Faszination mydealz.de mit Fabian Spielberger, Gründer & CEO

Aktion! Button, Icon

Mydealz.de hat einer der faszinierenden Communities im deutschsprachigen Internet. Nirgendwo findet man mehr Deals, nirgendwo ist die Zielgruppe kritischer und kompetenter, wenn es um die Bewertung von Deals geht. Das Geschäftsmodell ist transparent, das Wachstum weiterhin sehr stark und wie sollte es auch anders sein das Modell ist Corona resistent. Fabian hat sehr klare Meinungen über die Möglichkeiten der E-Commerce Anbieter und über das Vorgehen von Mediamarkt und Co. Er war bereits vor fünf! Jahren zu Gast bei Kassenzone. Damals ging es noch um die sehr populären Preisfehler großer Onlineshops die zu massenhaften Bestellungen geführt haben. Wer würde nicht gerne ein neues Apple Notebook für 50€ kaufen. In der aktuelle Folge geht es aber eher um smarte und nicht so smarte Händler und natürlich um die Frage warum man sich mittlerweile Autos fast kostenlos leasen kann. Reinhören!

Die Kassenzone Interviews sind verfügbar bei: Soundcloud, iTunes, Spotify, Youtube, Google Podcasts oder per RSS-Feed

PODCAST & Interview Transkription – für alle Leser, die Audio & Video nicht so gerne konsumieren. Die Transkription wird gesponsert vom führenden Loyalty Anbieter PAYBACKhier mehr erfahren und App herunterladen.

Online-Deals mit Fabian Spielberger, Gründer und Geschäftsführer von mydealz.de

Wer kennt es nicht? Eingefleischten E-Commerce-Fans ist mydealz jedenfalls ein Begriff – eine Legende sogar. Kein Wunder also, das Fabian schon einmal bei Alex saß. Das kontrovers diskutierte Gespräch unter dem Titel „mydealz: Fluch oder Segen für den Handel“ ist allerdings bald fünf Jahre her. Zeit für eine Neuauflage also, die wie so alles andere mittlerweile im Zeichen der Corona-Krise stattfindet. Welche Händler geben gerade ein gutes Bild ab? Es geht aber auch um das Brot- und Buttergeschäft: Wer nutzt mydealz und wie? Woher kommt das Wachstum? Und was sollte ein Händler wie MediaMarkt tun?

„Wir haben einen Riesen-Impact von der Corona-Krise gesehen.“

3:40

Alex: Deine erste Folge ist schon etwas her – Nummer 84! Jetzt sind wir in den 280ern angekommen. Also werden dich nicht alle Hörer schon kennen. Daher: Sag doch mal bitte, wer du bist und was du machst.

Fabian: Verrückt, wie die Zeit vergeht: Fast 300 Folgen? Ich gratuliere! Für die Hörer: Ich bin Fabian Spielberger und habe in den letzten 13 Jahren fünf Unternehmen (zum Teil mit)gegründet. Ich arbeite immer noch Vollzeit operativ bei Pepper.com, einer Online-Shopping-Community in 12 Ländern: In Deutschland kennt man uns unter dem Namen mydealz. Dort bin ich Geschäftsführer und habe lange Zeit den deutschen Markt geleitet; das habe ich aber jetzt aufgegeben, um mich ganz um die Internationalisierung zu kümmern.

Alex: Lass mich kurz vorlesen, wie ich dich Dezember 2015 im Artikel auf Kassenzone eingeleitet habe: „Bis zur K5 Konferenz in diesem Jahr in München dachte ich noch, dass MyDealz a) ein große Dealseite mit täglichen Preisfehlermeldungen ist und b) das dahinter ggf. ein paar hundert Leute als Community stehen. Der MyDealz Gründer Fabian Spielberger konnte diese Sicht in einem Vortrag bei der K5 sehr deutlich zurechtrücken. Zum einen sprechen die Zahlen mit über 500 Millionen Page Impressions pro Monat (komplettes Pepper Netzwerk) eine sehr deutliche Sprache. Hinter Amazon, ebay, Zalando und idealo.de ist mydealz nun die am häufigsten aufgerufene E-Commerce Seite in Deutschland.“ Stimmt das noch alles so?

