Zalando: Zahlen, Fakten, Gerüchte

Zalando bewegt die Gemüter. Das lässt sich in den diversen (oft trivialen) Beiträgen und den zugehörigen Kommentaren zu diesem Rocket Internet Projekt ablesen. Besonders oft liest man von angeblich überzogenen Bewertungen und Mitleidsbekundungen für die aktuellen und/oder die zukünftigen Investoren die das investierte Geld niemals wiedersehen werden. Die Mehrzahl dieser Beiträge sind lediglich subjektive Meinungen, teilweise auch Gerüchte, gestützt durch… nix. Das nehme ich in den folgenden Sätzen gerne zum Anlass, um möglichst Objektiv die Fakten von den Gerüchten zu trennen. Vielleicht lässt sich so eine faire Bewertung für das Projekt „Zalando“ ableiten.

zalando

Geschäftsmodell:

Zum Start vor knapp zwei Jahren, sicherlich inspiriert durch zappos.com, hat Zalando Amazon-like diverse Entwicklungsstufen im Zeitraffer durchlaufen und hat heute noch kaum etwas mit einem serviceorientierten Schuhshop zu tun. Mit der Sortimentsausweitung in den Bereich Fashion, dem Aufbau von Eigenmarken (sehr komplex) und den kürzlichen Ausflügen in Richtung E-Commerce Service Provider hat Zalando bereits wichtige Meilensteine geschafft. Ob das nun mit der guten Ausbildung des Teams (Grüße ans Gymnasium Kronshagen!) oder mit dem Support durch das Samwerteam zu tun hat, darüber kann gestritten werden. Ich denke eher, dass es notwendige Anpassungen sind, um mit so einem Händlermodell überhaupt Geld verdienen zu können. Sortimentsbreite durch Fashion = höhere Warenkörbe (mehr Ausschöpfung), Eigenmarken stärken die Marge und B2B Services sorgen für bessere Auslastung/geringe Stückkosten. Es geht bei einem solchen (unattraktiven) Händlermodell mE nicht darum die Gewinne zu erhöhen, sondern erst einmal in die Gewinnzone zu kommen. Das dürfte auch bei einer durch Florian Heinemann optimierten Onlinemarketingstrategie nicht einfach sein. Das Modell kann nur funktionieren, wenn alle Prozesse (inkl. Retouren) effizient laufen und große Umsatzvolumina erreicht werden. Den zweiten Part dürfte Zalando bereits geschafft haben. Beim ersten Part sind kundenseitig bereits sehr viele Themen in der Spur. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist die enge Verzahnung der diversen Absatzkanäle zu verschiedenen Preisstufen (Zalando, Lounge, Offers…) sehr intelligent. Wenn Zalando es schafft für die diversen Marken in Deutschland/Europa der größte Absatzkanal zu werden (für einige Marken ist das mE bereits der Fall), treten zudem noch Skaleneffekte ein, die deutliche Margenvorteile gegenüber anderen Händlern bringen kann. Trotz aller Optimierung wird es aber vor Investitionen auch langfristig nicht möglich sein zweistellige Margen mit diesem Modell zu erwirtschaften. Dafür die Kundenakquisition in diesem Markt zu teuer.

Strategie & Operations:

Ich gehe davon aus, dass Rocket das Zalando Projekt relativ opportunistisch entwickelt hat. Dass am Ende nun so ein dickes Ding daraus wird, war nicht absehbar und liegt nicht zuletzt an ein paar branchenbedingten Veränderungen und der Bereitschaft einiger Investoren mit viel Kapital in das Modell einzusteigen. Auf den ersten Blick sieht eine Inkubatorenstruktur denkbar ungeeignet aus ein solch kapitalintensives Modell zu entwickeln und langfristig zu halten. Bei näherer Betrachtung wird aber deutlich, dass nun nach fast zwei Jahren die Zentralstrukturen von Rocket bei Zalando nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Zalando führt also nicht mehr dazu, dass andere Projekte liegengelassen werden müssen. Es hat sich eher zu einer aktiv gemanagten Beteiligung entwickelt. Das wird u.a. auch durch mittlerweile einigermaßen professionelle Teamstrukturen bei Zalando deutlich, auch wenn sich die Mitarbeiter eher bedeckt halten bei Xing & LinkedIn. Auch Rocket hat sich in den letzten beiden Jahren weiterentwickelt. Nicht zuletzt darum äußert sich Oliver Samwer in Interviews offen für langfristige Engagements und ein Partnermodell bei Rocket. Das macht Sinn, weil das Geschäft weniger volatil wird und trotzdem genauso lukrativ sein kann. Die Frage „Wann verkaufen die endlich?“ ist aus meiner Sicht daher falsch. Es gibt keinen Verkaufsdruck mehr, solange der Business Case erfüllt wird. Ob es am Ende ein Börsengang wird oder einfach ein profitables Modell muss jetzt nicht entschieden werden. Auch diese Entscheidung (muss) wird opportunistisch fallen.

