Wie macht man das erfolgreichste Deutsche Wirtschaftsmagazin? #brandeins

Ich bin ein großer Fan der brand eins Zeitschrift. Aus diesem Grund habe ich auch den Artikel zu den brand eins Lesetipps 2016 verfasst. Die Zeitschrift brand eins hat für mein erstes und bisher einziges Zeitschriften Abo gesorgt und die Art wie die brand eins Wirtschaft darstellt, inspiriert auch immer wie die Beiträge bei kassenzone.de. In der aktuellen Ausgabe stellt sich die Gründerin Gabriele Fischer den Kassenzone Fragen und erklärt wie sie so ein erfolgreiches Magazin (100k Auflage) aufbauen konnten und wie sie von der Digitalisierung betroffen sind. Dieses Mal also kein klassisches Handelsmodell, sondern ein Verlagsmodell das auch handeln muss. Das ist schwieriger als man denkt. Die brand eins ist ein sehr kleiner und spezieller Verlag. Jedes Experiment kostet viel Energie und Zeit. Am Ende des Monats muss aber das Magazin produziert werden.

Ich freue mich sehr, dass sich Gabriele die Zeit für das Interview genommen hat und wir haben sehr offen über die Herausforderungen und Chancen des Verlags gesprochen. Sie freut sich ganz bestimmt auch über spannende Vorschläge zur Weiterentwicklung der brand eins in den Kommentaren. Wir sprechen im Interview auch über die Gründungsgeschichte der brand eins. Wer das alles im Detail nachlesen will, findet an dieser Stelle noch mehr Infos dazu.

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Wirtschaftsjournalismus mit Gabriele Fischer, Chefredakteurin und Verlegerin des Wirtschaftsmagazins brand eins.

Gabriele Fischer gründete 1999 brand eins, um Wirtschaft ganzheitlich zu beleuchten. Zuvor war sie als Chefredakteurin beim Vorgängermagazin Econy tätig, einer Tochtergesellschaft des Spiegels. Brand eins will erklären, wie Wirtschaft und Gesellschaft miteinander interagieren und sich in den vergangenen 20 Jahren verändert haben.

„Unser Anspruch ist es, Wirtschaft verständlich zu machen“

3:55

Alex: Wie hat eure Marktfindung ausgesehen? Habt ihr eine Zielgruppenanalyse gemacht?

Gabriele: Nein, so professionell sind wir da nicht rangegangen. Der Spiegel hat auch verspätet Marktforschung gemacht und festgestellt, dass es eine Million Menschen gibt, die zwar in der Wirtschaft sind, aber keines der klassischen Wirtschaftsmagazine lesen. Das hat er dann als Zielgruppe definiert.

Wir haben von Anfang an gesagt: „Es gibt da etwas, das passiert und das sehr massiv ist, und wir machen ein Magazin, das auch Leute gerne lesen, die keinen MBA haben und keine Wirtschaftswissenschaften studiert haben, das ein bisschen anders aussieht, das einen anderen Ton hat. Und das Magazin wird seine Leser finden.“

(Gabriele führt aus, dass Econy zwar kaum Zeit hatte, sich Leser zu suchen, das aber trotzdem geschafft hat. Auch brand eins war von Anfang an sehr erfolgreich, obwohl das Magazin in seiner vierwöchigen Gründungszeit keine Zeit für Marktforschung hatte. Im Nachhinein habe das Magazin aber die tatsächliche Zielgruppe mit der vom Spiegel gewünschte Zielgruppe verglichen und sie fast genau erreicht. Brand eins werde lediglich von mehr Menschen mit Abitur und Studium gelesen als erwartet. Alex erzählt, dass auch seine Mutter, die keinen akademischen Hintergrund habe, gern brand eins lese und dass er um 2003 zum ersten Mal auf das Magazin aufmerksam geworden sei und es spannend fand, obwohl die Ausgaben schon mehrere Jahre alt waren.)

6:55

Alex: Kannst du was zu den Zahlen bei brand eins sagen?

