Fressnapf auf dem Weg zur Plattform oder eher in Richtung (Amazon-) Futter?

In den vielen Jahresrückblicken und Zukunftsprognosen ist der Handel mal wieder nicht gut weggekommen. Niemand geht mehr in die Innenstadt – alle schauen auf Amazon. Ich bleibe bei meiner “Prognose” zum Handel 2025 (Welcher Handel?) und glaube, dass wir in einer Plattformökonomie einen Markt einiger hochspezialisierter Händler + den Platformen sehen werden. Die mittelmäßigen Händler verschwinden, in der Innenstadt und online. Umso spannender bleibt deshalb für mich die Frage, ob es die bisher spezialisierten (Offline) Händler schaffen den Shift in die Plattformökonomie zu meistern. Beim Duftspezialist Douglas scheint es bereits schwer zu sein, bei Drogeriekönig Rossmann wird aller Voraussicht nach der Shift erst eingeleitet, wenn es schon zu spät ist. Dabei wäre für diese beiden Unternehmen der Shift (noch) sehr einfach zu handhaben. Dafür müsste man aber aber auf liebgewonnene Strukturen (Flächen) und Konzepte (IT = Cost Center) verzichten und das ist mit dem bestehenden Management bzw. Gesellschafterstruktur nicht möglich.

Aus diesem Grund habe ich mich sehr gefreut, dass mit Fressnapf nun ein weiteres Unternehmen das Ziel ausgerufen hat eine Plattform zu werden. Mit dem Progamm “Challenge 2025” möchte Torsten Toeller sein Unternehmen zur Plattform machen, schreibt die LZ:

Ein wesentlicher Eckpfeiler ist dabei eine Plattform-Strategie: „Im Jahr 2025 verstehen wir uns als der Marktplatz rund ums Tier“, skizziert Toeller das Modell. „Wir verbinden auf einzigartige Weise Produkte, Services, Informationen und Tierhalter mit ihren Tieren“, so der Gründer des Fachhändlers. Dies gelte für die Läden ebenso wie für das digitale Geschäft. Dem Vernehmen nach kann sich der Marktführer im stationären Tierbedarfshandel dabei auch vorstellen, im Rahmen des Marktplatz-Modells mit Dritten zu kooperieren. Dies gilt zum Beispiel für Service-Angebote, aber auch für den Verkauf von Artikeln.

Oha, bei Fressnapf scheint es noch eher um eine Plattform aus dem Web 2.0 Zeitalter zu gehen – Community und so. Das ist natürlich grober Unfug wie die vielen gescheiterten Community Ansätze zeigen, aber es bleibt etwas Hoffnung mit dem Hinweis auf das Drittgeschäft. Kleiner Reminder: Darum geht es in der Plattformökonomie. Spezialisten wie Fressnapf sind grundsätzlich in der Lage für ihre Kategorie den Kundenzugang zu kontrollieren und können diesen dann im Rahmen von Servicegeschäften weiterverkaufen. Das eigene Handelsgeschäft wird dann aus Ertragssicht zunehmend irrelevant. Plattformökonomie bedeudet den Zugang zum Kunden zu verkaufen. Diese Sicht ist aus Sicht stationärer Händler radikal, aber so funktioniert nunmal der Markt. Fressnapf hängt aber scheinbar noch in einer Zeit fest, die in vielen Branchen schon längst vorbei ist. Im Kampf um die stationäre Marktführerschaft werde noch immer Filialen en masse geöffnet (Euronics geht – Fressnapf kommt). Und genau aus dieser Perspektive heraus schaut Fressnapf auf den Onlinehandel – als weiterer Kanal im Multichannel Mix. (siehe LZ).

