Das Ende des stationären Handels wird weiterhin bestritten

Wir bleibenIch muss zugeben, dass ich bei meinem Vortrag im Rahmen des hervorragend organisierten Handelsimmobilienkongresses 2014 in Berlin die Befürchtung hatte, nur noch Banalitäten aus Sicht der Zuhörer zu verkünden. Nichts liegt mir ferner als Konferenzgäste zu langweilen. Das können andere viel besser als ich. Aber die kürzlich erschienene Pressemeldung des HDE – dem Sprachrohr des (stationären) Handels – war erschreckend eindeutig in ihrer Aussage. Sie spiegelte bereits 1:1 meine Thesen:

„Der boomende Online-Handel sorgt dafür, dass viele oft seit Jahrzehnten bewährten Konzepte im stationären Handel neu gedacht werden müssen“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Vor allem in den Innenstädten seien neue Ideen und Konzepte gefragt. Denn der Online-Handel sei bislang insbesondere mit innenstadttypischen Produkten erfolgreich.

Dazu hat mit Alain Caparros, CEO Rewe Group, ein echtes Handelsschwergewicht in letzter Zeit mehrfach betont, dass der Onlinehandel den stationären Modellen in Zukunft das Leben schwer machen wird. Man müsste etwas tun. Man müsste zumindest ernsthaft experimentieren, auch wenn heute noch nicht ganz klar ist, was morgen funktionieren wird.

Caparros will auch das Online-Geschäft ausweiten. Einerseits, um Anbietern wie Amazon die Stirn zu bieten, aber auch um Marktführer Edeka zu überholen. Derzeit liefert Rewe Online in sieben Städten Waren aus den Filialen. Rewe beteiligt sich deshalb – wie Konkurrent Tengelmann – an Internetfirmen, um von den „verrückten Nerds“ zu lernen, so Caparros. Er fordert ein Umdenken im eigenen Konzern. Die „hemdsärmeligen Händler“ müssten davon überzeugt werden, dass Rewe die „Internet-Jungs“ brauche und deshalb finanziere. „Sie sind unsere Zukunft.“

Meine Furcht war unbegründet. Einige der ca. 200 Teilnehmer fanden doch ausreichend Möglichkeiten, sich am meinen Thesen zu reiben. Mein nachfolgender Redner, Lovro Mandac, der CEO von Kaufhof, hat sich dieser in seinem Vortrag sofort angenommen und das stationäre (Kaufhof) Modell munter verteidigt. Ich habe zwar meine Zweifel, dass sich aus der 125-jährigen Unternehmenshistorie von Kaufhof, dem Hinweis auf zwei überstandene Weltkriege, der Forderung nach Waffengleichheit („Samstags 22.00 Uhr muss halt die Daddelkiste ausgemacht werden.“), der Belustigung über sogenannte „Experten“ und diversen Hinweisen auf die soziale und architektonische Funktion von Kaufhäusern in Städten auch nur ansatzweise begründen ließe, warum dieses Handelsmodell nicht durch den E-Commerce bedroht ist, aber fairerweise sieht Herr Mandac meine Argumente andersherum sicherlich ähnlich zweifelhaft.

Zu meiner großen Freude hat Dr. Christian Mielsch, Finanzvorstand der Rewe Group, der den erkrankten Alain Caparros vertreten hat, im Anschluss von Lovro Mandac einen denkwürdigen Vortrag zur Zukunft des stationären Handels gehalten. Sinngemäß:

„Wir fragen uns, welche Konzepte in Zukunft an den Standorten neben Penny & Rewe für Frequenz sorgen, wenn Schuhhändler, Drogerien und Technikmärkte ihren Umsatz an das Internet verlieren.“

Das sind u.a. die Themen, die wir in wenigen Wochen auf der K5 Cruise in illustrer Runde diskutieren werden. Das wird großartig. Wenn nicht, gehen wir halt alle in den Vergnügungsbereich des Schiffs. Wer wissen will, mit welchen Charts Lovor Mandac nicht 100%-ig einverstanden war, der kann sich hiermit auch selber ein Bild von der Präsentation machen. Ich habe zum einfacheren Verständnis die Folien mit kleinen Sprechblasen kommentiert.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Handel von Alexander Graf. Permanenter Link des Eintrags.

