ClubSale Evolutionsphasen

In der letzten Woche gab es bei Jochen Krisch einen Artikel zu den Geschäftszahlen der Gilt Groupe. Neben den sehr beeindruckenden Umsatzwerten und Wachstumsvorhaben, ist mir der folgende Satz aufgefallen:

2010: 35 bis 40% der (Marken-)Ware soll dann exklusiv für Gilt produziert werden.

Das ist in dieser Form neu. Zwar wird im Markt immer wieder kolpotiert, dass die hiesigen ClubSale Anbieter bereits Ware exklusiv produzieren lassen, aber das bezog sich bisher immer auf bestehende Kollektionen die für die Nachfrage in den Clubs neu aufgelegt wurde. Gilt geht nun noch einen ganzen Schritt weiter. Einen Schritt der vom Vente Privée CEO im Interview bei Kassenzone.de vehement bestritten worden ist. Er betrachtet Gilt aber auch nicht als Konkurrenten von Vente Privée, sondern vielmehr als Yoox.com Derivat. Über diese Sichtweise lässt sich sicher streiten – aus Konsumentensicht ist es allerdings ein Club. Ich gehe davon aus, dass alle größeren Clubs diesem Beispiel folgen, wenn es deren Kernsortimente zulassen, und die Entwicklung wird sogar noch weitergehen:

  • Phase 1: Overstock Selling – Das ist die Grundidee der Clubs. Je nach Betrachtungsweise wird es als preisdiskriminierender Erlöskanal für Marken vermarktet oder als Tool zur Kostenreduktion ohne Markenwerte zu gefährden.
  • Phase 2: Ergänzung mit MiniMarken – Die Skalierung ist die eigentliche Herausforderung der Clubs. Weil nicht schnell genug große Marken gewonnen werden können, wird auf kleine unbekannte Marken als Ergänzung zurückgegriffen. Diese Marken werden durch die Clubs teilw. erst zu Marken und müssen dafür ggf. sogar bezahlen.
  • Phase 3: Ergänzungsproduktion – Die hohe Nachfrage muss bedient werden, um unzufriedene Nutzer zu vermeiden. Dafür wird bei vielen Aktionen Ware extra nachproduziert, um z.B. fehlende Artikel zu ergänzen. In Phase 3 sind mE alle größeren Clubs mind. angekommen.
  • Phase 4: Eigene Offline/Online Sales Channel – Vente Privée hat einen eigenen stationären Kanal, um Rest-Restbestände abzuverkaufen. Das ist auch bei anderen Anbietern zu erwarten, entweder online oder offline. Bei Vente Privée muss man allerdings erwähnen, dass sie aus dem Stationärhandel kommen.
  • Phase 5: Eigene Kollektionen – Das erleben wir nun bei Gilt. Ware die es niemals im Stationärhandel geben wird, gibt es bei einem Club als Aktion. Das verändert die Rolle des entsprechenden Clubs maßgeblich. Damit wird er ein direkter Konkurrent der großen Fashion-Ketten.
  • Phase 6: Eigenmarkenproduktion – Aufgrund von Margendiskussionen, ggf. getrieben durch einen Börsengang, werden Gilt & Co. eigene Marken produzieren und vermarkten. Das haben sie bereits in Phase 2 gelernt und wissen das nun zu skalieren. Wichtig ist nur eine gute Mischung aus Fremd- und Eigenmarken. Das Erfolgsrezept aller guten Onlineshops.
  • Phase 7: Eigene Stores – Gilt & Co. eröffnen eigenen Flagshipstores in den großen Metropolen und sind damit etablierter Teil der Fashionindustrie geworden. Das Geschäft hat kaum noch was mit Phase 1 zu tun.
  • Phase 8: Die Fashionindustrie hat sich verändert 🙂

Auch wenn das nicht allen Kunden gefällt, sie werden es ggf. nicht mal merken.

