Über 40 Mio. Umsatz ohne Angst vor Amazon – Kartenmacherei mit Christoph Behn

Die Kartenmacherei.de ist eines der Unternehmen, das sich auch innerhalb der Plattformökonomie nicht vor Amazon verstecken muss. Als Spezialist und Marktführer in seiner Nische hat es Christoph mit seinem Team geschafft viele Jahre hintereinander profitabel auf über 40 Mio. Euro Umsatz zu wachsen. Mit seinem neuen Projekt Better Ventures möchte er diese Erfahrungen weitergeben und auch die Kartenmacherei auf breitere Beine stellen. Spannend sind auch seine Erfahrungen zum Thema Internationalisierung.

Christoph war auch bereits zu Gast auf der Bühne der K5 Konferenz im letzten Jahr und wusste dort, wie auch im Cheftreff Podcast zu überzeugen. Eine sehr inspirierende Story aus Hamburg und München.

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Marktführer in der Nische, mit Christoph Behn, Gründer und Geschäftsführer von der Kartenmacherei

Mit acht Jahren ununterbrochener Profitabilität seit Gründung, einen Jahresumsatz von zuletzt 40 Millionen Euro und äußerst rosigen Zukunftsaussichten ist die Kartenmacherei von Christoph Behn ein Beweis dafür, dass sich Spezialisten mit klarer Kompetenz und echtem Kundennutzen nicht vor Amazon zu verstecken brauchen. Kunden können hier personalisierte Papierwaren zu allen Anlässen online entwerfen und erwerben. Hier erzählt Christoph seine Gründungsgeschichte und gibt Ausblick in die Zukunft seines florierenden E-Commerce-Unternehmens.

Die Transkription wird gesponsert von der auf SEO, PPC und Affiliate spezialisierten Online-Marketing-Agentur Xpose360, deren Gründer Markus Kellermann zuletzt in einem Podcast zu dem Thema zu Gast war.

„Wir haben einen großen Teil der Kunden bei uns.“

3:20

Alex: Wie seid ihr infrastrukturell und personell aufgestellt? Habt ihr eine eigene Druckerei oder vergebt ihr Aufträge und beschränkt euch auf die Gestaltung?

Christoph: Wir haben rund 170 Mitarbeiter, wovon ein relativ großer Teil – 60 bis 70 – im Customer-Service arbeiten. Dieser Bereich ist in zwei Teams unterteilt: Das eine ist klassisch first level, das andere second level – wobei Letzteres in unserem Fall deutlich größer ist. Denn häufig bestellt man bei uns zum ersten Mal (man heiratet schließlich nicht so oft und kriegt nicht jeden Tag Kinder) und diese Aufträge prüfen wir genauer: wir gucken uns Text und Fotos an, halten Rücksprache mit den Kunden wenn irgendetwas nicht optimal ist. Dann haben wir jede Menge Designer, die Karten entwerfen. Darunter sind viele Externe, die wir quasi als Pool nutzen. Wir haben ebenfalls Marketing und relativ viel Tech im Haus. Anfangs hatten wir zwei Leute und jeweils zwei Agenturen: Das war nicht viel. Heute haben wir inklusive Produktmanagement rund 30 Mitarbeiter im Bereich Tech und bauen an vielen Stellen unsere eigene Software.

Alex: Wie muss man sich das als Kunde vorstellen? Ich komme auf kartenmacherei.de und möchte Einladungen zu einer Hochzeit drucken: Bekomme ich ein paar Vorlagen, gebe meinen Namen sowie ein Datum ein und lasse es drucken?

Christoph: Perfekte Beschreibung! Wir haben größtenteils Such-Traffic noch: Unserer größter Referrer ist immer noch Google. Nebenbei bemerkt: Ich war vor rund fünf Jahren auf der K5 und da hieß es schon, keiner können mehr profitabel mit Google arbeiten. Wir bekommen das noch hin!

