Was genau hat enfore.com vor? Im Gespräch mit Seriengründer Marco Börries

enforeMarco Börries hat bereits einige große Unternehmen aufgebaut und verkauft. Seit sieben Jahren arbeitet er nun an seinem Startup Nummer 4 „enfore.com“ . Diese in heutigen Zeiten sehr sehr sehr lange Entwicklungsphase, die scheinbar den Lean Startup Prinzipien widerspricht, hat zu einer entsprechenden Skepsis des Marktes (auch bei mir) geführt. Nun stellen sich viele Marktbegleiter die Frage was er denn genau macht bzw. machen will. Ist der deutsche Bill Gates größenwahnsinnig den weltweit 200 Millionen kleinen Businesses helfen zu wollen, oder doch am Ende genial. Warum konnte er bevor er mit irgendetwas live geht 40 Mio. Dollar (oder mehr) einsammeln und warum sind die Investoren, so sagt man zumindest, immer noch begeistert? Joel Kaczmarek hat sich dieser Frage in mehreren Podcasts mit Marco gewidmet und auch dabei auch versucht das Produkt enfore.com zu beschreiben. Das ist alles andere als einfach. 

Wer lediglich die Hardware und Software sieht, mit der enfore zurzeit die klassischen Messen besucht, könnte meinen, dass das „nur“ das nächste Kassensystem ist, quasi ein besser finanziertes Inventorum oder ein ganzheitliches Sumup, izettle usw.. Ich bin mit einer ähnlichen Erwartungshaltung in das Gespräch gegangen, aber das was Marco vorhat, nämlich eine Software/Hardware Plattform für SMB zu bauen, macht auf jeden Fall sehr viel Sinn. Er denkt halt sehr groß, ungewöhnlich groß für deutsche Verhältnisse und entsprechen groß ist die Fallhöhe. ABER: Der Markt ist da, die Nachfrage ist da, der Wettbewerb ist überschaubar. Dafür muss man aber erst einmal verstehen, was Marco genau macht. Das Interview hilft hoffentlich dabei, dass ihr das auch versteht. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf das erste echte Kundenfeedback.

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Kleinunternehmen und Technologie mit Marco Boerries, N4

PODCAST & Interview Transkription – für alle Leser, die Audio & Video nicht so gerne konsumieren. Die Transkription wird gesponsert von PAYBACK – hier mehr erfahren und App herunterladen.

Marco ist der Gründer von N4 (ehemals NumberFour), das nach siebeneinhalb Jahren Entwicklung vor zwei Wochen mit einer Technologie-Plattform für Kleinunternehmer an den Start gegangen ist. Die beeindruckende Tech-Vita Boerries‘ reicht bis ins Jahr 1985 zurück: Aus der damaligen Gründung Star Division wurde StarOffice und letztendlich OpenOffice.org. Nach dem erfolgreichen Exit (Verkauf an Sun Microsystems) baute er im Zusammengang mit dem deutschen Sparkassenverband das bekannte Produkt StarMoney. Seine dritte Firma Verdisoft, die der Cloud-Computing-Revolution zuvorkam, verkaufte er 2005 an Yahoo – und ging mit in den Konzern, bis er 2009 ausschied und sich seiner vierten Firma – „Nummer Vier“ – verschrieb.

„Wir haben uns diese siebeneinhalb Jahre nicht gelangweilt“

4:30

Alex: Eigentlich machen wir keine Interviews mit Technologie-Providern hier im Podcast, sondern nur mit Händlern. Aber du drehst mit N4 an einem sehr großen Rad: Deine Technologie ist seit einigen Jahren in der Entwicklung. Das stellt quasi das Gegenteil vom Start-up-Verfahren dar. Wie ist eure Herangehensweise und wer sind eure Kunden?

Marco: Von unseren Kunden – Kleinunternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern – gibt es auf der Welt rund 200 Millionen. Diese wollen wir mit unserer Technologie langfristig versorgen. Wir verbieten es dabei keinem, der etwas größer gewachsen ist, die Software zu benutzen: Auch wir nutzen unser eigenes Produkt und werden größer werden. Aber wir optimieren auf Small Businesses.