But neither Gilt nor the designers have any interest in letting customers know which items were made specifically for the site. “Gilt doesn’t tell you, as a shopper, that it’s ‘exclusive for us,’ ” admits one designer. “I think they want the shopper to think it is part of the regular collection.” The “discount” advertised on Gilt’s site is based on what the designer calculates a department store could have charged, even though the item was never intended to sell retail.

8 Gedanken zu „ClubSale Evolutionsphasen

  1. Pingback: exclusified!

  2. Debatte: Verändern Shopping-Clubs wirklich den Mode-Handel?…

    Über die Zukunftsperspektiven der deutschen Shopping-Clubs hatte erst kürzlich Martin Groß-Albenhausen vom Versandhausberater einen spannenden Beitrag geschrieben: “Otto hat seinen Gewinn nicht zuletzt deshalb steigern können, weil der Einkauf bes…

    This comment was originally posted onKassenzone – Commerce, Mobile, Technologie

  3. Pingback: carpathia: e-business // e-commerce.blog » Evaluationsphasen bei den Shoppingclubs

  4. Pingback: www.best-practice-business.de/blog » Die Evolutionsphasen von Shopping-Clubs

  5. Pingback: Kundendaten – Analogie | Kassenzone

  6. Hallo zusammen,

    ich bin Betreiber eines der kleinen Klone (www.OecherDeal.de, Aachen). Und natürlich schauen wir uns immer an, was der Goliath so treibt. Wie wir inzwischen wissen, schaut dieser aber auch auf uns

    Andrew Mason gebührt höchster Respekt, er hat eine großartige Idee erfolgreich umgesetzt hat. Nichts desto trotz wird wohl keiner der “Klon-Krieger” der Versuchung erliegen, blind alle Ideen nachzuahmen. Denn jeder macht seine eigenen Erfahrungen im Umgang mit Dealgebern und Käufern. Und dies aufgrund der sehr viel flacheren Strukturen sicher ungefilterter, als das in einem Unternehmen mit Hunderten von Mitarbeitern und all den Problemen der Internationalisierung vor der Brust möglich ist.

    Um es auf den Punkt zu bringen: Ich teile die hier beschriebene Meinung. Eine große Auswahl an Deals wird (zumindest bei neuen Usern) den Eindruck eines “Ramschladens” provozieren, auf dem Angebote für Schnäppchenjäger verschleudert werden. Dem Käufer mag das noch egal sein, schließlich bekommt er, was er möchte. Aber irgendwann werden die Dealgeber das nicht mehr mitmachen. Vor allem diejenigen, die echte Qualität zu bieten haben, werden sich nicht in diese Reihe stellen.

    Als kleines, aber engagiertes Licht in der Szene bin ich gespannt, wie die Heilemann-Brüder reagieren werden.

    Handlungsbedarf unsererseits besteht aufgrund der neuen Ideen sicher nicht – warten wir also ab, was passiert

    Grüße aus Oche!
    Markus

    PS: OecherDeal heißt übersetzt: Aachener Deal. Wir sind WIRKLICH lokal

    This comment was originally posted onKassenzone – Commerce, Mobile, Technologie

  7. Und ich erst, Alex Aber ganz im Ernst: Auch wir werden uns natürlich nicht auf Aachen beschränken, aber unsere Vorgehensweise anders. Wir müssen aber auch kein explosionsartiges Wachstum schaffen, um Investoren glücklich zu machen – wir haben schlicht keine.

    Und für das hier beschriebene Problem “Impulskauf vs. Personalisierung” – hinter dem ja eigentlich nur der Wunsch nach einer größeren Zahl parallel laufender Deals steht, haben wir eine schon fast lächerlich einfache Lösung gefunden. Wenn es soweit ist, schicke ich Dir eine Info.

    Schönes WE!
    Markus

    This comment was originally posted onKassenzone – Commerce, Mobile, Technologie

Kommentare sind geschlossen.