Alex: Aber das bezog sich doch auf SEA, nicht…

Christoph: Bei uns ist SEA profitabel. Wäre es das nicht, hätten wir ein Problem, weil es unser Hauptakquisekanal ist. Der Unterschied zu anderen E-Commerce-Modellen ist dabei, dass wir ein underlying event haben. Ohne den Termin oder das Ereignis, braucht der Kunde ja keine Karten. Das heißt im Umkehrschluss: Das kann ich nicht über Display-Anzeigen bewerben. Denn da mag ich zwar eine in Bezug auf Alter, Wohnort usw. schön zugeschnittene Zielgruppe haben; es ist aber tatsächlich schwierig, genau den richtigen Zeitpunkt zu erwischen.

Deswegen sind wir eben ein Suchgeschäft. Wenn die Leute heiraten, dann suchen sie explizit nach „Hochzeitseinladungen“. Das hat sich in den letzten Jahren einerseits ein bisschen geändert: Suchtraffic ist seit längerem stabil oder geht teilweise zurück. Andererseits wird es durch Social Media ersetzt: Facebook, Instagram, Pinterest…

Alex: Bevor es die Kartenmacherei gab: Wie haben die Leute Karten für Hochzeiten, Kindergeburtstage usw. gemacht?

Christoph: Es hängt ein bisschen davon ab, was das genau für Karten sind, aber für Hochzeitseinladungen ging man meistens zur örtlichen Druckerei. Auch Schreibwarengeschäften oder lokal ansässige Designer suchte man auf. In der Druckerei gab es früher riesige Kataloge an vorgefertigten Karten: Da wurde was eingelegt und aufs schöne Kärtchen mit viel Gold, Schleifchen und Tralala draufgedruckt. Und das hat sich nun komplett geändert. Die Kataloge gibt es so gut wie gar nicht mehr und die Druckereien verkaufen Karten online oder sind in unseren Bereich reingerutscht. Nur im Weihnachtskartenbereich gibt es das Modell „vorproduziert und draufdrucken“ zum Teil noch.

7:15

Alex: Seid ihr auch im nicht deutschsprachigen Ausland aktiv?

Christoph: Wir sind größtenteils in DACH.

Alex: Wie groß ist denn der Markt für solche Karten? Als ehemaliger Berater wirst du das wohl vorher gecheckt haben…

Christoph: Ich war da nicht so sehr beratermäßig unterwegs! Das war mehr eine Entscheidung aus der Perspektive des Kundennutzens gesehen. Wir sahen, dass der Markt nicht ordentlich bedient wurde und dachten, dass wir das besser hinkriegen. Vom Markt in DACH haben wir unseren Schätzungen zufolge rund ein Drittel. Allerdings ist der Markt für personalisierte Karten relativ klein, etwas intransparent und sehr nischig. Grußkarten, wie man die im Supermarkt kaufen kann, ist ein Riesenmarkt, wovon wir nur ein sehr kleiner Teil sind. Ein zweiter Markt, mit dem wir verglichen werden, ist Web-to-Print – also Fotobücher. Das ist aber tatsächlich ein ganz anderer Bereich.

Alex: Um so einen großen Teil vom Markt auf euch zu vereinen, werdet ihr wohl irgendetwas anders oder besser machen als die Konkurrenz. Auf Beratersprech gefragt: Was ist denn euer USP?

Christoph: Es gibt nicht den einen USP. Vielmehr geht es darum, dass wir ständig an uns arbeiten und uns immer weiterentwickeln. Wir haben uns nie mit dem ersten Domain oder mit der ersten conversion rate, die wir in einer Kategorie erzielt haben, zufrieden gegeben. Angefangen haben wir ja mit Geburtskarten und sind von dort aus in andere Produkte. Wir robbten uns immer näher an die Zielgruppe ran und fragten, was sie brauchen und was wir besser machen können. Konkret heißt das sehr viel Konverisonsoptimierung. Unsere Hypothese ist, dass wir die besten conversion haben. Das klingt zwar banal, das beinhaltet aber sehr viele Faktoren: Mein Marketingkanal muss im Zusammenspiel mit meiner Landingpage funktionieren, ich muss die Kombination der Kanäle richtig steuern… In einem Wort: Uns macht eine Kombination aus Design, Produktqualität, und Referrals erfolgreich.

