Larissa Kuntz – Wie funktioniert der Holzmarkt?

45:00

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Larissa ist Geschäftsführerin der ELKA Holzwerke, ein Holzwerk mit ca. 70m Euro Umsatz pro Jahr. Sie kennt die Holzindustrie in allen Facetten und spricht im Podcast über den globalen Wettebwerb um den Rohstoff Holz, die Herausforderungen bei der heimischen Holzverarbeitung und natürlich die Rolle der Digitalisierung in ihrem Betrieb. Gewinnt Larissa online ihre Holzkunde? Spannend dürften auch die Ausführung zur Holzmarke ESB sein, mit der es ELKA schafft im sehr homogenen Holzmarkt eine differenzierte Positionierung zu erreichen.

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Der Holzmarkt (auch digital) mit Larissa Kuntz, Geschäftsführerin der ELKA Holzwerke

Naturprodukt, Baustoff, Energielieferant – Holz ist vielseitig. Doch welchen Weg geht es eigentlich, bis wir mit ihm bauen oder heizen? Diese und viele andere Fragen beantwortet in dieser Folge Larissa Kuntz. Sie leitet die 115 Jahre alten ELKA-Werke im Hunsrück in der vierten Generation. Diese produzieren Schnittholz, Span- und Naturholzplatten, machen jährlich 70 Millionen Euro Umsatz und beschäftigen rund 230 Mitarbeiter aus 13 Ländern. Gemeinsam mit Alex blickt Larissa unter anderem auf den internationalen Holzhandel, die Fachkräftegewinnung im produzierenden Gewerbe und die Bedeutung von Wäldern für den Klimaschutz..

„Die Zahlen stützen das Bild leerstehender Dachstühle nicht“

1:50

Alex: Wie erklärst du Leuten deinen Job?

Larissa: Das können sich wirklich wenige gut vorstellen, aber das Wichtigste möchte ich direkt vorwegnehmen: Unsere Anlagen sind sehr automatisiert. Wir bekommen Rohholz in Form von runden Stämmen in unser Werk geliefert. Das schneiden oder pressen wir dann in unterschiedlichsten automatisierten Verfahren. Das heißt, wir haben es mit sehr großen Maschinen zu tun, und eben in erster Linie mit Maschinen. Es stehen nur noch wenige Leute an der Säge und stapeln da etwas ab. Stattdessen produzieren wir das fertige Produkt mit verhältnismäßig wenig Mitarbeitern.

Alex: Stammen diese Holzlieferungen aus Wäldern, die auch euch gehören, oder beliefern euch fremde Waldbesitzer?

Larissa: Wir selber haben keine eigenen Wälder. Stattdessen gibt es Landesforste, bei denen man Holz kaufen kann, in unserem Fall ist das das Landesforstamt Rheinland-Pfalz. Außerdem gibt es aktuell Handelsorganisationen, die das Holz von Privateigentümern aufarbeiten und verkaufen. Von diesen Agenturen kaufen wir pro Halbjahr bestimmte Mengen und lassen uns die ins Werk liefern.

Auch ist immer wieder erstaunlich, dass wir circa 30 Ladungen Rundholz am Tag in Empfang nehmen, und das nur für das Sägewerk. Das Holz, das dort angeliefert wird, kommt aus einer Region, die sich über 130 bis 150 Kilometer erstreckt. Das ist also ein sehr lokaler Markt: Das ganze Holz, das wir einsetzen, ist regional gewachsen und hat aufgrund der kurzen Transportwege eine sehr geringe CO2-Bilanz.

Alex: Also gibt es diesbezüglich auch keinen überregionalen Wettbewerb? Fragt sonst kein zum Beispiel polnischer Betrieb das Rundholz an, das ihr für gewöhnlich bezieht?

Larissa: Diesen Wettbewerb gibt es im Rohstoffmarkt ganz natürlich, und jeder hat das Recht, unsere Handelsorganisationen anzuschreiben und Kaufinteresse zu bekunden. Die Frage ist nur, ob sich der Transport dann rechnet. Wie aber jeder in den letzten Jahren festgestellt haben wird, geht es den Wäldern aufgrund des Klimawandels immer schlechter. Wir haben Unmengen beschädigten Beständen. In solchen Situationen besteht ein Überangebot im Wald, und gerade dann wird Ware auch überregional verkauft.

