Du hast ja gar keine Ahnung! Wer hat dich eigentlich gefragt?

So langsam kommt das Thema Digitalisierung im Mainstream an und kaum ein analoges Geschäftsmodell ist vor den Effekten der Plattformökonomie geschützt. Auf Kassenzone beschäftige ich mich zwar im Kern mit Handelsmodellen, aber hin und wieder stehen auch Modelle außerhalb des Handels im Fokus – wie z.B. die Apotheken in der letzten Woche. (Wie #verzichtbar sind Apotheken in Deutschland?) Langjährige Kassenzone & excitingcommerce Leser kennen diese Art von Artikeln. Bei weitem nicht alle stimmen den Schlußfolgerungen zu, aber zumindest wird es von den meisten Lesern als Gedankenanstoß akzeptiert. Bei neueren Lesern, z.B. aus dem Apothekenumfeld sind dutzende dazugekommen seit ein paar Tagen, ist die Reaktion leider oft sehr ablehnend, fast schon radikal. Entweder fühlen sie diese neuen Leser persönlich beleidigt oder trauen einem „Blogger“ keine fundierte Meinung zu. Die Reaktionen sind menschlich, aber sie helfen leider nicht dabei die Diskussion zu bereichern. Wenn man dann doch mit den Leuten ins Gespräch kommt, merkt man, dass die meisten komplett andere Vorstellungen von der Digitalisierung haben und Themen wie „Plattformökonomie“ entweder nicht begreifen oder noch nie davon gehört haben. Und da liegt aus meiner Sicht das zentrale Problem.

Entweder man argumentiert in einer alten/analogen Welt und vertraut darauf, dass sich alles nur langsam/linear weiterentwickelt. Oder man argumentiert in einer neuen/digitalen Welt und vertraut darauf, dass nur diejenigen eine Chance haben, die sich immer wieder neu erfinden können. Ich will und kann niemanden vorschreiben an welche „Welt“ man zu glauben hat, aber ich wünsche mir in der Dikussion zumindest etwas mehr Verständnis für beide Sichten. In den letzten Wochen gab es dazu auch von mir und von Boris ein paar Beiträge in denen klar wird, wie wir die „neue“ Welt definieren.

Sehr ausführlich konnte ich mich im kernpunkt Blog zur Zukunft des Handels äußern.

Die zentrale Frage ist natürlich: Warum sollte der Kunde bei mir kaufen? Diese Frage müssen sich Unternehmen jeden Tag stellen, weil die Kundenerwartungen steigen und das Modell entsprechend angepasst werden muss. Der Innovationsdruck ist hoch, aber solange diese Frage im Mittelpunkt steht, muss sich niemand Sorgen machen. Wir zitieren an dieser Stelle gerne unseren Lieblings-Influencer Gary Vaynerchuk, der dazu sagt: „Innovate or Die“.

Mit Christoph Keese hatte ich die Gelegenheit in seinem Hy Podcast über die Auswirkungen der neuen Welt für die Mitarbeiter zu sprechen.

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Mein Co-CEO Boris hat über die Auswirkungen der neuen Welt für Händler und Hersteller mit Armand Farsi gesprochen. Wie funktioniert digitale Transformation?

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Niemand kann sagen, wie wir in zwei oder drei Jahren einkaufen. Alles was ich gelernt habe, deutet darauf hin, dass bei analogen Handelsmodellen kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Wenn man zu ähnlichen Einsichten kommt, dann sind die Texte bei Kassenzone.de wahrscheinlich hilfreich. Wenn man aber nicht daran glaubt, dann sollte man diese Texte gar nicht lesen. Es gibt ausreichend Quellen, die sich damit beschäftigen wie man mit Standard Omnichannel Ansätzen und 08/15 Transformation keine Angst mehr vor Amazon haben braucht. Wenn man an die analoge Welt glaubt, sollte man diese Quellen und den dortigen Ratschlägen folgen. Dann werden wir uns hier ganz sicher nicht einig. Macht aber nix. Innovate or Die 🙂

 

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Alexander Graf, 37, E-Commerce Unternehmer & Analyst, Gelernt bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Commerce Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

21 Antworten

  1. Christian Rothe sagt:

    Ich denke, dass sich da (mindestens) vier Faktoren überlagern.