Über Alexander Graf

Alexander Graf ist Geschäftsführer von Spryker Systems, einem Joint Venture, das er im November 2014 zusammen mit Nils Seebach und Project A Ventures gegründet hat. Er verantwortet das Business Development und die Strategie des Technologie-Anbieters mit Sitz in Hamburg. Er ist zudem Gründer des größten europäischen Netzwerkes für digitale Unternehmer eTribes. Sein neues E-Commerce Buch wurde schon über 2.000x verkauft. Auf über 300 Seiten erklären Alexander Graf und Holger Schneider darin alle wichtigen Zusammenhänge zu Marktanalysen, Geschäftsmodellen und Strategien im E-Commerce. Er kann als Speaker und/oder Pausenclown gebucht werden. alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

18 Gedanken zu “Das Ende des stationären Handels wird weiterhin bestritten

  1. Es ist schon erstaunlich: Trotz des E-Commerce-Wachstums setzen Immobilienentwickler und auch Einzelhändler immer noch auf die Ausweitung ihrer Filialnetze (siehe Ikea, siehe Weltbild und die Diskussionen ums Filialnetz). Ich bin mir sicher, der stationäre Handel wird nicht sterben, aber er wird sich auf seine Stärken konzentrieren müssen – und die sind: Persönliches Gespräch, Erleben mit allen Sinnen, Athmosphäre. Sie könnten in Zukunft auch sein: Kontakthof, mehr Erleben, anderes Erleben, persönlicher Austausch. Das alles bietet der Online-Handel nicht, kann er nur indirekt bieten.

    Städte- und Regionalplanerisch sowie auch architektonisch wäre eine Schrumpfkur des Handels durchaus wünschenswert: Städte könnten wieder ihr individuelles Gesicht zurückgewinnen, wenn nicht mehr überall die stets gleiche Einkaufsmeile aus Zara, Karstadt/Kaufhof, DM, Footlocker, Pimkie, H&M, C&A garniert mit Starbucks oder Coffeshops in Beton und Glas gegossen würde. Und auch auf manches Einkaufszentrum auf der grünen Wiese könnte vielleicht zugunsten von Wald und Wiese verzichtet werden, wenn Drogeriemärkte, Baumärkte, Foodoutlets, Lebensmittel- und Billigschuh- oder Klamottenhändler intensiver nachdächten, ob die neue Filiale wirklich gebraucht wird und das notwendige Wachstum erbringt.

  2. Ich sehe es ähnlich wie Frau Vieser.

    Das Flächenwachstum ist damit zu begründen dass in erster Linie für die Aktionäre Hauptsache der Umsatz steigen soll bzw nicht sinken soll.

    Sieht man sich in einer Statistik seit 1999 den Umsatz pro Fläche an, bzw wie es so schön heisst..flächenbereinigte Umsätze…dann hat der Einzelhandel da stark zu kämpfen.

    Das ist eben dann auch das Risiko der großen Ketten…. vereinfacht dargestellt:

    Hat eine Filialkette x mit einer Filale mit 1000qm Fläche jeweils 2000€ je qm Umsatz erwirtschaftet und dabei eine Gewinnspanne von 20%…nimmt diese Spanne mittlerweile immer mehr ab um so mehr Wachstum benötigt wird. Wenn dann mit 2000qm Fläche jeweils nur noch 1750€ je qm erwirtschaftet wird…sinkt vielleicht die Spanne immer weiter….bis auf wenige %.

    Das ist in der Masse schön und gut, schliesslich kann man das mit immer neuen Filialen und immer mehr Fläche dennoch rentabel betreiben.

    Genau dieses System zeigt dann aber auch seine Anfälligkeit….bricht hier nur 10% vom Umsatz weg oder erhält das Wachstum nur eine leichte Delle….tja.

    Das passiert mir als kleinen Einzelhändler nicht. Für mich ist ein Jahr in dem ich mal 20% mehr Umsatz habe ein Grund zur Freude. Allerdings sind für mich diese 120% im nächsten Jahr nicht zwangsläufig die neuen „100%“ auf denen ich mich orientiere und für die ich dann meine Fläche vergrößert habe und neue Mitarbeiter eingestellt habe.

    Fällt mir ein Umsatz dann weg, juckt mich das natürlich auch, es gefährdet mich aber nicht.