Fabian: In den letzten Jahren haben wir doch noch einmal kräftig zulegt! Wir sind mittlerweile auf über 2 Millionen Unique-User pro Tag gekommen und Deutschland hat UK als unser größter Markt überholt. Unsere inzwischen 250 Mitarbeiter sind über sechs Büros weltweit verteilt. Als „gebootstrapptes“ Unternehmen ohne externe Investoren gibt es bei uns zwar keine „hockey-stick curves“, die exponentiell nach oben zeigen. Wir wachsen aber vernünftig und handeln unternehmerisch.

Alex: Weiteres Zitat von mir von damals: „MyDealz ist ein sehr mächtiger Katalysator, vor dem jede Marketingabteilung mit schlecht gepflegter Gutscheindatenbank zittert, über die sich Großhändler freuen die mal schnell 1000 Tablets in einer Stunde verkaufen wollen und die ein Wikipedia artige Community hat, die MyDealz mal lieben und mal hassen.“ Letzteres sah man übrigens auch in den Kommentaren unter dem YouTube-Video des Gesprächs sehr deutlich…

Hinter dem Punkt mit der „schlecht gepflegten Gutscheindatenbank“ steht ja das altbekannte Thema Preisfehler. Jeder alte E-Commerce-Hase hat so einen Case im Kopf: Es gab mal den Apple-Notebook für 1,00€. Solche Sachen verbreiten sich sehr schnell über die mydealz-Seite und bringen Händler ins Dilemma, ob man dann dazu stehen und liefern soll oder nicht. Gibt es solche Preisfehler noch?

Fabian: Klar, Preisfehler passieren immer noch, aber mittlerweile ist praktisch jeder Händler darauf vorbereitet und weiß, wie mit der Situation umzugehen. Das kann nämlich eine Chance sein, gut und auf Augenhöhe an den Verbraucher heranzutreten. Leider gibt es aber immer noch welche, die nicht ganz korrekt darauf reagieren. Die gesetzliche Lage ist doch relativ klar: Niemand muss verschicken. Wenn man es doch macht, ist es allerhöchstens Kulanz. Darauf vorbereiten muss sich jeder, weil keiner vor Fehlern gefeit ist. Vor dem finanziellen Ruin steht, glaube ich, niemand mehr.

Alex: Naja, das hat sich wegen Corona gerade geändert – aber da kommen wir gleich nochmal drauf zurück. Zunächst: Wie würdest du jemandem, der das E-Commerce-Ökosystem noch nicht so gut kennt, mydealz erklären? Denken wir an meine Frau: Sie kauft online bei Amazon und Limango ein. Was findet sie bei euch und was hätte sie davon, bei euch Mitglied in der Community zu werden?

Fabian: Mitglied werden muss man nicht: Auch nicht-registrierte User können die Seite benutzen. Wer aktiv an der Community teilnehmen möchte, muss sich aber registrieren. Um das vom Grund auf zu erklären, sage ich immer: „Das ist so wie Facebook, aber speziell für Shopping.“ Wenn Nutzer denken, dass sie ein besonders gutes Angebot entdeckt haben, teilen sie es auf der Plattform. Die anderen Nutzer bewerten das dann mit „heiß“ (gut) oder „kalt“ (schlecht). Daraus entsteht eine Temperatur für jeden einzelnen Deal.

Dahinter steht die Idee, das sich Verbraucher von Experten leiten lassen – nicht von Werbebotschaften. Das kennen wir ja doch alle: Es steht mal „50% Rabatt!“ oder „60% Preisnachlass!“, aber jeder, der sich ein bisschen auskennt, weiß, dass das Fantasiewerte sind. Unsere Community versucht durch diesen – ich nenne es mal so: – Marketing-Bullshit durchzuschneiden.

Es geht auch über den reinen Preisvergleich hinaus. Ein Fernseher mag zwar günstig sein, es gibt aber vielleicht ein besseres Modell für dasselbe Geld. Das würde dann in den Kommentaren von der Community angesprochen werden.