    Erstens: Kritisiert werden fällt vielen Leuten schwer. Das ist bekanntlich ein menschliches Phänomen. Du brauchst Dich also nicht wundern, dass Du nicht mit offenen Armen empfangen wirst, wenn Du behauptest, dass das aktuelle Denken und Handeln dieser Leute nicht zukunftsfähig ist.

    Zweitens: Veränderungen fallen vielen Leuten schwer. Das ist auch ein bekanntes menschliches Phänomen. Wer sagt, dass sich jemand / eine Firma / eine Branche verändern muss, löst damit selten Begeisterung aus.

    Drittens: Aus über 25 Jahren Berufserfahrung weiß ich, dass viele Leute sich auch damit schwer tun, einmal um den eigenen Schreibtisch zu gehen und die eigene Firma / den Markt / die Welt aus Sicht eines Kunden zu betrachten. Viele sind in ihrer Innenperspektive gefangen und können sich aus dieser Perspektive nicht befreien. So fällt es ihnen schwer, neue Entwicklungen aus Sicht eines Kunden zu betrachten und zu bewerten. Deshalb werden von vielen Branchen-Insidern oft Trends nicht erkannt, die aus externer Sicht einfach naheliegend sind. Beispiel: Der Umgang der Tonträgerindustrie mit MP3 und digitalen Downloads.

    Viertens: Dialektisches Denken fällt vielen Leuten schwer, also das Denken in These und Antithese. Wer die alte Welt kennt („stationärer Handel wird weiter dominieren“ = These) hat oft Probleme sich das exakte Gegenteil („digitale Geschäftsmodelle drängen Stationärhandel in die Bedeutungslosigkeit “ = Antithese) vorzustellen. Dabei könnte es einem gerade heute spannende Einsichten verschaffen, sich das radikale Gegenteil des Ist-Zustands vorzustellen.

  2. Kai sagt:

    Vielleicht sollte man fünftens aber auch nicht außer Acht lassen:
    Die Leute wissen wovon sie reden, da sie in dem Beruf seit Jahren tätig sind und den Markt besser kennen als Alexander.
    Diese Schwarz/Weiß-Denke, dass offline alles Mist ist und online die Zukunft, wird sich meiner Meinung nach als Trugschluss herausstellen. Es wird weiterhin viele Businesses geben, die offline viel besser laufen als online. Und dazu könnten natürlich auch die Apotheken zählen.
    Warum soll ich was online bestellen, wenn ich es binnen 5 min Fußmarsch aus der nächste Apotheke holen kann ?
    Wieso sollte ich mein Shampoo online kaufen, wenn der nächste DM oder Edeka um die Ecke ist ?
    Da bin ich lieber umweltbewusst und regionalverbunden und kaufe die Dinge bei meinem wöchentlichen Einkauf einfach mit ein.

    • Das kann gut sein, aber das Argument „ich kenne den Markt besser“ ist ja kein Argument. Das ist nur eine Behauptung. Wenn man doch eines in den letzten Jahren lernen konnte, dann doch den Bedeutlungsverlust von Erfahrung in sich schnell verändernden Märkten. Richard Borek meinte kürzlich in seiner Rede zum Braunschweiger Startupweekend, dass wir lernen müssen zu vergessen. Anton Schlecker hatte auch Erfahrung.

