Die Suppenkönige aus dem Fernsehen. Daniel Gibisch von LittleLunch

LittleLunch ist DIE Erfolgsgeschichte aus DHDL und quasi das erste Foodstartup von Frank Thelens Foodcluster. Daniel berichtet sehr offen und authentisch über den Weg zu achstelligen Suppenumsätzen und über die Möglichkeiten der direkten Kundenbindung in diesem Segment. Heute, sagt er, ist es nicht mehr unbedingt ein Vorteil bei DHDL dabei zu sein, um von REWE und Co. gelistet zu werden. Dazu berichtet er wie man die Listingplätze im Supermarktregal verteidigen muss und mit welchen Bandagen in diesem Umfeld gekämpft wird. Natürlich reden wir auch über das vielversprechende B2B Geschäft von Littlelunch – Suppen im Büro. Ich habe auf das Interview mit Daniel eine Menge Feedback bekommen und es dürfte bei Fachleuten der Foodszene gut ankommen. Sehr empfehlen kann ich vor allem den angehenden Food Unternehmern. Hört genau hin was Daniel erzählt.

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Lebensmittelhersteller online mit Daniel Gibbisch, Mitgründer von Littlelunch

Littlelunch, das einigen Zuhörern aus „Höhle der Löwen“ bekannt sein wird, wurde vor fünf Jahren gegründet und hat es geschafft, sich im Lebensmittelhandel als feste Größe zu etablieren. Warum es dabei nicht gereicht hat, bei der Fernsehsendung mitgemacht zu haben – und wie sich das Konzept auf den B2B-Markt ausweiten lässt – erzählt Daniel in diesem Podcast. Außerdem reibt sich Alex die Stirn, als er erfährt, wie viel menschliche Präsenz durch einen Außendienst benötigt wird, um Regalplätze in Supermärkten zu sichern.

„Ich bin überzeugt, dass wir die beste Suppe von allen Convenience-Herstellern machen.“

2:30

Alex: Für diejenigen, die nicht „Höhle der Löwen“ gucken: Wie erklärst du den Gedanken hinter Littlelunch?

Daniel: Wir haben damals eine Alternative zum Mittagessen im Büro gesucht. Und weil das sehr gesund sein soll, dachten wir: Suppe! So haben wir ein sehr altes Thema genommen und versucht, es besser zu machen.

Alex: Hattet ihr schon Erfahrung in der Branche?

Daniel: Wir hatten tatsächlich überhaupt keinen Food-Hintergrund, sondern ich bin Web-Entwickler und mein Bruder war Logistikleiter in einer Gummihandschuhfirma. Essen war so ungefähr unsere zehnte Idee und daraus hat sich dann das mit der Suppe herauskristallisiert.

Alex: Worüber hattet ihr sonst nachgedacht: Salat?

Daniel: Und ganz viele andere frische Dinge. Aber das Problem war: Wir wollten online verschicken. So ein Salat kommt aber braun bei Kunden an, wenn man es nicht sehr gut macht. Einfacher ist es, etwas zu verschicken, was ungekühlt haltbar ist. Als ich damals als Entwickler gearbeitet habe, gab es im Büro auch Schränke voll YumYum-Suppen, aber sie sind nicht besonders gesund.

Alex: Habt ihr angefangen, bevor ihr bei der „Höhle der Löwen“ wart?

Daniel: Wir hatten rund ein Jahr davor angefangen.

Alex: Ihr geltet als Showcase schlechthin für das Format: 2018 habt ihr wohl einen Umsatz von rund 20 Million gemacht, oder?

Daniel: Wir stehen gerade bei einem Umsatz von rund 12 Millionen Euro. Irgendwann geisterte die Zahl von 20 durch die Presse und das hat jeder aufgenommen. Unser Ziel für dieses Jahr ist aber 15 Millionen. Was stimmt: Wir sind das erfolgreichste Investment bei „Höhle der Löwen“.

5:10

Alex: Wie stellt ihr denn her?

