Amazon ist a) unmoralisch b) im Recht oder c) besser als die Innenstadt.

Beim Handelskongress in Berlin vor zwei Wochen, haben sich wie gewohnt viele analog geprägte Unternehmen aus Deutschland getroffen, um über ihre glorreiche Vergangenheit zu reden. Ein paar Digitalisierungsansprachen gab es auch, aber einer der Höhepunkte war sicherlich das Interview mit dem Amazon Deutschland Chef Ralf Kleber, der von der Moderatorin Dunja Hayali befragt wurde. Leider konnte er auf die Frage zum Thema Steuer & Amazon nichts kluges antworten, was laut einem welt.de Artikel zu höhnischem Gelächter im Saal geführt hat. Auf diese Frage keine gute Antwort zu haben, ist aus Amazon Sicht fahrlässig, darüber als betroffener Händler oder Hersteller zu lachen ist allerdings nicht besser. 

„Das ist ein schwieriges Thema, weil es so viele Aspekte hat“, druckste der sonst so beredte und selbstbewusste Manager auf eine Frage von Moderatorin Dunja Hayali herum. Es handele sich übrigens generell um eine „angeregte Diskussion“, die man „mit Spannung“ verfolge. Im Publikum höhnisches Gelächter, vereinzelt Pfiffe, knapp vorbei am Affront.

Der Artikel beschreibt darüber hinaus noch recht nüchtern wie stark die bestehende Handelsstruktur durch Amazon unter Druck gerät und am Ende gewinnt Ralf Kleber in dem Artikel die Meinungshoheit:

Kleber: Einer der wichtigsten Grundsätze laute, Fehler als Bestandteil der Innovationskultur zu akzeptieren und Erfolgversprechendes auszuprobieren wie den Lebensmittellieferdienst Fresh, den Amazon in Deutschland derzeit im Raum Berlin/Potsdam, Hamburg und neuerdings München anbietet. „Wir versuchen, einen Mehrwert zu schaffen“, sagte Amazons Deutschland-Statthalter. „Wenn es geht, sind wir da, wenn nicht, sind wir weg.“ So einfach ist das. Und doch so schwierig.

Was sagen nun aber die Kunden zu der Kritik. Dank der über 300 Kommentare unter dem welt.de Artikel kann man das im Detail nachlesen. Das hat sich bereits bei anderen welt.de Artikel bewährt (Amazon ist doof) & (Die Innenstadt stirbt). Nicht umsonst ist der Artikel in der Rubrik Wirtschaft mit dem Label „heftige Kritik“ eingeordnet. Das schreit ja nur nach Kommentaren. Damit ihr nicht alle 300 Kommentare lesen müsst, haben wir die wichtigsten Meinungen in einem einfach zu verdauenden Tortendiagramm zusammengefasst.

  • „Wer will heute noch in die Stadt shoppen?? Ist doch nur Zeitverschwendung. Eine beliebige Kette nach der anderen. Die Städte haben es versäumt, den Einkauf attraktiv zu gestalten. Und die Händler haben fleissig mitgespielt.“
  • „Das ganze Drumherum interessiert die Kunden nicht. Die sehen den Preis und die schnelle Lieferung, die Auswahlmöglichkeiten und die Garantie.“
  • „Der Kunde muss König sein! Liebe Händler: Schneidet Euch mal eine Scheibe bei Amazon ab, dann klappt es auch mit dem Verkaufen… „
  • „Die Steuervermeidungsdiskussion in diesem Zusammenhang ist nahezu lächerlich und damit typisch für deutsche Politikdarsteller: Nicht Amazon macht die Steuergesetze, aber natürlich wird das kaum thematisiert. Wir Kunden allein entscheiden, wo sie einkaufen.“
  • „Alles Jammern hilft nichts. Wenn Amazon den besten Service, die beste Logistik und einen fairen Preis bietet, dann gewinnen die eben und wer das nicht bietet, der bleibt auf der Strecke.“

Spannend an den Kommentaren ist, trotz der sehr negativen Prägung des Artikels, dass Amazon in Summe in Schutz genommen wird. Deutlich über 50% der Kommentatoren nehmen eher den analogen Handel in die Pflicht und von den ca. 40% negativen Kommentaren kaufen wahrscheinlich auch 70% bei Amazon, mangels Alternativen. Vielleicht sollte man beim nächsten Handelskongress einfach mal 100 Kunden einladen. Das dürfte sehr spannend sein.

