Conversion Killer Ladezeit: jeder zweite Mobile Shop deutlich zu langsam

Mobile Loadtime

80% der Top100 Onlinehändler in Deutschland haben einen Mobile Shop im Einsatz. Doch wie gut sind die Mobile Auftritte der Händler umgesetzt?

Neben einer guten User Experience, der Umsetzung von Mobile spezifischen Konzepten, lohnt immer ein Blick auf die Ladezeiten der Shops. Sie stellen einen objektiven und guten Indikator für die Umsetzung eines Mobile Shops dar.

Der direkte Einfluss der Ladezeiten auf die Conversion Rate

Die Ladezeiten von Websites und Webshops sind so relevant, da sie unmittelbaren Einfluss auf die Conversion Rate haben. D.h. jede Verbesserung der Ladezeit schlägt sich in einer besseren Conversion Rate nieder (mit abnehmenden Grenznutzen). Nicht ohne Grund bezieht auch Google im Ranking der Suchergebnisse die Seiten-Ladezeiten mit ein. Die Relevanz von Ladezeiten ist für Smartphones bzw. Mobile Websites sogar noch höher zu bewerten, da hier aufgrund verstärkter Bandbreitenbeschränkungen und speziellerer Nutzungsarten (u.a. unterwegs surfen) auch entsprechend höhere Anforderungen an die Ladezeiten gestellt werden.

Für die meisten Mobile Web Nutzer sind nur Ladezeiten bis maximal 10 Sekunden akzeptabel, bevor sie die Seite direkt wieder verlassen.


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Wenn Ihr Onlineshop mit Conversion-Problemen und langen Ladezeiten zu kämpfen hat, dann lassen Sie sich von Experten beraten. Netshops Commerce hilft Ihnen, Ihr E-Commerce-Business auch mobil zu optimieren.


Wie stark sich eine Verbesserung der Ladezeiten in der Conversion Rate niederschlagen kann, wurde z.B. von Intuit untersucht, die ihre Ladezeiten innerhalb eines Jahres von 15 auf 2 Sekunden reduziert haben und eine deutliche Verbesserung der Conversions für jede gewonnene Sekunde beobachten konnten:

  • +3% conversions for every second reduced from 15 seconds to 7 seconds
  • +2% conversions for every second reduced from seconds 7 to 5
  • +1% conversions for every second reduced from seconds 4 to 2

Dieser deutliche Effekt wurde auch bei Walmart im Rahmen eines Pagespeed Projektes bestätigt:

  • For every 1 second of improvement they experienced up to a 2% increase in conversions
  • For every 100 ms of improvement, they grew incremental revenue by up to 1%
  • SEO benefits for entry pages and reduce bounces

Die Mobile Shop Performance kann zudem als ein Indikator auch dafür genutzt werden, um zu erkennen wie ernsthaft das Thema Mobile bei den jeweiligen Händlern verfolgt wird.

Wie steht es also um die Ernsthaftigkeit der Mobile Aktivitäten und die Ladezeiten der Top100 Onlinehändler?

Ranking Mobile Shops der Top100 Onlinehändler nach Ladezeit

Top100 Mobile Shops- Loadtime large v4

 

Legende

# 1: Rang nach Ladezeitmessung
# 2: Rang nach Top100 Onlineshops in Deutschland
(1): Smartphones werden nicht automatisch in Mobile Shop weitergeleitet
(2): Responsive Website mit Darstellungsfehlern

 

Testsetting

Messung via: webpagetest.org
Aufruf der Startseite, Testlocation: Germany, Speed: 3GFast, First view only, Document Complete, 9 runs, Load Time Median Run, Mobile User Agent, Zeitraum: 22.10. – 23.10.2014

Fazit: Die Ladezeit jedes zweiten Mobile Shop ist ein Conversion Killer

Erwartungsgemäß liefern gerade die großen Onlineshops sehr gute oder gute Ladezeiten. So erreichen 8 der 10 größten Onlineshops Mobile Shops akzeptable Ladezeiten von maximal 8 Sekunden. Überraschend schlecht stechen unter den Top10 Shops jedoch Zalando (10,74 Sek.) und Conrad (17,53 Sek.) hervor. Und das obwohl Zalando gerade erst im Börsenprospekt auf die Relevanz von Mobile hingewiesen hat (181 „Mobile“ Nennungen!) .