 „Wir müssen und werden online schneller ausbauen“, gibt Fressnapf-Inhaber Torsten Toeller die Zielrichung vor. Der Händler habe zu lange separat auf die Profitabilität des Online-Kanals geschaut, der bestenfalls eine schwarze Null schreibe. Entscheidend, so Toeller, sei allerdings die Sicht auf den Kunden: Cross-Channel-Nutzer, die beide Kanäle nutzen, kaufen pro Jahr durchschnittlich doppelt so häufig bei Fressnapf ein wie stationäre Kunden. Wer online bei Fressnapf shoppt, kommt zudem häufiger in die Märkte – und kauft mehr Markenprodukte, wie die Daten der Krefelder zeigen.

Bevor ich im Detail auf die Situation von Fressnapf eingehe, lohnt ein Blick auf den Gesamtmarkt, der immer recht ansehnlich in den Börsenunterlagen von Zooplus erklärt wird. Zooplus sieht sich selbst als die Nr. 2 im Heimtiermarkt, hinter Fressnapf und geht von einem schnell wachsenden Onlineanteil in diesem Markt aus. Über den Zeitraum kann man sicher diskutieren, aber das wird sicherlich in den nächsten 5-10 Jahren so eintreten, falls dieser Markt analog zu vielen anderen Märkten funktioniert.

In diesem (Online) Markt wächst Zooplus, aber viel stärker als Fressnapf, dass mit vergleichsweise sehr niedrigen Onlineanteilen auskommen muss und seine Prozesse und Systeme noch 100% auf Filialgeschäfte ausgerichtet hat.

Die Strategie von Zooplus muss in einem separaten Beitrag diskutiert werden. Sie fokussieren darauf sehr schlank und effizient zu wachsen – eine Strategie die in 2018 nicht von der Börse belohnt wurde (-20%) und die bisher auch nur sehr überschaubare Renditen generiert.

Diese Zahlen hat sich Nils Seebach vor eine Jahr schon angeschaut und ist ob der Konkurrenz zu Amazon eher skeptisch, aber lest gerne selbst nach! Nun muss man sich mal versuchen in die Lage von Fressnapf zu versetzen, einer fantastischen Wachstumsstory bis Fressnapf anfangen musste seine Systeme für die Onlinewelt vorzubereiten. Vor der Konsolidierung der Fressnapf Holding in die Allegro Invest SE hat das Unternehmen sehr schöne Renditen produziert. Danke Northdata an dieser Stelle für die schöne Aufbereitung der Bundesanzeiger Daten! Nach der Konsolidierung ist nicht mehr 100%ig nachvollziehbar wie das Geschäft von Fressnapf läuft, aber die Gewinne wachsen seit ein paar Jahren nicht mehr mit de Umsatz mit.

Die Umsatzrendite schrumpft also, weshalb der aktuelle Elan in Richtung Plattformstrategie durchaus nachvollziehbar erscheint. Torsten Toeller hat bei mir zu diesem Thema 2015 bereits einen bleibenden Eindruck hinterlassen, als er bei einem Vortrag auf dem ECR Tag vor knapp 1.000 Teilnehmern die folgende Aussage (Gedächtnisprotokoll) gemacht hat.

Die Einführung von Hybris im Zusammenspiel mit SAP hat das Unternehmen nahe an den Abgrund geführt.

Die Aussage in der Runde fand ich schon recht krass, weil es eben genau dieser Torsten Toeller war, der die fressnapf IT in den 20 Jahren zuvor auf kleiner Flamme geführt (Fokus Filiale) hat und die mit aller Gewalt herbeigeführten SAP Projekte nicht dazu dienen können digital nach vorne zu kommen, sondern eher die überholten internen (IT) Strukturen elektrifizieren. Und auch das geht oft schief, wie easyjet auch gerade erfahren musste (73 Millionen Abschreibung durch SAP Hybris Projekt). Aber durch diesen Prozess gehen gerade viele Unternehmen und die Frage ist dann eher was sie daraus lernen. Torsten Toeller sagt auf jeden Fall Dinge, die ich nur sehr schwer nachvollziehen kann – nachzulesen im Interview mit dem IFH:

Mit unseren Partnern gehen wir sehr bewusst auf diese Reise. Denn wir erkennen den wechselseitigen Mehrwert zwischen stationärem Handel und online. Du kannst heute (noch) keine so individuelle, nahe und direkte Beratung online umsetzen, wie das im persönlichen Gespräch möglich ist. In unseren Läden finden Emotionen rund um deine Liebe zum Tier statt – das wird online nicht funktionieren. Aber online kannst du als Kunde besser vergleichen, dich besser informieren, dir rund um  die Uhr, 24/7 deinen Input holen oder eben auch bestellen.

Dazu passend auch ein Interview von 2017:

Das klingt für mich eher nach dem Gegenteil einer konsequenten Plattformstrategie. Das ist nichts Halbes und nichts Ganzen. Nach dem Interview dürften bei Zooplus die Korken geknallt haben. Und auch SAP kann sich freuen, weil sie nun noch mehr Software implementieren können, um die bestehenden SAP Lösungen in einem Multichannel Kontext überhaupt bedienbar zu machen:

Bisher arbeiteten die Fachbereiche in erster Linie mit Excel-Listen, um verkaufsfördernde Maßnahmen wie etwa Handzettel für die Märkte, Online-Kampagnen oder kundenspezifische Kampagnen lokal zu planen und zu steuern. „Künftig werden wir diese Prozesse global harmonisieren“, erläutert Cranz, der künftig sämtliche Promotions aller Landesgesellschaften zusammenführt.

Vom manuell geplanten Handzettel zur Plattform klingt für mich eher nach Challenge 2050, wenn weiterhin die Neueröffnung von Flächen im Fokus steht. Auf jeden Fall darf man nun schon zur 1.500sten Filiale gratulieren, aber das dürfte 2025 viel zu wenig sein, um den dann schon starken Onlinekanal ordentlich zu bedienen. Wenn man den Marktzahlen glauben schenken darf, dann wächst das Segment vor allem Online. Offline bleiben dann nur noch Verdrängungsstrategien, die zunehmend teurer werden.

Was bleibt: Man muss Torsten Toeller großen Respekt dafür zollen, so ein Unternehmen mit knapp 2 Mrd. Umsatz und hunderten Mio. kumulierten Gewinnen in den letzten 25 Jahren aufgebaut zu haben. Das haben nur wenige in dieser Form geschafft. Der Shift in Richtung online wurde vor spätestens fünf Jahren verschlafen und vermutlich fährt der Onlinezug nun komplett ohne Fressnapf ab, die 2025 vielleicht mit 2.000 Filialen dastehen und dann den Wettbewerb von Zooplus und Amazon erst so richtig spüren. Wie schon im Rossmann Artikel kann man die Situation aus grundsätzlich zwei sehr verschiedenen Richtungen betrachten.

A: Fressnapf bleibt stationär relevant und Online ist “nur” ein Kanal: Das dürfte die Sicht der Fressnapf Geschäftsführung sein. In diesem Fall kann man ihnen nur vorwerfen, dass die IT Projekte zu langsam und inkonsequent durchgeführt werden, von personellen Querelen mal abgesehen. Dann müssten sie in der Lage sein in 2019/2020 deutlich mehr Profit zu generieren. Warten wir mal die Finanzdaten ab. Für 2017 sind Ende Januar 2019 die Zahlen im BA verfügbar.

B: Futtermittelkunden kaufen in Zukunft vor allem online ein: In diesem Fall werden die Filialen zeitnah zur Last und die die IT Projekte dürften schon heute als gescheitert gelten, weil sie eben auf diese Zukunft nicht vorbereiten und das “virtuelle” Warenregal in diesem Case keine Rolle mehr spielt.

