Status Quo Project A Investitionen und WeWork mit Florian Heinemann

Direkt nach der Sommerpause nehmen Florian und ich den anstehenden Börsengang von WeWork zum Anlass um über die Aussichten eines solchen Plattformmodells zu sprechen. Wir nehmen uns außerdem viel Zeit, um mal etwas tiefer in ein paar Project A Investments zu tauchen und zu erklären in welchen Industrien Project A mittlerweile unterwegs ist. Darunter sind Unternehmen wie Aula, Kry, Dixa, Sennder, Lampenwelt und Micropsi. Die meisten Unternehmen sind für die Hörer wahrscheinlich unbekannt, was es umso spannender macht die Investitionslogik zu verstehen. Wir erklären auch, wann es Sinn macht für ein Startup sich an Project A zu wenden. Ein paar Sätze gibt es auch zu Spryker, weil diese Gründung auf dem allerersten Podcast mit Florian Heinemann basiert. Da habe ich ihn einfach gefragt, ob er Lust hat mit uns so etwas zu gründen. Wer sich das Ergebnis am schönsten Stand in Halle 7 bei der DMEXCO anschauen will, ist herzlich eingeladen.

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Investorenszene in Berlin mit Florian Heinemann, Kassenzone-Dauergast von Project A Ventures

Mit dem Börsengang von WeWork zum Anlass geht es in diesem dem 11. (in Einzelsilben: elf-ten!) Podcast mit Florian um das derzeitige Investitionsklima in Berlin: Was für Konzepte suchen nach Finanzierung und welche bekommen sie auch? Florian schildert den aktuellen Stand der Szene und erklärt dabei, worin Project A in den letzten Jahren so alles investiert hat – und warum. Zudem kommen die beiden spezifisch auf den Fall WeWork zu sprechen: Ob die astronomischen Bewertungen, die hier im Spiel sind, ihrer Meinung nach wirklich wie von WeWork behauptet durch die ‚starke Community‘ zu rechtfertigen sind? (Spoiler: Nein!)

„Es ist eigentlich egal, wie hoch ein Unternehmen bewertet wird, solange es nach hinten raus noch mehr wert sein wird.“

4:00

Alex: Ich bin letztens mal wieder durch alte Podcasts gestöbert und stieß auf einen mit Iskender Dirik aus 2017, in dem er den Betrag von 50 Millionen Euro – also, so ungefähr die Größe eures ersten Fonds – gerade mal als Eintrittskarte in den Berliner Markt bezeichnet. Darauf dürfe man auch keine Ertragserwartungen richten: Es sei als Gebühr zu betrachten, dass man überhaupt mitspielen darf.

Nun hat WeWork vor dem geplanten Börsengang Zahlen rausgegeben. Darin schreiben sie, in den ersten sechs Monaten von 2019 690 Millionen Dollar für den Aufbau ihres Geschäftes ausgegeben zu haben. Für 2018 betrugen diese Ausgaben 1,9 Milliarden! Wenn du solche Zahlen liest: Wie reagierst du darauf?

Florian: Man kann nicht sagen, das ist absolut gesehen ‚gut‘ oder ‚schlecht‘. Aber es gibt Modelle – gerade solche, die einen starken Netzwerkeffekt erzeugen – bei denen es mehr Sinn ergibt, sehr hohe Summen zu investieren, als bei anderen. Wenn wir uns WeWork anschauen, hat es durch das Immobiliengeschäft einen sehr hohen Offline-Anteil und die Frage ist offen, inwieweit da wirklich einen Netzwerkeffekt erzielt wird. Ist jeder neuer WeWork-Kunde wirklich mehrere Tausend Euro wert? Kann man – und sei es auch mit sehr langen Kundenlebenszyklusbetrachtungen – das irgendwie rechtfertigen? Da fühle ich mich wohler bei dem vielen Geld, das in einem patenten Netzwerk-, winner-takes-all-Modell wie AirBnB fließt, als bei WeWork.

Denn man muss die Frage stellen: Warum sind GAFAs und Unternehmen wie Netflix so viel wert? Weil Netzwerkeffekte entweder ganz klar erkennbar sind oder zumindest unterstellt werden können. Dabei ist es eigentlich egal, wie hoch ein Unternehmen bewertet wird: Man muss als Investor daran glauben, dass es nach hinten raus noch mehr wert sein wird – und dass eine hohe strukturelle Profitabilität vorliegen wird (ob sie denn abgeschöpft wird oder eher reinvestiert: siehe Amazon). Und bei WeWork bin ich davon weniger überzeugt.

