DeineStadtbringts.de Helfen die lokalen Marktplätze in Zeiten von Corona wirklich?

Alexander Ludwig beschreibt im Podcast wie er zu dem Vorzeigemarktplatz „DeineStadtbringts“ in Münster gekommen ist, wie die Stadt dabei hilft und warum nun sogar die Verwaltung in Dortmund auf ihn zugekommen ist, um einen lokalen Marktplatz zu etablieren. Wir reden über die ersten drei Wochen der Initative, über die Hürden, die Hoffnungen des lokalen Handels und natürlich auch über die Trittbrettfahrer, wie Anwälte & Co. die solche Services für ihre Zwecke nutzen möchten. Die meisten Leser hier dürften wissen, dass ich solche Initiativen eher kritisch sehe, weil sie zu oft aus Sicht des Handels (und nicht der Kunden) gedacht sind und damit keine kritische Masse an Angebot und Nachfrage aufbauen können. In Zeiten von Corona könnte das aber anders sein und Alexander Ludwig beschreibt ein paar Cases auf seiner Plattform die das belegen. Ob das langfristig funktionieren kann, müssen die Leser entscheiden.

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Lokale Marktplätze mit Alexander Ludwig von DeineStadtbringts.de

In Zeiten von Corona sprießen sie überall aus dem Boden: lokale, von gemeinschaftsgesinnten Initiativen betriebenen Marktplätze, die Stadtbewohner mit den gebeutelten Einzelhändlern und Gastronomen ihrer Viertel nun digital zusammenbringen wollen. Die meisten solchen Marktplätze beschränken sich derzeit noch auf „Visitenkarte“-Format ohne E-Commerce-Funktion: Ob das so bleibt – und ob daraus langfristig ein funktionierendes Geschäftsmodell entwickelt werden kann – bespricht Alex in dieser Folge mit Alexander aus Münster, dessen Design-Agentur mit einer Initiative das Portal DeineStadtbringts.de entwickelt hat. In nur drei Wochen hat der Marktplatz bereits eine Million Aufrufe verzeichnet und für Aufsehen auch jenseits der westfälischen Universitätsstadt gesorgt.

„Es ist eine Botschaft an den Nutzer: Du kannst in deiner Innenstadt bestellen.“

3:00

Alex: Alexander, sag bitte einmal wer du bist und was du eigentlich machst.

Alexander: Ich habe in Münster Design studiert und dann zusammen mit drei fantastischen Leuten eine Agentur gegründet. Das ist jetzt zehn Jahre her. Was wir eigentlich machen: Uns um die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden kümmern. Das tun wir in der Form von Videos, die komplexe Themen vereinfachen und Funktionen, die wir online zur Verfügung stellen und die es dem User ermöglichen, mit Unternehmen zu interagieren.

Alex: Was natürlich heute nicht das Schwerpunkthema ist. Es gibt in der Corona-Krise eine Reihe von Initiativen, die versuchen, das lokale Angebot an Gütern ins Internet zu ziehen. Eure ist eine der spannendsten: DeineStadtbringts.de.

Alexander: Ja. Das fing mit der Situation an, dass von einem Tag auf den anderen alle Läden geschlossen, alle Märkte abgesagt waren und dass alle zu Hause bleiben sollten. Aber Menschen möchten nach wie vor einkaufen und Unternehmen wollen an diese Menschen verkaufen. Wir arbeiten bereits seit langer Zeit mit einer Initiative zusammen, die sich um die Innenstadt von Münster kümmert. Sie sind auf uns zukommen, weil sie so schnell wie möglich eine Lösung für das Leid und die Sorgen der Unternehmen schaffen wollten. So haben wir mit einer ersten Form von DeineStadtbringts gestartet.

Alex: Ist diese Initiative von der Stadtverwaltung oder von so etwas wie dem „Münster Marketingverein“?

Alexander: So etwas dazwischen. Sie wollen für mehr Frequenz in der Innenstadt sorgen. So veranstalten sie zum Beispiel Feste und besorgen die Shuttlebusse dafür. Sie kamen zu uns mit einer Excel-Tabelle mit den Namen, Beschreibungen und Kontaktdaten von rund 20 Geschäften in der Stadt, die sich wegen der Auswirkungen der Corona-bedingten Einschränkungen sorgen machten. Die habe ich dann in WordPress reinkopiert und eine Webseite erstellt.