      • Kai sagt:

        Natürlich ist das ein Argument. Sogar das beste, wenn man sich bewusst ist, was die Digitalisierung für Chancen, aber eben auch für Risiken birgt.
        Behauptung ist auch nicht korrekt, da sie in ihrem Fach seit Jahren arbeiten und du als Verfasser des Blog-Posts nicht diese Marktkenntnis mitbringst. Mich würde es stark wundern, wenn du als Blogger mehr Ahnung vom Apothekengeschäft hast als Apotheker.
        Die beiden Beispiele sind schlecht gewählt, denn Richard Borek handelt mit Münzen und Briefmarken. Dafür gibt es wenig Offlinegeschäfte und aufgrund des Geschäftsmodells (Abo ist da übrigens ein ganz großes Thema), ist dieser Markt prädestiniert für online.
        Anton Schlecker hat ganz andere Fehler gemacht als den Onlinehandel zu ignorieren. Was glaubst du, warum die direkten (ehemaltigen) Mitbewerber (DM, Rossmann und Co.) den Onlinehandel als unwichtig einstufen und weiterhin in die Fläche investieren ? Online-Protagonist wie windeln.de sind in dem Markt ja sang und klanglos gescheitert.

        • Ich sehe es nicht als Argument, weil Erfahrung die größte Hürde bei Innovationen ist. Klar, es ist nachvollziehbar das so zu sehen. Ich fühle mich ja auch angepisst, wenn mir jemand im E-Commerce/bei Twitter/bei XYZ zeigt, dass ich komplett daneben liege und man es viel schlauer machen kann. Und meistens sind das Leute die noch zur Schule gehen oder gerade frisch mit 17 Jahren ihr drittes oder viertes Projekt hochziehen. Da fühle ich mich auch wie ein alter Opa. Hilft aber nix.

          • Fritz Iff sagt:

            Es hat ja jeder seine Bias. Bei den Apotheken fällt mir aus der Beobachtung und Erfahrung allerdings dreierlei auf, was den Offline-Geschäften einen gewissen Burggraben gibt: 1.) Die unüberbietbaren Standorte, oft direkt im Ärztehaus – Arztbesuch und Rezept einlösen ist meistens 1 Weg. 2.) Apotheken sind hochgradig medikamentenkompetent. Ich gehe in vielen Fällen nicht zum Arzt, weil ich da elend lange herumsitze, und stattdessen die Apotheke mir nach kurzem Gespräch das Problem mindestens genauso gut löst. 3.) Apotheken sind nicht langsamer als online, sondern schneller, und Geschwindigkeit und Verfügbarkeit zu jeder Tages- und Nachtzeit ist bei Medikamenten quasi „existenziell“.
            Das bedeutet nicht, dass Online-Apotheken keine Chance haben – wer hätte solche Angebote nicht genutzt? Aber Online Apotheken bekommen hauptsächlich a) nur Teilgeschäfte (nicht dringende Commodity-Produkte) und b) immer nur dann, wenn sie bei der Preiskalkulation Abstriche so viel von der Marge hergeben, dass die Versandkosten den Online-Einkauf nicht nachteilig machen.
            Die Situation ist bei Pharma eine andere als z.B. bei Elektro-Produkten. Was immer passieren wird, die Apotheker dürften jedenfalls Recht haben, wenn sie meinen, dass sich die Erfahrung aus Vorreiter-Branchen nicht problemlos auf andere Branchen übertragen lassen, denn es hat natürlich Gründe, warum der Buchhandel binnen weniger Jahre nahezu ausradiert wurde, die Apotheken aber weiterhin ein recht gemütliches Geschäft machen.

    • Christian Rothe sagt:

      Natürlich kann es Marktsegmente geben, in denen das Geschäft weiterhin vor allem offline laufen wird. Allerdings muss man sich gedanklich auch mit dem genauen Gegenteil beschäftigen. Erst, wenn man dies geistig durchdrungen hat, kann man doch ein wirkliches Urteil fällen, ob online oder offline besser ist. Viele alteingesessene Händler favorisieren doch aus dem Rückenmark heraus das stationäre Modell, ohne dass sich das Großhirn vorher wirklich mit Onlineansätzen und neuen Geschäftsmodellen beschäftigt hat.