An diesem Segment haben sich schon viele Firmen aber die Zähne ausgebissen. Das liegt daran, dass diese zusammengenommen zwar den größten und wertvollsten Markt der Welt sind, aber einzeln ist es schwierig, gewinnbringend an sie zu verkaufen. Zudem sind sie sehr heterogen aufgestellt. So hat es keiner in den letzten 40 Jahren geschafft, dieses einzig noch unbeflecktes Segment als Global Player zu dominieren.

Darüber mache ich mir seit über 20 Jahren Gedanken, weil Kleinunternehmen schon damals bei StarOffice meine ersten Kunden waren. Für sie habe ich eine sehr hohe Affinität. Heute – noch mehr als damals – bin ich der Überzeugung, dass – ob großes oder kleines Unternehmen – man in dieser unseren Connected World absolut die gleiche Technologie braucht. Weil Konsumenten da keinen Unterschied machen. Bei Amazon oder beim Kiosk um die Ecke will ich doch das gleiche Service-Niveau haben. Nur haben Kleinunternehmen nicht die Ressourcen.

7:30

Alex: Was kann denn so ein Zwei-Mann-Betrieb nicht – sagen wir mal: Ein Schuhladen –, was ein größeres Unternehmen wie Deichmann kann?

Marco: Vielleicht mal vorweg: Unser erstes Marktsegment sind lokale Dienstleister und Händler. Unter ihnen teilen wir in die drei Hauptbereiche Hospitality (Gastronomie, Hotellerie, Essen zum Mitnehmen), Retail (Nahrungsmittel, Specialty, Mode) und Services (Personal – Frisör, Beauty & Co. – sowie Maintenance/Repair – Reinigung, Schusterei, usw.).

Alex: Und was kann der Frisör nicht, was Amazon kann?

Marco: Frisör-zu-Amazon ist ein schlechter Vergleich. Was der Frisör aber schon braucht: Er möchte gern eine andere Kommunikation mit seinen Kunden haben, angefangen bei Online-Reservierungen. Dann geht es über die Koordination von Wareneinkauf und Mitarbeitern bis hin zu Business Intelligence: Wo und wie verdiene ich Geld? Es geht also um interne und externe Kommunikation, Einkauf, Vermarktung, Markenführung. Als das beherrschen Großunternehmen perfekt. Ob aus mangelnden Ressourcen oder nicht vorhandenem Wissen stehen da aber Kleinunternehmer vor einem Riesenberg.

Alex: In einem Punkt will ich widersprechen. Das Nutzerinteresse sehe ich genauso: Dass der Kunde mal online sehen will, was der Kleinhändler gerade so auf Lager hat oder beim Frisör einen Termin buchen will, leuchtet mir ein. Ich bin aber nicht der Meinung, dass große Konzerne hier unbedingt einen Vorteil haben. Um Technologie herum aufgebaute Unternehmen wie Amazon, Google, Facebook: Klar. Aber Karstadt und MediaMarkt sind auch große Konzerne. Die kriegen nicht mal triviale Sachen hin wie Service über WhatsApp oder Inventarabbildung online über mehrere Filialen hinweg.

Marco: Gebe ich dir komplett recht. Und das ist deine Aufgabe: Denen zu helfen. Meine ist es, den Kleinunternehmern zu helfen. Ich möchte nämlich nicht in einer Welt leben, wo es nachher nur noch Amazon, Uber, Vapiano, Zara und und und gibt. Unsere Richtlinie lautet: Helping to run your small business. So bleibt uns Diversität erhalten. Dann gibt es nicht nur Amazon, sondern auch das, was die Amerikaner „Main Street“. Die Tante-Emma-Läden und die belebten Innenstädte.

11:30

Alex: Aber gibt es nicht bereits viele Infrastruktur für so kleine Unternehmer in Städten wie Berlin? Diese ganzen EC-Kartenzahlungs- und Tischreservierungsdienste, einfach auf der eigenen Webseite einzubinden? Der Markt wurde nicht komplett links liegen gelassen.