Schnell hatten sich aber dann deutlich mehr Läden gemeldet. Der Aufwand war auf einmal nicht mehr überschaubar. Da haben wir gesehen, dass es längst nicht mehr reichen würde, wie andere ähnliche Initiativen einfach eine Sammelliste auf dem städtischen Portal zu pflegen. So ergab es auf einmal Sinn, ein eigene Webseite zu erstellen mit der klaren Botschaft: Das sind die Unternehmen, die von der Coronakrise betroffen sind und jetzt ein Lieferangebot haben.

7:20

Alex: Und jetzt habt ihr nicht nur Münster mit über 600 Einträgen, sondern auch Dortmund, Dinslaken, Warendorf, Wesel… Wo steht ihr also drei Wochen nach dem Start?

Alexander: Wir haben schnell verstanden, dass es nicht sehr sinnvoll ist, so ein komplexes System nur für eine Stadt zu programmieren. Es wurde klar: Wenn wir uns in die Lage versetzten, eine Stadt schnell „onzuboarden“ sozusagen, dann könnte man das gleich für mehrere Städte anbieten. Die ganze Aktion war aber rein solidarisch gedacht. Über Businesspläne, Bezahlmethoden & Co. haben wir sehr wenig nachgedacht. Wir wollten einfach helfen – und das sofort. Das Ergebnis war, dass wir Entscheidungen innerhalb von Sekunden getroffen haben und nächtelang daran gearbeitet.

Alex: Was sind denn die Kernfunktion der Seite?

Alexander: Grundsätzlich sollte man die Seite als Liste, als Verzeichnis verstehen: Unternehmensname, Beschreibung, Kontakt. In tieferen Sinne ist die Seite aber eine Botschaft an den Nutzer: Du kannst in deiner Innenstadt bestellen; du kannst die Unternehmen kontaktieren – und sie sind auch darauf vorbereitet, dass du sie anrufst oder anschreibst!

Es gibt keine Warenkorbfunktion oder eine ähnliche Möglichkeit, etwas zu kaufen. Unternehmen können sich aber im Nu bei uns eintragen – und wir erklären es ihnen bei Bedarf auch, wie es geht. Zudem bekommen sie einen Newsletter mit Tipps, was sie in der Krise tun können.

Alex: Marktplätze leben davon, genug Angebot einerseits und genug Nachfrage andererseits zusammenzubringen. Wie viele nutzen jetzt die Plattform? Und wie sieht denn das Nutzungsverhalten aus?

Alexander: Zuerst kamen die Händler – also die Angebotsseite. In Münster allein sind es fast 700. In Hochphasen haben wir Zehntausende von Nutzern am Tag gehabt. Allmählich pendelt sich die Zahl bei rund 3.000 bis 4.000 Nutzern am Tag ein. Insgesamt haben wir in den letzten 18 Tagen rund eine Million Aufrufe verzeichnet – nur für /muenster!

(Alex klickt sich durch die Seite und beschreibt live das Usererlebnis, wie er durch die Kategorien Nahrung, Service, Waren navigiert. Hier bleibt er stehen und rezensiert ein paar der Einträge. Bei jemanden, der „IT-Service“ anbietet, zieht es ihm hörbar die Augenbrauen hoch: Da stehe nur eine Handynummer! Viele lokale Marktplätze, so Alex, scheiterten schon einmal an der Qualität der Listungen…

Alexander erklärt, dass jede Stadt von der dortigen Verwaltung einen Administrator bekommt, der neue Einträge freischaltet. Da soll geprüft werden, ob die Unternehmen wirklich berechtigt sind, gelistet zu werden – weil sie etwas anbieten, was in Corona-Zeiten wichtig ist. In der Fahrradstadt Münster bieten zum Beispiel Fahrradwerkstätten nun, von Kunden markierten Fahrrädern auf der Straße zu reparieren. Es werde aber demnächst aussortiert werden müssen, weil einige Einträge tatsächlich nicht ganz relevant seien. Es habe ja alles schnell gehen müssen.)

15:50

Alex: Habt ihr auch vor, die Darstellung von Bildern und Produkten zu ermöglichen?

Alexander: Für die Zukunftsplanung ist es noch zu früh, Schlüsse zu ziehen. Was wir nicht wollen: Irgendeine Form von riesigen Online-Shopping-Szenario! Wir wollen erstmal sehen, wie sich die Unternehmen auf dem Portal verhalten und dann sehen, welche Services wir noch sinnvoll anbieten können. Wir hatten ja auch nie vor, ein großes Städteportal zu gründen. Bislang haben wir einfach nur den nächsten logischen Schritt gewählt.

