Ist das E-Commerce Wachstum nur begrenzt? Die Milchmädchenwelt

DistanzhandelDiese Frage, nein, diese Behauptung stellt Thomas Koch in einem aktuellen Beitrag in der Wirtschaftswoche in den Raum. Im E-Commerce ist Thomas Koch bisher nicht aufgefallen, aber er ist durchaus bekannt durch seinen Mr. Media Blog in der W&V. Die von ihm genannten Argumente finden sich in vielen aktuellen Diskussionen, u.a. auch in einer Jauch Sendung zum Thema E-Commerce. Der Tenor dahinter klingt immer ein wenig nach: „Bald ist Schluss mit diesem E-Commerce Quatsch.“ Die älteren Leser von Kassenzone können sich vielleicht noch an einen ähnlichen Spruch erinnern, den man vor ein paar Jahren von Kutschfahrern hören konnte. „Noch mehr Automobile? Auf keinen Fall! So viele Straßen gibt es ja gar nicht.“ Ich sehe selbst viele Gründe, warum E-Commerce in Zukunft langsamer wachsen könnte, bzw. warum es in einigen Bereichen zu ruckartigen Konsolidierungen kommen könnte, aber die von Thomas Koch aufgezählten Argumente sind leider nur die eines Milchmädchens. Warum?

Argument 1: Die Retouren töten den E-Commerce

[…] Zunächst belastet das Thema Rückläufe die Branche nach wie vor. Kostenloser Versand wie auch die  ebenso kostenlosen Retouren führten gerüchteweise zu Rücklaufquoten von bis zu 70 Prozent. […] Doch bei zu hohen Retourkosten griffen Händler wie Amazon bereits drastisch durch und sperrten Kunden die Konten, was jedoch die Verbraucherschützer auf den Plan rief, die Amazon dafür kurzerhand abmahnten. […]

Was soll man dazu noch sagen. Retouren sind nun mal ein Teil des Systems. Möbel liegen bei 5-10%, Jeans auch gerne mal bei 80%. Wenn Käufer mehr zurücksenden, dann wird es wohl teurer oder es gibt Mechanismen, die Retouren begrenzen, aber ich verstehe nicht, warum das den E-Commerce in Summe bremsen sollte. Im Gegenteil. Retouren sind ein Wachstumstreiber für den E-Commerce.

Argument 2: Die Paketdienste geben auf

[…] Damit nicht genug, entfachen die Paketdienste nun eine Diskussion um die Anlieferung selbst. Kostendeckend arbeiten sie nur, wenn es ihnen gelingt, das Paket beim ersten Stopp abzuliefern. Doch die eifrigsten Online-Besteller, Singles und Berufstätige, treffen sie selten an […]

Ja und? Dann kostet Amazon Prime bald mehr Geld, oder Hermes & DHL entwickeln mal klügere Zustellkonzepte oder incentivieren die Lieferung in den Paketshop. Hermes & DHL profitieren doch am meisten vom E-Commerce. Die werden sicher nichts tun, um das Wachstum zu bremsen. Je stärker der Markt wächst, desto effizienter können sie ausliefern. Bessere Planung macht es möglich. Weniger Leerfahrten….

Argument 3: Die Umwelt leidet

[…] Umweltbewusst, wie sich viele Verbraucher zeigen, sind die derzeitigen Steigerungsraten im Onlinehandel ohnehin schwer zu rechtfertigen. In der Vorweihnachtszeit war es kein Einzelfall, wenn an einem einzigen Tag die diversen Paketboten bis zu fünfmal vorfuhren. […]

Dazu habe ich in meinem Beitrag zu „E-Commerce ist unfair und macht einsam“ schon ein Rechenbeispiel gegeben. Das Gegenteil ist der Fall. Zentrale Belieferung ist viel umweltfreundlicher als mit dem Auto zum Shoppingcenter zu fahren. Wenn mehr Leute Bus fahren würden, dann gäbe es auch mehr Busse. Die fahren sogar öfter, wenn die Nachfrage dafür da ist. Verblüffend.