Daniel: Suppen herstellen tun wir gar nicht selber, sondern wir arbeiten mit zwei Lebensmittelherstellern zusammen – einer in Niederbayern, einer in Italien. Lange hatten wir nur einen, aber es gibt mehr Sicherheit, zwei zu haben.

Alex: Stellen die denn White-Label für euch her und machen dieselbe Suppe für andere Marken?

Daniel: Es sind beides Firmen, die die Maschinerie haben, die wir für unsere Suppen brauchen, die aber nicht für andere herstellen. Obwohl… Ja, der eine macht mittlerweile auch ein White-Label-Produkt. Im Grunde genommen wird Gemüse in einem ganz großen Topf aufgekocht: Dann wird die Suppe heiß abgefüllt und kommt in ein Sterilisationsautomaten.

Alex: Und dafür braucht man denn eine große Maschine.

Daniel: Richtig. Wenn man so eine Anlage durchläuft, dauert das eine halbe Stunde von vorne bis hinten. Sie kann rund 50.000 Suppen pro Stunde produzieren.

Alex: Wie viele Leute bei euch entwickeln denn neue Suppen?

Daniel: Unsere Produktentwicklungsabteilung besteht aus genau einer Person, aber es helfen uns natürlich die Firmen, die für uns herstellen: Welche PH-Wert muss es sein? Wie machen wir das haltbar? Welche Sachen passen eher nicht zusammen?

6:50

Alex: Wenn ich mir so einen Supermarkt vorstelle: Da gibt es schon viele Fertigsuppen im Regal – auch teure Anbieter. 0,5 Liter aus der Dose können da schon drei bis vier Euro kosten. Wie kommt man auf die Idee, ausgerechnet in diesem Markt reingehen zu wollen?

Daniel: Anfangs waren wir ein bisschen blauäugig, wie viele das sind. Mittlerweile wissen wir es besser – und hatten zum Glück ein paar ganz gute Entscheidungen getroffen. Es gibt zwei Segmente: Frisch- und Trockensortiment. Trocken heißt dabei nicht Pulver oder Suppe aus der Tüte, sondern ungekühlt haltbar. Frische Suppen sind diejenigen, die in Plastikverpackung im Kühlregal – klassisch am Eingang bei REWE-To-Go – zu finden sind.

Wir entschlossen uns, auf Haltbar zu setzen – und das war wahrscheinlich unsere wichtigste Entscheidung. Denn genau in diesem Regal hatte es lange Zeit keine Innovation mehr gegeben. Es gab Dosensuppen von drei Herstellern, die seit fünf Jahren denselben Nudeltopf machen…

Alex: Vorsicht! Vor dir sitzt einer der größten Konsumenten vom Nudeltöpfen!

Daniel: Nudeltopf haben wir auch! Wir nennen den „Little Chicken“. Aber in diesem Segment war Gesundheit kein Thema, weder kümmerte man sich darum, ob Palmöl verwendet wird, ob die Zutaten Bio sind, usw. Da haben wir angegriffen. Wir wollten den Kunden haben, der an diesem Regal steht und was Neues entdecken will – und der dabei bereit ist, ein Euro mehr für bessere Qualität zu bezahlen.

Alex: Mich wollt ihr also haben!

(Alex stellt daraufhin weitere Fragen zum Sortiment von 16 Suppen sowie zur Mitarbeiterzahl von nur 25 Personen. Eigentlich müsse man 40 sein, räumt Daniel ein, aber er habe nun mal keine Lust mit Idioten zusammenzuarbeiten. Zudem erschwere der Unternehmensstandort Augsburg die Mitarbeitersuche: Die Nähe zu Hochlohn-München mache es fast unmöglich, Web-Entwickler für Gehälter unter der Schallgrenze 100k€ zu engagieren. So habe Littlelunch intern nur einen Entwickler. 7-8 Mitarbeiter seien im Marketing und zwei in Operations – also Produktion und Logistik. Dann seien jeweils zwei Mitarbeiter im Kundendienst und in der Assistenz sowie vier im Vertrieb beschäftigt.)

11:35

Alex: Was passiert denn mit den Suppen nach der Herstellung? Sind sie ab Werk schon verkauft oder muss der Vertriebler mit dem Audi-A4 zu einzelnen REWE-Märkten…?

