Schöner scheitern mit Ansage – Learnings aus der Procato Pleite

Procato UnfallDen meisten Lesern hier wird der Name Procato wahrscheinlich nicht viel sagen. Ihr müsst euch den Namen auch nicht lange merken, weil das Projekt eingestellt wird. Die Gründe für die Einstellung sind mehr als offensichtlich. Das Projekt wurde ohne konkreten Kundennutzen, ohne USP, ohne sinnvolle finanzieller Ausstattung usw. gestartet – als digitales Feigenblatt einer Interessengemeinschaft, um den von Amazon geschwächten Fachhandel zu stärken. Ich glaube, allen Beteiligten war schon vom Start weg klar, dass so etwas nicht funktionieren kann, aber diese Projekte zum Schutz historischer Handelsstrukturen haben so eine gewisse Eigendynamik, und davon gibt es alleine in Deutschland dutzende. Im Fall Procato ist es nun aber besonders spannend, dass sich der B2B E-Commerce Blogger of the Year „Lennart Paul“ intensiv mit dem Thema beschäftigt hat und eine lohnenswerte Aufbereitung zusammengestellt hat. Sein Blog warenausgang.com ist das B2B Pendant zu Kassenzone.de und ich wünsche mir sehr, dass noch viele solcher Beiträge folgenden.

Zum vollständigen Procato Beitrag geht es hier: „Procato – Schrecken mit Ende“ Ein paar Schmankerl vorab sind u.a.:

Vielleicht ist es aber auch vermessen, den Herstellern solch großen Weitblick zu unterstellen. 2013/2014 waren Jahre, geprägt von noch planloserer Digitalisierungsunruhe als 2016. In dieser Zeit gründete Contorion, Grainger kam mit Zoro in Europa an den Start. Selbst der EDE setzte mit Toolineo ebenfalls eine Ente auf den Teich.

Auch sehr schön:

So ist Procato unter dem Strich aus Fachhandels-Sicht nur die Umdistribution von Werbekostenzuschüssen (WKZs). Statt jedem Fachhändler ein bisschen Geld zuzuschießen, bündelt der Hersteller den WKZ auf Procato, indem er dann den ganzen Batzen Geld an Google für AdWords überweist.

Sehr wahr:

Seitens der Hersteller hat man gemerkt, dass man es nicht schaffen wird, das Internet auf sein Geschäftsmodell anzupassen, sondern sich eher andersrum bewegen muss. Die Versuche, digitalen Wettbewerb künstlich zu unterbinden, sind gescheitert. Der Versuch, den Wettbewerb wenigstens als Oberschiedsrichter zu regeln, wird mit der Einstellung von Procato ebenfalls zu Grabe getragen.

Ich will hier gar nicht den Eindruck enstehen lassen, dass „wir“ digitale Superexperten das alles besser wussten, aber ein Geschäftsmodell zu starten, dass ohne echten USP für den Kunden daherkommt…. dazu gehört schon eine gewissen Portion Doofheit. Das traurige an der Sache ist für mich, dass man solche Projekte durchaus sinnvoll umsetzen kann, aber die Learnings von Contorion und Co. dafür akzeptieren muss. Solche Modelle sind mehr als nur eine Webseite mit Warenkorb. Sie basieren im Kern auf guten (Tech & Marketing) Leuten, sehr guter Technologie und 100% Kundenfokus. Procato hatte leider gar nichts davon.

Bei unserem nächsten Digital Commerce Day (DCD) mit dem Motto „Was ist die Alternative?“ wird Lennart Paul diverse B2B Panels moderieren, für die sich u.a. schon Zoro Tools (ein Grainger Unternehmen) und Wucato (ein Würth Unternehmen) als Speaker angemeldet haben. Da wird es sicherlich auch beim Thema Procato noch mal heiß hergehen. Zielgruppe des DCD sind Menschen, die sich nicht mehr mit der Diskussion über verschiedenen Vertriebskanäle aufhalten (müssen).

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Ein Gedanke zu „Schöner scheitern mit Ansage – Learnings aus der Procato Pleite

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