(Diese beschädigten Bestände variieren je nach Region und entsprechender klimatischer Belastung. Da die Wälder rund um Morbach höher liegen als zum Beispiel Wälder im Westerwald oder im Sauerland, geht es ihnen im Allgemeinen besser. Der Großteil des Holzaufkommens in den beschädigten Wäldern wurde mittlerweile aber abgearbeitet. Die Wälder stabilisieren sich und konnten dank mehr Regen 2021 auch wieder etwas aufatmen.)

6:30

Alex: Wie preissensitiv ist dieser Markt? Angenommen, in Polen oder Italien stiege die Nachfrage jetzt so stark an, dass sich die Preise für Rundholz verdoppeln würden. Könnte der deutsche Markt das abfedern, oder müssten die dann auf andere Werkstoffe umsteigen?

Larissa: Es gibt Produkte, die aus bereits verarbeitetem Holz hergestellt werden, Paletten zum Beispiel. Die meisten Endverbraucher kennen die als Europalette. Die stellt den Preisindex. Man könnte so eine Palette zwar auch aus Kunststoff herstellen, aber das war in der Vergangenheit preislich nicht so attraktiv wie eine Holzpalette. Trotzdem und auch trotz der im vergangenen Jahr gestiegenen Preise wurden nicht auf einmal mehr Kunststoffpaletten gebaut, deshalb kann ich deine Frage im Hinblick auf unsere Kunden auch nur bedingt beantworten. Feststeht: Ein Holzbauer wird einen Dachstuhl immer mit Holz bauen, und bei höheren Preisen eben Probleme mit der Nachfrage haben oder einfach weniger Dachstühle zimmern.

Alex: Bestellen die Dachdeckerbetriebe aus eurer Region das Holz für den Dachstuhl direkt bei euch im Betrieb?

Larissa: Nein. Wir sind ein mittelgroßes Sägewerk, also kein klassisches Bauholzsägewerk, das für so einen Dachstuhl eher angesprochen werden würde. Nach diesem für Einschnitte vorgesehenen Holz besteht in unserer Region aber auch nicht mehr so die Nachfrage. Wir produzieren hauptsächlich für Märkte in Frankreich, Holland und Belgien. Diese Länder sind zu Morbach geografisch gut gelegen, und dort wird unser Holz auch teilweise noch für Dachstühle verwendet, aber eben nicht vorrangig.

Alex: Eure Industrie klingt so erst einmal nach einer, in der viele Kundenbeziehungen schon seit mehreren Generationen bestehen, und auch die Landesforste werden sich in den letzten Jahrzehnten nicht groß verändert haben. Mit wie vielen Kunden musst du dich im Jahr auseinandersetzen? Bewegt sich da viel?

Larissa: Wie jedes Unternehmen haben auch wir unsere Stammkunden, zu denen man sich über Jahre hinweg eine Beziehung aufgebaut hat. Aber eine Wechselbereitschaft ist im Bereich Holz durchaus gegeben. Sobald der Preis nicht mehr passt, ist Schnittholz ein austauschbares Produkt, und das galt in der Vergangenheit für so ziemlich alle Holzarten.

10:30

Alex: Stimmt, das gilt zum Beispiel auch für die Tierindustrie. Die erfinden in der Not Marken wie das „Husumer Rind“, das es so gar nicht gibt. Stattdessen steht in Husum eine Schlachterei, die sich das Fleisch aus ganz Deutschland holt und dann heißt es auf einmal „Husumer Rind“. So könntet ihr ja auch die „Morbacher Kiefer“ kreieren oder die „Trierer Platte“ und dann sagen, das sei lokal produziert. Dann wären die Produkte weniger austauschbar. Ginge so etwas oder würden sich eure Abnehmer auf so etwas nicht einlassen?

Larissa: Das ist ebenfalls produkt- beziehungsweise bereichsabhängig. Beim Schnittholz schätzen die Kunden die Holzqualität schon sehr und verbinden sie mit unserer Marke ELKA. In Bezug auf Spanplatten stellen wir eher den kleinsten Hersteller dar. Da brauchen wir Qualität und Marke, wie du es gerade beschrieben hast. Deshalb führen wir da ein eigenes Produkt, das nennt sich ELKA Strong Board, kurz ESB – in Anlehnung an das Oriented Strand Board (OSB), die handelsübliche Grobspanplatte. Die ESB ist eine konstruktive Holzwerkstoffplatte, die auf rein ökologische Bauweisen ausgerichtet ist.