Meine Sicht dürfte dabei klar sein. Für mich steht B fest. Es darf aus meiner Sicht nur noch über das Wann gestritten werden und nicht mehr über das Ob. In diesem Fall ist Fressnapf auf einem guten Weg (Amazon/Zooplus-) Futter zu werden.

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14 Antworten

  1. Avatar Cashman sagt:

    Sehr interessanter Beitrag, kurz einmal meine Sicht zum Thema. Aktuell ist überhaupt nicht klar wo genau zooplus am stärksten wächst, durchaus möglich das dieses Wachstum schwerpunktmäßig in Regionen generiert wird in denen es überhaupt keine stationären Zoofachmärkte gibt. Weiterhin übernimmt zooplus oder Amazon auch von anderen Onlineanbietern Prozente, nicht nur von stationär. Aktuell geht man davon aus, dass cirka 12 % des Tierbedarfs online verkauft wird, vor sieben Jahren waren es cirka 8 %. Vielleicht sind es bei den derzeitigen Wachstumsraten 2025 20 %, vielleicht auch nur 18 oder 17%. Wobei der gesamte Onlinehandel eigentlich nicht mehr so rasant wächst wie noch vor fünf Jahren, ich persönlich gehe von einem weiteren abflachen der online Wachstumskurve aus, zumindest in den „reiferen“ Branchen z.B. bei Bekleidung, Büchern oder Schuhen, vielleicht auch bei Tiernahrung. Bisher wurden durch den Onlinehandel fast ausschließlich nur die Innenstädte und typische Shoppingmalls getroffen, weniger oder kaum Fachmarktcenter. Zoofachmärkte befinden sich zumeist in Fachmarktcentern, nicht nur aus meiner Sicht strategisch ein großer Unterschied. Sicherlich ist online ein etablierter Vertriebskanal, aber stationär wird von online nicht verdrängt werden, soviel kann man aus meiner Sicht jetzt schon sagen. Der stationäre Handel wächst ja ebenfalls noch, in 2017 wohl so um die 1,5 %. Es gibt sehr viele junge Leute die beide Vetriebskanäle nutzen, die gerne stationär und auch online shoppen. Wenn der Lebensmittelhandel online geknackt werden sollte, dann wird es sicherlich noch einmal spannender, aber Onlinehandelsanteile querbeet durch alle Branchen von 30 % und mehr sehe ich persönlich in den nächsten 10 bis 15 Jahren eher nicht. Das Torsten Töller
    nicht alles auf den Onlinehandel setzt, dafür habe ich ein gewisses Verständnis. Viele Grüße cashman

  2. Avatar Mr. Zoo sagt:

    Die Analyse der kruden Plattformstrategie von Fressnapf ist zutreffend. Die Ausgangslage von Fressnapf aber eine andere. Das bisherigen Geschäftsmodell von Fressnapf beinhaltet primär nicht den Verkauf von Tiernahrung an Tierbesitzer. Stattdessen den Verkauf von Tiernahrung an die Franchise-Partner von Fressnapf. Das auf ein Plattform-Geschäftsmodell zu transformieren ist viel schwieriger als wenn man direkte Erfahrungen mit Konsumenten hätte. Ohne das weiter vertiefen zu wollen noch der Hinweis, dass der Gründer ursprünglich selber mal mit dem Betrieb von Shops gestartet ist und damit nicht erfolgreich war. Erst die Umstellung auf ein Franchise-Geschäftsmodell brachte den Erfolg. Aus meiner rein subjektiven Sicht drängen sich hier -etwas unvorteilhafte- Analogien zu Subways u.ä. Geschäftsmodellen auf.