Operativ hat Zalando viele Sachen sehr gut gemacht. Sie sind beim Thema Online Kompetenz der mit Abstand beste Händler am Markt. Sie haben TV-Performance-Marketing groß gemacht und werden demnächst damit sicherlich in einigen Lehrbüchern zitiert. Grundsätzlich gab es solche Deals (auch im Radio Bereich) schon sehr lange, aber die gem. Branchengerüchten 60 Mio. Bruttowerbewert 2010 sind neu und definieren den Markt für Folger. Im Backend (Prozesse, Abwicklung, Retouren…) musste Zalando bisher sicherlich Lehrgeld zahlen, aber wer so stark wächst, wird das ausgleichen können. Zalando ist bereits jetzt DAS Online Brand für Fashion & Schuhe, hat ordentliche Werte im Bereich Kundenzufriedenheit und macht in der Abwicklung viele Sachen sehr gut. Im Bereich Steuerung & Performance der Kundenakquisition über alle Kanäle hinweg sind sie in dieser Größenordnung der Maßstab für den Markt. Man wird auf der Einkaufsseite sicherlich auch mal den ein oder anderen unzufriedenen Händler finden, aber die Marktmacht von Zalando (in Deutschland) ist bereits enorm. In der Summe werden die Partner mit Zalando zufrieden sein. Das nächste „Meisterstück“ wird die Etablierung starker Eigenmarken, die ordentlich Geld in die Zalando Kasse spülen (müssen). Das ist leider nicht so gut multivariat testbar wie der Aufbau von Landingpages und daher entsprechend teuer. Genauso verhält es sich mit der Senkung der Retourenquote und dem Aufbau von zugehörigen Prozessen. Mit etwas Geduld und Kapital sind aber auch diese operativen Herausforderungen zu meistern.

Zahlen:

Es kursieren die verschiedensten Zahlen im Markt. Ich versuche mal ein paar von den „Gerüchten“ zusammenzufassen.

Kapitalrunden: Laut Exciting Commerce gab es bisher 14 Kapitalrunden. Aus der Anzahl der Runden lässt sich leider nicht die Kapitalausstattung ablesen und schon gar nicht die Verteilung der Anteile. Da Zalando aber weiterhin ordentlich Gas gibt, insbesondere mit der kapitalintensiven Internationalisierung, scheint es kapitalseitig noch zu funktionieren. Die Kapitalrunden sind sicherlich auch im Interesse der Kapitalgeber, da sie so in jeder Runde zu aktuellen Bewertung, ggf. sogar unter Vorzugsbewertung, ihre Anteile aufstocken können. Kritisch ist ggf. die Höhe des bereits eingezahlten Kapitals durch die Hauptkapitalgeber. Damit sind sie gewissermaßen in einer Lock-In Situation und „müssen“ finanzieren. Die bisher getätigten Investitionen werden in dieser Größenordnung nicht mehr als Sunk Costs betrachtet, auch wenn es betriebswirtschaftlich sinnvoll wäre. Heißt: Auch wenn Holtzbrinck dem Modell mittlerweile kritisch gegenüber stände, würden sie weiter finanzieren. Ich gehe davon aus, dass mittlerweile ein niedriger dreistelliger Millionenbetrag in allen Zalandoaktivitäten steckt. Allein der Aufbau des Lagers wird bisher einen signifikanten zweistelligen Millionenbetrag gekostet haben.