Gabriele: Wir haben als kleines Team angefangen und sind das bis heute. In der Stammredaktion arbeiten fünf bis sechs. Das kann man nur so sagen, weil wir sehr unterschiedliche Arbeitszeitmodelle haben. Dazu kommen noch Layout, Dokumentation, Organisation, CVD. Insgesamt sind wir elf bis zwölf Leute in der Redaktion. Der Gesamtverlag hat knapp 25 Leute, denn zum Gesamtverlag gehören auch noch der Verlag, der Anzeigen und Vertrieb organisiert, brand eins Wissen, die eigene Magazine machen, brand eins Thema und andere Formate, aber auch Corporate Publishing. Die Auflage schwankt zwischen 90.000 und 100.000. Wir haben einen relativ festen Aboblock und schwanken in den Einzelverkäufen sehr zwischen 25.000 und 45.000. Die Einzelverkäufe sind unter anderem abhängig von den Titeln.

(Gabriele erzählt, dass Regeln für Einzelverkäufe trotz Copytests, Wahrnehmungstests bei Lesern etc. schwer zu finden seien, sich aber Schwerpunkte wie „Nichtstun“ und „Scheißjob“ am besten verkauft hätten. Brand eins mache einfach immer das Heft, das das Team für sinnvoll hält. Alex vermutet, dass emotionale Themen besonders gut funktionieren und gesteht daraufhin, dass er mit Wolf Lotters Artikel nicht gut zurechtkommt.)

9:45

Alex: Ihr seid das größte Wirtschaftsmagazin?

Gabriele: Wir verkaufen am Kiosk die meisten Hefte. Die Abonnements sind bei den anderen mehr, allerdings muss man wissen, dass wir noch nie eine Aboprämie gegeben haben. Von daher kannst du das nicht so gut vergleichen mit den Abonnements der anderen.

(Alex schlägt vor, etwas Kreatives wie Stempelkarten von ZEIT-Mitarbeitern als Aboprämie anzubieten. Gabriele sagt daraufhin, dass das für einen kleinen Verlag wie ihren zu viel Aufwand sei.)

11:10

Alex: Seid ihr auch im Ausland aktiv?

Gabriele: Im deutschsprachigen Ausland. Wir sind ganz gut gelistet in der Schweiz und sind in Österreich das bestverkaufte deutsche Wirtschaftsmagazin. Das sind so zwischen 2000 und 2500 Stück, die wir da noch verkaufen.

Alex: Ihr macht zwölf Auflagen im Jahr?

Gabriele: Ja.

11:50

Alex: Wie funktioniert bei euch die Themenfindung? Gibt’s da eine Strategie?

Gabriele: Ich sage immer: „Strategien bilden sich in der Regel von hinten.“ Von hinten kann man gucken, ob es eine Strategie hätte sein können. Wir machen einmal im Jahr eine große Konferenz, in der wir einerseits gucken, was im vergangenen Jahr so gelaufen ist, was zur Zeit gepasst hat und wo wir ein bisschen daneben lagen, und andererseits darüber nachdenken, was für unser Gefühl im nächsten Jahr passieren könnte.

(Gabriele erzählt, dass zum Beispiel ein Wahljahr anders behandelt werde als andere, die Redaktion Donald Trump jedoch nicht vorhergesehen habe. Die zehn Schwerpunktthemen, die die Konferenz festlege, würden auch nie eingehalten, aber gäben eine gute Leitlinie an. Themen wie „Wettbewerb“ oder „Loslassen“ seien aber auch nur große Worte, die man je nach Zeitgeschehen anders unterfüttern könne. Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers sei beispielsweise der Schwerpunkt „Glück“ anders behandelt worden, als das heute der Fall wäre.)

13:40

Alex: Wann sagt ihr euren Autoren und freien Autoren: „Wir brauchen einen Artikel zum Thema ‚Wettbewerb‘“?

Gabriele: Wir haben früher vier bis sechs Wochen Vorlauf gehabt. Inzwischen haben wir aber auf Initiative der Kollegen angefangen, das vorzuziehen, sodass wir im Grunde genommen schon drei Monate vorher das erste Mal über einen Schwerpunkt reden. Wir treffen uns einmal im Monat zu einer großen Konferenz, zu der auch freie Kollegen dazukommen, in der wir die Themen sozusagen immer enger machen.