    Ausführlich erklärt nun, aber ich glaube dass dies einer der Gründe ist. Vielliecht sollte Alexander mal , sofern die großen Konzerne in Ihren Statistiken das überhaupt ausweisen …einmal eine Statistik machen:

    Umsatzwachstum und Umsatzwachstum flächenbereinigt von MediaMarkt, Saturn, Expert, Euronics usw usw…..gabs hier und dort schon und zeigt dann auch gut die Probleme auf.

  3. Hallo Alexander,

    das sind 12 wirklich interessante Folien, von denen ich 11 voll und ganz zustimme. Leider hat sich eine mangelhafte Folie eingeschlichen, deren Aussage im hohen Kontrast zu ihrem Wahrheitsgehalt steht.

    Lange Rede kurzer Sinn. Die Folie 6 einfach weglassen dann ist alles super.

    Mit der Folie 6 hättest du bei uns nur einen letzten, feuchten Händedruck bekommen.

    Viele Grüße, Rolf

    • Es wäre wirklich toll, wenn Multichannel so funktioniert wie Händler sich das vorstellen. Die Kausalkette „Max Mustermann kauft bei mir stationär, deshalb kauft er bei mir auch im Onlineshop.“ ist kaum nachweisbar. Die Folie bezieht sich ja auf den Medienbruch zwischen Distanz- und Stationärhandel.

  4. Hallo Alexander, ja, das Sterben geht weiter (ich spreche wieder für die Modebranche)
    1. Schock für die 1400 Mitarbeiter des Warenhauskette Strauss Innovation. Das Unternehmen steht vor der Insolvenz!…hatten wir schon.

    Und der Clou dabei: Strauss selbst schiebt die Schuld an der Misere aufs Wetter….see more at http://www.bild.de/geld/wirtschaft/strauss-innovation/strauss-innovation-vor-der-insolvenz-34462090.bild.html

    2.Unser Dauerbrenner: Karstadt-Beschäftigte müssen erneut um ihre Arbeitsplätze bangen. Der Aufsichtsratschef der Warenhauskette will endlich bessere Zahlen sehen und schließt auch Filialschließungen nicht aus. – See more at: http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Wirtschaft/d/4206490/karstadt-stellt-alle-filialen-auf-den-pruefstand.html#sthash.7U4KFPHk.dpuf

    Die Begründung mit dem Wetter mag ich jetzt nicht kommentieren…

    Dennoch schreibe ich das Sterben des Stationärhandels nicht so einfach auf das Konto E-Commerce. Das ist mir zu einfach und die Denkfaulheit und Opferrolle geht weiter. Hinter dem Sterben stehen ganz vorne mal zunächst klassische Managementfehler und verfehlte Sortimentspolitik, komplett an Markt und Zielgruppe vorbei. Einzelhändler sind seit Jahr(zehnten)en gewohnt, sog. Flächenmanagement zu betreiben und ihre Flächen an die Markenanbieter“outzusourcen“ (sollen die doch sehen, wie sie da Umsatz machen). So reihen sich in den Kaufhäusern immer die gleichen Brands aneinander, die auch schon die Einkaufsstrassen beherrschen (Esprit, Street One, Tom Tailor, etc). Das echte Einkaufen, dem Kunden Erlebnisse und Kaufempfehlungen zu vermitteln, in dem man Marken mixt und Story-Telling betreibt, wurde verlernt. Stationärhändler haben ihre Sortimentskompetenz verloren bzw. abgegeben. Jetzt fangen sie an, verzweifelt neue Brands zu suchen, um wieder individueller zu werden, vergessen aber ganz gerne in der Hektik ihre Zielgruppe.

    So läuft es nicht.

