Wie sieht der Kieler Oberbürgermeister die Zukunft der Innenstadt? Mit Ulf Kämpfer

Kiel ist meine Heimatstadt bzw. die Stadt die ich nenne, wenn mich jemand fragt wo ich wohne. In Wahrheit wohne ich auf einem Dorf in der Nähe von Kiel, aber die Kieler Innenstadt ist für mich der subjektive Gradmesser zur Zukunftsfähigkeit des stationären Handels. Und um den steht es nicht gut, wenn man sich nur mal die Kieler Innenstadt anschaut. In Google Maps 3D kann man auch reinzoomen. Das möchte der Kieler Oberbürgermeister, Ulf Kämpfer, ändern und er hat gute Gründe dafür hoffnungsvoll zu sein. Als Bürgermeister kann er es zwar nicht allen wirklich Recht machen, aber seine Initiativen scheinen sich auszuzahlen. Noch nicht für den Handel, aber für die Konzepte drumherum. Wir reden natürlich auch über die vielen Handelskonzepte in Kiel, u.a. warum es den Citti Park (erfolgreichstes Fachmarktzentrum Deutschlands) mit einem nachhaltigen Innenstadtkonzept nicht gegeben hätte und warum Decathlon keine Freigabe für einen 7000m² Store bekommt (nun kommen sie 2x nach Kiel).

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Die Zukunft der Innenstadt mit Ulf Kämpfer, Oberbürgermeister von Kiel

Vorurteile, Interessenskonflikte, Geldgier – Politik ist nichts für scheue Hunde, weder auf Bundes- noch auf Kommunalebene. Doch Ulf Kämpfer ist namensgerecht kampferprobt: Bevor er vor fünf Jahren das Amt des Oberbürgermeisters von Kiel antrat, war der Jurist als Amtsrichter und später als Staatssekretär im Umweltministerium von Schleswig-Holstein tätig. Außerdem wird er auch in seiner Rolle als Wirtschaftsdezernent der Stadt mit der Problematik der verwaisten Innenstadt konfrontiert. Ulf selbst wohnt in Kiel-Hassee und ist die meiste Zeit ohne Auto unterwegs. Die Landeshauptstadt zählt knapp 248.000 Einwohner und ist ein wichtiger Fährhafen für Verbindungen nach Skandinavien und ins Baltikum. Dass das allein jedoch keine Frequenz bringt, musste auch Knud Hansen erfahren, dessen Name in dieser Folge stellvertretend für die alteingesessenen Kieler Händler fällt, die durch große Neueröffnungen in der Peripherie und andere Entwicklungen das Nachsehen hatten.

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„Viele Pauschalurteile sind so einfach nicht richtig“

03:00

Alex: Vor fünf, sechs Jahren gab es in unserer Community noch einen sehr, sehr starken Glauben daran, dass es eine Art Rückbewegung in die Stadt geben würde. Jetzt hat sich stattdessen der Eindruck verfestigt, dass es eigentlich nicht mehr möglich ist, mit klassischen Handelskonzepten in der Stadt zu überleben, und weder die Städte noch die Bürgermeister tun etwas dagegen. Es gibt zu wenig Parkraum und zu viele Grüne-Wiese-Zentren. Welchen Diskussionen zu diesem Thema musstest du dich bisher aussetzen und welche Meinung vertrittst du grundsätzlich?

Ulf: Also, die Kieler Innenstadt liegt nicht nur im Herzen der Stadt, sondern auch vielen Kielern am Herzen – wenn auch durchaus mit einer gewissen Hassliebe. Es wird viel schlechtgeredet, trotz aller Probleme die wir natürlich tatsächlich haben. Es ist ein sehr, sehr emotionales Thema und deshalb eines, das sehr meinungsstark und eben auch sehr, sehr kontrovers diskutiert wird. Der Kleine Kiel-Kanal ist das beste Beispiel dafür. Der wird jetzt zwar gebaut, hat aber auch schon ganz Ideologien auf den Plan gerufen.

Alex: Betroffener als du kann man eigentlich gar nicht sein: Du bist verantwortlich und siehst die ganzen Entwicklungen außerdem zu allen Seiten vor den Fenstern deines Büros. Was ist deine Vision, wenn du auf die Kieler Innenstadt schaust?

