Machen Shopverkäufe Sinn?

Um es vorweg zu nehmen. Der Markt regelt wie immer Angebot und Nachfrage und über persönliche Präferenzen kann ich hier auch nicht urteilen. Ich habe mich bloss gefragt was man eigentlich kauft, wenn man bei eBay so etwas wie mycornflakes oder yiehaa ersteigert. Es geht bei solchen Verkäufen meistens um immaterielle Gegenstände und nicht um materielle Güter. Mir fällt es spontan schwer diese Angebote zu beurteilen und irgendwie habe ich den Eindruck, dass es bei den beiden genannten Beispielen nur um PR geht.

Wirklich viel Geld verdienen lässt sich mit dem Verkauf solcher Shops scheinbar nicht, wenn man der Zusammenstellung auf Deutsche-Startups.de glauben kann. (Vorsicht: Nicht alles sind Shops!) Wie sollte man nun aber den Wert von zum Beispiel mycornflakes.com ermitteln? Zu kaufen gibt es ja genug. Ich versuche mal die wichtigsten Faktoren zu sammeln und am Ende am Beispiel von yiehaa anzuwenden.

Traffic: (Gewichtung 1,0)
Wieviel Traffic bekommt die Seite lässt sich relativ einfach ermitteln. Wichtig dabei ist zu beurteilen woher der Traffic kommt. Direktaufrufe = sehr gut. Goggle-Traffic = sehr schlecht. Traffic aus Facebook = naja. Google Traffic ist in keinster Weise nachhaltig und muss perspektivisch teuer erkauft werden -> Preiswettbewerb. Wenn ein Shop aber für ganz bestimmte Produkte steht (z.B. mymuesli), dann wird der Traffic generisch erzeugt. Das ist wertsteigernd.

Geschäftskonzept: (Gewichtung 4,0)
Geht es bei dem Shop um eine reine Mittlertätigkeit, oder ist das Geschäftskonzept mit vielen Wertschöpfungsstufen ausgestattet? Eine Shop auf XT-Commerce Basis der billige Digicams verkauft hat als einzige Wertschöpfungsstufe den Einkauf der Kameras. Ein Shop bzw. ein Shopsystem bei dem der User noch Spuren hinterlässt generiert sicherlich mehr Wert. Es reicht schon, wenn es Anreize sind die den User zur Wiederkehr verleiten. Ein Newsletter mit 50.000 Abonnenten wäre da schon was.

PR-Faktor: (Gewichtung 0,5)
Der PR-Faktor beim Shopauf wirkt sehr kurzfristig und kann mE nicht wesentlich den Traffic beeinflussen. Man könnte durch den Kauf eines Shops schon eher sein eigenens (ggf. dubioses) Geschäft bewerben. Die Methode mit dem Pabst-Golf finde ich gar nicht so schlecht. Auf jeden Fall könnte ein billig erworbener Shop bei eBay (z.B. <5.000 Euro) zu mehr Pressefeedback führen als eine Agenturmeldung. Ich bin mir nicht sicher wie stark die Blog-Resonanz wirkt. Auf den Endkunden wirkt das wohl nur minimal.

Umsätze/Ergebnis: (Gewichtung 0,0/3,0)
Umsätze werden meines Erachtens vollkommen überschätzt. Das lässt sich dieser Tage sehr schön an den Ergebnissen von Arcandor sehen. Viel Umsatz, aber Verluste. So wird es wohl auch vielen Online-Shops gehen die sich im Preiswettbewerb befinden. Siehe die eBay Powerseller Insolvenzen. Viel wichtiger ist das Ergebnis bzw. die EBITDA Marge. Liegt die über 5% und ist das Geschäftskonzept gut, dann steigt die Bewertung deutlich.

USP: (Gewichtung: 2,0)
Nicht zu verwechseln mit dem Geschäftskonzept. Das könnte ja auch kopiert werden. Der USP eines Shops könnte sich aus besonders schöner Präsentation von Produkten (z.B. asos) oder einer tollen Sortimentierung zusammensetzen. Wenn es einen USP gibt, dann muss auch darauf geachtet werden, ob dieser skalierbar ist. USPs könnten zum Beispiel zeitlich oder räumlich beschränkt sein. Man denke an eine Flashfunktion die alle Olympia 2008 Teilnehmer aus Hamburg zeigt mit den aktuellen Ergebnissen. Ok – hat nichts mit einem Shop zu tun, aber der Punkt wird hoffentlich klarer.

Nachhaltigkeit:
…lässt sich ableiten aus Geschäftskonzept und USP.

Sonstiges: (Gewichtung 2,0)
Es gibt natürlich noch weitere Sachen wie Shopsysteme, ERP-Systeme, usw., aber das sind eher fixe Bestandteile die eine Bewertung bei einem ausgereiften Shop wohl nicht so sehr beeinflussen. Das muss ohnehin alle 2 Jahre neu gemacht werden, um dem Marktstandard zu folgen.

Bundling: (Gewichtung: Bonuspunkt 1,0)
Mein Lieblingswort im Distanzhandel. Einfach irgendwelche mysteriösen Produkte zusammen verkaufen, um damit das Preisgefühl des Käufers zu vernebeln. Früher hatte noch das Handyfeuerzeug (geiler Song übrigens :-)) ausgereicht. Mittlerweile muss da mehr kommen. Bei getmobile wird das zur Perfektion getrieben. Kein schlechter Deal wenn man gerade einen Plasma und eine Playstation haben möchte. Ein Shop der seine Produkte bundeln kann ist im Vorteil.