    Denn, ja , sie müssen umdenken, sich neu erfinden, vom E-Commerce „lernen“ und nicht wegen E-Commerce sterben. Gute Konzepte müssen übertragen werden, es geht schlicht darum, den E-Commerce auf die Strasse zu bringen. Das heißt nicht, mit Ipads durch den Laden rennen und cool sein. Das heißt auch nicht, nur Showroom zu sein. Es ist die Verschmelzung von neuen Sortimentskonzepten + geschickter Einkaufspolitik + E-Commerce Denkweise = Neuerfindung. Showrooming ist ein ganz anderes Thema…
    Gruß
    Sylvia

  5. Ich bin Verkaufstrainer für den Einzelhandel. Der Einzelhandel kann es dem Internet schwer machen.
    Ich bin fest davon überzeugt, nein ich weiß es, dass der Einzelhandel wieder kommen wird, wenn Entwickler, Händler und auch die Städte es verstehen, den Einkauf auf eine dauerhafte Basis zu stellen. Dies fängt an bei einer gutdurchdachten Infrastruktur. Desweiteren darf sich der Einzelhandel den Social Media nicht verschließen. Mit Social Media hat der Einzelhandel ein mächtiges Werkzeug an der Hand, mit dem er seine Kunden gezielt zum Verkaufspunkt leiten kann. Und zwar nicht durch plumpe Werbung, sondern durch echte und authentische Kommunikation mit seinen Kunden. Am Verkaufspunkt muss den Kunden ein Unterhaltungsprogramm inszeniert werden, welche echte Begeisterungsstürme entfacht. Das wiederum macht Kunden zu Fans und sie berichten darüber im Netz. Durch diese Mundpropaganda schöner Kauferlebnisse entstehen neue Käuferschichten.Dazu bedarf es ausgeklügelter Verkaufssysteme, und Verkaufspersonal, das sich mit diesen Verkaufssystemen integriert. Auf meinem Blog habe ich schon einige Artikel darüber geschrieben.
    Thomas Haag

  6. Theoretisch klingt das ja klasse, aber wie soll das praktisch aussehen ?
    Sorry, aber das ist so, als wenn damals nach der Erfindung des Automobils die Kutschenbauer sagen würden, dass sie sicher sind, das Kutschen zurück kommen. Man muss einfach schnellere Pferde erfinden, die sich leicht züchten lassen und keinen Mist mehr auf den Strassen hinterlassen. Man muss Kutschfahrten zu einem Erlebnis machen, welches ein Auto nicht bieten kann.

    … naja in den Touristenstädten hätte man damit zumindest ein klein bißchen recht gehabt 😉

    Der Einzelhandel versteht E-Commerce und Internet schon gar nicht, wie soll er dann den Spagat zwischen Social Media und einem Offline-Einkaufserlebnis hinbekommen ?

      • Lieber Herr Haag,

        Sie bewerben Ihre „Events“ ja hier ganz euphorisch. Das ist ok, aber dann fände ich es fair, wenn Sie mir mal den Kontakt mit dem im Link genannten Möbelhändler herstellen. Dann möchte ich mich mal mit diesem darüber unterhalten was genau das Event nachhaltig bei ihm bewirkt hat und wie sich die Vollkosten (inkl. Ihres Honorars) des Events gegenüber dem Zusatzertrag verhalten. Wenn es so gut war, dann müsste der doch aus dem Abhalten von Events gar nicht mehr rauskommen.

        Beste Grüße
        Alexander Graf

  7. Hallo Herr Graf,
    wenn mein Bericht und der dazugehörige Link als plumpe Werbung herüberkam, so war dies bestimmt nicht meine Absicht. Ich wollte nur auf den Bericht von Kai M. erklären, dass ein Spagat zwischen Social Media und Einzelhandel möglich ist. Mit Erfolg war auch nicht vordergründig der finanzielle Erfolg gemeint, sondern die Kundenbindung .Diese war nach den Events höher,
    was sich an den höheren Nachbestellungen (Pflegemittel, Beistelltische usw.) herausstellte. Dies führten wir auf die hohen Aktivitäten in Social Media zurück.
    Gruß
    Thomas Haag

    • Die Werbung finde ich unproblematisch. Sie ist ja durchaus sachbezogen. Ich glaube aber nicht an den von Ihnen genannten Kundenbindungseffekt. Er ist mE nicht nachhaltig und mit hoher Sicherheit nicht kostendeckend sein. Aber das ist (nur) meine These. Nun brauche ich nur noch Ihr Intro 🙂

  8. Ich möchte das mal anders formulieren:

    Ich kann gut erklären was den Kunden ein Erlebnis beschert. Wenn der Verkäufer auch wieder ein echter Verkäufer ist und keine Marionette der Geschäftsleitung.

