Quo Vadis Shopware & Bepado

Die Stimmung nach dem Shopware Community Day 2013 könnte besser kaum sein. Die Veranstaltung war großartig organisiert. Die Besucher fanden es kurzweilig und die Berichterstattung ist durchweg positiv bis euphorisch. Roman Zenner unterstreicht die Vernetzungsaspekte des Events und der Software. Bei t3n kann man noch mal sehr detailliert die Infos aus der Keynote nachlesen und Jochen Krisch stellt offen die Frage, wer Shopware jetzt noch aufhalten will. Das Shopware Team kann sich also verdient auf die Schulter klopfen. Müssen nun doch noch alle Magento/Oxid/Presta Agenturen ihre Aufmerksamkeit gen Shopware richten? Haben die avisierten Shopbetreiber nun gar keine andere Wahl mehr? Ist Shopware nun das neue Magento? Die Suchtrends bei Google lassen das zumindest vermuten, wenn man sich nur den deutschen Markt betrachtet.

Shopware gehört zu den populären Shopsystemen

In einem launischen Artikel vor einem Jahr habe ich behauptet, dass Shopware das damals bereits beste Shopsystem am Markt ist. Ein Honeypot für Magento Lover und Shopware Hater. Es gibt natürlich nicht das beste Shopsystem für alle, so wie es auch nicht das beste Essen, das beste Auto oder die leckerste Wurst für alle gibt. Trotzdem ist so ein spitz formulierter Artikel eine schöne Quelle für interessante Meinungen und Feedback zu den einzelnen Systemen – das hat in diesem Fall sehr gut funktioniert. Um es vorweg zu nehmen: Die Wahl des Shopsystems sollte für keinen Shopbetreiber an erster Stelle stehen, sondern die Wahl des Geschäftsmodells und der Umsetzungspartner. Ein guter & vertrauensvoller Dienstleister, der sich super mit XT Commerce auskennt, ist viel mehr wert als ein schlechter Dienstleister mit tollen Magento Referenzen. Aus mir unerfindlichen Gründen entscheiden sich viele Shopbetreiber trotzdem gerne für das aktuell populärste Shopsystem + den günstigsten Dienstleister. Eine letztendlich sehr teure Wahl, aber das muss jeder selber lernen. Trotzdem wollen alle E-Commerce Manager, die in ein neues Shopsystem investieren gerne wissen welches Shopsystem gerade die besten Chancen hat. Nicht selten landen die E-Commerce Manager dann bei den drei gerade populären Systemen Magento, Oxid und Shopware. Manchmal finden sich auch noch Presta und/oder XT Commerce in dieser Liste, allerdings sind diese Anfragen nach meiner Erfahrung deutlich seltener. Es gibt keine wirklich unabhängige Empfehlungsliste zu diesen drei Shopsystemen. Abhängig davon wen man fragt bekommt man zu jedem Shopsystem eine Liste gängiger Vorurteile, Legenden oder fachgetriebener Einschätzungen dazu. Das kann z.B. so aussehen:

  • Oxid: „Gutes Shopsystem aus Deutschland mit Schwerpunkt im Enterprise Bereich.“ „Gefühlt nicht so innovativ wie Shopware oder Magento mit Nachholbedarf bei der Plugin Engine.“ „Sitzen da nicht die Entwickler im Ausland?“ „Hybris nimmt denen nun die Kunden weg.“ „Kann man nehmen, wenn man eine gute Agentur dazu hat.“
  • Magento:  „Am stärksten verbreitet.“ „Bei großen Shops im Einsatz, aber teilweise vollkommen aufgebohrt.“ „Seit der eBay Übernahme passiert da nix mehr.“ „Es fehlt eine zentrale Steuerung.“ „Die meisten Plugins.“ „Viele Plugins sind nicht untereinander kompatibel.“
  • Shopware: „Tolles Front- und Backend.“ “Weniger Plugins als bei Magento.” „Die wachsen gerade sehr stark.“ „Wo ist Schöppingen?“ „Die haben noch nicht so viele Enterprise Kunden.“ „Bepado ist cool.“

Diese Listen ließen sich ewig lang fortsetzen und wenn man mit Developern spricht, dann hört sich das wieder ganz anders an, wobei es auch dort einige sehr festgefahrene Lager zu geben scheint. Mir persönlich ist das ziemlich egal, weil meine Aussage von oben trotzdem gilt. Software follows business model. Das gilt für die allermeisten Händler, aber SEO & Co. lenken halt gerne von den wesentlichen Fragen ab. Und Developer haben oft an jedem System etwas auszusetzen.

