MyDealz – Fluch oder Segen für den Handel?

Aktion! Button, IconBis zur K5 Konferenz in diesem Jahr in München dachte ich noch, dass MyDealz a) ein große Dealseite mit täglichen Preisfehlermeldungen ist und b) das dahinter ggf. ein paar hundert Leute als Community stehen. Der MyDealz Gründer Fabian Spielberger konnte diese Sicht in einem Vortrag bei der K5 sehr deutlich zurechtrücken. Zum einen sprechen die Zahlen mit über 500 Millionen Page Impressions pro Monat (komplettes Pepper Netzwerk) eine sehr deutliche Sprache. Hinter Amazon, ebay, Zalando und idealo.de ist mydealz nun die am häufigsten aufgerufene E-Commerce Seite in Deutschland. Zum anderen hat sich bei der K5 ein gestandener E-Commerce Manager beim Dinner als Superuser geoutet, der tausende Kommentare bei mydealz geschrieben und hunderte Deals eingestellt hat. Nix also mit kleiner Nischenseite von ein paar Freaks.

MyDealz ist ein sehr mächtiger Katalysator, vor dem jede Marketingabteilung mit schlecht gepflegter Gutscheindatenbank zittert, über die sich Großhändler freuen die mal schnell 1000 Tablets in einer Stunde verkaufen wollen und die ein Wikipedia artige Community hat, die MyDealz mal lieben und mal hassen. MyDealz könnte wahrscheinlich ohne weiteres ein technisches Siegel für Online Shops verkaufen in die richtige Konfiguration von Gutscheinen getestet wird. Nun habe ich Fabian im bisher längsten Kassenzone.de Interview überhaupt befragen können, wie sich Händler und/oder Hersteller die Seite nutzbar machen können ohne plumpes Spamming („Der Conrad Fall“). Diese Frage ist deshalb so spannend, weil MyDealz in der Gafa Welt eine spannende Alternative ist. Die Seite hat überwiegend organischen Traffic mit hunderttausenden Nutzern die jeden Tag dorthin kommen ohne konkretes Kaufinteresse – analog zum Shoppingclub Modell. Zudem hat man dort die Möglichkeit als Händler und Hersteller direkt mit den Kunden zu sprechen. Das Kommentaraufkommen ist riesig und einige Händler machen da einen guten Job, auch wenn sie mal wieder bei einem Gutscheinfehler erwischt wurden. Man kann das sich das zu Nutze machen, und im Gespräch stellen wir legale und grenzwertige Optionen vor, um das zu tun. Seit gestern promoted MyDealz einige Deals auch per Whatsapp. Ein Wink mit dem Zaunpfahl für Händler die ihre Seiten noch primär für Desktop Rechner und Tablets entwickeln.

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6 Gedanken zu „MyDealz – Fluch oder Segen für den Handel?

  1. Gutes Interview – definitives Zukunfts-Thema Alex!
    Mydealz ist ja durch K5 und jetzt das Kassenzone-Interview sozusagen offiziell zu den Big Playern (in einem Satz mit GAFA zu stehn ist bei Alex schon eine Kunst;))

    Aber natürlich existiert Mydealz schon länger (die Traffic-Zahlen sind ja nicht aus dem Himmel gefallen über 1-2 Jahre)

    „Social Layer“
    Social E-Commerce wird fälschlicherweise immer noch mit dem teilen und Liken von Produkten auf Facebook verwechselt. Klar gibt es unterschiedliche Zielgruppen und auch Produktbranchen, aber Mydealz hat eine viel größerer soziale Komponenten als FB, auch was den Austausch über Produkte (Wikipedia, Abraten von Käufen, etc.) betrifft.

    Deal-Temperatur
    Die Deal-Temperatur + Kommentare sind letztendlich eine Bewertung , aber mit starker Preis-Abhängigkeit. Diese Preisabhängigkeit ist bei Amazon z.B. nicht der Fall.
    Bewertungen, egal ob Amazon oder Mydealz sind mehr oder weniger objektiv und auch manipulierbar. Hier wird und muss Mydealz (Fall Conrad) ebenso wie Amazon langfristig Lösungen finden. Der Bedeutung (der Bedarf wurde durch eine loyale Nutzerbasis längst bewiesen) von Mydealz und dem Community Gedanken kann das langfristig meiner Einschätzung nach nicht nachhaltig schaden. Skandale werden hier v.a. zu besseren Erkennung von Fake-Profilen führen.