(Alex macht den Livetest und sucht auf mydealz.de nach der Kamera Sony Alpha 7 III. Anhand der dafür auf der Seite vorhandenen Deals schildern Alex und Fabian im Detail, wie das Modell funktioniert. Der erste von Alex angeklickte Deal leitet ihn zu Foto Koch weiter. Dieser wurde – wie 95% der Inhalte insgesamt – von einem Nutzer, nicht von der Redaktion reingestellt, erklärt Fabian. Zudem habe mydealz mit einigen Händlern Partnerschaften und verdient Provision, wenn sich Nutzer durchklicken und kaufen.

Einige Händler, so Fabian, versuchten ihre Deals selber reinzustellen, was nicht erlaubt sei, weil es das Vertrauen der Community beschädigen würde. Es gebe auch mal händlerseitige Versuche, mit Botnetzen eigene Deals hochzuvoten. Partnerhändler haben den Vorzug, dass sie Angebote zur Prüfung durch die mydealz-Redaktion einschicken dürfen. Deals, die für gut befunden werden, werden dann veröffentlicht. Im deutschen Markt arbeite mydealz mit rund 100 Händlern enger zusammen und mit Hunderten weiter in einem lockereren Verbund, erklärt Fabian auf Anfrage.)

15:25

Alex: Bist du selber noch ein intensiver mydealz-Nutzer? Wirst du auch ganz hibbelig, wenn du einen heißen Deal siehst…?

Fabian: Absolut! Ich kaufe nichts ohne mydealz und bin jeden Tag auf der Plattform, wo ich sehr, sehr viele Kommentare lese. In unserer App kannst du dir auch einen Deal-Alarm stellen. Beispiel: Du willst einen Nitendo-Switch haben, aber dafür gibt es gerade keinen guten Deal. Also gibst du „Switch“ ein und bekommst von uns eine Push-Nachricht, sobald es dazu ein Angebot gibt. Ergebnis: Wir verschicken mehrere Millionen Benachrichtigungen am Tag. Da mache ich auch mit – und stelle selber noch den einen oder anderen Deal ein. Das ist nach wie vor das, was mir am meisten Spaß macht, selbst wenn es nicht mehr wirklich Teil meiner Arbeit ist.

Alex: Ich könnte auch einen Deal bei euch reinstellen.

Fabian: Solange das kein Spryker-Deal ist, du!

Alex: Nee, von OneBeef – der Caterer vom OMR, der jetzt auch einen Fleisch-Lieferservice mit Rindern von mir macht. Der bietet 10% als Start-Angebot. Ist aber ziemlich nischig.

Fabian: Lebensmittel sind bei uns in der Community ein beliebtes Thema!

(Alex schreibt sich eine Erinnerungen, nach dem Gespräch das Angebot auf mydealz reinzustellen. Fabian bestärkt ihn in dieser Entscheidung – und gibt einen Tipp auf den Weg: Nicht die Nachteile vergessen! Wer von sich aus dem User sagt, wo der Haken ist, nimmt ihm die Unsicherheit und ebnet den Weg zum schnellen Kauf. Alex notiert sich diesen Rat und sagt, bis der Podcast live geht, wird er einen Deal schon reingestellt haben. Er werde Fabian auf WhatsApp Bescheid geben.)

19:05

Alex: Kannst du ein bisschen Einblick in eure Kanal-Aufteilung geben? Ihr habt ja die Website und eine App – und habt auch lange Zeit über WhatsApp gearbeitet, bis ihr das – wie ich – einstellen musstet.

Fabian: Wir waren einer der ersten, die auf WhatsApp mit raufgesprungen sind, und haben dort sehr schnell eine Community aufgebaut: Am Ende hatten wir fast eine Millionen Teilnehmer in der WhatsApp-Gruppe! Vom Anfang an standen wir im Kontakt mit WhatsApp. Was immer klar war: Es handelte sich um eine Grauzone, die früher oder später geändert werden würde.

Unsere Hoffnung war, dass Facebook – das ja WhatsApp kaufte – eher E-Mail denn SMS als Preismodell anlegen würde. Es zeichnete sich aber ab, dass sie eher Richtung SMS-Pricing gehen wollten. Bei 0,08€ pro Nachricht hätten wir dann schnell 3 Millionen Euro pro Monat für den Gebrauch bezahlen müssen…

Alex: Und das hätte sich nicht gelohnt?