Alex: Macht ihr nicht im Grunde genommen so etwas wie Gelbe Seiten? Klar, das ist bei denen deutlich kommerzieller und man kann da Werbung kaufen, aber eine Art lokales Telefonbuch ist das schon, oder?

Alexander: Wie bei den Gelben Seiten kann man bei uns Unternehmen finden, ja. Bei uns ist aber schon die Spezifikation: lokale Unternehmen, die etwas liefern. Wenn du bei ihnen anrufst, dann kannst du was bestellen und die schicken es dir mit einem Fahrradkurier. Die Bezahlung findet dann bar oder per Paypal statt. Das ist der grundlegende Unterschied.

Alex: Aber warum sehe ich dann auf der Seite Anwälte – und gar nicht wenige! Bringen sie einem denn Post? Oder liefern die Papierbögen nach Hause…? Oder hier Versicherungsmakler…? Sie bringen einem ja nichts.

Alexander: Das ist der Situation geschuldet, dass das alles einen sehr engen zeitlichen Rahmen hatte. Es sind tatsächlich einige Unternehmen, die nichts bringen – und dort eigentlich nichts zu suchen haben. Wegen des Zeitdrucks haben wir von Anfang an die Kategorisierung mit Nahrung, Waren und Services eingeführt. Bei den Services werden wir jetzt etwas genauer gucken müssen, welche Dienstleistungen hier tatsächlich Corona-bedingt erbracht werden. Wir weisen ja ganz am Anfang der Seite darauf hin, dass wir kein reines Branchenbuch sind, das sinnbefreit alles und jeden listet.

Zudem gibt es viele örtliche Getränkehändler oder Apotheken, die seit einer halben Ewigkeit schon liefern. Hier um die Ecke bringt Getränke Adic seit Jahren bei Bedarf die Kisten Sprudelwasser nach Hause, aber alle benutzen trotzdem Flaschenpost. Die Menschen verbinden nämlich die Idee, sich aus der eigenen Stadt etwas liefern zu lassen, mit etwas fast Verbotenem – sehen das als Sonderdienstleistung an, die sie eigentlich nicht nutzen sollen. Deswegen ist die Seite ja eine Botschaft: Diese Unternehmen bei dir in der Nähe haben einen Lieferservice und freuen sich, wenn du den benutzt! Du musst nicht in die Stadt kommen: Deine Stadt bringt es dir.

20:45

Alex: Wo kommt jetzt der Traffic her? Werden die 3.000 bis 4.000 tägliche Nutzer, die ihr habt, noch von dieser Stadtmarketinginitiative auf euch aufmerksam gemacht oder spricht sich das mittlerweile rum?

Alexander: In Münster ist das Thema nicht mehr so präsent in den Medien – Das ist jetzt in Dortmund viel mehr der Fall. Da werden wir gerade im Radio und im Fernsehen erwähnt. In Münster kennen das die Leute mittlerweile und wissen sofort, wovon ich rede, wenn ich anrufe und sage: „Ich bin Alex von DeineStadtbringts…“

Alex: Wenn andere Städte mit euch arbeiten wollen, wie läuft das? Oder sucht ihr euch die aus?

Alexander: Dadurch, dass wir von vornherein den Kontakt zur Stadt gesucht haben, werden wir auch unter den Stadtverwaltungen als Tipp weitergegeben. In dem Zuge ist Dortmund auf uns zugekommen und wir haben über diese Verbindungen sehr schnell den Kontakt zu Warendorf bekommen. Und von dort aus ging das schnell in irgendwelchen Rundmails zu anderen Städten. Dort ist der Initiator nämlich nicht die Stadt, sondern die Stadtwerke – und ich schätze, dass es von denen aus an Städte wie Ahlen oder Dinslaken weitergegeben wurde. Also kommen die Städte schon auf uns zu, nicht umgekehrt.

23:00

Alex: Nach vorne gedacht: Wie kann man damit Geld verdienen? Oder anders gefragt: Wer zahlt den Spaß?