Die pauschale Antwort bezgl. der Software muss allerdings noch mal überdacht werden, wenn eines der Systeme besondere Vorteile verspricht. Zwischen 2008 und 2010 war das Magento mit seiner riesigen aktiven Developer Community und nun verspricht Shopware mit Bepado in diese großen Fußstapfen treten zu wollen. Klappt das?

 

Bepado ist (bisher) ein spannendes Experiment

Bepado versucht drei Herausforderungen im E-Commerce zu meistern, bei der jede für sich schon reichlich komplex ist.

  1. Es will Händler im Sinne eines Social Networks vernetzen. Händler A soll so leichter auf Händler B zugehen können und gemeinsame Geschäfte vereinbaren können. Aus meiner Sicht ein wichtiger Aspekt, allerdings bin ich mir unsicher, ob Bepado sich auf diese Funktion konzentrieren sollte.
  2. Es will ein riesiges Dropshipping Backend sein. Händler A soll die Produkte von Händler B auf seiner Plattform einbinden können und je nach Vertragsgestaltung ggf. auch verschicken können. Ziel wäre aber erst einmal die reibungslose Einbindung von „Drittprodukten“, um das eigene Sortiment zu ergänzen. Insofern macht es Sinn den Buchhändler Libri vom Start weg an Bord zu haben.
  3. Es soll Endkunden ermöglichen shopübergreifend nach Produkten zu suchen. Wenn ein Kunde von Händler A über dessen Produktsuche („Passende Produkte von anderen Händlern.“) zu Händler B gelangt, bekommt Händler A einen Kickback von Händler B, sollte der Einkauf des Kunden dort abgeschlossen werden. Ich stelle mir das als Alternative zur Google Product Search vor, die man u.a. auch bei großen Shops findet. Zum Teil erinnert es mich aber auch an die übergreifende Suche bei Rakuten, nur das hier diesem Fall kein zentraler Händler/Marktplatz in Erscheinung tritt.

 

Meine ganz ehrliche Meinung: Wenn das auch nur halbwegs solide funktioniert, dann tritt Shopware tatsächlich in die Fußstapfen von Magento aus den Jahren 2008-2010. Mit so einem System wären sehr interessante Kooperationsszenarien denkbar und durch die Öffnung der Plattform für andere E-Commerce Systeme (Oxid, Magento…),  ist der Erfolg nicht von der der Anzahl der Shopware Shops abhängig. Das so ein System allerdings am besten mit Shopware funktionieren wird, ist kein Geheimnis.

ABER: Die Closed Beta starte erst im Juli und es gibt hunderte von Fragestellungen die Bepado noch lösen muss. Auch Magento hatte 2011 noch hochtrabende Pläne mit X Commerce und seinem E-Commerce Connector und bisher ist nichts wirklich Sichtbares passiert. Die Phantasie mag Bepado prächtig anregen, aber aktuell würde ich das eher als Test betrachten. Bei den Shopware Community Days habe ich dazu auch Stefan Hamann befragt. Die Antworten zeigen, dass sich das Shopware Team schon sehr viele Gedanken zu dem System gemacht hat, aber erst der Live Test zeigen wird was funktioniert und was nicht.

 

 

Quo Vadis?

 

Festzuhalten bleibt, dass Shopware gerade auf einer Welle des Erfolgs schwimmt und mit Bepado eine sehr relevante und spannende Entwicklung vorantreibt die im Markt für einiges an Momentum sorgen könnte. Den Geschäftsführer der wahrscheinlich besten Shopware Agentur in Deutschland habe ich natürlich auch zu Bepado & Shopware befragt. (Disclosure: eTribes ist an NetShops beteiligt) Er ist auch sehr gespannt auf die Closed Beta von Bepado die im Juli startet und hat bereits einige Kundenanfragen zu dem Thema verzeichnet.