Argument 4: Die Innenstädte gehen kaputt

[…]Nun greifen auch die Städte ein. Zahlreiche innerstädtische Geschäfts- und Wohnstraßen sind den ganzen Tag über dermaßen von den Auslieferungsfahrern zugestellt, dass es kein Durchkommen mehr gibt. NRW-Verkehrsminister Michael Groschek meint dazu, „das Sofa-Shopping“ sei die neue grüne Wiese, die Innenstädte kaputtmache.[…]

Mit dem Argument trifft Michael Groschek die Tonalität von Lovro Mandac. Viele stationäre Konzepte sind Amazon & Co. leider deutlich unterlegen. Aber warum genau sollte das den E-Commerce bremsen? Auch hier passiert das Gegenteil. Schon jetzt stehen in besten Lagen in vielen Klein- und Mittelstädten früher begehrte Lagen leer. Das sieht schlecht aus und ist schlecht fürs Geschäft. Jetzt gehen die Leute in diesen Orten direkt online einkaufen, weil die Innenstadt unattraktiver wird.

Argument 5: Der Kunde ist dumm

[…] Die Online-Kunden sitzen bequem auf ihren Sofas und an ihren Rechnern und würden sich am liebsten alles, selbst die Lebensmittel, nach Hause liefern lassen. Dass dies einmal – und so frühzeitig in der noch jungen Entwicklung des „interaktiven Handels“ – an sehr praktische Grenzen stoßen könnte, daran hat scheinbar niemand gedacht.[…]

Aber dank der klugen Milchmädchen sagt sich der Kunden jetzt: „Verdammt, Sie haben Recht. Ich geh jetzt doch wieder in den Mediamarkt und kaufe Bücher bei Thalia. Ich will, dass alles wird wie früher.“ Jetzt wo ich das so lese… ganz sicher.

Disclaimer: Das Richtige tun.

Ja, ich verdiene im E-Commerce mein Geld, aber ich empfehle niemanden im E-Commerce aktiv zu werden, wenn es bessere Optionen gibt. Viele Händler sind gut beraten genau zu überlegen, ob und wie sie sich im E-Commerce engagieren. Was ich auf jeden Fall aber fatal finde, ist es gar nichts zu tun und nur abzuwarten. Und genau das ist ja die indirekte Empfehlung von Thomas Koch. Warte ab! Alles wird gut. Ich bin selber als Händler verschiedener Produkte aktiv, die ich ehrlich gesagt nur handeln kann, weil es E-Commerce überhaupt gibt.


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Es gibt in der Tat viele Fragen, die man sich im E-Commerce stellen muss und die zum Nachdenken anregen. Einige davon sind: Dient die Optimierung der Onlineshops nur noch dazu bei Google höhere Klickkosten tragen zu können? Welche USPs haben eigentlich die fast 250.000 Onlineshops in Deutschland? Wer braucht die? Was sind sinnvolle Handelsstrategien in einer Welt, die von Amazon beherrscht wird? Wenn noch nicht mal ein super Konzept wie Globetrotter in diesem Umfeld stabil läuft, was dann? Ist Handelskompetenz im E-Commerce überhaupt noch notwendig? Diese Fragen sind Bestandteil des Digital Commerce Day am 8. April in Hamburg, den ich zusammen mit Prof. Dr. Holger Schneider organisiere. Noch 50 Tickets sind zu haben.

Wer an die Argumente von Thomas Koch glauben will, der ist beim DCD nicht gut aufgehoben. Da hätte ich aber noch die folgende Leseempfehlung über früher mal spannende Jobs.

Alexander Graf, 37, E-Commerce Unternehmer & Analyst, Gelernt bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Commerce Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

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19 Antworten

  1. Stephan Froede sagt:

    Hallo Alex,

    alles richtig, aber den Satz hier verstehe ich nicht:

    „…Retouren sind ein Wachstumstreiber für den E-Commerce…“

    Bei Mode verstehe ich es – weil die Sachen in Ruhe zu Hause anprobieren kann, aber bei Möbeln, Gartenhütten, Pflanzen, Lebensmitteln? Bei Büchern und sonstigen Medien ist es doch eher lästig.

    Was ich auch spannend finde, wie wird denn das Retounierverhalten genau ausgewertet? Eigentlich müsste das doch sehr interessant sein, ein Vielretounierer erzeugt ja sehr viele Konsumentendaten und gibt sehr viel über sein Kaufverhalten preis – mehr jedenfalls als der „Falke“ der aus dem Nichts auftaucht, sich das Angebot schnappt und schnell wieder verschwindet.