Amazon-ist

In die Auswertung sind die letzten 200 Kommentare eingeflossen und wir haben versucht die Kommentare inhaltlich übereinander zu bringen. Kommentare die z.B. lediglich für „unmoralisch“ gestimmt haben, sind so auch mit den Kommentaren zusammengefasst, die für „unmoralisch und ich vermeide dort zu kaufen“ gestimmt haben.

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Alexander Graf, 37, E-Commerce Unternehmer & Analyst, Gelernt bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Commerce Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

35 Antworten

  1. Ja, der Handel hat viele offene Flanken, aber Amazon eben auch: Ein Unternehmen, das sich trotz Milliardengewinne um Steuern drückt, seine Logistikangestellten mies bezahlt und auf seinem Marktplatz auch noch Wettbewerber rausdrängt und inzwischen Innovationen behindert, arbeitet möglicherweise einseitig für seine Kunden, nicht aber nachhaltig an der Zukunft.

    Ich möchte jedenfalls keine Gesellschaft, die sich in Gutverdiener und Geringverdiener teilt; und ich möchte auch keine monopolistische Wirtschaftsstrukturen, sondern Vielfalt. Habe mir deshalb vorgenommen, wieder mehr in der Stadt einzukaufen. – auch wenn der stationäre Handel das manchmal erschwert. Denn Geiz und Billigstpreise sind nicht geil für die Gesellschaft. Dazu mehr hier – auch ein guter Grund, warum Verdi gut daran tut, Amazon zu bestreiken: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dienstleistungsgesellschaft-geiz-macht-arm-1.3764236

    • Susanne, ich bin da bei dir, außer bei der Bezahlung der Logistikangestellten. Die werden nicht schlechter bezahlt als andere Leute in der Logistik. Die Arbeitsbedingungen könnte man dann schon eher kritisieren. Aber was heißt denn dein Beitrag dann für den Handel? Der analoge Handel bekommt von seinen Kunden nur noch eine Chance aufgrund von Mitleid! Wenn es das ist, dann wäre das ja sehr besorgniserregend, weil sich das kaum langfristig tragen wird. Am Ende kaufen die Kunden ja nicht nachhaltig, auch wenn sie es wollten, das beweisen tausende Studien aus der Verhaltensökonomie.

      • Tina sagt:

        Die Frage ist warum hat Europa nicht einen eigenen Handelskonzern, so wie China Alibaba. Wir Deutschen/Europäer hätten sowas genauso auf die Beine stellen können. Ich könnte jetzt viele Gründe aufzählen warum das so ist – es ist ein Versäumnis der Politik. Ich gebe Dir Recht, den technischen Wandel kann man nicht aufhalten. Hätte Amazon jedoch die gleichen Regularien und Steuern, wie der Mittelstand – hätte sich erstmal zeigen müssen, ob Amazon überhaupt so gut bei den Kunden ankommt.

        • Als Amazon in D hochkam, gab es einige Handelsunternehmen die alle Möglichkeiten hatten. Leider waren sie – mit Verlaub – zu dämlich und vor allem ignorant zu erkennen, was da auf sie zurollt.

          Hat(te) mit Steuervermeidung etc. erstmal gar nichts zu tun. War tatsächlich eine Mischung aus Unfähigkeit und „Ich investiere nur, wenn ich weiß wieviel Gewinn ich damit machen werde.“-Denke.

        • Thomas sagt:

          Hi Tina, wären wir denn alle glücklicher oder besser gestellt, wenn es in Europa einen marktbeherrschenden Handelskonzern gäbe? Ich glaube das nicht.

          • Tina sagt:

            der Handel wäre Gerechter, Steuergelder würden im Land bleiben und ein Deutscher Handelkonzern würde auch im Internet bessere Jobs anbieten als Amazon. Warum denken auch so viele, die USA sei unser Freund? Alexa ist ein Abhörgerät, die Drhnen sind ein Kriegsspielzeug, die Fulfillmentlager sehr nützlich im Kriesenfall. Strategisch und sozial ist Amazon ein großer Fehler im Sinne der europäischen Bevölkerung.

