Die Party ist vorbei – ein Review der K5 Konferenz 2013

k5-logoDie K5 Konferenz in München war wie in den letzten Jahren hervorragend organisiert, die Inhalte waren spannend und der limitierte Einlass von Dienstleistern hat wieder sehr gute Gespräche in den Pausen ermöglicht. Ich sitze nun gerade als Mentor beim Healthcare Innovation Weekend in Hamburg, einer Art StartupWeekend für die Healthcare Industrie, und versuche meine K5-Eindrücke einzuordnen. Hier geht es um neue Geschäftsmodelle, Ideen die den Gesundheitsmarkt revolutionieren können, Spinnereien und Einblicke in neue Märkte. Spannend, aber irgendwie ganz anders als die K5. Dort ging es in diesem Jahr eher darum wie man datengetrieben den Handel optimiert, kanalübergreifend steuert & verkauft und wie sich trotz Discountdruck profitable Geschäftsmodelle im E-Commerce betreiben lassen. In den Vorträgen auf der Bühne und in den vielen Gesprächen in den Pausen war aber von der Euphorie der Vorjahre nicht mehr viel zu spüren, abgesehen vom Sportapp Unternehmen Runtastic. Um es mit den Worten eines der vielen Gesprächspartner zu sagen. „Es fühlt sich irgendwie so an, als wäre die Party vorbei.“ In der Tat – die „alten“ Themen wie Shoppingclubs, One Product a Day, CRM-Optimierung taugen nicht mehr für große Visionen von hochmargigen E-Commerce-Modellen. Der Markt ist hart, viel Geld verdienen die allerwenigsten und wenn sogar auf der Bühne schon gesagt wird, dass man nie wieder in klassische Handelsmodelle investieren würde (Sebastian Sieglerschmidt), dann fühlt sich das so an als hätte mein pessimistischer Blick in der Kassenzone schon breit in den Markt abgefärbt. Jochen Krisch hat in seinem Eingangsvortrag gefragt, wie groß der Onlinehandel noch werden könnte und wer denn sagt, dass der Einzelhandel der (limitierende) Maßstab sein müsse. Nach den Gesprächen frage ich zurück wer denn in diesem Handel überhaupt Geld verdient. Ohne Frage ist die K5 einer der empfehlenswertesten E-Commerce-Konferenzen in Deutschland, aber der Fokus auf Händler hat besonders in diesem Jahr deutlich gemacht, dass das Branchenwachstum nicht zwingend mit einem Gewinnwachstum korreliert ist. Der Innovationsdruck steigt dadurch aber nur – gute Nachrichten für die K5 2014.

Jetzt muss ich mir allerdings Gedanken darüber machen, wie groß der Markt für mobile, medizinische Notfalldienste wohl ist. Wie die wohl Geld verdienen wollen…?

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Vermarktung von Alexander Graf. Permanenter Link des Eintrags.

Über Alexander Graf

Alexander Graf ist Geschäftsführer von Spryker Systems, einem Joint Venture, das er im November 2014 zusammen mit Nils Seebach und Project A Ventures gegründet hat. Er verantwortet das Business Development und die Strategie des Technologie-Anbieters mit Sitz in Hamburg. Er ist zudem Gründer des größten europäischen Netzwerkes für digitale Unternehmer eTribes. Sein neues E-Commerce Buch wurde schon über 2.000x verkauft. Auf über 300 Seiten erklären Alexander Graf und Holger Schneider darin alle wichtigen Zusammenhänge zu Marktanalysen, Geschäftsmodellen und Strategien im E-Commerce. Er kann als Speaker und/oder Pausenclown gebucht werden. alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

8 Gedanken zu “Die Party ist vorbei – ein Review der K5 Konferenz 2013

  1. Ich freue mich sehr, dass die Branche anscheinend endlich mal zu einer klareren Sichtweise auf sich selbst kommt. Und möglicherweise nicht mehr alle paar Wochen eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird, welche den E-Commerce revolutionieren wird. Und deshalb auch jeder Onlinehändler mitlaufen muss.

    Denn letztlich ist Onlinehandel einfach nur Handel wie auch ein Katalog oder ein stationärer Laden auch. Nur die Werkzeuge sind anders, etwas platt ausgedrückt.