      Auch sollte man die angebliche langjährige Marktkenntnis meines Erachtens nicht überschätzen. „Wir kennen unsere Kunden und wissen, was die wollen“ habe ich als Argument schon oft gehört. Leider konnte ich dieser Ansicht nie zustimmen. Jeder Anbieter / Händler kennt vor allem die Leute, die schon bei ihm kaufen. Die Nicht-Kunden, die in der Regel eine weit größere Gruppe sind, kennt er dagegen nicht. Was seine Kunden über einen wirklich denken, wissen die wenigstens Händler. Und was die Nicht-Kunden bewegt, weiß der Händler erst recht nicht. Dabei wäre genau dies ein Schlüssel für zukünftigen Erfolg am Markt. Viele spannende Handelskonzept kommen gerade von Neueinsteigern, die sich nicht um die angeblich unumstößlichen Gesetz eines Marktes kümmern.

    • Warum soll ich überhaupt noch in eine Apotheke GEHEN? Das ist doch die Gegenfrage. Wenn ich sensible Medikamente benötige, kräht der Apotheker das laut nach hinten ins Lager; und Beratung? Naja, die Optiker und andere Spezialisten haben auch schon gelernt, dass viele die gar nicht mehr brauchen oder auch im Internet finden. In dieser Apotheken-Debatte schwingt viel Politik mit, da geht es einerseits um Zuschüsse in Milliardenhöhe, die das Gesundheitssystem oft unnötig belasten, da geht es um Versorgungslücken, die sich sowieso öffnen und nicht geschlossen werden können, und da geht es schlicht auch um Standesdünkel oder Enttäsuchung: Digitalisierung versaut schlichtweg Spezialistentum, der weiße Kittel verliert ebenso an Bedeutung wie das studiertes Fachwissen. Das kratzt an Prestige, tut aber auch weh. Als Journalistin weiß ich, wovon ich rede. Und ich sehe auch: in vielen Bereichen verdirbt Digitalisierung auch noch die Preise für Arbeitskraft. Sich da zu verweigern wäre aber der falsche Weg (und ja, es wird auch noch Geschäfte geben, die auf der Straße stattfinden, aber auch sie werden durch Daten getrieben werden (müssen)).

    • Christian Rothe sagt:

      Zum Einwand „Die Leute wissen wovon sie reden, da sie in dem Beruf seit Jahren tätig sind und den Markt besser kennen als Alexander“ fällt mir noch ein wunderbares Bonmot ein, das unterschiedlichen Personen zugeschrieben wird: „Die Arche wurde von einem Laien gebaut, die Titanic von Profis.“

  3. Marc sagt:

    Mitarbeiter werden zu Fachkräften („..idioten“) ausgebildet und div. Branchen werden halt seit Jahren in bestimmten Strukturen betrieben.

    Das Ungewisse wird zur Angst, fehlende Alternative führen zur Hilflosigkeit und beides wiederum weckt den Verteidigungs-/Angriffs-Instinstikt.

    Wer akzeptiert hat, dass der Wandel nicht aufzuhalten ist, also den Kopf frei macht und neue Ideen entwickelt, wird sich neu erfinden. (ob und wie lange dann das neue Modell existiert weiß niemand)

    Aus den bisherigen Kassenzonen-Beiträge kann man bspw. querbeet entnehmen, dass in den Handelsmodellen, ein Einkaufs-/Aufenthaltserlebnis verbunden sein muss.
    http://www.stimme.de/3849733 bzw. http://www.stimme.de/4021796
    in Buchhandlungen sind Kaffee/Espresso-Bars usw. zwischenzeitlich keine Seltenheiten und selbst Banken hab neben erkannt, dass der reine Geld und Zahlungsverkehr nicht mehr ein Standbein ist und bieten VR-PrivatSekretär o.ä. http://www.vrbank-suedpfalz.de/vr-betriebsservice.html an.