(In dem Material, das WeWork rausgegeben hat, so Alex, argumentiert das Unternehmen mit seiner ‚sehr starken Community‘. Seiner Meinung nach liege aber bei AirBnB tatsächlich ein sich selbst stärkendes Netzwerk an Wohnungseinstellern und -nutzern vor, das WeWork mit seinen Mietern so nicht hat, denn wenn einer schicke Arbeitsplätze mit Freibier am Freitag für weniger Geld anbieten kann, wandern die Mietern weiter. Ein echtes Lock-in dank Netzwerkeffekte fehle.)

9:15

Alex: Und nun zu eurem Investments: Ihr seid ja bei Spryker eingestiegen. Auch danach sollt ihr weitere vielversprechende (wenngleich natürlich nicht ganz im gleichen Maße vielversprechende…) Investments getätigt haben. Dabei meidet ihr mittlerweile klassische E-Commerce-Modelle. Gehen wir vielleicht erst einmal in alphabetischer Reihenfolge durch: A wie Aula. Das gehört zu den ganz vielen Modellen bei euch auf der Webseite, die ich nicht so kenne, was ein Indiz sein könnte, dass das nischige B2B-Konzepte sind. Stimmt das? Und warum habt ihr in die investiert?

Florian: Lass mich mal mit unseren Leitprinzipien als Investor anfangen, die sich in den letzten Jahren sicherlich geändert haben. Erstens B2B. Zum Thema Bekanntheit: Klar, es ist deutlich schöner, als Investor in Modelle wie AboutYou eingestiegen zu sein, weil man damit auf Partys punkten kann! Glücklicherweise ist aber Partyglanz nicht mein primäres Handlungsmotiv.

Wir machen schon noch B2C-Investments, sagen aber: Die Wahrscheinlichkeit, dass die nächste Generation von relevanten Digitalfirmen aus Europa eher im B2B-Bereich angesiedelt ist, ist aus unserer Sicht sehr hoch. Europa ist zwar ein großer Binnenmarkt, aber ein allein durch die vielen Sprachen nicht so einfacher wie etwa die Vereinigten Staaten. So glauben wir, dass es kapitaleffizienter zu bewerkstelligen ist, B2B-Konzepte großzuziehen. Unternehmen wie AboutYou beweisen zwar, dass es auch in Zeiten von GAFAs (und auch in Europa) keineswegs unmöglich ist, im B2C Erfolg zu haben. Das ist aber sehr teuer!

Als Frühphasen-Investor, der sich mit Maximum 15 bis 20 Millionen Euro an einem Unternehmen beteiligt, wollen wir mit unseren Mitteln Unternehmen so weit bringen, dass sie für späterphasige, auch angloamerikanische Investoren attraktiv sind. Und da ist die Wahrscheinlich im B2B-Bereich höher. So haben wir letztes Jahr 60% B2B zu 40% B2C gemacht – und das wird sich sicherlich weiter verschieben. Zudem haben wir uns letztens stärker aus DACH hinaus ins europäische Ausland bewegt.

Zweites Prinzip: Wir glauben als Frühphasen-Investor (was uns bestimmt für einige Zuhörer interessant macht) nicht an monothematische Fonds. Das heißt, dass wir keinen reinen E-Commerce- oder SaaS-Fond aufsetzen würden. Warum glauben wir, dass man immer mehrere Schwerpunkte haben sollte? Weil man auch im VC-Bereich sehr darauf angewiesen ist, Co-Investoren für seine Themen zu begeistern, was leichter gelingt, wenn das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung sexy ist. So tut man sich gerade leichter, einen Start-up in einem Bereich wie Digital Health zu finanzieren, als eins im E-Commerce – selbst, wenn es gute Zahlen vorweisen kann, einfach weil mittlerweile ein gewisser Grundskepsis E-Commerce gegenüber herrscht. Bis man eine sehr nennenswerte Größe erreicht hat, steht die Frage im Raum, ob man sich gegen die Amazons und Zalandos behaupten kann. Kurzum: Obwohl wir für deutsche Verhältnisse groß sind, sind wir nach wie vor auf Co-Investoren angewiesen und können nie wissen, welche Themen in 6-8 Jahren attraktiv sind. Daher setzen wir auf eine Mischung. Vor zehn Jahren wäre rein E-Commerce eine gute Idee gewesen: Heute hätte man damit ein massives Problem.