Strategie:
Das muss jeder Käufer individuell bewerten. Einkaufseffekte, Synergiepotentiale…

Wahrscheinlich habe ich noch ein paar Faktoren vergessen, aber darauf könnt ihr mich in den Kommentaren hinweisen. Schaun wir mal wie sich dieses Bewertungsmodell bei Yiehaa so anfühlt. Bei eBay hat die Social Winning Plattform ganze 24.550 Euro eingebracht. Auf ExctingCommerce wurde der Preis in den Kommentaren als viel zu niedrig angesehen. Die Betreiber selber fanden es wohl ganz ok. Der E-Commerce-Blogger hält es sogar für Wahnsinn, (Update: dass eBay als Exit Kanal genutzt wird) :-). Ich finde 25.000 Euro für 6 Monate Arbeit von mehreren Personen einfach nur verdammt wenig Geld.

Yieeha.de

Yieeha.de

Aus dem Angebot bei eBay:

Fakten zu Yieeha:
Über 13.000 registrierte Community-Mitglieder
Über 11.500 Produktwünsche
Über 7.500 ausgespielte Gewinnspiele
Über 100 Partnershops

Zum Traffic (Analyse durch Google-Analytics):

ca. 60.000 Visits pro Monat
ca. 290.000 PageImpressions pro Monat

Lets rank:(1=schlecht, 5=gut)

Traffic: Es wird nicht ganz klar woher der Traffic kommt. Ggf. über Google Keywords, ggf. über Forenwerbung bzw. kostenlos.de und Co. Generischer Traffic wird es wohl nicht sein. Bewertung: 2 X Gewichtung: 1= 2. Der Name ist auf jeden Fall schlecht zu merken. Ich habe mich dauernd vertippt und yiehaa eingegeben.

Geschäftskonzept: Die Idee ist nachvollziebar und auch innovativ, aber alles was ich bzw. der normale User nicht nach 5 Sekunden verstehe/t kauf ich nicht. In einer idealen (gebildeten) Online Welt mag das funktionieren, aber als Stand-Alone Modell eher nicht. Bewertung: 1 x 4 = 4

PR: Auch wenn im Blog angekündigt wird, dass mehrere Zeitungen darüber schreiben, habe ich nicht viel mitbekommen. Der Pressetext der Käufer klingt für mich etwas gekünstelt und findet auch nicht wirklich Widerhall in der Presse. Bewertung: 2 x 0,5 = 1 (Oder habe ich wesentliche Artikel übersehen?)

Ergebnis: Gibt es wohl bisher noch nicht. Wenn dann auch nur sehr niedrig. Bewertung: 1 x 3 = 3

USP: Vielleicht das Geschäftsmodell oder gute Partner. Ich denke die USP ist noch nicht vollständig aufgebaut. Könnte sich aber je nach Geschäftsmodellgestaltung noch entwickeln. Bewertung: 2 x 2 = 4

Sonstiges: Die Plattform sieht interessant aus, lässt sich aber sicher nicht weiterverwenden. Ansonsten sehe ich da nichts Besonderes. Bewertung: 2 x 2 = 4

Bundling: Intransparentes Modell = hohe Erlöspotenziale. Hier gibt es die volle Punktzahl von mir. Bewertung 5 x 1 = 5

Fazit: Maximal zu erreichen waren 67,5 Punkte. Minimal zu erreichen waren: 13,5 Punkte. Yiehaa bekommt von mir 23 Punkte und liegt damit in den schlechtesten 25%. Ein eher mageres Ergebnis also.

Nun kann man sich darüber streiten, ob 25.000 Euro für ein schlechtes Scoring nach diesem Modell viel oder wenig Geld ist. Ich halte es für reichlich viel Geld außer man treibt Schabernack mit den Kundendaten oder man kann die Plattform anderweitig verwenden.

Die Faktoren sollen auch nicht den Anspruch auf eine umfassende Bewertung haben, sondern nur ein erstes Bauchgefühl formalisieren. Ich habe mich aufgrund der vielen Verkäufe in den letzten Wochen nur gefragt wie man das sinnvoll bewerten könnte. Vielleicht habt ihr noch ein paar Tipps. Am Ende des Tages muss der Preis aber über das Ergebnis begründet werden.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Handel von Alexander Graf. Permanenter Link des Eintrags.

Über Alexander Graf

Alexander Graf ist Geschäftsführer von Spryker Systems, einem Joint Venture, das er im November 2014 zusammen mit Nils Seebach und Project A Ventures gegründet hat. Er verantwortet das Business Development und die Strategie des Technologie-Anbieters mit Sitz in Hamburg. Er ist zudem Gründer des größten europäischen Netzwerkes für digitale Unternehmer eTribes. Sein neues E-Commerce Buch wurde schon über 2.000x verkauft. Auf über 300 Seiten erklären Alexander Graf und Holger Schneider darin alle wichtigen Zusammenhänge zu Marktanalysen, Geschäftsmodellen und Strategien im E-Commerce. Er kann als Speaker und/oder Pausenclown gebucht werden. alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

0 Gedanken zu “Machen Shopverkäufe Sinn?

  1. Hi, ich hatte gebloggt, dass der Verkauf der Plattform in Ebay „Wahnsinn“ ist, nicht der erreichte Preis. Da lief die Auktion noch. Ich finde den Preis auch viel zu gering.

  2. Hi Knuth. Das hatte ich auch so verstanden. Du hast aber Recht, das klingt oben etwas zweideutig.

  3. Hi Philipp, was möchtest du uns mit diesem Kommentar sagen? Findest du die Bewertung deiner Plattform zu niedrig, falsch, einfach nur doof….

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