            • Thomas sagt:

              Tina, mit deinem letzten Satz hast du vollkommen Recht. Aber was kümmert‘s den 0815-Konsumenten? Er stimmt per Mausklick ab und bestellt ohne Sinn und Verstand, Hauptsache geil und bequem.

      • Thomas sagt:

        Hi Alex, du hast vollkommen Recht. Die Kunden kaufen, was, wo und wie sie wollen bzw. können und denken sich einen Sch… dabei. Das kann unsere westliche Politik auf keinen Fall durch gut gemeinte Appelle ändern. Warum sollte sie das auch tun? Für die gilt doch ebenfalls das Prinzip „Hauptsache, ich komm‘ gut rein, sitz’ fett drin und brauch’ nicht wieder raus“.

  2. Theo Benz sagt:

    Danke Susanne Vieser für diesen kompetenten Beitrag.
    Damit ist alles gesagt.

  3. Hendrik Kempfert sagt:

    Es erscheint die „analoge Gesetzgebung“ mit „analog agierender Bundesregierung“ (egal welche wir da bekommen werden und bisher gewerkelt hat) mit der digitalen und teilweise extrem disruptiven und sehr schnellen Veränderung der Wirtschaft (Speziell im Einzelhandel) überfordert zu sein. Amazon ist ja kein Phänomen welches „über Nacht“ auf ein Mal dagewesen erschienen ist… Jedoch ist die Politik / der Gesetzgeber gefordert Steuergesetze zu erschaffen und laufend zu modifizieren, die eine Benachteilung von hiesigen Unternehmen vermeidet. Microsoft wurde für die Bündelung von Browser und betriebssystem von der EU abgestaft….wie wird das mal beim Program „Amazon Prime“ aussehen, wenn durch die Mitgliedschaft in Prime immer mehr Services gebündelt würden.

    Vielleicht könntest Du dazu mit Matthias Schrader ein Interview machen. Matthias hat schon oft und viel über u.a. Amazaon gesprochen, seine klare Analyse fände ich deshalb spannend, weil S2 mal lange u.a. für REWE den Onlineshop für „Lebensmittel“ erstellt und konzipiert hat…inzwischen scheint aber „Amazo fresh“ bei der Markenvielfalt eine Chance gegenüber u.a. REWE zu bekommen, wenn Amazon wirklich sämtliche Marken liefern könnte, während man bei REWE öfters mal ein „Substitut“ geliefert bekommt, weil die gewünchte Marke vergriffen oder nicht lieferbar ist. Jedem Besteller bei Amazon sollte aber klar sein, dass Infrastruktur im Land aus Steuermittel & Gebühren finaziert wird…und zwar nicht nur aus Einkommensteuern. Kostenlose Kitaplätze, Polizeit, etc. müssen irgendwie bezahlt werden können…aber der „schwarze Peter“ liegt da eher bei der Politik / Gesetzgeber als beim Unternehmen.

    • Tina sagt:

      Finde ich toll, das Du den disruptiven Ansatz benennst. Da wir die Finazrung mittels Venture Capital und disruptiver Zerstörung nicht praktizieren, war es einfach nur unfair die europäischen Grenzen für diese Art der Firmen aufzumachen und Ihnen auch noch Vergünstigungen wie Steuerbefreiung, sittenwidrige Verträge usw. zu gewähren, die unser Mittelstand nicht erhält. Im Grund hat uns die Politik verraten und verkauft. Bezos freust, er trägt 133 Millionen Tagesverdienst in sein amerikanisches Heim und sinnt weiter darüber nach, wie er alle von der Klippe schleudern kann.

  4. Roman Zenner sagt:

    Zuerst möchte ich schamlos einen Artikel erwähnen, den ich letzte Woche zu dem Thema geschrieben habe – der Vollständigkeit und der Atmosphäre wegen:

    https://shoptechblog.de/2017/11/20/die-schoene-die-aelteren-herren-dhk17/

    Was Amazon angeht: Diese Gestottere auf der Bühne gehörte sicherlich zu den besonderen Momenten der Veranstaltung, das war ein echtes Schadenfreude-Ventil zum Frustabbau. Aber auch wenn Amazon immer als weißer Elefant im Raum stand, mein Eindruck war, dass es vielmehr um Ratlosigkeit ging in Bezug auf „das Digitale“, die nötigen Innovationen und ihre Finanzierung.