(Gabriele erklärt, dass dabei zunächst diskutiert wird, ob ein Thema überhaupt machbar ist. In den folgenden drei Monaten könne dann aber nicht ununterbrochen an dem Thema gearbeitet werden, da zwei andere Hefte fertig werden müssen, aber man könne große Geschichten beauftragen oder schwierig zu interviewende Leute auftreiben.)

15:10

Gabriele: Endgültig geschärft wird das Thema dann ungefähr vier Wochen vor der Produktion. Heute beginnt die Produktion der Septemberausgabe. Und die Septemberausgabe erscheint Ende August, also kannst du es dir ungefähr ausrechnen: Das sind anderthalb Wochen Produktion, dann zwei Wochen Druck und Verteilen in der Welt, und dann ist das Heft am Kiosk.

Alex: Wer kümmert sich um die Layouts?

Gabriele: Wir haben schon seit Econy-Zeiten den Art Director Mike Meiré. Von Haus aus hat er eine Werbeagentur, er hat seine Karriere jedoch begonnen, indem er ein Magazin auf seiner Tischtennisplatte geklebt hat.

(Gabriele erzählt, dass sie bei Econy zwar wusste, wie die Geschichten sich lesen würden, aber nicht wie sie aussehen sollten. Darum habe sie Mike für einen Werbefilm für Econy gewinnen wollen. Als er das Konzept gelesen habe, habe er ihr Beispiele von internationalen Magazinen als Ausgangspunkt für das Layout gezeigt. Daraufhin habe sie ihn mit dem Editorial Design beauftragt. Auch wenn der Spiegel anfangs skeptisch gewesen sei, habe die Tatsache, dass Mike nicht nur für brand eins arbeitet, immer den Vorteil gehabt, dass er von seinen Aufträgen überall auf der Welt inspiriert wird.)

17:30

Alex: Wie wird man Autor bei euch?

Gabriele: Indem man bereit ist, uns ein Thema vorzuschlagen, das neu, originell und zu Ende gedacht ist und das eine These hat, bei der wir das Gefühl haben: „Das hatten wir so noch gar nicht gesehen.“ Dann muss man bereit sein, eine erste Geschichte auf eigenes Risiko zu schreiben. Das heißt, wenn wir nicht zusammenkommen, dann kriegt man kein Ausfallhonorar, aber die Spesen und kann die Geschichte an jedes andere Magazin verkaufen.

Alex: Was kriegt man als Autor für eine Geschichte?

Gabriele: Wir zahlen 515 Euro für 4.000 Zeichen. Das ist ungefähr eine Seite.

Alex: Könnte ich auch Autor bei euch werden?

Gabriele: Unter den vorhin genannten Bedingungen könntest du auch Autor werden.

(Gabriele führt aus, dass Bewerbungen mit veröffentlichten Geschichten nicht sinnvoll seien, da sie und ihr Team keine Zeit hätten, 30 oder 40 Seiten zu lesen, und außerdem nie klar sei, was der Autor wirklich geschrieben habe, da Geschichten redaktionell überarbeitet würden. Alex scherzt, dass bei Kassenzone immer gleich die Rohfassung online geht, er es aber gern sähe, wenn seine Artikel redigiert würden.)

19:20

Alex: Habt ihr manchmal das Gefühl, ihr bekommt richtig Ärger für eine Reportage, aber müsst sie wegen eures journalistischen Anspruchs machen?