Mediadeal: Zu diesem Thema gibt es sehr viele unterschiedliche Meinungen. In der Summe wird davon ausgegangen, dass der Mediapartner eine Kaufoption auf ca. 5% der Zalando Anteile zu einer vorher vereinbarten Bewertung hat. Im Gegenzug wird massiv Mediavolumen (ca. 60 Mio. brutto 2010) zur Verfügung gestellt und mit den daraus resultierenden Mehrumsätzen anteilig vergolten. Der Mediapartner braucht also ein ordentliches Tracking. Der Handelspartner wird versuchen die meisten Umsätze anderen Kanälen als Direct bzw. Google Brand zuzurechnen. Es ist nicht auszuschließen, dass es dabei auch mal zu Streitigkeiten kommt, wenn solchen Volumina dranhängen. Unabhängig davon scheint es für beide Seiten zu funktionieren, sonst wäre der Werbedruck nicht mehr so hoch. Ich gehe davon aus, dass alle etwas größeren Startups mittlerweile versuchen solche Deals zu bekommen. Auf der Medienseite steigt nach meiner Beobachtung auch die Bereitschaft solche Deals zu machen. Ungenutzte Werbeplätze stehen in Massen zur Verfügung. Ich bin gespannt wie sich z.B. die Beteiligungen des neuen German Media Pools entwickeln.

Umsatz: Auch beim Umsatz gibt es sehr unterschiedliche Annahmen. In den einschlägigen Blogs und Kommentaren gibt es aber viele Kommentare die auf Basis von Durchschnittswarenkörben, Retourenquoten, Trafficquellen & Co. gute Ansätze für eine Umsatzschätzung liefern. Außerdem gibt es Möglichkeiten die Bestellanzahl mit Hilfe der Artikelnummern zu schätzen. Das geht dann zwar langsam in den Bereich der Glaskugel, aber es liefert teilweise interessante Ergebnisse.  Basierend auf solchen Schätzungen und einigen Marktinfos dürfte Zalando 2010 zwischen 250 und 400 Mio. Euro Bruttoumsatz gemacht. Ich gehe davon aus, dass sie bereits jetzt teilw. Wochenumsätze jenseits der 20 Mio. Euro Marke fahren und wenig Probleme haben werden in 2011 die Milliarde Bruttoumsatz zu überspringen. Vielleicht wird es sogar noch mehr, aber dafür muss die Kundenbasis noch deutlich wachsen. Den leichten Einbruch bei Google Trends sehe ich noch nicht kritisch. Ich denke, dass Zalando mittlerweile in der Lage ist sehr viel direkten Traffic auf seine Website zu ziehen (Brand!), so dass Google mit dem Tracking nicht hinterherkommt. Interessanterweise korreliert der Google Traffic auch mit dem Mediadruck. Heißt: Die Kunden neigen dazu das beworbene Produkt/Unternehmen erst einmal bei Google einzugeben anstatt direkt auf die beworbene Website zu gehen.

Ergebnis: Es ist nicht zielführend in der aktuellen Phase über EBT & Co. zu diskutieren, weil wir ja gar nicht wissen welches Ziel mit dem Unternehmen verfolgt wird. Im Deckungsbeitrag 2 wird Zalando sicherlich profitabel laufen, aber was dahinter kommt ist von außen nicht ersichtlich. Vor Investitionen wird es allerdings schwer zweistellige Margen zu erreichen. Mich würde momentan interessieren, was generell vor Investitionen bei Zalando hängen bleibt. Das momentan viel Geld für den Aufbau der Unternehmung gebraucht wird, ist nicht zu übersehen. Das hat allerdings nichts mit der Profitabilität des Geschäftsmodells zu tun. Das wird in der Diskussion über Zalando aus meiner Sicht oft vermischt.

Bewertung: Szeneorakel Jochen hat gerade einen vielzitierten Wert von 1,6 Mrd. Euro zur Sprache gebracht. In den Kommentaren wird dieser dann auf ca. 1 Mrd. reduziert, weil die Annahmen noch einmal überprüft worden sind. Für ein Unternehmen, dass innerhalb von 2,5 Jahren auf ca. 1 Mrd. Euro Umsatz wachsen wird und hinter dem noch sehr viel Phantasie steckt, ist eine solche Bewertung durchaus moderat. Abgesehen davon ist diese Bewertung 100% virtuell, weil niemand 1 Mrd. Euro für Zalando gezahlt hat, sondern alle darauf wetten, dass das Unternehmen noch viel viel größer wird. Damit verabschiedet sich Zalando langsam von der Möglichkeit gekauft zu werden und muss auf einen IPO hinarbeiten, damit die Investoren ihren Einsatz kapitalisieren können. Als Käufer bleiben neben eBay und Amazon (unwahrscheinlich) nur noch sehr sehr wenige Unternehmen im Spiel. Verglichen mit den Bewertungen zu LinkedIn, AirBnB, Facebook und Groupon ist Zalando eher unterbewertet. Das hat allerdings nichts mehr mit den Zahlen zu tun, sondern ist eher ein Zeichen einer Blase. Auch beim erwarteten KGV (vor Invest) können bei 1 Mrd. Euro Umsatz und hoher Wachstumserwartung ordentliche Werte unter 20 erreicht werden. (eigene Schätzung)