Marco: Nein, das wurde auf gar keinen Fall.

Alex: Aber warum skaliert das nicht? Warum gibt es auch 2017 keine EC-Kartenzahlung bei meinem Lieblings-Italiener? Warum gilt es schon als fortschrittlich, wenn die Webseite unter drei Jahre alt ist? Und: Wie wollt ihr es anders machen?

Marco: Ein Großunternehmen sucht sich das zusammen, was es braucht: Dies nehme ich von Oracle, das von SAP, und jenes von IBM… Das integriert dann alles eine große Beraterfirma in Zusammenarbeit mit meiner großen IT-Abteilung. Kleine Unternehmen haben natürlich auch die Wahl bei der Lösung für Online-Reservierungen und dann wieder bei der Buchhaltung und der Bezahlung und der Warenwirtschaft und und und. Aber da muss sich das arme kleine Unternehmen in sechs-sieben Bereichen das richtige aussuchen und die Integration selber machen. Mal von den Kosten abgesehen: Das funktioniert nicht.

Deshalb war uns vom Anfang an klar, dass wir eine integrierte Plattformlösung anbieten mussten, die alle Aspekte eines Unternehmens abbildet. Das läuft in der Cloud und wird mit verschiedenen als Apps abgebildete Workflows marktgerecht aufgebaut. Gerade für unser erstes großes Segment local businesses haben wir aber festgestellt, dass es nicht nur eine Frage der Software ist.

Es geht auch um Hardware am Point-of-Sale. Da kann ich nicht mit 10 iPads und neuen Terminals kommen, für die man dann Scanner braucht und sich überlegen muss, wie man den Drucker angeschlossen bekommt. iPad ist ja ein tolles System –Android-Tablets sind es auch. Nur haben wir mit unserem eigens in Deutschland entworfenen Hardware ein auf Unternehmen zugeschnittenes System entwickelt, gestützt durch einen Software-Service, der das Ganze dann perfekt verbindet. Dazu sind die Konditionen extrem attraktiv.

(Alex hält Einzelteile des Systems in die Kamera und fragt, ob das als „SAP für Arme“ –, als werdendes Ökosystem – verstanden werden kann, dass zunächst über neue Kassen an den Mann gebracht wird.)

16:20

Marco: Genau richtig: Wir haben zuerst die Plattform entwickelt, die alle Aspekte abbildet: Buchhaltung, Contact-Management, Lieferanten-Management, Personalführung, Warenwirtschaft, Reservierungs- und Bestellungshandling. Für uns ist die Kasse dann ein Use-Case in den Markt hinein.

Auf diese Plattform haben wir dann verschiedene Workflows abgebildet. Teile davon laufen auf unserem Hardware, Teile davon aber auf deinem iPhone oder iPad, weil das anders gar nicht sinnvoll ist. Das Ganze ist dann über die Cloud als eine Plattform verbunden. Dabei ist das als offenes System konzipiert. So haben wir die Basisform vor über einem Jahr als NVGS Open-Source angeboten. Das ist eine komplette Entwicklungsumgebung, in denen Developer unsere Apps veredeln oder sogar ersetzen können.

So können Extra-Funktionen extern entwickelt werden. Aber die Plattform bleibt homogen in der Bedienung und sicher, zuverlässig. Aber alle wichtige Funktionen bieten wir schon als Basis in der Plattform und als Workflows an. Sie können dann auf gewisse Branchen spezialisiert werden.

Alex: Was ich aber am Konzept noch nicht verstehe: Google Places hat es schon sehr einfach gemacht, sich im Netz zu präsentieren – und selbst dazu haben viele Kleinunternehmer keine Zeit, Kompetenz oder Lust. Wer wird dieses System also integrieren und imstande halten bei euren Kunden?

Marco: Das Ganze ist auf einfache Selbstbedienung ausgelegt. Es werden aber schon Partner aufgebaut, die bei der Integration Value-Added-Services anbieten werden. Dabei ist der Internet-Auftritt ein Element.

