Amazon SEO

Amazon SEOAm letzten Mittwoch war es mal wieder soweit: Am Hamburger Flughafen haben ich verschiedene Herstellern getroffen, um über Flucht aus dem (Amazon-) Gefangenendilemma zu diskutieren. Ohne hier auf Details eingehen zu wollen, die bis Ende April hübsch formatiert in einem White Paper erscheinen, hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass a) Produkte die nicht exklusiv durch den Hersteller verkauft werden kaum aus der Preisfalle befreit werden können und b) Amazon ohnehin gewinnt, weshalb kooperative Strategien zur Zeit viel mehr gefragt sind als Anti-Amazon-Strategien. Im Vorfeld zu dem Termin hatte ich ein Gesprächmit Franz Jordan von Marketplace Analytics geführt, der mir erklärt hat, dass es mittlerweile eine “Amazon SEO” Industrie gibt und in diese grundsätzlich vergleichbar mit der Zustand der (Google-) SEO Branche vor 10 Jahren ist. Das fand ich sehr interessant und das Thema haben wir dem dem genannten Round Table im Detail diskutiert.

Franz hat mir ein paar Daten zur Verfügung gestellt und gezeigt, dass man analog zur Keywordoptimierung & Co. bei Google die gleichen Strategien bei Amazon anwenden kann. Bisher hatte ich nur die A+ Content Industrie im Blick, die höhere Conversions auf der Artikeldetailseite verspricht, wenn man die Inhalte zum Produkt hübsch verpackt. Die “Manipulation” der Suchergebnisse bei Amazon ist mir bisher gar nicht in den Sinn gekommen, aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Sinn macht das zur Zeit. Franz erklärt auf seiner Webseite das Ranking Ergebnis auf Basis mehrerer Faktoren, wobei die Produktdaten eine erhebliche Auswirkung auf das Ranking haben dürften.

Grafik-Rankingalgorithmus

Das erinnert mich alles sehr stark an die herrlichen Internetjahre in denen SEO noch etwas Geheimnisvolles umweht hat, bis es dann dank viele dubioser Methoden erst komplett ausgereizt wurde und heute vor allem dank des Google Monopols eine immer unbedeutendere Rolle spielt. Gibt es überhaupt noch reinrassige SEO Experten? Bei Amazon gibt es zur Zeit vor allem die “Onsite” Komponente, aber die hat es in sich. Amazon ist je nach Quelle zur Zeit die wichtigste Einstiegsseite für Einkäufe im Internet in Deutschland. Vor 5-8 Jahren, war diese Rolle auch noch Google vorbehalten. Das Suchverhalten zwischen Google und Amazon gleichen sich zunehmend. Man klickt sich nicht mehr aufwändig durch Kategoriebäume, um zum relevanten Produkt (aka Suchergebnis) zu kommen, sondern nutzt die Suche und erwartet sinnvolle Antworten. Die ersten Suchergebnisse beeinflussen unsere Kaufentscheidung insbesondere bei Low Involvement Produkten erheblich. Warum sollte man weitersuchen, wenn unter den ersten drei Produkten, z.B. nach “Ladegerät”, ein Produkt in der passenden Preisrange mit tollen Bewertungen und Lieferfähigkeit in den nächsten 16h steht? Bei Google wird auch nur noch auf die ersten zwei, drei Ergebnisse geklickt. Dazu fallen mir zwei Fragen ein? #1 Lassen sich die Suchergebnisse von Amazon beeinflussen? #2 Sind erreichte Rankings stabil?

Nachdem ich mich nun durch dutzende Suchergebnisse geklickt habe, würde ich Frage #1 mit “JA!” beantworten. Während bei Google für jeden Mininische verschiedenen Seiten um die Top 1 Position konkurrieren, scheinen bei Amazon gerade mal 5-10% aller Suchergebnisse von entsprechend optimierten Produkten beeinflusst zu sein. Anbei mal ein Beispiel für den Suchbegriff “Diktiergerät”

