Omakuchen online kaufen – Katharina Mayer, Founder Kuchentratsch

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Ich habe Katharina zufällig in diesem Jahr auf der K5 Konferenz gesprochen und ich habe mich umgehend in das Geschäftsmodell „verliebt“. Echten Omakuchen online kaufen. Was ist das denn für eine geile Geschichte. Die Geschichte ist schon etwas älter, reichlich im Rahmen DHDL besprochen worden und zwischenzeitlich musste Katharina Insolvenz anmelden, konnte das Startup aber schlussendlich noch an eine Großbäckerei verkaufen. Was ist da besonders gut / besonders schlecht gelaufen? Wo gibt es den besten Kuchen? Eine kleine Weihnachtsgeschichte….

Kuchen und Omas online mit Katharina Mayer, Gründerin von Kuchentratsch

Vor acht Jahren gründete Katharina Kuchentratsch mit keinem geringeren Ziel als „das Leben lebenswerter zu machen“ – mit Kuchen, selbstverständlich. Konzept: Seniorinnen zeigen ihr Können und die Backerzeugnisse werden online versandt. Das stiftet Sinn, schafft soziale Teilhabe und wirft den einen oder anderen Euro ab. Zu schön, um lange zu währen? Mitte des Jahres war Kuchentratsch insolvent. Darüber – sowie über die beachtlichen Erfolge und Erlebnisse davor – gibt Katharina hier in beachtlicher Offenheit Auskunft.

03:40     Wie fing es an? Frisch von der Uni ersann Münchnerin Katharina das Konzept: Backkundige Omas kommen in eine Backstube, um sich gegenseitig kennenzulernen – und dabei als Angestellte in Teilzeit etwas dazuzuverdienen. Um den digitalem Vertrieb und Versand kümmert sich Katharina. Die Frage: Würden sich hier Sozialesund Wirtschaft unter einen Hut bringen lassen? Zumal 2014 die Idee, „Kuchen im Netz zu kaufen“, noch reichlich verwegen anmutete…

Anfangs suchte sich Katharina samt eigener Oma und ehemaliger Nachbarin eine Kantinenküche, die sie immer montags anmietete. Die Seite Kuchentratsch.com kriegte Katharina zwar schnell live. Von Online-Marketing verstand sie aber noch nichts. Aufmerksamkeit – und erste Kunden – kam zunächst eher von wohlwollender Berichterstattung in der gedruckten(!) Presse. Die Geschichte ließ sich ja bestens erzählen und bald war Kuchentratsch dadurch in der Lage, per Crowdfunding eine eigene Backstube zu finanzieren.

08:30     In welcher Größenordnung wirkte sich Presseberichterstattung aus? Anfangs wurde nur München bedient: Sowohl die Resonanz von einem Artikel als auch der potenzieller Kundenkreis war auf die bayerische Hauptstadt begrenzt. Selbstabholung durch einzelne Kunden war der Regelfall. Viele lokale Cafés zeigten aber wider Erwarten kaum Interesse. Es zeigte sich: Einige lassen privat (also: schwarz) backen, weil es so besser als im Großhandel aber günstiger als von der Bäckerei ist.

Die Devise war aber: Vieles ausprobieren und sich dann „auf die Sachen konzentrieren, die funktionieren.“ Irgendwann hatte Kuchentratsch doch an die 40 Münchner Cafés als Abnehmer, die ein soziales Bewusstsein gemein hatten. Und entdeckte den bundesweiten Online-Versand als Wachstumshebel für sich.

12:40     Wie wurde dieser Versand von Kuchen und Torten auf- und ausgebaut? „Das war ein total langer Prozess.“ Von der ersten Idee bis zum offiziellen Produktstart 2017 vergingen anderthalb Jahre. Als Teststrecke für verschiedene Verpackungen diente der Versand von München zu einer Tante im Norden der Republik. Erst ein Auftritt bei der „Höhle der Löwen“ brachte die notwendigen Mittel, um passende Materialen für verschiedene Erzeugnisse eigens zu entwickeln.

14:30     Alex: „Perfekt für „Die Höhle der Löwen“! Klassisches Endkonsumentenprodukt, viele emotionale Aspekte, man kann super Videos dazu drehen…“ Katharina: „Da haben wir eine Oma und einen Opa mitgenommen und denen die Möglichkeit gegeben, eine ganz andere Erfahrung zu sammeln – und um wirklich zu transportieren, worum es uns geht.“

Ergebnis: Dagmar Wöhrl und Carsten Maschmeyer investierten 100.000 Euro und nahmen dafür einen Anteil von 10%. Wegen der Verzögerung zwischen Aufnahme samt Invest einerseits und der Ausstrahlung andererseits konnte sich Kuchentratsch auf den zu erwartenden Ansturm nach dem Sendetermin einstellen: neuer Online-Shop mit Shopify, höhere Server-Kapazität… In den ersten zwei Wochen nach der Sendung gingen rund 7.000 Kuchen Bestellungen ein. Zum Glück wurden einige davon zu späteren Terminen gebucht, sodass die Backstube gerade noch hinterherkam!

19:00     Nach DHDL ging es erst einmal vier Jahre weiter – zunächst mit echtem Elan nach der gelungenen Teilnahme an der Show. Sowohl im B2C- als auch im B2B-Bereich wuchs Kuchentratsch gut weiter. Der Fokus verlagerte sich zunehmend zu Letzterem: Kuchen für Firmenevents, Mitarbeitergeburtstage, Weihnachten usw.

