Herzlichen Glückwunsch Zalando

Ich halte jede Woche mindestens einen Vortrag zum Thema E-Commerce und Zalando ist immer ein Teil davon. Entweder als Beispiel auf meinen Powerpoint Slides oder aber in der Diskussion danach. In 90% aller Fälle wird Zalando, auch von meines Erachtens recht schlauen Menschen, in diesen Diskussionen der Vorwurf gemacht kein Geld zu verdienen und damit nicht als Vorbild für Transformation zu dienen. Dieses Image haftet Zalando schon immer an und konnte auch in den letzten, sehr erfolgreichen und profitablen Jahren nicht abgestreift werden. Das ist ungerecht und aus diesem Grund möchte ich 10 Jahre nach der Zalando Gründung die Gelegenheit nutzen Herzlichen Glückwunsch zu sagen. Die Geschäftszahlen sind im Vergleich zum analogen Wettbewerb sensationell, das Wachstum ist stark, die Rendite stabil und der Konzern schlägt sich viel besser als die meisten Marktbeobachter (inklusive mir) es je erwartet haben.

Spätestens seit dem aktuellen Geschäftsbericht, ist Zalando in der Plattformökonomie angekommen und Zalando redet nicht nur davon, sie verändern sich auch zügig in Richtung Plattform, auch wenn die Service Umsätze noch vergleichsweise klein sind. Im Geschäftsbericht schreiben sie:

Unsere Wachstumsziele haben wir fest im Blick. In den kommenden Jahren wollen wir um 20-25% jährlich wachsen und unser Geschäft bis 2020 verdoppeln. Dafür sind weitere Investitionen nötig. Nur so können wir unser Modeökosystem ausbauen und Mehrwert für alle schaffen, die an unsere Plattform angebunden sind.

Das Wachstum wird also zu Lasten des Ergebnisses gehen, eine super Gelegenheit bei den nächsten Quartalszahlen die Aktie nachzukaufen, weil die Börse diese Entwicklung noch ungern sieht. Bis dahin ergötzen wir uns aber am profitablen Konzernergebnis 2017.

zalando-2017

Eine seitenlange Analyse der Zahlen erspare ich euch an dieser Stelle. Um es kurz zu machen. Das sieht schon alles sehr sehr gut aus! vor sieben Jahren war Zalando die erste längere Analyse auf Kassenzone gewidmet und gehört sicherlich zu den Top 10 Artikeln auf Kassenzone.de ever. Schon damals war das Fazit recht positiv:

Ich zolle größten Respekt vor dem was das Zalando Team und Rocket Internet innerhalb der letzten beiden Jahre aufgebaut hat. Dazu gehört schön sehr viel unternehmerische Kompetenz und operative Exzellenz. Mit dem oft gehörten „Geld verbrennen“ hat das aus meiner Sicht nichts zu tun. Man kann bei der Bewertung des Geschäftsmodells oder der Wachstumsstrategie sicherlich zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, ich halte es aber für äußerst gewagt Zalando als Blase zu bezeichnen bei der nur Geld verbrannt wird. Für Leute die lernen wollen wie heute E-Commerce funktioniert bietet Zalando sicherlich eines der attraktivsten Arbeitsumfelder in Europa. Ob es am Ende funktioniert und die Wette auf das Modell und den Markt aufgeht ist noch nicht abschließend zu sagen. Das liegt nicht zuletzt daran wie einfach die Beschaffung weiteren Wachstumskapitals wird. Momentan sieht es ganz gut aus.

Auch der Gründer Robert Gentz hat es in den Kassenzone.de Podcast geschafft und konnte überzeugen, zumindest wenn man die Abrufzahlen auf Youtube als KPI nutzt. Hört ihn euch zu Feier des Tages gerne noch mal an:

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Herzlichen Glückwunsch und großen Respekt Robert, David und Rubin!

P.S.: Ohne Zalando gäbe es auch Spryker nicht in der heutigen Form. Der Frust mit Magento beim Aufbau der ersten Zalando Plattform hat den Global CTO von Rocket Internet „damals“ animiert für die große E-Commerce Expansion (Dafiti, Westwing, Hellofresh, Namshi….) von Rocket Internet ein eigenes System (Alice & Bob) zu bauen und dieser CTO ist Fabian Wesner, mein Spryker Co-Founder und heute oberster Architekt von Spryker. Ohne seine Erfahrung mit Zalando und den vielen anderen Projekten wäre Spryker nicht dort wo es heute ist. Insofern ein doppeltes Danke!

