Jan-Hendrik Goldbeck, Goldbeck Group

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Die Goldbeck Group liefert ca. 600 fertige Gebäude pro Jahr aus, vor allem große, funktionale Gebäude wie Büros, Parkhäuser oder z.B. einen großen Teil von Elon Musks Gigafactory in Berlin. Mit über 5 Mrd. Euro Umsatz, einer sehr auskömmlichen Marge und weiterhin starken Wachstumsambitionen kann Jan-Hendrik eine Menge Einblicke in die Baubranche geben. Wir es zukünftig noch teurer, oder wieder billiger? Macht es Sinn selbst Parkhäuser zu betreiben? Wie digital ist die Baubranche überhaupt?

Bauwirtschaft digital mit Jan-Hendrik Goldbeck, Geschäftsführender Gesellschafter von Goldbeck

Studium in Karlsruhe, Aufenthalte in USA, Leitung eines Bauprojekts für Nokia in rumänischen Transsylvanien: Der in Bielefeld zur Welt gekommene Jan-Hendrik Goldbeck ruhte sich nicht darauf aus, dass er irgendwann zu einem geschäftsführenden Gesellschafter in von seinem Vater 1969 mit nichts mehr als einem kleinen Bankdarlehen gegründeten Bauunternehmens werden würde. Vom Anfang an ging es bei Goldbeck um die Herstellung von fertigen Elementen, die das Bauen deutlich beschleunigen. Heute bietet das Unternehmen nicht nur das Bauen, sondern auch den Betrieb von Objekten wie Parkhäusern an. In diesem Podcast: Ein atemloser Parforceritt durch die Bauwirtschaft!

10:55     Kennzahlen zu Goldbeck heute: gute 10.000 Mitarbeiter an etwas über 100 Standorten in ganz Europa erwirtschaften einen Umsatz von über 5 Milliarden Euro. In einem durchschnittlichen Jahr liefert Goldbeck um die 500 fertige Gebäude ab.

Goldbeck baut vor allem Objekte für die gewerbliche Nutzung wie Werkshallen, Büros oder Parkhäuser. Im Bereich der Logistikimmobilien (rund die Hälfte des Umsatzes) ist das Unternehmen europäischer Marktführer. Bei Büros baut Goldbeck alles von kleinen Einheiten für Mittelständler bis hin zu den Zentralen von Großkonzernen wie RWE und Vonovia. Und am Frankfurter Flughafen baut Goldbeck gerade das Parkhaus für das neue Terminal 3. Seit der öffentlichen Hand der desolate Zustand der deutschen Schulen aufgefallen ist und wieder investiert wird, entwickelt sich hier für den heimischen Hochbaukonzern ein weiteres spannendes Geschäftsfeld für Systemlösungen. Auch bei den derzeit dringend benötigten kostengünstigen Wohnungen hat Goldbeck ein Produktsystem anzubieten.

15:55     Zuletzt baute Goldbeck für Tesla die Hallen der neuen Gigafabrik bei Berlin. Hier handelt es sich um ‚veredelten Rohbau‘, sprich: Goldbeck liefert Dächer, Wände, Sohlen und Fassaden sowie Treppen, aber keine Gebäudetechnik. Wie da die customer journey so war, will Alex wissen. Rief denn der Elon persönlich an…? Der Kontakt kam über das Goldbeck-Büro in Silicon Valley zustande, berichtet Jan-Hendrik. Dort unterhält das Unternehmen schon länger eine kleine Niederlassung, damit Mitarbeiter, die auf die dortige Construction-Tech-Szene neugierig sind, sich nicht mit einem oberflächlichen Stippvisite („IHK-Tourismus“) zufrieden geben müssen und Goldbeck an Innovationsprojekten teilnehmen kann. So konnte Goldbeck ein Angebot für das Vorhaben in Grünheide abgeben. Kleine Anekdote am Rande: Das erste Gespräch mit Elon Musk musste verschoben werden, weil sich dieser zur vereinbarten Zeit noch einem Call mit Präsidenten Trump befand…