(Gabriele erläutert, dass sich über manche Geschichten schon geärgert werde, sie aber wenige Gegendarstellungen verfassen müssten, da brand eins über eine gute Dokumentation verfüge. Zudem betreibe das Magazin keinen investigativen Journalismus, sondern wolle Wirtschaft verständlich machen und sowohl Probleme benennen als auch Lösungen finden. Einschneidende Erlebnisse habe es erst zwei gegeben: Den Artikel über das Cluetrain-Manifest in einer der ersten Ausgaben, der erstmals in großen Medien Erwähnung gefunden habe und verrissen worden sei, und eine Ausgabe 2007, in der das Grundeinkommen unter dem Titel „Nie wieder Vollbeschäftigung! Wir haben Besseres zu tun.“ umfassend vorgestellt worden sei. Alex scherzt, dass ein Ersatzcover mit nackten Menschen für Ausgaben, die zu akademisch sind, sicher für mehr Absatz sorgen würde.)

23:05

Alex: Ihr habt ja auch eine Website, auf der früher nach vier Wochen alle älteren Artikel live waren. Ist das heute nicht mehr der Standard?

Gabriele: Doch, doch, also wir ziehen das. Wir machen immer zwei Geschichten pro Woche, glaube ich.

Alex: Und wo wollt ihr das Geld verdienen?

Gabriele: Wir haben von Anfang an zwei Sachen gesagt: Wir machen Corporate Publishing, aber ein Corporate Publishing, das insofern kundenunabhängig ist, dass meine Kollegin mit den Kunden zusammen Themen und Konzepte erarbeitet, die ein fertiges Magazin liefern.

(Gabriele erzählt, dass ihr erster Kunde McKinsey gewesen sei und darum verschiedene Themen von McKinsey so aufgearbeitet worden seien, dass sie verständlich waren.)

24:20

Gabriele: Ansonsten machen wir keine Form von Advertorials oder Native Advertising. Das Wichtigste, was wir haben, ist unsere Glaubwürdigkeit und unsere Unabhängigkeit als Wirtschaftsmagazin. Und das zu schützen, ist uns sehr wichtig.

(Gabriele erzählt, dass ihr Team vor mehreren Jahren beschlossen habe, die Digitalisierung als Ergänzung zu betrachten. Seit der ersten Ausgabe seien alle Ausgaben online gestellt worden. Sieben Jahre lang sogar am Erscheinungstag, bis sich Printleser darüber beschwert hätten. Das folgende Paid-Content-Modell sei schon nach drei Monaten gescheitert, da das Einloggen damals noch kompliziert war und brand eins bei Google nicht mehr auffindbar war. Das Archiv sei immer noch ein Volltextarchiv und umfasse 202 Ausgaben. Brand eins sei außerdem unter den ersten Magazinen gewesen, die eine App angeboten hätten, da Apple auf sie zugekommen sei. Zudem gebe es Onlinekarten zu bestimmten Themen.)

27:20

Alex: Ist das ein weiterer kostenpflichtiger Kanal?

Gabriele: Wir haben auf diesem Weg irgendwann festgestellt: Wir verdienen unser Geld mit Print. Das kann in fünf Jahren anders sein. Im Moment ist das so. Und wir betrachten die digitalen Kanäle als eine Dienstleistung für Print.

(Gabriele erzählt, dass die App ursprünglich kostenlos beim Heft hätte dabei sein sollen, genau wie die Hörversion für Abonnenten kostenlos sei. Dann seien aber unterschiedliche Mehrwertsteuersätze für Print- und Digitalobjekte festgesetzt worden, wobei immer der höhere Satz ausschlaggebend gewesen sei. Dadurch hätte die Mehrwertsteuer für das Magazin plötzlich 19 Prozent statt sieben Prozent betragen. Die App koste daher nun einen Euro, um das Heft nicht mit 19 Prozent Mehrwertsteuer besteuern zu müssen.)

28:35

Gabriele: Über kostenpflichtige Kanäle denken wir immer wieder nach. Für einen kleinen Verlag ist das schwierig. Du kannst auf unserer Website auch Dossiers zu Themen finden. Die sind eine ganz gute Zusammenschau zu Themen wie Grundeinkommen, zu einzelnen Branchen, zu Ländern und, und, und. Das sind Artikelsammlungen. Die kosten kein Geld. Das Problem ist, um einen Teil kostenpflichtig zu machen, musst du das System umbauen. Und wenn du dann überlegst, es kostet dich 10.000 oder 15.000 Euro, das System so umzubauen, dass es einen Teil kostenpflichtig macht, aber einen anderen Teil nicht, denkst du noch mal drüber nach.