  3. Avatar Cashman sagt:

    Nur ein kleinerer Teil der deutschen Fressnapffilialen wird von Franchisern betrieben, der größte Teil gehört Fressnapf selber. 100% der FN Filialen im europäischen Ausland sind ebenfalls Eigentum von T. Toeller, da wird nichts an Franchiser verkauft. Weiterhin wurde FN mehrfach z.B. vom deutschen Franchiseverband als Nummer eins ausgezeichnet. Ich kann da wirklich keinen Zusammenhang zu fragwürdigen Franchise Systemen wie Subways erkennen. Ich würde auch die sehr optimistische Zukunftsvision von zooplus hinterfragen, an denen sich der gesamte Artikel aufbaut. Zooplus will natürlich Aktionäre und Investoren bei der Stange halten, dass ist quasi eine Werbebroschüre. Natürlich wird es weiter Umverteilungen zu online geben, aber eure interessante Analyse ist mir persönlich etwas zu einseitig. Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen dem von Dir gezeichneten Katastrophenszenario und der Version von Torsten Töller. Wir reden seit 15 Jahren über online und aktuell liegt dessen Anteil nur bei 15%. Wenn man über online redet dann muss man eigentlich nur über Amazon reden, alle anderen Onlineshops werden es langfristig schwer haben. Alles aus einer Hand, schnell und günstig, wer braucht da im Netz schon einen zweiten.

    • Avatar Mr. Zoo sagt:

      Auf die Schnelle habe ich mal diese Info gegoogelt: „Schon seit 1992 betreibt Fressnapf in Deutschland den größten Teil seiner Märkte im Franchisesystem.“

      https://www.fressnapf.com/de/%C3%BCber-uns/franchise-expansion

      • Avatar Cashman sagt:

        Nach zwei Minuten Recherche Ihrer eigenen Quelle folgende Punkte: 1) 90% der FN Franchiser sind mit FN sehr zufrieden , würde wieder zu FN gehen, also kein Vergleich zu Subway etc. , wie behauptet. 2) FN wird in sämtlichen europäischen Ländern (außer GER) NICHT von Franchisern betrieben, also verkauft FN HAUPTSÄCHLICH NICHT Ware an Franchiser als Geschäftsmodell, wie behauptet.3) Richtig ist das FN auf seiner Franchiseseite (!) behauptet das in Deutschland die Mehrheit (51%?)der Märkte von Franchisern betrieben wird, dass sind aber selbst nur in GER nicht „alle“. Weiterhin sagt dieser Punkt prozentual nichts über Umsatzanteile von FN Franchisern an FN GER Gesamt und nichts über diesbezügliche „Warenverkäufe“ aus, auch weil man NICHT davon ausgehen sollte, dass die FN Zentrale sich selbst nur die umsatzschwächsten Märkte sichert…Zudem kaufen FN Franchiser ebenfalls selbstständig frei Ware ein. Weiterhin gibt es in GER seit längerer Zeit die Tendenz das von Toeller Märkte von Franchisern nachhaltig übernommen werden, ohne diese wieder anderen FN Franchisern zur Verfügung zu stellen. Über die Gründe gibt es unter den FN Franchisern diverse Spekulationen.