    • Ich finde das kommt auch aus dem welt.de Artikel rüber. Amazon ist nur das Ventil über das am Ende des Tages Dampf abgelassen wird. Die Ratlosigkeit der Unternehmen ist ja viel schlimmer.

      • Tina sagt:

        Das ist ja nicht so. Amazon als Ventil darzustellen, trifft es auch nicht, verharmlost die Sache. Es ist auch eine Frage der Finazierung. Thema disruptver oder innovativer Ansatz bzw. Venture Capital oder Bankfinanzierung. In Europa wurde den Europäern der Geldharn zugedreht. Und wie unseriös geht Amazon mit Mitarbeitern und Händlern um.

        • Aber das stimmt ja so nicht. Viele europäische Konzerne haben deutlich mehr Kapital zur Verfügung gehabt als Amazon. Schau doch mal auf die ganzen Konzerne in PE Hand. Amazon hat sich auch in den USA ggü. den Händler dort durchgesetzt. Alibaba/Tencent sind wiederum entstanden, weil China seine Grenzen geschützt hat. Das ist nun bei uns zu spät und nenne mir doch mal bitte ein paar Deutsche Handelsunternehmen oder Logistikunternehmen die für jeweils vergleichbare Arbeit bei Amazon besser zahlen. Zum Thema besser mit Händlern umgehen. Frag doch mal die diversen Händler und Hersteller die an EDEKA/ALDI & Co. liefern wie hoch deren Druck ist günstigere Ware zu liefern. Da leben viele Hersteller bei Amazon noch im Schlaraffenland. Amazon macht seine Sache einfach am besten. Die anderen Unternehmen sind moralisch (Steuern, Mitarbeiter…) keinen Deut besser. Sie sind halt nur langsamer und weniger ideenreich.

  5. Rene van Loock sagt:

    Lässt sich denn überhaupt ein E-Commerce Geschäftsmodell auch für KMU umsetzen?
    Ich meine die meisten E-Commerce unternehmen sind mit ordentlich Kapital gefüttert und streben in ihrer Marktstellung in Richtung Monopol und Skaleneffekte. (Zalando, Mister Spex, aboutyou, etsy, Asos, Blue Apron)
    Da bleiben einem KMU mit begrenzten Mitteln doch nur
    – Fokussierung auf eine sehr kleine Nische mit zugehörigem Online-Shop und gleichzeitigem Verkauf bei den großen Plattformen und ggf. Strategische Partnerschaften mit kleineren Plattformen
    – KMU Hersteller: Einstieg in den Direktvertrieb über eigenen Online-Shop und Plattformen, vor allem brauchen die Hersteller dann eine Plattformstrategie.
    Alle KMU Händler die nicht in einer Nische sind werden dann wohl in Zukunft nicht mehr existieren bzw. immer mehr Marktanteile an den Online Handel verlieren, da Sie im E-Commerce keinen Mehrwert bieten können.
    Oder sieht jemand eine Möglichkeit für KMU Händler außerhalb der Nische durch besondere E-Commerce Erfolgsfaktoren einen Mehrwert zu bieten?

  6. Thomas sagt:

    Irgendwann haben die Menschen die Lust daran verloren, in die großen Kaufhäuser zu rennen. Und irgendwann haben die Menschen keine Lust mehr, alles bei Amazon zu shoppen. Jedes Phänomen hat seine Zeit und irgendwann läuft sie ab. Da die Welt immer hektischer und schnelllebiger wird, sollte niemand darauf vertrauen, dass er ewig am Drücker ist. Vielleicht kommt schon morgen eine Erfindung, die Amazon ganz alt aussehen lässt? Seid euch nicht so sicher …

    • Das kann schon sein und das halte ich sogar für sehr wahrscheinlich, aber was heißt denn das nun für den Händler in der Innenstadt?

