MyHammer.de – Es war eine schöne Zeit mit euch

Ähnlich interessant wie die strategischen Veränderungen bei Rakuten.de, ist die aktuelle Entwicklung bei MyHammer.de einzuschätzen. MyHammer stellt seine Auktionen ein, heißt es beim ManagerMagazin. Das Modell würde nicht funktionieren wird Vorstand Michael Jurisch beim DerStandard zitiert. Krass! Wenn ich aufmalen müsste wie ein kundenorientiertes Vermittlungsportal für Handwerksdienstleistungen aussieht, dann käme meine Skizze ziemlich nah an die aktuelle Version von myhammer.de heran. Und trotzdem schreibt das Unternehmen seit Jahren beständig rote Zahlen. Auch wenn die Ertragslage dieser Holtzbrinck Digital Strategy Unternehmung nicht zufriedenstellend ist, kann ein Schwenk Richtung “Branchenbuch 2.0″ durchaus hinterfragt werden.

Update: Laut dem Pressesprecher von MyHammer ist der Wandel weniger abrupt als oben beschrieben. Siehe Pressemeldung hier und Kommentar hier. Die nachfolgende Analyse verändert sich dadurch allerdings nicht.

Im Gegensatz zu vielen anderen Branchenbüchern ist die aktuelle  MyHammer Positionierung aus Kundensicht wirklich (noch) unique. Einer der damaligen Werbespots bringt das auch auf den Punkt. Eine nicht repräsentative Umfrage bei meinen Bürokollegen kann die oft genannten Contra Argumente (schlechte Arbeitsausführung, schlechte Handwerker…) nicht bestätigen. Zudem hat MyHammer mit der Zeit auf diverse Modell-Probleme reagiert und verdeckte Auktionen eingeführt bzw. diverse Zertifikate Mechanismen prominenter positioniert. Und trotzdem schreibt das Unternehmen rote Zahlen. Sicherlich gibt es unzählige Handwerksbetriebe, die sich auf das Preisdumping nicht einlassen wollen, aber für diese könnte ja ein separater Branchenbuchansatz eingeführt werden, oder diese Betriebe müssen ignoriert werden. Die Herausforderung von MyHammer liegt aus meiner Sicht eher bei dem generellen Einkaufsverhalten von Handwerksleistungen. Diese werden in der Regel durch die angesprochenen Kunden nur sehr selten eingekauft, was eine prominente Medienpräsenz (z.B. TV Spots) notwendig macht oder eine perfekte Positionierung in den relevanten Suchmaschinen (z.B. Google). Ohne diese Maßnahmen wird es wahrscheinlich schwierig ausreichend viele Kunden auf die Plattform zu locken. Und nur dann wird es betriebswirtschaftlich attraktiv für MyHammer.

Die Medienpräsenz ist wahrscheinlich zu teuer. Zudem macht sie für Produkte die extrem hohe Streuverluste haben, weil sie zum Zeitpunkt der Ausstrahlung auf zu wenige Interessenten treffen, kaum Sinn. Und beim Thema Suchmaschinen, liegt MyHammer deutlich hinter den großen Branchenbüchern. Das zeigt auch ein kurzer Blick auf den Sistrix Index, der aufzeigt wie gut eine Webseite bei Google rankt. (Hoher Wert = gut, Niedriger Wert = schlecht)

Ich sehe es daher anders als Jochen, der mit diesem Schwenk das MyHammer Geschäftsmodell für gescheitert erklärt. Die Positionierung ist klar, die Kunden erhalten einen uniquen Mehrwert, die teilnehmenden Betriebe verdienen Geld, aber es kommt nicht genug Traffic auf die Plattform. Insofern hakt es aus meiner Sicht weniger am Geschäftsmodell, sondern an der Vermarktung. Ich kann mir momentan noch nicht erklären, wie diese Herausforderung durch eine Neu-Positionierung als “Branchenbuch 2.0″ gelöst werden kann. Schade eigentlich. Ich finde (fand) MyHammer ziemlich cool.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Geschäftsmodelle, Handel von Alexander Graf. Permanenter Link des Eintrags.

Über Alexander Graf

Alexander Graf ist Herausgeber von Kassenzone.de, Dauergast als Redner bei europäischen E-Commerce und Digitalkonferenzen, Autor diverser Fachbeiträge- und bücher für digitale Geschäftsmodelle. Mit seiner Firma eTribes hilft er Unternehmen als Projekt- und Interimsmanager die Fragestellungen beim Aufbau von E-Business Modellen richtig zu beantworten und leitet i.d.R. die Projektumsetzung. Die Themen rangieren dabei von der Konzeption neuer Geschäftsmodelle „Projekt Collins, Otto Group“, M&A in E-Business Unternehmen „E-Commerce Strategie, Gruner und Jahr“, Digitales Change Management „Fokus Digital Sales, Pharma & Chemie Hersteller“, Interims E-Business Leitung bei diversen Herstellern und Coaching von Gesellschaftern, Vorständen und Aufsichtsräten in Bezug auf die Marktveränderungen durch das E-Commerce Wachstum. Alexander setzt um, ganz operativ, pragmatisch und mit hohem technischem Verständnis aller wesentlichen E-Commerce Themen. Zusammen mit Nils Seebach und Tarek Müller als weitere eTribes Gesellschafter ist Alexander Graf aktiv in diversen Hamburger E-Business Gremien und aktiver Gesellschafter in führenden Digitalunternehmen. Er ist zudem Veranstalter & Kurator des Digital Commerce Day, der K5 Cruise und des Healthcare Innovation Weekends. alexander.graf@etribes.de Tel: +49 (40) 3289 29690