Fazit:

Ich zolle größten Respekt vor dem was das Zalando Team und Rocket Internet innerhalb der letzten beiden Jahre aufgebaut hat. Dazu gehört schön sehr viel unternehmerische Kompetenz und operative Exzellenz. Mit dem oft gehörten „Geld verbrennen“ hat das aus meiner Sicht nichts zu tun. Man kann bei der Bewertung des Geschäftsmodells oder der Wachstumsstrategie sicherlich zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, ich halte es aber für äußerst gewagt Zalando als Blase zu bezeichnen bei der nur Geld verbrannt wird. Für Leute die lernen wollen wie heute E-Commerce funktioniert bietet Zalando sicherlich eines der attraktivsten Arbeitsumfelder in Europa. Ob es am Ende funktioniert und die Wette auf das Modell und den Markt aufgeht ist noch nicht abschließend zu sagen. Das liegt nicht zuletzt daran wie einfach die Beschaffung weiteren Wachstumskapitals wird. Momentan sieht es ganz gut aus. Eine kleine Finanzkrise kann sich allerdings sehr negativ auf den Erfolg auswirken. Es bleibt also spannend.

30 Gedanken zu “Zalando: Zahlen, Fakten, Gerüchte

  1. Ausgezeichneter Artikel, gut recherchiert.

    Bezüglich Bewertung bin ich nicht ganz bei dir. Das liegt aber eher daran, dass ich nun schon 15 Jahre in dieser Branche tätig bin, in dieser Zeit viele größere Projekte mitbetreut habe und einfach mehr auf Bilanzen achte. Nenn mich ruhig konservativ, aber ein Portal muss heutzutage nach über zwei Jahren keine EBIT-Marge von mind. 25% schafft, hat ganz offensichtlich Optimierungspotential.

    Cashburnrate ist ein erfolgskritischer Faktor, auch noch so potente Geldgeber schiessen nicht ewig nach. Und irgendwann wird der Exit schwierig, weil einfach schon zuviel Eigenkapital verbrannt wurde. Die „Story“ fuer den IPO sehe ich persönlich nicht so zwingend, auch wenn mir der Businesscase von Zalando durchaus gefällt.

    Alles Gute. Freu mich schon, mehr von dir zu lesen.

    Tom.

  2. @Thomas: 25% EBIT im Handelsbereich für einen „Universalhändler“ dieser Größenordnung halte ich nicht für erreichbar. Für Nischenmodelle mit andcren Strukturkosten stimme ich dir zu. Für das Zalando Modell halte ich 10% für schwer, weil die Kundenakqusition in der Breite einfach sehr ineffizient wird. Das sieht man ja schon an einigen SEM Einbuchungen auf Keywords mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr schlecht konvertieren.

    Bei anderen Modellen (z.B. klassische Intermediäre) sehe ich deine 25% auf jeden Fall auch als zwingend notwendig an.

  3. Danke für den spannenden Artikel. Ich teile deine Meinung, dass Zalando in vielen Bereichen als positives Beispiel herausgestellt werden kann. Meine größten Bedenken hast du im vorletzten Satz dann doch noch kurz gestreift: Thema Finanzkrise. Deren Auswirkungen wären allerdings ebenfalls differenziert zu betrachten…

  4. Sehr geehrter Herr Graf,

    das ist ja ein sehr interessanter Blick in die Glaskugel, mehr leider auch nicht. Alle Ihre Annahmen sind leider unbegründet und vermutlich sogar falsch. In der letzten Finanzierungsrunde hat sich die Mehrzahl der Investoren geweigert, Geld nachzuschießen. In Fachkreisen geht man sogar schon weiter und von der ersten großen Insolvenz aus. Diese Annahme ist auch begründet, da die makroökonomischen Daten in Deutschland fürs zweite Halbjahr ehere schlecht aussehen und weitere Gefahren aus der Staatsschuldenkrise herrühren.
    Dies wäre sehr Schade für den Internetmarkt Deutschland, denn wenn Zalando ins Insolvenzverfahren abrutsch, werden viele andere Firmen und damit gute Ideen folgen. Verhindern kann man dies jedenfalls nicht mit wohlwollenden und unsubstantiierten Beiträgen, sondern nur durch gutes Management.