      • Thomas sagt:

        Das heißt, dass die Leute es in Kürze vielleicht wieder „geil“ finden, bei Tante Emma einzukaufen, weil es da so „cool“ ist. Und wenn nicht, müssen sich die Immobilienbesitzer wohl bald nach neuen Mietern umschauen. Läden zu Wohnungen umzubauen, würde in manchen Großstädten helfen, die Wohnungsnot zu lindern. Wenn‘s die Leute so haben wollen, kann man das nicht ändern. Die Händler sind jedenfalls größtenteils am Ende ihrers Verkäuferlateins angekommen (ehrlich gemeint). Entweder die Kunden haben ein Einsehen und bleiben oder sie bleiben weg. Das ist nun mal der Lauf der Dinge.

      • Thomas sagt:

        Ich persönlich finde es sehr schade, dass immer mehr private Geschäfte verschwinden und nur noch die großen Ketten das Geld haben, die Ladenmieten zu bezahlen. Die Vielfalt und zum Teil auch die gute Beratung im Fachgeschäft gehen peu à peu verloren. Wer berät einen denn heute noch vernünftig, wenn man nicht nur Slim oder Shaped Fit von der Stange tragen kann? Daran trägt Amazon allerdings nur zum Teil Schuld, sondern vielmehr gierige Immobilienbesitzer, die den Hals nicht voll genug kriegen können.

        • Thomas sagt:

          Im übrigen ist es schon deutlich auffällig, dass immer mehr Männer schlecht sitzende Anzüge mit viel zu kurzen Hosenbeinen tragen. Von denen ohne Anzug will ich lieber gar nicht sprechen. Und das ist kein neuer Modetrend, sondern m.E. schlicht und einfach eine Folge des Shoppings im Internet. Sollten Amazon & Co. also ihren Siegeszug fortsetzen, können die Frauen schon mal für ihre Schreikrämpfe beim Anblick der künftigen Männerwelt üben.

        • Kevin sagt:

          Das Gedöns über den Handel und die vermeintliche tolle Beratung kann ich nicht mehr hören. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal qualifiziert, begeistert und mit was überraschendem beraten wurde.

          Wo sind denn die Spezialistengeschäfte für die es sich lohnt stationär zu gehen? Die allermeisten bieten langweilige Standardware wie die anderen fünf Geschäfte auch. Gääähhhn
          Über das Internet bin ich deutlich besser informiert.

          Ich brauche Empfehlungen (Stiftung Warentest) und kaufen tu ich im Netz bei voller Verfügbarkeit und Lieferfähigkeit (meistens Amazon). Der Preis muss dabei gar nicht der allerallerallerbeste sein.
          Keine Anfahrt, Kein Parkplatz, Kein Strafzettel, Kein Regen und die Liste könnte noch lange verlängert werden.

          Hier geht es nicht um Coolness, sondern optimale Kundenorientierung.

          • Thomas sagt:

            Hi Kevin, aber wenn es Amazon nun nicht mehr schafft, die Pakete an die Türe zu bringen, hast du trotzdem eine Anfahrt, keinen Parkplatz, einen Strafzettel und Regen obendrein, alles auf dem Weg zum und vor dem Paketshop. Alles klar?!

  7. Alex sagt:

    1. Zum Thema Beratungsgebühr im Einzelhandel:

    Ich hatte damals in Folge des Beitrags http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.einzelhandel-muenchen-fotohaendler-will-geld-fuer-beratung.74e60045-7540-4806-b509-edcf34168828.html mal mit dem Händler nach einigen Monaten Kontakt aufgenommen und er hat mir ausführlich per Mail seine Erfahrungen geschildert. Wie ich nun im Beitrag bei dem das Thema wieder aufkommt unter http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/kampf-gegen-onlineshops-beratungsgebuehren-im-einzelhandel-15309715-p2.html sehen musste hat der Fotoladen nun geschlossen.

    Er meinte schon damals dass es für den Marienplatz denkbar ist mit Beratungsgebühren, aber für seine zweite Filiale nicht umgesetzt werden kann. Werde mal anfragen was aus ihm geworden ist, er machte jedenfalls nicht den Eindruck als hätte er keinen Plan bei dem was er da tut, zumal natürlich der Marienplatz in München zu den besten Lagen zählt.