(Alex fragt, ob die Karten einen Hinweis tragen, dass sie von der Kartenmacherei kommen. Standardmäßig ja, antwortet Christoph, aber den könne man als Kunde kostenlos entfernen. Andere Anbieter würden Geld dafür verlangen, aber Christoph finde das albern.

Danach geht es um Durchschnittswarenkörbe: Diese hingen sehr vom Ereignis her. Zu Hochzeiten gebe es mehr Gäste – und mehr Einladungen – als zu Taufen. Die Tatsache, dass die Kartenmacherei Tausende Aufträge am Tag in gleichen Formaten bearbeite, führt Christoph aus, ermögliche es, sie viel günstiger als alleinstehende Designer und Druckereien anzubieten. Er hatte als Berater Produktionsoptimierungen durchgeführt und kenne sich daher mit der Erzielung von Effizienz- und Skaleneffekte aus.

Alex versucht, eine Rechnung aufzumachen. Bei Warenkorbwerten von 30 bis 100 Euro und CPCs von  8-10 Euro, müsste Christoph eine Konversion von 30% erzielen? Er habe sich verrechnet, sagt Christoph, und nimmt kleine Korrekturen an der Überschlagsrechnung vor – ohne dabei konkrete Zahlen zu verraten. Zumal er auf Customer-Lifetime-Value rechne: Bei der ersten Bestellung komme man oft lediglich plus/minus Null weg, um bei einer Folgebestellung in die Rentabilität zu kommen.)

15:30

Alex: Ideale Customer-Journey: Die Leute heiraten und machen die Einladung mit euch. Dann gibt es Karten für die Gäste nach der Hochzeit mit Bildern. Danach kommt die Geburt – vielleicht zwei, sowie Taufen. Ich rechne da 5-10 Anlässe zum Kauf. Seht ihr solche Mehrfachkäufer?

Christoph: Ja, aber sie sind in der Minderzahl. Um so einen idealen Case hinzukommen, müsste man eine deutlich höhere Frequenz haben. Was wir sehen, zum Beispiel: Wir machen seit paar Jahren Kalender und da kommt ein relativ hoher Anteil wieder. Und innerhalb eines Events ist die Wiederkehrrate natürlich hoch: Wenn man die Einladungen schon mit uns gemacht hat, mache ich die Dankeskarte im selben Design. Vom einen Event zum nächsten? Das sehen wir auch, aber es wäre absurd, in Kohorten zu denken, weil das über die Jahre verteilt ist und nicht so planbar.

Alex: Hier kommen wir in die ‚Glaskugel der Personalisierung‘ rein. Da würde jeder E-Mail-Marketer sagen: „Das kann man supergut triggern. Im Schnitt bekommen die Leute ein Jahr nach der Hochzeit das erste Kind. Das könnte man in der E-Mail an den Kunden sogar ironisch so schreiben…“

Christoph: Ich erinnere mich an ein Zitat von jemanden von Windeln.de auf der K5: Er oder sie meinte, aus dem Data-Mining heraus könnten sie schon sehr früh sehen, wenn eine Kundin wieder schwanger wäre. Die Daten fehlen uns natürlich…

(Nach einem kurzen Seitenhieb gegen Windeln.de geht Alex zur Frage nach Marketing-Frequenz über. Sei es wie bei Fahrrad.de, dass die Käufer nur hin und wieder was kauften und dazwischen in Ruhe gelassen werden wollen? Christoph bestätigt das: E-Mail-Marketing gehe ihm selber auf den Keks. Die Leute kämen von alleine wieder, wenn man seinen Job gut mache. Zumal es gehe um wichtige, emotionsgeladene Lebensmomente, wo Aktionsrabatte einmal nicht an vorderster Stelle stünden. Da das Produkt zudem einzigartig und daher unvergleichbar sei, habe die Kartenmacherei nicht das typische E-Commerce-Problem, dass alle dieselben Artikel verkaufen wollen.)