Fabian: Eher nicht, befürchte ich. Ich find es auch ziemlich verrückt! Klar, WhatsApp ist cooler als SMS. Aber wenn ich eine Plattform mir aussuche und die begründete Angst habe, dass WhatsApp in sechs Monaten vielleicht schon wieder das Preisniveau anhebt, mache ich das nicht. Die Zeit war gut: Das war ein niedrigschwelliger Eintritt für Gelegenheitsnutzer – „Hey! Du denkst zwar, du bist nicht so der Schnäppchenjäger, aber melde ich einfach mal in unserer WhatsApp-Gruppe an und wenn’s dir nicht gefällt, bist du wieder weg…“ Obwohl wir dann bis zu drei Nachrichten pro Tag geschickt hatten, hatten wir aber täglich nur 0,02% Abmeldungen.

Alex: Mir wurde schon vorgeworfen, ich würde die Leute vollspammen, wenn ich mehr als nur eine Nachricht pro Woche verschickt habe…

Fabian: Anfangs haben wir nur die echten Highlights rausgeschickt. Die Rückmeldungen von den Usern: „Wir wollen mehr Deals!“ Da haben wir anfangen, täglich die fünf besten Deals zu schicken und fragten um Feedback. Die Antwort: „Wir wollen mehr Deals!“ Also gingen wir auf morgens und abends plus einzelne Nachrichten für besonders gute Deals.

Alex: Ihr habt vermutlich den Rückzug aus WhatsApp als Übergang zu eurer App genutzt?

Fabian: Genau. Noch auf WhatsApp machten wir eine Umfrage: „Wer kennt denn schon unsere App?“ „Wenn du die noch nicht benutzt, warum nicht?“ Ein Drittel unserer WhatsApp-Subscriber hatte schon die App, wollte sie aber nicht in der Form nutzen, weil es über WhatsApp eben bequemer war. Also haben wir das Feature einfach nachgebaut. Mittlerweile haben wir in Deutschland – glaube ich: – rund eine halbe Million tägliche Nutzer der App. Und ihnen haben wir jetzt das gleiche Format angeboten: so ein Push-Newsletter in der App.

(Nicht alle Funktionalitäten von WhatsApp ließen sich nachbauen – keine Sprachnachrichten zum Beispiel – aber mydealz habe über eine Million Abonnenten für den In-App-Newsletter gewonnen. Alex berichtet, wie er seine deutlich kleinere Zahl an WhatsApp-Gruppenmitglieder auf SMS umgezogen habe, bevor er Fabian mit dem damals unter dem YouTube-Video geäußerten Vorwurf konfrontiert, mydealz sperre allzu bereitwillig Konten von Community-Mitgliedern. Fabian erklärt den „Drahtseilakt“ Moderation, der darin bestehe, eine mittlere fünfstellige Zahl an Kommentaren täglich manuell zu lesen. Dass hier eine gewisse Fehlerquote vorkomme, sei unvermeidlich. Einige der verärgerten User hätten allerdings versucht, Eigenwerbung zu machen. Händler dürften ja aber ihre eigenen Deals nicht posten.)

29:30

Alex: Ich beobachte bei euch immer die Auto-Leasing-Deals. Letztens konnte man etwa als Gewerbetreibender in Berlin so einen Seat Mii oder Elektro-Golf für zwei Jahre fast umsonst leasen! Ich sehe mittlerweile dauernd Deals mit einem Leasingfaktor von 0,3% oder gar 0,2% des Listenpresies. Man kriegt 50.000€-Wagen zu 120€ im Monat… Geht es den Herstellern mittlerweile derart dreckig, dass sie es nötig haben, so ihre Autos in den Markt zu drücken? Oder haben die Deals bei euch nicht so eine hohe Aussagekraft, dass man darauf schließen könnte?

Fabian: Früher gab es zwar diesen klassischen Leasing-Faktor von 1% des Listenpreises. Das lag aber zum Teil daran, dass die Angebote nie wirklich transparent verglichen wurden. Die deutschlandweite Transparenz, die es mittlerweile gibt, hat dazu geführt, dass sich auch lokale Händler mit einem guten Angebot bundesweit Aufmerksamkeit verschaffen können. Und bei den E-Autos kann es für die Hersteller einfach ein kluger Trick, die prozentualen Auflagen zu erfüllen, zu denen sie verpflichtet worden sind. Die Anschaffungshürden für Elektroautos sind sonst noch einfach zu hoch.