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Alexander Graf, 37, E-Commerce Unternehmer & Analyst, Gelernt bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Commerce Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

5 Antworten

  1. Ralf Wilker sagt:

    Hallo Alexander,
    ja, auch ich sage mit respekt vor der positiven Geschäftsentwicklung, dass ich niemals geglaubt hätte, dass Zalando jemals Geld verdient. Ich glaube aber nicht an das prognostizierte Wachstum. Ich denke das wird schneller abflachen, als erwartet. Weil ich denke, dass sich gerade im Fashionbereich das Konsumerverhalten ändern wird. Der Konsument wird in naher Zukunft sein shopping verhalten ändern, allerdings nur dann, wenn der stationäre Handel das frühzeitig erkennt. Der Kunde wird demnächst stärker nach Individualität suchen und das Shoppingerlebnis mit persönlicher Beziehung in den Fokus nehmen. Leider ist aktuell der Stationäre Handel zu dumm um das zu erkennen. Es wird krampfhaft versucht, dem Kunden ein Umfeld zum wohlfühlen zu schaffen, aber leider nicht ganzheitlich und nur halbherzig. In den meisten Boutiquen stehen Kaffemaschinen und Getränke zum Ausschank beteit. Aber den Kunden wird nichts angeboten. Es werden immer neue slogan Erfunden (Midsaison-Sale, Outfit-Sale usw) um den Kunden zunehmend das Vertrauen in eine faire Preisgestaltung zu nehmen. Wer ein Schild mit -70% ins Schaufenster hängt, der darf sich nicht wundern, dass bei Zeitfenstern ohne ROTE Preise keiner mehr in den Laden kommt. Und der Onlinehandel spielt dabei ebenfalls mit. Die „Geiz ist Geil Mentalität wird permanent im Fashionbereich weiter geschürt. Bin mal gespannt, wie lange sich der Konsument noch dermassen vera…. läßt. Genauso lächerlich finde ich die kläglichen Versuche durch Technik in den Stores etwas zu verbessern, wenn der Veräufer mit einem Tablet hinter mir herrennt anstatt mir was schönes in die Hand zu drücken oder in der Umkleidekabine ein spechendes Diplay mir zeigt, was zu meiner gerade angezogenen Hose passen würde. In einer Kabine, die immer viel zu klein ist, in der kein Schuhanzieher hängt, kein Deo steht und man eigentlich nur so schnell wie möglich raus will. Trotzdem glaube ich, dass die Unternehmen, die gerade mal nicht in die Insolvenz gehen, wie z.B. BiBa kürzlich, genau das erkennen werden. Ich habe in der Stadt Ratingen vor 4 Wochen gemeinsam eine Boutique für Damenmode eröffnet. Meine Frau kümnert sich um Ware, Verkauf und führt den Laden operativ. Ich übe einen vernünftigen Beruf im Bereich digitalisierung bei einem grossen Konzern aus und begleite den Laden quasi als Hobby. Das Konzept für den Laden haben wir über einen Zeitraum von 1,5 Jahren entwickelt. Am 15.02. via silent opening eröffnet. Einfach nur die Türe aufgemacht. Und der Laden fliegt. Ich habe genau 7Euro für Facebookwerbung investiert und einen Post in einer regionalen Gruppe gesetzt. Technik gibt es bei uns auch, ein Bewegungsmelder an der Eingangstüre, der ein Herzklopfen abspielt, eine Alexa, die Musik und Beleuchtung steuert. Ein Beamer, der ein Kaminfeuer an die Wand wirft usw. In unsere Kabinen passt ein Doppelbett 1,60 x 2 Meter. Sind urgemütlich eingerichtet und die Kundin schreitet auf einem roten Teppich. Dafür gibt es aber keine roten Preise. Die Preise sind knapp kalkuliert, ehrlich kommuniziert und die Ware hat hohe Qualität. Bisher war jede Kundin begeistert und die Umsätze liegen 100 % über Plan. Ganz ehrlich? Ich habe natürlich an unser Konzept geglaubt. Das Erfolg in einer eher schwierigen Branche so einfach sein kann, hat mich dann aber doch überrascht. Mit modischen Grüssen aus Ratingen, ralf wilker

    • P. Kalmutzki sagt:

      Ich würde nach einem Monat noch nicht von Erfolg sprechen. Wenn etwas nach 5 Jahren mit steigender Tendenz noch funktioniert eher. Die Frage ist ob solche One Man Shows den Niedergang der Frequenz in den Städten aufhalten können. Der Druck steigt immens. „Vielen Dank für die ausgezeichnete Beratung, ich schau mal was es im Internet kostet“ (sinngemäß) höre ich fast jeden Tag. Dabei ist das Einkaufen von Klamotten im Internet alles andere als ein Zuckerschlecken. Es nervt sogar noch mehr. Viel mehr ist es Gewohnheit, oder der Glaube/ oder die Tatsache günstiger zu kaufen. Nur weil Onlinehandel dank Marketing Hip ist heißt es nicht, daß er gut ist. Im Grunde macht der Onlinehändler nichts anderes als der stationäre Händler. Nur kann es der einzelne Händler nicht mit der Preisaggressivität, der Komplexität und den Auswahlmöglichkeiten des Internets aufnehmen.

  2. Paula Immich sagt:

    … na das klingt ja wie Werbung für Zalando.

  3. Jens Dalgo sagt:

    Und trotz der positiven Entwicklung sollen gerade 250 Leute im Marketing entlassen. Hat doch immer alles einen faden Beigeschmack. Aber wenn es um Gewinn und Wachstum geht, sind Humans ja nur Ressourcen.
    https://www.gruenderszene.de/allgemein/zalando-stellenabbau-marketing-entwickler

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