Alexander: Klar, innerhalb der kurzen Frist ist kein Business-Model entstanden. Wir reden ausschließlich davon, unsere Kosten zu decken und stellen Städten und Unternehmen den Service grundsätzlich kostenlos zur Verfügung. Die einzige Möglichkeit, uns finanziell zu unterstützen, ist, einen Sponsorenplatz zu belegen. In Warendorf zum Beispiel stehen unten auf der Seite unter den Stadtwerke die Wirtschaft für Warendorf, die Sparkasse und die Volksbank Pate. Sie bezahlen für ihre Plätze. Die Initiatoren in jeder Stadt tun viel, um das Thema bekannt zu machen – und bewegen dann Geschäfte, sich dort einzutragen. Wenn sie auch noch Sponsoren dazu bringen können, uns zu unterstützen, dann begrüßen wir das.

Alex: Aus einer Nutzerperspektive gesehen: Was ist eurer USP? Warum zu euch gehen und nicht zu Amazon? Setzt ihr ausschließlich auf den sozialen Aspekt „lokale Wirtschaft stärken“ oder spielen da andere Vorteile wie schnellere, bessere Lieferung mit rein?

Alexander: Letzten Endes spricht wohl in uns allen so eine kleine Stimme des Gewissens, wenn wir was bei Amazon bestellen. Wissen wir doch, was für einen Riesenkonzern damit unterstützen. Ich glaube, das ist ein gutes Gefühl, in der Innenstadt einzukaufen.

Wie sehen aber natürlich grundsätzlich Möglichkeiten für eine Kooperation. Wenn ich auf Zalando einen Schuh sehe, der mir gefällt und es gäbe dann die technische Brücke zwischen Zalando und dem Innenstadtgeschäft, das den Schuh vorrätig hat, dann könnte man sagen: „Den Schuh kannst du innerhalb zwei Stunden haben!“ Der User würde dann mehr bezahlen und Zalando wäre so eine Art „Portal der Betrachtung“. Das wäre ein interessantes Szenario…

(Es sei aber, betont Alexander noch einmal, erst einmal darum gegangen, akut zu helfen – und erzählt, wie sich Käse-, Fisch- und Geflügelhändler mit einem Fleischer zusammentaten, um einen Lieferdienst schnell zu organisieren. Mittlerweile berichte der Fischhändler Bussmeyer, der vorher ausschließlich einen Marktstand hatte, er mache 60% seiner Einnahmen über DeineStadtbringts.

Alex referiert kurz vorangegangene Initiativen, lokale Marktplätze in Städten zu etablieren. Probleme waren bislang, dass es erstens Händlern wegen fehlender Kompetenzen in Bildern, Texten & Co. nicht gelang, ihre Sortimente online zu bringen, und dass das Angebot zweitens nicht wettbewerbsfähig war. In der Regel waren Anbieter auf Amazon oder eBay ohne stationäres Geschäft etwas günstiger.

Alexander sieht, dass exklusive Ware, die sonst nirgends zu haben ist – etwa Honig von einem bestimmten Imker auf dem Wochenmarkt – sehr beliebt ist. Kunden hätten das vermutlich auf vor Corona mal online bestellt, wenn es einen Lieferservice denn gegeben hätte. So mache er eine große Auswahl an Waren aus, die online bestellt werden könnten und nicht in Konkurrenz zu Amazon & Co. stehen.)

30:20

Alex: Gretchenfrage: Hast du ein Amazon-Konto und wie viele Male hast du in den letzten 12 Monaten dort bestellt?

Alexander: 1) Ja. 2) Einige. Mit meiner Freundin und ich kochen sehr gern zusammen und verwenden ausgesuchte Produkte. Die kaufen wir nicht bei Amazon ein. Aber geht es um technische Produkte, da tendiere ich schon wegen der Auswahl zu Amazon.

Alex: Angenommen, es gibt jetzt einen Filter bei Amazon – „Local Prime“ – und du kannst Lieferanten aus Münster bevorzugen. Nun willst du dir – wie so viele von uns in Home-Office-Zeiten – neue Kopfhörer gönnen: Würdest den Händler aus Münster nehmen, auch wenn er 20% teurer wäre, als der günstigste in der Auswahl?

Alexander: Das könnte ich mir vorstellen, ja. Schon jetzt gibt es Sachen, die günstiger bei MediaMarkt sind, als bei Amazon, aber ich kaufe auf Amazon, weil der Service unheimlich gut ist. Wenn es also eine Möglichkeit gäbe, zu sagen, „Ich will das Produkt binnen zwei Stunden bei mir vor der Tür von dem Händler in Münster und ich zahle dafür einen Aufpreis“… Das wäre sehr spannend!