(So habe Project A etwa den Bereich Education als eine Priorität unter anderen identifiziert – wovon Aula, ein Learning-Management-System für Universitäten, ein Beispiel sei. Florian stellt das Konzept eines ‚ERP für teaching universities‘ vor, bei dem es darum geht, monolithische Legacy-Software-Lösungen für die Verwaltung von Kursen und Studenten durch einen deutlich moderneren Ansatz zu ersetzen. Alex erfragt Details zu den derzeitigen Abläufen an Universitäten und zu den Verbesserungen, die Aula verspricht. Florian erklärt das Konzept – und den ‚hardcore B2B-Markt‘, in dem nicht um Softwarelizenzen für 30-40 Euro gehen, sondern um siebenstellige Beträge jährlich. Sitz des skandinavischen Teams ist London; Pilotkunden seien auf Lehre spezialisierte Universitäten aus dem englischsprachigen Raum.)

17:30

Alex: Wie finden solche Start-ups wie Aula zu euch?

Florian: In diesem Fall kamen sie über einen Business-Angel – und das passiert sehr häufig. Sogar die meisten Deals, die wir mittlerweile machen (und das ist auch bei anderen VCs so), kommen über einen trusted contact. Das können Business-Angel sein, aber eben auch andere Investoren wie Creandum, mit dem wir in letzter Zeit sehr viel gemacht haben. Mit einigen Business-Angels treffen wir uns quartalsmäßig und besprechen, was sie im Portfolio haben und wo Investments demnächst anstehen: Sie dienen als so eine Art Filter.

Wozu wir zudem übergegangen sind: Firmen aktiv ansprechen, anstatt auf den Deal-Flow zu warten. Das hat sich stark gewandelt (und auch hier sind wir nicht alleine). Immer mehr VCs arbeiten mit so Crawlern, die versuchen, mit irgendwelcher Logik Firmen zu identifizieren: Crunchbase wird da zum Beispiel analysiert oder bei LinkedIn die Mitarbeiterentwicklung verfolgt. So wird relativ zeitnah der Anteil von Investments, bei denen wir aktiv die Firmen ansprechen, die 50%-Marke erreichen.

19:35

Alex: Ich werde auch sehr oft darauf angesprochen, ob ich doch nicht den Kontakt zu dir, Uwe oder Thies herstellen könnte. Das ist immer sehr schwierig – vor allem wenn Gründer, die in ihrer Unternehmensentwicklung nicht so weit sind (3-4 Mitarbeiter, gerade mal proof of concept), mir sagen: „Du kennst doch den Florian Heinemann. Der ist doch ständig bei dir im Podcast…“ Dabei ist mein Eindruck, dass ihr mittlerweile Firmen mit einem gewissen Track-Record suchen und nicht mehr in der initialen Gründungsphase aktiv seid. Was ist eigentlich deine Antwort, wenn so ein Gründer zu dir durchdringt?

Florian: Da sage ich: „Alles unter einer Million initiales Investment ergibt für uns keinen Sinn.“ Nun gut: Wenn Alex Graf die nächste Gründungsidee aus dem Ärmel schüttelt, würden wir vielleicht eine Ausnahme machen, weil wir auf jeden Fall dabei sein wollen!

Alex: Das notiere ich mir mal!

Florian: Oder wenn die Flix-Gründer ankommen würden, weil sie – obwohl sie sich wahrscheinlich selbst finanzieren könnten – vom Anfang an VCs dabei haben wollten. Konkretes Beispiel: Als Marco Börries mit Enfore loslegte, haben Leute, die ihn kannten, ihm einfach blind Geld gegeben. So etwas würden wir vermutlich auch machen, wenn die Leute stimmen. Sonst verweisen wir auf unser Netzwerk an Business-Angeln oder so etwas wie den Axel-Springer-Accelerator APX. Solche Programme können sehr nützlich sein, um ein Unternehmen in ein investitionsfähiges Stadium zu bringen.

