E-Commerce vs. stationärer Handel im großen Klimaduell

Am 20.11.2020 (Datum merken) gab es in der Sendung Börse vor acht ein Ereignis, das so wahrscheinlich nur alle 10 Jahre vorkommt. Ganz nonchalant wurde dem Logistikaspekt des Onlinehandels bescheinigt, dass dieser klimagünstiger sei als ein vergleichbarer Einkauf im stationären Geschäft. Die zugrundeliegende Studie hat errechnet, dass der Kauf von einem Paar Schuhe in der Stadt 3kg CO2 erzeugt, während der Onlinehandel lediglich 1kg erzeugt, nach Retouren usw..

Konsum ist in beiden Fällen schlecht fürs Klima, aber die Innenstadt schneidet halt deutlich schlechter ab. Natürlich ist der Kauf von Eiern beim Biobauern, bei eigener Anfahrt mit dem lokal produzierten Fahrrad immer die beste Option, aber für die meisten Konsumgüter und Lebenssituationen scheidet dieses Beschaffungskonzept leider aus. Nun kann man die Daten der Studie anzweifeln und den E-Commerce interessierten Auftraggeber (die Otto Group), aber das Berechnungskonzept ist solide. Die Otto Group schreibt dazu im zugehörigen Blogbeitrag:

Das positive Ergebnis für den Onlinehandel ergibt sich vor allem durch den verdichteten Transport der Sendungen durch die Paketdienste, die je Anfahrt immer mehrere Kunden beliefern. Die CO2-Bilanz dieser gebündelten Verkehre ist damit der individuellen Anfahrt vieler Kunden mit dem PKW in die Innenstadt oder in Fachmärkte deutlich überlegen.

Wichtig: Die bisher vorliegenden Studien beziehen sich stets auf die Emissionen durch den Transport der Waren bis nach Hause. Nicht berücksichtigt sind beim Onlinehandel die Emissionen , die durch die Produktion von Verpackungen entstehen. Andererseits sind beim stationären Einzelhandel die CO2-Belastungen durch den Bau und den Betrieb von Einzelhandelsgeschäften nicht berücksichtigt.

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Lagerhaltung, Transport und vieles mehr lassen sich im Onlinehandel viel besser lösen als im stationären Einzelhandel. Es gibt für diesen allerdings noch zu wenig sinnvolle Lösungen das Verpackungsthema. Die Umstellung zu Papierpolsterungen statt Plastikpolsterungen alleine scheint zu wenig, aber bereits jetzt ist das Format in vielen Fällen überlegen. Es wird in Zukunft nicht einfacher für den stationären Handel, auch wenn irgendwann mal genug Radwege in den Innenstädten bereitstehen. Das Logistikproblem bleibt, wie ein Artikel in der brandeins zum Thema Handel gerade hervorragend aufzeigt.

Nehmen wir meine Heimatstadt Amsterdam: Logistik ist dort für jedes fünfte Fahrzeug verantwortlich, das in der Stadt unterwegs ist. In anderen Städten sind die Zahlen ähnlich. 33 Prozent dieser Logistikfahrzeuge liefern jedoch keine Pakete aus, sondern steuern Baustellen an, bringen und holen Material, Gerüste oder Maschinen. 25 Prozent der Fahrzeuge beliefern Restaurants, 20 Prozent den Handel, zum Beispiel mit Lebensmitteln. Nur 7 Prozent des gesamten Logistikverkehrs entstehen durch Paketzustellung. Und zwei Drittel dieser Lieferungen gehen an Geschäftskunden. Die Bestellungen von Privatleuten sind lediglich für ein Drittel verantwortlich.

Was lernen wir daraus? Die Hoffnungen, so denn man welche hatte, für das Wiederbeleben des stationären Handels werden durch solche Daten weiter reduziert, auch wenn sich verhältnismäßig wenige Kunden vom Klimaaspekt beim Einkauf leiten lassen. In diesem Sinne, die Hoffnung auf Nachmieter stirbt zuletzt!

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