20:40

Alex: Kann man denn bei euch auch Standardkarten kaufen? Das letzte Mal, das ich nach Geburtstagsgrußkarten online geguckt habe, bin ich – muss ich zu meiner Schande gestehen – beim 25er-Pack auf Amazon gelandet. Ich wollte ja auch nichts basteln. Müsste es nicht so etwas wie „Top Designs“ bei euch geben, die es einfach so zu kaufen gibt?

Christoph: Nee, haben wir nicht. Warum? Weil der Kern unserer Wertschöpfungskette in der individuellen Produktion besteht – nicht darin, Karten auf Lager zu haben. Abgesehen von paar Briefumschläge haben wir ja auch kein großes Lager: Wir produzieren live und so gibt es nur ein Zwischenlager, wo wir Bestellungen sammeln, bis sie versandfähig sind. Dann gehen sie sofort raus.

Auch das ist anders als im klassischen E-Commerce, wo Händler eigene Läger oder riesiges Outsourcing betreiben müssen. Das müssen wir glücklicherweise nicht – und müssen auch nichts vorfinanzieren.

Alex: Ihr bekommt viel Traffic auf die Webseite und dann ist die Frage nur: Wie kann ich aus Produktmanagementsicht das Erlebnis verbessern und den Kunden besser durch den Shop führen? Aber dann wäre für mich die Frage: „Wäre da nicht Platz oben rechts für so eine ‚Top-Ten Karten‘`?“ Oder (aus meiner Sicht jetzt): „Wenn da einer kommt und für seine Frau eine Geburtstagskarte kauft, warum verkaufe ich ihm nicht zehn davon – der Reihe nach für die kommenden Jahre?“ Das würde ja viele Probleme lösen… Oder das man auch Bilder gerahmt, als Kalender oder in Acryl als Leinwand verkauft. Ist so eine Diversifizierung nicht verlockend?

Christoph: Natürlich ist das verlockend. Im ersten Jahr habe ich ein Gründungszuschuss bekommen und musste ein Business-Plan schreiben. Da stand drin: „Dann Fotobuch, Kalender, usw.“ Auch Internationalisierung stand darin, was aber außerhalb der Schweiz noch nicht so richtig funktioniert hat. Holland haben wir aufgemacht, aber dann relativ schnell wieder geschlossen.

(Alex fragt nach den Gründen. Am Beispiel des Kinderkriegens geht Christoph auf die kulturellen Unterschiede zwischen deutschsprachigen Ländern und Holland sowie Großbritannien und USA in Bezug auf Gruß- und Dankeskarten ein. Und überhaupt wenig Kartenanbieter hätten erfolgreich internationalisiert, bestätigt Christoph auf Anfrage. Jeder Markt habe seinen Primus. Im Web-2-Print generell sei das einfacher: Flyerläden im B2B hätten das hinbekommen. Aber bei solchen privaten Anlässe machten kulturelle Unterschiede die internationale Expansion extrem schwierig, resümiert Christoph.

Auf halber Strecke fasst Alex „auf Kassenzone-Art“ bisher zusammen. Erstens: Woher die Kunden kommen. Hier lohne die Kundenakquise sogar über SEA, was selten der Fall sei. Zweitens: Was man an den Kunden verdient. Das Geschäft sei ab Beginn profitabel und man müsse nicht auf eine Gewinnschwelle warten. Drittens: Ob die Kunden wiederkommen. Einige würden das tun, aber nicht genug, als dass man Neukundenakquise runterfahren könne.)