    Für die meisten kleineren Städte sind Beratungsgebühren usw zumindest undenkbar….zumal das natürlich auch voraussetzt dass die Beratung beim jeweiligen Händler wirklich sein Geld wert ist.

    Ich werde mal schauen ob ich die Email habe und mal nachfragen warum er geschlossen hat.

    2. Black Friday & CyberMonday

    Heute hat DHL mit mehreren Fahrzeugen hier ausgeliefert, Aussage war „am Freitag und Samstag wars ja noch normal, aber heute der völlige Wahnsinn..“…sprachs und war schon wieder zum Auto gehetzt.

    Die Angebote waren in der breiten Masse durchaus vorhanden aber kein Vergleich zu den Deals wie vor 4-5 Jahren.

    Gezogen hats scheinbar, ich höre gern Radio im Büro und letzte Woche gabs Werbeblöcke in denen >ausschliesslich< Werbung für den Black Friday gemacht wurde. Möbelhäuser, Amazon, Karstadt und wer auch immer….jeder hat mitgemacht.

    Hier bin ich gespannt wieviele Kaufentscheidungen vorgezogen wurden die dem stationären Einzelhandel in den ersten Dezemberwochen dann fehlen.

    Auch die Kritikpunkte mit hohe Parkgebühren, kaum Parkplätze, lange Wege usw und die teils nur noch Mainstreamauswahl kann ich für meine Kleinstadt bestätigen und auch dass Nachbarn (Generation 60+) mittlerweile wie selbstverständlich online bestellen und sagen "im Einkaufscenter haben die das ja eh nicht…bestell ich gleich online"

    Zum Thema

    3. Zum Thema Amazon Steuern & Löhne:
    Ja ich kann leider die meisten Argumente weiterhin nicht schönreden. Amazon ist seinen Aktionären verpflichtet und muss selbstverständlich alles mögliche im Rahmen der Gesetze unternehmen. Hier sind andere am Drücker und solange man sich innerhalb der EU massiv Konkurrenz macht (siehe Lizenzgebühren Holland) muss man sich nicht wundern.

    Zum Thema Löhne sollte man nicht nur der meinungsbildenden Presse glauben: Vom Mindestlohn ist Amazon weit entfernt. Auch sehe ich dass Amazon nach 2 Jahren Zugehörigkeit schon um oder über 12€ / Std für angelernte Tätigkeiten zahlt. Für meine Kleinstadt kann ich sagen dass sehr viele Verkäufer froh über diesen Stundenlohn wären und das was mancher Verkäufer heutzutage erlebt auch durchaus viel Psycho-Stress – aber das kann mitunter auch nur ein Verkäufer verstehen was damit gemeint ist. Natürlich muss ers nicht zwangsweise machen, es gibt sicherlich auch viele schöne und erfolgreiche Tage im Verkäuferleben, nur muss die Balance stimmen. Wenn irgendwann die Tage mit Frust überwiegen ist das weder für den Kunden noch für den Verkäufer schön.

    4. Zum Thema Nische:
    Ich sehe für KMU tatsächlich eher die spezialisierte Nische mit dem USP.

    Beispiel: Das kann wie vor Jahren schon angesprochen das alteingesessene Angler-Fachgeschäft sein für das die Leute auch gern bisher die 100km Anfahrt nach XYZ, Köln etc auf sich genommen haben und dessen spezialisiertes Sortiment mit vielen "Eigenmarken" vom Enkel des Betreibers nun online gebracht wurde.

    5. Geil zu Tante Emma zu gehen….

    Kann ich mir auch wiederum für manche Nischen vorstellen…gabs ja alles in der Vergangenheit kurzzeitig dass dann durch die Presse geisterte und für einige Wochen im Gespräch war. Nur ist das nachhaltig? Wie Alex Graf so schön immer sagt….es bringt nichts wenn Kunden begründend auf "ich will Amazon nicht weiter unterstützen" Ihr Einkaufsverhalten anpassen, das ist löblich aber das "Mitleids-Shopping" bringt da niemanden etwas.