    Grüsse,
    Stephan

    • Lästig und teuer sind sie fast immer, aber aus Kundensicht sinkt die Kaufbarriere doch erheblich. Würde Retouren unfreundlicher aus Sicht der Kunden behandelt, dann würde E-Commerce wahrscheinlich viel langsamer wachsen. So meinte ich das.

  2. Frank Rehme sagt:

    Ich weiß nicht, warum diese öffentliche Auseinandersetzung mit der Sichtweise eines anderen in dieser Form geführt werden muss. Sicherlich hat jede Perspektive seine Berechtigung, das haben Perspektiven nun mal so an sich. Das ändert sich erst, wenn man in seiner eigenen Betrachtung auch die Perspektive des anderen einbezieht. Das vermisse ich sehr an vielen Beiträgen in kassenzone.de. Sehr oft geht es fundamentalistisch zu, ich wage zu bezweifeln, ob das immer so zielführend ist. Das nachhaltige Betonen des Sterbens des stationären Handels erinnert mich übrigens an ein Projekt vor 20 Jahren, als die elektronische Archivierung eingeführt wurde: Im Jahr 2000 gibt es das papierlose Büro!. Was daraus geworden ist wissen wir alle, denn es sind Menschen und nicht Technik, die bestimmen, was Zukunft hat. Solange Einkaufen nicht nur Supply Chain ist wird es auch Menschen geben, die es als Freizeitgestaltung betrachten….und die machen es vor Ort! Zwar nicht so viele wie bisher, aber immer noch ein sehr hoher Anteil!

    • Ich finde die öffentliche Auseinandersetzung schon sehr wichtig, weil Händler & Hersteller genau überlegen müssen was sie in Zukunft tun. Nichts tun ist aus meiner Sicht falsch, egal welcher Kanal sich wie entwickelt. Natürlich werden auch noch Leute in 200 Jahren stationär einkaufen, aber eben nicht mehr so wie heute. Es gab vor 20 Jahren sicher gute & schlechte Gründe für oder gegen das papierlose Büro zu sein. Die gibt es auch heute zum Thema E-Commerce. Gute Gründe müssen nachvollziehbar sein und nicht eindimensional. So lesen sich aber leider die Argumente von Thomas Koch und das ist für die Weiterentwicklung des Handels hinderlich. Außerdem hält er das bestimmt gut aus – er mag ja kontroverse Diskussionen, wenn man das W&V Blog dazu liest. Vielleicht findet er auch noch Gründe seine Argumente zu verteidigen. Umso besser.

  3. Für mich ist dieses Gequake vom Ende des E-Commerce (habe ich das nicht schon öfter vernommen?) eine weitere Spielart des leidlichen Kulturpessimismus: „Alles scheisse, früher war alles besser“. So ein Käse!

    Als meine Tochter gerade auf die Welt gekommen war und noch gestillt wurde, meine Frau deswegen die meiste Zeit zu Hause bleiben – also nicht in die dollen Innenstädte gehen konnte – und ich ebenfalls zu arbeiten hatte, haben wir viele Dinge des täglichen Lebens – auch das Kind betreffend – über Amazon oder andere Anbieter bestellt. 1985 wäre das alles sehr viel schwieriger gewesen …

    Dass es hohe Retourequoten – vor allem bei Jeans – gibt, gehört nun mal mit dazu (Jeans sind z.B. etwas, das ich ausschließlich offline kaufe, es sei denn, ich weiß, welche Marke ich zu kaufen habe, bspw. eine Levis 501).

    Dass im E-Commerce gerade riesige Chancen stecken – etwa für ländliche Regionen – wird meistens gar nicht angesprochen. Historisch befinden wir uns halt momentan in einer Umbruchphase, da gehen alte „Jobs“ oder „Geschäfte“ halt baden und andere entstehen.

    Wie bspw. gegen Ende 19 Jhds. bis in die 30er Jahre der damalige „Mail-Order“-Vertrieb die ländlichen Regionen der USA an die Großstädte und deren Entwicklung angebunden hat, lässt sich hier nachlesen:
    „Anne Koenen: „’What do you keep cows for?’ Mail-Order Catalogs and Consumerism in Rural Areas of the US, 1900-1930”, Journal for the Study of British Cultures, Vol. 11, no. 2 (2/2004): 205-216“

    Und welche ganz anderen Möglichkeiten bietet E-Commerce mit der daran hängenden Logistik?