28:25

Alex: Uns bleibt die Amazon-Frage. Kunden werden zunehmend nicht nur über Google sondern direkt über Amazon nach Karten suchen. Hierhin wird sich Traffic verlagern – und wenn ich mich nicht täusche, bietet Amazon sogar schon einen rudimentären Personalisierungsservice…

Christoph: Ja, es gibt Karten bei Amazon. Wir haben mit einer Zweitmarke greetinks schon ein paar – ich nenne das mal: – Experimente im Amazon-Umfeld gestartet. Bisher hat das mehr schlecht als recht funktioniert, weil Amazon ganz anders ist. So gibt es ein paar Konfigurationsmöglichkeiten mit Amazon Custom, aber das ist weit hinter dem was wir mit unseren Konfiguratoren ermöglichen. Derzeit wird das noch nicht unseren Ansprüchen an so einem Produkt gerecht: Da geht es gar nicht um Details, sondern darum, dass man – zumindest das letzte Mal, das ich geguckt habe – nicht mal vernünftig Text setzen oder Fotos hochladen konnte. Ich vermute auch, nach dem was ich höre, dass es bei Amazon Custom eher darum geht, Produkte mit Gravuren oder Ähnlichem zu personalisieren.

Alex: Kamen die auf euch zu und meinten: „Hey, Christoph, tolles Geschäftsmodell, lass uns mal kooperieren!“

Christoph: Soweit ich mich recht entsinne, kam es nicht von ihnen sondern von uns. Aus unserer Sicht ist es ja auch nicht uninteressant. Und es gibt ein paar Anbieter, die mit Amazon eine gewisse Größe erreicht haben. Wir zählten ja nicht gerade zu den first mover.

Was bei Amazon aber ein riesiges Thema ist: Dort suchen Kunden nach Einladungskarten – und dort konkurrieren wir mit anderen auf einer Produktseite. Anderswo ist eine Kategorieseite gegen eine Kategorieseite und man sieht unser ganzes Portfolio. Da können wir deutlich mehr Markenmerkmale rüberspielen. Auf Amazon treten wir mit einem einzelnen Produkt an.

(Christoph führt weiter am Beispiel Kindergeburtstage aus, wie die Abläufe bei Amazon nicht für Kartenmacherei-Produkte förderlich sind. Zudem seien die Tools von Amazon Marketing Services im Vergleich zu Google AdWords furchtbar intransparent. Erst neuerdings könne man einsehen, wo eine Anzeige zu welchem CPC ausgespielt wurde. Vorher sah man nur grobe Impressions-Zahlen und konnte nicht steuern. Und es bleibe im Verhältnis zu Google schwer steuerbar. Zudem glaube Christoph, dass Konsumenten – wie in der Kategorie Mode – noch nicht so oft bei Amazon nach Karten guckten. Er ruhe sich zwar nicht darauf aus, aber akut sei die Drohung durch Amazon keineswegs.)

33:45

Alex: Einige Zuhörer werden bestimmt sagen: „Das könnte ein tolles stationäres Konzept sein!“ Ich kann mir tatsächlich so Pop-up-Stores oder Weihnachtsmarktbüdchen für euch vorstellen. Habt ihr das schon einmal probiert?

Christoph: Probiert noch nicht, aber darüber nachgedacht haben wir schon viel. Zurück zu uns USPs: Unsere conversion rate in unserer Kategorie ist deswegen so hoch, weil wir uns darauf konzentriert haben.

Alex: Aber „Kartenmacherei“ hört sich doch so wunderbar offline-ig an: „Ich gehe zur Kartenmacherei…“ Da denke ich an Handschrift, Bändchen aus Seide usw.