Die Ladezeiten der Webshops ohne speziellen Mobile Shop sehen erwartungsgemäß katastrophal aus: sie liegen bei fast allen Anbietern (17 von 22) über 10 Sekunden.

Überraschend hingegen ist, dass alle Webshops, die responsive umgesetzt wurden nur eine durchschnittliche (3 Shops) oder sogar schlechte (10 Shops) Performance bieten. Wie man einen guten und performanten responsive Webshop umsetzt muss demnach noch gezeigt werden. (Brands4Friends sei an dieser Stelle ausgeklammert, da aufgrund des Geschäftsmodells die getestete Seite nur aus einer Anmeldeseite besteht.)

Nahezu jeder zweite der Top100 Onlineshops (41) Mobile Shops hat Ladezeiten von >10 Sekunden und ist demnach für einen komfortablen mobilen Onlinekauf nicht geeignet.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Handel, Mobile, Technologie von Florian Hermsdorf. Permanenter Link des Eintrags.

Über Florian Hermsdorf

Florian Hermsdorf beschäftigt sich seit 10 Jahren intensiv mit allen Themen im Bereich Mobile Commerce. Er verantwortete die M-Commerce Aktivitäten (inkl. Betrieb, Marketing, Produktmanagement) von otto.de. Anschließend war er mehrere Jahre im Otto Group Konzern in den Bereichen Business Development und Corporate Development E-Commerce tätig. Dort beschäftigte er sich mit strategischen Themen und der Planung sowie Bewertung von M-Commerce und E-Commerce Geschäftsmodellen. Er gründete und leitete 2,5 Jahre für die Otto Group als Geschäftsführer das Startup VitaBote. Darüber hinaus hält er Fachvorträge im M-Commerce Umfeld und als Gastdozent an der FH Wedel die M-Commerce Vorlesung. (Xing)

28 Gedanken zu “Conversion Killer Ladezeit: jeder zweite Mobile Shop deutlich zu langsam

  1. Schade – unglückliches Timing. Wir (www.baby-markt.de) sind gerade kurz vor der Umstellung auf ein neues System, da uns bewusst ist, dass die aktuelle Performance verbesserungswürdig ist.
    Wird der Test irgendwann wiederholt? Wäre spannend zu sehen, wo wir dann stehen.

    A. Ziethen
    Head Of Development Baby-Markt.de

  2. Ladezeiten sind sicherlich ein entscheidendes Thema.
    Nicht immer ist allerdings die Gesamtladezeit das entscheidende Messkriterium.
    Zu berücksichtigen ist hier auch die „Time to Interact“ (TTI). Das ist die Zeit, ab welcher der Nutzer schon was machen – also interagieren – kann.
    Diese ist mitunter erheblich (Faktor 4 oder 5) geringer, als die Gesamtladezeit.

    • Ich gebe Dir Recht, dass man die Ladezeit der Shops auf Basis sehr unterschiedlicher Kriterien bewerten kann. TTI ist eine andere Möglichkeit. Wir haben in dieser Bewertung die „Document complete“-Bewertung verwendet.

      Die von uns verwendeten Kriterien können sehr einfach objektiv, automatisch und vergleichbar gemessen werden, was eine Anforderung aufgrund der Menge der betrachteten Shops war. Allerdings sollten von den einzelnen Händlern natürlich auch die wahrgenommene Geschwindigkeit oder TTI berücksichtigt werden.

      So oder so würde ich von einem sehr guten Mobile Shop auch eine sehr gute „Document complete“ Zeit erwarten.