  4. Avatar Cashman sagt:

    Interessant finde ich die nachfolgende Quelle, daraus ergibt sich das „zooplus Deutschland“ über viele Jahre wesentlich langsamer gewachsen ist als „zooplus Europa“. https://excitingcommerce.de/2018/02/28/fressnapf-setzt-zooplus-online-73-mio-e-22-entgegen/ Leider sind in der Quelle nur die Zahlen Zooplus D bis 2015 angegeben, trotzdem sehr aufschlussreich. Diese Zahlen zeigen u a. auf, dass Zooplus scheinbar im europäischen Ausland am schnellsten wächst, wo es weniger stationären Wettbewerb als in D gibt. Da sich cirka die Hälfte aller europäischen Fressnapfmärkte in D (1500 gesamt, cirka 800 in D) befindet, wird das der Grund für den derzeitigen FN Expansionsdrang in’s europäische Ausland sein, insbesondere nach Polen, Frankreich, Italien. Laut FN Homepage will Toeller bis 2021 800 Märkte eröffnen, nur 80 davon in Deutschland. https://www.fressnapf.com/de/über-uns/franchise-expansion Wenn man dann noch berücksichtigt das in den letzten Jahren viele deutsche Zooonliner wie z.B. petobel aufgegeben haben, sollte man dieses bei den eh schon geringeren Zooplus D Wachstumsraten im Hinterkopf behalten.
    https://www.google.com/amp/s/www.gruenderszene.de/amp/petobel-hundeland-offline
    Aus dieser Sicht heraus macht es für FN Sinn Filialen im EU Ausland zu eröffnen, um damit die Onliner auch dort zu bremsen und um dort selbst schneller zu wachsen. Zeitgleich wird der Eigenmarkenanteil bei FN weiter erhöht und der FN Onlineshop forciert. Als Insider weiß man das FN konsequent Fachmarken aus dem Sortiment nimmt, um diese durch FN Eigenmarken zu ersetzen. Das die Zooonliner von dieser jahrzehntelangen Entwicklung gerade in Deutschland so wenig profitiert haben, sollte nachdenklich stimmen. Abgesänge auf stationär erscheinen mir daher verfrüht.

  5. Avatar Sabine sagt:

    Es wird gerne aus dem Blick verloren, dass grob weiterhin nur jeder zehnte Euro überhaupt online umgesetzt wird.
    Es gibt Sortimente, bei denen es zudem strukturelle Unterschiede der Kundschaft gibt.
    Stationär wächst der Markt der Wautzi-Verwöhner stetig. Es gibt immer neue Gadgets und immer neue g’spinnerte Trends um Hund und Co. zu verwöhnen. Und das ist immer noch erst der Anfang, wenn man sich anschaut was da inzwischen in Amerika üblich ist. In der Regel ist das der Trendsetter auch für deutsche Verbraucher.

    Immer mehr Menschen nehmen auch ihren Wautz als Entscheider gleich mit in den Tierhandel. Der kriegt dann das zigste Bettchen und den Kauknochen vor dem er (vermeintlich) mit entschiedenem Gesicht stehen bleibt. Mit einem Bildschirm kann Wautz nichts anfangen. Auch der Impuls Wautzi instantan mit irgendwas zu verwöhnen funktioniert nur stationär. Impulskäufer achten nicht so sehr aufs Geld und gehen geradezu mit dem Ziel, Wautzi jetzt zu verwöhnen, in den Laden.

    Das passt nicht zu „am Bildschirm rumsuchen, Warenkorb durchlaufen, 1-3 Werktage auf ein braunes Paket warten..“ etc blabla. Die Kundengruppe die das macht, das sind Vernunftkäufer. Die nehmen auch das Amazon Spar-Abo für ihren Hundefuttersack. Weil sie eh immer das selbe kaufen (der Hund ist eh viel zu verwöhnt, der soll essen was er bekommt) und weil es dabei noch einen kleinen Rabatt gibt und man den Sack an die Haustür geliefert bekommt und möglichst wenig Scherereien damit hat (Besorgung für Wautzi = kein Spaß, sondern lästige Pflicht und zu minimierenden Kostenfaktor). Mit solchen emotionslosen und rationalen, kostenorientierten Kunden hat man als Kaufmann deutlich weniger „Spaß“. Egal welcher Channel.

    Im Übrigen kann niemand alles können. Omnichanel ist oft einfach auch „ich mache nichts mit genug Fokus, von allem etwas“. Gerade in solchen Nischen, wie dem Tierhandel, würde ich den Onlinebereich für Geizkragen und rationale Tierhalter nur zu gerne Amazon und Co. überlassen und mich ganz auf den Ausbau der Wautzi-Verwöhntempel des stationären Handels konzentrieren. Und Fressnapf macht das eigentlich recht gut. Bis dahin, dass man am Nikolaustag den Napf vorbei bringen kann, damit es für Wautzi auch eine Nikolausüberraschung gibt, mit der gefüllt man den Napf dann wieder abholen kann usw.