Ulf: Ich bin immer noch sehr, sehr hoffnungsfroh und optimistisch. Ich glaube, dass es mittelfristig einen turn-around für die Kieler Innenstadt geben wird, aber sicher nicht in dem Sinne, dass alles wieder so wird wie es früher einmal war. Wir werden weniger Einzelhandelsflächen haben, aber das ist nichts Schlimmes, solange der vorhandene Einzelhandel attraktiv ist und für die anderen Flächen eine gute Nutzung gefunden wird.

08:50

Alex:  Jetzt hat die Kieler Innenstadt ja nicht das Problem, wie viele Kleinstädte, dass die irgendwo in der Pampa liegen, wo keiner hinfährt. Kiel ist einer der größten Kreuzfahrthäfen Deutschlands, alles liegt am Wasser und ein paar Gebäudeensembles sind auch ganz nett. Welchen Grund soll der Handelskunde oder der normale Mensch denn in Zukunft haben, nach Kiel zu kommen?

Ulf: Kiel darf noch ein bisschen schöner werden, da sind wir uns einig. Und ich glaube schon, dass so eine Stadt ein emotionales Zentrum braucht. Wenn man Freunden oder der Verwandtschaft Kiel zeigen will, fährt man mit denen sicher nicht ins Einkaufszentrum auf der grünen Wiese.

Alex: Aber in die Innenstadt fährt man doch auch nicht, sondern zum Strand.

Ulf: Ja, in einigen Wochen im Jahr fährt man vielleicht auch zum Strand, das stimmt. Aber wenn man eine attraktive Innenstadt hat – und durch den Anschluss ans Meer ist Kiel auf jeden Fall schon einmal visuell attraktiv – und auch ein paar inhabergeführte Läden, dann sind viele Pauschalurteile so häufig nicht richtig.

Wenn ich an den Eröffnungsabend des neuen Kieler Weihnachtsmarktes denke – dafür haben wir viel getan. Da hatten wir an einem Abend locker eine Frequenz von 70.000 Besuchern. Und durch den Druck des neuen hat sich auch der alte Markt bewegt, sodass der jetzt nicht nur doppelt so groß, sondern insgesamt auch wesentlich attraktiver ist. Damit will ich sagen: Wer einen Grund hat, der kommt in die Innenstadt. Man muss den Leuten nur Gründe geben.

(Viele Vorurteile, die Menschen im Hinblick auf Kiel haben, betreffen die gesunkene Attraktivität öffentlicher Plätze und dessen Folgen. Die Scharen, die früher die Innenstadt bevölkerten, wohnen heute fernab dieser Plätze und sind viel häufiger in einem der zahlreichen Einkaufszentren anzutreffen, die die Stadt in den letzten 20 Jahren regelrecht eingekreist haben. Neben dem Online-Handel sind diese gemeinsam mit den zum Teil horrenden Mieten für Ladeninhaber der wichtigste objektive Grund für die nahezu verwaiste Innenstadt, sagt Ulf.)

16:05

Alex: In einem Interview mit dem Deutschlandfunk hast du letztens gesagt, dass deine Vision eigentlich eine skandinavische ist. Jeder, der mal in Kopenhagen oder Aarhus war, weiß, dass die Städte vollkommen anders aussehen. Und durch Madrid hat die Diskussion rund um den Online-Handel auch noch einmal neuen Input erhalten. Dort wurde der Stadtverkehr im vergangenen Jahr stark eingeschränkt, mit dem Ziel, eine autofreie Innenstadt zu schaffen. Da stellt sich die Frage: Braucht man den klassischen, bedarfsdeckenden Handel eigentlich noch oder reichen nicht die Kaffee-Fahrräder und vielleicht der eine oder andere hochwertige Modeausstatter neben der Kindertagesstätte, die dort dann ja auch wieder angesiedelt werden kann?

Ulf: Ich glaube, man braucht tatsächlich eine gemischte Strategie. Eine Innenstadt, in der gar kein Handel mehr stattfindet und nur noch 1-Euro-Läden zu finden sind – das ist keine Vision. In unserer Vorstellung wird es in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren einen Mix aus großen Filialisten wie Primark und den klassischen, inhabergeführten Läden geben. Die anderen Flächen können sehr gut mit Gastronomie und Freizeitangeboten wie Fitnessstudios und Tanzschulen bespielt werden, wie wir es hier gerade erleben, und sicherlich auch mit aufgewerteten kulturellen Angeboten und großen Veranstaltungen. Auf jeden Fall ist noch viel mehr möglich, als wir derzeit tun.