(Marco erklärt anhand eines fiktiven Bio-Ladens, wie im Einzelnen die Einbindung der Plattform erfolgt und welche Vorteile das bringt: Warenwirtschaft in-store und online mit Shopping-List-Funktion, Kundenkommunikation per WhatsApp und Facebook-Messenger mit Bots, usw. Das schöne dabei sei: Da die äußere Darstellung mit inneren Abläufen verbunden werde, sei die Zeit der seit drei Jahren toten, einst an den Lieblings-Italiener verkauften statischen Webseite vorbei. Wer im System einen Rabatt reinstellt, kann das automatisch auf der Webseite aussteuern. Ein Reservierungssystem sei in zwei Klicks eingerichtet. Dabei gehe es auch um Facebook und andere Arten der Online-Präsenz.)

22:50

Alex: Angenommen, Webseiten sind in Zukunft nicht mehr so wichtig. Dann muss es auch euer Anspruch sein, in Voice-Umfelden wie Amazon Echo verfügbar zu sein. Frage ich: „Hey, Alexa, welches Restaurant hat heute noch in Kiel einen Tisch frei?“, dann müsstet ihr all die heute noch nicht digitalisierten Restaurants da einbringen.

Marco: Richtig, auch das ist unsere Aufgabe. Wir als Konsumenten haben heute schon alle Endpoints, über die wir erreichbar sind – Google, Facebook, Apple, Amazon – und das Ziel von N4 ist es, unseren Kunden auch dort mit ihren Kunden zu verknüpfen. Daran haben übrigens auch die Plattform ein Interesse. Aber da wie gesagt diese Kleinunternehmen noch nicht digitalisiert sind, ist es noch schwierig, ihre Bestände und Dienstleistungen dort zu katalogisieren.

Deswegen machen wir es Kleinunternehmern möglich, mit einem Klick eine Webseite zu veröffentlichen, in WhatsApp reinzugehen, auf Facebook oder Google MyBusiness zu erscheinen. Wir syndicaten das Inventar der Unternehmen: Als Restaurant können wir freie Tische mit OpenTable & Co. abgleichen. Und wenn Amazon Echo dann mit einem Tischreservierungsdienst kommen sollte, binden wir das ebenfalls ein.

Ich als Konsument will das. Ich möchte sagen können: „Ich will jetzt Sushi essen“ und dann die Besten angezeigt bekommen – idealerweise sogar mit meinen Facebook-Freunden querverglichen, damit ich mal sehen kann, ob sie schon bei einem davon waren und es bewertet haben. Dann hätte ich gern die Option, sofort zu reservieren. Damit das so funktioniert, brauchen Facebook & Co. aber Inventory. Was wiederum nur geht, wenn diese ganzen Kleinunternehmen als Connected Businesses präsent sind. Das ist die Essenz unserer Mission – ob im Laden oder durch die Leitung.

26:00

Alex: Bei mir in der WhatsApp-Gruppe war eine der meistgestellten Fragen: „Siebeneinhalb Jahre und für deutsche Verhältnisse sehr ordentliche Kapitalausstattung. Warum dauert das dann so lange?“ Du bist ja kein Gegner des Lean-Start-up-Prinzip. So wird es wohl seinen Grund haben, warum ihr euch so viel Zeit gelassen habt.

Marco: Zunächst einmal: Es gibt nicht nur eine Straße die nach Rom führt. Dabei ist klar: Für so eine E-Commerce-Webseite darf man sich nicht so viel Zeit lassen. Da wäre der Markt weg. Wir lösen aber ein hochkomplexes Problem. Es hat ja einen Grund, dass Tausende Firmen in diesem Segment schon an der Herausforderung gescheitert sind, global dominant wie Facebook oder Google zu werden. Ihnen mangelte es weder an Kapital noch an Intelligenz.