      • Schlussendlich geht es um die „Conversions“. Es kommt natürlich immer auf das verwendete Verfahren an. Aber schlussendlich sollte ein Zusammenhang mit Käufen hergestellt werden. Sofern man einen Vergleichszeitraum hat ist das dann nahe an der Realität

  3. Sehr interessanter Artikel. Danke dafür!
    Neben dem initialen Laden des mobile Shops ist jedoch auch die Ladezeit der weiteren Seiten und typischen Aktionen im e-Commerce entscheidend. So haben wir beispielsweise gemessen, dass die Ladezeit des Warenkorbes sehr entscheidend ist. Hier können single page applications (web apps) punkten, die jedoch bisher nur von wenigen Shops (keinem im Test) eingesetzt werden.

    • Danke 🙂

      Das stimmt, der Einfachheit halber haben wir hier „nur“ die Ladezeit der Startseite betrachtet. Allerdings sind die Ladezeiten der weiteren Shopseiten (wie schnell lässt sich durch die Kategorien/Artikellisten navigieren, wie schnell ist die Shopsuche etc.) ebenfalls sehr relevant. Vielleicht weiten wir unseren Test bei der nächsten Durchführung noch ein wenig aus…

      • Wenn man mit den üblichen Tools arbeitet ist es leider sehr schwer Ladezeiten von Unterseiten innerhalb von web apps zu messen. Diese sind meist nur auf „normale“ websites ausgelegt und können daher nicht mit single page applications umgehen. Um den Unterschied zu veranschaulichen haben wir uns daher die Arbeit gemacht und das echte Surfen im Shop gefilmt (

        ). Dabei wird sichtbar wie sich Ladezeiten von Unterseiten auf die Usability und gesamte Ladezeit eines Besuches auswirken. Wenn Du Interesse hast, könnten wir uns gerne einmal über Messmethoden austauschen.

  4. Pingback: Von schnellen und langsamen Mobile Shops auf brink & martens – Blog

  5. Pingback: Apple, E-Plus, T-Mobile US.

  6. Habe unlängst ein iPhone 6+ zum Surfen nutzen können. Mit einem 5,5 Zoll Bildschirm stelt sich für mich schon die Frage: Braucht man überhaupt noch eine spezielle Mobilseite seines Shops, wenn die Bildschirme immer größer werden. Würde es nicht reichen, einfach nur eine Tablettversion zu produzieren, die zwar auf die spezielle Touchscreen-Bedienung angepasst ist aber nicht mehr auf eine kleine Bildschirmgröße? Ich persönlich bin nämlich stets sehr frustriert, wenn ich auf meinen Fullsize-iPad mit einer Mobilseite mit Schriftgröße im Blindenschriftformat konfrontiert werde. Da bin ich übrigens nicht alleine: Ich persönlich kenne genügend Leute, die nur zu gerne auf den Knopf „Desktop-Version ansehen“ klicken, wenn sie einen dieser kastrierten Mobile Shops vor den Latz geknallt bekommen.

    • Das sehe ich ähnlich. Wenn ein Shop einen Mobile Shop anbietet, sollten dort alle Funktionen, Produkte, Services etc. des normalen Webshops idealerweise verfügbar sein. Ansonsten entsteht bei vielen potenziellen Kunden die erwähnte Frustration.

      Da Geräte mit 5+ Zoll derzeit aber noch die Ausnahme unter den verwendeten Smartphones darstellen, sind aus meiner Sicht noch zwingend Konzepte notwendig, die einen „normalen“ Webshop auf Handys (gut) bedienbar machen und eine gute User Experience bieten. Und dies kann nur mittels speziell angepassten Mobile Templates (Mobile Shop) oder durch Responsive Websites erfolgen.

    • Geht mir, trotz nur 4,7″…genauso. Kenne nur wenige Seiten bei denen mir die mobile Version besser gefällt. Bei z.B. Newsseiten fehlen die Kommentare und andere elementäre Funktionen….

      • Hallo,

        sehr interessanter Artikel. Habe gerade mal versucht die Messung für C&A nachzuvollziehen. Aktuell wird auf keine mobile Seite verwiesen sondern auf die Desktopseite. Und die benötigt schon für das Document Complete 22,8 Sekunden.

        Könnt Ihr für die Messungen auch die Seiten nennen, die Ihr getestet habt? Das würde sicher helfen, nachzuvollziehen, was funktioniert und was nicht.