32:40

Alex: Eure Seite ist seit 18 Tagen live. Was passiert denn in den kommenden 18 Tagen? Oder kann man sogar schon 18 Monate nach vorne blicken?

Alexander: Bei allen Lockerungen, die es jetzt gibt, können Einschränkungen doch immer wieder notwendig werden. So ist es gut, erst einmal jetzt etwas für den Fall da zu haben. Diese Möglichkeit, für Händler und Kunden trotz Lockdowns zueinander zu finden – Das war die erste Aufgabe. Sie ist erledigt.

In Zukunft wird es sicherlich sein, dass die Unternehmen eine eigene Karte haben werden, die man anklicken kann, um detailliertere Information zu bekommen. Aber mit vielen von den Unternehmen, die ich derzeit spreche, stelle ich fest, dass der persönliche Kontakt für sie nach wie vor sehr wichtig ist: Viele kommen im Telefonat mit den Kunden bestens zurecht – Diesen Kontakt wollen wir also nicht gänzlich unterbrechen. Daher wollen wir auf gar keinen Fall ein Online-Shop werden.

Unsere Überlegungen gehen eher in die Richtung, ob wir nicht nachhaltige Lieferservices in den Städten etablieren können. Wer gewöhnlich Prospekte austeilt, könnte zum Beispiel von A nach B mit einem E-Bike fahren, um Ware auszuliefern.

(Alex verspricht, sich bald für einen Update zu melden. Er vermutet nämlich, dass das Wort Lockdown nicht nur dem Frühjahr 2020 angehören wird: Das sei eine schlechte Nachricht für alle – aber eine gute Nachricht für DeineStadtbringts… Er sei nach wie vor kritisch, schießt Alex nach, weil der Kunde online sich erfahrungsgemäß für den Günstigsten, nicht den Lokalen entscheide. Er würde sich aber freuen, das Gegenteil bewiesen zu bekommen!)

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3 Antworten

  1. Danke, dass die Kassenzone wieder einmal das Thema Online-Sichtbarkeitsmodelle für Städte aufgreift. Aber bitte nicht immer alles unter „Lokale Online-Marktplatz“ zusammenassen, was letztlich nur „Online-Schaufenster“, höchstens jedoch nur eine Ansammlung von Visitenkarten sind. Dass MeineStadtbringt’s aktuell einen Nerv trifft ist unbestritten (gäbe aber noch viele andere zu nennen, die sich derzeit hier tummeln). Lokale und regionale Online-Marktplätze mit Shopinfrastruktur jedoch, „Multi-Vendor Online-Shops“ im engeren Sinne also, sind da schon etwas ganz anderes.

    Du hast ja atalanda erwähnt, deswegen darf ich dieses Unternehmen mal aufgreifen, weil ja auch Marktführer unter den Local-Commerce-Infrastrukturgebern hierzulande: Wenn du dir mal das Frontend oder unter die Haube von atalanda schaust, siehst du, dass es sich hier um ein tiefenintegriertes White-Label für gewerbliche Kommunikation handelt – zudem mit viel Kompetenz im Local SEO ausgestattet: vertriebs- und werbeorientierte Stadtportale, mittlerweile sogar Regionalportale also. Und natürlich können Händler darüber auch national vertreiben (damit möchte ich nicht sagen, dass solche Online-Sichtbarkeitsmodelle für „kleine“ Händler ein Selbstläufer sind und sich der Erfolg im Sinne klassischer E-Commerce-Kennzahlen automatisch einstellt).

    Der regionale Online-Marktplatz für Luxemburg Letzshop.lu etwa oder kaufinbw.de (hinter dem der Anzeigenverlag Nussbaum Medien steckt) oder die Online City Wuppertal setzen auf das White-Label von atalanda – jeweils mit unterschiedlicher technisch-konzeptioneller Ausrichtung und anders gelagerten Betreiberkonstrukten. atalanda bietet mittlerweile ja auch ein Stadtgutscheinsystem an, hat mit den Einkaufslisten während des Shutdowns ein Notlieferungskonzept zur Verfügung gestellt und kann natürlich auch einfach nur Visitenkarten listen (wenn es was bringen würde).

    Bei Online-Marktplätzen mit Shopinfrastruktur, geht es also um WaWi-Schnittstellen, Anbindung von Großdatenbanken, Lieferkonzepten, niederschwellige Teilnahmeoptionen für unterschiedliche Branchen/Sortimente/technische Voraussetzungen und Features wie Terminvereinbarung, Eventkommunikation, Prospektupload oder Mittagstischangebot auch für Gewerbetreibende jenseits von (inhabergeführtem) Handel.