    Der Bereich Steuern und Recht wird, wie die Apotheke im Wandel sein.
    Unternehmen/Apps/Konzepte wie taxfix, taxbutler, steuerbot oder http://www.buhl.de/steuerautomatik und candis o.ä. bringen die aktuelle Tätigkeit der Lohnsteuerhilfe oder gar Steuerfachangestellten ins Wanken.
    Frau Barley und Herr Lanz gestern zu autom. Bearbeitung im Bereich Recht: (ab ca. Minute 28)
    https://www.zdf.de/gesellschaft/markus-lanz/markus-lanz-vom-24-mai-2018-100.html

    Warum soll die Apotheke daher nicht zum Gesundheits-/Beratungsdienstleister, evtl. mit einem shop-in-shop System, werden. Hilfsmittel Beratung, Orthopädie-Schuhtechnik, Reiseangebot mit Fokussierung (Alters-/Behindertengerecht) oder auch Schreibservice allgemein für die vorgenannte Clientel bzw. auf den Schwerpunkt Krankenkasse/Pflege usw. da die bisherigen Bausteine nur schwer für unbedarfte zu eruieren sind – bis hin zur Arbeitsvermittlung. https://www.zdf.de/politik/maybrit-illner/ist-die-pflege-noch-zu-retten-maybrit-illner-spezial-vom-24-mai-2018-100.html
    Denn es gibt viele Leute, die einfach 0 Kenntnis von der Materie haben und sich gerne diese Dienstleistung einkaufen würde. Es gibt zwar die Anbieter, nur die Recherche ist sehr Zeit- und Kostenintensiv, was absolut unnötig ist. Wer mal einen Pflegefall in der Familie/Bekanntschaft hat, kann mit Sicherheit ein Buch hierüber schreiben.

    Fazit: nicht wie in der Politik ständig modifizieren, sondern ein weißes Blatt nehmen, den Kunden in den Mittelpunkt stellen und sodann die Angebote außen herum. Hierzu gehört nicht mal Mut, sondern einfach nur mal „machen“.

  4. Hi Alexander, habe auch schon zu Apotheken recherchiert. Da gibt es richtig fortschrittliche Apotheken, die sich spezialisieren und auch online mit bedienen und sich dabei auch noch gute Services überlegen, aber die meisten haben Angst und sind unsicher – auch weil sie sich in der Rolle der Versorger sehen, also auch auf dem Land eine Apotheke sichern wollen, obwohl alle Statistiken zeigen: Sobald der letzte Arzt ein Dorf/eine Region verlässt, verschwindet dort auch die Apotheke und sind viele Patienten sowieso auf Online angewiesen. Das ist das eine Moment: Branche.

    Dass Unternehmer aber oft generell sich die Perspektiven der Digitalisierung nicht anhören wollen, liegt meiner Meinung nach auch an einem Sprachproblem: Wir sprechen nicht mehr unsere Sprache, also Deutsch, wenn es um digitale Technik, Kommunikation und auch die Zukunft geht. Das ist mit ein Grund, warum gerade der Mittelstand die Plattform-Ökonomie auch noch nicht richtig versteht und immer noch glaubt, entweder mit eigenen Shops reagieren zu müssen oder grade umgekehrt dem Netz fernzubleiben.

    Und es ist auch eine Aufgabe der Politik und von Verbänden, endlich die Diskussionen anzustoßen, die wir für die digitale Zukunft brauchen. Es geht um die Versorgung der Bevölkerung und wie wir künftig den Handel gestalten: Können wir uns gegen die beginnende Mono- oder Oligopolisierung von Konzernen wie Amazon oder Alibaba wehren? Wollen wir das überhaupt? Welche Folgen haben Oligopole auf Preisentwicklungen? auf Stadtentwicklung? auf Zusammenleben?

    Was die Diskussionen angehet, sehr ich allerdings schwarz: Die wenigsten Verbände bieten die Zahlen, mit denen man argumentieren könnte. Oder weiß eigentlich einer wirklich genau, wie hoch der Marktanteil von Amazon in Deutschland bereits ist? Oder der des E-Commerce?