Wir sind im Moment mal wieder dabei, unsere Website umzubauen. Vielleicht kriegen wir das dann hin. Ich weiß, dass der Trend dort hingeht, aber wir sind sehr vorsichtig auf diesem Weg. Vielleicht auch, weil wir damals bei den frühen Paid-Content-Geschichten gelernt haben, dass das alles nicht so einfach ist.

(Gabriele führt aus, dass auch einzelne Artikel zu verkaufen nicht sinnvoll erscheine, da sich brand eins dadurch auszeichne, dass es viele Blickwinkel auf ein Thema biete. Alex bestätigt, dass brand eins zu den wenigen Magazinen gehört, die es den Lesenden überlassen, sich eine Meinung zu bilden. Er fasst zusammen, dass der Onlinebereich für brand eins dann hauptsächlich zur Reichweitenbildung diene und überlegt, ob Blockformate auf Facebook oder Instagram oder ein eigener Slack-Kanal sich für brand eins lohnen könnten.)

31:25

Alex: Wie kreativ seid ihr im Onlinebereich?

Gabriele: Wir machen viel und wenig. Wir haben eine immer noch wachsende Community bei Facebook, Instagram, Twitter und sogar bei XING. Das läuft auch. Da stellen wir Artikel rein, und die Leute sagen was dazu und verbandeln sich oder verbandeln sich nicht.

(Gabriele beschreibt, dass der Versuch einer internen Community daran gescheitert sei, dass die Leute nicht zusätzlich mit Informationen überhäuft werden wollen. Zudem sei der Job von brand eins ja, Informationen zu kanalisieren und aufzubereiten, weshalb es auch keinen Brand-eins-Blog gebe. Zwar wünschen sich viele Leser, dass im Onlinebereich mehr passiert, allerdings muss ein kleiner Verlag das auch stemmen können.)

33:30

Alex: Ihr macht ja viele Porträts über Menschen. Bekommen die viel Feedback?

Gabriele: Leute, über die wir schreiben, sagen uns, dass sie erstaunt sind über die Reaktionen und aus wie vielen unterschiedlichen Ecken die kommen. Wir sind eben nicht das Magazin, das sich nur an eine bestimmte Form von Wirtschaftsführer wendet, sondern es sind eben auch Studenten, Frauen, Grafiker, Designer, Ärzte, Pfleger und so. Es geht wirklich quer durch unsere Gesellschaft. Und Brand-eins-Leser sind auch sehr aktiv. Wenn die irgendwas gut finden, dann rufen die da an und verbünden sich mit denen oder gehen da auch vorbei. Damit muss man rechnen.

(Alex erzählt, dass er die Geschichte über den Obstbrand-Produzenten, der sein Geschäft aufgegeben hat, sehr inspirierend fand.)

34:55

Alex: Ihr macht auch Konferenzen?

Gabriele: Wir haben eine regelmäßige Konferenz, die Zukunftskonferenz, und die Handelskonferenz, die wir zweimal gemacht haben.

(Gabriele erläutert, dass die Handelskonferenz ursprünglich eine Fachkonferenz sein sollte, aber dank Alex so interessant war, dass sie wiederholt wurde. Aufgrund der großen Zahl an Handelskonferenzen wurde sie dann jedoch ausgesetzt, und es werde nun über ein anderes Format für jüngere Leute nachgedacht. Das Konferenzformat sei auf Leserwunsch entstanden und werde gut angenommen.)

37:35

Alex: Wie viel setzt ihr um?

Gabriele: Wir haben ungefähr acht Millionen Euro an Umsatz.

(Alex überlegt, welche Ziele brand eins sich setzen könnte. Er merkt an, dass er sich eine Internationalisierung des Magazins gut vorstellen kann.)

Gabriele: Wir haben eigentlich vergleichsweise viele internationale Geschichten. Ende des Monats wird brand eins international gelauncht. Das hat ein Kollege gemacht. Das ist aber ein reines Webangebot. Schlicht und ergreifend deshalb, weil du den Vertrieb gar nicht geregelt kriegst. Wie willst du von hier aus immer einzelne Hefte nach Amerika tragen?

