechnologie oder
            c) wäre Hochtechnologie mit Kanonen auf Spatzen geschossen

        • Sehe ich absolut genauso.
          Was haben anfangs alle von der Rieseninnovation von About You mit den Apps geschwärmt. Alle anderen waren Lame Commerce, nur About You war fortschrittlich und zukungsweisend. Hatte man gehofft…
          Aber draus geworden ist nichts.

          Es funktionieren seitdem es den E-Commerce gibt noch immer dieselben Sachen wie damals, nur das mittlerweile Dinge wie Mobiltauglichkeit (Responsive Design und Apps) sowie weitere Kanäle (Pinterest, Instagramm etc) dazugekommen sind. Ansonsten ist alles gleich geblieben und bedarf keiner großartig spezialiserter Shopsysteme.
          Ein angepasster Shopware- oder Magento-Shop mit gutem PIM und CRM reicht sicherlich für 98% der Onlinehändler vollkommen aus.

          • Genau. Unter diesen 98% der Firmen sind auch super Firmen und Hidden Champions.

            Um jedoch richtig erfolgreich zu sein im jeweiligen Segment (ich nenne es mal „Category Killer“) braucht es aber mehr als „Shopware“ & Co. Sonst ist es ungemein schwer (bis ganz unmöglich) sich zu differenzieren.

          • Es ist noch viel mehr dazu gekommen!
            1. Kunden wollen immer mehr Services und somit sind die abzubildenden Prozesse (Omni-Channel mal als Stichwort) komplexer geworden.
            2. Es gibt immer neuere Geschäftsmodelle, welche auch über die Shopsysteme abgebildet werden sollten.
            3. „Wirkliche“ Suchen
            4. Marketing Engines für Targeting und Personalisierung
            5. Abbildung von B2B Prozessen, inkl. Organisationen, Verträgen etc.

            Die Zahl 98% ist sicherlich zu hoch gegriffen, aber in der Tendenz ist es sicherlich wie eine Pyramide. Sehr viele kleinst Systeme, dann im mittleren Segement die Lösungen im Umfeld von Shopware / Magento und in der Anzahl am geringsten dann die Enterprisesysteme.
            In Bezug auf die Umsätze verhält es sich sicherlich dann umgekehrt.

            die 2% sind die interessanten, wenn alle

  6. Es gibt im Übrigen auch einige Quellen, die eine deutlich bessere Performance von Magento 2 aufzeigen. Demnach ist es hier eine sehr einseitige Darstellung. Ich denke die Bevorzugung eines Shopsystems kommt ganz auf den Einsatz und den Geschmack von Shopbetreibern und Entwicklern an. Neben der Technologie sind noch viele weitere Aspekte von hoher Relevanz. Bevor die Differenzierung durch Technologie in den Fokus tritt, sollten einige Shopbetreiber erst einmal an anderen Schrauben drehen. Ca. 90 Prozent der Shops haben ein derart schlechtes Design, dass es mir täglich kalt den Rücken runterläuft.

  7. Pingback: Shopsysteme & mehr bei der Code.Talks Commerce am 19. & 20. April in Berlin | Kassenzone

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