Die Sache mit den Bleistiften

bleistiftMartin vom bvh Blog hat in seinem aktuellen Beitrag dargestellt, dass sich in jeder noch so langweiligen Produktnische ausreichen Differenzierungspotential befindet. Die Händler müssen das nutzen.

Nun wäre es leicht, einen USP bei emotionaleren Themen wie Mode oder Autos oder anderen Dingen zu finden, zu denen sich jeder eine Meinung und einen Geschmack erlaubt. Oder ein emotionales, online-basiertes Geschäftsmodell entwickeln. Wo das Produkt an sich für Aufmerksamkeit sorgt, fällt das scheinbar leichter. Aber wie ist es bei den Basics, den Brot und Butter-Produkten, die wenig Wow-Effekte beinhalten?

Auf der Suche nach einem „C-Teil“, über das niemand länger nachdenkt, schwankte ich zwischen Regalen und Bleistiften. Am Ende habe ich mich für Bleistifte entschieden: Pfennigs-Artikel. Fakt ist, dass niemand über Bleistifte länger als 3 Sekunden nachdenkt. Oder doch? [….]

[…..] Ich denke, es gibt in diesem Sinn doch nur graduelle Unterschiede zwischen einem „emotionalen“ Produkt wie einem Laufschuh und einem C-Produkt wie einem Bleistift. Bei Laufschuhen gibt es auch exzellente Anbieter, die relevante Informationen hinzufügen, die nicht einmal von allen Herstellern geliefert werden. DAS zeigt Kompetenz und überzeugt die Kunden. DAS ermöglicht erst die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle oder besserer, uniquer Produkte, Bundlings etc.

Das klingt doch super. Alex hat also unrecht. Online Shops können doch noch neben Amazon & Co. existieren. Obwohl…. Ich glaube ganz so einfach ist es nicht. Das was Martin beschreibt ist doch eher eine Notwendigkeit, um überhaupt Bleistifte zu verkaufen. Und wenn man so viel Mühe in den Aufbau und Pflege von Content stecken muss, um Bleistifte zu verkaufen, dann winken mE viele Händler schnell ab. Was Martin aber auch sagen will: Ein 08/15 Shop reicht heute in keinem Fall mehr aus.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Handel von Alexander Graf. Permanenter Link des Eintrags.

Über Alexander Graf

Alexander Graf ist Geschäftsführer von Spryker Systems, einem Joint Venture, das er im November 2014 zusammen mit Nils Seebach und Project A Ventures gegründet hat. Er verantwortet das Business Development und die Strategie des Technologie-Anbieters mit Sitz in Hamburg. Er ist zudem Gründer des größten europäischen Netzwerkes für digitale Unternehmer eTribes. Sein neues E-Commerce Buch wurde schon über 2.000x verkauft. Auf über 300 Seiten erklären Alexander Graf und Holger Schneider darin alle wichtigen Zusammenhänge zu Marktanalysen, Geschäftsmodellen und Strategien im E-Commerce. Er kann als Speaker und/oder Pausenclown gebucht werden. alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

5 Gedanken zu “Die Sache mit den Bleistiften

  1. In diesen Zusammenhang passt die Marke Moleskine (diese kleinen Notizbücher mit Gummiband). Ähnlich dem Bleistift ist das Notizbuch auch ein vermeintlicher Low-Interest Artikel dessen Kauf meist über den Preis entschieden wird. Moleskine hat es mittels geschicktem Storytelling trotzdem geschafft, den nahezu gleichen Artikel (wird z.B. ebenfalls in China billig produziert) weitaus teurer zu verkaufen und eine richtige Marke in dem Segment zu etablieren. Siehe den sehr guten Artikel aus der brand eins 02/2008: http://www.brandeins.de/magazin/das-marketing-ist-tot-es-lebe-das-marketing/das-ungeschriebene-buch.html

  2. Wer heute als Händler nicht in der Lage ist, sich in die Denkweise seiner Kunden hineinzuversetzen (und daraus seine Anknüpfpunkte bzw. USPs abzuleiten), hat eigentlich auf dem Markt nichts (mehr) zu suchen (unabhängig von Produktart etc.).