Daniel: Verkauft sind sie zwar noch nicht, aber schon in der Produktion rechnen wir aus, was uns REWE, Edeka & Co. uns später abnehmen dürften. Entsprechend produzieren wir vor. Die Suppen werden dann an Zwischenlageristen verkauft, von wo aus sie von den Zentrallägern der Supermärkte abgerufen werden.

Alex: Und war das schon immer so, oder funktioniert das erst, seitdem ihr die Finanzierung von Frank Thelen und den Löwen habt?

Daniel: Davor hat es gar nicht funktioniert! Der Handel hat 100 Start-ups am Tag, die ihre Sachen bei REWE und Edeka listen wollen, sodass man sehr klein anfangen muss. Und selbst mithilfe von „Höhle der Löwen“ war es arg schwierig: Es ging erst richtig los nach der zweiten Ausstrahlung. Da hatten wir nämlich einen kleinen Trick angewandt und REWE gefragt, ob sie nicht mit uns ins Fernsehen wollten! So haben wir in einem REWE-Markt gedreht. Der Deal war dann: REWE ist bei „Höhle der Löwen“ und wir kriegen Zugang zu rund 100 REWE-Märkten. Wir hatten das aber nicht ganz so verstanden und haben dann einfach vor der Kamera behauptet: „Wir sind jetzt bei REWE!“ Dabei hat REWE insgesamt über 3.000 Märkte in ganz Deutschland.

Alex: Aber schon mit 100 Märkten seid ihr ja „bei REWE“. Die Behauptung war nicht falsch.

Daniel: Das Problem war nur, dass ganz viele Leute, die die Sendung gesehen hatten, in REWE-Märkten gingen, in denen es uns nicht gab. Die von REWE waren also richtig sauer – so sauer, dass der Einkaufschef bei meinem Bruder auf dem Handy anrief und sagte: „Ich will alles, was ihr habt!“ In dem Fall ist es also sehr gut gelaufen für uns. Aber ein zweites Mal würde ich so etwas nicht riskieren.

(Alex erfragt Eckdaten zum Suppenmarkt: 700 Millionen Euro mit ganz vielen Akteuren, wovon die REWE-Eigenmarke der größte Teilnehmer darstellt. Überhaupt vereinten Supermarkteigenmarken 50% des Marktes auf sich. Zweitplatziert sei Erasco und den dritten Platz belege Littlelunch, so Daniel. Unter den Marken steche Littlelunch mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis als Alleinstellungsmerkmal hervor. Der Geschmack sei entscheidend – und warum andere Unternehmen es nicht hinkriegten, auch eine so leckere Suppe zu kochen, verstehe Daniel selber nicht. Es sei ja keine Wissenschaft. Allerdings kosteten Littelunch-Suppen 3,00€ bzw. 3,50€ für Eintöpfe mit Fleisch (jeweils 350ml). Die billigsten Supermarkteigenmarken gebe es für 0,79€.)

16:30

Alex: Schlägt es sofort ein, wenn ihr bei REWE gelistet seid und mit euren schönen Gläsern neben den billigen Dosen im Regal steht? Irgendwann lässt der Werbeeffekt aus dem Fernsehen nämlich nach…

Daniel: Uns kennen (gestützt) 30% der Konsumenten in Deutschland – aber so viele Leute schauen „Höhle der Löwen“ doch gar nicht. Am Anfang arbeiten wir mit Displays in Märkten: Man läuft in einen REWE-Markt ein und sieht sofort 100 Suppen. Da greifen die Leute zu. Dann muss aber die Wiederkaufsrate stimmen.

Alex: Die meisten unserer Hörer verbinden mit dem Wort „Display“ Online-Banner-Werbung.

Daniel: Und ich meine so einen Pappaufsteller, den man zusammenbaut.

Alex: Erreichen andere Suppenhersteller einen ähnlichen Bekanntheitsgrad?

