eBay & x.commerce

Im Artikel zum besten Shopsystem gab es sehr oft Einwände bezgl. der platten Argumentation gegen eBay und der Bemühungen im Rahmen der x.commerce Dienste. Diese Einwände greife ich gerne auf, und zeige warum ich nicht glaube, dass eBay mit x.commerce Erfolg haben wird/will.

Bei Jochen, der t3n und anderen wurde bereits vor Kurzem über den Weggang der treibenden Köpfe von x.commerce und Magento diskutiert. Der Tenor dort ist deutlich; Die Signalwirkung ist fatal und ohne treibende Köpfe kann das Vorhaben von x.commerce nichts werden. Dazu kann man grundsätzlich sehr verschiedene Meinungen haben. Ich würde gerne mal einen Schritt zurück gehen und die Erfolgsaussichten von x.commerce von den führenden Personen trennen.

Was will eBay mit x.commerce?

Auf der Startseite von x.commerce findet sich die folgende PR Formel:

As part of eBay Inc., x.commerce offers leading commerce-related solutions including those from PayPal, eBay, GSI Commerce, and Magento, as well as other contributing partners.

Das passt grundsätzlich zur ebay Inc. PR Darstellung:

X.commerce brings together the technology assets and developer communities of eBay, PayPal and Magento, an ecommerce platform, to support eBay Inc.’s mission of enabling commerce.

Auf den ersten Blick passt es sogar in die sehr beeindruckende Aufzählung der vielen Partnerunternehmen von ebay. Neben dem Schlachtschiff eBay, dem Profitbringer PayPal und dem Commerce Provider GSI vervollständigt x.commerce mit dem Prunkstück Magento das Bild der E-Commerce Company. Ich würde das auch gerne glauben, weil es für den Commerce Markt sehr viel Sinn macht diese Systeme zu verknüpfen, offen zu gestalten und so neue Formen des E-Commerce zu kreieren. Genau diese Story verkauft eBay momentan sehr erfolgreich seinen Investoren an der Börse. Aber:

Was braucht ein erfolgreiches x.commerce?

Es ist bisher relativ unklar was eBay genau mit x.commerce vorhat. Die meisten Aussagen dazu sind sehr stark von Visionen und PR Aussagen geprägt. Jeder kann sich sein eigenes Bild von „Der Plattform“ machen. Ich werde aus der Auflistung der Merchant Funktionalitäten zumindest nicht ganz schlau. Es sieht für mich bisher wie ein Sammelsorium diverser eBay Entwicklungsprojekte aus die natürlich alle zu „Der Plattform“ passen könnten. Damit komme ich auch schon zu den Voraussetzungen eines erfolgreichen x.commerce Projektes:

  • Klare und nachvollziehbare Visionen [bisher kaum vorhanden]
  • Eine extrem starkes Führungsteam, dass die Entwicklung als Kurator begleiten kann [gerade gegangen]
  • starken Support von allen Teilnehmern, wie z.B. Developern, Mechants, Partnern [bisher nur Support in den Teilprojekten erkennbar]
  • Unabhängigkeit, um Zielkonflikte zu vermeiden [nicht zu beurteilen auf Basis der eBay Abhängigkeit]

Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, gibt es aus meiner Sicht eine realistische Chance, das x.commerce erfolgreich sein kann. Wobei der Erfolg bisher aufgrund der fehlenden Zielvorgaben noch gar nicht gemessen werden könnte. Wann ist x.commerce erfolgreich? Alle oben genannten Punkte lassen sich durchaus erfüllen, wenn die Gesellschafter das tatsächlich wollen. Aber:

Wie handelt eBay?

eBay ist ein börsennotiertes Unternehmen und handelt in der Regel so, dass der Börsenkurs maximiert wird. Und das machen sie seit den letzten 3,5 Jahren hervorragend, wie man an der Kursentwicklung der Aktie erkennen kann. 47 Mrd. Euro Marktkapitalisierung sind durchaus beachtlich.

eBay Aktie (Quelle: comdirect)

Eine sehr ausführliche Analyse zu den letzten Quartalszahlen von eBay gibt es bei ebaystrategies (Investiert von eBay). Tenor dort: Alles wächst!

The results were very impressive – all three business units (PayPal, GSI and eBay Marketplace) outperformed Wall Street’s expectations and eBay’s guidance given earlier in the year.  Since we’re focused on the marketplace part of the business we’ll cover that in detail.  Also, there’s a ton of excitement about PayPal in stores which is great, but I think it overshadows some of the great things going on in the marketplace side of the business which is more impactful short-term to retailers of all sizes.

Diesen Aussagen folgen auch viele Analysten, die den Wert der eBay Aktie beim 2005er Allzeithoch von über 40€/Aktie sehen. Das wird eBay Chef John Donahoe sicherlich freuen, da so sein börsenwertgekoppeltes Einkommen (16,5 Mio. USD) noch weiter steigen kann. eBay ist also trotz der vielen Unkenrufe vom verlorenen Geschäftsmodellfokus gerade in einer extrem bullishen Phase und wird genau so agieren, dass es die Dividende seiner Aktionäre maximiert, also auf Profitsteigerung und Umsatzsteigerung achten. Dabei helfen u.a. die folgenden Dinge:

  • Akquisition von Umsatz bzw. „innovativen“ Geschäftsmodellen die Umsatzerwartung begründen können [z.B. billsafe oder brands4friends]
  • Veränderung der Regeln bei allen Beteiligungen, um mehr Umsatz/Profit zu machen [Fokus auf Festpreisangebot oder Veränderung des Gebührenmodells]
  • Managementfokus auf große Aktivitäten (PayPal, GSI, eBay Marketplace), um überhaupt entsprechende Hebel zu finden

Im Ergebnis kommen dann teilweise eher planlos wirkende (aus Kundensicht) Maßnahmen zu Tage, wie z.B. der Ankauf von brands4friends, aber die Entwicklung des Börsenkurses gibt den eBay Managern Recht. Wenn der E-Commerce Markt weltweit ausreichend stark wächst, hat eBay sogar gute Chancen weiterhin sehr positive Renditeentwicklungen zu zeigen. Ich kann mir das zwar aufgrund von diversen Sättigungs- und Wettbewerbseffekten in eBay Kernmärkten nicht vorstellen, aber ich muss auch keinen Aktientipp geben. Der aufmerksame Leser wird in der o.g. Liste etwas vermisst haben….. x.commerce/Magento sind nicht genannt. Warum?

Fazit:

x.commerce ist verglichen mit den anderen drei großen Geschäftsbereichen von eBay eher unwichtig und extrem schwer zu skalieren bzw. zu kontrollieren. Es hat aus meiner Sicht keinen Managementfokus, sondern ist lediglich sehr PR geeignet und wird je nach Kursentwicklung wieder zum Einsatz kommen. Es hat aber innerhalb von eBay wenig Chancen die Aufmerksamkeit zu bekommen, die es benötigt. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Abwanderung des Managementteams. Das ist aus meiner Sicht schade, weil Magento + die Power von eBay durchaus in der Lage wären die E-Commerce Landschaft in den nächsten Jahren wegweisend zu verändern. Das würde auch zu den Grundsätzen von eBay passen („We make a difference“). Das ist der Börse aber herzlich egal.

7 Gedanken zu “eBay & x.commerce

  1. Hallo, mal ganz ehrlich, was juckt ein so grosser Laden wie ebay, so eine Miniinvestion wie Magento – das wird im Zweifel mit einem Handstrich abgeschrieben und keinen Jucks – ob das nun schön ist oder nicht.

  2. Die Entwicklung von Magento wird immer langsamer, besonders die Community Edition. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann zum letzten mal der Code modernisiert bzw. optimiert wurde. Stattdessen pusht mal sämtliche anderen Versionen. Schade eigentlich, die Community Edition hätte viel mehr Potential gehabt, als das, was sie nun ist.

  3. Natürlich ist es erlaubt kritisch zu hinterfragen ob x.commerce und damit auch Magento erfolgreich sein kann. Auf der anderen Seite scheint es eine ausschließlich deutsche Eigenschaft zu sein, dass man allem, was man nicht messen, auch keinen Erfolg zutraut (trifft momentan nur auf x.commerce zu, die Magento Zahlen sind mit über 100.000 Installationen sowieso über alle Bedenken erhaben, Shopware hat lt. Webseite 8.000!). Nach meinem Besuch der Imagine mit über 1200 Teilnehmern und der, für deutsche Verhältnisse, unglaublichen Euphorie mit der die Jungs von Magento und ebay hinter ihrem Produkt stehen, kann ich nur sagen, dass man felsenfest davon ausgehen darf, dass Magento zusammen mit x.commerce über lange Jahre eine maßgebliche, wenn nicht sogar eine führende Rolle im E-Commerce übernehmen wird, egal wie kontrovers hier auch diskutiert werden mag. Allein die Präsentation des Visual Designers lässt einen das Luftholen vergessen, abgesehen von den zahlreichen anderen Verbesserungen die mit Magento 2 kommen werden. Uns Deutschen würde hin und wieder, anstatt alles schlecht zu diskutieren und messen, ein Teil dieser Euphorie gut tun, tolle Software ‚made in Germany‘ hätte damit international sicherlich ein besseres Standing! Die Aussagen von Matthew Mengerink zum Thema x.commerce lassen noch einiges erwarten, ich wäre hier mit voreiligen Rückschlüssen auf fehlenden Erfolg eher vorsichtig.

    Ich denke dass es gut ist, dass jeder seine eigene Auffassung vom ‚besten Shopsystem‘ hat, insofern sollen die, die Shopware für die beste Lösung halten ruhig dabei bleiben 😉 Der Vergleich zwischen Shopware und Magento ist aus meiner Sicht aktuell gar nicht ernsthaft möglich, da sich allein aufgrund der fehlende Internationalisierung der Einsatz bei fast allen unseren Kunden verbieten würde! Vielleicht werde ich mir mit einem Besuch der Community Days am 01. Juni in Ahaus mal einen Eindruck von Shopware und dessen Möglichkeiten verschaffen, hört sich auf jeden Fall vielversprechend an.

    Viele Grüße aus Las Vegas
    Tim Wagner

  4. @Tim: Das glaube ich gerne und hoffe sogar, dass Magento noch lange erfolgreich ist, weil viel erfolgreiche Anbieter dem Markt gut tun, aber die x.commerce muss erst noch zeigen, dass es ein ernstgemeintes Projekt ist. Das ist auch vollkommen unabhängig von shopware zu betrachten.

  5. @Daniel: Mit Eröffnung der Imagine wurden die Versionen 1.7 CE und die 1.12 EE freigegeben.

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