20:45     Hat denn die Teilnahme am Bau des Grünheider Werks zu einer erhöhten Markenbekanntheit von Goldbeck in der Automobilwirtschaft geführt? „Ja und nein“, schätzt Jan-Hendrik. Einerseits sei die Beauftragung durch Tesla eine Referenz mit weltweiter Gültigkeit und hohem medialen Effekt. Andererseits kämen die meisten Autobauer als Kunden für Goldbeck-Lösungen erst gar nicht in Frage: Sie planten zuerst jahrelang Produktionsprozesse und entwürfen dann die Hallen genauestens um die angedachten Linien. Tesla gehe da agiler vor: Man baut eine generische, gegebenenfalls erst einmal überdimensionale Halle, damit man schneller produktionsfähig ist und flexibler Produktionsprozesse bei Bedarf anpassen kann.

24:25     Wie digitalisiert ist schon der Planungsprozess von Gebäuden? „Erschreckender- oder auch erfreulicherweise ist noch ganz viel Luft nach oben an der Stelle, weil Bauen ein sehr vielschichtiger, schnittstellenreicher, fransiger Prozess ist, der am Ende immer wieder gewürzt durch etwas ist, was Digitalos und Algorithmen gar nicht mögen: unwägbare, schlecht vorhersehbare Realität auf der Baustelle!“ Bei Goldbeck sind daher einige der rund 200 Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung im Bereich Software beschäftigt. Denn die Nutzerschnittstellen, die Jan-Hendrik gern hätte, sind nicht am Markt verfügbar. Bei der Planung ist Revit von Autodesk eine beliebte Lösung, die mit APIs arbeitet und auf dem man also aufbauen kann.

Generell entwickelt sich die Baubranche in Richtung von BIM (building information modelling), bei dem digitale Modelle alle Daten zu einem Objekt speichern. Allerdings sei das Konzept bereits 20 Jahre alt und die Zahl der Firmen, die BIM durchgängig von der Planung bis zur Bauausführung nutzen, tendiere gegen „gleich null“. Vor allem in der Aktualisierung der Modelle während der Bauphase tue sich eine klaffende Lücke zwischen digitalem Soll und Ist auf. Das sei der Raum, in dem perspektivisch Robotik, augmented reality und künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen könnten: Abweichungen zwischen Entwurf und Bau identifizieren und Vorschläge unterbreiten – „Bauleiter, die dieses Problem hatten, nutzten folgende Lösungen…“

30:25     Wie geht es der Bauwirtschaft generell? Aus den deutschen Medien vernimmt man: Nach Jahren des ununterbrochenen Booms folgt jetzt die Krise. „Diese deutsche Depression, die german angst“ könne Jan-Hendrik bei aller Liebe zu seinem Land nicht ab. Krise? Nicht in dem Maße – und sie komme in der Baubranche ohnehin erst nachgelagert, nachdem der Auftragsström abgerissen und laufende Projekte fertiggestellt sind. Selbst dann bedeute ein Nachfragerückgang beim Bauen übrigens noch keine volkswirtschaftliche Katastrophe: Dann wird es eben zum ersten Mal seit Jahren wieder billiger für Bauherren!

35:50     Alex fällt als Vielreisendem auf, dass die Bauqualität in Deutschland und Mitteleuropa insgesamt sehr hoch ist – Nicht zuletzt an gut schließenden Fenstern merke man das! Hierin sieht Jan-Hendrik doch eine Stärke der deutschen Mentalität: die Liebe zum Detail und einem durchdachten System. Zudem verstehe man es in Europa, ressourcenschonend und nachhaltig zu bauen. In Amerika gehe man verschwenderisch mit Baustoffen und Energie um. Zum Thema regionale Unterschiede: Auch unter EU-Ländern wichen Baunormen und -anforderungen noch stark voneinander ab. Hier sei der Binnenmarkt noch keineswegs vervollständigt!

39:45     Alex hatte schon zwei PodcastGäste aus der Holzbranche: Wie steht es um Holz als Baustoff? Jan-Hendrik rät davon ab, die ständigen Beschwörungen von Holz als Allzweckwaffe für klimaneutrales Bauen zu viel Glauben zu schenken. Er sieht den ökologischen Nutzen von Holz eher im Inneneinrichtungsbereich und an einigen anderen Stellen. Per se gut sei Holz auf dem Bau aber nicht.