Was im Übrigen verrückt ist: Man kann Autos immer noch nicht direkt bei den Herstellern kaufen! Das ist zwar gut für die Händler – und verstehe, dass es wegen der Ausstattung viele komplizierte Produktvariationen gibt. Es gibt aber keinen Grund, warum die Hersteller nicht selber online verkaufen.

34:30

Alex: Welche Deals werden eigentlich reingestellt? Eher welche von großen Händlern wie MediaMarkt oder doch von kleineren wie Foto Koch?

Fabian: Es sind eher große Händler und Fachhändler, die davon profitieren, dass sie bei uns reingestellt werden. Haben die großen Händler doch die Einkaufsmacht, um gute Deals anzubieten. Nischenhändler haben ein gutes Verständnis davon, welche Produkte gut funktionieren. Es gibt aber immer wieder neue Händler – wie letztens ManoMano, dem Baumarkt aus Frankreich, mit denen wir seit neustem zusammenarbeiten…

Alex: Demnächst auch im Podcast!

Fabian: Wir helfen auch bei der Internationalisierung. Geomix aus Österreich oder Sportspar aus Deutschland zum Beispiel – Sie verkaufen Restpostenware im Bereich Sportmode – helfen wir derzeit, in Frankreich und Großbritannien Fuß zu fassen.

37:15

Alex: Du hast eine sehr gute Übersicht über den Online-Handel, weil du ja Abverkaufsaktionen mitkriegst und über die Zusammensetzung des Handels dir ein Bild machen kannst. Was hat sich jetzt in der Corona-Krise geändert? Benutzen euch eure Partner jetzt verstärkt als Katalysator, um besonders viel Traffic auf ihre Shops zu holen und Marktanteile zu sichern?

Fabian: Dadurch, dass wir zu so einer Art „Metaplattform“ über alle Kategorien von Fernreisen und mehrere Tausend Euro teure Kameras bis hin zu Klopapier hinweg geworden sind, stimmt es schon, dass wir einen Überblick haben. Und ja: Wir haben einen Riesen-Impact von der Corona-Krise gesehen – leider Gottes, aber absolut verständlich. Die Kategorie Travel brach natürlich als erste komplett ein.

Alex: Ist Travel bei euch eine große Kategorie?

Fabian: Um Umsatz gemessen nicht so sehr, aber sie ist bei den Nutzern sehr beliebt, weil die Leute gerade in diesem Bereich gern Geld sparen. Die Kategorie war bei uns stark steigend: Jetzt liegt sie erwartungsgemäß bei fast null. Auch sonst gibt es keine Überraschungen: Supermarkt- und Baumarktangebote werden momentan rege benutzt. Gaming steigt schnell. Auch Streaming-Services wie Disney+, Audible & Co. sind hoch im Kurs. In der Kategorie Consumer Electronics verzeichneten wir anfangs einen starken Anstieg, der wieder etwas abgeflacht ist. Teilweise hat das damit zu tun, dass die Waren schnell vergriffen war. In UK kriegt man aktuell keinen Nintendo Switch unter UVP.

Alex: Stimmt. Bei notebooksbilliger.de gab es auch letztens so einen Banner – sinngemäß: „Nur zwei Laptops pro Kunde!“

Fabian: Und mangelnde Verfügbarkeit äußert sich darin, dass bei uns der Traffic hochgeht, während die Zahl der Transaktionen sinkt. Der Warenkorbwert steigt dabei. Die Leute gönnen sich also teurere Sachen. Unsere Hypothese: Die Leute haben schnell verstanden, dass sie vielleicht für längere Zeit viel zu Hause sein werden müssen und haben sich entsprechend überlegt, was sie alles fürs Homeoffice brauchen. Das ist natürlich eine Riesenchance für Händler, sich in Segmenten zu positionieren, die typischerweise noch offline gekauft wurden – und auch Zielgruppen anzusprechen, die generell nicht online gekauft haben.