  5. Axel Metayer sagt:

    @Kai „Wieso sollte ich mein Shampoo online kaufen, wenn der nächste DM oder Edeka um die Ecke ist ?“
    Hier nur ein paar Argumente: Ja, das meiste trifft nicht auf jeden zu und im Moment ist es einfacher kurz in den Laden zu gehen, das könnte sich aber ändern. Vor 10 Jahren waren Smartphones uncool und online shoppen kompliziert….
    Beispiele:
    – Weil ich anderes zu tun habe
    – Ich das Produkt wirklich in 3 Läden gesucht habe und dann doch nur genervt bei Amazon lande
    – Ich nicht raus kann (verletzt, krank etc)
    – weil ich mir die Sachen praktisch auf der Arbeit liefern lassen kann
    – weil ich an einem Ort alles bekomme statt zwei oder drei Geschäfte.

  6. Nico sagt:

    „Niemand kann sagen, wie wir in zwei oder drei Jahren einkaufen. Alles was ich gelernt habe, deutet darauf hin, dass bei analogen Handelsmodellen kein Stein mehr auf dem anderen bleibt.“

    Den Disput den ich bei deinen Ansichten (die ich übrigens oft teile) sehe, ist diese Kurzsichtigkeit. Handel > all – aber du sagst ja selbst, dass die Digitalisierung im Mainstream angekommen ist. Und spätestens mit diesem Satz solltest du vllt. auch mal gesellschaftliche Auswirkungen von Digitalisierungsstrategien betrachten:

    Was macht es mit einer Gesellschaft, wenn soziale Räume nur noch digital und nicht mehr analog vorhanden sind?

    Was macht es mit einer Gesellschaft, die es bisher gewohnt ist ihre medizinische Versorgung von „um die Ecke“ zu bekommen und das vllt. in Zukunft nicht mehr kann?

    Es geht dann nicht mehr um den „Handel von morgen“ sondern wirklich um die Art und Weise wie Menschen in Zukunft in ihrer Gesamtheit leben, unabhängig von ihrem Einkaufsverhalten.

    Dieser Verantwortung und solche Fragen sollte man sich stellen, wenn man Sätze wie „Innovate or Die“ raushaut.

    • Eben gerade nicht. Wenn man die fachlichen Diskussionen mit den gesellschaftlichen Fragestellungen mischt, dann kommt da leider nix konkretes raus. Und ich finde es andersherum ehrlich gesagt viel schlimmer, weshalb ich mich auch so sehr an den Statements von Gerrit Heinemann gerieben habe. Wenn man mit dem sozial nachvollziehbaren Wunsch „Alles bleibt wie es ist“ halbgare Empfehlungen generiert die bei den betroffenen Unternehmen verfangen, dann bringt sie das ja noch mehr in die Bredouille. In diesem Blog geht es sicher nicht um die Frage wie Menschen in Zukunft in ihrer Gesamtheit leben. Nicht weil es mich nicht interessiert oder betroffen bin, sondern weil es hier einfach nicht Thema ist.

      • Nico sagt:

        Ist ja dein gutes Recht, solche Fragestellungen hier nicht zu behandeln.

        Damit folgst du immerhin Tech-Pionieren wie Zuckerberg: Der wusste vor 10 Jahren auch noch nicht wie Facebook die Gesellschaft verändert. Heute werden darüber teilweise Wahlen entschieden… und Mark? Dem war das nicht bewusst weil… war ja nie sein Thema.

        Wenn man Dinge propagiert, die stark in das Leben von Menschen eingreifen, sollte man sich neben den positiven auch mit den negativen Aspekten beschäftigen – und das funktioniert dann leider nur auf gesellschaftlicher und nicht rein auf wirtschaftlicher Ebene.

        Aus der Sicht hat Kassenzone mit analogen Unternehmen zumindest eine Gemeinsamkeit: Fehlende Weitsichtigkeit über den Tellerrand hinweg.

        Schade.

        • Marc sagt:

          Mit einem Küchenmesser kann man alltägliches vornehmen oder schlimmes, wie bei vielen anderen Dingen/Produkten auch, manche gibt es zur Verteidigung und auf der anderen Seite zum Krieg führen.
          Dh. es kommt immer auf die eigene Verantwortung an.
          Hierzu gehört sich evtl. aber mit allen Punkten sich auseinander zusetzen und nicht nur das eine in den Himmel zu loben und das andere zu verteufeln.
          Und genau dies macht doch der Autor, heiße Eisen anzufassen und somit eben gerade über den Tellerrand zu schauen.