Ich wünsche Shopware sehr, dass sie mit Bepado erfolgreich werden, weil das auch andere Marktteilnehmer dazu animieren wird aus ihrer angestammten Shopsystemwelt auszubrechen und dazu beitragen neue E-Commerce Modelle zu entwickeln. Die Diskussion um die Shopsysteme ist ohnehin mühsam, aber notwendig wenn man sich mit Kunden darüber unterhält. Zu oft ist unklar welches System in welche Richtung erweitert wird und zu oft müssen dann die Shopsysteme als zentrale WAWI, ERP, PIM und CRM Tool erhalten. Wenn sich Hersteller und Händler nicht mehr mit der Systemwahl beschäftigen müssen und dafür mehr Zeit in ihre Produkte oder Geschäftsmodelle investieren, dann kommen wir ein ordentliches Stück weiter. Damit rechne ich allerdings nicht kurzfristig und davon kann Shopware aus meiner Sicht profitieren. Ähnlich sieht es auch Jochen Krisch, der sich gerade grundsätzlich Gedanken um Technologie im Online Handel macht. Mit Bepado denkt Shopware ein Stück weiter und zeigt ganz klar, dass sie mehr können als ein weiteres „Shopsystem“ zu bauen. Jetzt muss es nur noch funktionieren.

16 Gedanken zu „Quo Vadis Shopware & Bepado

  1. Hallo zusammen,
    nichts gegen Shopware und Bepado, aber so ganz neu ist die Idee nicht, oder?

    http://www.excitingcommerce.de/2009/11/thebakery.html

    oder auch direkt unter: http://www.theberlinbakery.com

    Libri-Anbindung, offen für Shopsysteme, Dropshipping, Vernetzung von Sortimenten, etc. – oh, und schon live, keine closed beta. Auch wenn da mal zur Abwechslung jemand in Berlin nicht nur laut getrommelt hat, vielleicht trotzdem einen Blick wert. 😉

  2. @Peer: Fairer Punkt, allerdings ist der Link kaputt bzw. führt auf eine Fehlerseite. Was mir bei thebakery noch fehlt(e) ist der Wachstumspfad. Woher sollen ausreichend viele Nutzer kommen, um eine kritische Masse zu erreichen. Da sind populäre (weit verbreitete) Shopsysteme wie Oxid, Magento oder Shopware viel besser geeignet, zumal wir uns bei solchen Themen noch in der Anfangsphase befinden und einige Iterationen durchlaufen müssen.

  3. @Alexander: Ja, das ist der Fluch der „First-Mover“. Aber gerade der Aspekt, dass hier ein Angebot bereits besteht, als Dienst verfügbar und erprobt ist, sollte doch für eine Erwähnung reichen, oder? Gerade wenn der Aspekt der Unabhängigkeit vom Shopsystem den besonderen Reiz ausmacht, sollte man die Bakery nicht unter den Tisch fallen lassen, da auch als Intershop-Tochter immer weitere Systeme wie Oxid und Magento unterstützt wurden.
    Und noch mal ja, die Iterationen sind wichtig. Denkt man Modelle mit gesplitteten Ordern auf mehrere Shops weiter, stellt sich schnell die Frage nach dem Umgang mit Retouren. Wer trägt das Warenrisiko? Was passiert bei einer Rückgabe durch den Kunden mit der Ware, die nicht zum eigenen Shop gehört? B2C-Geschäft in Richtung des Endkunden mit B2B-Geschäft im Innenverhältnis zwischen den Händlern… Aber sind solche Fragen nicht ein Grund mehr, die Leute zu fragen, denen Jochen Krisch schon Ende 2009 „erhebliche Sprengkraft“ attestiert hat? Mal unabhängig von der Verbreitung?

  4. Das stimmt, im meiner laschen Art zu schreiben habe ich euch leider vergessen. Das wird zu gegebener Zeit nachgeholt. Ich verweise aber super gerne auf euch, wenn ihr die u.g. Fragestellungen irgendwo öffentlich reflektiert. Dazu finde ich aktuell leider nichts.

  5. Es sind tatsächlich noch etliche Fragen bei bepado offen bzw. werden sich noch etliche Herausforderungen ergeben, die man noch nicht auf dem Radar hat. Ich persönlich sehe die eigentliche Sprengkraft von bepado jedoch weniger als Händlernetzwerk, sondern u.a. als Schnittstelle zwischen Lieferanten und Händler.

  6. Danke für die Erwähnung 🙂 In der Tat glaube ich, dass die so mögliche Vernetzung der Händler das zentrale Element der bepado-Strategie ist. Ich bin selbst kein Händler, könnte mir aber vorstellen, dass es derzeit einiges an Aufwand bedeutet, komplementäre Produktkataloge von vertrauenswürdigen anderen Händlern zu finden. Ob für den Austausch von Daten bzw. das wechselseitige Einbinden von Produkten ausschließlich die bepado-Basis genutzt werden wird, wird sich zeigen. Denkbar wäre ja auch, dass nach der initialen Vernetzung zweier oder mehrerer Händler komplett andere Geschäftsmodelle außerhalb der Plattform entstehen.