        Danke!

        • Aktuell werde ich leider auch nicht mehr auf die Mobile-Site weitergeleitet. Ggf. ein technisches Problem…

          Generell wurde immer die Startseite der jeweiligen Domain getestet, welche in den meisten Fällen auf eine Mobile-Site weitergeleitet hat.

  7. Pingback: Wie schnell lädt Ihr Onlineshop? | Corporate Fashion Blog

  8. Der Test von http://www.webpagetest.org lässt leider einen Mobile Device-Test nur aus den USA zu. Das verfälscht insofern die Ergebnisse, als viele Mobile-Sites bei einem Aufruf durch Desktop-Browser einen Redirect von m.xyz.de auf http://www.xyz.de machen. Dadurch wird dann die Desktop-Variante getestet. Das erklärt u.a. das schlechte Ergebnis für m.amazon.de und m.ernstings-family.de

    • Vielen Dank für Deine Hinweise. Dazu ein paar Infos:

      Wie im Artikel („Testsetting“) beschrieben, wurden alle Tests von einem deutschen Server aus durchgeführt. Es ist möglich die Test mit einem modifizierten User Agent aus Deutschland über WebPagetest durchzuführen.

      Richtig, die Weiterleitung wurde im Zweifelsfall mit berücksichtigt, was jedoch auch die „normale“ Kundennutzung wiederspiegelt, da Kunden i.d.R. einfach die normale Domain aufrufen und nicht m.DOMAIN.de.

      Amazon hat unabhängig davon kein schlechtes Ergebnis erzielt (Platz 6 & 9 mit unter 4 Sekunden)! Ernstings-family.de liegt im Mittelfeld und kann, wenn es wirklich nur der langsame Redirect ist, ja glücklicherweise recht schnell eine gute Performance erzielen. Wir werden die Entwicklung weiterverfolgen…

  9. Hallo Zusammen,

    müpf… der Test fand leider zu einem aus unserer Sicht sehr ungünstigen Zeitpunkt statt (Serverprobleme durch SSL Handshake, Redirect Probleme an der Weiche, etc….)

    Die Startseite unseres Mobileshops ist allerdings in der Tat nicht zu 100% auf Performance getrimmt. Das liegt bspw. daran, dass wir die gesamte Navi inkl. der 2 ersten Unterkategorien initial mitladen. So kann der User direkt ohne weitere Verzögerung über die Kategorien in eine MBA einspringen. Da haben wir uns entgegen max. performance und für bessere User Experience entschieden.

    Beides zusammen erklärt allerdings dennoch nicht ganz die sehr schlechten 9,5 Sek. In dem Zusammenhang würde mich noch folgendes interessieren Flo: 1. Wasserfalldiagramme der Auswertung
    2. Verwendeter User Agent String

    Das wäre spannend zu erfahren. 🙂

    Viele Grüße

    • Hier die gewünschten Infos:

      1. User Agent: Mozilla/5.0 (Linux; Android 4.4.4; Nexus 5 Build/KTU84P) AppleWebKit/537.36 (KHTML, like Gecko) Chrome/37.0.2062.55 Mobile Safari/537.36

      2. Wasserfalldiagramme habe ich beim Test nicht direkt gespeichert. Beim erneuten Testlauf gerade eben sahen eure Ladezeiten aber mit 6,656 Sekunden auch schon besser aus: http://www.webpagetest.org/result/141101_KY_H6Z/
      🙂

      Hoffe das hilft weiter.

      VG

  10. Pingback: E-Commerce-News: Magento 2 noch Open-Source oder nicht, Amazon könnte Marktplatzhändler ausstechen | t3n

  11. Interessant dass die 5 Shoppingclubs im Test mit der Startseite doch eine recht lange Ladezeit haben. Wo die Startseite eigentlich nur eine einfache Login Möglichkeit bieten sollte.

  12. Pingback: Mobile Commerce in Deutschland noch ausbaufähig - Eurotext - Übersetzungen für Onlineshops und E-Commerce

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