    • Thomas sagt:

      Hi Alex, ich finde, dass deine Einlassungen in Summe zu keinem Ergebnis zusammengefasst werden können. Ein bisschen hier, ein bisschen da. Was willst du eigentlich als Antwort auf deinen Beitrag hören bzw. lesen? Sollen wir dich inspirieren oder willst du uns inspirieren? Wenn Amazon eh alles platt macht, dann braucht auch keiner mehr kassenzone lesen oder Spryker kaufen. Also, tu‘ mal Butter bei die Fische. Was soll‘s? Don‘t be so shy.

    • Tina sagt:

      Ich sehe für normale Menschen nicht den Mehrwert im Internet oder bei Amazon. Das wäre für mich dort Mitleidsschopping, sobald Regularien der EU eingeführt werden und greifen. Dann ist Schluss mit Dumpingpreisen bei Amazon.

      • Freddy sagt:

        Tina kann es sein, dass Sie keinen Internetanschluss haben.
        Sie sehen keinen Mehrwert für den Kunden im Internet oder bei Amazon????
        Wo waren Sie die letzten zehn Jahre? …ohne Internetanschluss?

        Ich sehe keinen Grund mehr in ein stationäres Geschäft zu gehen.

  8. Thomas sagt:

    Sag mal Alex, du steuerst nun auch locker auf die 40 zu. Da ist ja nun mal definitiv Sense mit Slim Fit Hemden und Hosen. Wo kaufst du eigentlich deinen Anziehkram, bei Amazon oder bei Clamotten Anton (C&A – große Auswahl, kleine Preise) oder sonstwo? Und – was sind so deine Erfahrungen? Du schreibst ja, dass Amazon seine Sache am besten macht. Ist das so?

    • Ich kaufe fast 100% online, weil ich mit meinen Maßen (ca. 2m) nichts passendes im stationären Handel finde. Weder Jacken, noch Hosen, noch Hemden. Also bestelle ich Maßhemden/Anzüge bei Tailorjack (siehe aktuellster Kassenzone Beitrag) und bei den normalen Sachen habe ich ein paar Lieblingsmarken die ich mir entweder im Markenshop online kaufe oder bei Amazon. Bei Schuhen ist die Quote 50/50.

      • Thomas sagt:

        Das hätte ich mir ja denken können. Und dann fragst du uns nach der Zukunft des stationären Einzelhandels? Ich kaufe meine Klamotten und Schuhe ausschließlich dort und werde das auch weiterhin tun. Da kann es auf dem Bildschirm noch so bunt blinken. Jeder sollte tun, was er nicht lassen kann. Ansonsten verweise ich auf meine obenstehenden Kommentare und Antworten.

  9. Ralph sagt:

    Ich kann diesen deutschen Absolutismus nicht lesen: Kaufst du online, bist du böse und kaufst du offline unterstützt du den stationären EH. So argumentieren heute die Menschen, die vor Jahren lieber bei den Drogeriediscountern gekauft haben. Kleine Drogerien existieren inzwischen garnicht mehr. Gleichfalls erging den lokalen Holz- und Baustoffhändlern; der Baumarkt ist halt attraktiver mit seinem Vollsortiment. Oder den kleinen KFZ Werkstätten, die heute ATU oder ähnlich heißen.
    Es ist der natürliche Wandel des Handels, der mit der Globalisierung zur Zeiten der Karawanenwege wie der Seidenstrasse begann und sich über die Hanse fortsetze. Via Internet globalisiert sich jetzt die effektivste Art des Vertriebs. Und das wird die Welt sowie deren wirtschaftliche und soziale Strukturen weiter verändern.
    Deshalb sollten wir nicht immer nur in schwarz/weiß oder gut/böse Denkstrukturen bewegen und urteilen. Unser Problem sind weder Amazon noch der Einzelhandel. Unsere Aufgabe ist mit der unaufhaltsam voranschreitenen Veränderung unserer „Alten Welt“ Schritt zu halten und die Gesellschaftsstrukturen politisch, sozial, ökonomisch und fiskal anzupassen.

  10. Alex sagt:

    Ganz deiner Meinung Ralph, daher finde ich es auch schlimm immer extreme zu sehen (Amazon ist Böse oder Amazon ist ein Engel). Aber natürlich ist das ein Wandel im Handel wie es Ihn seit Jahrzehnten nicht mehr gab.

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