          Der Hufschmied hatte doch früher die gleichen Probleme, als die Eisenbahn kam oder gar Auto und Flugzeug. Es richtig, dass es nicht mehr soviele Hufschmiede gibt, aber sie gibt es, ebenso die anderen Transportmittel und die dort beschäftigten, die mit Sicherheit mehr sind, also alle damaligen Hufschmiede.
          … und selbst damals wird es so gewesen sein, dass der bessere Hufschmied den Auftrag erhielt.

          Also lieber @Nico, selbst mal über den Tellerrand schauen und aus der Historie lernen und nicht an altem festhalten, was sowieso untergeht, ob Sie (oder ich) wollen oder nicht.

        • Philip sagt:

          Meiner Meinung macht Kassenzone genau das Gegenteil!
          Durch ihre klar formulierten und teilweise sehr kritischen Beiträge regen sie zum Nachdenken und vor Allem zur Erweiterung des eigenen Tellerrandes an.
          Wenn man sich eingehender mit der Ausrichtung und der Position von Kassenzone beschäftigt, kommt man auch genau auf den Punkt, dass hier die Wechselbeziehung zwischen sozialer und ökonomischer Entwicklung im Mittelpunkt steht. Es geht schlichtweg immer um die Frage, wie erkenne ich den Wandel im Leben meiner Kunden und wie kann ich sie dadurch zu meinen Kunden machen oder als Kunden behalten.
          Die von Dir kritisierte fehlenden Auseinandersetzung mit den „negativen Aspekten“ macht im Rahmen dieser Beiträge keinen Sinn, da diese „negativen Auswirkungen“ keine Konsequenzen aus der Veränderung der ökonomischen Komponente der Gesellschaft sind. Am Ende (oder vielmehr am Anfang) steuert der Mensche mit seinen Bedürfnissen und seinen Wünschen die Entwicklung der Gesellschaft.
          Die Wirtschaft kann hier nicht steuernd eingreifen, sondern versucht die Möglichkeiten zu nutzen, die sich im Rahmen dieser Entwicklung bieten.
          Von daher halte ich es für ebenfalls nicht richtig, Mark Zuckerberg die Manipulation von Wahlen vorzuwerfen.
          Facebook ist in erster Linie eine Plattform, die den Menschen Möglichkeiten zur Kommunikation bietet. Wie diese Möglichkeiten ge- oder missbraucht werden müssen die Menschen für sich entscheiden und verantworten. Die Manipulation von Wahlen zu verhindern obliegt dem Gesetzgeber und kann daher nicht dem Betreiber vorgeworfen werden.
          Natürlich haben Unternehmen eine soziale Verantwortung. Keine Frage!
          Aber diese soziale Verantwortung kann doch nie besser sein als die Bedürfnisse und Intentionen der Gesellschaft. Wenn es Kräfte gibt, die eine Wahl manipulieren wollen, dann werden Sie hierfür auch eine Möglichkeit finden.

  7. Marcus Höhne sagt:

    Moin Moin,

    Ich wollte mich schon in der Apotheken Diskussion einmischen, aber nun kam ja dieser Artikel.

    Wir sollten als vernunftbegabte Wesen eigentlich in der Lage sein zu differenzieren.

    Der Apothekenmarkt wird sich verändern und digitalisieren. Sobald die Freigabe für den Online Verkauf von rezeptpflichtigen Medikamenten erfolgt, geht es richtig zur Sache.
    Wenn man andere Bereiche des Handels betrachtet (übrigens auch beratungsintensive Branchen) sieht man schnell, dass Online Anteile über 20% gängig sind.
    Warum sollte es bei Apotheken anders sein?
    Na klar ist eine Beratung pflicht und natürlich wünschen sich Kunden eine flächendeckende Versorgung.
    Das ändert nicht das geringste daran, dass Kunden sich für Online Anbieter entscheiden, der entweder besonders günstig, besonders simpel, oder besonders schnell ist.
    Sprechen wir von 20% der Umsätze muss sich der Apotheker fragen, komme ich mit 20% weniger auch zurecht?
    Wenn man diese Frage mit nein beantwortet, sollte man sich überlegen mit welcher Strategie man von diesen 20% profitieren/daran teilhaben kann.