  7. @Peter: Meinst du wirklich? Was hält die Lieferanten in der heutigen Systemlandschaft denn noch davon ab selber zu handeln? Wenn Sie schon ihre Produkte bei „Bepado“ haben, dann können sie ja auch noch einen Shop eröffnen.

    @Roman: Ich bin mir (noch) nicht sicher, ob das die Händler wirklich suchen. Ihr Hauptfokus liegt ja auf der Generierung von Traffic/Kundenakquise und die meisten wissen, dass sie das nicht zwingend mit weiteren Produkten im Shop bekommen.

  8. @Alexander: Das der Link kaputt ist/auf eine Fehlerseite führt, können wir hier bei TheBakery nicht nachvollziehen….

    Die Fragen im Back-End sind in der Realität des Handels vielfältiger und wesentlich komplexer als es auf den ersten Blick erscheint.
    Ob der Shop mit Software von Intershop, Magento, OXID oder auch Shopware betrieben wird, ist -vom Backend betrachtet- sekundär.
    Primär sind unsere Kunden an Lösungen interessiert, die es erlauben, möglichst einfach die verfügbaren Sortimente der bereits angebundenen Händler mit möglichst aktuellen Bestandsangaben in verschiedene Kontaktpunkte einzuspielen, ob Shop, POS, Call-Center, HbbTV, QR-Shopping und Plattformen wie Rakuten und ebay und die daraus entstehenden Bestellungen transparent zu verarbeiten und an die nachgelagerten Systeme in der Logistik oder der FiBu zu übergeben.
    Addiert man hierzu noch die Komplexität in der Abbildung mehrstufiger Handelssysteme wie bspw. Verbundgruppen oder Franchiser, kommt man an Order Management Plattformen wie TheBakery, Order Motion oder iCongo (von Hybris übernommen) nicht mehr vorbei.

    @ Roman Zenner: Ich persönlich bezweifel, dass durch „Order Management Systeme“ komplett neue Geschäftsmodelle entstehen; ich bin aber zuversichtlich, das mit diesen Systemen einige Herausforderungen bestehender Handelsstrukturen gemeistert werden können.

    Sind Händler nicht bereits vertraglich verbunden (Bepado: Händler vernetzen sich im Sinne eines Social Networks), dann sind bestimmte Fragestellungen nur bedingt technisch zu lösen, z.B. die Regelung der:
    – Rechtsverhältnisse (bspw. wie kommt mit wem wann ein Kaufvertrag zustande)
    – vertraglichen Vereinbarungen über Warenrisiken und Retouren zwischen selbständigen Händlern (Danke @Peer)
    – Kreditoren-Debitoren-Verhältnisse
    Diese Punkte erfordern Strukturen, die weiter greifen als die reine technische Dienstleistung einer „Plattform-Bereitstellung“.

    Wir bei TheBakery sind gespannt, wie Shopware diese Fragestellungen im Sinne ihrer Kunden zukünftig beantworten wird.

    @ Alexander: Wie wäre es mit einem Vergleich der verschiedenen Ansätze im Back-End von verschiedenen Software-Herstellern?

  9. @Constantin: Jetzt geht der Link auch wieder bei mir. Als ich es gestern probiert hatte, gab es eine Fehlermeldung. Welche Art von Backend Vergleich meinst du? Also was soll genau wie verglichen werden?

  10. @ Alexander,

    Lieferanten werden meiner Erfahrung nach, insbesondere von zwei Dingen vom Direktvertrieb abgehalten: Fachhandelstreue und Konzentration auf das Kerngeschäft
    Oder anders ausgedrückt: Inkompetenz und Angst vor Umsatzeinbußen.

    Mal ganz ehrlich, klar gibt es Ausnahmen, aber es gibt doch fast keine Kompetenz auf Hersteller- und Lieferantenseite. Die wenigsten können auf Knopfdruck eine Lagerbestandsdatei erstellen. Es gibt noch genügend, die dafür jemanden ins Lager schicken müssen, damit der mal durchzählt. Im B2C mag es vielleicht etwas besser sein, aber im B2B ist es eine Vollkatastrophe. Die haben jetzt gerade mal erkannt, dass Internet keine temporäre Erscheinung ist und nicht mehr weggeht.

