Wie wird man Amazons größter Händler?

KW-MobileDie diesjährige K5 Konferenz war so aufschlussreich wie nie. Selbst als nun langjähriges Branchenmitglied habe ich erstaunlich viele Impulse mitgenommen und kann Jochen in seiner Analyse nur bestätigen, dass der E-Commerce von 2015 nichts mehr mit dem E-Commerce von 2005 zu tun hat. Die Herausforderungen sind andere, auch die Chancen sind andere. Ich hatte die Ehre eine 2-Stunden Session zum Thema „Marken in der Amazonwelt“ zu moderieren und dort kam natürlich auch wieder Jörg Kundrath von Kavaj zu Wort, der sehr eindrucksvoll dargestellt hat wie konsequent sich innerhalb von Amazon „echte“ Marken aufbauen lassen. In der Diskussion um die Abhängigkeit von Amazon hat er mit der sehr einprägsamen Anmerkung „Ich bin lieber die Bitch von Amazon, als vom eigenen Shop“ geantwortet, dass er es sinnvoller findet den hohen Extraaufwand für die 10-20% Umsatzanteil in einen eigenen Shop lieber in die Amazon Optimierung zu stecken. So bliebe bei weniger Aufwand viel mehr Ertrag, und die 10-20% außerhalb von Amazon sind aus seiner Sicht eher Augenwischerei denn strategischer Alternative. 

Nach dem Vortrag hatte ich dieses Thema in diversen Gesprächen vertieft und ein dazu ein Gespräch mit Jens Wasel aufgenommen, der KW Commerce zu einem der größten Händler in der Amazonwelt entwickelt hat. Jens ist für mich der Prototyp eines digitalen Händlers, der nichts mehr mit den In- und Export Händlern vergangener Tage zu tun hat. Er hat KW Commerce innerhalb von 4 Jahren auf 160 Mitarbeiter und über 4 Mio. Pakete (vorrangig über Amazon) skaliert. Natürlich arbeitet auch eher an eigenen Marken, allerdings ist sein Vorgehen und Fokus ganz anders als bei Jörg von Kavaj. Er arbeitet mit niedrigmargigen Produkten im Bereich Handyzubehör und lehrt Hama, Belkin & Co. damit das Fürchten. Zudem experimentiert er fröhlich mit diversen Marktplätzen außerhalb von Amazon und arbeitet erheblich an seiner Vertikalisierung in und nach China. Mit Jens habe ich mich über all diese Pläne unterhalten und natürlich auch das Für- und Wider der Amazonabhängikeit diskutiert.

Die vielen Learnings zu Amazon aus den letzten 12 Monaten haben wir übrigens frisch zusammengefasst in einem 60-seitigen Paper, dass es seit heute gratis im Download gibt. Darin enthalten sind neben den viel gefragten Best Practice Strategien auch diverse konkrete Hinweise über das Konditionenprogramm von Amazon. Die Inhalte des Papers, die neusten Amazon Tricks und Strategien werden u.a. am 13. Oktober in Stuttgart beim nächsten DCDnet diskutiert. Zugelassen sind nur Händler und Hersteller nach Freigabe durch den Moderator und Paper Autor Markus Fost.


Amazon Paper hier downloaden


In den nächsten Tagen gibt es bei Kassenzone noch ein paar Interviews, die alle live im Rahmen der DMEXCO aufgenommen werden. Im Oktober folgen noch ein paar K5 Nachzügler, u.a. mit dem Gründer und CEO von body-change.de und natürlich mit dem CEO von mydealz.de, einer der mittlerweile größten E-Commerce Seite Europas.

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Alexander Graf, 35, E-Commerce Unternehmer & Autor, Gelernt und erste M&A-Tätigkeit bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Shop Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

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4 Antworten

  1. Rolf Lader sagt:

    Der Titel alleine hört sich nach „Wie bekommt man ein 1-Klasse-Ticket auf der Titanic?“ an. Jeder, der bei diesem Amazon-Ratten-Rennen mit machen und gewinnen will, der soll das tun.

    Viel Glück dabei, Rolf

    • Erik sagt:

      Rolf, du gehst in deiner Prämisse ja davon aus, dass Amazon = Titanic ist. Das ist eine Ansicht, die man haben kann – die viele tausend Händler, die sich dadurch ein echtes Standbein aufgebaut haben, aber nicht teilen werden.
      In dem Artikel geht es ja nicht darum, dass oder ob Amazon „gut“ ist oder „besser“ als andere Vertriebswege. Sondern darum, wie die, die es so machen wollen, dabei größtmöglichen Erfolg haben.

      Die Aussage von Jörg (Kavaj) ist schon ziemlich schlau, ich durfte selbst im Saal sein als er erklärt hat, wieso seine Marke auf Amazon funktioniert und wieso es für Ihn nicht in Frage kam, 50.000+ € in die Hand zu nehmen und einen eigenen Shop zu bauen bzw. bauen zu lassen. Letztlich geht es ja darum, wann und ob man von Amazon auf eine eigene Lösung umschwingt.
      Amazon ist nicht die Titanic, sondern die AIDA – und der eigene Shop die Privatyacht.
      Klar kann die AIDA auch gegen einen Eisberg fahren – die Yacht aber auch ;-).

  2. Anthony Carstensen sagt:

    Moin,

    ich verstehe schon ein wenig den Standpunkt von Rolf. Sehe es aber nicht ganz so negativ. Untergehen wird Amazon wohl nicht…

    Die Marken die erwähnt worden sind, sind AMAZON Marken, aber vielleicht noch keine „richtigen“ Marken. Die alles entscheidende Frage ist doch, ob der Kunde erst zu Amazon geht und dann auf die Marke stößt oder ob er proaktiv zu Amazon geht um dort kavaj oder kwmobile zu kaufen?! Und was nun der Fall ist, weiß vllt nur amazon… 🙂

    In meinen Augen liegt jetzt die Kunst aus dieser Abhängigkeit herauszukommen um eine „richtige“ und unabhängige Marke zu werden. Denn irgendwann und irgendwo hat mal ein schlauer Entrepreneur gesagt, dass man sein Geschäftsmodell nicht von eine (einzigen) anderen Firma abhängig machen sollte…

    Das sehe ich nämlich auch so. Ein Fuß auf der Yacht und ein Fuß auf der Titanic/AIDA. Da kann ein Schiff gerne untergehen. Dann stelle ich mich einfach auf das andere….

    Daher gilt für mich: Je mehr Boote, desto besser. Und in dem Punkt ist Hama, Belkin & Co. ein Schritt weiter.