13 Gedanken zu “MyHammer.de – Es war eine schöne Zeit mit euch

  1. Als privater größerer Vermieter nutze ich MyHammer recht intensiv. Bis auf eine Ausnahme habe ich nur gute Erfahrungen gemacht. Von wegen unprofessionelle Handwerker und so. Ein Problem ist sicherlich, dass die Handwerker nach dem ersten Auftrag, sofern alles zufriedenstellend verlief, von den Kunden direkt kontaktiert werden und die Zuschlagsgebühr zukünftig an myHammer vorbeigeht, zumal diese wohl auch recht hoch ist.
    Ansonsten ist myHammer mit Abstand das am besten gemachte Portal dieser Art. Vllt sollten sie eher darauf schauen, mehr Architekten und professionelle Ausschreibungen auf Anbieterseite zu generieren, damit es auch für größere, “professionellere” Handwerksbetriebe mit >10 Mitarbeitern interessanter wird, dort nach Angeboten zu schauen.

  2. Nur zur Klarstellung. Ich selber sehe MyHammer nicht als gescheitert. Ich habe mich nur schon deslängeren gefragt, warum sie so lange an ihrem bestehenden Geschäftsmodell (der Auftragsvermittlung) festgehalten haben, das sie ja offenbar nicht ins Laufen bekommen haben. Der Schwenk kommt spät, aber vielleicht ja noch rechtzeitig. Gut an dem neuen Geschäftsmodell ist ja, dass Branchenbücher auch ohne große Sichtbarkeit und Mehrwert gutes Geld machen können. Alles eine Frage des Vertriebs.

  3. @Jochen: Man kann das Modell durchaus als gescheitert betrachten. Aber ich verstehe dein Argument. Ggf. ist das vom Vorstand auch etwas unglücklich formuliert worden.

  4. Pingback: News about sistrix issue #1 | SEO Software News

  5. Pingback: Ist das MyHammer Geschäftsmodell gescheitert? | MyHammer Blog für Handwerker

  6. Wir freuen uns über die freundlichen Worte über MyHammer und können diese zurückgeben: Es BLEIBT eine schöne Zeit mit MyHammer! :-) Wir beobachten die derzeit stattfindende Diskussion um unser Geschäftsmodell hier und an anderen Stellen sehr aufmerksam und haben zur Vervollständigung unsere Sicht der Dinge im MyHammer Blog formuliert: http://news.myhammer.de/myhammer-in-den-medien/022098-ist-das-myhammer-geschaftsmodell-gescheitert.html

  7. @Genzmer: Danke für den Hinweis. Die “Ausschreibungen” bleiben also. Das finde ich gut. Allerdings ändert das erst einmal nichts an den Aussagen oben. Mir fällt es schwer einen USP von myhammer auszumachen, wenn Sie im wesentlichen auf Funktionen eines Branchenbuches fokussieren.

    Zudem ist die dapd Meldung tatsächlich irreführend, wenn das so gar nicht stimmt. Trotzdem: Viel Glück! Ich habe myhammer schon mehrfach erfolgreich genutzt.

  8. Hallo Alexander,

    hast du die Sistrix Abfrage mit “myhammer.de” oder “my-hammer.de” durchgeführt. Bei Alexa.com sind die Unterschiede zwischen beiden Abfragen nämlich ziemlich gravierend.

    Gruß
    Tom

  9. @Tom: Danke für den Hinweis. Jetzt ist es mit my-hammer.de drin. Die rankt zwar erheblich besser als myhammer.de, allerdings ist der Abstand zu Wettbewerb weiterhin sehr groß. Ok, meinestadt.de zählt nicht zu den direkten Wettbewerbern, allerdings sind Unterschiede zu gelbeseiten.de und dasoertliche.de weiterhin sehr groß.

  10. Pingback: Kurz vor 9: Amazon, Otto, Google, Karstadt, Peapod, Youtube, Spreadshirt, Facebook, EHI | etailment

  11. Ich kann mich an meine erste und dann auch einzige Auktion bei my-hammer.de erinnern. Ich hatte Malerarbeiten zu vergeben – eine 200 qm große Wohnung sollte komplett gestrichen werden, Farbe und sonstiges Material sollte im Festpreis mit inbegriffen sein. Ich bekam dann haufenweise Angebote von Handwerkern, die über 400 km entfernt ihren Sitz hatten und die die Arbeiten für weniger als 200,- Euro durchführen wollten. Das erschien mir dann so unseriös, dass ich von weiteren Anfragen absah.

  12. @Betroffener: Aber das ist doch der Sinn von myhammer? Du könntest ja auch teurere annehmen. Aus meiner Sicht ein Luxusproblem. eBay ist ja auch nicht schlecht, wenn man dort Fernseher für 5€ kaufen kann.

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