    Generell gilt, dass emotionale Käufe und Spontankäufe nun einmal prinzipienbedingt stationär deutlich besser und häufiger funktionieren. Und das ist das wo das Geld lauert. Die Idealo-Geizkragen, die jedes mal neu entscheiden wo sie den nächsten 15 kg Sack Royal Canin bestellen, natürlich unter Nutzung des neuesten Newsletter-Gutscheins usw., liefern bestenfalls einen Deckungsbeitrag. Und man kann nicht alles gleichzeitig optimal bespielen, also bespiele ich das, wo die Rendite winkt.

    • mhh, aber genau die Argumentation hatten doch auch die Schuhläden bevor Zalando kam, oder?

      • Avatar Sabine sagt:

        Es gibt drei wesentliche Unterschiede. Erstens ist das Widerrufsrecht schon immer ein ungeliebte Segen unseres Onlinehandels gewesen. Im Kontrast zum durchwachsenen Kulanzgehabe der stationären Händler weiss man was man für Rechte hat. Zalando hat das, was sie eh bieten müssen, konstruktiv weiterverarbeitet und noch ausgeweitet und ist damit gewachsen, siehe der Slogan der ersten Jahre.
        Im Tierhandel ist das Widerrufsrecht erstens eingeschränkt nutzbar (Tiernahrung, benutzte Spielsachen usw sind ausgeschlossen) und auch die Retourenneigung begrenzt. Aus naheliegenden Gründen ist das zB bei Schuhen ganz anders.

        Zweitens ist das Geschäft im Fernhandel mühsam. Pumps kannst du leicht hin und her schicken. Der schwere Futtersack, dessen Deckungsbeitrag eh gering ist, schlägt bei Handling und Porto ordentlich rein.

        Drittens eben der genannte Verwöhnfaktor für das Haustier, der weiter zunimmt. Ich kenne sehr wenige Leute die gerne Kleidung oder Schuhe kaufen, inklusive Frauen, auch wenn das Klischee anders lauten mag. In den Fressnapf zu gehen und nach neuem Leckerli, Wintermäntelchen usw zu schauen macht gerade Frauen in meinem Freundeskreis hingegen soviel Spaß, dass die sich dazu in ihrer Freizeit verabreden und nach dem Einkauf noch gemeinsam zur nahen Hundewiese gehen um die neuen Errungenschaften teilweise auszuprobieren.

        Man muss sich einfach fragen, was ist meine Zielgruppe und wie empfindet die den Einkaufsprozess? Als Last oder notwendiges Übel oder ist der Einkauf Teil der consumer experience?

        Leider wird immer sehr binär diskutiert. Es gibt die sogenannten Traditionalisten und es gibt die Onliner, die sinngemäß sagen, bald gibt’s 0 stationären hahselt, 100% läuft morgen online, mindestens, wer nicht online dabei ist, der ist mindestens naiv.

        Wir erleben eine weitere Aufspreizung horizontaler und vertikaler Marktplätze und jeder muss sich eben überlegen, was ist meine Kundschaft, welche Kundschaft will ich ansprechen bzw ist möglichst pflegeleicht und einträglich, wie sieht die mich (nerviger Intermediär oder Selbstzweck) als Händler, usw. Und dann spezialisiere ich mich nach Kräften. Stationär gehen viele Shops pleite? Online auch!

        Wie gesagt, zu binär einerseits und die Multichannel-Krankheit andererseits, das sehe ich als die beiden großen Irrtümer im b2c Handel derzeit.