    Und die Angst vor Umsatzeinbußen ist vollkommen gerechtfertigt. Die wenigsten haben die für das Direktgeschäft notwendige Marktdominanz und sind vom Handel abhängig, sogar wenn sie die Onlinekompetenz hätten.

    Ein kleines Beispiel: Ein Großhändler hat seine Logistik befähigt Ware für seine Händler in dessen Namen auszuliefern (Streckengeschäft). Dies kostete ihn einen sechsstelligen Betrag. Hat nicht lange gedauert und er musste das Streckengeschäft wieder aufgeben, da ihm seine größten Händler aufs Dach gestiegen sind. Frei nach dem Motto: „Wenn Du jetzt jedem Wald- und Wiesen Onlinehändler die Ware auslieferst, brauchst Du uns ja nicht mehr“.

    Armselig nur, dass manchmal die Hersteller, welche die Fahne der Fachhandelstreue am höchsten halten, hintenrum über Betreibergesellschaften doch direkt verkaufen.

    Es gibt aber m.E. auch ein paar gute Gründe an den Fachhandel zu glauben:

    Mehr als 90%(?) der Einzelhandelsumsätze werden nach wie vor NICHT online erzielt.
    Die natürliche Grenze liegt m.E. bei 25% Onlineanteil vom Gesamtumsatz. Bedeutet auch in Zukunft werden 75% nicht online erzielt.

    Außerdem, glaube ich im Gegensatz zu vielen anderen, fest an die Chancen des stationären Handels. Diese müssen nur endlich das Internet RICHTIG nutzen lernen und ihre Stärken gegenüber dem Onlinehandel ausspielen.

    Gleichzeitig entstehen mittlerweile immer mehr interessante Experimente, die Online und stationär verknüpfen. Siehe auch unsere Artikelreihe local heroes.

    Welches in 14 Tagen übrigens gemeinsam mit eBay und dem HDE als Buch veröffentlicht wird. Warum sage ich das? – weil nicht ohne Grund alle großen Internetunternehmen wie Google, eBay etc. den stationären Handel fest auf dem Zettel haben und sich fragen wie sie sich diesen Markt erschließen können. Für mich ein Zeichen, dass auch diese großes Potential sehen oder die Endlichkeit des E-Commerce erkannt haben.

    Last, but not least sollte man nicht vergessen, dass alleine schon die Umstellung auf Direktvertrieb mit hohen Investitionen verbunden ist: Die Shop Software ist dabei nachrangig, aber deren Logistik, Warenwirtschaft etc. ist nicht auf Endkundengeschäft ausgerichtet. Die Prozesse und Organisation sowieso nicht. Und was ist mit dem Marketing um sich ins Gedächtnis der Endkunden zu brennen? – Wie Eingangs erwähnt, nicht jeder ist ein Adidas oder Nike.

    Dann doch lieber über bepado sein Händlernetz ins Internet verlängern. Vorteile und Möglichkeiten habe ich ausführlich in meinem Artikel geschildert. -> http://www.shopanbieter.de/news/archives/7222-starker-start-fuer-das-haendler-netzwerk-bepado.html

    Sorry, für die Verlinkung. Aber das Kommentarfeld habe ich mit diesem langem Monolog eh schon überstrapaziert.

  11. Gute Einwände. An die natürliche Grenze beim Onlineumsatz glaube ich nicht. Wodurch soll diese bedingt sein? Wie können Geschäftsmodelle die „nur“ Handel betreiben und auf teure innerstädtische Lager (Filialen) angewiesen sind überleben, wenn sie nicht mal annähernd die KPIs von Onlinemodellen erreichen. Ich hoffe für den stationären Einzelhandel, dass es nicht so kommt. Aber ich könnte es momentan nicht erklären, warum dem so sei. Und was genau sind denn die wertvollen Kompetenzen der Onlinehändler? Sie können ein Shopsystem mit dem Payment verbinden und haben eine ordentliche Buchhaltungssoftware. Oh je – wenn das so ist, dann wäre ich aber lieber Großhändler. Irgendwann steigen denen auch nicht mehr die Fachhändler aufs Dach, weil es die dann nicht mehr gibt.

  12. Die natürliche Grenze wird vor allem vom Konsumenten gesetzt. Ich glaube wir Onliner überschätzen unseren Markt oftmals, da wir viel zu tief drin stecken. Aber Fakt ist doch, dass nicht jeder so Internetaffin ist wie wir und auch gar nicht sein möchte!