    Preisalarm – Next Level
    Was ist Mydealz letztendlich, bzw. in welche Richtung kann es sich entwickeln? Durch die Individualisierung und auch Ansprache bei Suchergebnissen (APP etc.) wird Mydealz immer mehr zum Echtzeit-Preisalarm, wie man Ihn von Preisvergleichsseiten kennt. Andere Funktionen werden in Zukunft auch integriert werden könnnen. Mich würde es deshalb nicht wundern wenn das Buzzword „disruptiv“ auch zukünfitg im Mydealz-Themenfeld aufschlagen würde.

    Aus einer dealweisen gebündelten enormen Kaufkraft ergeben sich diverse Risiken für Händler und Hersteller, die man nicht kleinreden sollte. (Mydealz Auswirkungen auf Preisfehler bei Notebooksbilliger und Cyberport 2014) Deinen Rat Alex, sich proaktiv und präventiv mit dem Thema mydealz zu befassen, finde ich daher absolut richtig.
    Dies betrifft nicht nur „große“ Händle und Hersteller…

    Fazit:
    Das Thema ist nach wie vor erst in der Entwicklungsphase, weil der User-Zugang schlicht unzählige Entwicklungen ermöglicht.

  2. Ich bin selbst seit Jahren Mydealzer und kann ergänzend zum „Admin“ Fabian nur sagen, es ist für Händler Fluch und Segen zugleich. Segen, um geplante Angebote und Aktionen zu verbreiten – effektiver (=schneller und billiger, mit maximaler Ansprache der Zielgruppe) als es jede klassische Werbeagentur schafft (auch jene die social media etc bespielen). Fluch für jene, die sich dabei verkalkulieren oder sonstwie ihre Prozesse nicht im Griff haben (Bug bei Gutscheincodes, hinterher hinkende Warenwirtschaft die noch Bestellbestätigungen für Sonderposten verschickt die eigentlich schon abverkauft sind und nun teuer nachbestellt werden müssen oder man alternativ Ärger mit Kundschaft bekommt, etc).

    Solch einem Katalysator gehört die Zukunft. Aber es braucht keiner denken, solch eine Community manipulieren zu können, dort gibt es reichlich gewitzte User, bis hin zu Insidern, die da ein sehr feines Gespür haben, Anbieter die gedacht haben, das sei nur eine weitere Reflinkfarm die man aktiv bespielen kann, mussten erfahren, dass das enormes backfire gab.

    Also auf den Punkt gebracht: Effektivitätsmeister, null Kontrolle darüber wie sich Beurteilung eines „Deals“ durch die Community entwickelt, krasse Auslese – attraktive Deals und Anbieter die ihr Handwerk beherrschen können durch die Decke gehen, umgekehrt werden auch große Anbieter die patzen rasch an ihre Grenzen gebracht und bekommen alle ihre Schwächen erbarmungslos offenbart. Nichts im Internet kommt der Theorie von der unsichtbaren Hand des Marktes so nah.

  3. Pingback: Wie MyDealz kürzlich auch Getdigital ins Schwitzen brachte | 10 Jahre Exciting Commerce

  4. Also als Modehändler habe ich eigentlich nicht die besten Erfahrungen mit den Kunden, die von Mydealz kommen. Die „normalen“ Kunden, die über Newsletter etc. kommen, fabrizieren ganz humane Retourenqouten, die Mydealzer sind da deutlich unangenehmer in Sachen wie dämliche Fragen vor dem Kauf, pingeligste Rückabwicklung (aber natürlich nur, wo es um den eigenen Vorteil geht, wie bei geforderten Rückzahlungen bevor die Ware wieder da ist. Wenn mal jemand dabei war, der getragene Ware zurückgab, dann kam der mit größter Wahrscheinlichkeit von dort), und wie gesagt auch Retourenquote. Also den Umsatz nimmt man natürlich gerne mit, aber das sind die abgebrühtesten unter den heute vorhandenen Onlineshoppern. Immerhin konsumsüchtig, aber totale Sparbrötchen. Da wird man sich ordentlich strecken müssen, wenn man die regelmäßig begrüßen will – falls man das will.

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