Diktiergerät Amazon

Das hier auf Platz #1 gerankte Produkt hat einen ordentlichen Titel, sauber geschriebene Produkttexte, viele Bewertungen usw…. Alles was ein optimiertes Produkt braucht. Ob das wirklich ein Diktiergerät ist, dürften Hersteller von echten Diktiergeräten bezweifeln, aber für den durchschnittlichen Kunden spielt das keine Rolle. Die Suchergebnisse nach Produkten in Amazon “Randsortimenten” sind oft unterirdisch. Da gibt es noch eine Menge SEO Potential, wenn man z.b. “Grüne Anzüge” oder “Pinke Unterwäsche” verkaufen will. Die zweite Frage ist meines Erachtens noch spannender. Wer es durch eine ordentliche Produktoptimierung erst einmal nach vorne geschafft hat, der kann sich dort auch festsetzen, wenn man ein paar Dinge beachtet. Das fällt bei Amazon-only Marken wie Kavaj oder Anker auf. Dort werden Kundenfragen/-bewertungen extrem schnell beantwortet, Kunden werden sehr kulant behandelt, die Verfügbarkeit wird optimiert. Diese beiden Beispiel sind sogar besonders spannend, weil diese Marken es in sehr umkämpften Produktbereichen (Apple Hüllen und Power Banks) geschafft haben nach vorne zu kommen. So etwas wäre bei Google heutzutage für umkämpfte Money Keywords “iphone kaufen” kaum noch möglich. Bei Amazon ist das Feld noch unbestellt und interessierte Unternehmen können viele Onsite Strategien von Google übernehmen. Für den Suchbegriff “Diktiergerät” rankt z.B. saturn.de sehr gut. Das liegt u.a. auch an den sehr langen SEO Texten auf der Kategorieseite. Das liest außer Google keiner, aber das ist egal. Das Ranking zählt. Auf Platz 1 für diesen Begriff rankt übrigens Amazon.de. Lernen von saturn.de 🙂

Diktiergerät-Saturn

Ein Traum wird wahr. Die schon vergessenen onsite-ranking-faktoren Listen können wieder vorgekramt werden und für alle Suchen, die nicht manuell vom Amazon Team angelegt werden, sind jegliche Konstellationen vorstellbar.Man mag es kaum glauben, aber pro Artikel lassen sich auch diverse (Meta-) “Keywords” anlegen. Diese Keywords sind bei Google gefühlt seit 2002 nicht mehr relevant. Natürlich kann Amazon alles jederzeit überschreiben, sperren und sanktionieren, aber durch die angestrebte Rolle als führende Produktsuchmaschine ist das genauso aussichtslos wie die manuellen Eingriffe von Google seinerzeit. Wer ein wenig in der SEO Szene stöbern will, dem kann ich die Beiträge von eisy.eu (praxisorientiert) und die Analysen im Sistrix Blog sehr empfehlen. Die Schritt für Schritt SEO Anleitung von moz.com ist auch sehr lesenswert. [Update: Auf moz.com gab es vor einem halben Jahr auch einen Artikel speziell zu Amazon SEO]

Was sollten Hersteller tun? SEO ist aus meiner Sicht das Ergebnis von technischen Unzulänglichkeiten bei Suchmaschinen. Die Algorithmen bieten Lücken die sich je nach moralischen Anspruch der Optimierer entsprechend ausnutzen lassen. Die Suchmaschinen wollen dem Kunden das beste Ergebnis bieten und versuchen überoptimierte Ergebnisse abzustrafen. Bei Google stimmt das nur noch zum Teil – die zeigen gerne ihre eigenen Produkte vor ggf. besseren Produkten von potentiellen Wettbewerbern an. Das wird auch bei Amazon zu erwarten sein, wenn deren Eigenmarken entsprechende Platzierungen brauchen. Die Amazon Basics, z.B. HDMI Kabel, sind ein gutes Beispiel dafür. Trotz dieser düsteren Aussichten lohnt es sich für Hersteller alle möglichen Optimierungsmaßnahmen zu testen, weil Suchmaschinen erstaunlich komplizierte Technologien sind. Wenn es heutzutage noch ausreicht, folgenden Texte zum Thema Socken (Zalando.de) zu schreiben, damit Google die Seite ordentlich rankt, dann würde ich mir bei Amazon erst einmal wenig Gedanken um Abstrafungen machen:

Du bist stets trendy ausgestattet unterwegs? Dann ist das Thema Mode für dich als moderner Mann wohl kein Neuland. Nie neu ist für selbstbewusste Männer auch der hohe Anspruch an ein Untendrunter, das nicht nur bequem sein soll, sondern auch zeitgemäß. Herren Strümpfe bekannter Marken erfüllen aus dem Stand beide Kriterien und sind wichtiger, als man auf den ersten Blick vermutet. Entdecke einen unvergleichlichen Tragekomfort, gepaart mit einem ansprechenden Design, wenn du Strümpfe für Herren suchst, die zum Freizeit-Outfit, sportlichen Aktivitäten und den Businesstermin passen. Dabei ist der Begriff fast so dehnbar, wie moderne Materialien. In kurzer Form kauft niemand einem Herren Strumpf den Schneid ab, wenn du einen Anzug oder die edle Stoffhose trägst. Vorsicht Farbe! Diesen Grundsatz sollten wir Trendsetter jedoch beachten, wenn wir einen eleganten Auftritt planen. Weitaus farbenfroher und rustikaler geht es bei Strumpfmode für Freizeitaktivitäten zu. Hier ist ein Plus an Funktionalität gefragt, wenn du als Hobby-Kicker oder Langstreckkenläufer spezielle Bereiche an deinen Füßen schonen möchtest.

Und das war nur die Hälfte des Textes auf der Sockenseite von Zalando! Los gehts: Titel optimieren, Beschreibungen optimieren, Bilder richtig bezeichnen, Meta-Keywords auf Suchanfragen optimieren, Bewertungen pflegen, Lieferfähigkeit optimieren….. Fokus auf den Short Tail der Produkte, um kostengünstig vorgehen zu können. Schon steht dem Amazon Ranking Erfolg wenig im Weg. Hinweis für große Hersteller: Eurer SVS ist der falsche Ansprechpartner für das Thema. Das müsst ihr selber machen, weil ansonsten keine Arbitrage möglich ist und SEO basiert ganz wesentlich auf Arbitrage Modellen – auch bei Amazon.

Update: Ich habe noch ein paar spannende Inhalte bei moz.com gefunden, der noch mal sehr schön darstellt, was es heißt mit der Google Brille auf Amazon zu arbeiten:

When I first started filling out search terms fields in Amazon, I would have done something like this:

Search Term 1 Sunblock
Search Term 2 Sunscreen
Search Term 3 Sun block
Search Term 4 Sun screen
Search Term 5 Mineral Sunscreen

Applying all the rules above, you actually want your fields to look like this.

Search Term 1 brush on block mineral powder sunscreen sunblock
Search Term 2 sun screen protection spf 30 suntan lotion tan kid
Search Term 3 baby spray face child family natural skin sport
Search Term 4 cream boat women men infant spf30 travel small
Search Term 5 solar defense uv facial sensitive babies

No word is repeated, there are no variations of the same word and I’ve used as many characters as possible for maximum exposure.

The search terms fields do influence ranking on Amazon. As an easy-to-prove example, one of our clients identified a common spelling of their brand name with only a single, outdated result. After adding the term to the Search Terms fields in all of their products, all of their products began to appear for that spelling of their brand name within an hour.

Was können Händler tun? Diese Frage wurde auch beim DCDnet Roundtable gestellt. Solange der jeweilige Hersteller seine Produkte direkt an Amazon verkauft und die Produktdaten pflegt, werden die Detailinfos aus verschiedenen Händlerdaten zusammengetragen. Wer am Ende in der Buybox oben steht hat aber nichts mit den gelieferten Produktdaten zu tun, sondern eher mit den Themen Preis, Bewertung, Verfügbarkeit usw. Klassische Handelsfaktoren also, bei denen kaum arbitriert werden kann. Händler müssen selber Marken für Amazon schaffen, die nur sie selbst verkaufen, weil es sonst schwer wird. Eine der wenigen Lücken die ich sehe ist, sind Fälle bei denen nur zwei-drei Händler in der Buybox konkurrieren und der Hersteller noch nicht an Amazon verkauft. Dann kann man seine Preisfolgestrategien auf die Produkte fokussieren die oft aufgerufen werden. Da gibt es ganz erstaunliche Erfahrungsberichte, die ich allerdings schon zu “Black Hat” Strategien zählen würde und die hier keine Bühne bekommen. Wirklich hebeln können sich Händler mit dem Thema nicht, aber wenn man sich neue Produkte für sein Sortiment aussucht, dann würde ich als Händler die Hersteller wählen, deren Produkte bereits auf Platz 1-3 bei Amazon ranken und bei denen es wenig Wettbewerb in der Buybox gibt.