    Herzlichst

    Ihr

    Dr. Bischoff

  5. @Dr. Bischoff: Vielen Dank für die Infos. Welche Annahmen sprechen Sie an? Die Finanzierungsrunden haben stattgefunden. Über die Art und Weise kann ich tatsächlich nur spekulieren. Die restlichen Einschätzungen sind bis zum Gegenbeweis erst einmal nicht falsch. Die Folgefinanzierungen sehe ich durchaus kritisch, aber deren Höhe ist doch z.T. durch Zalando selbst steuerbar. Wenn alles ganz schwarz aussieht, dann könnte man zumindest die Aktivitäten im Ausland einstellen. Fraglich für mich ist wie gutes Management die Finanzierungsthematik verändern könnte. Wenn weitere Finanzierungsrunden scheitern, wäre das tatsächlich sehr schade für die Deutsche Online Szene.

  6. Sehr guter Artikel!!! Es tut gut zu wissen, dass sich auch jemand etwas differenzierter mit der Thematik Zalando befasst, anstatt wild Zahlen und Gerüchte in die Welt zu setzen.

  7. Lieber Herr Graf,

    ich kann mich Ihnen in weiten Teilen anschließen (Folgefinanzierung, Zukunft der dt. Community). Der nächste Crash steht in der NET-Gemeinde leider bevor. Auch Groupon hatte ernsthafte Probleme in den letzten Monaten (Kunden springen massenhaft ab). Es ist immer Schade, wenn Firmen abgewicklet werden müssen, aber es gehört zum Wirtschaftsleben dazu und bietet neuen Ideen Platz. Die letzte Krise haben wir auch gut überwunden, wenn auch schmerzhaft. Aber irgendwer verdient ja immer.

    Ich kann Ihnen natürlich leider nicht sagen, woher ich meine Informationen habe, da ich mich dann strafbar machte; aber gehen Sie davon aus, dass ich gut informiert bin. Es wird in den kommenden Monaten auch strafrechtlich einiges auf uns zukommen.

    Es bleibt spannend und Dank Ihrer Berichte bleiben wir alle am Ball; Vielen Dank dafür.

    Ihr

    Dr. Bischoff

  8. @Bischoff: Dann sind wir einer Meinung. Ich hoffe natürlich, dass die Modelle weiterhin finanziert werden können. Bei Groupon mache ich mir da gar keine Gedanken. Bei Zalando würde man im schlechtesten Fall günstig verkaufen müssen. Andere Modelle müssen da schon eher bangen. In der Tat bleibt es aber spannend.

  9. Laut Geschäftsbericht erwirtschaftete Zalando im Jahr 2009 einen Jahresfehlbetrag von 1.596.354,57 Euro. Im Jahr zuvor waren es 202.738,29 Euro. Das Eigenkapital wurde von Ende 2008 auf Ende 2009 von 231.313,71 auf 22.113.422,66 Euro erhöht. Die Vorräte lagen Ende 2009 bei 3.701.669,92 Euro, das kurzfristig liquide Kapital (Kassenbestand, Bankkonto etc) bei 20.089.026,29 Euro.

  10. @Peter: Bei so einem Modell sind die Daten von 2009 nicht mehr aussagekräftig. Wir benötigen den Jahresabschluss 2010, der aber vor Ende 2012 wohl kaum auf ebundesanzeiger einzusehen ist.

  11. Pingback: Das Internet und seine Geldverbrennungsmaschinen

  12. Hey Alex,

    interessanter Post. Allerdings möchte ich doch einmal meinen Unmut äußern, da mir die Lobhudelei von Jochen und anderen – leider auch dir/euch – so langsam echt die Zornesröte in die Augen treibt.