    Ich sag meinen Kunden ganz einfach , ich muss Ihnen tatsächlich nicht das oder das oder das verkaufen. Ich kann in Bezug auf Elektro bzw Computer ihm sagen: Ich verkauf dir Win7, ich verkauf dir Win8 , aber ich repariere auch gerne vorher den alten Computer. Ich sag dem Kunden oft genug mittlerweile, “ ich muss ihnen nich das eine oder andere aufdrängen, bei mir steht kein Abteilungsleiter hinter dem Regal und sagt schau dass du das oder das verkaufst“.

    Und da dies keine Lüge ist, glauben mir die Kunden das auch…da es auch die pure Wahrheit ist. Natürlich habe ich es nötig aufs gesamte Jahr gesehen etwas zu verdienen….aber ich habs im Zweifelsfall nicht nötig an diesem und jenem Auftrag unbedingt etwas zu verdienen. Ich biete dem Kunden das was für den Kunden richtig ist und nicht das bei dem ich erstmal mehr verdiene.

    Die Kunden sind meist sehr überrascht über meine Art wie ich mit dem Tehma umgehe, weil ich insgeheim das offen im Verkaufsgespräch anspreche was die Ängst und Sorgen der Kunden sind („muss der mir jetzt wirklcih win8 verkaufen etc….) und das kommt sehr gut an. Ich verhalte mich also anders als es mitunter in einem Lehrbuch für Verkäufer steht. Diese Lehrbücher haben auch nur noch bedingt etwas auszusagen…der Kunde ist heutzutage deutlich informierter und wenn er einmal beschissen wurde, wird er den Laden meiden.

    Jetzt kommt das große ABER

    Das oben genannte gilt vielleicht für ne Klitsche wie mich.

    In der Regel sind viele Verkäufer mit niedrigsten Löhnen gefrustet. Was verkauft wird oder verkauft werden soll bestimmt mitunter die Geschäftsleitung mehr denje. Vor allem in meinem Elektronikbereich haben sich die ganzen Herzblutverkäufer schleichend ab dem Wegfall des Rabattgesetzes um die Jahrtausendwende in andere Branchen verabschiedet.

    Die Abteilungsleitung sagt was weg muss…und spätestens wenns für gewisse Gerätegruppen oder Marken ein paar Euro Zusatzprämie bekommt (oft nur wenige Euro pro z.B. Fernseher) läppert sich das aufs Monatsende und entscheidet ob man 1400 brutto oder wenigstens 1800 brutto als mancher Juniorverkäufer in inbesondere dem harten Elektronikmarkt-Bereich verdient.

    Ich glaube diese Tatsache ist noch entscheidender als jedes Einkaufserlebnis. Dieses angesprochene Einkaufserlebnis können sich eh nur große Märkte leisten..für nen 30qm Laden ist es mitunter schwer im großen Stil ein Einkaufserlebnis zu leisten..das bestimmt mitunter die Person die den Laden führt.

  9. Pingback: Der sterbende Einzel- und Online-Handel – Zwei Seiten derselben Medaille | regital

  10. Prinzipiell glaube ich nicht dass E-Commerce aktuell das „Handeln“ besser (also auf eine neue Evolutionsstufe) macht als der Stationärhandel. Er macht es aber auf keinen Fall schlechter und nutzt genau die Punkte aus, welche die Stationärhändler in den letzten Jahren/Jahrzehnten kümmerlich vernachlässigt haben: nämlich sich um die Bedürfnisse der Kunden zu kümmern. Den Kunden also nicht als Leistungsempfänger, sondern als Auftraggeber zu sehen.

    Und diese Bedürfnisse sind (wie Bezos schon immer predigt): Price, Convenience, Selection.

    Alles Punkte in denen der Stationärhandel kein Best Practice ist und insbesondere im Vgl. zum E-Commerce massiv Federn lassen muss:

    Price: Preisvergleiche sind umständlich bzw. für den Kunden mit Aufwand verbunden
    Selection: Ladenfläche ist nunmal bgrenzt
    Convenience: Öffnungszeiten (nicht von ungefähr sind die besten Online-Shoppingphasen zwischen 18-21/22 Uhr und am Sonntag).