Was macht langfristig Sinn? Amazon SEO ist ein Spiel auf Zeit. Aktuell gibt es noch diverse Arbitrage Optionen, aber mittelfristig dürften sich der Suchalgorithmus von Amazon verbessern und innerhalb der nächsten 5-10 Jahre dürften bei vielen Herstellern auch die archaischen PIM Systeme erneuert werden und die Produktdatenqualität in Summe steigen. Zur Zeit sieht es so aus, dass Amazon über die nächsten Jahre zum allseits dominierenden Händler wird, der die Kunden an sich binden kann. In Einzelfällen wird man Strategien finden, um die Kunden über ein Abo System (Beispiel von BRITA) an die eigene Marke zu binden, aber das dürfte max. für 1-5% der Einkäufe eine relevante Option sein. Bei den Austauschrunden zeigt sich zudem, dass wir hier nicht über isolierte Vertriebsstrategien reden, sondern über das grundsätzliche Marktverständnis von (Marken-) Herstellern. Die Entwicklung neuer Produktreihen, die exklusiv selber und/oder bei Amazon vertrieben werden ist in der Regel kein Thema, was Vertrieb und Produktmanagement mal so eben anschieben und entscheiden können. Erfolgreiche Hersteller von morgen müssen diese Kompetenz heute schon in der Geschäftsführung verankert haben, sonst wird es sehr schwer.

Die nächsten Gelegenheiten das Thema Amazon unter Herstellern (keine Dienstleister, keine Großhändler, keine konkurrierenden Hersteller) zu besprechen gibt es am:

  • 8. April in Köln (noch 6 Plätze frei)
  • 5. Mai in Frankfurt (ausgebucht)
  • 9. Juni in Stuttgart (6 Plätze frei)
  • 1. September in Düsseldorf (5 Plätze frei)
  • 1. Dezember in Hamburg (7 Plätze frei)

Das E-Commerce BuchMehr zu den Themen Amazon, E-Commerce Strategie und zur Bewertung diverser digitaler Geschäftsmodelle finden sich im Juni 2015 erschienenen „Das E-Commerce-Buch“ von Holger Schneider und Alexander Graf. Bereits nach kurzer Zeit führt das Buch diverse Bestseller Listen bei Amazon an und wurde im Schnitt mit 5 Sternen bewertet. 39,90€ Euro, 305 Seiten, 20 Jahre E-Commerce Know How.

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17 Gedanken zu „Amazon SEO

  1. Prima Artikel, (wie immer). Ich denke, dass das größte Optimierungspotential tatsächlich „Onpage“ liegt. Die Relevanzbeurteilung durch einen möglichst vollständigen Titel und eine perfekte Produktbeschreibung inkl. Haupt- und Modifier-Keywords, Synonyme zu verbessern sollte eigentlich längst Standard sein, ist es aber nicht wie man sieht. Eine schon „kreativere“ Strategie, wäre die Erwähnung des Abschneidens in einem Vergleichtest, was erlaubt für Brand und Modelle der Konkurrenz zu ranken. Bei Zubehör ist „geeignet für Modell A bis Z“ natürlich obligatorisch. Aus Sicht von Amazon kann es sich jedoch durchaus stark negativ auswirken, wenn Produkt-Suchergebnisse mit zu viel Zubehör vercluttert sind.

    Nach einem Relevanzalgorithmus, sollten meiner persönlichen Meinung ausschließlich Performancedaten zählen und die wiederum sollten eigentlich aus Amazon sicht auf einen maximalen partiellen eCPM optimieren. Da die „Regalfläche“ also der SERP-Real Estate pro Betrachtung das knappe Gut ist, sollte Amazon lediglich auf die Formel Klickwahrscheinlichkeit x Kaufwahrscheinlichkeit x Provision optimieren. (Also CTR x CVR x Innenumsatz) Das ist letzlich ja auch der AdWords Algorithmus, nur dass dor CPC anstelle von CVRxMarge tritt.

    Eine Berücksichtigung von weiteren Faktoren führt meiner Meinung nach im Fall von Google oder Amazon immer zu suboptimalen Ergebnissen und damit zu einem schlechteren Ergebnis. Populäre Produkte müssen oben erscheinen, dass ist durch den CTR/CVR Faktor abgebildet, zusätzlich wird noch ein wenig mit Ertragskraft multipliziert. So einfach wie sinnvoll.

