Sinnliche Produkte online verkaufen

we-vibeAuf Gründerszene und Deutsche Startups wurde zwar bereits über Amorelie berichtet, aber die Einschätzungen dort und auch die entsprechenden Kommentare werden dem Modell meines Erachtens nicht gerecht. Daher habe ich Sebastian und Lea gebeten noch mal etwas konkreter Stellung zu ihrem Projekt zu nehmen. Auf den ersten Blick  könnte man meinen, das Modell ist langweilig, weil es ja „nur“ eine weitere Online Shop Nische (Erotik) abdeckt. Das stimmt aus meiner Sicht aber nicht, weil die von Amorelie angebotenen Produkte wahrscheinlich nicht im klassischen Kaufprozess erworben werden. Außerdem, und das war mir vor der Kurzrecherche überhaupt nicht klar, präsentieren sich viele andere Anbieter am Markt  ihren Endkunden erstaunlich angestaubt.

 

Ihr habt beide schon außergewöhnlich hochwertige Karrieren bei Top Beratungen, VCs und Inkubatoren hinter euch. Das bedeutet auch, dass ihr bereits viele Ideen & Projekte live gesehen habt bzw. mit aufbauen konntet. Warum habt ihr euch für ein klassisches E-Commerce Modell im Erotikbereich für eure erste Gründung entschieden?

Wir haben Amorelie gegründet, da uns das Thema „Sinnlichkeit und Leidenschaft“ begeistert und wir vom Marktpotential absolut überzeugt sind. Die Ausrichtung der traditionellen Player im Markt spricht eher eine männliche Zielgruppe an und die Atmosphäre wirkt irgendwie beklemmend mit einem faden Beigeschmack. Diese Ansprache ist nicht mehr zeitgemäß und lässt Raum für die Gründung unseres innovativen Konzeptes. Wir positionieren uns anspruchsvoll, modern, inspirierend, selbstbewusst und trotzdem zugänglich mit einem stilvollen Ambiente, ausgewählten qualitativ hochwertigen Produkten, toller Funktionalität und vor allen Dingen auch einem ansprechenden Design (sowohl der Shop, die Versandpakete etc., als auch die Produkte selbst).

Wenn man sich die Wettbewerberseiten anschaut, scheint es tatsächlich an der Zeit zu sein, eine hochwertige Alternative zu gründen. Sind die Kunden von dildoking.de,eis.de & Co. überhaupt eure Kunden oder erschließt ihr einen neuen Markt?

Unsere Zielgruppe sind selbstbewusste, moderne Frauen und Paare mit einer ständigen Neugier dem Leben – auch dem Liebesleben – gegenüber. Wir sind überzeugt, dass wir mit unserer hochwertigen, stilvollen Positionierung ganz neue Zielgruppen erschließen werden, die wir inspirieren, informieren und unterhalten möchten. Uns geht es nicht nur darum Produkte zu verkaufen, sondern wir wünschen uns, dass wir etwas zum lockereren Umgang mit dem Thema beitragen können und dass sich Singles und Paare gleichermaßen wieder mehr mit sich/dem anderen beschäftigen und sich Zeit für Sinnlichkeit und Leidenschaft in ihrem Leben nehmen. Somit sehen wir eine unserer Aufgaben auch darin, dass wir neue Kundengruppen erschließen und sie mit dem Thema vertrauter machen – auf eine zugängliche, inspirierende, stilvolle Art und Weise.

Könnt ihr ein wenig mehr über die Anbieterstruktur bei euren Produkten erzählen? Muss man sich das so vorstellen wie im Fashionbereich mit einigen hochwertigen Marken und vielen Eigenmarken? Wie reagieren die Hersteller auf euer Angebot?

Genau, bei unseren Produkten gibt es wie im Fahionbereich hochwertige Marken mit denen wir jetzt auch schon zusammenarbeiten. Die Hersteller und Marken stehen unserem Konzept sehr aufgeschlossen und positiv gegenüber. Auch sie verstehen unsere Zielsetzung und sehen, dass es im Markt einen Bedarf nach unserem Konzept gibt. Durch eine Zusammenarbeit erschließen sich auch für unsere Hersteller neue Zielgruppen und ein neues Potential für die eigene Marke.

