Impulskauf vs. Personalisierung (Beispiel Groupon)

Vor ca. einem Jahr hatten wir den CEO von Vente Privée zum Club Shopping Geschäftsmodell interviewt. In einer Frage ging es um das Thema Personalisierung von Newslettern. Meine These war, dass die steigende Anzahl von Club Shopping Anbietern und die zunehmende Frequenz der Newsletter zu einer sinkenden Conversion führt, weil die Leute einfach keine Lust und Zeit mehr haben so viele Newsletter zu lesen. Ich hätte als nächsten Schritt eine Newsletter-Personalisierung erwartet (z.B. nur Sport & Küche Aktionen…).

Granjon hatte daraufhin geantwortet, dass sie 1) immer noch eine steigende Conversion bei den Newslettern beobachten können (mehr Aktionen pro Newsletter = mehr Umsatz) und 2) eine Personalisierung das Impulsshoppingmodell konterkariert. Wenn ich z.B. nur Sportaktionen bekommen möchte, sinkt meine Impulskaufwahrscheinlichkeit für z.B. eine Kaffeemaschine auf fast Null. Das ist nachvollziehbar und stimmt wahrscheinlich für die meisten Nutzer, die begeistert die Newsletter lesen. Ich empfange mittlerweile keinen dieser Newsletter mehr.

Wichtig: Das Impulskaufargument von Granjon hat für mich Gewicht. Diese Art von Geschäftsmodell zeichnet aus, dass die Kunden ohne konkretes Kaufinteresse bzw. Produktbedarf auf die Plattform kommen und dann trotzdem etwas kaufen. Der Echtzeit-Impuls ist also überlebenswichtig für das Geschäftsmodell.

Umso interessanter finde ich die Meldung von Techcrunch, das die Personalisierung von Groupon Newslettern/Deals verkündegt. Damit ist es nun möglich dem Nutzer individuelle Deals zukommen zu lassen und z.B. nur mit Restaurantgutscheinen zu versorgen, wenn er vorher als Interesse „Essen“ eingegeben hat. Außerdem könnte nun mehr als ein Deal (+ Sidedeal) pro Stadt vermarktet werden. Das ist natürlich ein nachvollziehbarer Schritt, wenn Groupon wie vermutet mehrere hundert Deals in der Warteschleife bei großen Städten hat. Groupon CEO Mason sieht darin einen Wettbewerbsvorteil:

CEO Andrew Mason says that one reason why there are so many Groupon clones is that the site simply hasn’t been able to accommodate all of the businesses looking to serve up a local deal, leading the businesses to turn a competitor. Deal personalization changes this, because Groupon can now distribute multiple deals in the same city on a given day. Where Groupon was previously limited to one deal (and maybe a second so-called “side deal”) per day, it can now offer as many deals as it has eager businesses.

So sieht Groupon also die zweite Evolutionsstufe seines Geschäftsmodells. Mir fallen bei einer linear fortgeschriebenen Entwicklung noch ein paar weitere Stufen ein. Im Gegensatz zu Mason betrachte ich diese Entwicklung aber eher als kritisch. Folgende Punkte fallen mir dazu ein.

  • Die Personalisierung ist gem. Zitat maßgeblich über eine bessere Monetarisierung des Dealpotentials und des Traffics auf der Website getrieben. Das Nutzererlebnis kommt erst an zweiter Stelle, auch wenn es hier kommunikativ in den Vordergrund gestellt wird.
  • Der Impulscharakter der Plattform wird maßgeblich geschwächt. Es ist vollkommen unklar wie dieses Konzept auf neue Nutzer wirkt, wenn sie die Plattform zum ersten Mal besuchen und 10 Deals finden. Das sieht dann eher so aus wie eine spammige Gutscheinseite.
  • Es wirkt aus meiner Sicht nicht wettbewerbsdifferenzierend. Jeder Klon mit ausreichend „Dealflow“ kann das Konzept ohne weiteres nachbauen.
  • Bestehende Nutzer werden diesen Schritt ggf. begrüßen (siehe TC Kommentare), aber diese denken aus einer eher isolierten Perspektive und wollen nun mal einfach einen geringen Aufwand zur Dealsuche. Diese Perspektive ist mE aus Groupon Sicht falsch.
  • Ein USP zur Händlerakquise geht verloren. Während man im „One Deal a Day“ Konstrukt den Anbietern von Deals noch tolle Brandingaspekte („x Millionen Nutzer lesen über dein Restaurant“) verkaufen konnte, geht das im neuen Groupon-Shop Konstrukt etwas unter.

