E-Commerce ist toll

Nachdem ich im Anschluss an das Barcamp Hamburg 2010 einen Artikel zum Thema (Lame) E-Commerce ist doof geschrieben habe, möchte ich in diesem Artikel die Gegenposition einnehmen. (Exciting) E-Commerce ist toll. Die Unterscheidung zwischen Lame & Exciting ist an dieser Stelle sehr wichtig. Klassische Shopkonzepte, auch wenn Zalando dank kluger Marketingstrategie etwas anderes zeigt, haben es zunehmend schwerer am Markt. Deshalb bezieht sich meine Empfehlung ausdrücklich auf Konzepte die den Markt anders (ggf. neu) angehen.

#1: Der relevante Markt ist sehr groß

Normalerweise streiche ich dieses Argument, weil Standard VCs u.a. damit Business Modelle einwerten. Auf diese Weise sind alle Startups im E-Commerce, Automobil, Pharme und Energiebereich interessant. Allerdings werden insbesondere im Handelsbereich die Regeln durch das Internet zunehmend auf den Kopf gestellt und damit potentiell viel Umsatz neu verteilt. Heißt: Die etablierten Player stolpern gerade mächtig über ihre eigenen Füße. Ich werde das in einem der nächsten Artikel am Beispiel Mediamarkt näher erläutern. Das macht die Sache dann doch wieder spannend.

Einzelhandel-Anteil-BIP

Einzelhandel Anteil am BIP (Quelle: Einzelhandel.de)

Der E-Commerce Anteil am Einzelhandelsumsatz beträgt je nach Berechnung unter 10%. Das sollte allerdings nicht abschrecken, sondern eher zum Markteintritt ermutigen. Die Verschiebung hin zu E-Commerce bzw. E-Commerce induzierte Offline Sales ist ungebrochen.

#2: Die Eintrittsbarrieren sind gering

Auch wenn dieses Argument langfristig gegen einen Einstieg in diesen Markt sprechen sollte, so kann es Gründern nur helfen. Kunden lassen sich leicht wie nie akquirieren, die Technologien stehen fast immer kostenlos zur Verfügung und die Kosten für Prototypen sind sehr gering. In einem Marktumfeld in dem die Kundenbindung immer schwerer wird (geringe Wechselkosten auf Kundenseite) gelten diese Regeln umso mehr. Dazu empfehle ich auch unseren Artikel zum Transparenzdilemma.

Wettbewerbseffekte

Wettbewerbseffekte

#3: Man kann das schnellste erste Mrd. $ Unternehmen werden

Groupon ist neben Facebook sicherlich das am meisten gehypte Online Unternehmen in 2010 gewesen. Und es war das Unternehmen mit der kürzesten Zeit zur ersten Umsatzmilliarde.  Aus meiner Sicht wird es nicht das letzte Commerce Startup gewesen sein, was so einen Medienhype auslöst und alle etablierten Wettbewerber zum Handeln zwingt – auch wenn ich den Versuch von ebay lächerlich finde. Wer es also auf viel Aufmerksamkeit von Presse und Wettbewerb anlegt, der ist im E-Commerce richtig. Ggf. wird euer Startup dann auch Ziel diverser kluger Anlaysen á la Pareto Optimierung.

Pareto & Groupon

Pareto & Groupon (Quelle: evanmiller.org)

#4: Social Commerce ist gerade mal bei 1%

Diese Aussage ist vom Google CEO der damit aber „nur“ das Thema Social gemeint hat. Es wurde in den letzten Jahren zwar viel über Social Commerce geschrieben, aber neben ein paar kleinen Versuchen á la polyvore & Co. und einer supertollen Social Commere Definition ist noch nicht viel passiert in diesem Umfeld. Das liegt zum Einen am sich erst langsam anpassenden Nutzerverhalten und zum Anderen an der Verfügbarkeit und Verwendbarkeit sozial geprägter Daten. Dieses Thema verändert sich Dank Facebook rasend schnell. Die Datenschutzdebatte hinkt da leider ein paar Jahre hinterher, aber das wird schon noch. Wenn man sich mal gedanklich von banalen CheckIn Aktivitäten löst, lassen sich wirklich einige sehr spannende Ideen skizzieren. Da erhoffe ich mir von den Live Shopping Days 2011 ein paar interessante Inputs. Ein paar Resttickets gibt es übrigens noch.