Christoph: Wir haben schon mit Fernsehen experimentiert. Wenn überhaupt, funktioniert das zu Weihnachtsthemen – mit Kalendern zum Beispiel, wo wir ein immer größeres Sortiment haben. Aber mit unseren anderen Produkten habe ich da Streuverluste: Wenn ich Anfang des Jahres eine Werbung für Geburtskarten schalte, habe ich da nicht nur Frauen, die gerade ein Kind bekommen haben. Die kann ich im TV nicht targeten.

Alex: Aber war das erfolgreich genug, um weiterzumachen?

Christoph: Wir machen das jetzt im dritten Jahr und haben es schon weiter ausgebaut. Klar ist: Es ist nicht gerade günstig. Und dabei haben wir keine Spots bei The Voice of Germany oder so ähnlich. Das können wir uns nicht leisten.

(Christoph gibt ein paar Details dazu preis, wo und wie die Kartenmacherei im Funk und Fernsehen Werbung schaltet.)

36:20

Alex: Trotz des Erfolges hast du letztens gesagt, du willst wieder neues ausprobieren und hast einen Inkubator bzw. Investment-Fonds namens Better Group gegründet. Kannst du uns dazu was erzählen?

Christoph: Nachdem man einige Jahre Karten verkauft hat, stellt man sich schon die Frage, ob man doch nicht auch was anderes machen möchte. Die Frage stellt sich aus sowohl der privat-persönlichen Ecke als auch vom Geschäft aus gesehen. Wie wir heute eben besprochen haben: Die Eckpfeiler unseres Geschäfts kann man zwar positiv, aber eben auch als risikobehaftet einstufen. Kritisiere ich mich doch gerne selbst und frage mich, was in zehn Jahren ist.

Zudem haben wir gemerkt, dass Sachen wie Internationalisierung oder Portfolioerweiterung aus dem Kernteam heraus unter der gleichen Marke relativ gut funktionieren. Aber es gibt gewisse Innovationen, die wir tendenziell zwar könnten, aber die etwas weiter weg sind von diesem Kern. Das heißt: Man braucht wieder sehr unternehmerische Teams.

Dazu hatte ich Lust. So habe ich vor einem Dreivierteljahr bei der Kartenmacherei die Jenny Johannes eingestellt, die dort meinen Posten mehr oder minder komplett übernommen hat. Mein Bruder ist auch fast gänzlich raus und für meine Frau suchen wir Ersatz. Dann haben wir das Team, das einmal erfolgreich die Kartenmacherei aufgebaut hat und um das herum wir neue Geschäftsmodelle mit Techies, Designern und anderen ausprobieren können.

Idealerweise werden wir hier unfair advantages einsetzen. Das könnte heißen, dass wir White-Label-Produkte mit der bestehenden Wertschöpfungskette herstellen und weiterverkaufen. Beispiel: Individuelle Produkte für Dritte drucken. Auf der anderen Seite gucken wir entlang der Zielgruppen: So machen wir gerade eine App zur Hochzeitsplanung.

(Dazu erbittet Alex nähere Details. Zu früh, antwortet Christoph. Zwei Learnings schon: Sie sind „zu corporate“ rangegangen und müssen sich wieder als Gründerpersönlichkeiten mehr einbringen. Das sei kein Corporate-Incubator, der irgendwo weit weg ausgelagert sei. Es handele sich auch nicht um einen reinen Company-Builder, da nicht jedes Konzept dafür in Frage käme, mit dem man einen Exit machen könne. Im Kern gehe es darum, mit Geld aus der Kartenmacherei neue Ventures zu finanzieren, die vielleicht – aber nicht zwingend – verwandt mit dem bestehenden Geschäft seien.)

41:25

Alex: Es hören jetzt Tausende Leute zu und alle wollen dein Geld: Mit welchen Ideen sollen sie morgen bei euch anklopfen?