Daniel: Erasco auf jeden Fall. Das Problem ist bei diesen Umfragen, dass zwar nach Flüssigsuppen gefragt wird, dass Konsumenten aber immer „Knorr!“ antworten – Bekanntheit gefühlt 5.000%! Der Unterschied ist jedenfalls, dass wir in der Bekanntheit wachsen, während die anderen stagnieren.

Alex: Sagen wir mal, einen Markt hat 10 Meter Suppenregal: Wie viele Meter bekommt ihr da?

Daniel: Eins-bis-zwei, womit wir zu den Größeren gehören. Es gibt aber auch Märkte, wo es lediglich 10cm Regalbreite für Suppen gibt – und das ist eine große Aufgabe, da reinzukommen. Man braucht da einen großen Außendienst. Denn der Außendienst ist, salopp gesagt, dafür zuständig, in Märkte reinzulaufen und die anderen beiseite zu schieben.

Alex: Und ihr habt keinen Außendienst?

Daniel: Nur einen externen Dienstleister, der uns bei Aktionen unterstützt. Wir hatten davor mit einer größeren Agentur aus München zusammengearbeitet, waren aber nicht so zufrieden. Es ist eine Herausforderung, hier einen Partner zu finden, der sich nicht nur für Kunden in der Größe Nestlé wirklich interessiert. Wir haben uns daher für einen mittelgroßen Dienstleister aus Stuttgart entschieden, der sich sehr intensiv um uns kümmert.

(Alex fragt, wie groß der Außendienst von großen Firmen im Markt wie Erasco sei: 60-80 Leute, so schätzt Daniel, würden für so einen Hersteller in die Märkte fahren, um nach dem Rechten zu schauen. Intern werde es sich aber für Littlelunch nie lohnen, einen Außendienst aufzubauen: Erst Mehrmarkenkonzerne könnten Außendienstler vernünftig auslasten.)

20:30

Alex: Wie wird man im Handel aufgenommen? Ich stellte mir immer vor, dass sich da zentrale Einkaufskomitees mit neuen Produkten befassen. Aber so, wie du das beschreibst, muss man wirklich jeden einzelnen Marktleiter überzeugen…

Daniel: So ist es – und das ist traurig. Derzeit ist Edeka etwa in sieben Regionen aufgeteilt. Wenn man es schafft, sich in einer Region listen zu lassen und es läuft gut, kommt irgendwann die Zentrale und sagt: „Oh, ihr macht richtig Umsatz! Wollt ihr nicht zentral gelistet sein?“ Dann würde man denken, dass man überall im Regal steht. Tut man aber nicht! Denn jeder einzelner Marktleiter ist sich selbst zu wichtig und will noch möglichst alles selbst entscheiden. Da ist man also theoretisch noch in null Märkten, wenn man zentral gelistet ist.

Alex: Zahlt aber Listungsgebühr.

Daniel: Richtig.

Alex: Also würdet ihr euch das das nächste Mal anders überlegen?

Daniel: Nein. Weil man die Zentrallistung will, um die Erlaubnis zu bekommen, in allen Regionen zu verkaufen. Dann geht der Außendienstler zum Markt und der Marktleiter sagt: „Warte, ich guck mal nach. Stimmt, ihr seid gelistet. Gut, wenn es sein muss, dann kauf ich das.“

Alex: Anstrengend also, in allen Märkten präsent zu sein. Wie oft muss man dann wieder hinfahren, wenn man einmal dort ist? Jedes Jahr?

Daniel: Man sollte seine Märkte eigentlich immer im Vier-, Acht- oder Zwölfwochenrhythmus besuchen. Sonst kommen die Außendienstler von der Konkurrenz und „räumen auf“ (sprich: nehmen deine Produkte weg). Wenn die Mitarbeiterin von REWE dann vorbeikommt, denkt sie: „Ah! Hier ist ja Platz. Das fülle ich mit Erasco auf.“ Anderer Fall: Es wird halt nicht aufgefüllt. Dann steht noch die Karottensuppe da, obwohl man die Linsensuppe haben wollte. Das ist ein endloser Prozess.