Social Commerce Definition

Social Commerce Definition

#5: Der Rest

Es gibt sicherlich noch ein paar mehr Gründe, die ich nicht mehr ausführlich auflisten will kann:

  • Commerce Geschäftsmodelle sind meist einfach an Investoren zu pitchen
  • Commerce Geschäftsmodelle verdienen kein Geld durch Werbung
  • Commerce Geschäftsmodelle haben in der Regel sehr kurze Proof of Concept Zeiten
  • Tolle Blogs wie kassenzone.de schreiben über Startups im E-Commerce Umfeld
  • ….

7 Gedanken zu “E-Commerce ist toll

  1. Bezüglich der letzten Grafik: „bedarfsweckend“ ist totaler Quatsch. Wecken kann man nur ein Bedürfnis (Kunde _will_ etwas haben), niemals einen Bedarf (Kunde _benötigt_ etwas). Bedarfsweckung bedeutete, zum Kunden zu fahren und seine Waschmaschine zu zerstören…

    Am besten lässt sich die Abgrenzung so nachvollziehen: Ein Bedarf führt zu der Tätigkeit „Einkaufen“, ein Bedürfnis (das durchaus latent sein kann!9 führt dagegen eher zum „Shoppen“. Der Duden liefert hier eine ganz interessante Abgrenzung.

    Ansonsten interessanter Post, wenngleich an der einen oder anderen Stelle aus meiner Sicht zu oberflächlich. So fehlt mir zum Beispiel eine genauere Erläuterung, warum Gamification (so interpretiere ich „Spiel“ auf der Impulsebene) kennzeichnend sein soll für Social Commerce.

    Und meine (abweichende) Meinung zu Groupon dürfte ja mittlerweile bekannt sein…

    Gruß, Dirk

  2. @Dirk: Das stimmt. Dazu haben wir ja schon beim originalen Artikel diskutiert.

    Zu Social Commerce hätte ich noch eine andere „Definition“. Geschäftsmodelle die vorrangig von der Interaktion unter oder mit den Kunden leben. Das beinhaltet nat. nicht den Check Out Prozess.

  3. Ich will jetzt eigentlich keine Diskussion über Social Commerce lostreten, weil der Gesamtartikel dafür eigentlich die Situation zu gut erfasst. Aber ich denke, dass der ganze Social Commerce Bereich in Deutschland nicht nur in der Gesetzgebung, sondern auch an der „ich gebe meine Daten nicht an die dunkle Seite“-Mentalität der Deutschen hakt. Selbst wenn hier die Gesetzgebung nachzieht kann es also sein, dass der Marktanteil in den kommenden Jahren nur marginal stiegt.

    Aber ansonsten ein *thumbs up* für die Analysetools!

  4. „Die Datenschutzdebatte hinkt da leider ein paar Jahre hinterher, aber das wird schon noch.“

    „sondern auch an der “ich gebe meine Daten nicht an die dunkle Seite”-Mentalität der Deutschen hakt“

    Verstehe ich das richtig, das Datenschutz eigentlich nur ein Störfaktor für den Anbieter ist, der ihn daran hindert, mehr zu verkaufen?

  5. @André: Datenschutz ist aus meiner Sicht sehr wichtig. Allerdings ist die Diskussion darüber sehr emotional. Ich betrachte das gar nicht so sehr aus der Sicht „mehr verkaufen“ sondern stärker aus der Sicht „besser verkaufen“.

  6. Woher rührt eigentlich die Annahme, dass Social Commerce aus technischen Gründen, fehlenden Daten oder einer leidigen Datenschutzdiskussion scheitere – wer sagt uns, dass die Nutzer nicht einfach keine Lust darauf haben?

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