(Florian will den Zuhörern durch Zahlen vermitteln, wie selektiv Project A vorgehe: Es schlügen jedes Jahr 4.000 bis 5.000 neue Einträge bei Project A in der Datenbank ein, die entweder in einer zu frühen Phase sind oder einfach vom Bereich her uninteressant seien. Allerdings würden immerhin 900 bis 1.000 Erstgespräche pro Jahr geführt. Das heiße: Mit 20% der Unternehmen, die bei Project A aufschlagen, telefoniere jemand aus dem Investment-Team. Am Ende stünden sechs bis acht Investments. Bei EarlyBird, Holtzbrinck, oder Point Nine werde es wohl ähnlich aussehen, so Florian weiter. So sei die Wahrscheinlichkeit, durch kalte Ansprache ein Investment zu ergattern, sehr gering.)

23:30

Alex: Sprechen wir jetzt mal über ein Investment, das was geworden ist: Was ist denn eigentlich Kry? (Und wie spricht man es aus? Wie cry auf Englisch?)

Florian: Kry (mit langem, deutschem y) ist in einem weiteren Fokusbereich von uns angesiedelt: Digital Health. Das ist auch ein sehr gefragtes Feld gerade: Du hast wahrscheinlich die große Finanzierungsrunde von Babylon mitbekommen zum Beispiel (500 Millionen) und Doctor.ly (100 Millionen). Und Kry hat eben auch sehr relevante Runden eingesammelt.

Was Kry macht: Es erlaubt die Durchführung von ärztlichen Beratungsterminen via App – und tut das auf eine Art und Weise die vor allem die schwedische Krankenkasse, aber mittlerweile auch andere in vielen europäischen Ländern, die Kosten dafür übernehmen. Es hat sich hier ein – Achtung: VC-Deutsch! window of opportunity – insofern eröffnet, als die medizinische Beratung per App lange Zeit nicht erlaubt war – oder nur für Folgeberatungen von Patienten, die der Arzt schon einmal offline untersucht hatte. Erst kürzlich sind in Deutschland die ersten Feldversuche gestartet worden.

Denn jetzt wird unter Jens Spahn im Gesundheitsministerium die Digitalisierung vorangetrieben – auch um Ziele zu erreichen wie: bessere medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Allerdings  muss man dazu festhalten, dass die höchste Nutzungsdichte von Kry in Stockholm zu finden ist. Auch dort ist der Anteil der über App durchgeführten Termine aller Arzttermine am höchsten.

Alex: Wie hoch ist denn dieser Anteil?

Florian: Angeblich erreichen Kry plus einige weit weniger bedeutende Anbieter dort einen einstelligen Prozentsatz. Das habe ich aber nicht verifiziert. Was in einigen Ländern mittlerweile schon geht, ist der nächste Schritt: Rezepte ausstellen und einlösen per App. So etwas wäre in Deutschland wegen der starken Lobby der Apotheker noch gänzlich undenkbar…

(In Schweden habe das Gesundheitswesen die Vergütung für über Kry so gestaltet, dass es für Ärzte nicht unattraktiv ist, dort Beratung zu erbringen. Das Modell übertrage sich gerade auf andere Länder – wie zum Beispiel Frankreich. Florian listet die namenhaften Co-Investoren bei Kry auf, um zu zeigen, wie wichtig es Project A ist, andere mit ins Boot zu holen. Wegen der Co-Investoren und Kontakte, die Project A in Schweden pflege, so Florian weiter auf Anfrage, sei der Fokus auf den skandinavischen Ländern entstanden.

Danach will Alex von Florian mehr über ein weiteres Investment in den Nordics wissen: Customer-Service-Plattform Dixa aus Kopenhagen. Dixa vergleicht Florian mit Spryker: Die Idee sei, da man nicht wisse, über welche Schnittstellen Service-Anfragen kommen würden, eine kanalunabhängige Architektur für deren Empfang und Bearbeitung zu entwickeln. Dazu löse Dixa die Ticket-Logik auf und setze auf den Kunden statt auf den einzelnen Vorfall. In einer Plattform-Ökonomie sei Customer-Service entscheidend: Dixa stärke Kundenzentriertheit.)

31:00

Alex: Ich sehe auch, ihr habt in die Firma Sennder investiert, die das lustige Motto im Schilde führt: „Making logistics sexy again!“ In der Runde, in der ihr mitgemacht habt, haben sie 100 Millionen eingenommen – also gar nicht mehr so richtig frühphasig. Was war euer Ratio dort?