    Warum? Nun, nicht, weil deine Bewertung falsch wäre, Zalando doof oder sonstwas. Nein, es geht mir eher um die Makro-Perspektive und die Probleme, die die Lobhudelei so mit sich bringt.

    Am Ende des Tages bleibt immer nur eine Botschaft hängen: „Liebe deutsche Unternehmer, versucht es gar nicht erst mit eigenen Ideen. Oder gar innovativen Geschäftsmodellen. Sondern kopiert, was das Zeug hält, und strebt den schnellen Exit an.“ Das Samwer-Modell war immer, ist, und wird auf dem Prinzip der CopyCat aufgebaut (bleiben). Ob Holtzbrinck, Tengelmann oder sonstwer – sie alle sind es, die diesen Jubelrufen folgen und nur in Dinge investieren, die kopiert sind.

    das finde ich traurig und beschämend – weil Innovationen so nie eine Chance bekommen. Fragen wir uns doch einmal, was die Samwer-Invests erfolgreich macht… sind es die innovativen Ideen? Nein – die sind geklaut. Ist es das exzellente Management? Nein, denn wenn ein Unternehmen den Startup-Status verlässt, kommen plötzlich Dinge wie Tarifverträge, AZO, Gewerkschaften, Betriebsräte etc. zum Tragen – und dann gibt es plötzlich realistische Kostenstrukturen. Es sind vor allem folgende Faktoren, die die Samwer-Invests – aus Kapitalmarktsicht, und nur aus dieser! – erfolgreich machen: Linkfarmen, Skrupellosigkeit und Netzwerke. Und… die Lobhudelei von Jochen, euch und anderen.

    Was wollen wir in D-Land werden – China 2?

    Danke, aber ich hätte gern mehr Fokus und mehr Begeisterung für neue, innovative Startups – und weniger Begeisterung für die drölfte CopyCat mit den realistisch einzigen Optionen IPO oder Verkauf.

    Zugegeben, eine altmodische Interpretation von Unternehmertum – aber ich mag halt Unternehmer lieber als Investmentbanker.

    LG DiP

    DISCLAIMER: Ich arbeite für OTTO, dies ist jedoch ausschließlich meine persönliche Meinung und keineswegs die Meinung meines Arbeitgebers!

  13. @Dirk:

    Innovationen bekommen durchaus Chancen und werden in D sehr gut gefördert. Wir haben vielleicht 1/20 oder 1/40 der Startupszene verglichen zu den USA. Klar kommt da weniger bei rum. Das ist aber noch lange kein Grund Geschäftsopportunitäten ungenutzt liegen zu lassen. Das wäre betriebswirtschaftlich dumm. Wenn es denn so einfach ist zu kopieren, warum machen es denn so wenige und fast niemand außer 2-3 Playern erfolgreich? Deine Sichtweise ist mir das zu sehr schwarz/weiß. Zalando ist ein ganz normales Handelsmodell, die Linkfarmen spielen in der Größe keine Rolle mehr und Skrupellosigkeit alleine führen noch nicht zu erfolgreichen Geschäften. Lobhudelei sieht anders aus.

    Die „Innovationen“ die ständig in der Kassenzone Inbox landen sind in der Regel leider keine. Meist handelt es sich um irgendein B2C Portal mit toller Mobile App oder innovativer Facebookintegration. Aber ich schaue mir alles gerne an. Her damit. Mein Fokus liegt durch http://www.eTribes.de aber mittlerweile auf B2B Softwaremodellen. Da kommt an dieser Stelle in Zukunft mehr.

    Vielleicht bin ich da zu sehr Kaufmann, aber Innovationen nur um der Innovation Willen finde ich langweilig. Spannend wird es für mich erst mit einem Geschäftsmodelle dahinter. Da machen die Copycats aktuell einen ordentlichen Job. Das kann natürlich trotzdem scheitern, wenn es (siehe Kommentarfeed) zu Engpässen in der Kapitalversorgung kommen sollte.