    Das einzige was dem Stationärhandel noch zugute gehalten werden kann ist Sofortige Verfügbarkeit und Emotion/Beratung. Doch wie wichtig ist das den Kunden? Wieviele Artikel/Warengruppen gibt es denn die ich wirklich sofort brauche? Reicht es nicht auch die Ware 1-2 Werktage später zu haben (und dann noch direkt nach Hause geliefert zu bekommen). Man kauft doch in den seltensten Fällen nachmittags ein Kleidungsstück, dass man abends anzieht. Und wo ist denn noch Beratung wichtig? Ich wette dass in ca. 90% aller Käufe in stationären Filialgeschäften (und die repräsentieren aktuell den Stationärhandel) keine explizite Beratung (vor Ort) notwendig war.

    Aktuell sehe ich großflächig kein Argument, welches den Stationärhandel ggü. dem E-Commerce langfristig gesehen überleben lässt. Insbesondere aus Kundensicht!

    Ich halte Online-Anteile am Gesamthandel mit 30% für nicht unrealistisch. Mit allen entsprechenden Auswirkungen und reihenweisen Ladenschließungen, Insolvenzen und Co. Das ist im Einzelfall bitter, aber der Lauf der Zeit. Aber die schöpferische Kraft der Zerstörung wird auch die Innenstädte nicht veröden oder aushungern lassen.

    Sagen Sie nicht man hätte Sie nicht gewarnt!

    P.S.: Natürlich gibt es Ausnahmen! Sowohl online (schlecht gemachte Online-Shops, die keiner braucht) als auch offline (wirklich exzellente Beratung mit Leib und Seele). Und auch der E-Commerce hat noch einige Baustellen (Logistikketten; Inspirative Wirkung) Meine Ausführungen sind bewusst an manchen Stellen zugespitzt und bezogen sich eher auf das „Big Picture“.

  11. Der Pingback Artikel dazu ist auch ganz interessant. Viele vergessen wirklich dass auch dutzendfach Onlineshops kommen und gehen.

    Was auch gern vergessen wird…braucht es denn künftig von jedem „Genre“ dutzendfach gleichgeschaltete Shops?

    Man stelle sich nur vor man hätte bereits Anfang der 90er Jahre jeden der Supermärkte wie heute „Real, Kaufland usw..“ in ganz Deutschland per „Beam-Funktion“ binnen wenigen Sekunden erreicht!? Wieviele hätten damals überlebt und wieviele das sinkende (Raum-) Schiff verlassen.?

    Der reine Transaktionsgehilfe im Netz muss also hocheffizient und / oder systemrelevant sein oder er muss mehr als nur transaktionsgehilfe sein..sondern statt größtenteils fertiger und vergleichbarer Ware …dann eigene Produkte anbieten. Dies kann mitunter auch „fertige Ware“ sein die durch aussergewöhnliche Zusatzleistungen zu einem eigenen Produkt wird (in den meisten Bereichen sehr schwierig)

  12. Bei Etailment hab ich hierzu geschrieben, was ich auch in vielen Berichten hier schon in ähnlicher Form erzählte:

    Ich betreiber selbst einen Computerfachhandel…eigentlich der Inbegriff der sterbenden Einzelhandelsgeschäfte. Jedoch seh ich mich nun nicht mehr als klassischer Einzelhändler, sondern habe den Dienstleistungsanteil in den letzten 3 Jahren verdreifacht.

    Ich sehe hier beide Seiten. Ich selbst arbeite eigentlich auch nahe zu immer…und sei es nur dass ich hier schreibe und mir über die Entwicklung meines Geschäfts Gedanken mache.

    Mir geht es genauso, auch aufgrund der Bequemlichkeit und weil ich selten vor 19 Uhr aus der Firma komme…bestelle ich sehr viel online. Das meiste sind Eigenbedarfsartikel für die Firma, da ich hier sehr oft spezielle Bauteile benötige die es mitunter in meiner Kleinstadt nicht mehr gibt.

    Seit meiner Ausbildung in einem Elektronikgeschäft ab Ende der 90er habe ich den gesamten Bereich bestens im Blick und habe mich bereits als Azubi früh im Detail dafür interessiert. Ich erlebte wie 2001 der Wegfall des Rabattgesetzes das Kaufverhalten stark umkrempelte. Ab diesem Zeitpunkt war es in Mode bereits sofort davon auszugehen dass jeder nicht nachgehandelte Preis eine „Abzocke“ wäre. Die Medien und später auch „Geiz ist geil“ Kampagnen haben ihr übriges getan.