Florian: Wäre das die initiale Runde, hätten wir vermutlich nicht mitgemacht. Wir sind aber damals mit Holtzbrinck reingegangen, mit dem wir auch eine Reihe von Investments haben, mit dem wir die Series-A-Finanzierung geteilt haben. Danach kam dann Accel, Lakestar, Next47, die Wagniskapital-Tochter von Siemens, und einige mehr. Wir haben gesehen, dass im Logistics-Bereich was zu tun ist. Davon hängt letztendlich auch der E-Commerce ab: Wenn die Logistik nicht stimmt, wie wir mit ASOS gesehen haben, dann hat das auf die Customer-Experience verheerende Auswirkungen.

Wir glauben, dass ein Amazon zwar solche Themen alleine stemmen kann, die meisten etwas kleineren Händler sowie viele Hersteller aber auf Anbieter angewiesen sind. So haben wir uns eine Reihe von Modellen angeguckt: Es gibt auch eine ganze Bandbreite, von Flexport aus den USA, die alles in der Logistik revolutionieren wollen und mit mehreren Hundert Millionen finanziert sind bis hin zu Sennder, das sich auf einen (allerdings sehr großen) Teilmarkt konzentriert – sogenannte full-truck loads. Das heißt, sie spezialisieren sich auf Kunden, die nicht einzelne Pakete, sondern ein sehr hohes Aufkommen an Sendungen haben, die ganze LKWs auslasten. Da geht es darum, den Fahrten zwischen Standorten des Unternehmens oder zwischen dem Unternehmen und seinen Abnehmern zu optimieren. Sennder kombiniert Angeboten von einzelnen Logistikanbietern zu Lösungen, die wiederum seinen Kunden angeboten werden können.

Das tun letztendlich auch viele bestehende Logistikunternehmen: Auch ein Kühne & Nagel besitzt nur einen Teil seiner Flotte selbst. Da will Sennder mit möglichst wenig Mittelmännern und möglichst viel Technologie ein höheres Maß an Effizienz rausholen. Es entwickelt sich auch super. Auch hier also haben wir uns eine Nische ausgesucht – insofern hattest du Recht mit deiner Aussage vorhin.

(Florian erzählt Einzelheiten dazu, wie Project A zu Sennder fand, wie der Deal eingefädelt wurde und welche Co-Investoren noch dabei sind. Auf Anfrage präzisiert Florian: Es gehe nicht um die Optimierung der Bündelung von Sendungen – Das müssten die Kunden schon selber machen – sondern um das optimale Angebot für den Transport von LKW-Ladungen. Aber allein durch einen effizienten Einsatz von LKWs entstünden deutliche Ersparnisse.)

37:00

Alex: Dann haben wir Lampenwelt, ein spannendes Unternehmen. Aber was trieb euch eigentlich an, hier in einem B2C-Modell zu investieren? Denn sie sitzen wie alle andere unter dem Amazon-Damoklesschwert.

Florian: Man muss es ganz klar sagen: Hätte sich Lampenwelt langsam dahinentwickelt, hätten wir den Deal wahrscheinlich nicht gemacht. Das heutzutage von bei null angefangen aufzubauen, wäre prohibitiv teuer. Aber hier – gemeinsam mit größeren Private-Equity-Spielern – haben wir einen Fall gesehen, in dem wir sehr gut unsere operative Kompetenz einbringen konnten. Wir glauben nämlich, dass Unternehmen, die wie Lampenwelt schon eine gewisse Größe erreicht haben (Lampenwelt ist mittlerweile Marktführer) eine Chance haben, zu bestehen. Das Unternehmen weist eine hohe Profitabilität auf und ist auch im B2B zunehmend relevant – als Anbieter für größer angelegte Beleuchtungslösungen (etwa in Büros) oder als Lieferant für Elektriker. Sie arrondieren ihre Sortiment auch mit Smart-Home-Artikeln. Wir wollen sie in dieser Entwicklung unterstützen. Aus einer bereits großen Firma mit viel Sortimentskompetenz, Eigenmarken und Lieferantenbeziehung gemeinsam mit dem Management eine noch bessere Firma zu machen – Das ist ein realistischer Investment-Case. Heute aber eine solche Firma von null aufbauen zu wollen, wäre nicht realistisch.

(Florian macht kurz eine Rechnung auf, wie viel Geld nötig ist, um mit Investments in B2C-Commerce-Cases durch Effizienzvorteile reelle Aussichten auf einen return on investment zu erreichen – und verpasst nicht die Gelegenheit, einen kleinen Seitenhieb Richtung Rocket Internet auszuteilen. Er unterstreicht: Project A konzentriere sich auf Frühphasen-Investments. Wenn es sich aber mit Partnern ausgewachsene Modelle annimmt, versucht es zum Schutz vor Amazon Bestandskunden, Eigenmarken und Services rund um das Produkte zu entwickeln. Reinen Händlern von Drittmarken rechne er wie Alex gegen den Riesen nämlich nur geringe Chancen aus.)

