Die Stimmung nach dem Shopware Community Day 2013 könnte besser kaum sein. Die Veranstaltung war großartig organisiert. Die Besucher fanden es kurzweilig und die Berichterstattung ist durchweg positiv bis euphorisch. Roman Zenner unterstreicht die Vernetzungsaspekte des Events und der Software. Bei t3n kann man noch mal sehr detailliert die Infos aus der Keynote nachlesen und Jochen Krisch stellt offen die Frage, wer Shopware jetzt noch aufhalten will. Das Shopware Team kann sich also verdient auf die Schulter klopfen. Müssen nun doch noch alle Magento/Oxid/Presta Agenturen ihre Aufmerksamkeit gen Shopware richten? Haben die avisierten Shopbetreiber nun gar keine andere Wahl mehr? Ist Shopware nun das neue Magento? Die Suchtrends bei Google lassen das zumindest vermuten, wenn man sich nur den deutschen Markt betrachtet.

Shopware gehört zu den populären Shopsystemen

In einem launischen Artikel vor einem Jahr habe ich behauptet, dass Shopware das damals bereits beste Shopsystem am Markt ist. Ein Honeypot für Magento Lover und Shopware Hater. Es gibt natürlich nicht das beste Shopsystem für alle, so wie es auch nicht das beste Essen, das beste Auto oder die leckerste Wurst für alle gibt. Trotzdem ist so ein spitz formulierter Artikel eine schöne Quelle für interessante Meinungen und Feedback zu den einzelnen Systemen – das hat in diesem Fall sehr gut funktioniert. Um es vorweg zu nehmen: Die Wahl des Shopsystems sollte für keinen Shopbetreiber an erster Stelle stehen, sondern die Wahl des Geschäftsmodells und der Umsetzungspartner. Ein guter & vertrauensvoller Dienstleister, der sich super mit XT Commerce auskennt, ist viel mehr wert als ein schlechter Dienstleister mit tollen Magento Referenzen. Aus mir unerfindlichen Gründen entscheiden sich viele Shopbetreiber trotzdem gerne für das aktuell populärste Shopsystem + den günstigsten Dienstleister. Eine letztendlich sehr teure Wahl, aber das muss jeder selber lernen. Trotzdem wollen alle E-Commerce Manager, die in ein neues Shopsystem investieren gerne wissen welches Shopsystem gerade die besten Chancen hat. Nicht selten landen die E-Commerce Manager dann bei den drei gerade populären Systemen Magento, Oxid und Shopware. Manchmal finden sich auch noch Presta und/oder XT Commerce in dieser Liste, allerdings sind diese Anfragen nach meiner Erfahrung deutlich seltener. Es gibt keine wirklich unabhängige Empfehlungsliste zu diesen drei Shopsystemen. Abhängig davon wen man fragt bekommt man zu jedem Shopsystem eine Liste gängiger Vorurteile, Legenden oder fachgetriebener Einschätzungen dazu. Das kann z.B. so aussehen:

  • Oxid: „Gutes Shopsystem aus Deutschland mit Schwerpunkt im Enterprise Bereich.“ „Gefühlt nicht so innovativ wie Shopware oder Magento mit Nachholbedarf bei der Plugin Engine.“ „Sitzen da nicht die Entwickler im Ausland?“ „Hybris nimmt denen nun die Kunden weg.“ „Kann man nehmen, wenn man eine gute Agentur dazu hat.“
  • Magento:  „Am stärksten verbreitet.“ „Bei großen Shops im Einsatz, aber teilweise vollkommen aufgebohrt.“ „Seit der eBay Übernahme passiert da nix mehr.“ „Es fehlt eine zentrale Steuerung.“ „Die meisten Plugins.“ „Viele Plugins sind nicht untereinander kompatibel.“
  • Shopware: „Tolles Front- und Backend.“ “Weniger Plugins als bei Magento.” „Die wachsen gerade sehr stark.“ „Wo ist Schöppingen?“ „Die haben noch nicht so viele Enterprise Kunden.“ „Bepado ist cool.“

Diese Listen ließen sich ewig lang fortsetzen und wenn man mit Developern spricht, dann hört sich das wieder ganz anders an, wobei es auch dort einige sehr festgefahrene Lager zu geben scheint. Mir persönlich ist das ziemlich egal, weil meine Aussage von oben trotzdem gilt. Software follows business model. Das gilt für die allermeisten Händler, aber SEO & Co. lenken halt gerne von den wesentlichen Fragen ab. Und Developer haben oft an jedem System etwas auszusetzen.

Die pauschale Antwort bezgl. der Software muss allerdings noch mal überdacht werden, wenn eines der Systeme besondere Vorteile verspricht. Zwischen 2008 und 2010 war das Magento mit seiner riesigen aktiven Developer Community und nun verspricht Shopware mit Bepado in diese großen Fußstapfen treten zu wollen. Klappt das?

