Fabian Spielberger – CEO Pepper: „UK sieht ganz schlecht aus.“

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Fabian Spielberger war bereits zweimal zu Gast bei Kassenzone. Mit der Pepper Gruppe betreibt er eine der größten E-Commerce Seiten in Deutschland, ist gefürchtet von vielen Onlinehändlern (Stichwort Preisfehler) und steht der mydealz Community vor, die gemeinhin sehr kritisch ist. Wir reden über seine Sicht auf die Welt des E-Commerce, die Schwäche von UK die wahrscheinlich dauerhaft sein dürfte und seine Prognosen zu Shein. Reinhören.

Aus der Frage „Fluch oder Segen für den Handel?“ im Jahr 2015 war bis 2020 schlicht eine „Faszination mydealz“ geworden: Jetzt spricht Alex zum dritten Mal mit dem CEO des zu einer festen Größe gewordenen Online-Schnäppchen-Portals Fabian Spielberger. 2007 bereits gründete er die mittlerweile 8 Millionen unique user im Monat zählende Shopping-Community, die in der Top 10  des deutschen E-Commerce mitmischt und in weiteren 11 Ländern aktiv ist. So ist Fabian in der Lage, als Marktbeobachter mit Alex folgende Themen zu kommentieren: Shein, das Konsumverhalten in der Krise und der Zustand der Ländermärkte, die Aussichten für Amazon und die Perspektiven für 2023 insgesamt sowie eine wichtige Frage: Sollte sich Kassenzone einen TikTok-Auftritt zulegen?

02:20     Zunächst ein kurzes Update zu mydealz: Von 250 Mitarbeiter ist das Portal seit dem letzten Gespräch 2020 auf gute 300 gewachsen. Weiterhin benutzen rund täglich 2 Mio. unique user pro Tag die Angebotsmaschinen des Unternehmens: Wachstum für mydealz kommt derzeit aus kleineren Ländern. In größeren Märkten flachte die Wachstumskurve nach Corona und mit dem Ukrainekrieg zuletzt ab.

3:35       Erstes Thema: Shein. Zuletzt besprach Alex den chinesischen Hypehändler mit Florian Heinemann, Teo Pham und Stefan Wenzel. These: „Shein ist das für Zalando, was Zalando für Peek & Cloppenburg war“. Auch Fabian sieht große Schwierigkeiten auf etablierte Händler – on- sowie offline – zukommen. Nicht nur gegen die zeitgemäße Social-Strategie, sondern auch gegen das aus Sicht westlicher Unternehmen fragwürdige Geschäftsgebaren werde es vielen schwerfallen, ihre Position zu verteidigen. Die Zielgruppen 14-25 sowie einkommensschwachen Kunden wollen mit kleinsten Budgets aktuellste Mode kaufen: Durch die direkte Anbindung der Auftragshersteller ermögliche Shein ihnen erstmals dieses.

Fabian unterstreicht: Selbst bei allen Geheimniskrämerei um die Geschäftszahlen erlauben der Nutzeranteil und die Penetration auf Social-Media Rückschlüsse auf einen bedeutenden kommerziellen Erfolg. Und um den nächsten Wish handelt es sich seiner Meinung nach keineswegs, weil Shein eigene Produkte erschaffe. Also: „ein relevanter Marktplatz, der uns erhalten bleiben wird.“ Dabei sei der Angreifer für günstige Textilhändler wie Kik oder Primark sowie Fast-Fashion-Anbieter à la H&M und Zara gefährlicher als für Zalando. Zumal Shein bei aller offenkundig fehlender Nachhaltigkeit für seine Zielgruppen nicht billig und ramschig, sondern attraktiv und trendig daherkomme. Da Alex macht eine Schwierigkeit in der Analyse aus: Alex und Fabian gehören nicht zur Zielgruppe für günstige Fast-Fashion und nutzen nicht einmal die entsprechenden Social-Media-Kanäle…

12:00     Rückblick auf das Jahr der Krisen 2022: Was hießen Engpässe und Inflation für mydealz? Schränkten die Unternehmen ihre Angebote ein? Oder versuchten sie erst recht mit Deals auf schrumpfende Haushaltseinkommen zu reagieren? „Sie versuchen auf jeden Fall Kosten zu sparen.“ Das Problem sei aber gewesen: Lager. Händler müssten zum Teil stark rabattieren, weil sich sonst die Ware durch Lieferkettenchaos und zurückhaltenden Konsum staut und Lagerkosten verursacht.