Ein anderes Geheimnis, dass in den letzten Jahren vernachlässigt wurde, ist der Wohnraum im Zentrum beziehungsweise in Zentrumsnähe. Die Leute müssen zu Fuß oder mit dem Rad nicht nur einkaufen, sondern abends auch ins Kino oder ins Restaurant gehen können. Das fehlt in Kiel weitestgehend.

21:30

Alex: Projekte wie der Kleine Kiel-Kanal erzählen uns ja gewissermaßen mehr über euer Geschäftsmodell, das im Kassenzone-Podcast für gewöhnlich im Mittelpunkt steht. Der Kanal wird einen See, den Kleinen Kiel, über 200 Meter mit einem innerstädtischen Teich, dem Bootshafen, verbinden und dafür sorgen, dass eine frühere Durchgangsstraße zum Aufenthaltsquartier wird. Wie viel sollte der Kanal ursprünglich kosten?

Ulf: 12 Millionen sollte er kosten, jetzt sind wir bei 18 Millionen. Eine Steigerung von 50 Prozent ist natürlich viel und schmerzhaft, aber ausnahmsweise mal nicht auf eine Fehlplanung zurückzuführen, sondern einfach auf die Ausschreibungsergebnisse. Und angesichts der Baukostensteigerung, die wir überall haben, ist das nun einmal der saure Apfel, in den wir beißen müssen.

Die Idee ist, dass dort ein Wasserlauf wieder entsteht, wo vor 100 Jahren auch mal einer war – der alte Stadtgraben um die alte Altstadt. Das haben wir uns ein bisschen in Aarhus abgeguckt, und tatsächlich ist das eine Aktion, die wir auf Wunsch und Initiative der Einzelhändler gemacht haben.

(Finanziert wird der Bau durch die Städteförderung, das heißt ein Drittel zahlt die Stadt, ein Drittel das Land und ein Drittel der Bund. Die Hebelwirkung zeigt sich unter anderem in privaten Investitionen, von Eigentümern alter Geschäftshäuser in die Restrukturierung ihrer Immobilien und Unternehmern, die die freien, anliegenden Handelsflächen schon jetzt kaufen, obwohl der Kanal erst Ende des Jahres fertiggestellt werden soll. „Es gibt also viele Menschen, die an die neue Kieler Mitte glauben“, resümiert Ulf.) 

27:50

Alex: Zeitgleich werden in der Innenstadt jetzt acht oder neun neue Hotels gebaut. Das sind für Kiel enorme Zahlen. Gefühlt wurden dort 20 Jahre lang keine Hotels gebaut, und auch keine renoviert. Was ist denn das Kalkül der Hoteliers dabei?

Ulf: In ihrer Massivität ist das auch für uns eine Entwicklung, die ein bisschen überraschend kommt. Bisher war Kiel kein besonderer touristischer Hotelmarkt, sondern stark auf Geschäftskunden ausgerichtet. Noch vor ein paar Jahren hatten wir eine Hotelmarktstudie in Auftrag gegeben, die einen Bedarf von über 1.000 Betten prognostiziert hat – jetzt werden es in einem relativ kurzen Zeitraum sogar 2.000 Betten. Das lässt sich auf starke Zuwächse zurückführen, die wir in den vergangenen Jahren erlebt haben. So holen wir nun teilweise nach, was in Lübeck und Flensburg und anderen Städten schon passiert ist. Mittlerweile raten wir Hoteliers sogar, sich genau zu überlegen, ob sie nach Kiel kommen wollen, denn wenn wir hier in zehn Jahren eine Art Dauerwettbewerb haben und die Leute in die Knie gehen – da hätte keiner etwas davon. Wir wollen eine Hotelstruktur mit Familien, die sich dem Standort langfristig verbunden fühlen.

Alex: Ich habe meine Frau gestern Abend gefragt, welche Fragen sie an den Oberbürgermeister von Kiel hätte. Da meinte sie, sie würde fragen, wie viel Zeit er täglich mit dem Thema Innenstadt verbringt.