(Alex fragt nach der Marge: Daniel sagt, diese falle sehr unterschiedlich aus. Es hänge vom Hersteller, Außendienstleister und Supermarkt ab: Alle müsste Littlelunch bezahlen. Es lohne sich auch nicht vom Anfang an: Supermärkte wollten nicht nur Listungsgebühren, sondern auch die berühmt-berüchtigten Werbekostenzuschüsse kassieren. Erst im Nachgang könne man Gewinn machen.)

22:15

Alex: Was hält mich eigentlich davon ab, morgen zu euren Herstellern zu gehen und zu sagen: „Ich mache jetzt BigLunch!“ Dann gehe ich in 500 Märkte und kriege mich gelistet.

Daniel: Erstens weiß ich, dass unsere Hersteller da nicht mitmachen würden.

Alex: Na klar! Da rufe ich mal morgen an…

Daniel: Zweitens müsstest du mehr Umsatz beim Hersteller machen, als wir. Wenn du ihm also direkt 20 Millionen Suppen abkaufst, kann ich mir es vorstellen, dass er es doch macht. Es gibt auch tatsächlich viele, die uns exakt kopieren: Und da liegt unsere Aufgabe darin, die beliebteste Suppe zu sein, damit die Leute weiterhin uns kaufen und nicht die anderen.

Alex: Gut, ihr seid verpackungstechnisch vor den Anderen, seid wahrscheinlich geschickter in der Vermarktung und habt mittlerweile einen Bekanntheitsvorsprung. Aber so ein Erasco könnte sich ein Produktkonzept im Glas mit innovativem Verschluss (aus – meinetwegen – Kork oder so was) einfallen lassen und einem Hersteller sehr viel Umsatz versprechen…

Daniel: Und wir könnten uns nicht dagegen wehren. Was macht uns sooo besonders? Eigentlich nichts. Das könnte ein natürlich Erasco auch.

Alex: Ach, komm, ihr musstet ja bei Frank Thelen pitchen!

Daniel: Klar, ich will mich ja hier nicht schlecht verkaufen. Und ich bin überzeugt, dass wir die mit Abstand bestschmeckenste Suppe machen von allen Convenience-Herstellern – und dass die das nicht hinkriegen merkt man daran, dass viele sogar mit genau unserem Glas und Deckel auf den Markt kommen – ja, sich sogar gleich nennen („LittleDinner“ statt „LittleLunch“ oder so) – im Versuch, es uns nachzumachen.

28:05

Alex: Wie wichtig ist denn der Direktabsatz über euren Webshop?

Daniel: Er macht zwar vielleicht nur 10% des Umsatzes aus, ist aber für uns sehr gut, weil wir da viel testen können. Das Problem ist nämlich, dass wir es mit Mindestabnahmemengen zu tun haben, die sehr groß sind. Will ich eine neue Suppe testen, muss ich 40.000 Stück bestellen: Sonst bliebe beim Hersteller mehr im Rohr hängen, als ins Glas käme. Da hilft uns der Online-Shop, diese Mindestabnahmegrenze zu erreichen. So ein REWE fragt gern nach, ob man was Neues hat, wird sich aber einen Teufel tun und die gesamte Produktionsmenge einkaufen. Zudem kriegen wir über den Webshop direktes Kundenfeedback.

Alex: Was läuft besser: generische Suppen wie Tomatensuppe oder saisonale/ereignisbezogene Suppen? „Oktoberfest-Suppe“ oder so?

Daniel: Wir haben Sommer- und Wintersuppen, die sehr gut auf kurze Zeit funktionieren. Aber die Klassiker setzen sich auf lange Sicht durch: Tomatensuppe, Kürbissuppe, Gulaschsuppe. Die wollen die Kunden immer wieder haben – und ich glaube, dass es damals eine gute Entscheidung war, unsere Auswahl nicht allzu fancy zu gestalten.

Alex: Habt ihr im Online-Shop Vielbesteller?

