Sind Apps nur eine Modeerscheinung?

Diese interessante Frage versucht Joachim Graf gerade auf DS zu beantworten:

Letztlich kann man natürlich nicht gegen eine Religion an-argumentieren. Gegen Menschen, für die es cool ist, für nutzlose Anwendungen zu bezahlen (ja ich weiß: für nützliche Anwendungen auch). Und die dann auch noch mit der Coolness argumentieren. Ich weiß, wovon ich spreche: Ich habe solche Menschen in der Familie. Aber für alle anderen von uns, für uns Unapflige, entspricht das nicht dem Lebensalltag. Schon seit Monaten schwimmt iBusiness gegen den Meinungsstrom (”Schnell reich und berühmt werden in der Appconomy”). Mein vorsichtiger Einwand. Leider wird es das nicht geben. Genauso wenig, wie ein Strohfeuer warm macht.

Zusammengefasst sagt er Folgendes:

  • Anwendungen deren Inhalt ohne weiteres auch auf Websites, ggf. dank HTML5, dargestellt werden können, benötigt niemand
  • Der App Markt aufgrund der wachsenden Anzahl von Betriebssystemen und Ausgabegeräten sehr komplex – die Betreuung von Apps (Updates, Anpassungen….) wird zunehmend teurer
  • HTML5 kann zunehmend die Dinge abbilden die bisher nur im nativen Umfeld funktioniert haben
  • Apps sind eher eine Modeerscheinung, weil es irgendwie cool ist solche (ggf. sinnlosen) Dinge zu haben

Insgesamt stimme ich Joachim zu. Der Markt wird gerade sehr gehyped und es schießen unzählige App-Agenturen aus dem Boden. Eine Konsolidierung des Marktes werden wir aber so schnell nicht sehen. Dafür ist mE noch zu viel Hype Potential vorhanden. Allerdings gibt es Anwendungen die stark auf die nativen Eigenschaften eines mobilen Gerätes angewiesen sind und deshalb zu Recht gehyped werden und auch mittelfristig keinen Ersatz in optimierten HTML5 Websites finden werden. Dazu gehören z.B. aufwändige Spiele. Die APP zur Taxibestellung wird es sicher bald als „normale“ Website geben. Vielleicht wird es mit den nächsten Browsern bei Android & Co. etwas einfacher den „Favoritenlink“ auf den Startbildschirm zu speichern. Dann könnten viele Apps schon einpacken.

Als Minientscheidungsmatrix stellt sich das aus meiner Sicht wie folgt dar:

App Entscheidungsbaum

Brauche ich eine App?

Ich bin gespannt, wie sich dieser Markt weiter entwickelt und was HTML5 wirklich bringt. Auf jeden Fall werden HTC und Apple dieser Entwicklung mit neuen nativen Eigenschaften der Telefone entgegensteuern. Gut für die User.

27 Gedanken zu “Sind Apps nur eine Modeerscheinung?

  1. warum sollten apps überschätzt werden? selbst wenn es für bestimmte aufgabenbereiche (pizza bestellen, taxi usw.) webseiten gibt, ist es für den nutzer doch einfacher auf ein farbiges icon zu drücken als den browser aufzurufen und die adresse einzugeben.

    das erinnert mich an google mit ihrem chrome OS. da wird man sehenwie viele nutzer bereit sind alle ihre daten der clound anzuvertrauen und nur noch web-apps nutzen.

    apps sind wie programme auf meinem pc und werden so schnell bestimmt nicht verschwinden.

  2. warum sollten apps überschätzt werden? selbst wenn es für bestimmte aufgabenbereiche (pizza bestellen, taxi usw.) webseiten gibt, ist es für den nutzer doch einfacher auf ein farbiges icon zu drücken als den browser aufzurufen und die adresse einzugeben.

    das erinnert mich an google mit ihrem chrome OS. da wird man sehenwie viele nutzer bereit sind alle ihre daten der clound anzuvertrauen und nur noch web-apps nutzen.

    apps sind wie programme auf meinem pc und werden so schnell bestimmt nicht verschwinden.

    This comment was originally posted onKassenzone – Commerce, Mobile, Technologie

  3. Apps machen durchaus Sinn. Klar gibt es viele Spielereien die kein Mensch braucht und wirklich nur Zeit fressen. Auf der anderen Seite gibt es aber viele nützliche wie z.B. die Taxi App, die habe ich schon des öfteren benutzt. Letztendlich ist dies natürlich subjektiv, was nützlich ist liegt selbstverständlich immer im Auge des Betrachters.

  4. Apps machen durchaus Sinn. Klar gibt es viele Spielereien die kein Mensch braucht und wirklich nur Zeit fressen. Auf der anderen Seite gibt es aber viele nützliche wie z.B. die Taxi App, die habe ich schon des öfteren benutzt. Letztendlich ist dies natürlich subjektiv, was nützlich ist liegt selbstverständlich immer im Auge des Betrachters.

    This comment was originally posted onKassenzone – Commerce, Mobile, Technologie

  5. Ergänzen sollte man, dass Apps auch vor dem Hintergrund des AppStores als Vermarktungskanal sinnvoll sein können und einen höheren Brandingeffekt aufweisen können (Icon ständig auf dem Dashboard sichtbar).