Was meint ihr?

18 Gedanken zu „Impulskauf vs. Personalisierung (Beispiel Groupon)

  1. Pingback: 10 Lesetipps der Woche für Shopbetreiber » Von Ulrich Hafenbradl » shopbetreiber-blog.de

  2. Hallo zusammen,

    ich bin Betreiber eines der kleinen Klone (www.OecherDeal.de, Aachen). Und natürlich schauen wir uns immer an, was der Goliath so treibt. Wie wir inzwischen wissen, schaut dieser aber auch auf uns 😉

    Andrew Mason gebührt höchster Respekt, er hat eine großartige Idee erfolgreich umgesetzt hat. Nichts desto trotz wird wohl keiner der „Klon-Krieger“ der Versuchung erliegen, blind alle Ideen nachzuahmen. Denn jeder macht seine eigenen Erfahrungen im Umgang mit Dealgebern und Käufern. Und dies aufgrund der sehr viel flacheren Strukturen sicher ungefilterter, als das in einem Unternehmen mit Hunderten von Mitarbeitern und all den Problemen der Internationalisierung vor der Brust möglich ist.

    Um es auf den Punkt zu bringen: Ich teile die hier beschriebene Meinung. Eine große Auswahl an Deals wird (zumindest bei neuen Usern) den Eindruck eines „Ramschladens“ provozieren, auf dem Angebote für Schnäppchenjäger verschleudert werden. Dem Käufer mag das noch egal sein, schließlich bekommt er, was er möchte. Aber irgendwann werden die Dealgeber das nicht mehr mitmachen. Vor allem diejenigen, die echte Qualität zu bieten haben, werden sich nicht in diese Reihe stellen.

    Als kleines, aber engagiertes Licht in der Szene bin ich gespannt, wie die Heilemann-Brüder reagieren werden.

    Handlungsbedarf unsererseits besteht aufgrund der neuen Ideen sicher nicht – warten wir also ab, was passiert 😉

    Grüße aus Oche!
    Markus

    PS: OecherDeal heißt übersetzt: Aachener Deal. Wir sind WIRKLICH lokal 😉

  3. Hallo zusammen,

    ich bin Betreiber eines der kleinen Klone (www.OecherDeal.de, Aachen). Und natürlich schauen wir uns immer an, was der Goliath so treibt. Wie wir inzwischen wissen, schaut dieser aber auch auf uns

    Andrew Mason gebührt höchster Respekt, er hat eine großartige Idee erfolgreich umgesetzt hat. Nichts desto trotz wird wohl keiner der “Klon-Krieger” der Versuchung erliegen, blind alle Ideen nachzuahmen. Denn jeder macht seine eigenen Erfahrungen im Umgang mit Dealgebern und Käufern. Und dies aufgrund der sehr viel flacheren Strukturen sicher ungefilterter, als das in einem Unternehmen mit Hunderten von Mitarbeitern und all den Problemen der Internationalisierung vor der Brust möglich ist.

    Um es auf den Punkt zu bringen: Ich teile die hier beschriebene Meinung. Eine große Auswahl an Deals wird (zumindest bei neuen Usern) den Eindruck eines “Ramschladens” provozieren, auf dem Angebote für Schnäppchenjäger verschleudert werden. Dem Käufer mag das noch egal sein, schließlich bekommt er, was er möchte. Aber irgendwann werden die Dealgeber das nicht mehr mitmachen. Vor allem diejenigen, die echte Qualität zu bieten haben, werden sich nicht in diese Reihe stellen.

    Als kleines, aber engagiertes Licht in der Szene bin ich gespannt, wie die Heilemann-Brüder reagieren werden.

    Handlungsbedarf unsererseits besteht aufgrund der neuen Ideen sicher nicht – warten wir also ab, was passiert

    Grüße aus Oche!
    Markus

    PS: OecherDeal heißt übersetzt: Aachener Deal. Wir sind WIRKLICH lokal

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  4. Ich hoffe mal, dass DailyDeal das nicht macht. So bekommt man die Differenzierung doch ohne Aufwand geliefert. Ich bin mal gespannt wie OecherDeal sich entwickelt.

    VG
    Alex

  5. Und ich erst, Alex 😉 Aber ganz im Ernst: Auch wir werden uns natürlich nicht auf Aachen beschränken, aber unsere Vorgehensweise anders. Wir müssen aber auch kein explosionsartiges Wachstum schaffen, um Investoren glücklich zu machen – wir haben schlicht keine.