    Damit möchte ich nicht sagen, dass lokale Online-Marktplätze „besser“ als Online-Schaufenster sind oder sie nicht auch kritisch zu betrachten sind (habe selbst die „Online City Wuppertal“ mit aufgebaut und ein Buch darüber geschrieben). Mir ist nur wichtig, dass ein profesioneller Marktbeobacher wie du, der natürlich eine extrem hohe Expertise im E-Commerce hat (deine Kritik an eBay City habe ich eingerahmt über meinem Bett hängen 😉 keinen Kategorienfehler begeht und Äpfel mit Birnen vergleicht.

    Du hättest also auch die GFs von Findeling einladen können, die seit Jahren einen tollen Job in diesem Umfeld machen – und gefühlt dutzende weitere national ausgerichtete Online-Schaufenster-Betreiber, die im Zuge des Hackathons der Bundesregierung WIRVSVIRUS entstanden sind (aber sicher auch bald wieder hier und da die Segel streichen werden).

    Nichtsdestotrotz – ich finde es gut, dass Local-Commerce-Themen und damit die Belange des Citymanagements durch diese Podcast-Folge so langsam aber sicher auch ihre Nische im Hardcore E-Commerce-Diskurs finden.

  2. Mal ganz ehrlich…

    Das ist das am wenigsten innovative Projekt, was je hier im Podcast vorgestellt wurde…

    Eine Agentur, die ein paar Daten gesammelt hat und dies auf einer WordPress-Seite kategorisiert hat und im besten Fall verlinkt hat – whow!

    Damit hat man den Local-E-commerce keinen Gefallen getan…

  3. Super das Ihr über nationale Initiativen bzw. Local Commerce berichtet, um diese einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

    Gerade für den stationären Handel werden zukünftig vor allem nachhaltig orientierte Plattformen benötigt, auf welchen Sie sich selbst, aber vor allem auch Ihre Produkte präsentieren und verkaufen können.
    Die Verknüpfung regionaler Angebote von Online zu Offline, Connected Commerce, wird eine zunehmende Rolle spielen. Der große Vorteil für die teilnehmenden Händler dabei ist, dass die Plattformen das Marketing übernehmen und der Handel mit überschaubarem Aufwand und minimalen Kosten teilnehmen und von Kunden in der eigenen Region ober eben auch darüber hinaus gefunden wird.
    Wichtig sind dabei neben den üblichen „Hygienefaktoren“ vor allem auch dass dem Konsumenten alle Arten von Einkaufsmöglichkeiten, wie – kaufen & liefern – kaufen & abholen – oder – reservieren und vor Ort ansehen – angeboten werden, so dass dieser je nach momentaner Situation individuell entscheiden kann, wie er an die Ware kommen möchte.
    So wird Local Commerce von Konsumenten akzeptiert werden und langfristig funktionieren, davon sind wir überzeugt. Und das Konsumenten sich eher wieder nachhaltiger und regionaler orientieren wollen, zeigen Studien- und Umfrageergebnisse des IFH Köln.

    Locamo (www.locamo.info | http://www.locamo.de) ist ein 2015 gegründeter bundesweiter E-Commerce Marktplatz für den stationären Einzelhandel und Branchenbuch für Gewerbetreibende, welcher alle vorgenannten Einkaufsmöglichkeiten anbietet und zudem viele weitere Informationen für Konsumenten bereitstellt.
    Darüber hinaus hat auch Locamo White-Label-Marktplatz-Portale (z.b. http://www.welfenmarkt.de) für Kommunen und Städte, aber auch für ganze Regionen im Portfolio. Auf diesen können neben der eigentlichen E-Commerce Funktionalität, Branchenbuch, auch Kinoprogramme, regionale News, Mittagstisch, Jobportal, ÖPNV, Vereine uvm. eingebunden werden.
    Der große Unterschied von Locamo zu anderen Anbietern ist, dass wir die Portale voll miteinander vernetzt haben. Auf diese Weise profitieren auch kleine Marktplätze vom Angebot auf Locamo.de und erhalten somit eine wesentlich höhere Attraktivität in Ihrer jeweiligen Region, da den Konsumenten ein recht umfangreiches Angebot präsentiert werden kann.

    Unsere Mission bei Locamo ist es den stationären Handel und die Vielfalt in den Städten zu erhalten.

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