 

Bepado ist (bisher) ein spannendes Experiment

Bepado versucht drei Herausforderungen im E-Commerce zu meistern, bei der jede für sich schon reichlich komplex ist.

  1. Es will Händler im Sinne eines Social Networks vernetzen. Händler A soll so leichter auf Händler B zugehen können und gemeinsame Geschäfte vereinbaren können. Aus meiner Sicht ein wichtiger Aspekt, allerdings bin ich mir unsicher, ob Bepado sich auf diese Funktion konzentrieren sollte.
  2. Es will ein riesiges Dropshipping Backend sein. Händler A soll die Produkte von Händler B auf seiner Plattform einbinden können und je nach Vertragsgestaltung ggf. auch verschicken können. Ziel wäre aber erst einmal die reibungslose Einbindung von „Drittprodukten“, um das eigene Sortiment zu ergänzen. Insofern macht es Sinn den Buchhändler Libri vom Start weg an Bord zu haben.
  3. Es soll Endkunden ermöglichen shopübergreifend nach Produkten zu suchen. Wenn ein Kunde von Händler A über dessen Produktsuche („Passende Produkte von anderen Händlern.“) zu Händler B gelangt, bekommt Händler A einen Kickback von Händler B, sollte der Einkauf des Kunden dort abgeschlossen werden. Ich stelle mir das als Alternative zur Google Product Search vor, die man u.a. auch bei großen Shops findet. Zum Teil erinnert es mich aber auch an die übergreifende Suche bei Rakuten, nur das hier diesem Fall kein zentraler Händler/Marktplatz in Erscheinung tritt.

 

Meine ganz ehrliche Meinung: Wenn das auch nur halbwegs solide funktioniert, dann tritt Shopware tatsächlich in die Fußstapfen von Magento aus den Jahren 2008-2010. Mit so einem System wären sehr interessante Kooperationsszenarien denkbar und durch die Öffnung der Plattform für andere E-Commerce Systeme (Oxid, Magento…),  ist der Erfolg nicht von der der Anzahl der Shopware Shops abhängig. Das so ein System allerdings am besten mit Shopware funktionieren wird, ist kein Geheimnis.

ABER: Die Closed Beta starte erst im Juli und es gibt hunderte von Fragestellungen die Bepado noch lösen muss. Auch Magento hatte 2011 noch hochtrabende Pläne mit X Commerce und seinem E-Commerce Connector und bisher ist nichts wirklich Sichtbares passiert. Die Phantasie mag Bepado prächtig anregen, aber aktuell würde ich das eher als Test betrachten. Bei den Shopware Community Days habe ich dazu auch Stefan Hamann befragt. Die Antworten zeigen, dass sich das Shopware Team schon sehr viele Gedanken zu dem System gemacht hat, aber erst der Live Test zeigen wird was funktioniert und was nicht.

 

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Quo Vadis?

 

Festzuhalten bleibt, dass Shopware gerade auf einer Welle des Erfolgs schwimmt und mit Bepado eine sehr relevante und spannende Entwicklung vorantreibt die im Markt für einiges an Momentum sorgen könnte. Den Geschäftsführer der wahrscheinlich besten Shopware Agentur in Deutschland habe ich natürlich auch zu Bepado & Shopware befragt. (Disclosure: eTribes ist an NetShops beteiligt) Er ist auch sehr gespannt auf die Closed Beta von Bepado die im Juli startet und hat bereits einige Kundenanfragen zu dem Thema verzeichnet.

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Ich wünsche Shopware sehr, dass sie mit Bepado erfolgreich werden, weil das auch andere Marktteilnehmer dazu animieren wird aus ihrer angestammten Shopsystemwelt auszubrechen und dazu beitragen neue E-Commerce Modelle zu entwickeln. Die Diskussion um die Shopsysteme ist ohnehin mühsam, aber notwendig wenn man sich mit Kunden darüber unterhält. Zu oft ist unklar welches System in welche Richtung erweitert wird und zu oft müssen dann die Shopsysteme als zentrale WAWI, ERP, PIM und CRM Tool erhalten. Wenn sich Hersteller und Händler nicht mehr mit der Systemwahl beschäftigen müssen und dafür mehr Zeit in ihre Produkte oder Geschäftsmodelle investieren, dann kommen wir ein ordentliches Stück weiter. Damit rechne ich allerdings nicht kurzfristig und davon kann Shopware aus meiner Sicht profitieren. Ähnlich sieht es auch Jochen Krisch, der sich gerade grundsätzlich Gedanken um Technologie im Online Handel macht. Mit Bepado denkt Shopware ein Stück weiter und zeigt ganz klar, dass sie mehr können als ein weiteres „Shopsystem“ zu bauen. Jetzt muss es nur noch funktionieren.