  14. Pingback: Lesenswert: Zalando, Teamsunited, Wappwolf, Samwer-Pleiten, DieRedaktion.de, Spredder.de, MS-DOS, Google :: deutsche-startups.de

  15. Letztendlich hat ein Unternehmen nur dauerhaft Erfolg, wenn die Ausgaben geringer sind als die Einnahmen.
    In nahezu jeder Branche kann mit hohem Geldeinsatz in kurzer Zeit Marktanteil „gekauft“ werden. Je länger aber die Einnahmen geringer sind als die Ausgaben, desto schwieriger wird es profitabel zu werden, zudem treibt der Druck, denn wenn genügend Geld da ist , kann man noch frei denken, sobald der Druck steigt, steigt der Grad des Aktionismus.
    Die Erweiterung von Schuhen auf Fashion mag nahe liegen, für mich ist es eher ein Zeichen, von Druck und Hochrechnungen, dass man allein mit Schuhen nicht ins Plus kommt. Bin mal gespannt wenn dann die (sehr gute) Fernsehwerbungszeit verdoppelt wird und nach der Schuhwerbung die Fashionwerbung eingespielt wird.

    Selbst wenn der Ablauf extrem effizient wird, sobald die Koaten für Werbung gesenkt werden, wird der Umsatz zurückgehen, da das Angebot in diesem Bereich einfach zu groß ist und keine Wechselbarrieren vorhanden sind.

  16. Das mit den Wechselbarrieren stimmt solange die Seite sehr stark von anorganischer Kundenakquisition abhängt. Wenn man aber die Werbeausgaben zurückfährt und jeder Akquisitionskanal profitabel ist (CLV Betrachtung), dann geht der Umsatz nicht zwingend zurück. Bei besserer Kundenausschöpfung (Sortimente, Services…) können die Ausgaben sogar wieder hochgefahren werden.

  17. Sehr guter Artikel und eine spannende Diskussion. Danke schon mal dafür.

    Ehrlich gesagt, kann ich mir bei den Samwers (und Rocket) nicht vorstellen, dass ein Verkauf nicht doch noch irgendwo im Hinterkopf eine Rolle spielt. Dafür haben sie mit diesem Modell schon zu großen Erfolg gehabt.

    Zur Frage der Innovation: Einen erfolgreichen Shop oder eine solche Nische zu besetzten ist natürlich immer einfacher als mit einer komplett neuen Idee zu starten. Wenn man sich das Rocket Portfolio ansieht kann man das in meinen Augen sehr gut sehen: Wirklich bekannt und erfolgreich sind nur wenige Projekte und hier muss dann auch irgendwann mal Geld verdient werden.

  18. Pingback: Link-Tipp: Zalando Bewertung at qrios

  19. @Dirk Ich sehe weder Alex noch mich lobhudeln. Nur dass man konsequent Infos zusammenträgt und sich eine Meinung zu bilden versucht, heißt ja noch nicht, dass man alles gutheißt, was da so passiert.

  20. @Dirk Ploss:
    “Liebe deutsche Unternehmer, versucht es gar nicht erst mit eigenen Ideen. Oder gar innovativen Geschäftsmodellen. Sondern kopiert, was das Zeug hält, und strebt den schnellen Exit an.”

    Das stimmt doch gar nicht, wer sagt deiner Meinung nach sowas? Ich denke du interpretierst – implizit – in den Sachverhalt, dass vor allem solche Companies gefundet werden rein, dass die Erwartungene per se so sind.
    Kausalität Ursache Wirkung nicht verwechseln.

    Außerdem gibt es ja nicht nur Internetfirmen, iphone Apps und airbnb-Quatsch der aus den USA kommt und hier kopiert wird.
    Im Ingenieursbereich gibt es hier jede Menge Forscher mit Patenten und Startups die das dann umsetzen. Klar könnte das noch mehr werden, aber wenn du eine disruptive Möglichkeit erforscht hast, die Ladezyklen von Batterien zu verkürzen und die Kapa zu erhöhen wirst du sicher kein Problem haben, Geld zu bekommen um das zu skalieren.

    Im Internetbereich gibt es hier vielleich einfach zu wenige gute Ideen, als dass sie in entsprechendem Maße gefördert werden könnten, wie wenn der proof-of-concept schon vorliegt.

    Man muss sich mal klarmachen, dass die Bewertungen die hier momentan gezahlt werden nichts aber auch nichts mehr mit der Realität zu tun haben. Das ist eine riesig große Bubble (auch durch das extreme Geldmengenwachstum in den USA und die ausufernde Staatsverschuldung vieler Industrieländer).

    Letztlich werden sich all diese Unternehmen an den harten Zahlen messen lassen müssen. Ein KGV von 100 oder mehr wurde noch nie lange an der Börse aufrechterhalten.

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