41:05

Alex: Und zum Abschluss unseres Durchgangs durch euer Portfolio: Micropsi, ein Start-up, dass es Industrierobotern ermöglichen soll, menschliche Bewegungen nachzuahmen… Das ist schon ein bisschen sehr nischig.

Florian: Wobei wir schon einige Investments an dieser Schnittstelle Industrie-Digital getätigt haben. Und neben Digital Health und enabling technologies wie Spryker und Dixa ist das eins der spannendsten Felder. Firmen, die in diesem Bereich unterwegs sind, haben in Deutschland keinen Standortnachteil, sondern im Gegensatz einen -vorteil: Denn Deutschland, Norditalien, Frankreich und Osteuropa (sowie natürlich China und Japan) haben im Vergleich zu den USA eine ganz andere Industriebasis.

Unser Uwe Horstmann ist technisch versiert und Schwabe, kommt also aus einer Gegend mit viel Industrie, und hat sich dieses Bereiches angenommen. Spezifisch zu Micropsi: Wir würden nicht in ein Unternehmen, dessen Ziel es wäre, einen Industrieroboter zu bauen. Hier geht es vielmehr darum, handelsübliche Industrieroboten künstliche Intelligenz zu verleihen. Die meisten führen nämlich nur programmierte Bewegungen aus und sind nicht in der Lage, sich großartig weiterzuentwickeln. Mit Micropsi-Software kann man aber die Roboter in die Lage versetzen, Dinge zu lernen und eine größere Toleranz in ihren Bewegungen zuzulassen. Das ist interessant, weil man damit schlaffe Gegenstände oder Materialien verarbeiten kann, zum Beispiel Kabel in Steckern auf der Rückseite von Kühlschränken einarbeiten. Mit einem normalen Roboter könnte man das so nicht.

(Bei Micropsi sei das Investment allerdings größtenteils eine Wette auf das Team: Wer den Gründer mal persönlich erlebt habe, verstehe warum. Deswegen habe sich Project A etwas weiter weg von seinen üblichen Gefilden gewagt: Hi-Tech-Investments wie Laserhub lagen bislang näher am Commerce daran. Als VC müsse man sich aber auch weiterentwickeln, führt Florian weiter aus, und geht auf die Kooperation mit aus der Viessmann hervorgegangenem Kapitalgeber Vito ein.)

45:55

Alex: Ende September findet die Project A Knowledge Conference statt. Wie kam es dazu, dass ihr nun auch unter die Konferenzanbieter gegangen seid, wie viel Florian Heinemann steckt in dieser Idee und an wen richtet sich das?

Florian: Konferenzanbieter? Kommerziell ist das nicht.

Alex: Aber auch die K5 hat mal ganz klein angefangen!

Florian: Stimmt: auch die OMR war mal ein promotional Event. Kann also passieren, aber die Wahrscheinlichkeit bei uns ist nicht so hoch. Es fing als Austausch an, zu dem wir möglichst viele Portfolio-Gründer und das Management der Portfolio-Unternehmen zusammenbrachten. Letztes Jahr öffneten wir das dann zum ersten Mal auch für unsere Investorenunternehmen wie Otto, Haniel, Axel Springer, Oetker, Deichmann und so weiter. Wir haben aber eine Location mit rund 900 Plätze haben, was für unsere Verhältnisse sehr groß ist, und so werden wir 500 Tickets extern vergeben. Auf der Project-A-Webseite kann man sich dafür bewerben. Die Idee ist es, so eine Art Masterclass-Sammlung mit 30 Workshops zu verschiedenen Themen von CRM über Recruiting und Marketing bis hin zu Technologie und BI – keine Sales-Talks! Wenn ihr also Interesse habt, bewerbt euch einfach!

(Cuanto costa? stellt Alex misstrauisch die Gretchenfrage: Nichts, erwidert Florian, der einige Panels moderieren, sich aber sonst – wie er sagt: gegen seine Natur – etwas zurückhalten will. Alex schließt den Podcast ab mit der Bemerkung, allzu lange könne es bis zur zwölften Ausgabe nicht dauern – und seine Kauf-Order für WeWork-Aktien wolle er natürlich zurückziehen!)

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