Im Bereich Holzplatte gibt es so einige Großbetriebe mit 10.000 Mitarbeitern, da können wir mit den Preisen nur schwer mithalten. Deshalb haben wir uns darauf spezialisiert, kundenorientierte Produkte beziehungsweise das herzustellen, was Größere nicht herstellen können. Zugleich unterliegt die verarbeitende und produzierende Holzindustrie natürlich bestimmten Normen, sodass wenig Spielraum für Eigenkreationen bleibt.

(Die ESB gibt es inzwischen seit 12 Jahren. Sie macht rund 60 Prozent des Produktionsvolumens im ELKA-Spanplattenwerk aus und wird ausschließlich mit Frischholz produziert. Weil das Produkt spezieller ist als andere, schalten die ELKA-Werke hierfür auch Internetwerbung. Die richtet sich vor allem an Fertighausbetriebe und die Holzfachhändler in Deutschland, die ihren Kunden die Vielseitigkeit des Werkstoffs nahebringen wollen. Jede weiterführende Kommunikation mit Abnehmern läuft bei ELKA über Newsletter, Messen und zwei Außendienste sowie Telefon und – in einigen wenigen Fällen auch heute noch – über Fax.)

15:35

Alex: Jetzt gab es in den letzten zwei Jahren, wie beim Toilettenpapier, den Effekt, dass die Menschen befürchteten, es gäbe bald keine Dachlatten mehr. Also deckten sie sich ein. Dazu kamen noch irgendwelche Sonderkonjunktureffekte in Asien und Co., und dadurch wurde das Holz extrem teuer. Für den Außenstehenden ist das sehr schwer nachzuvollziehen. Der sieht ja weiterhin den Wald und zunehmende Waldflächen. Da fragt man sich: Wie kann das sein? Wie hilfst du den Leuten, mit denen du darüber sprichst, diese Entwicklung einzuordnen?

Larissa: Wie deine Zusammenfassung schon durchscheinen lässt, ist das ganze Thema sehr komplex und vielseitig. Rund- und Schnittholz wird schon immer exportiert, das ist nichts Neues. Bezüglich des Rundholzes ging es vor allem darum, dass das angefallene Schadholz nach China exportiert wurde. 2021 gab es dann diese Holzpreisexplosion, und diesbezüglich hilft es auf jeden Fall, ganz nüchtern auf den Cocooning-Effekt zu blicken, der Deutschland erfasste: Die Leute blieben zuhause, nisteten sich ein und sanierten, und rannten dafür noch in die Baumärkte und deckten sich mit Holz ein. Und so kletterten die Preise sehr schnell sehr hoch.

Schaut man sich nämlich die Im- und Exportstatistiken an, fällt auf, dass die Holzindustrie letztes Jahr ungefähr 17 Prozent mehr produziert hat und der Export um 15 Prozent angestiegen ist. Das hat sich also eigentlich ausgeglichen, und ein Großteil der Nachfrage in Deutschland konnte sogar bedient werden, nur war sie eben exponentiell angewachsen.

Alex: Also ist es deinem Verständnis zufolge ein Ammenmärchen, dass jetzt auf einmal alle Amerikaner und Chinesen anfangen, mit Trierer Holz zu bauen, und bei uns die Dachstühle leerstehen?

Larissa: Die Zahlen stützen dieses Bild jedenfalls nicht. Und es ist auch nicht so, als ob jedes Sägewerk nach Amerika liefern würde. Natürlich war die Entwicklung der letzten Jahre so noch nie da, im Holzbereich. Die Rohstoffmärkte verschmelzen immer mehr miteinander, und wenn in Kanada die Zölle erhöht werden, dann hat das Einfluss auf unseren Holzpreis hier, weil die Amerikaner anfangen, ihr Holz in Mitteleuropa und Skandinavien zu kaufen. Diese Verkettungen gab es in diesem Umfeld bislang nicht. Zwar schwankt der Schnittholzpreis immer ein wenig, aber die Mengen, die in Europa bewegt werden, sind da.