    Wer meint er weiß, dass es nicht so kommt, dem gratuliere Ich gerne wenn er Recht behält.
    Aber als Unternehmer bzw. Apotheker brauche Ich doch einen Plan, wie Ich mit einer solchen Entwicklung umgehe, wenn sie kommt.
    Spätestens wenn Amazon in dieses Geschäft einsteigt, kommt Dynamik in den Markt (ob selbst oder über den Marktplatz).

    Wenn dieses Szenario so unrealistisch ist, warum kauft dann DocMorris den Versandbereich von der Apo-rot Apotheke?
    Die bereiten sich vor, weil sie wissen, dass Online gilt „the winner takes it all“.

    Ob mir das gefällt oder nicht, vor 10 Jahren konnten sich weder Optiker, noch der Fashion Bereich, noch die Elektronikmärkte, oder Buchhändler vorstellen, dass heute ein großer Teil des Umsatzes Online läuft.

    Nur wer solch große Veränderungen als Chance und nicht als Risiko sieht, hat die Möglichkeit die Zukunft aktiv zu gestalten.

    P.S. Ich bin Schuhhändler und wünsche mir auch manchmal „alte Zustände“ zurück.
    Mein bester Freund ist Apotheker und mit dem Unterhalte Ich mich intensiv über die bevorstehenden Veränderungen.

    P.P.S. Amazon Anteil am E-Commerce in Deutschland (selbst+Markplatz) = 47%
    Studie Amazonisierung des Konsums IFH Köln.

  8. Jan sagt:

    teilweise finde ich die Kommentare sehr anstrengend, lese mir dennoch so ziemlich jeden durch. Was ich nicht richtig finde ist, dass sich recht schnell alles auf einer eher emotionalen Ebene abspielt.
    Irgendwie vermisse ich den Apotheker der einfach exemplarisch aufzeigt warum/wie er sich in der digitalen/analogen Welt sieht und warum sein Geschäftsmodell betroffen oder eben nicht betroffen ist.

    Klar, kennt Alexander (oder wer auch immer) die Branche nicht so gut wie die Betroffenen die das Jahrelang machen. Hier ist doch die Gefahr (und zugleich) Chance am größten, es geht nicht nur darum „über den Tellerrand“ zu schauen, sondern den Teller von außen zu sehen.

    Meiner Meinung nach kommt die Gefahr (in unserem Beispiel der Apotheker) genau dann, wenn ein 17 Jähriger kommt und sich die Frage stellt, warum er für Medikamente ÜBERHAUPT zu einer Apotheke gehen muss und ihm der Arzt ÜBERHAUPT ein Rezept geben muss, in 80% der Fälle fragt er sich vielleicht warum er ÜBERHAUPT zum Arzt gehen muss.
    Und genau hier fängt vermutlich das Dilemma an, wegen ein paar (sorry) 0815 Tabletten oder Erkältungssäften, die ich zum schnelleren auskurieren meiner Krippe brauche werde ich A. in Zukunft nicht mehr zum Arzt „gehen“ B. kein Rezept mehr benötigen (haptisch) und C. unter keinen Umständen eine Apotheke aufsuchen.

    Wenn der Apotheker jetzt sagt die Krippe-Welle macht nur 5% des Umsatzes aus und er kann darauf verzichten, dann ist ja alles gut 😉

  9. Steffen Voß sagt:

    Ich mag Deine Denkanstöße. Ich stimme nicht allen zu – aber gerade die, denen ich nicht zustimme, sind die Interessanten. Da muss ich dann meine Gründe überprüfen. Manchmal änder ich dann meine Meinung und fühl mich ein Stück klüger. 😉

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