Extrembeispiel UK: Hier verzeichnete mydealz deutlich mehr Transaktionen – allerdings für ungefähr den gleichen Umsatz. Schlussfolgerung: Die Kunden haben mehr Artikel, dafür jeweils günstiger gekauft. Im Vergleich zu anderen Märkten gehe es Unternehmen und Konsumenten dort am Schlechtesten. Alex fragt, ob sich UK dadurch als Ländermarkt für expandierende Unternehmen disqualifiziert. Das Vereinigte Königreich sei ohnehin schwierig, so Fabian: Als englischsprachiger Markt ziehe er US-Unternehmen an und sei daher äußerst kompetitiv; zudem gingen Marketingausgaben wegen der Verbreitung von Englisch gern mal geografisch daneben; und auf der Kostenseite nehme sich Großbritannien insgesamt keineswegs billig aus. Nichtdestotrotz sei der Markt allein wegen seiner (allerdings durch Brexit im Vergleich abnehmenden…) Größe interessant.

18:20     Wie entwickeln sich andere Ländermärkte? Deutschland sieht Fabian trotz den überraschend gute Wirtschaftszahlen von letztens noch nicht über den Berg. Frankreich dahingegen hat sich stärker gezeigt als gemeinhin angenommen. Und in Spanien und Polen sieht er nach schweren Jahren anhaltende Nachholeffekte mit starkem Konsumwunsch. Dort fänden zudem noch Verschiebungen von Offline nach Online statt, die anderswo bereits abgeschlossen seien: Zum Beispiel ist Amazon erst seit 2021 in Polen vertreten, jetzt sei die Entwicklung dort „brutal“.

22:20     Wie schätzt Fabian Amazon insgesamt ein? Gab es peak Amazon bereits? Nein: Das Wachstum werde anhalten. Wo er perspektivisch Probleme sieht: Die drohende Übermonetarisierung der Plattform: „Wenn du nach Bluetooth-Kopfhörer suchst und erst auf Seite drei oder vier das erste Mal Bose oder Samsung siehst, muss man sich fragen, ob das wirklich so sein sollte…“ Wenn sich das Unternehmen wie von Fabian angenommen komplett aus dem Handelsgeschäft zurückzieht und nur noch als Marktplatz auftrete, könnte das zur entscheidenden Schwachstelle werden. Alex sieht dasselbe Problem: „Das Produkterlebnis auf Amazon ist in den letzten Jahren nicht besser geworden.“

Fabian referiert eine interessante Entwicklung: In Indien hat die Kartellbehörde es Amazon verboten, gleichzeitig als Händler und Marktplatzbetreiber zu fungieren. Alex vermutet, dass der Konzern von einem ähnlichen Urteil in Europa in den kommenden Jahren ausgeht und in diesem Fall sein Handelsgeschäft dem lukrativeren Marktplatzbetrieb opfern würde.

26:50     Vorhersagen für 2023: TikTok wird marketingtechnisch immer wichtiger werden: Davon ist Fabian überzeugt und so ist mydealz mit rund 200.000 Followern dort vertreten und bekommt bis zu einer Million Views pro Video. Denn: „Jeder ist auf TikTok!“ Ob Kassenzone auch auf den Kanal sollte? Ja! Und zwar schnell, bevor die organische Reichweite nicht mehr zu haben ist. Facebook sei übrigens überhaupt nicht tot, sondern nach wie vor „fucking riesig“, gibt Fabian zu Protokoll.

Generell sei davon auszugehen, dass der Hype um Influencer auf allen Plattformen bestehen bleibt: „Die Aufmerksamkeitsökonomie zu bespielen ist einfach einfach.“ Ob TikTok oder LinkedIn: Die Posts, die am besten laufen, sind nicht die mit den schlüssigsten Inhalten, sondern die aufsehenerregendsten… „Wenn die Leute das so wollen, dann man halt lernen, es zu bespielen.“

32:35     Die mydealz Community ist dabei doch sehr kritisch – wie Alex erfahren hat, als er im Zuge des letzten Podcasts 2020 einen eigenen Deal mit dem damals noch von ihm angebotenen Rindfleisch reingestellt hat. Erster Kommentar: „Hat bei mydealz nichts verloren!“ Fabian sieht Transparenz und die Möglichkeiten für Nutzer, sich zu den Angeboten zu informieren und diese gegebenenfalls auch zu kritisieren, als Schlüssel zum anhaltenden Erfolg – und als Vorbau gegeneinen möglichen „Shein für mydealz“, der mit einer schlagenden Social-Media- oder Content-Strategie dem Portal seiner Faszination streitig macht…