Daniel: Durchaus! Wir haben einen harten Kern, der jede Woche bestellt, sowie viele Firmenkunden (ein Bereich, den wir übrigens ausbauen wollen). Zudem haben wir rund 180.000 Newsletter-Abonnenten und der Newsletter konvertiert extrem gut. Allerdings setzen wir den sparsam ein und hauen den nicht alle zwei Wochen raus. Sonst ist so etwas wie SEA in unserem Bereich sehr schwierig, weil Suppe nicht so das coole instagrammable Produkt ist, wonach im Netz gesucht wird. Zudem konkurriert natürlich der Handel mit dem Online-Shop insofern, als man das Produkt einfach bei jedem Supermarktbesuch mitnehmen kann. Trotz allem erzielen wir doch Verkäufe über Facebook-Ads und Ähnliches.

(Alex fragt, ob nicht ein Members-Club mit exklusiven Produkten, wie das beispielsweise Craft-Beer-Händler Lars Müller anbietet, Potenzial hätte? Das scheitere an den Mindestabnahmemengen, bedauert Daniel. Nach einem dritten Hersteller, der kleinere Chargen anbietet, suchten sie seit längerem. Alex fragt, warum das nicht in Eigenregie geht, woraufhin ihm Lars die Einzelheiten des Konservierungsprozess an einem haarsträubenden Vorfall erläutert.)

34:45

Alex: Abgesehen vom Lebensmitteleinzelhandel und Online-Shop, habt ihr andere Kanäle?

Daniel: Homeshopping! Unsere Investorin ist ja Homeshopping-Königin Judith Williams…

Alex: Und ein Produkt für 3,50€ lohnt sich im Homeshopping?

Daniel: Ja, aber nur in sechser Paketen. Bis vor zwölf Monate war auch online unsere Mindestbestellmenge sechs, mittlerweile dürfen die Kunden auch nur zwei Suppen kaufen. Fürs Fernsehen machen wir Pakete mit sechs verschiedenen Suppen, taufen sie auf irgendetwas Klangvolles – und ab geht es. Wir verkaufen auch gekörnte Brühe und haben in Homeshopping an einem Tag 30 Tonnen verkauft!

Alex: Ganz normale Gemüsebrühe?

Daniel: Naja, wenn du das genau anschaust, was Oma früher immer benutzt hat: Das besteht nur aus Kacke! Geschmacksverstärker, Palmenfett, Hefe vor allen Dingen. Das haben wir rausgenommen – und dafür mehr Gemüse reingemacht. Das war der ganze Gag – und die Brühe ist auf jeden Fall besser als alle anderen. Kostet aber 5€ das Gläschen.

Alex: Da kommen wir auch zu meiner nächsten Frage: Wie kann man expandieren? Gibt es etwas neben Suppe und Brühe?

Daniel: Wir haben Smoothies – die wir allerdings leider wieder abschaffen. Anfangs dachten mein Bruder und ich nämlich ganz einfach: Mehr Produkte, mehr Umsatz! Die Idee ist aber leider Quatsch. Denn es bedeutet doppelt so viel Stress und man kann sich nicht fokussieren.

(Alex erfragt Details zu den nun scheidenden Smoothies, bevor es wieder um Expansionspläne geht. Daniel gibt sich fokussiert: Kernaufgabe sei es, das ganze Kernsortiment in möglichst viele stationäre Märkte zu bringen. Da sei noch viel Potenzial. Erst danach stelle sich die Frage nach anderen Märkten: Holland oder Skandinavien seien perspektivisch interessant. Zudem sei LittleLunch bereits bei einigen Markendiscountern wie Netto zu finden, antwortet Daniel auf eine Nachfrage von Alex hin. Hard-Discounter wie Aldi meide man aber, da man sich dort die Finger verbrannt habe: Aldi habe LittleLunch so billig verkauft, dass der Chefeinkäufer von REWE telefonisch verkündete, er habe seinen Glauben an die Menschheit verloren.)

39:55

Alex: Und wie sieht es denn mit Amazon oder Online-Supermärkten wie AllyouneedFresh aus?

Daniel: Wir verkaufen bei Edeka online sowie Bringmeister. Und bei Amazon sind wir – allerdings nicht, um Geld zu verdienen, sondern um Bewertungen zu generieren. Ist doch Amazon das nächste Google! Selbst wenn sie es da nicht kaufen, informieren sich die Kunden bei Amazon. Zudem sind wir in Drogeriemärkten. Megageiler Kanal! Im unserem Fall sind die Umsätze dort genauso gut wie im Lebensmitteleinzelhandel.