Alex: Dass sich die Preise nie groß verändert haben, zeigt ja, dass der Markt nicht so richtig funktioniert hat – beziehungsweise ist der Anteil an den Kosten für den Hausbau immer kleiner geworden. Da könnte man also demnächst mit einem Nachholeffekt rechnen, der unter Umständen dazu führt, dass sich die Preise auf einem höheren Niveau stabilisieren als vor der „Holzpreiskrise“. Oder?

Larissa: Das würde ich so unterschreiben. Wobei niemand mehr vorhersagen kann, wie das Wetter in fünf, sechs Monaten sein wird. Und die Holzpreise sind auf einem hohen Niveau stabil. Das heißt, der Schnittholzpreis wird nicht mehr zu dem zurückkehren, wo er vor zwei, drei Jahren war. Aber: Durch Corona und die allgemeinen Zusammenhänge in der Marktpolitik ist alles ungewiss geworden.

Alex: Und wer hat dann im Endeffekt von dieser Holzpreisexplosion profitiert?

Larissa: Im Grunde hat jedes Holzunternehmen davon profitiert, aber eben in verschiedenen Phasen und somit auch unterschiedlich stark. Und langfristig werden auch die Waldbesitzer davon profitieren.

21:00

Alex: Was bedeutet das für dich für deine langfristige Planung? Wie müssen wir uns euren Strategieplan 2025 und euer Wachstum in den nächsten Jahrzehnten vorstellen?

Larissa: Wenn wir planen, dann geht es meistens um Investitionen in den Maschinenpark. Nur durch unsere Anlagen können unsere Produkte überhaupt erst entstehen. So sichern wir unsere Rohstoffe. Also investieren wir zum Beispiel so, dass wir andere Hölzer verarbeiten können und mindestens auf der jetzigen Produktionsmenge bleiben oder sie sogar ein wenig erhöhen.

Weiterhin gibt es in der Holzindustrie den Trend, in Brettsperrholzwerke zu investieren. Die produzieren mehr verleimte Produkte, die für den Ingenieursholzbau äußerst interessant sind. Da gibt es schon Projekte mit Hochhäusern aus Holz – das kann man sich gar nicht vorstellen!

(x)

26:40

Alex: Ergäbe es für dich Sinn, eure Website zu denken wie einen Online-Shop, um so, wie in einer Funnel-Logik, neue Kunden zu gewinnen? Macht das jemand bei euch?

Larissa: Von einem Hersteller, der so etwas macht, habe ich noch nicht gehört. Aber einige Holzhändler und auch die Verbände setzen jetzt Online-Shops für ihre Mitglieder auf, sodass die Händler über den Verband Ware kaufen können. Außerdem gibt es Anbieter, die Plattformen aufbauen, auf denen Holzunternehmen im Verbund Material anbieten können. Aber da geht es eher um Produkte, die man nicht gut loswird, wie B-Ware, oder auch um internationale Kundschaft.

Alex: Wie viele eurer Mitarbeiter arbeiten an den digitalen Sachen wie eurem Newsletter, eurer Website oder der Messung des Erfolgs eurer Kommunikation?

Larissa: Ich schätze 1,3 Mitarbeiter.

Alex: Das ist ja noch relativ wenig! Und zählst du dich dazu?

Larissa: Nee, ich komme noch oben drauf. Es gibt jemanden, der ist in Vollzeit fürs Marketing zuständig. Ich denke, das ist für unsere Unternehmensgröße in Ordnung, und die Expertise und das Know-how kaufen wir uns von verschiedenen Agenturen ein. Die Ideen kommen aber vom Vertrieb, der dem Marketing zuarbeitet, und dem Marketing wiederum obliegt die Umsetzung.

30:40

Alex: Fast alle Podcastgäste berichten, dass viele ihrer Wachstumsinitiativen stocken oder ganz zum Erliegen kommen, weil sie es einfach nicht schaffen, ausreichend viele Mitarbeiter zu gewinnen. Das sind natürlich viele Unternehmen, die superspezialisierte Leute für digitale Tätigkeiten brauchen. Ihr benötigt eher Menschen, die die Maschinen bedienen oder den Lkw fahren. Seid ihr dennoch mit einem Mitarbeitermangel konfrontiert?