Alex: Print-on-Demand?

Gabriele: Das könnte gehen, ist aber wirklich sehr aufwändig. Dann wird das sehr teuer und du hast nicht mehr so viel davon. Wenn brand eins international gut ankommt, lässt sich das irgendwann andenken.

(Gabriele führt aus, dass die internationalen Rückmeldungen sich in Moment auf Leser beschränken, die im Ausland arbeiten und einzelne Artikel für ihr Team übersetzt haben möchten. Zudem wolle man das Magazin nicht ohne Bilder drucken, was aber teuer sei. Ihr Team sei sehr klein und habe einen hohen Qualitätsanspruch, was die Sache nicht einfach mache.)

40:15

Gabriele: Ich träume von 250.000 verkauften Heften. Das ist überhaupt gar keine Frage. Aber ich bin Realist genug, um mir zu sagen, dass wir das eher nicht erreichen. Brand eins ist eigentlich – das zeigen die Konferenzen, das zeigen die Reaktionen unserer Leser – mehr als ein Heft. Es ist ja eigentlich so was wie eine Idee. Es hat eine Vorstellung davon, wie Wirtschaft sein könnte, wie Wirtschaft sich entwickelt, was wir tun müssen, damit Wirtschaft sich ordentlich entwickelt, wie ich Teams aufstellen muss und so weiter. Wir denken eher in die Richtung: Was können wir neben dem Heft noch an Angeboten schaffen, mit denen wir dieses Bedürfnis der Leser stillen?

(Gabriele erläutert, dass brand eins auch über neue Formate nachdenkt, sich aber treu bleiben will, also zum Beispiel kein Frauenmagazin herausbringen will. Alex vergleicht brand eins daraufhin mit Alnatura, das auch mehr als nur ein Biohändler sein will. Da er oft Brand-eins-Artikel auf Kassenzone.de verlinken will, die aber noch nicht online sind, regt er an, alle Printartikel sofort zahlungspflichtig online zu stellen und die digitalen Inhalte auch den Abonnementen nicht kostenlos zur Verfügung zu stellen, da sich die Use Cases hier nicht überschneiden. Gabriele räumt ein, dass es inzwischen sowieso einfacher geworden sei, kostenlose und kostenpflichtige Inhalte zu trennen, weshalb brand eins auch das TYPO3-Modell hinter sich lassen wolle. Grundsätzlich sei die Weiterentwicklung des Angebots aber ein ständiger Lernprozess.)

43:15

Gabriele: Als wir die App gemacht haben, hatten wir zum Beispiel große Angst davor, dass Menschen sich ihr brand eins zusammenschicken lassen, wenn wir es möglich machen, Artikel weiterzuschicken. Mit solchen Ängsten kann man Tage verbringen, die völlig sinnlos sind, weil diejenigen, die das wollen, sowieso schlauer sind als wir. Wir haben dann ungefähr ein halbes oder Dreivierteljahr gebraucht, und jetzt ist es so, dass du jeden Artikel von der App weiterschicken kannst, und erstaunlicherweise entstehen nebendran keine neuen Hefte.

(Gabriele fügt hinzu, dass es darum gut sein könne, dass mit einem neuen CM-System auch darüber nachgedacht wird, ob man ein zahlungspflichtiges Onlineangebot schafft. Gegebenenfalls müsse man dann über das Problem hinwegsehen, dass brand eins eigentlich nicht für Einzelartikel steht. Sie könne nämlich Alex‘ Bedürfnis nachvollziehen, Inhalte sofort verlinken zu wollen.)

44:30

Alex: Gibt es irgendwelche Themen, die immer wieder andisktuiert werden, es aber noch nie ins Heft geschafft haben?