    The future is bright, not bleak!

  4. Ich halte ja bekanntermaßen nichts von der Schwarz-/Weiß-Malerei beider Seiten. E-Commerce wird sich noch einen beträchtlichen Teil des Handelsvolumens abgreifen, andererseits entstehen gerade sehr spannende Möglichkeiten für den stationären Handel im Internet insbes. für Mobile.

    Was mich aber an dieser Stelle interessieren würde – diese Woche wurde ja bekannt, dass sowohl Mexx als auch Reno ihren Onlineshop schließen. Was sind Deiner Meinung nach die Gründe dafür?

    Ich bin bei der dieser Branche etwas weit weg von.

    • Bei Mexx & Reno vermute ich, dass es bisher kein profitables Geschäftsfeld war auf Vollkostenbasis. Wenn sich das durch einfache Anpassungen/Investitionen nicht ändern lässt, dann macht eine Schließung ja Sinn. Mehr betriebswirtschaftliche Gründe also und nicht so sehr strategisch. Wenn man kurzfristig liquiditätssichernde Maßnahmen favorisiert, dann ist das zumindest eine vorstellbare Option.

  5. Die Diskussionen um den E-Commerce ähneln denen um den Journalismus und das Lesen. Auch dort werden die Leser wie die Kunden dumm gehalten: Aber was ist eigentlich dumm daran, den komfortabelsten Weg zu wählen?

    Ich bin sicher, der E-Commerce wird noch weiter wachsen – ob sich allerdings weiterhin noch sehr viel Absatzvolumen vom stationären Handel ins Internet verlagert, wage ich zu bezweifeln. Marken und deren Online-Direktvertrieb werden wohl eher Wachstumstreiber werden. Sehr schön hat das Stefan Rhiem während der Internet World aufgearbeitet. Er rechnet mit etwa zehn Milliarden Euro Umsatzvolumen in Europa – und das ist eher konservativ gerechnet. Aber der Online-Direktvertrieb gibt den Marken auch Zugriff auf Kundendaten – und damit langfristig die Chance, die Produktion auf Kundenwünsche abzustimmen. Rhiems Vortrag ist hier zu finden: http://presse.rhiem.com/blog/2014/02/e-commerce-profitabel-gestalten/

  6. Hagen sagt:

    Spätestens seit Schumpeter wissen wir: Kein Wachstum ohne Entwicklung/Innovation. Auf diese banale Formel lässt sich die Evolutionsökonomie reduzieren.
    Dieser einfachen Regel muss auch der E-Commerce in die Augen schauen. neu ist die Geschwindigkeit der Veränderung – bedingt durch die technologische Entwicklung.
    Also Dein Vergleich mit der Kutsche trifft genauso auf den eCommerce zu. Nur dass der eCommerce sich schneller weiterentwickeln muss und dazu weniger Zeit hat, als der klassische (Versand)handel, sich auf den eCommerce einzustellen.
    Folglich hat Thomas Koch mit seiner Behauptung, dass das Wachstum des E-Commerce begrenzt ist, zwangsläufig Recht, da dies alle Wirtschaftsbereiche betrifft – immer und überall. Es gibt nirgends dauerhaftes Wachstum ohne Entwicklung. Wie du, kann ich jedoch seinen Argumenten auch nicht wirklich folgen.
    Ohne Zweifel befinden wir uns in Bezug auf die Lebenszykluskurve des E-Commerce am Ende der Optimierung bzw. Wachstumsphase und bereits sehr stark im Bereich der Konsolidierung. Optimierungen und Effizienzverbesserungen sind kaum noch möglich. Neues Wachstum kann folglich nur durch
    den nächsten qualitativen Evolutionssprung – beziehungsweise Innovation – erzielt werden. Denn auch das Wachstum der bisherigen eCommerce-Konzepte, neigt sich tatsächlich langsam dem Ende.
    Ein nächster qualitativer Evolutionssprung im Handel bzw. eCommerce als Teil des Handels ist sicher stark im Bereich Mobile und dadurch bedingte Verschmelzung von virtueller und realer Welt zu sehen. Der klassische Desktop-eCommerce hat langfristig sicher ausgedient – wobei es ihn natürlich weiterhin geben wird. Künftig wird es m.E. verstärkt um kontextbezogenen und lokalen E-/M-Commerce gehen, d.h. die nächste Wachstumsphase wird m.E. hieraus resultieren. Noch gibt es allerdings noch keine klare statistische Definition dafür, wonach die hier (bereits) entstehenden Umsätze korrekt zugeordnet werden. Derzeit wandern diese noch in die stationär- oder meist eCommerce-Statistiken mit ein…