Katharina löste zunehmend vom Produktfokus („Ich mache jetzt den Millimeter an Kuchen noch besser“) und dachte in Marke/Ökosystem. Die Vision war es, in drei Bereichen Produkte anzubieten: 1. weiterhin von den Omas fertiggebackene Kuchen, 2. Hilfe beim Kuchenbacken, 3. Kochbücher, Rezeptkarten u. Ä. fürs Selberbacken. Um diese Wachstumspläne zu finanzieren, drehte Kuchentratsch weitere Finanzierungsrunden. Und es lief.

Bis Corona kam. Zwar waren die Aussichten für E-Commerce-Lösungen in Zeiten von Homeoffice gut. Aber mit den Senioren konnte nicht weitergebacken werden. „Das hat das Geschäftsmodell von heute auf morgen komplett gekillt.“ Nur mit den Backbüchern konnte noch Umsatz erwirtschaftet werden. Zudem konnte man auf fertige Backmischungen ausweichen, was aber die Wachstumsdelle keineswegs ausfüllte. Bis die Omas und Opas geimpft und wieder einsatzfähig waren, vergingen anderthalb Jahre.

24:05     „Würdest du sagen, dass es ohne Corona euer Geschäftsmodell heute noch geben würde?“ „Kann ich mir gut vorstellen.“ Das Scheitern jetzt in diesem Jahr lag aber schlicht daran, dass eine Finanzierungsrunde nicht erfolgreich zu Ende geführt werden konnte. Da es keinen Plan B gab, musste Kuchentratsch Insolvenz anmelden.

Alex hat aber schon noch seine Zweifel bezüglich des Geschäftsmodells: „40 Euro für einen Kuchen? Plus 20 Euro Versand? Das ist schon ‘ne Hausnummer!“ Selbst für Kuchenfans, wie er einer ist. Katharina bittet Alex, ein Stück Torte in seinem Kieler Lieblingscafé Fiedler auf 16 Stück hochzurechnen… So teuer wiederum nicht. Aber klar: Man sei mit Kuchentratsch aus Qualitätsgründen im Premiumsegment unterwegs.

27:45     Am Ende lösten Firmenkunden rund 50% der Bestellungen aus. Dabei gibt es – wie Alex zum eigenen Leidwesen anmerkt – keine „Geschäftskaffee- und Kuchen“ im Sinne von einem Geschäftsessen. Das B2B-Geschäft sei ja eher anlassbezogen: Neben Weihnachten ging es oft um Firmenjubiläen.

30:00     Wie sahen im kurzen Hoch zwischen DHDL und Corona denn die Zahlen aus? „Wir mussten für Wachstum extern Geld ausgeben, aber in sich hat sich das Modell getragen. Und wie war die Kundentreue? Innerhalb zwölf Monaten bestellten viele Kunden zwei- bis dreimal wieder. Privatkunden entdeckten oft die Möglichkeit, jemanden zum Geburtstag eine Torte zukommen zu lassen – und nutzten diese gleich für fünf Geburtstage im Bekanntenkreis aus. Bei Bestandsfirmenkunden war der Zyklus bei 20 Monaten etwas weiter ausgedehnt.

32:30    Wie kam es zur Insolvenz? Kuchentratsch hatte eine größere Fläche angemietet, damit auch ein Café mit gläserner Backstube eröffnet werden könnte. Geplant war, das mit einer Crowd-Kampagne zu stopfen: Als es dann Mai losging, hatte Kuchentratsch der Lauf der Weltgeschichte eine Strich durch die Rechnung gemacht. Erreicht wurden bloß 65%-70% der gebrauchten Summe und die Kampagne musste daher abgeblasen werden.

Ergebnis: Überhaupt kein frisches Geld und ein absehbarer Liquiditätsengpass. Für diesen Fall hatte man einen externen Investor vorgesehen: Allerdings konnten sich die Gesellschafter nicht schnell genug einigen und Katharina sah sonst die Gefahr einer Insolvenzverschleppung aufziehen. Der Verwalter suchte nach einem Käufer, der Kuchentratsch weiterführen würde.

37:55     Der Käufer ist der klassische bayerische Bäcker Müller-Höflinger mit über 140 Filialen im Freistaat. Bislang produzierte die Kette eigene Backwaren wie Semmel und Brezel, kaufte aber Kuchen und Torten dazu. Durch die Übernahme bekommt der Betreiber also mehr Fertigungstiefe – mit Digitalkompetenz obendrein (derzeit Mangelware bei solchen mittelständischen Bäckern). Worüber sich Katharina freute: Alle 50 angestellten Senioren wurden übernommen!

40:35     Aus welchen Beweggründen arbeiten Rentner denn bei Kuchentratsch? Was den einen vordergründig Hobby und Zeitvertreib ist, ist den anderen ein Zuverdienst. Wieder andere wollen neue Menschen kennenlernen und aktiv bleiben. Auch das Gefühl, gebraucht zu werden oder Kenntnisse weitergeben zu können, ist für viele ausschlaggebend. Die meisten arbeiten einmal die Woche eine Vierstundenschicht – und können selber entscheiden, wie viele Schichten sie arbeiten und wann.

42:00     Eine allgemeinere sowie eine spezifische Frage zum Schluss: 1. Hat Kuchenexpertin Katharina eine Theorie, warum das nachmittägliche „Kaffee und Kuchen“ ein vorwiegend deutschsprachiges Kulturelement geblieben ist…? 2. Wie geht es für Katharina jetzt weiter?

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