Gabriele: Mir fällt natürlich jetzt keins ein, aber manchmal sind das Themen, die uns im Moment gerade beschäftigen. Aber wenn wir dann diskutieren, stellen wir fest: Dazu haben wir zwei große Ideen, aber das füllt keinen Schwerpunkt. Im Grunde genommen muss ein Schwerpunkt bei uns die Voraussetzung erfüllen, dass wir eine These dazu haben, dass wir wissen, warum wir das machen.

(Gabriele führt als Beispiel das Thema „Scheißjob“ an, bei dem die Redaktion zeigen wollte, dass Führungskraft mal ein attraktiver Job war, Teamchefs heutzutage jedoch wechseln und mehr Verantwortung tragen, aber trotzdem nur wenige Privilegien genießen. Alex überlegt daraufhin, ob es heute nicht leichter sei, die Zielgruppe von brand eins in die Entstehung des Heftes einzubinden und damit für mehr Involvement zu sorgen.)

46:55

Alex: Ist das etwas, das ihr euch vorstellen könnt, oder betrachtet ihr euch als Künstler, die ein Produkt gestalten?

Gabriele: Nein, wir sind ganz bestimmt keine Künstler. Wir sind Handwerker, ordentliche Arbeiter. Und was du gesagt hast, stimmt nicht ganz. Wir haben eigentlich seit der ersten Ausgabe einen sehr intimen Kontakt zu unseren Lesern.

(Gabriele beschreibt, dass die Anteilnahme schon groß war, als Econy eingestellt wurde. Brand eins habe seit der ersten Ausgabe jeden Leserbrief beantwortet. Darin würden unter anderem Geschichten vorgeschlagen und beschrieben, worunter Mittelständler leiden.)

48:25

Alex: Inwiefern beeinflussen euch diese Vorschläge bei der inhaltlichen Gestaltung?

Gabriele: Mittlerweile sind ungefähr 20 bis 25 Prozent unserer Themen eigentlich von den Lesern. Aber das machen wir eben nicht in den sozialen Medien, sondern das sind Leserbriefe, in denen sie uns eben auch Informationen zukommen lassen. Das war aber tatsächlich von Anfang an so und hat sich über die sozialen Netze nicht verändert. Da kriegst du eher mit, was besonders ankommt.

(Gabriele gibt aber zu bedenken, dass die Artikel, die die meisten Klicks produzieren, nicht zwingend das sind, was auch das Heft verkauft. Alex will daraufhin herausfinden, ob es zu dem Artikel über ihn Leserbriefe gab. Gabriele weist jedoch darauf hin, dass sich die Leser eher bei den porträtierten Personen direkt melden.)

50:15

Gabriele: Wenn wir eine Konferenz oder ein Schwerpunktthema haben, dann denken sowohl wir intern darüber nach, als auch die festen Freien, die immer schon mit uns arbeiten. Und dann kommt es eben auch vor, dass wir an bestimmte freie Autoren oder unsere Korrespondenten einen Schwerpunkt schicken mit der Frage: „Was fällt euch zum Thema Wettbewerb in Südafrika ein?“

(Gabriele fügt hinzu, dass sie eher zu viele Themen hätten als zu wenig. Als Alex auf die Leserbriefe zurückkommt und anmerkt, dass es dafür doch eine Rubrik gebe, bejaht Gabriele, sagt aber, dass sie diese Rubrik lieber einstellen würde, da Diskussionen über einzelne Artikel eher in den sozialen Netzwerken stattfänden. Darum würden bei den Leserbriefen teilweise die sozialen Medien abgedruckt, was Gabriele aber wenig sinnvoll erscheint. Hat brand eins einen Fehler gemacht, werde dieser aber natürlich korrigiert. Alex schlägt daraufhin vor, die Leser zu befragen, ob sie die Leserbriefe gut finden. Er fügt hinzu, dass ihm die Bilanzanalyse und die Rubrik „Leichte Sprache“ besonders gefallen. Er schlägt vor, dass die Kassenzoneleser und -hörer brand eins weitere Businessideen vorschlagen, was Gabriele begrüßt. Daraufhin bedankt sich Alex für das Gespräch.)

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Alexander Graf, 37, E-Commerce Unternehmer & Analyst, Gelernt bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Commerce Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690