    Denn: Alle gesättigten Märkte sind Käufermärkte. Wenn diese durchs Internet extrem transparent werden, sitzt der Kunde eben immer am längeren Hebel.

    Einziger Ausweg aus dieser Abhängigkeit ist es die „Faulheit“ der Kunden auszunutzen, in dem man erkennt was für Sie extrem wichtig ist und diese Faktoren als USPs ausbaut.

  3. Hey, Alex, danke für Deinen Kommentar. Nein, einfach ist es nicht. Im Gegenteil. Ich hab am Anfang des Vortrages auch an Deine Ausführungen auf dem Hitmeister e-Commerce Day 2012 erinnert. Aber ohne diese Mühe wird es unmöglich.

    Leider ist das, was Du als „Notwendigkeit“ bezeichnest, eben alles andere als basic. Sonst müsste man ja mehr Shops finden, die so akribisch mit Daten arbeiten.

    Und deshalb macht man es Amazon leicht, ein Viertel des E-Commerce-Marktes in Deutschland an sich zu reißen… Denn AMZN kann auch ohne diese Datenmühe bestehen: Schau Dir mal die Datenqualität bei Bleistiften dort an. Verbunden mit der Preisparität ist das für alle, die einfach Bleistifte „auch“ anbieten, ein Todesstoß.

  4. Vielleicht noch ein ergänzender Aspekt zu meinem vorherigen Kommentar:

    Ich glaube die grundsätzliche Ausrichtung aktuell erfolgreicher Geschäftsmodelle sollte vorrangig sein eine Kundensicht zu haben. Im Falle des Bleistifts würde der grundsätzliche Geschäfstauftrag nicht heißen „Wir verkaufen Bleistifte“ sondern „Wir helfen Menschen Ihre Kreativität auszuleben und Ideen zu Papier zu bringen“.

    Erst wenn man sich sowas mal vor Augen führt, merkt man welch anderen Blickwinkel man auf sein Geschäft bekommt. Wenn man darauf aufbauend sein Geschäft vom Kunden her aufgezäumt hat, dann gilt es danach alle (!!!) Prozesse auszurichten. Man erhält dann ei´n Unternehmen, welches zu 100% für den Kunden arbeitet.

    Und genau dann fängt die eigentlich unternehmerische Tätigkeit an. Zuerst muss man erkennen, was man mit dieser Kundenzentrierung an Erlösen aus dem Kunden erhält (also was ist der Kunde bereit dafür zu zahhlen) und wo man durch Prozessexzellenz noch weitere Einsparpotentiale (und damit zusätzliche Ertragspotentiale) hat. Hier entscheidet sich dann ind er strategischgen Ausrichtung, wie man die Ertragspotentiale verteilt: also mehr vom Kunden Erträge holen oder mehr durch die Prozessexzellenz.

    Leider denken viele Unternehmen gerade anders herum:
    Nämlich sie nehmen das Bestehende und versuchen dieses mit allen Mitteln irgendwo an den Kunden zu bringen. Und genau das ist der Fehler der viele Unternehmen in Zukunft in massive Bedrängnis bringen wird!

  5. Prima Sichtweise, die Prozessexzellenz (damit mittel-/langfristiges) Denken und „besser“ Vor-Machen ist bislang zu kurz gekommen. Wer hat Interesse dies zu ändern?
    Suche Akteure/innen die gerne quer denken, neben Strategie die Umsetzung gemeinsam angehen.
    Motto: Welchen Bedarf hat welche Zielgruppe (Demand+) und welches Mix (Dienstleistung, Recherche+Produkt plus ggfs. Integration) wird „wert-schätzend“ aktiv vergütet.
    Vorhandenes Portfolio z.B.
    intelligent flyer (MultiCannelContent),Markenprodukte, kundenindividuelle Lösungen …

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