Ulf: Ach, das ist ganz schwer zu messen, zumal sich das ja auch unterschiedlich aufs Jahr verteilt. Aber ich würde schon sagen, dass das Thema Innenstadt – und zwar von Presseterminen über Eigentümerveranstaltungen bis zu Sitzungen mit Lenkungsgruppen und Verhandlungen – erhebliche Stunden einnimmt. Auch wenn die originäre Zuständigkeit für die meisten Themen beim Dezernat für Bau und Stadtentwicklung liegt.

33:55

Alex: Wie meisterst du den Spagat zwischen den Interessen der Stadt und den Investoren, die sagen „Ulf, ich würde jetzt gerne einmal 100 Millionen investieren, dafür bräuchte ich aber mal ein paar Hektar“?

Ulf: Es ist ein Dilemma, ein absolutes Spannungsverhältnis. Das hat man schon bei dem IKEA gemerkt, das vor 10 Jahren in Kiel eröffnet wurde. Natürlich ist es für eine Stadt attraktiv, einen solchen Frequenzbringer zu haben, deshalb stehen wir dem erst einmal positiv gegenüber. Mittlerweile haben wir aber auf jeden Fall im Vergleich zu vor einigen Jahren auch noch schärfer im Blick, dass durch solche Ansiedlungen in der Peripherie der Innenstadt die Innenstadt selbst nicht weiter maßgeblich geschädigt werden darf.

Alex: Aber durch solche Ansiedlungen wird es doch auch wieder mehr Gewerbesteuereinnahmen geben, die man dann wieder in Projekte wie den Kanal stecken kann.

Ulf: Gewerbesteuern sind ein Thema, Arbeitsplätze sind ein Thema und natürlich auch die Attraktivität von Kiel als Einkaufsstadt insgesamt. Als Stadt insgesamt hat Kiel dadurch ja auch gewonnen – es ist aber wirklich vor allem die Innenstadt, die uns Sorgen macht. Dort hat sich vieles selbst kannibalisiert. Teilweise wurden in nächster Nähe gleich vier Läden eröffnet, bevor man gemerkt hat, dass der Markt dafür vielleicht doch zu klein ist.

Alex: Moment, Moment! Wenn der Knud Hansen jetzt hier sitzen und man ihm vorwerfen würde, zu viele Geschäfte eröffnet zu haben, dann würde er widersprechen und sagen, er ginge einfach nur dahin, wo die Kunden sind. Der kann doch nichts dafür, dass die Leute dann eher in die Zentren gehen, statt in sein Stammhaus zu kommen.

Ulf: Absolut! Das ist auch nicht als Vorwurf gemeint, und natürlich hat das auch lange Zeit funktioniert. Nur, wenn überall mehr Einzelhandelsfläche entsteht, in den gleichen Sortimenten und eben teilweise auch noch durch die gleichen Inhaber, dann gibt’s natürlich keine Gewähr dafür, dass sich diese Spirale endlos weiterdrehen kann.

37:25

Alex: Könnt ihr als Stadt denn da überhaupt etwas machen? Zum Beispiel wenn ihr feststellt, dass ein Zentrum wie der CITTI-Park rückblickend vielleicht eine schlechte Entscheidung war?

Ulf: Also, der CITTI-Park ist, für sich genommen, ein absolutes Erfolgsmodell. Da arbeiten über 1.000 Menschen, und denen sei dieser Erfolg gegönnt. Aber der CITTI-Park ist eben auch zu einer Zeit genehmigt wurden, als wir für die Stadt noch kein verbindliches Einzelhandelskonzept hatten. Das wurde erst 2011 verabschiedet, da war der CITTI-Park gerade fertig. Wenn es ihn heute nicht gäbe, würde er in dieser Form unter unserem Einzelhandelskonzept nie und nimmer genehmigt werden. Und das macht unseren Zwiespalt deutlich: Jetzt ist er nun einmal da, und er ist beliebt. Also müssen wir uns um die Folgen kümmern. Ende offen.

(Hoffnung macht derweil die sehr positive Entwicklung der Holtenauer Straße, sagt Ulf, die bereits durch ihre bauliche Struktur sehr heterogen ist. Aus den vielen inhabergeführten Geschäften, dem Management und dem Kontakt zwischen Maklern und Interessenvertretern der Gewerbebetreibenden ergibt sich hier ein Gemeinschaftsgefühl, das in der Innenstadt bislang fehlt. Da nützen auch Vorteile wie Wasserlauf und Oper nichts.)