(Ob mydealz was von der gesamtwirtschaftlichen Konsumflaute merkt, will Alex wissen. Eher nicht, antwortet Fabian: Man sei für seinen Traffic relativ unabhängig vom generellen Indikator Google. Darauf geht er auf Anfrage von Alex auf die Angebote bei Streaming-Diensten ein, die ja in diesen Zeiten der erzwungenen Freizeitverlagerung ins Digitale schneller wachsen denn je. Schulen sind geschlossen und Disney+ kam genau passend auf den Markt. Vorbesteller-Deals für den neuen Dienst waren äußerst beliebt.)

44:10

Alex: Elektronik ist ja einer eure beliebtesten Kategorien. Wenn du jetzt der CEO von MediaMarkt wärst: Was würdest du in Zeiten von Corona machen?

Fabian: Erst einmal: MediaMarkt kriegt zwar immer von rechts und links auf den Deckel, macht es aber gar nicht so schlecht. Wenn man nämlich überlegt, mit welchem Ballast sie arbeiten müssen, machen sie einen ziemlich guten Job. Amazon wird man in Sachen Convenience nicht schlagen können – und viele teilen diese Meinung nicht – aber ich finde, das Click-&-Collect einer der großen Vorteile von MediaMarkt ist. Da hat der Kunde dann die Gelegenheit, Sachen direkt vor Ort auszuprobieren und direkt mitzunehmen. Allerdings stehen der Einzelhandel ja schwere Zeiten bevor. So viel ist klar. Ob sie also auch in Zukunft ihre 5.000-Quadratmeter-Flächen in 1A-Lagen finanzieren können… Schwierig.

Nach vorne raus – ich glaube, hier werden wir uns einig sein – gibt es für mich für drei Kategorien von Händlern eine Berechtigung: Der Günstigste; der Fachmann, der einen gut beraten kann; der mit dem besten Service. Der Dritte ist Amazon. Das ist vorbei! Da braucht niemand mehr versuchen, da reinzukommen. So kann man entweder der Billigste oder der Experte sein. Durchgängig der Billigste zu sein, ist keine langfristige Strategie. Da sehe ich also die Chance für MediaMarkt: sich mehr auf Expertenwissen und Beratung fokussieren.

Das würde zu einer Veränderung führen. Derzeit kauft man bei MediaMarkt Regalmeter, weswegen  sich da mal 40 verschiedene Staubsauger aneinanderreihen. Eigentlich will der Verbraucher aber die Entscheidung abgenommen bekommen – von jemandem, der sich auskennt und sagen kann: „Du willst Baustaub wegmachen? Der hier wäre schon nach einmal saugen kaputt! Du machst paarmal im Monat bei dir im Büro sauber? Das ist der Staubsauger, der für dich das beste Preisleistungsverhältnis bietet. Du möchtest dir was gönnen? Der hier ist derjenige, den du brauchst.“ Sehr viel mehr Auswahl braucht man meiner Meinung nach nicht. So müsste MediaMarkt mehr in die Kuratierung reingehen – und probiert das schon im Gaming-Bereich teilweise aus.

(Fabian geht kurz weiter auf die Versuche von MediaMarkt aus, bei PC-Gamern zu punkten. Alex stimmt der Einordnung generell zu – und erklärt seine Herangehensweise an die Kategorisierung des Markts anhand seiner letztens live gegangenen Podcasts über Thomann und das niederländische Konzept Kamera Express.

Stichwort Niederlanden fällt Fabian ein, dass Amazon in Corona-Krise jetzt auch dort gestartet ist – was den Markt verändern und Platzhirsch Bol Schwierigkeiten bereiten werde. Allerdings seien Verbraucher gerade in der Krise bereit, lokalere oder kleinere Händler zu unterstützen und nicht automatisch alles bei Amazon zu bestellen. Das sei eine Chance für Nischenhändler und kleinere am Markt, sich zu positionieren. Wer sich jetzt nicht Online gut aufzustellen versucht, sagt Alex zustimmend – und abschließend –, brauche es nicht mehr in fünf Wochen zu versuchen.)

Neue Beiträge abonnieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.