  7. Bartek sagt:

    E-Commerce hat noch sehr viel Potenzial die genannten “Probleme” zu lösen, z.B. unifizierte Zustellung alle Sendungen mit einem Fahrzeug, Paketkästen oder sogar Paketschleusen an Häusern und Wohnungen, Bügelwäsche wird abgeholt gleichzeitig Taschentücher Toilettenpapier zugestellt, Mehrwegboxen im Rundlauf, Kinect 3D Scanner für die Erfassung der Körpermasse und Passformen. Wo ist das Problem der Retouren bei den Jeans? Die werden dadurch doch nicht schlechter, im Laden werden die doch auch zig mal anprobiert.

  8. Hagen sagt:

    Alles Effizienzverbesserung und Optimierung des bestehenden, was das Abflachen der Wachstumskurve sicher strecken, aber keine großen neuen Wachstumsimpulse im Sinne eines Evolutionssprungs auf die nächste Wachstumskurve generieren kann.

    Eine Anmerkung noch zum Retouren-Thema:
    Die Qualität der retournierten Produkte ist trotz „Zalando-Partys“, etc. nicht zwingend das größte Problem. Problematisch ist der gesamte Handling-Aufwand, der über die Retouren-Portokosten hinaus geht – inkl. Qualitätskontrolle, Aufbereitung, Neuverpackung und erneute Einlagerung, etc.. Probleme, die der stationäre Handel nicht hat, wenn eine Hose mehrfach im Laden anprobiert wird. Wenn ich alleine nur an die riesigen Retourenzentren der Versender denke… Schon mal einen Rundgang gemacht?

    • Da gebe ich dir Recht. Die großen kommenden Impulse sehe ich auch nicht. Das Wachstum erklärt sich für mich deshalb auch eher mit der wachsenden Anzahl der Vielkäufer, oder wie würde man sonst dass massive Wachstum in den letzten 24 Monaten erklären? Da gab es ja auch keinen grundsätzlichen Neuerungen mehr. Das Amazon Angebot ist gleich geblieben.

    • Bartek sagt:

      @Hagen was meinst Du wie aufwändig es ist die durchwühlten Regale und Kleider-Ständer bundesweit flächendeckend jeden Tag auf´s neue in Schuss zu halten? Dagegen ist ein Retourenzentrum mit effizienten Prozessen (Packtische, Packstrassen, usw.) in einer strukturschwachen Region viel günstiger. Mit zunehmender Marktmacht der Onliner werden, die Retourkosten auf den Kunden umgelegt, oder nicht erfolgte Retouren vergütet. Was man in einem Rundgang durch das Retourenzentrum sieht mag einen erschlagen, das sind aber bundesweit/europaweit gebündelte Tätigkeiten. Logisch ist natürlich dass, der Markt nicht ins unermessliche wachsen wird. Es ist ein Verdrängungswettbewerb.

  9. Andreas Feldenkirchen sagt:

    Die Diskussion um Richtig – Falsch oder schnelles – langsames Wachstum ist aus Kundensicht irrelevant. Wir, die wir als retailer, online Händler oder auf andere Weise unsere Dienstleistungen über Verkauf von Ware oder Dienstleistungen anbieten, sollten eines nicht ausser acht lassen:

    Jede Transaktion, – ob online (e-commerce) oder offline (brick-and-mortar) ist ein O2O (One-to-One) Business.

    Jeder Kanal hat seine Stärken und seine Schwächen. Diese sind uns allen hinreichend bekannt. Schnelle Beispiele:

    Online:
    unlimited shelfspace, hohe Preistransparenz, zahlreiche Filter- und Vergleichsmöglichkeiten, 365/24/7 Order, etc.

    Offline:
    social meeting point, haptisches Einkaufserlebnis, emotionales Einkauferlebnis (Läden = begehbare Markenwelten), Impulskauf und sofortiges Mitnehmen der Ware, etc.

    Die Nachteile der Kanäle ergeben sich entsprechend (wer mehr wissen möchte, nehme bitte Kontakt mit mir auf).