45:00

Alex: Wie siehst du die Diskussion über die autofreie Innenstadt, die ja dazu führen soll, dass die Aufenthaltsqualität wieder steigt?   

Ulf: Ich glaube, man muss immer noch gut in und an die Innenstadt heranfahren können, auf welchem Wege auch immer, sodass man fußläufig bequem einkaufen gehen kann, aber man muss wirklich nicht mehr direkt vor das Geschäft fahren können. Weiterhin allein auf die Autogerechtheit zu setzen wäre ein Holzweg. Die Zukunft der Innenstadt liegt nicht darin, einfach Grüne-Wiese-Konzepte zu kopieren. Aber wenn ich Autofahrern etwas weniger attraktiv mache, muss ich ihnen auch Alternativen bieten – und das nicht erst in zehn Jahren.

Alex: Gibt es außer dem Kleinen Kiel-Kanal noch andere große Initiativen, die in den nächsten fünf Jahren realisiert werden müssten, damit es hier allmählich wieder voller wird?

Ulf: Das eine ist der Geist der Zusammenarbeit, den wir zwischen Einzelhändlern, Eigentümern und Maklern initiieren wollen. Der ist aber auch schon im Werden begriffen: Rund um den Kiel-Kanal gibt es jetzt zum Beispiel einen kleinen Zusammenschluss von rund einem Dutzend gewerbetreibender Gastronomen. Ich hoffe, dass die als eine Art Keimzelle für mehr Zusammenhalt und mehr Eigeninitiative der Händlerinnen und Händler wirken.

Ein anderer Vorstoß sind der städtebauliche Wettbewerb zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität, der sich vor allem den Plätzen widmet, und diverse Wohnbauprojekte, die jetzt anlaufen. Der zentrale Omnibusbahnhof wird dieses Jahr fertig, und wir wollen ein gut sichtbares Welcome Center eröffnen – nicht nur eine klassische Touristeninformation, sondern einen großen Orientierungspunkt. Und an solchen Konzepten wie den Weihnachtsmärkten und anderen Festen in der Innenstadt werden wir auch weiterhin arbeiten. Solche Angebote gehören einfach zur innerstädtischen Verantwortung.

53:25

Alex: Eine weitere Frage, die meine Frau eingeworfen hat, lautete: „Macht so ein Job eigentlich Spaß, wenn man den ganzen Tag mit Konflikten zu tun hat, die man selbst eigentlich gar nicht so sehr im Griff hat, sondern die man eher moderieren muss, und was sagt deine Frau dazu“?

Ulf: Meine Frau ist auch sehr politisch. Sie war einmal Landtagsabgeordnete aus Kiel für Kiel, und deshalb brauche ich da nicht viel um ihr Verständnis werben. Und ja, das ist kein einfaches Thema – so, wie Kiel insgesamt auch keine einfache Stadt ist.

Alex: Gibt es das, eine „einfache Stadt“? Eckernförde vielleicht?

Ulf: Ich glaube, ich tue meinem Kollegen Jörg Sibbel keinen Tort an, wenn ich sage: Ich glaube schon, dass Eckernförde eine einfachere Stadt ist. Ich würde Kiel da aber eher mit Städten wie Wolfsburg oder Baden-Baden vergleichen. Die haben eine Steuerkraft pro Einwohner, die drei-, vier- oder auch fünfmal so hoch ist wie die in Kiel und keine 15 Prozent, die von Hartz IV leben, und auch keine 85-prozentige Zerstörung nach dem Zweiten Weltkrieg. Also, bei aller Schönheit bietet Kiel auch wirklich große Herausforderungen. Es ist ja aber auch nicht so, als hätten wir keine Ideen oder Handlungsmöglichkeiten. Wir tun etwas. Wir streiten über die Innenstadt, und es verändert sich jetzt auch schon wahnsinnig viel.

(Bis zur letzten Frage kampfeslustig, zeigt sich Ulf in seiner letzten Anmerkung vor allem zuversichtlich: „Sobald wir die Talsohle durchschritten haben, gehen wir in eine Entwicklung, in der es Jahr für Jahr immer anders, aber vor allem auch immer besser werden kann“.)

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