    Für Shops ist es schwieriger, weil sie Lagerbestand, Kapitalbindung etc im Ranking zu berücksichtigen haben und auch unpopuläre Produkte für Abverkauf auf die Bühne schieben müssen. Ein weiterer Grund warum der Marktplatz effizienter ist…

    • Spannend bei der Provisionsformel ist ürbrigens nicht nur die Differenz zwischen EK und VK, weil es da bei vielen Artikeln kaum was zu holen gibt, sondern der Beitrag der Hersteller in Form von Anzahl SVS Stellen + WKZ Beitrag + xyz. Damit dürfte Amazon in vielen Fällen mehr verdienen als mit der Handelsmarge. Das ist auch gar nicht so einfach zu hinterlegen beim Ranking. Dafür müssten diese Daten in Echtzeit im Frontend verfügbar sein. Das sind sie aber sicherlich nicht.

      • Guter Punkt. SVS und WKZ iun Betracht zu ziehen verzerrt das optimale Ranking für den Kunden, könnten rein theoretisch aber für Amazon sinnvoll sein.

        Anderseits sollte die SVS Intensität idealerweise eine Funktion des Umsatzes und daher ein neutraler Faktor sein. Wäre es schlau, dass ins Ranking einfließen zu lassen? Was wären dann die richtigen Schlüsse daraus? Betreuungsintensive Kunden ranken schlechter, oder müssen mehr Umsatz machen?

        WKZ könnte man entweder als „Boost“-Faktor einbauen, oder aber in die Marge des Produkts einrechnen. So könnte der WKZ zum Beispiel auf dein EK Preis der Produkte angerechnet werden, damit wäre Marge größer und auch Ranking tendenziell besser.

        Tasächlich lässt man die Formel, glaube ich aber besser unangetastet, und schafft extra Positionen für den WKZ, so wie auch im Supermarkt extra Displays aufgestellt werden.

        • SVS ist einfach zu berechnen. 180k netto kostet der den Hersteller (wer mehr kauft, zahlt weniger). Amazon zahlt denen ggf. 60k inkl. Lohnnebenkosten, bleiben als 120k Deckungsbeitrag pro SVS. Bei der WKZ kann man natürlich die Aktionen (Newsletter, Vine Flaterate…) dagegen rechnen, aber auch hier wird wohl ein pauschaler Betrag in die Deckungsbeitragsrechnung eingehen. Wer mehr zahlt, bekommt mehr Liebe.

  2. Danke für den aufschlussreichen Artikel! Aktuell haben wir uns hauptsächlich mit der Relevanz von „Onpage“-Faktoren beschäftigt. Sehr interessant ist natürlich die Frage, inwiefern Amazon „Offpage“-Faktoren berücksichtigt. Einige Marktteilnehmer mit denen ich gesprochen habe sind der Meinung, dass Amazon die Anzahl der externen Verlinkungen von einem Produkt berücksichtigt und sich somit ein klassisches Linkbuilding auch positiv auf das Ranking auswirkt. Leider konnten wir selbst dazu noch keine eigenen Tests und Erfahrungen machen. Wenn durch externe Links mehr Verkäufe generiert werden, wird sich das zweifelsohne positiv auf das Ranking auswirken. Die Frage ist allerdings, ob bereits die reine Verlinkung ausreicht, um das Ranking zu verbessern oder ob die Verbesserung des Rankings nur auf die zusätzlichen Verkäufe zurückzuführen ist. Hat jemand diesbzgl. Erfahrungen gemacht?

    In den USA erstellen Händler zunehmend Blogs, Youtube-Channels etc. um dort ihre Produkte vorzustellen und auf ihre Amazon-Produkte zu verlinken um damit das Ranking zu optimieren. In Deutschland habe ich von solchen Aktivitäten bisher noch nicht viel mitbekommen. Auch hier wäre ein Erfahrungsaustausch sehr interessant!

    • Genau, Ziel der beschriebenen SM-Aktivitäten ist schlicht die Generierung/Umleitung von Traffic auf die entsprechenden Amazon Produktdetailsites.

      Amazons interner Algorithmus nutzt neben anderen die folgenden Faktoren, um die Sichtbarkeit von Listungen zu erhöhen: Anzahl Klicks auf die Produktdetailsite, Anzahl Bestellungen und CM. Listungen bei Amazon steigen demnach im Ranking, wenn nach Listungen gesucht, auf sie geklickt wird und wenn Bestellungen für Listungen eingehen.

      Denkbar ist freilich auch, dass die Amazon Wishlist oder bereits das Platzieren von Artikeln im Einkaufswagen, Einfluss auf das Ranking von Listungen bei Amazon hat.

      Und im Umkehrschluss kann diese Praxis dann auch einen positiven Einfluss auf Höhe und Anzahl von Amazon-Bestellungen bei Lieferanten haben.