    Beide Aspekte sollte meiner Meinung nach, trotz der App-Inflation, nicht vernachlässigt werden wenn man über Apps nachdenkt.

  6. Ergänzen sollte man, dass Apps auch vor dem Hintergrund des AppStores als Vermarktungskanal sinnvoll sein können und einen höheren Brandingeffekt aufweisen können (Icon ständig auf dem Dashboard sichtbar).

    Beide Aspekte sollte meiner Meinung nach, trotz der App-Inflation, nicht vernachlässigt werden wenn man über Apps nachdenkt.

    This comment was originally posted onKassenzone – Commerce, Mobile, Technologie

  7. Pingback: Wann sind wir endlich für M-Commerce bereit? | Kassenzone

  8. Schöner Artikel der die derzeit sehr aktuelle Thematik nach der Zukunft der Apps aufgreift. Denke das bald auch die Unternehmen auf den Trichter kommen werden und keine Lust haben Apps für 4-5 verschiedene Smartphones zu erstellen sondern lieber eine kostengünstigere mobile Browservariante wählen.

  9. Schöner Artikel der die derzeit sehr aktuelle Thematik nach der Zukunft der Apps aufgreift. Denke das bald auch die Unternehmen auf den Trichter kommen werden und keine Lust haben Apps für 4-5 verschiedene Smartphones zu erstellen sondern lieber eine kostengünstigere mobile Browservariante wählen.

    This comment was originally posted onKassenzone – Commerce, Mobile, Technologie

  10. Pingback: twive!

  11. Brauchen Online-Händler überhaupt eigene iPad Apps? (2)…

    Sollen Shopbetreiber nun wie GAP in eine zusätzliche iPad App investieren oder wie Lascana über ihre Website auf dem Tablet-PC verkaufen? Eine Antwort auf diese spannende Zukunftsfrage hat nun Alexander Graf (Kassenzone.de) parat: “Der App-Markt wird …

    This comment was originally posted onKassenzone – Commerce, Mobile, Technologie

  12. Interessant. Die These apps = Second Life 2010 = Modeerscheinung habe ich neulich auch in einem Vortrag zur Diskussion gestellt.

    Trifft den Punkt meiner Meinung nach sehr genau; natürlich gibt es gute und sinnvolle apps, aber es gibt einfach extrem viele die keinen Sinn machen und einfach normalerweise keine eigene app Wert sind.

    Dazu zählen nicht nur Webseitenapps, die auf dem iphone oder Android-Systemen Ihren Content viel langsamer darstellen, als wenn ich einfach schnell mit Opera Mini die Webseite ansurfe.

    Auch Online-Shops, die keinen sinnvollen zusätzlichen Nutzen mit ihren apps erzeugen und auch keine kritische Masse haben (= provokant gesagt: fast alle ausser amazon) sind besser beraten die Hürden für den User flach zu setzen und ihre Seite so zu optimieren, daß man mobil direkt auf der echten Webseite surfen und einkaufen kann OHNE erstmal die Hemmschwelle zu haben, daß man sich vorher eine app runterladen und installieren muss.

    Aus Sicht der Anbieter bezahlter (oder am liebsten bezahlter) Inhalte ist der app-hype aber nachvollziehbar, verbindet sich damit doch die Hoffnung, daß man die Freiheit und Unkontrollierbarkeit des Netzes aushebeln und den user endlich wieder in seinem walled garden einfangen (und abkassieren) kann.

    Aber wie bei anderen Phänomenen wird es auch hier eine Korrektur geben und es wird am Ende das übrig bleiben, was Sinn macht. Durch die explodierenden Nutzerzahlen kann man momentan noch immer genug dumme Neulinge finden, die auf ihrem neuen Spielzeug erstmal mehr Geld ausgeben als vorgesehen. Aber irgendwann ist ein Smartphone nichts neues mehr, hat man genug für apps bezahlt, die man nicht verwendet und deren Kauf man bereut und konzentriert sich auf die Dinge, die Sinn für einen persönlich machen.

    Und sobald es auch für Mobilsysteme performante und benutzbare Webapps auf der einen Seite und flächendeckenderes Highspeedinternet auf der anderen Seite gibt, wird auch die Frage, welche Dinge man nativ installieren muss, neu ausgewürfelt.

    Gerade auf den Desktopsystemen ist ja die umgekehrte Bewegung im Gang und es werden immer mehr apps (= installierte Programme) von Weblösungen abgelöst. Das hat seine Grenzen, wird aber durch neue Technologien (offline storage, apis für lokalen Zugriff auf Hardware etc.) für immer weitere Felder interessant und wird sich so auch auf (zumindestens einigen) Mobilsystemen so durchsetzen.

  13. Interessant. Die These apps = Second Life 2010 = Modeerscheinung habe ich neulich auch in einem Vortrag zur Diskussion gestellt.

    Trifft den Punkt meiner Meinung nach sehr genau; natürlich gibt es gute und sinnvolle apps, aber es gibt einfach extrem viele die keinen Sinn machen und einfach normalerweise keine eigene app Wert sind.