Wir kommen mit einem komplett neuen Ansatz, angefangen bei der Integration. Was aber im Umkehrschluss heißt, dass man wirklich eine ganze Menge Komponenten bauen muss. Das sind schon sieben oder acht Start-ups. Dann muss man sich überlegen, wie das Geschäftsmodell aufgestellt werden soll. Kleinunternehmen sind – wie ich eingangs erwähnte – als Aggregat wertvoll, als Einzelstücke aber nicht so attraktiv. Diese zwei Punkte können nicht getrennt voneinander entwickelt werden. Und wenn das Ganze auch offen sein soll, geht es darum: Wie können Dritte Anwendungen schreiben, die sicher und zuverlässig sind, einfach zu entwickeln – und die trotzdem in die Umgebung reinpassen? Das hat Apple mit iOS geschafft. Aber ansonsten kommt da Kraut und Rüben raus… Dann muss auch noch der neue UI-Framwork automatisch skalieren – vom kleinen Phone bis hin zum 20-Zoll-Bildschirm. Das, um nur ein paar Details zu erwähnen…

(Alex will wissen, welche Komponenten und Ideen am Längsten gebraucht haben. Marco antwortet, die Plattformentwicklung zog sich am Längsten hin. Eine grundsätzliche, tiefgehende Arbeitsweise führte zu vielen Entwicklungsschleifen und mehrfachen Neustarts. Und anfangs dachten sie, alles könne über iPads laufen – bis sie merkten, eigene Hardware sei nötig. Zwar sei die Plattform auch auf iPads und Android-Geräten verfügbar, aber solche Geräte seien einfach nicht auf Retail-Bedürfnisse hin entwickelt worden und würden daher keine tragbare, skalierbare Basis bilden.

Angefangen im Jahr 2013 resümiert Marco die Geschichte der Entstehung des Geschäftsmodells, der Technologie und der Hardware – und geht dabei mit den bestehenden POS- und Payment-Terminal-Lösungen hart ins Gericht. Sowohl von der Geräte-Technologie als auch vom Geschäftsmodell her sei vieles auf dem Markt anspruchsvollen Kleinunternehmern nicht zumutbar. Bestehende Systeme seien altmodisch und daher einfach zu disrupten.

Alex gibt zu Protokoll, dass er den Reiz eines einheitlichen, einfach zu bedienenden Umfelds für Kleinunternehmer durchaus nachvollziehen kann. Nur: Probleme mit Klein-Klein und Systemintegration hätten auch größere Unternehmen.)

36:20

Alex: Werden wir zur Verdeutlichung deines Konzeptes mal konkret. Ich habe ein Restaurant. Muss ich mir das so vorstellen, dass euer Umfeld mit einem eignen Tischreservierungssystem kommt? Oder stelle ich bei euch meine Tischaufstellung rein und hole mir eine App von einem Dritten dazu, die das auf meiner Webseite gut darstellt? Wo hört eure Softwareleistung auf genau?

Marco: Wir haben ein Reservations-Modul. Dort trägst du ein, was für Services du gerne anbieten willst, also: Mittags? Abends? Afternoon tea, was zur Kaffeezeit? Dann trägst du deine – Entschuldigung: Anglizismus (wir verwenden so viele) – time-based resources – ein: In diesem Fall sind das die Tische, die du hast und wieviel Plätze sie haben. Super schnell, super einfach. Dann fangen wir an, das alles stationär und online zu verwalten. Im zweiten Schritt kannst du deinen Kunden Zugang dazu auf deiner Webseite anbieten. Dann generieren wir das als Online-Präsenz und es läuft alles integriert: Alles wird synchronisiert. Genau wie wenn du als Händler deine Warenbestände über Amazon organisierst: Dann synchronisieren wir das zu eBay, zu Etsy, usw.

38:30

Alex: Okay. Was ist denn mit CRM? Ich will als italienisches Restaurant die Kunden, die in den letzten Jahren besonders oft hier waren, zum 10. Jubiläum einladen. Online-Pure-Plays haben Mailing-Listen von Kunden und professionelle Lösungen. Bislang habe ich einen Zettel mit paar Namen neben der Kasse liegen. Kann man das über euer System besser machen?

