frontendIn der Zeit vor dem iphone war das größte Problem beim Relaunch einer Webseite, ob die neue Webseite auf 14″ und auf 21″ Monitoren ob die neue Seite im IE6 und im Firefox Browser gut aussieht, und ob die Seite über 99% der Zeit online erreichbar ist. Mit dieser Rückschau startet eines der meistgenutzten Slides in meinen Präsentationen. Darin zeige ich auf, dass sich der Zugang zu Endkunden in den letzten Jahren massiv verändert hat und sogar die Mobile-First vs. Mobile-Only Diskussion der letzten 24 Monate schon längst überholt ist.

Wer heute noch versucht in B2C orientierten Bereichen einen schönen Shop für den Desktop zu bauen, der ignoriert aus meiner Sicht die Realitäten des Marktes. Heute spielen mobile Konzepte bereits in vielen Bereichen eine wichtigere Rolle als Desktop Konzepte und neue (screenfreie) Devices verlangen nach komplett neuen Ansätzen. Wie man das technisch und inhaltlich organisieren kann, darüber hat Sebastian Betz von AboutYou in den beiden Tech Podcasts bei Kassenzone wichtige Erkenntnisse geliefert. „Schöne Shops“ sind zunehmend irrelevant. Es gibt mittlerweile dutzende Möglichkeiten mit den Kunden zu interagieren (via Desktop, via App, via InApp, via Voice, via Watch…) und am Ende geht es bei den Anbietern dieser „Frontends“ vor allem darum ihre Backendprozesse und Daten im Griff zu haben, um die Transaktion möglichst schnell und fehlerarm zu verarbeiten. Und es geht darum die richtigen personalisierten Daten in den entsprechenden Devices anzuzeigen. Das hat mit klassischen Shopsystemen und Usability optimierten Frontends alles nur noch sehr wenig zu tun. Für mich ist Amazon auch nur ein Frontend in dem man seine Produkte den Kunden anbieten kann, und als Unternehmen würde ich mir eher Gedanken machen wie meine Produktinformationen oder Orders auch mit der Apple Watch oder Google Home orchestriert werden können.

Das soll nicht wie in vorschneller Abgesang auf den guten alten Onlineshop klingen, aber in dieser Welt der unzähligen Kundenfrontends wünscht man sich doch manchmal so ein ganz normales Shopprojekt zurück. Die neuen Interfaces und das sich damit verändernde Kundenverhalten muss aber in allen gerade laufenden Projekten bereits berücksichtigt werden. Das beinhaltet z.B. folgende Fragen:

  • Wenn Zalando & Co. bereits über 50% des Umsatzes „mobil“ machen, warum startet man dann überhaupt noch initial mit einer Desktopversion?
  • Wie kommt man an die Amazon Echo Kunden, wenn die eigenen Produktdaten noch nicht bei Amazon gelistet sind?
  • Wie kann ich aus einem Backendsystem dutzende „Frontends“ aussteuern?
  • Wenn ich mehr als ein Frontend aufbaue, brauche ich dann auch mehr als ein Frontend Team? (JA!)
  • Braucht man andere Produktdaten für die Voice Usecases? (JA!)
  • …..

Das sind alles sehr komplexe Fragen, aber ich kann mir nicht erklären wie man diese bei aktuellen Projekten ignorieren kann. Über dieses Thema durfte ich auch bei der Vizions Konferenz von Zalando reden. Darin kommt das genannte Chart auch vor und seit heute ist auch die Aufzeichnung vom dem Vortrag live.

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Das im Vizions Vortrag vorgestellte Thema ist für sich schon komplex genug. Wenn man nun aber mal überlegt, was uns alles noch bevorsteht, dann freuen wir uns in 3-5 Jahren über die heutigen „einfachen“ Problemstellungen. Um einen Blick in die „mobile“ Zukunft zu werfen, kann ich nur das „Trends in China“ Video von Connie Chan empfehlen (Danke für den Hinweis aus der Whatsapp Gruppe). In China sieht man heute schon die Use Cases, die bei uns wahrscheinlich erst in drei bis fünf Jahren relevant werden. Sehr sehr spannend. In dieser Welt spielt das klassische Shopfrontend wirklich keine Rolle mehr. Bis dahin sollten wir uns an den noch verbleibenden Shop Awards erfreuen.

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Mobile Strategien sind einer der Schwerpunkte bei der bald stattfindenden K5 Konferenz in Berlin, die ich allen Lesern nur sehr empfehlen kann. Das oben beschriebene Szenario mag heute noch nicht akut sein für einige Leser, z.B. aus dem B2B Bereich, aber ich finde es persönlich sehr lehrreich von den bereits betroffenen Bereichen zu lernen.

P.S.: Der „Erfinder“ des gezeigten Slides ist übrigens mein Spryker Co-CEO Boris Lokschin. Das kommt so nicht von mir.