    Gleichzeitig, werden sich noch einige Geschäftsmodelle für den stationären Handel entwickeln, dessen bin ich überzeugt. Überleben werden diejenigen lokalen Händler, welche professionell agieren und sich auch mit ihren Produkten identifizieren. Ist ja aber dasselbe Thema wie bei den Online-Händlern -> Gehe in die Nische und baue eine hohe Glaubwürdigkeit auf. Reines „Kistenschieber“ werden hüben wie drüben tatsächlich aussterben.

    Aber ich persönlich würde auch viel öfter stationär einkaufen, wenn ich wüsste wo es das gesuchte bzw. benötigte Produkt gibt und vorrätig ist. Ist eigentlich nichts anderes als „Google Shopping“ für stationäre Händler (BTW: Gibt es in USA ja auch schon von Google).

    Nur mal zwei Beispiele aus meiner persönlichen Perspektive:

    1. Ich skizziere bereits seit Jahren meine Erwartungshaltung an den stationären Handel wie folgt: Ich gehe in ein Geschäft, suche ein Hose aus die mir gefällt, gibt es aber leider nicht in meiner Größe. Also scanne ich via Handy den Barcode und meine Produktfinder-App zeigt mir an, in welchem nächstgelegenen Geschäft es genau diese Hose in der gewünschten Ausführung und Größe gibt. Und auch noch, wo es aktuell Gutscheine oder Aktionen gibt.

    2. Vorteil eines stationären Handels sollte eigentlich ja die Beratungskomponente sein. Blöd halt nur, wenn es Händler gibt die nur genau die Ware empfehlen die sie gerade auf Lager haben und los werden müssen.

    Wenn jetzt aber ein Händler die Produkte nicht mehr zwingend auf Lager haben muss, sondern das für die Anforderungen des Kunden beste Produkte im Laden direkt mit dem Kunden online bestellt und dieser entscheidet ob sich die Ware im Laden abholt oder nach Hause schicken lässt, kann das für alle von Vorteil sein.

    Der Händler hätte dann nur noch Rennerprodukte lagernd, andere als Vorführprodukte im Laden und den großen Longtail kann er mit 360 Grad-Ansicht am Tablet zeigen.

    Last, but not least – Menschen mögen grundsätzlich Kontakt zu Menschen haben und nicht zu Computern.

    Ist jetzt alles nur grob angerissen, aber in diese Richtung wird oder sollte es gehen. Und ganz ehrlich – Otto mit seinen enormen Kompetenzen, alleine schon in der Logistik, hätte beste Vorrausetzungen sich ein stationäres Netz aufzubauen. Und damit endlich mal Amazon & Co. etwas entgegenzusetzen. 😉

    Just my fice cents.

  13. Ich glaube nicht, dass die Kanäle überhaupt eine Rolle spielen. Ich will das Produkt meiner Wahl zu den besten Transportkosten. Für mich spielt das (stationäre) Einkaufserlebnis keine Rolle und ich glaube wie du, dass sich diese Präferenz nicht auf alle Käufer übertragen lässt. ABER: Die Beratungskomponente stationär ist doch vollkommen überschätzt. Wo genau bekommt man dann heutzutage gute Beratung und wie soll der Handel diese weiterhin finanzieren, wenn die Margen sinken?

  14. Sicherlich liegt beim stationären Handel hinsichtlich Beratungskompotenz einiges im Argen. Diese werden aber auch von der Bildfläche verschwinden, siehe mein erster Kommentar zum Thema „Kistenschieber“. Es wird sich aber viel Neues ergeben und auch der Onlinehandel orientiert sich doch jetzt schon gen Laden. Heute Getgoods, gestern Notebooksbilliger, eBay macht Showrooms etc. pp.

    Und ganz ehrlich, hättest Du mir vor ein paar Jahren gesagt, dass Internetunternehmen im TV und in Fussballstadien Werbung machen werden, hätte ich Dich wahrscheinlich für verrückt erklärt. Genauso werde ich vermutlich belächelt, wenn ich nicht in das Lied des toten Ladenhändlers mit einstimme. Aber auch Discounter und Einkaufszentren auf der grünen Wiese haben nicht alles platt gemacht.Aber ja, Wandel ist notwendig und es werden einige auf der Strecke bleiben. Doch es wird auch neue geben. So wie immer.

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