    Dazu zählen nicht nur Webseitenapps, die auf dem iphone oder Android-Systemen Ihren Content viel langsamer darstellen, als wenn ich einfach schnell mit Opera Mini die Webseite ansurfe.

    Auch Online-Shops, die keinen sinnvollen zusätzlichen Nutzen mit ihren apps erzeugen und auch keine kritische Masse haben (= provokant gesagt: fast alle ausser amazon) sind besser beraten die Hürden für den User flach zu setzen und ihre Seite so zu optimieren, daß man mobil direkt auf der echten Webseite surfen und einkaufen kann OHNE erstmal die Hemmschwelle zu haben, daß man sich vorher eine app runterladen und installieren muss.

    Aus Sicht der Anbieter bezahlter (oder am liebsten bezahlter) Inhalte ist der app-hype aber nachvollziehbar, verbindet sich damit doch die Hoffnung, daß man die Freiheit und Unkontrollierbarkeit des Netzes aushebeln und den user endlich wieder in seinem walled garden einfangen (und abkassieren) kann.

    Aber wie bei anderen Phänomenen wird es auch hier eine Korrektur geben und es wird am Ende das übrig bleiben, was Sinn macht. Durch die explodierenden Nutzerzahlen kann man momentan noch immer genug dumme Neulinge finden, die auf ihrem neuen Spielzeug erstmal mehr Geld ausgeben als vorgesehen. Aber irgendwann ist ein Smartphone nichts neues mehr, hat man genug für apps bezahlt, die man nicht verwendet und deren Kauf man bereut und konzentriert sich auf die Dinge, die Sinn für einen persönlich machen.

    Und sobald es auch für Mobilsysteme performante und benutzbare Webapps auf der einen Seite und flächendeckenderes Highspeedinternet auf der anderen Seite gibt, wird auch die Frage, welche Dinge man nativ installieren muss, neu ausgewürfelt.

    Gerade auf den Desktopsystemen ist ja die umgekehrte Bewegung im Gang und es werden immer mehr apps (= installierte Programme) von Weblösungen abgelöst. Das hat seine Grenzen, wird aber durch neue Technologien (offline storage, apis für lokalen Zugriff auf Hardware etc.) für immer weitere Felder interessant und wird sich so auch auf (zumindestens einigen) Mobilsystemen so durchsetzen.

    This comment was originally posted onKassenzone – Commerce, Mobile, Technologie

  14. @Georg: 100% Zustimmung. Aber solange es genug „dumme“ Unternehmen gibt und ausreichend viele Mobile Berater die genau das Gegenteil erzählen, werden wir eher noch einen bulisheren App Markt sehen.

  15. Das stimmt; und dann gibt´s noch dieses Gerede von wegen Werbeeffekt – das hat mich besonders an Second Life erinnert, da musste ja auch plötzlich jede Marke einen brandstore aufmachen.

    Auf der webinale wurde (mal wieder) z.B. das Waterslide Game von Barclays als absolut positives und natürlich zwingendes Beispiel für eine erfolgreiche app vorgestellt und jede Marketingabteilung, die was auf sich hält, sollte natürlich über sowas nachdenken. Millionen Downloads und noch mehr engagement minutes! Aber selbst wenn ich so ein game cool finde – mache ich davon wirklich abhängig, welcher Bank ich mein Geld anvertraue?

    Und auch da wiederholt sich die Geschichte: selbst wenn das Spiel bzw. den Character fast jeder kennt – kann sich wirklich noch jemand daran erinnern, welche MARKE damals mit dem Moorhuhn bekannt gemacht werden sollte?

  16. Das stimmt; und dann gibt´s noch dieses Gerede von wegen Werbeeffekt – das hat mich besonders an Second Life erinnert, da musste ja auch plötzlich jede Marke einen brandstore aufmachen.

    Auf der webinale wurde (mal wieder) z.B. das Waterslide Game von Barclays als absolut positives und natürlich zwingendes Beispiel für eine erfolgreiche app vorgestellt und jede Marketingabteilung, die was auf sich hält, sollte natürlich über sowas nachdenken. Millionen Downloads und noch mehr engagement minutes! Aber selbst wenn ich so ein game cool finde – mache ich davon wirklich abhängig, welcher Bank ich mein Geld anvertraue?

    Und auch da wiederholt sich die Geschichte: selbst wenn das Spiel bzw. den Character fast jeder kennt – kann sich wirklich noch jemand daran erinnern, welche MARKE damals mit dem Moorhuhn bekannt gemacht werden sollte?

    This comment was originally posted onKassenzone – Commerce, Mobile, Technologie

  17. Pingback: Kaffeeringe

  18. Apps-​Hype = Second-​Life 2010…

    Verschiedene Blogger beschäftigen sich zur Zeit mit der Zukunft von Apps. Apps sind diese kleinen Programme, die man für sein Mobiltelefon kaufen kann — viele gibt es auch umsonst. Es hat sich aber vor allem rund um den App-​Store von…

    This comment was originally posted onKassenzone – Commerce, Mobile, Technologie

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.