    Es werden die Händler erfolgreich sein, denen es jetzt sehr schnell gelingt, die Kanäle intelligent – für den Kunden emotional und als Unternehmen betriebswirtschaftlich sinnvoll – zu verbinden.

    Mancher retailer hat vor 15 Jahren seine eigene Website verpennt, vor 10 Jahren den Einstieg in e-commerce gescheut, vor 5 Jahren social media im marketing mix vergessen. Jetzt steht die Verbindung aller Kanäle in Focus. Undd das merkt manch einer gar nicht, da er noch über online shop oder social media nachdenkt.

    Veränderung im Retail wird erst möglich wenn zwei Dinge gegeben sind:
    Ein unliebsamer Zustand – der ist da! Und wie.
    Uns ein selbst erreichbares, attraktives Ziel. Und das ist nicht da.
    Hier sind wir gefordert Hilfestellung zu leisten und aufzuklären.
    Die hier geführte kontroverse Diskussion ist ein guter Anfang.

    @Alex: ja – Du hast völlig recht – eine pauschale Empfehlung auszusprechen, kaum möglich. Aber es gibt interessante Lösungsansätze für den Handel.

    Jeder individuelle Kunde wird immer da kaufen wo ihm sein Bedürfnis (emotional) und sein Bedarf (rational) am besten gelöst wird. Wenn das ganze auch noch richtig Spass macht, haben wir gewonnen…

    In 2 Jahren werden wir weder von ROPO noch von Omnichannel sprechen. Same-hour-delivery, curbside pick up oder click and collect werden tools werden, die man als retailer anwendet oder nicht. Es wird zu einem Selbstverständis – betriebswirtschaftliche Tauglichkeit vorausgesetzt.

    Meine Prognose: Das ganze Channeldenken (retail – Online – mailorder) wird ergänzt um social media und dann hat das Baby einen neuen Namen:

    Hybrid Commerce.

    Freue mich auf eine anregende Diskussion.
    Herzlichst.
    Andreas

  10. Florian sagt:

    Ich glaube nicht, dass viel mehr Umsatz netto (nach den ganzen Retouren) stattfindet. Er wird einfach von dem Offline-Bereich in den Online-Bereich verlagert. Was auf jeden Fall jetzt schon bemerkbar ist: Kleinere Städte und ihre ganzen Läden sterben aus – das Leben findet immer mehr nur noch in den Großstädten statt und die Umsätze im Internet. So ist leider nun mal der Lauf der Dinge.
    Vielleicht sollte man aber gerade jetzt anfangen, neben seinem Online-Shop auch ein Offline-Geschäft zu starten. Kann mir nicht vorstellen, dass das nachteilig ist, sofern man die wichtigsten Regeln beachtet.

  11. Alex sagt:

    Was ich in dem Zusammenhang mal erwähnen möchte….weils mir in einer Pressemeldung aufgefallen ist.

    Da sagt der Einzelhandelsverband das Problem mit dem Einzelhandel könnte man lösen indem die Geschäfte Ihre Ware (was definiert eigentlich „ihre“…bei vielen Geschäften ist das fertige Ware von anderen Marken) auch online vertreiben.

    Meiner Meinung löst das aber nicht das Einzelhandelsproblem.

    Das ist wie wenn man dem Pferdekutscher sagt: „Du, jetzt wo die Autos kommen, schau mal dass du paar Autos verkaufst“.

    Vielleicht wird aus dem Pferdekutscher dann ein super Autoverkäufer aber deswegen gibts dann auch irgendwann keine Pferdekutschen mehr.

  1. 5. März 2014

    […] geschafft. Könnte, hätte, wäre und dabei null Ahnung von der Materie. Fachlich hat sich Alexander Graf dem Thema kurz angenommen. Danke dafür! Ich persönlich neige bei so viel sinnlosen Phrasen immer zu […]

  2. 6. März 2014

    […] Diese Frage, nein diese Behauptung stellt Thomas Koch in einem aktuellen Beitrag in der Wirtschaftswoche in den Raum. Im E-Commerce ist Thomas Koch bisher nicht (RT @supergraf: Ist das E-Commerce Wachstum nur begrenzt?  […]

  3. 12. März 2014

    […] Ist das E-Commerce Wachstum nur begrenzt? Die Milchmädchenwelt […]