    Was sich seit 2010 massiv geändert hat und quasi in halbjährlichen Etappen perfekt zu beobachten ist, ist die Erwartungshaltung der Leute:

    Anhand meines Geschäftes würde ich grob umreissen:

    Zwischen 2005 und 2010 haben die Leute die Erwartungshaltung…warum habt ihr dieses „Spezialkupplungs-zubehör“ nicht lagernd?

    Seither, insbesondere seit 2005 passen die gesamten immergleichen Ketten usw Ihr Sortiment auf MainStream an…. alles was ein bisschen Spezial ist, wird nicht mehr hergelegt.

    So kommen die Leute jetzt schon in den Laden und sagen „Naja den Spezialkuppler werdet ihr eh nicht da haben oder? bzw ihr seid meine letzte Hoffnung, ich war schon in 3 Märkten…“?

    Und hier möchte ich sagen, ich verabschiede mich vom Laufkundenprinzip (was ich noch nie klassisch war) und schaue dass ich mit eingeschränkten Öffnungszeiten lieber für einzelne Kunden flexibler bin.

    Was ich damit sagen will: Die Leute spüren und merken ganz massiv dass die Produkte in Innenstädten immer mehr auf Mainstream ausgelegt weredn und man Spezialkram höchstenfalls in Großstädten in eigenen Läden bekommt. Eben dort wo es früher schon lohnte aufgrund der Größe.

    Und so dreht sich der Teufelskreis immer weiter…die Leute erleben dahingehend immer mehr Enttäuschungen und überlegen sich beim nächsten mal genau, ob selbige nach 3 gescheiterten Suchen in der Innenstadt…nicht gleich online bestellen.

    Meine Eltern und viele auch ältere Leute in meinem Verwandten und Bekanntenkreis setzen das seit 2010 ähnlich um. Die Argumente sind dazu immer gleich:

    Ach das Friseurhaarspray gibts bei Amazon im 3er pack für 18 €, beim Friseur kost eins schon 11,95 €

    Ach dieses Hundefutter krieg ich nur online , hat ja keiner mehr .

    Was mich dabei selbst nervt:

    Natürlich würde ich als Händler jedes Geschäft mitmachen. Die Leute sagen der Einzelhändler soll sich alles lagernd legen und Spezialkram, dann würde man auch kaufen. Aber das rechnet sich nicht!

    Lieber Kunde, glaubst du wirklich ich oder jeder andere Einzelhändler der wirklich Kaufmann ist, würde sich etwas nicht herlegen wenn es lohnen würde und Nachfrage besteht.

    Vom Kunden kommt sobald man das Wort „Bestellen“ erwähnt, meist natürlich „Bestellen kann ich auch selbst“.

    Daher spezialisiere ich mich aktuell auf Dienstleistungen, individuelle PCs und Notebooks und ganz spezielle Produkte. Wenn ich normale Handelsware habe, dann meist Aktionsware die ich punktgenau als Posten mit sehr gutem Preisvorteil einkaufe….Ware die selbst (gerade im IT Bereich wichtig) selbst nach 2 Monaten noch in jedem Falle mit Gewinn zum konkurrenzfähigen Internetpreis verkauft werden kann.

    Normale Bestellware wie der xte Canon Drucker etc, habe ich größtenteils nicht mehr im Sortiment und habe auch kein Problem die Kunden in die Märkte weiterzuschicken. Das sind vergleichbare und austauschbare Artikel

    Klar besteht Nachfrage, aber ich kann nicht jedes Bauteil usw mir lagernd legen… online kann ich jedes Bauteil anbieten und teils direkt versenden lassen oder mir binnen 1 Tag vom Lieferanten selbst zuschicken lassn und wieder weiterversenden.

    Kurzum: Es wird sich in Zukunft selektieren. Viele Produkte sind quasi direkt vergleichbar (Bücher, „fertige Markenprodukte“) und hier wird vieles zu online hin abwandern.

    Für Spezialkram und allgemein „Artikel die erst beim Händler zum fertigen Produkt werden“ hat der Einzelhandel auch weiterhin gute Chancen.

  13. Pingback: Ist das E-Commerce Wachstum nur begrenzt? Die Milchmädchenwelt | Kassenzone

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.