Marco: Ja, das ist ein Stanadard-Use-Case bei uns. Das Interessante ist nämlich, wie einfach du das bei uns machen kannst. Du sagst unserem System: „Ich möchte eine Promotion für Stammgäste machen.“ Du musst das nur definieren: Sind es die Kunden, die mehr als viermal da waren, oder die, die soundso viel Umsatz gemacht haben? Möchtest du die zu einem Event einladen oder soll es beim Bezahlen mal einen Rabatt geben? Alles binnen weniger Klicks machbar. Wir haben uns diese siebeneinhalb Jahre nicht gelangweilt.

(Marco erklärt daraufhin andere Aspekte der Arbeitsweise während der Entwicklung.)

Die Daten, die wir über so viele Kleinunternehmen generieren, können wir dann ebenfalls nach Auswertung für unsere Kunden einsetzen. Denn sie können sich keine Pricing-Experten und keine Marketing-Berater leisten. Aber nach drei-bis-fünf Jahren können wir zu denen gehen und sagen: So, hier hast du mal einen Consultant. Der kostet dich aber jetzt nicht $5000, sondern nur noch $50 im Monat.

42:00

Alex: Wo steht ihr denn heute genau? Kann ich schon heute in Deutschland euer Device kaufen und bei mir reinstellen?

Marco: Noch nicht: Es sei denn, du bist einer von unseren Pilotpartnern. Vor einigen Wochen haben wir in Hamburg, Berlin und ein paar anderen Städten in Deutschland gestartet. So stehen unsere Devices nicht nur auf Messen, sondern auch live bei Kunden herum. Das ist der letzte Schritt, in dem wir verifizieren müssen, dass das alles so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Diese Phase dauert schlimmstenfalls vier Monate. Danach wird jeder diese Geräte kaufen können. Dafür haben wir in Deutschland einen sehr großen Go-to-Market-Partner. Im Laufe des Sommers fangen wir dann mit Piloten in den USA an.

Alex: Sind die Probleme für kleine Frisören, Restaurants, usw. dort die gleichen?

Marco: Im Grunde genommen vergleichbar, wobei viele Details anders sind – etwa Sales Taxes, so lokale Abgaben, über die Städte und Gemeinde örtliche Projekte wie Bibliotheken oder ähnliches finanzieren. Da kommen dann hier und da zwei-bis-fünf Gebühren von so 0,1% auf der Rechnung darauf. Buchhaltung ist durchaus ähnlich, wenn allerdings mit anderen Regeln. Das sind Punkte, die wir vorher recherchiert haben, damit wir für unsere Zielmärkte Pricing- und Taxation-Engines liefern können. Da haben wir uns genauestens informiert und vorzeitig Trademarks eingetragen. Es ist nicht so, dass wir kurzfristig sagen: „Oh, ja, lass mal in die USA.“ User-Interface-Texte übersetzen ist zwar einfach, aber es sind andere marktspezifische Dinge, die bedacht werden wollen. Wer das zu spät macht, hat dann in der Tat ein Problem. Das gilt auch für Device-Zertifizierung.

Unsere Webseite ist übrigens schon für Interessenten unter www.enfore.com zugänglich. Da könnt ihr komplett kostenlos ein Account beantragen.

(Alex fasst zur Einstimmung auf das letzte Gesprächsthema seine Theorie der Plattform- oder GAFA-Ökonomie kurz zusammen: Es gehe ja nicht mehr um Assets, sondern um Kundenzugang. Letzteres behaupten lokale Geschäfte gut im Griff zu haben. Laufen doch die Kunden tagtäglich an ihnen vorbei.)

46:00

Alex: Glaubst du, dass bald auch Klein- und Kleinstunternehmen ihre Kunden über Portale wie Google, Apple, Facebook und Amazon werden aktivieren müssen? Und müssen sie dann Geld abdrücken, damit sie prominent gelistet oder sogar überhaupt angezeigt werden?