    Und für das hier beschriebene Problem „Impulskauf vs. Personalisierung“ – hinter dem ja eigentlich nur der Wunsch nach einer größeren Zahl parallel laufender Deals steht, haben wir eine schon fast lächerlich einfache Lösung gefunden. Wenn es soweit ist, schicke ich Dir eine Info.

    Schönes WE!
    Markus

  6. Und ich erst, Alex Aber ganz im Ernst: Auch wir werden uns natürlich nicht auf Aachen beschränken, aber unsere Vorgehensweise anders. Wir müssen aber auch kein explosionsartiges Wachstum schaffen, um Investoren glücklich zu machen – wir haben schlicht keine.

    Und für das hier beschriebene Problem “Impulskauf vs. Personalisierung” – hinter dem ja eigentlich nur der Wunsch nach einer größeren Zahl parallel laufender Deals steht, haben wir eine schon fast lächerlich einfache Lösung gefunden. Wenn es soweit ist, schicke ich Dir eine Info.

    Schönes WE!
    Markus

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  7. Pingback: Wie viel Personalisierung verträgt das E-Commerce? « ||| SOCIAL COMMERCE BLOG ||| E-Commerce goes Social Commerce

  8. Hallo und vielen Dank für den objektiven Bericht.

    Mit revvler setzen wir bewusst mehr auf das Persönlichkeits- und Nachhaltigkeitsprinzip. Wir sind der Meinung, das direkte Kontakte, Bewertungen, Rezensionen und Empfehlungen wichtiger für eine Kaufentscheidung sind, als der reine Impuls. Es liegt in der Natürlichkeit eines Startups mit einer vorerst kleinen Nutzerzahl zu beginnen. Durch die Kombination und Tiefe der Bereiche eCommerce und social media, als durch die anstehende Öffnung revvlers nach außen, in Verbindung mit der Integration in größere soziale Netzwerke, sehen wir große Chancen für ein schnelles Wachstum.

    Beste Grüße,

    revvle on

    Mike Wagener

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  9. Ich hoffe, dass das nicht passiert, da dann Seiten wie meinem Deal-Aggregator ( http://www.preisgenial.de ) der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Das wäre sehr schade. Unabhängig davon könnte man doch einfach die ganzen Deals in Kategorien einordnen und angeben … 3 Deals pro Kategorie würden jedenfalls nciht nach „Ramschladen“ aussehen …

    @Markus: wir haben Oecherdeals aufgenommen! Viel Erfolge euch!

  10. Hast Recht. Ich meinte eigentlich nur die swoopo Klone. Woher ich das weiß? Das bekommt man raus, wenn man sich mit den Modellen befasst. Die klugen Kunden haben i.d.R. zu gute Deals bekommen. Ggf. ist swoopo einfach groß genug und muss nicht mehr mit eigenen Bietagenten o.ä. arbeiten, was mE bei den kleineren Modellen passiert ist. Andernfalls sind für mich die Nutzer- und Interaktivitätszahlen kaum zu erklären.

    Erstaunlich dabei ist, dass die Anbieter sogar damit geworben haben wenn die Kritik lauter wurde. “Es ist ein Spiel das man nur gut genug spielen muss.”

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  11. Danke für deine Gedanken! Mit der Zielgruppe der Schnäppchenkäufer liegt man wohl im Großen und Ganzen richtig. Ich denke allerdings,mit der Zeit werden sich auch im Coupon Markt Nischenanbieter bilden. Denn ich denke es gibt durchaus Menschen, die bereit sind etwas mehr zu zahlen, für ein spannendes Event, Objekt oder sonstiges, weil einfach das Interesse oder die Leidenschaft bzw. die Zustimmung zum Angebot wesentlich höher ist.

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  12. Groupon vs. Shopkick: Gimmicks locken bessere Kunden…

    Heiß diskutiert wird zur Zeit, ob Groupon seine Händler zu sehr auspresst. Doch auch bei Dailydeal & Co. stellt sich ja prinzipiell die Frage, wie lukrativ so ein Gutschein-Programm für lokale Anbieter eigentlich überhaupt sein kann: “It’s becoming q…

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  13. Da bin ich auch gespannt. Das zeigt sich mE aber in den Widerbuchungsquoten. Bei Massagen & Co. die auch rabattiert mit ordentlichen Renditen rechnen können, zeigt sich diese Quote als recht hoch. Bei Restaurants sieht das schon wieder ganz anders aus. Den gleichen Effekt hatte man vor ein paar Jahren bei den gutscheinbüchern gesehen. Geld verschenken kann sich keiner dauerhaft leisten.

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