Alex: Rossmann und DM?!

Daniel: Rossmann ist ein Traumkunde!

Alex: Schön, dass wir uns mal ausnahmsweise hier im Podcast positiv über Rossmann äußern. Schöne Grüße an die Rossmann-Familie an dieser Stelle!

(Dann geht es um den auszubauenden Bereich Firmenkunden: Alex beschreibt den desolaten Zustand der Versorgung mit gesunden Essen und Snacks in der Arbeitswelt – anhand der Bürogemeinschaften, in denen er selber tätig ist. Daniel habe nach eigenem Bekunden bereits Firmenkunden wie Deutsche Reihenhaus AG, die tausenderweise Paletten bestellten. Er schildert etwas eingehender die Vorteile für Firmen, die ihren Mitarbeitern Suppen zu Mittag zur Verfügung stellten, bevor Alex die Inhalte des Gesprächs soweit zusammenfasst.)

45:30

Alex: Was mich und einigen Hörern noch interessieren würde: Wie stark hebelt ein Investment bei „Höhle der Löwen“ – über die erste PR-Welle hinaus?

Daniel: Die Sendung war vor vier Jahren – und das Geld war gefühlt schon nach paar Stunden weg! Den Hebel davon kann ich auf rund 50.000€ Umsatz beziffern. Aber allein macht es dich nicht erfolgreich. Man muss es eher wie wir als Werkzeug benutzen, bei REWE reinzukommen. Mittlerweile ist es fieserweise sogar fast nachteilig, dort teilzunehmen, weil die REWE- und Edeka-Einkäufer sagen: „Wenn ich noch einmal „Höhle der Löwen“ höre, dann springe ich aus dem Fenster!“ Es ist mit den ganzen Food-Themen dort zu viel geworden.

Alex: Ich gucke das gar nicht so oft. Ist da jedes Mal Food dabei?

Daniel: Ich gucke es auch nicht mehr! Aber wenn Frank Thelen dort in ein Food-Start-up investiert, kriegen wir das mit, weil wir uns alle gegenseitig unterstützen.

(Daniel beschreibt das angenehme Arbeiten mit Frank Thelen als Investor, bevor es zum Ende hin um die Frage geht, ob ein Exit – vielleicht an einen Konkurrenten wie Erasco, der Probleme mit Innovation hat – angestrebt wird. Das sei schon immer das Ziel gewesen, so Daniel: Ein 50-Jahre-altes Familienunternehmen wollten er und sein Bruder nicht gründen. Der Zeitpunkt für den Ausstieg sei aber noch nicht gekommen. Alex fragt daraufhin nach Bewertungsmethoden.)

49:20

Alex: Eine weitere Frage hätte ich: Gibt es in Auslandsmärkten immer lokale Champions?

Daniel: Ja, vor allem Großbritannien. Der Markt ist einfach verrückt: Es gibt Suppen in allen möglichen Varianten, die man sich vorstellen kann – viel Tetrapak auch. Da stehen die Briten irgendwie drauf! Und das passt nicht zu uns. Da wäre Holland viel interessanter, weil es bislang nur frische Suppen oder Tütensuppen im Handel gibt. Dort gibt es auch so einen REWE, nämlich Albert Heijn: Und wenn man den überzeugt, einen Display aufstellt und auch in den Handzettel kommt, damit jeder uns sieht, dann kann das auch funktionieren.

(Abschließend gibt Alex Daniel die dankend angenommene Gelegenheit, um Mitarbeiter zu werben – und will nach Aufnahmeschluss mit ihm besprechen, welche Suppen er für seine Büros bestellen will.)

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1 Antwort

  1. Avatar Richard sagt:

    Super zu hören der Podcast. Kleiner Tip zu den Niederlanden: https://kleinstesoepfabriek.nl/ und Niederländer lieben vor allem eins: „goedkoop“.