Schritt 2 eines jeden neuen E-Commerce Konzepts ist, nach erfolgreichem Reichweitenaufbau, der Aufbau von Eigenmarken. Plant ihr das auch langfristig? Gibt es besondere Hürden bei der Produktion von Eigenmarken in eurem Segment?

Aktuell konzentrieren wir uns ausschließlich auf die Skalierung unseres Konzepts. Die Entwicklung von Eigenmarken ist natürlich angedacht, aber aktuell noch kein konkretes Thema.

Wie waren die ersten Kunden- und PR Reaktionen auf euer Konzept?

Amorelie wird sowohl von Kunden als auch der Presse sehr positiv angenommen – das freut uns sehr. Unsere Kunden verstehen unser Konzept und den Unterschied zu alternativen Online-Shops, dafür spricht auch die hohe Anzahl an Kunden in Beziehungen, die bei uns kaufen. Leider können wir derzeit aber keine genauen Zahlen preisgeben.

Wann ist für euch der richtige Zeitpunkt auch internationale Shops zu launchen bzw. wann würdet ihr sagen können, dass euer Konzept nicht „skaliert“?

Unser aktueller Fokus ist auf der deutschsprachigen Region, allerdings haben wir auch schon konkrete Pläne und führen Kooperationsgespräche für eine internationale Skalierung unseres Konzepts in weitere Länder.

Welche Investoren stecken hinter Amorelie?

Sowohl größere Venture Capital Funds als auch einige sehr gute Business Angels unterstützen uns tatkräftig bei der erfolgreichen Umsetzung unserer Vision.

Was wünscht ihr euch jetzt?

Wir sind immer auf der Suche nach Partnern und Mitarbeitern, die am Aufbau von Amorelie teilhaben wollen. Wir haben schon jetzt ein tolles Team und freuen uns über weitere talentierte Köpfe, die Spaß an einem außergewöhnlichen Job haben. Bewerbungen und Ideen für Partnerschaften können direkt an info@amorelie.com geschickt werden.

 

8 Gedanken zu „Sinnliche Produkte online verkaufen

  1. Pingback: Lesenswert: Samwer-Brüder, Amorelie, Zalando, Emeza, SXSW, Accel Partners :: deutsche-startups.de

  2. Pingback: Sinnliche Produkte online verkaufen | E-Commerce DACH | Scoop.it

  3. Warum genau stimmt es jetzt nicht, dass „“nur” eine weitere Online Shop Nische (Erotik) abdeckt“ wird? Nur weil Wettbewerber scheinbar noch nicht in der Neuzeit angekommen sind? Dass ein Onlineshop „inspiriert“ und „informiert“ ist ja wohl eher dem SEO als dem Businessmodel geschuldet…

  4. @Max: Im Vergleich z.B. zu einer normalen Nische wie Autoreifen oder Angelzubehör ist der Kaufprozess anders + der Wettbewerb erstaunlich langsam.

  5. Najaaa. Sollte jetzt auch nicht so miesepeterig klingen, kommt nur nicht ganz an die Qualität der anderen Artikel hier ran.

  6. Das ist schon berechtigt. Bei Textinterviews ist es leider manchmal sehr schwer hinter die Kulissen zu schauen, aber es gibt schon viele Anzeichen dafür, dass Amorelie durchaus erfolgreich werden kann. Viele dieser Anzeichen darf ich leider nicht hier benennen, deshalb muss die o.g. Erklärung reichen. Beim nächsten Mal mache ich ein Videointerview. Das Format gefällt mir besser.

  7. Pingback: Netz-Highlights vom 27. März | Stephan Waldeis

  8. Also…
    a) Sortiment eingrenzen und auf eine Zielgruppe trimmen
    b) Shop/Einkaufserlebnis entsprechend anpassen
    –> das ist doch ne klare Nischen-Strategie!?

    Das „Mehr“ sehe ich jetzt auch nicht. Aber ganz unabhängig davon: Die Nische scheint da zu sein (wie gross auch immer) und der Anlauf macht echt einen sehr guten Eindruck.
    Und mir fällt jetzt spontan kein Retail-Segment ein, wo so absehbar ist, dass Offline auf Dauer keine Chance hat…der Quality-Dildo ist einfach das perfekte Online-Produkt 😉

    Ich drück die Daumen für erfolgreiches HSG-Startup 😉

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