Shein ohne Zoll-Trick: „Die wären bei maximal 5% Marktanteil“

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Tarek Müller über die Shein Zahlen und die Börsenperformance.

Tarek Müller (AboutYou) hat mich in den letzten Wochen mehrfach angepingt: unsere Einschätzung zu Shein sei zu positiv. Nach dem Börsengang (Kurs eine Woche später schon 10% im Minus) habe ich ihn eingeladen, um das auszudiskutieren.

Seine Kernthese: Der Erfolg von Shein, Temu und Alibaba beruht eben nicht nur auf Innovation, sondern zu einem erheblichen Teil auf Kostenvorteilen, die wir als Europäer selbst finanziert haben. Rund 20% Marktanteil im europäischen Online-Modemarkt, etwa 20 Mrd. Euro Volumen, aufgebaut in sechs, sieben Jahren, flankiert von rund 3 Mrd. Euro nicht erhobener Zollgebühren pro Jahr.

Wir rechnen durch, was das konkret bedeutet: Bei 75-80% Direktversand aus China und 15% Zollsatz hätte Shein nicht bei +4% EBIT operiert, sondern bei -6%. Damit fällt die Fähigkeit weg, Investorengeld einzusammeln, Marketing zu finanzieren, Volumen und damit Einkaufspreise und Skaleneffekte aufzubauen. Tareks Hypothese: mit Level Playing Field von Anfang an wären die China-Modelle bei maximal 5% Marktanteil gelandet.

Außerdem: warum Factory-to-Consumer ohne Zollumgehung ökonomisch nicht funktioniert und warum AboutYou das Modell zwar gebaut, aber bewusst nicht skaliert hat. Warum Temus Umschwenken auf europäische Händler den Preisvorteil auflöst. Warum die E-Commerce-Branche das Thema politisch sechs Jahre lang verschlafen hat.

Im zweiten Teil wird es grundsätzlich: Ist Online überhaupt noch ein gutes Geschäftsmodell? Inditex mit 19-20% EBIT-Marge gegen Zalando mit 5% – aber 5 Mio. Euro CapEx pro Zara-Store gegen drei Klicks für ein neues Land. Wir streiten über meine These, dass es im E-Commerce keinen „Arztberuf“ mehr gibt, über Googles Auktionsmechanik als binäres Spiel, über gestapelte Plattformökonomien und darüber, was ich meinem Sohn fürs Wirtschaftspraktikum empfehlen soll.

Tareks Prognose zum Schluss: Shein und Temu werden in Kontinentaleuropa in den nächsten fünf bis sieben Jahren schleichend schrumpfen (anteilig), inflationsbereinigt etwa um die Hälfte. Und: Der China-Druck hat die europäischen Player effizienter gemacht, als sie es ohne ihn je geworden wären.

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