  6. Avatar Cashman sagt:

    Selbst die Onlineschuhjungs decken insgesamt nur cirka 20% des gesamten Handels mit Schuhen ab und das obwohl diese Branche eine der ältesten online gehandelten Branchen ist. Die aktuellen Wachstumsraten bei Schuhen sind auch nicht so dicke, aktuell so zwischen 6 bis 7 % mit abnehmender Dynamik. Den Versandhandel hat es schon vor 30 Jahren gegeben, Otto, Quelle, Klingel, Neckermann etc. Schuhe waren also auch schon damals online ein Thema. Was ist also in den letzten 20 Jahren wirklich passiert? 12 bis 16% bei Schuhen online mehr okay. Wer aktuell wegen online wirtschaftliche Probleme bekommt, der macht grundsätzlich etwas falsch. Tom Tailor hätte auch so Probleme bekommen. Primark, Decathlon etc. boomen stationär. Ich sehe es bei unseren Kunden, die nutzen sämtliche Vertriebskanäle. Und nur einmal so nebenbei, wer verdient denn wirklich mit Mode etc. im Netz richtig Geld? Amazon, Zalando, Fressnapf, Zoo plus etc.? (-: Parkplätze direkt vor der Tür, günstige Preise und dann wird stationär noch lange funktionieren. Die Onliner sollen erst einmal die Zusteller ordentlich bezahlen und das Verpackungsmüll-Problem lösen, Retouren in den Griff bekommen, dann sprechen wir noch einmal über den vermeintlichen Kostenvorteil bei online und über Wachstumsdynamik.(-; Werbekosten und Schäden durch Betrüger sind auch nicht ohne. Ich sage nicht das Online zu unterschätzen ist, aber ich kann nicht erkennen das dieser Vertriebskanal in den nächsten 20 Jahren über 30% vom Gesamtmarkt hinauskommt. Ein nicht kleiner Anteil davon sind Reisen, Tickets, Musik, Bücherdownloads etc. , was den klassischen Handel nicht so interessiert. Zeitgleich sehe ich wie die Mieten für Gewerbeimmobilien sinken und wie die Politik sich auf den Onlinehandel (Verpackungspfand?) einschießt. Der Staat braucht Steuern und Amazon und Co ist da „traditionell“ eher zurückhaltend…Diesen Fakt sollte man langfristig nicht unterschätzen, denn der Staat braucht immer Geld. Weiterhin wird Amazon sämtlichen Onlinern Feuer unter dem A. machen, warum sollte es Online mehr als zwei oder drei Anbieter pro Branche geben? Wenn alle das gleiche zu gleichen Preisen anbieten, ist Differenzierung nicht möglich. ://handelsjournal.de/2019/02/19/markt/mirkohackmann/druck-auf-die-mieten/

  7. Avatar Cashman sagt:

    @ Sabine Ja Fressnapf macht viel richtig, aber aus meiner Sicht setzt FN zu sehr auf die Eigenmarken. Diesen Fehler hat Aldi früher auch gemacht. Die Kunden wollen Vielfalt und Auswahl bei den Marken. Herr Töller strebt angeblich einen Eigenmarkenanteil von 70% an. Mir persönlich erscheint Fressnapf wie Rossmann oder DM. Als Mann reizt mich ein Einkauf da nicht besonders, insbesondere da FN zumeist keinen Tierverkauf anbietet. Ansonsten teile ich Ihre Meinung zum Thema. Ich kenne einige die online baden gegangen sind, die sollte Alexander einmal einladen. Mir fallen dazu spontan sechs ehemals große Onlineshops in der Petbranche ein, z.B. Petobel. Kassenzone mit gescheiterten Onlinehändlern, die sich über Amazon und Co beklagen, dass wäre einmal etwas.

  8. Avatar Julian sagt:

    Kann die Plattformökonomie nicht auch genauso gut (oder besser) offline funktionieren? Wenn ich den stationären Kundenzugang durch große Fillialabdeckung beherrsche, dann kann uch ebenfalls Zusatzservices anbieten.
    Abgesehen davon, dass die Eintrittsbarrieren stationär höher sein sollten.

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