In Berlin bekam Goldbeck zuletzt auch einen Auftrag für den Bau von Schulen. Eine Bedingung: Holzbauweise. Bloß hätte diese Millionenbeträge Mehrkosten verursacht – Millionen, die Jan-Hendriks Meinung nach anderswo viel effektiver für den Klimaschutz ausgegeben werden könnten. Etwa in Aufforstung müssten eigentlich die Millionen fließen. Denn nicht Holz bindet CO2 aus der Atmosphäre, sondern der lebende Baum! Eine weitere vielversprechend Möglichkeit: Die Reduzierung vom CO2-Ausstoß in der Herstellung von klassischen Materialien wie Beton und Zement, Stahl und Aluminium.

49:25     Wie sieht es mit der Verfügbarkeit von Baustoffen aus? Allerorts liest man nämlich von gestörten Lieferketten, verzögerten Lieferungen, immer teureren Materialien… Auch hier sieht Jan-Hendrik wegen der Gesetzmäßigkeit von Angebot und Nachfrage perspektivisch keineswegs schwarz: Wenn die Zahl der Bauprojekte jetzt in der Niedrigkonjunktur zurückgeht, werden sich die zuletzt stark angestiegenen Preise für Baustoffe auch wieder nach unten bewegen.

Jan-Hendrik zeichnet am Beispiel eines Stahlprofils nach, wie die Preisentwicklung nicht nur eine Richtung kennt: Kurz nach Anfang des Ukraine-Kriegs kletterte besagtes Profil im Einkauf von rund 500 auf 1600 Euro in der Spitze, um jetzt schon wieder bei 1000-1200 zu liegen. Ab 2023 erwartet er ganz generell fallende Baupreise.

52:10    Medial bleiben oft große öffentliche Bauprojekte hängen, die viel teurer als geplant ausfallen: BER, Elbphilharmonie, Stuttgart21… Oft wird vermutet, Firmen zögerten absichtlich alles hinaus. Verzerrte Wahrnehmung? „Idealerweise ist bei uns schnell rein, saubere Arbeit leisten, schnell wieder raus – nächstes Projekt“ sagt Jan-Hendrik. Das sei wesentlich effizienter, als Mehrkosten entstehen zu lassen und über irgendwelche Nachträge zu verhandeln.

Wurzel des Übels sei vielmehr die Einzelgewerkevergabe. Ziel: kleine Mittelständler fördern. Ergebnis: keiner übernimmt für ein Projekt die Gesamtverantwortung. Deswegen vermarkte sich Goldbeck ja als „all in one-stop shop“, den man als Generalunternehmer beauftragen kann.

55:15     Stichwort all in: Ist Vertikalisierung sinnvoll für Goldbeck? Also nicht nur Parkhäuser bauen, sondern diese nachher auch betreiben? „Auch hier: ja und nein.“ Ja: Schon seit 30 Jahren bietet Goldbeck Objektbetreuung und Betrieb an – auch von Parkhäusern (Goldbeck Parking Services ist unter den ersten vier im deutschen Markt). Hier sei es vorteilhaft, die Kompetenz im Betrieb zu haben – nicht zuletzt, um Erkenntnisse für den Bau der nächsten Objekte zu gewinnen. Nein: Was Goldbeck nicht tue, sei eigene Projektentwicklung. Schließlich würde man dann im selben Teich nach Mietern für eigene Objekte fischen wie seine Auftraggeber!

59:20     Wie ist die Stellenwert von Online-Marketing bei Goldbeck? Suchen Auftraggeber denn online nach Generalunternehmer? Ja – und deswegen bietet Goldbeck auch auf Begriffe bei GoogleAdwords mit. Neben einer aktuellen Webseite und Social-Media-Präsenz sei SEA-SEO mittlerweile ein einfacher Hygienefaktor in der Baubranche. Zumal Kanäle, die für Kunden nicht unbedingt wichtig sind (etwa TikTok) spätestens bei der Gewinnung von junge Mitarbeitern eine Rolle spielen.

1:00:35 Worauf freut sich Jan-Hendrik im kommenden Jahr 2023? „Auf sportlichen Wettbewerb jetzt wieder!“ Und darauf – auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten – seiner unternehmerischen Verantwortung gerecht zu werden.

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