Marco: Prinzipiell teile ich deine Sicht der Entwicklungen, wenngleich ich einiges differenzierter sehe. Aber diese großen Plattformen gibt es und sie stellen schon den Entry-Points in die Connected World dar. Und das ist einer der Hauptpunkt für N4: Kleinunternehmen die Möglichkeit zu eröffnen, dass ein Google, Facebook, oder Amazon sie promoten kann. Es geht nicht darum, ihre Listings zu erstellen. Sondern diese Unternehmen mit den Leuten zu verknüpfen, die gerade was kaufen oder einen Tisch reservieren möchten. Zudem: Google bietet zwei Optionen an – organischer oder gekaufter Traffic…

Alex: Gefühlt gibt es die erste Option nicht mehr!

(Alex erklärt, wo aus seiner Sicht die organische Optimierung schon heute nicht mehr funktioniert – und wo morgen der Schuh drücken wird. Beispielsweise viel mehr in ortsgebundenen Nachfragen wie „Handwerker Hamburg“. Marco widerspricht: Es wird immer organischen Traffic geben: Wenn er dem Wirt beim Lieblingsitaliener eine SMS schreibt, um einen Tisch zu reservieren, sei das ein direkter Zugang. Da komme Google gar nicht dazwischen. Aber wenn der Kunde noch nicht festgelegt sei, gehe es um Kundenakquise. Derzeit könnten Kleinunternehmen in dieser Phase noch nicht mitspielen. Genau da wolle N4 ihnen helfen.)

50:15

Marco: Und genau deswegen interessieren sich Plattformen für das, was wir tun. Weil man hier Kleinunternehmen endlich mal ein Angebot machen kann: Da wird es für den Händler interessant und er ist in der Lage, dafür zu zahlen. Solange das System von den Kleinhändlern die Akquisekette aber nicht abbildet, kann dieses Marketingpotenzial niemals genutzt werden.

Alex: Das stimmt, wobei ich nicht ganz bei dir bin. Denn natürlich versuchen schon Google und Facebook, dieses Lokale anzuzapfen und das Werbebudget, das heute noch in kleinen Tageszeitungen reinfließt, für sich zu vereinnahmen. Wird das also doch nicht irgendwann sein, dass ich auch für eine gute Platzierung bei Amazon Echo werde zahlen müssen? Das könnt ihr auch nicht verhindern, oder?

Marco: Nein. Ich verfolge diese Ökosysteme, seitdem sie entstanden sind. Aber ich glaube, dass der organische Traffic – also, wenn ich bei Alexa sage: „Ruf mal Mario an“ oder „Geh mal auf Marios URL“ – immer kostenlos sein wird.

(Hierfür werde Konkurrenz am Markt oder – im Fall eines wirklichen Oligopols – die Regierung schon sorgen. Deswegen sei es für Kleinunternehmer wichtig, so viel über seine Kunden zu wissen, dass so ein direkter Zugang entsteht. Zum Schluss erklärt Marco, wie genau N4 Kunden ansprechen und die ersten Geräte verkaufen will.)

Alexander Graf, 35, E-Commerce Unternehmer & Autor, Gelernt und erste M&A-Tätigkeit bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Shop Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

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5 Antworten

  1. Sascha sagt:

    Das Transkript hat mich jetzt echt nerven gekostet. Oben im Titel steht enfore.com und ich frage mich, warum die Seite jetzt n4.com heißt 😀

  2. Was meinst du mit „Nerven gekostet“? Zu lang, schwer verständlich…..? Das ist das vierte Startup von Marco Börries „Number 4“ == „N4“ == „enfore“ Man spricht es „NVOR“ 🙂

  3. In wie weit wird die Dienstleistung von enfore nur eine Vermittlungstätigkeit sein? Soll heißen, das enfore nur hilft auf die Plattformen (Google, Amazon …) zu kommen – sozusagen den Vertrieb übernimmt.

  4. Die im Transkript angegebene URL http://www.n4.com ist nicht richtig. Diese gehört zu einem Fitnessclub. Zumindest komme ich da raus.

  5. Danke dir. Das habe ich angepasst.