  3. Ein klasse Artikel. Danke für die Einsichten und neuen Ideen. In meinen Augen ist es ganz klar dass Google häufig Amazon Produkte oben anzeigt. Schließlich will Google immer das bestes Ergebnis mit so wenig Suchabfragen wie möglich zeigen. Und da eh alle bei Amazon kaufen warum sollte man dann eine andere Seite zeigen?

  4. Und jetzt soll man sich auf das Amazon-Seo einlassen? Wie wäre es stattdessen, aus der Google-Sackgasse zu lernen? Und man darf davon ausgehen, dass es sich ohnehin nicht lohnt, den Weg einzuschlagen, er wird vermutlich viel kürzer sein, als er es schon bei Google war. Das ist nur interessant für Leute, die kurzfristig denken (ok, das sind Amazon-Händler im Grunde alle), der Rest braucht sich auch darum nicht zu kümmern.
    Ausnahme: Das man vernünftige Produkttexte anbietet, sollte inzwischen selbstverständlich sein, aber da das Geld kostet, wird mal wieder am falschen Ende gespart.

    • Wenn die Hersteller es als Sackgasse verstehen, ist es schon gut finde ich. Der strategische Fokus darf nicht auf „Amazon SEO“ liegen, aber es spricht nichts dagegen operative Ressourcen dafür einzusetzen, solange sich diese direkt refinanzieren.

  5. Passend dazu habe ich heute Morgen einen Anruf und folgende Mail hinterher bekommen:

    Sehr geehrter Herr XXX,
    vorab vielen Dank, dass Sie sich für unser Produkt entschieden haben.
    Nun in nur drei einfachen Schritten zur Bewertung und Ihrer Auswahl:

    Schritt 1:
    Öffnen Sie bitte folgenden Link

    http://www.amazon.de/XXX
    Schritt 2:
    Bitte klicken Sie dann auf „Eigene Rezension erstellen“ und bewerten Sie das Produkt.

    Schritt 3:
    Haben Sie Ihre Bewertung abgespeichert? Dann antworten Sie uns bitte auf diese Mail und schicken uns den Bewertungstext und den Namen unter welchem die Bewertung erstellt wurde.

    Wie telefonisch besprochen, können Sie sich noch ein Produkt aus unserem Shop im Wert von bis zu 10 € aussuchen.

    Bitte achten Sie darauf, dass das Wort „Firmenname“ im Produktnamen vorkommt und teilen Sie uns mit für was Sie sich entschieden haben.

    Bitte bedenken Sie, dass es 2-6 Tage dauern kann, bis die ausgewählte Prämie bei Ihnen eintrifft.

    Vielen Dank und hoffentlich dürfen wir Sie bald wieder als unseren Kunden begrüßen

    XXX

  6. Danke für deinen Beitrag. Das man Amazons Suche beeinflussen kann ist nur logisch, genau wie bei Google auch. Das sie Anzahl der Suchanfragen bei Amazon steigt ist für aktive Amazonverkäufer natürlich auch extrem spannend.
    Ich habe mich vor Monaten schon mal mit dem Thema auseinandergesetzt und gesehen, dass sich der Karl hier mit einem ebook positioniert hat -> http://www.buchmarketing.net/ – Dabei ging es noch um die Optimierung von Buchtiteln aber das Thema ist natürlich übertragbar.

    VG,
    Felix

  7. Pingback: Digital Commerce Day 2015 || 10h Kassenzone on steroids | Kassenzone

  8. Exzellenter Artikel – macht für Hersteller und Händler die Tür zu einem großen nächsten Thema auf. Wir beschäftigen uns seit Langem mit Produktdatenprozessen und PIM-Systemen. Bei unseren Kunden verändert sich der „Entwicklungsprozess“ für Produkte und Sortimente gerade massiv. Früher reichte es, die Produkte vor der Ausleitung in die Kanäle aufzubereiten, zu klassifizieren und „schön zu machen“. Gerade sehen wir, dass SEO in die Stammdatenwelt Einzug hält. Texte, Bilder, Attribute und Produktreferenzen werden zunehmend Kanal-, Zielgruppen-, Promotion-, Saison- und markenspezifisch, was nicht nur andere Systeme sondern vor allem andere Prozesse in den Unternehmen erfordert. Bleibt spannend!

    Michael

  9. Pingback: Hersteller verlieren – Kaufprozess verändert sich zu Gunsten von Amazon | Kassenzone

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