    Was der Onlinehandel versäumt hat – und Kassenzone dankenswerterweise jetzt auch aufgreift – ist, dass bisher alle nur auf Ihre Umsätze, Besucherzahlen und Konversionsrate schielten. Und solange am Ende unterm Strich irgendwas Schwarzes stand war alles ganz toll. Und auch wenn man rote Zahlen schrieb, war man ganz toll. Solange nur irgendwie die Wachstumszahlen passten.

    Aber auch wenn E-Commerce weiter steigen wird, für die meisten ist zumindest die Wachstums-Party vorbei. Und jetzt kommen die ganzen Fehler der Vergangenheit ans Tageslicht, welche bei steigenden Umsätzen kaschiert wurden. Nämlich, dass die wenigsten ihre Kosten im Griff haben.

    Und das liegt unter anderem daran, dass keiner seine Zahlen im Griff hat. Aber, dass ist jetzt eine andere und vor allem längere Geschichte.

    • Hallo Peter

      Ich bin bei Dir, dass die Party vorbei ist und es eine Besinnung auf Profitabilität geben wird. Es ist ja auch spannend, dass auf der K5 die Geschöpfe der Samwer Brüder die Wachstumsmantra durch „Profit, Profit, Profit“ ersetzt wurde – die GFs von WestWing und Home24 haben sich ja bei Ihren K5 Vorträgen beinahe Überschlagen um Profitabilität in den Vordergrund zu rücken. Wobei hier aber auch der Wunsch Vater des (profitabilitäts-) Gedanken ist.
      ABER das ist ja eine durchaus positive Entwicklung und aus meiner Sicht als CFO gibt es keine andere Industrie die so Daten getrieben agiert – hier hat mal also die aller besten Voraussetzungen, um Zahlengetrieben die profitable Entwicklung von Unternehmen zu steuern. Das geht aber erst, wenn akzeptiert wird, dass der „Einkauf“ von Wachstum um jeden Preis einfach kein Ziel sein kann.

  2. Hallo Alexander,

    Naja ich weiß nicht.

    Es ist doch so, zu erst wurde eCommerce vom bestehenden Handel nicht ernst genommen bzw. nicht verstanden (innovationsfeindlichkeit, bremsende Prozesse, besitzstandswahrung). Nach einem initialen Boom von 1997-2001, kam ein furchtbarer Crash.

    Dann – in einem 10 jährigen reife und Wachstumsprozess – hat eine grundlegende Transformation statt gefunden, geprägt von teilweise explosivem Wachstum. Dabei wurde wild experimentiert – was sowohl notwendig als auch unausweichlich ist.

    Nun nach dem sich eCommerce etabliert hat und eine entsprechende Reife erreicht hat, und auch absehbar ist das Wachstum nicht unendlich ist, spielen eher klassische Themen wie Effizienz, Saubere Prozesse und Finanzarchitekturen eine größere Rolle.

    Es ist nicht im geringsten überraschend.

    Das nächste was passieren wird, dass die Visionäre in zunehmende Masse durch normale Manager ersetzt werden.

    Und am Ende sehen die Managementebenen ungefähr so aus wie bei den alten Firmen.

    Es war irgendwann einmal revolutionär Kaufhäuser oder Supermärkte aufzumachen.

    Bleibt zu überlegen welche Tools und Methoden im eCommerce relevant werden. Da gibt es mit Sicherheit einiges zu optimieren.

    Grüße,
    Stephan

    • Du sagt es doch: Nun geht es um Optimierung. Es wird aber noch immer sehr viel Geld in „Visionen“ gesteckt und in diesem Feld gibt es nun ein eher unsanftes Erwachen. Das ist in etwas so, als würde ein Supermarktbetreiber in der besten Lage Münchens einen großen Markt aufmachen, allerdings zu vergleichbaren Mieten wie der Prada Store nebenan. Am Ende kaufen die Kunden aber doch nur die normalen Lebensmittel im Markt.

  3. Man könnte es auch weniger pessimistisch ausdrücken:
    Die Party ist eine andere, ruhigere, seriösere. Man erkennt halt, dass es auf`s Detail ankommt und es Durchhaltevermögen gepaat mit einem guten Team braucht.
    Gut so!

  4. Pingback: K5 2013: Some thoughts | ecomPunk

  5. Pingback: K5: eCommerce XXL oder Round 2 - Willkommen in der Realität - crowdmedia - Digital Content Marketing

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.