Larissa: Klar. Wie jede andere Industrie muss sich auch die Holzindustrie mit einem Fachkräftemangel auseinandersetzen. Wir haben zwar sehr viele langjährige Mitarbeiter, von denen einige sogar schon seit 40, 50 Jahren für uns arbeiten, aber das sind natürlich Personen, die gibt es heutzutage nicht mehr. Die Jüngeren wollen ja öfter mal wechseln und etwas Anderes machen. Am deutlichsten sehen wir dieses Problem in der Produktion auf uns zukommen – in allem, was mit der Bedienung von Maschinen bis hin zum Gabelstapler zu tun hat. Das ist generell die größte Herausforderung, die ich in produzierenden Betrieben in Deutschland sehe, weil die Politik da meiner Ansicht nach zu wenig unternimmt.

(Von den übrigen 228,7 Mitarbeitern sind 30 Prozent in der Verwaltung und 70 Prozent in der Produktion und Logistik tätig. Und damit diese tragende letztgenannte Säule nicht wegbricht, sobald die Babyboom-Generation in 15 Jahren in Rente geht, wünscht sich Larissa unter anderem weniger formelle Hürden, um auch Fachkräfte aus nichteuropäischen Ländern beschäftigen zu können. „Es geht ja noch nicht einmal um irgendwelche Billigjobs, sondern einfach darum, benötigtes Personal auf den Arbeitsmarkt zu bringen“, betont sie.)

37:40

Alex: Ich schaue mir eben die Hauptexportnationen in Sachen Holz an. Das sind der Reihe nach: Kanada, Russland, Schweden, die USA und Deutschland auf Platz 5, Österreich auf Platz 7. Aber die Zahlen für Schweden und Russland unterscheiden sich gar nicht so stark von denen aus Deutschland…

Larissa: Allerdings spielen da auch Zölle und Preise eine Rolle. Holz als Gut wird bald knapper werden, und keiner kann sagen, wie sich das auf die Preise auswirken wird. Ich denke, dass das Thema Holz in den nächsten Jahren viel stärker medial präsent sein wird, insbesondere wegen seiner besonderen Umwelteigenschaften. Holz bindet CO2 wie kein anderer Werkstoff. Ein Kubikmeter Holz speichert eine Tonne CO2. Welches andere Produkt schafft das, bitteschön? Zumindest im Baubereich lässt sich diese ganze Diskussion rund ums Klima mit Holz beantworten.

Alex: Wenn ich Holz verbaue, das ich dann auch entsprechend schütze und das nicht verrottet, dann bindet mein Haus CO2?

Larissa: Korrekt. Aber es kommt ebenso darauf an, welche anderen Baumaterialien du in deinem Haus verarbeitest. Und das ist auch die Entwicklung, auf die wir zusteuern: Der Trend geht dahin, die Klimabilanz eines geplanten Neubaus genau begutachten zu lassen. Und zu ermöglichen, dass es null CO2 verursacht.

Alex: Das ist möglich?

Larissa: Das geht.

43:20

Alex: Welche sind die zwei, drei großen Dinge, auf die du dich 2022 freust oder auf die du hinarbeitest?

Larissa: Als produzierender Betrieb wünscht man sich immer eine gute Produktion. Das setzt voraus, dass das Rundholz gut kommt. Das hat auch immer etwas mit Witterung zu tun. Und ich wünsche mir für 2022, dass wir wieder einen ansatzweise normalen Marktverlauf hinbekommen. Dass Holz ein stabiler Rohstoff ist, dass unsere Kunden zufrieden sind, dass die Endkunden zufrieden sind und dass sie Spaß daran haben, mit Holz zu bauen. Das ist ja eigentlich das Wichtigste. Das ist das, was unsere Industrie braucht: dass die Kunden mit ihrem Holz glücklich sind – auch wenn sie es wahrscheinlich zu einem sehr viel höheren Preis erworben haben.

(„Das ist ja auch Inflation!“, entgegnet Alex und fasst zusammen: Um den Absatzmarkt muss sich ESKA erst einmal keine Sorgen machen, der ist regional gut geschützt. Digital ist für die Werke noch vieles möglich, bis hin zu kleinen Robotern, die zwischen den Maschinen hin- und herfahren und nach dem Rechten schauen. „Klar“, bestätigt Larissa, „andere Lösungen wird es da auch für uns nicht geben“.)

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