Christoph: Wir suchen Gründerpersönlichkeiten – gerne auch Frauen – in unseren Zielgruppen: Frauen, die bald heiraten, und Mütter/Eltern. In beiden Bereichen passiert online noch relativ wenig, was sie sehr spannend macht.

Alex: Hochzeitsplaner.com, also? Weil ihr da bereits Kunden, Kompetenz und Kontakte habt?

Christoph: Nicht gänzlich verfehlt. Die Hochzeitsindustrie ist relativ groß und wir gehören da zu den größten Anbietern: Es heiraten rund 500.000 Paare jährlich in den deutschsprachigen Ländern und wir hatten letztes Jahr 120.000 Paare bei uns. Das heißt: Wir haben einen großen Teil der Kunden bei uns. Dabei sind die meisten anderen Anbieter im Bereich Hochzeit noch sehr lokal aufgestellt.

Alex: Die Plattformökonomie besteht daraus, Zugang zu seinen Kunden zu verkaufen. Die Paare kommen zu euch für die Kunden und ihr lasst anderen Firmen bei euch die Daten kaufen oder Werbung buchen: Könntet ihr nicht so Geld verdienen?

Christoph: Werbung? Würden wir nicht machen.

Alex: Aber warum nicht? Ihr habt ein positives Produkt und könntet einfach den Kunden fragen: „Bist du bereit, auf dich zugeschnittene Anbieter aus deiner Region kennenzulernen? Beste Venues, bestes Catering, beste DJs…“ Vor allem bei letzteren tun sich viele Leute schwer!

Christoph: Doch, das würde ich gar nicht ausschließen. Teilweise bewegen wir uns dahin. Die Frage ist nur, mit was für ein Einstiegsmodell man es macht.

(Christoph erzählt, dass sie das mit Eventorganisations-App Celebrate schon angefangen hätten. Mit Reaktionsraten von 30-40% auf die DGVSO-Bestätigung habe die Kartenmacherei damit auch ein reges Interesse erfahren. Es gebe viel Potenzial insofern, als man es bei einer Hochzeit mit 20-30 Dienstleistern zu tun habe. Das sei stressig und die Kunden hätten es gern übersichtlicher. Dabei könne die Kartenmacherei vielleicht helfen.

Danach geht es um die Resonanz im Markt auf die Gründung von Better: Wie viele „Heiratsanfragen“ habe man bekommen, will Alex wissen. Es habe viele Finanzierungsanfragen gegeben, antwortet Christoph, aber vieles wäre bislang in einem zu späten Stadium gewesen: Better wolle ja in Frühphasenunternehmen und Unternehmer investieren.)

47:05

Alex: Worum wird es denn 2019 für euch gehen?

Christoph: Das wichtigste Thema ist: Wir wollen zeigen, dass die Kartenmacherei auch ohne uns als Gründer weiterhin erfolgreich sein kann. Wir sind zwar nicht komplett weg – wir sind ja im Büro nebenan – aber wir müssen uns trotzdem daraus zurückziehen, um uns den anderen Themen zu widmen. Dabei wird sich sicherlich das Gesicht der Kartenmacherei ändern und vielleicht hätte ich dann die eine oder andere Sache so nicht gemacht, aber das finde ich gut. Das Unternehmen muss sich da emanzipieren. Das andere Thema ist dann Better: Wir wollen zeigen, dass wir Konzepte entwickeln können, die traction bekommen. Das wird spannend! Nur weil man ein Geschäftsmodell aufgebaut hat, ist das keine Garantie, dass die nächste funktioniert.

(Kurz vor Schluss fällt Alex ein, dass er fragen wollte, warum das Unternehmen bis 2018 so lange so verschlossen war: Warum ging Christoph mit der Firmengeschichte an die Öffentlichkeit und was habe das gebracht? Das Hauptziel war Employer-Branding: Früher kannten die Bewerber das Unternehmen kaum, jetzt finden sie online Informationen zur Kartenmacherei.)

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